Der Weg zum Ich – Teil 3

 

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Das Explodieren des Ichs

Ich las immer wieder esoterische Bücher und suchte Kontakte zu Menschen mit ähnlichen Interessen. Beinsa Douno hatte vorhergesagt, dass die von den Bolschewiken auferlegte „Religion der Arbeit“ 45 Jahre dauern werde. Nach ihrem Zusammenbruch würden 10 Jahre lang (bis 1999) günstige Voraussetzungen für die geistige Entwicklung in Bulgarien bestehen.  Und tatsächlich beseitigte der Staatsstreich Ende 1989 die äußeren Schranken auf dem Weg zur Geistigkeit. Viele suchten nach Gott, zogen sich jedoch bald zurück und versanken ins Materielle, denn die inneren Schranken bestanden weiter. Diese muss der Mensch persönlich überwinden. Es gab wenige dauerhaft Suchende, aber zum Glück schlossen sich ihnen neue Seelen an. 

Es kam der Sommer des Jahres 1994 mit der Euphorie von der Fußballweltmeisterschaft, als die bulgarische Mannschaft das Finale erreichte. Äußerlich nahm ich am Volksfest teil, aber innerlich lief ein Prozess ab, der mein ganzes darauffolgendes Leben stark prägte.

Wie gesagt, wird zwischen dem 28. und 49. Lebensjahr das Karma zurückgezahlt. Das Karma brachte mich in eine schwierige Situation mit einigen Konfliktpunkten, denn mir stand der entscheidende Schritt bevor. Mein Leiden währte Monate, ohne von jemandem wahrgenommen zu werden. Ich überlegte mir verschiedene mögliche Auswege, aber alles erwies sich als fruchtlose menschliche Anstrengung. Allmählich wurde ich der Tatsache gewahr, dass die ganze „Zivilisation“ völlig hilflos ist und kein Mittel zur Lösung einfachster Konflikte bieten kann. „Wenn ich dafür geboren wurde, um mich an diese „Zivilisation“ anzupassen und nur nach ihren Regeln zu leben, wäre es besser gewesen, überhaupt nicht hinunterzusteigen!“ Und tief in mir riss etwas unumkehrbar: Ich sagte mich von der Welt los. Meine weltlichen Aufgaben erfüllte ich weiterhin, indem ich „dem Kaiser gab, was des Kaisers“ war, aber die Einstellung zur Welt musste neu gestaltet werden, nach anderen – den Christus-Regeln. Natürlich blieb alles unklar und sollte irgendwann in der Zukunft geschehen, aber der Akt des Lossagens vom Atheismus an sich war wichtig. Jeder, der sich selbst für einen spirituellen Menschen hält, denkt, dass er kein Atheist ist. Das ist ein großer Irrtum! Etwa zehn Jahre später musste ich mit Verwirrung und vorübergehendem Unverständnis aus eigener Erfahrung feststellen, wie tief der „Stachel“ der Ablehnung Gottes im Menschen steckt. Er ist es, der uns fest an die Welt bindet und uns nicht erlaubt, tatsächlich auf den Geist hinzugehen. Mit dem Lossagen wird der „Stachel“ bereits wesentlich „gestutzt“ und der völlige Bruch ist nur eine Frage der Zeit. Ich kannte die Anthroposophie noch nicht und hatte nicht über das „Siegel“ auf diese Welt gehört, was das Lossagen einigermaßen erleichtern würde, aber trotzdem wurde es 1994 für mich zur Tatsache. „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden“ (Matthäus 16:24-25) – rief uns der Erlöser vor 2000 Jahren auf. In unserer Zeit erläuterte der Meister: „Wer auf den Weg kommt, der sagt sich von sich selbst los. Wenn Christus sagt, dass wir uns selbst verleugnen sollen, meint er, auf das übliche Leben mit all seinen vergänglichen Formen, all seinen Illusionen zu verzichten und in das neue Leben einzutreten. Die Welt kann für euch nicht das Ideal sein, sonder euch nur als ein Feld dienen, auf dem ihr zur Geltung kommt. In der dichten Materie kann es kein Glück geben.“ Dann fügte er tröstend hinzu: „Die lebendige, vernünftige Natur interessiert sich nicht für euer Glück, es sei denn, ihre Interessen fallen mit eurem Glück zusammen. Demjenigen, der sich auf dem Göttlichen Weg befindet, kann keiner ein Bein stellen. Aber er stolpert solange von alleine, bis er sich selbst überzeugt und vernünftige Erfahrungen erlangt. Wir leiden, denn wir beschäftigen uns zuviel mit materiellen Sachen. Passen wir auf den Göttlichen Gedanken auf, werden 75% der Unglücksfälle beseitigt und es bleiben nur 25%, da es immerhin Unvermeidliches gibt.“ „Die Interessen“ der Geister, die die karmischen Situationen gestalten, verlangen, dass wir deren Vorhaben begreifen und richtig durch ein aufopferndes Lossagen reagieren. Als Ergebnis wird ein irdisches „Seil“ in unsere innere Kraft transformiert. Wir sind „leichter“ geworden ohne diese Last und können vorwärts weitergehen!

Was habe ich damals getan? Indem ich meine Hilflosigkeit zugab, spürte ich, dass mich etwas in die Kathedrale führte, wo ich mich an Gott mit der Bitte wandte, dass er das Problem lösen möge. Ich war mir damals noch nicht bewusst, dass der Weg zu Ihm unumgänglich über Christus geht, der mir zuhörte und in mein Herz schaute. Ich empfand keine Bosheit oder Rachegefühl für die anderen Konfliktteilnehmer, sondern bat, dass sie auch Gutes erhalten. Beinsa Douno hat Recht, wenn er sagt: „Christus wird dich nur dann besuchen, wenn du vollkommen allein bist und keiner dir helfen kann. Er ist der einzige Faktor, auf den du dich verlassen kannst.“

Und der Erlöser half mir, indem er auf wundersame Weise „das Knäuel löste“, so dass alle tatsächlich Gutes bekamen. Es machte nichts aus, dass ich zu jener Zeit Johannes dem Täufer näher stand: Ich wurde nämlich wütend über die geistige Unwissenheit der Menschen, wollte, dass sie ihr Bewusstsein schnell wandeln, der Christus schien mir viel zu weich und nicht „revolutionär“ genug. Das allmähliche Aufgehen des Erlösers in unserer Seele muss aber unbedingt durch das „Verkleinern“ des Johannes begleitet werden. Nicht nur das: nach der bewussten Verleugnung der Welt klafft eine große „Lücke“ in unseren Leibern, die wir mit Geist füllen können, wenn das Ich explodiert ist. Das Ich explodiert, wenn die Bewusstseinsseele formiert ist und sich „öffnen“ kann, d.h. man wird der Seele als des Ichs gewahr. Im Ich ist der Gott Christus „verborgen“, Der zu sprechen beginnt und den Geist schickt. Steiner wies darauf hin, dass Gott im Menschen lebt, aber dann spricht, wenn die Seele sich selbst als Ich erkennt. Beinsa Douno sagte es anders: „Die Seele an sich kann sich nicht (zum Geist) erheben, wenn das Ich nicht geboren wird“. Der beschriebene Prozess kann erst nach dem erwähnten Lossagen in Gang gesetzt werden, das jene individuelle innere Freiheit liefert, die die Haupteigenschaft der zum „Explodieren“ vorbereiteten Bewusstseinsseele darstellt, welche Steiner „die Seele in der Seele“ nennt. Das Lossagen hat uns nicht nur in einen Menschen verwandelt, der in der Welt lebt, aber nicht „von der Welt“ ist, sondern schützt uns auch vor der Gefahr, die erlangte Freiheit zu persönlichen statt einzig zu geistigen Zwecken zu nutzen. Nun kann das Ich explodieren und die Seele ihre Unsterblichkeit erleben. Ich werde nie vergessen, wie sich das bei mir ereignete!

Gewöhnlicherweise gibt es im Leben jedes geistigen Pilgers ein Buch, das die Rolle des auslösenden Faktors spielt und völlig neue Horizonte eröffnet. In der Zeit 1994-95 lasen meine Frau und ich ständig verschiedenartige spirituelle Literatur. Wir kommentierten alles, was wir gelesen, gehört und erlebt hatten. 1996 kaufte ich das Buch „Das Testament des Heiligen Johannes“ von Juan José Benítez, genauer gesagt den zweiten Teil. Ich schlug die ersten Seiten auf und sagte mir enttäuscht: „Was ist denn das für ein Quatsch?“ Einige Monate später fragte mich jemand, was ich vom „Testament“ halte. „Es hat mich nicht beeindruckt und ich habe es nicht gelesen“, antwortete ich. Aber der „Knopf“ wurde bereits gedrückt! Als ich nach Hause kam, schlug ich das Buch auf und las es atemlos ein paar Mal durch. Ich habe mir sogar eine Zusammenfassung gemacht und Schemas gezeichnet. Trotz der stark luziferisierten (halbwahren) Information, die Anfang des 20. Jahrhunderts gechannelt wurde, enthält das Buch den Schlüssel für jeden Suchenden – das Ich. Mit Erstaunen und außerordentlicher Begeisterung bin ich mir bewusst geworden, dass ich dank dem Ich gottgleich bin! Der Augenblick der Bewusstwerdung ist wie ein Blitz, der das ganze geistige Horizont, das der Seele zugänglich ist, zerreißt und erleuchtet. Seitdem ist mir klar: ich bin nicht nur ein Göttliches Wesen, ich bin der Gott selbst! Die Seele – als Teil des Vaters – macht uns gottgleich, aber mit dem Explodieren ihres Zentrums, des Ichs, werden wir dieser Wahrheit gewahr und der erste Teil des Rosenkreuzerspruchs „Ex deo nascimur“ („Aus dem Gott sind wir geboren“ wird für uns zur Wirklichkeit. B. Douno brachte das folgenderweise zum Ausdruck: „Der schönste Augenblick im Menschenleben ist das Erwachen seines Bewusstseins oder das Aufdämmern der menschlichen Seele. Wer zu diesem Augenblick gelangt ist, der hat den Zauberstab in seinem Leben gefunden.“ Bis zum Finden des „Zauberstabs“, des Ichs, müssen wir selbst heranwachsen, danach empfinden wir es als eine bestimmte innere Tätigkeit: Der Logos-Christus beginnt zu reden! Das Ich hat seine seelische Arbeit an den Leibern abgeschlossen und geht zu ihrer geistigen Transformierung in Geistesselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen über. Dieser Prozess wird bis zum Vulkan andauern, aber der Anfang wird heute gesetzt. Wir haben das Vorbild vor unseren Augen: in den drei irdischen Jahren hat der Erlöser die drei Leiber Jesu mit der Kraft seines Ichs vollkommen vergeistert. Die gleiche Kraft, die in unserem Ich zutage kommt, wird unsere Leiber in Geist transformieren, indem sie mit dem Astralleib beginnt.

Nach dem Augenblick der Explosion ist der Mensch wie Johannes der Täufer, der der einzige auf der Welt war, der Gott traf. Der Gottvater hat ihn mit den Fäden seiner mächtigen Liebe angezogen und zum Gottessohn geführt, damit die Worte aus dem Evangelium in Erfüllung gehen „Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, dass ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat (Joh. 6:44).
Erst jetzt beginnt das Leben in Christo. Beinsa Douno erklärt, dass Christus die Grenze ist, „bei der das menschliche Bewusstsein aus einem in einen anderen Zustand übergeht. Im Licht, dass Christus der Welt brachte, kann man das gewöhnliche Bewusstsein vom erleuchteten Bewusstsein der Menschen unterscheiden. Folglich ist für den neuen Weg, der sich im Christus-Licht abzeichnet, folgende Eigenschaft typisch: in jeder Seele, die diesen Weg betritt, entsteht der unüberwindbare Wunsch, vorwärts zu gehen. Und keine Macht ist in der Lage, diese Seele auf ihrem Weg aufzuhalten.“

Aber das Leben in Christo muss obligatorisch durch das Christus-Verständnis gehen, damit er als unser ständiger Gefährte und Freund erlebt und praktiziert werden kann. Auf diese Weise „wächst“ Er und Johannes wird „kleiner“, und das schützt uns vor dem äußerst gefährlichen Anwachsen des Stolzes nach der erlebten Entdeckung unseres Göttlichen Wesens. Der russische Philosoph Wladimir Solowjow hat das gut begriffen: „Wenn die menschliche Seele sich anstrengt, um ihr eigenes Dasein zu garantieren, wendet sie sich unvermeidlich zum historischen Christus“.

Mich durstete stark danach, möglichst viel über die Ereignisse der Zeitenwende zu erfahren. Und sofort kamen die Bücher der Reihe „Operation Jesus“ („Caballo de Troya“) von J.J. Benítez. Während mich „Das Testament“ zum grenzenlosen Kosmos abgeschossen hatte, um Christus als „Sohn“ zu finden, brachte mich „Die Operation“ zur Landung bei Christus Jesus und seinem unmittelbaren Umgang mit den Menschen. Trotz der deutlichen Relativität des in dieser Reihe Geschilderten und des besonderen Ahrimanismus, der durch sie hindurchkriecht, war mein intimes Erleben intensiv und stark und verwandelte sich in immer wachsende Sympathie, Zuversicht und Demut dem Erlöser gegenüber. Meine Seele saugte Ihn wie ein Schwamm auf und er „wuchs“ unumkehrbar und Johannes der Täufer wurde schnell „kleiner“. Auf diese Weise brachte Christus als Zentrum der Waage beide Schalen ins Gleichgewicht. So erhob ich mich durch das luziferisierte „Testament“ zum Makrokosmischen „Sohn“ und erdete mich durch die ahrimanisierte „Operation“ zum Mikrokosmischen Jesus. Im Interesse der Wahrheit stellte die linke Schale das Zentrum nicht den Sohn aus der Trinität selbst dar, sondern nur eine seiner Manifestationen. Ich brauchte noch sieben Jahre, um mir des richtigen „Platzes“ Christi in der Göttlichen Hierarchie bewusst zu werden. Jemand kann fragen: „Wieso ist dein Ich explodiert und du weißt nicht das, was jede Oma in der Kirche weiß?!“ Ja, ein „Christ“ wird gleich sagen, dass der Erlöser der „Sohn“ Gottes ist, ohne die esoterische Geistigkeit zu kennen. Aber das ist nur hohles Gerede und der Selige Augustin sagte einmal offen, dass er an die Wahrhaftigkeit der Evangelien nicht glauben würde, wenn nicht die Autorität der katholischen Kirche ihn dazu zwingen würde. Seine Verstandesseele hatte die sichtbaren Widersprüche in den Evangelien bemerkt, aber die äußere Autorität unterdrückte seine Zögerung und neutralisierte die „gefährlichen“ Antworten. Er lebte in jener alten Zeit und heute haben wir den Schlüssel zur Lösung der „Widersprüche“ so dass jeder, der sich weigert, diesen zu benutzen, auf der Stufe der Verstandesseele verweilt und die Gefahr läuft, zur Empfindungsseele zu versinken. Der Weg zum Geist schließt sich für ihn und seine Worte und Handlungen erfüllen die Bedeutung der „Idiotie“. Der Meister klingt eindrucksvoll, wenn er sagt: „Christus hat das historische, kosmische und mystische Leben der Erde und der Menschheit bewegt, Er tut es gegenwärtig und Er wird es in Zukunft auch tun. Ohne Christus gibt es keine Geschichte, keinen Kosmos, also keine organisierte und geregelte Welt. Ohne Christus gibt es kein mystisches Leben. Er ist der große Inspirator aller Offenbarungen in allen Zeiten. Er ist das unsichtbare Triebwerk des ganzen geistigen Lebens der Menschheit. Der physische Aspekt des Christus, das ist die ganze Menschheit in einem Leib. Alle im Herzen Christi versammelten Engel machen Seinen geistigen Aspekt aus. Und alle Götter, die im Verstand Christi versammelt sind, machen Seinen Göttlichen Aspekt aus. Ihn kennen alle großen Seelen und unter ihnen besteht kein Streit, wer Er ist, was Er war, wo Er ist, welchen Platz Er in der Hierarchie der Meister einnimmt usw. Sie streiten nicht, denn sie wissen, welchen Platz im Ganzen Christus einnimmt, so wie sie wissen, welchen Platz die anderen großen Menschen einnehmen, die auf die Erde kommen und kommen werden. Aber das ist ein großes Geheimnis, für dessen Begreifen Tausende Jahre intensiver Arbeit nötig sind. Diesen Christus müssen die Menschen heute erkennen! Ihn müssen sie sehen und erkennen. Aber damit jemand Christus sehen kann, muss er einen Verstand, ein Herz, eine Seele und einen Geist wie die Seinen besitzen. Alle, denen Christus erschienen ist, sind zuvor mit dem Gesicht zum Boden gefallen. Und was kann ein gefallener Mensch sehen?“

Bei meinen Begegnungen mit „christlichen“ Pfarrern habe ich soviel Unsinn gehört, dass man nur staunen kann. Etwa: „Gott schuf die Welt in sechs Tagen je 24 Stunden“, „Das Christentum ist nur für die Freizeit“, „Die Aufzählung der Namen aus dem Stammbaum des Jesus in den Evangelien von Matthäus und Markus spielt keine Rolle, denn die Evangelien selbst können auf hundert verschiedenen Weisen geschrieben werden.“ Nicht zu sprechen über die Reaktionen dieser „Hirte“ bei meinen zahlreichen Versuchen, sie auf die anthroposophischen Wahrheiten hinzuweisen, d.h. auf den Schlüssel zur Lösung der Rätsel in der Bibel, die sie selbst ständig mit sich herumtragen! Dunkel werdende Gesichter, von Boshaftigkeit erfüllte Blicke, nervöse Reaktionen kategorischer Ablehnung für alles, was ihr Schema und ihre bequeme Lebensweise bedroht! Eigentlich geht es um das Geld und den tatsächlichen Atheismus, der diese Menschen befallen hat, die mit einer materialistischer Weltanschauung versuchen, über Gottes Werke zu räsonieren. „Keiner kann Materialist sein, ohne stumpf zu sein“, so Steiner. Oder wie Beinsa Douno sagte, „Die Werke Gottes kann man mit einem Göttlichen Verstand begreifen. Alle Kirchen und Rituale werden untergehen. Sie haben ihre Aufgabe bereits erfüllt. Die Rettung liegt in der Erweiterung eures Bewusstseins, damit Christus da hineinkommen kann. Dann sind wir grundsätzlich gerettet.“

1995 waren die Anthroposophie und Beinsa Douno noch weit entfernt von mir, aber das intensive Studium der esoterischen Literatur der vergangenen Jahre führte zu einer wesentlichen Erweiterung meines Bewusstseins und bereitete es auf den „Eintritt Christi“ vor. Das Ich „explodierte“ trotz der ungenügend formierten Bewusstseinsseele. Das geschah in der Mitte der Periode, die mit der Formierung dieser höchsten Seele zusammenhängt. Warum? Denn mit dem entschiedenen Lossagen erfolgte der unumkehrbare Übergang zu ihr. Das Erlangen der Freiheit von der Autorität der Welt ist eine ihrer Haupteigenschaften, weshalb Steiner besorgt davon abrät, uns auf die Autorität zu verlassen, denn das Prinzip der Autorität kann für uns nur Übel und Unannehmlichkeiten hervorbringen, was B. Douno ebenfalls bestätigte: „Das Fatalste ist, wenn man versucht, der Welt gerecht zu werden, d.h. dem Menschlichen und nicht dem Göttlichen. Der Schüler muss in der Welt sein, aber die Welt darf nicht in ihm sein“.

Wenn wir uns abgewöhnen, dem Menschlichen gefällig zu sein, ist der Weg offen zur von jeglicher Sympathie und Antipathie unabhängigen Christus-Wahrheit in der Bewusstseinsseele. Das Geistselbst kann sie später dorthin bringen, wenn sie durch die Vermittlung unseres eigenen Ichs empfunden und erfasst ist. Ich musste das persönlich prüfen, aber zuerst sprach Christus als Logos und „zog“ mich zu Sich, indem Er auf diese Weise den Einfluss der äußeren religiösen Autoritäten überwand. Damals kamen die Vertreter vieler geistiger Strömungen aus Ost und West nach Varna. Bei meiner Begegnung mit ihnen stellte ich immer Fragen, die den Erlöser betrafen. In den Antworten war ein störendes Unverständnis und Ignorieren spürbar. Aber ich hatte immer noch eine ziemlich idealistische Einstellung zu den „spirituellen“ Menschen, und der Kontakt mit der „Autorität“ schmeichelte mir. Der große Einfluss der Verstandesseele musste am Ende der Periode aufhören – im Schlüsseljahr 1999.

Auf dieser Etappe erfüllte die mystische und okkulte Entwicklung, die vom Schutzengel gesteuert wird, meine Seele mit dem Wort-Christus und ich wurde zum „heimatlosen“ Menschen. „Heimatlos“ ist man, wenn man in sich die große Mission der ganzen Menschheit aufnehmen kann, ohne sich von den besonderen Empfindungen und Gefühlen beeinflussen zu lassen, die dem Charakter eines bestimmten Volkes entstammen. Das Hinauswachsen über das Volk im Astralleib ist eine notwendige Etappe, damit das Wort, „das alles erschuf“, zu sprechen beginnt. Aber nur derjenige kann zu einem konkreten Beitrag zur Gesamtmission der Menschheit kommen, der seine Erkenntnisse den tiefen Schichten des Volksbodens entziehen kann oder anders gesagt, der Mission des Erzengels (Geistes) seines Volkes, denn die gesamtmenschlichen Impulse, zu denen wir unseren persönlichen Beitrag hinzufügen können, gehen über ihn. Die Erzengel sind die wahren Inspiratoren der Völker und sie wirken in den Strömen des Ätherleibes, wo die zwischenmenschlichen Beziehungen in Christo entstehen.

Damit ich meinen individuellen Beitrags zur Gesamtmission der Menschheit erfülle, brachte mich der Erzengel der Bulgaren im Herbst 1998 zu weiteren 15 Menschen, mit denen wir den Varna-Zweig des historischen Vereins „Bulgarische Schar“ gründeten. Seit einigen Jahren gab es zahlreiche Bücher auf dem Markt, die verschiedene Seiten unserer alten Geschichte beleuchteten. Ich las viele von ihnen. Auch verfolgte ich die neu erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften auf diesem Gebiet. Der reine Patriotismus, d.h. der Erzengel „meldete“ sich aus dem Ätherleib. Diese patriotische Stimmung hatte auch die anderen Teilnehmer der „Schar“ erfasst, aber nur meine Frau und ich wollten vom geistigen Standpunkt aus in die Vergangenheit eindringen, um uns über die Wechselfälle des Schicksals klar zu werden und eventuell den Vorhang vor der Zukunft unseres Volkes leicht aufzuziehen. Ohne einen solchen Blick wird der Patriotismus, so B. Douno, zum „Schnattern“. Die willkürliche Benutzung bestimmter Wörter führte manche zu irrsinnigen Behauptungen, etwa dass Jesus Bulgare gewesen wäre, Zarathustra und Hermes – ebenfalls usw. Diese Menschen konnten Beinsa Douno nicht begreifen und das Wertvollste erreichen, was auf diesem Gebiet bekannt war. Mich auf B. Douno und mein eigenes Suchen stützend, sprach ich im Januar 1999 vor der „Schar“. Die Hauptmomente des Vortrags wurden zum wesentlichen Teil der drei Jahre später aufgeschriebenen Vorlesung „Die Bulgaren und die sechste Kultur“. Es war sofort sichtbar, dass das Besprochene ein „zu hoher Ball“ für die Zuhörer war. Ich wurde oft beim Versuch verhindert, das Wort zu ergreifen und Ideen darzulegen. Fast immer ging ich nach Hause mit einem unangenehmen Gefühl oder Kopfschmerzen, die durch den Mangel an Hörfähigkeit und den nachfolgenden „Abpraller“ der Gedankenformen verursacht wurden. In den nächsten Jahren musste ich oft mit solchen Reaktionen konfrontiert werden, für die ich nach und nach die richtige Gegenwirkung fand. Es gibt wenige Seelen, die von hohen Ideen geleitet werden und in die weite Zukunft sehen, um die richtigen Taten heute zu erledigen. Das ist eine tragische Tatsache. Trotz aller Hindernisse gibt es keinen Grund für Enttäuschungen, Rücktritte oder Verzweiflung. Es ist wichtig, dass wir den Augenblick wahrnehmen und das Richtige tun, den Rest werden die Götter erledigen.
Im Mai oder Juni 1999 verließen wir die „Schar“. Beim Abschied sagte ihr Vorsitzender skeptisch und etwas überheblich zu mir: „Du bist der nächst in der Reihe, der die geistigen Menschen vereinigen will.“ „Im Unterschied zu allen anderen werde ich das im Namen des Lebendigen Christus tun“, erwiderte ich sofort, ohne zu ahnen, wie tief diese Wahrheit war. Damals hatte ich noch nicht die Worte Beinsa Dounos gelesen „Jede Tat, die von Christus durchströmt wird, ist eine Blüte, die Früchte ansetzen und tragen wird. Jede Tat, die nicht von Christus durchdrungen ist, ist eine Blüte, die keine Früchte ansetzt und trägt.“ Steiner sagt es ähnlich: „Die von Christus durchströmten Ideen, sind die realen Keime einer zukünftigen Wirklichkeit und die Ideen, die nicht von Christus durchströmt sind, sind verurteilt, als fruchtlose Blüten zu verblühen“. Seit 1998 las ich anthroposophische Literatur, was ich unter dem Einfluss eines Anthroposophen tat, auf den ich später eingehen werde. Das gemeinsame Studium zusammen mit meiner Frau war ein wahres geistiges Erlebnis, trotz der komplizierten Materie und der auf den ersten Blick „akademischen“ Ausdrucksweise. Steiner erklärte selbst, dass er bewusst keine populäre Darstellung anstrebte, sondern eine solche, die die richtige Anstrengung des Gedankens erfordert, um in den Inhalt einzudringen. Damit verlieh er seinen Büchern einen solchen Charakter, dass ihr Lesen der Anfang der geistigen Schulung ist. Und noch etwas: „Das Lesen muss zu einem wahren Erlebnis werden, das durch eine innere Spannung, erschütternde Erregung und abschließende Antwort begleitet wird“. Wie viele Nächte haben wir durchwacht, da wir erschüttert und begeistert vom Gelesenen waren!

Das erwachte Christus-Wort führte mich zur Christus-Wahrheit, die der Kern meiner Bewusstseinsseele werden und sie vor den Ansinnen der falschen Spiritualität schützen musste, die die heutige Welt überflutet. Die Herausbildung einer solchen Anschauung ist ein schwieriger Prozess, der verbunden ist mit vielen Anstrengungen, innerer Verbrennung, Selbstentsagung, Vertrauen in die Götter, Mut … Es ist starker Asketismus notwendig, im gegenwärtigen Sinne meint das eine erhöhte Wachsamkeit als inneren Gleichgewichtszustand (im Christus-Zentrum der Waage) und gleichzeitig eine möglichst offene Weltsicht (Universalismus).

Eigentlich war die Erfüllung des zweiten Teils des Rosenkreuzerspruchs im Gange – „In Christo morimur“. Alles, was bis zu diesem Zeitpunkt gelesen, gelernt und erlebt worden war, „starb“ im Licht der imposanten Christus-Wahrheiten, um in ihnen zu metamorphosieren und nach der Sinngebung auf den richtigen Platz in der Hierarchie der Geistigkeit zu kommen. Bis heute wundern sich die Menschen, wer mir „das Recht gibt“, aufzuzeigen, wo das Problem liegt bei Yogananda, Castaneda, Helena Roerich, Mohammed, „Anastasia“, Osho, Max Heindl, den drei großen Zweigen des Christentums usw. Ihr Problem heißt „Christus“, über das sie auf einer bestimmten Stufe „stolpern“, je nach dem Grad ihrer eigenen Evolutionsentwicklumg. „Die Wachsamkeit“ drückt sich nicht nur im Wiedererkennen aus, sondern erfordert auch die öffentliche Benennung der Dunkelheit in den verschiedenen geistigen Strömungen, denn diese Dunkelheit dient unmittelbar Sorat und seinen Scharen. Das ist keine Verurteilung, sondern die praktische Anwendung der Anthroposophie als den einzigen „Schlüssel“, der uns das wahre Wesen jedes Impulses zeigen kann nach dem Kriterium „Mit Christus oder gegen Ihn“. Ich habe noch nicht bemerkt, dass die bulgarischen Anthroposophen diesen Schlüssel benutzen. Im Gegenteil, die Gefahr ihrer „Verführung“ ist völlig real. So wie der östliche Schüler praktisch „verführt wird“ in seinem Guru, so können auch die mächtigen anthroposophischen Wahrheiten den Menschen berauschen, so dass er taub und blind für die anderen Impulse bleibt – besonders für die Zeichen der Zeit! Fast alle einheimischen Anthroposophen zeigten das in ihrem Verhalten.

Im späten Frühling des Jahres 1999 besuchte ich eine Versammlung der inoffiziellen anthroposophischen Gruppe in Varna. Ich wurde zutiefst enttäuscht von der Geschlossenheit, Eingeschränktheit, ja geradezu Infantilität der meisten Teilnehmer. Fast verärgert bot ich ihnen an, einen Vortrag über die Mission der Bulgaren zu halten, mit dem Ziel, dass sie ihre Augen für Beinsa Douno öffnen. Ich sprach beim Michaelifest und die Verwirrung der Anwesenden wurde sofort sichtbar. Auf einmal tat sich vor ihnen ein anderes Fenster zum Geistigen auf, durch das sie „sehen“ könnten, falls sie die Schuppen von ihren Augen entfernen und die nötigen Bemühungen unternehmen würden.

Fast niemand tat das und die Gruppe hörte logischerweise zu bestehen auf. Es gab verschiedene Ursachen hierfür, aber die wichtigste war das fehlende Interesse für den Meister und die Mission des eigenen Volks. Es gibt wenige Anthroposophen, die das Bulgarische liebhaben, die Restlichen halten das für „Nationalismus“, „ungesunden Patriotismus“ oder geradezu für etwas Schmutziges. Die „Herausragendsten“ verließen diese Welt, indem sie Beinsa Douno ablehnten. „Derjenige, der es wagt zu sagen, dass der Geist, der in mir spricht, lügt, kann sich niemals entschuldigen“- hatte sie der Meister unmissverständlich gewarnt. Was für ein Drama mögen wohl ihre Seelen im „Fegefeuer“ erleben, wenn sie begreifen, was sie versäumt und verurteilt haben?!

Die Prozesse in der „Weißen Bruderschaft“ verliefen auf dem entgegengesetzten Pol. Im Sommer 1998 organisierte eine Gruppe, die der Lehre des Meisters nahe stand, ein Lager in Varna für Begegnungen verschiedener geistiger Strömungen am Meer. Die Idee sah vor, dass das Miteinander „im Namen des Einheitlichen Gottes“ erfolgte, was auch der Sinn des gegenwärtigen Ökumenismus ist. Das war eine gute Absicht, aber der Erlöser hatte gesagt: „niemand kommt zu meinem Vater ohne mich“. Bei allen Versammlungen versuchte ich, die Aufmerksamkeit auf Ihn zu ziehen, aber ich fand kaum Gehör, weder bei den Bulgaren noch bei den ausländischen Gästen. Jeder zog den „Teppich“ zu seinem Geistigen. Mit Ausnahme weniger persönlicher Begegnungen, die dauerhafte Spuren im Gemüt der Teilnehmer hinterlassen haben, war es überall sichtbar, dass alle unvorbereitet auf Christus waren, trotz der Warnung des Meisters, dass „die Christus-Lehre einzig in der Lage ist, die Natur des Menschen zu verändern“.

Im Sommer 1999 vertiefte sich die Ausweglosigkeit. Am 11.08. erlebten wir die totale Sonnenfinsternis, die tiefgreifende Veränderungen im Bewusstsein der hilflosen Menschheit verursachte. Sogar die „offizielle“ Wissenschaft stellte fest, dass die Zeit nach 1999 schneller läuft. Vor 100 Jahren eröffnete Steiner, dass seit dem Zeitalter des Karl des Großen (9. Jh.) bis zum Anfang des 20. Jh. die Zeit ihre Geschwindigkeit verzehnfacht hat. Und nach 1999? Die menschliche Seele, die in ihren früheren Inkarnationen ein ganz anderes Evolutionstempo gewöhnt war, wurde nun in eine Art „Betonmischer“ geworfen, der sie ständig dreht, schiebt, zerdrückt und gnadenlos tötet. Unter diesen Umständen steigt aus der Astralwelt langsam, aber unerbittlich auf die Erde die sechste Kulturepoche hinunter. Im Unterschied zur mit dem Raum verbundenen „irdisch-ätherischen“ Zeit, bei der wir den Anfang und das Ende eines Ereignisses klar unterscheiden, sind die Ereignisse in der geistigen Welt vom Raum unabhängig und geschehen im Augenblick ihres Beabsichtigens. Dort fließt die (astrale) Zeit vom Ende zum Anfang und die Seelen stehen sofort dem Resultat ihres Wunsches gegenüber. Diese „geistige“ Zeit dringt allmählich die „irdische“ Zeit durch und beschleunigt sie nicht nur auf dem geistigen, sondern auch auf dem physischen Plan. Jeder merkt, dass „etwas passiert“, aber nicht jeder denkt darüber nach und unternimmt die notwendigen Anstrengungen, um sein Nervensystem an die Wandlung anzupassen. Dieses System wird den feineren Vibrationen nicht standhalten, und der Weg von dort bis zum physischen Ausdruck der Krankheit ist kurz. Warum sind die Menschen unruhig und suche Extrasens-Heiler, Psychoanalytiker und derlei „Seelendoktoren“ auf? Sind sie verrückt? Was heißt eigentlich ‚normal sein’?

Lebenswichtig ist die Notwendigkeit, die materialistische Weltanschauung radikal zu wechseln gegen eine christianisierte Geistigkeit, die den Astralleib für die Befruchtung durch den Pfingsgeist reinigt. „Der Menschensohn“, der nach der Bibel „rechts der Macht sitzt und auf den Himmelswolken kommt“ ist nicht nur der Ätherische Christus, sondern auch der neugeborene geistige Mensch durch die Geburtswehen der apokalyptischen Katastrophen und Leiden. Wie viele Menschen begreifen das? Wer wird seine Seele der Epoche entsprechend für das Empfangen des Christus stimmen?

Die Erdachse wird auch ständig verschoben. Im Sommer 2007 unterhielt ich mich in der neuen Herberge an den Sieben Seen im Rilagebirge mit einer Geodätin. Von ihr erfuhr ich, dass vor dreißig Jahren die Veränderungen in der Neigung der Erdachse unbedeutend waren und die Messungen in langen Abständen unternommen wurden. In unserer Zeit sollen die Messungen ein paar Mal jährlich erfolgen. Von der Esoterik weiß man, dass nach der luziferischen Versuchung und dem Menschenfall zusammen mit der Achse auch unser Herz nach links verschoben wurde. Die Geister korrigieren die Erdachse, aber das Herz müssen wir selbst in die Ausgangslage bringen, indem wir es in ein mächtiges Organ des Willens verwandeln, von dem aus Christus als innere Sonne wirken kann. Am 11. August schauten die Menschen mit speziellen Brillen, mit Ruß eingefärbten Glasscherben oder Schweißermasken nach oben zur äußeren Sonne. Wer schaute zu der von innen aufgehenden dreifachen geistigen Christus-Sonne als der Quelle des geistigen Lichtes für unseren Astralleib, die ein neues geistiges Bewusstsein erweckte; als der Lebensquelle für unseren Ätherleib, der unsere Gefühle aufleben lässt und als der Quelle geistiger Liebe für unseren physischen Leib, die mit opfernden Kräften unseren Willen durchdringt?

Neben dem erwähnten Lager am Meer versammelten sich inmitten der Ruinen eines nicht zu Ende gebauten Gebäudes, das mit menschlichen Fäkalien „dekoriert“ war, acht Personen unterschiedlichen Alters, die alle im Zeichen der Weisheit standen. Es gab noch einen Neunten im Patriarchenalter, der die Synthese der restlichen Acht in der Liebe symbolisierte. Nicht zufällig trug er den Namen des Pentagramms. Das unfertige, verfallene Gebäude, das keine Zukunft hatte, ist die gegenwärtige Zivilisation, und die Fäkalien symbolisieren sowohl ihren Abfall als auch den Nährboden, auf dem die Liebe wachsen wird. Die Neun hielten sich im Kreis an den Händen und schafften es mit Gebeten und ohne auf die Finsternis der äußeren Sonne zu schauen, nicht nur in der Finsternis des „Fenriswolfes“ nicht verloren zu gehen, sondern auch dem Aufgang der Neuen Sonne beizuwohnen. Steiner sagt, dass der Mensch eine außerordentliche Charakterstärke braucht, um jene dämonischen Kräfte auszuhalten, die im Laufe einer Sonnenfinsternis aufsteigen. In einer solchen Zeit erscheint dasjenige lichtvoll, was man sonst nur durch sehr schwierige Meditationen erreichen kann. Man bemerkt eine Herabdämpfung des Lebensgefühles. Ganz anders ist für den beobachtenden Seelenblick der Anblick der uns umgebenden Erde…Das alles, was die Menschheit da an Wissen gesammelt hat, wozu sie sich erhoben hat in der vorchristlichen Zeit, dafür ist ein Zeichen der Mond, der für den Erdengesichtspunkt durch das Universum geht, und deshalb der Mond, weil sich für alles höhere Erkennen der Menschheit dieses Wissen nicht wie aufschließend, wie Rätsel lösend verhalten hat, sondern für das höhere Erkennen wie verdunkelnd, so wie der Mond die Sonne verfinstert bei einer Sonnenfinsternis. (GA 148:28)

Als beim Geheimen Abendmahl das Christus-Ich und die nathanische Seele begannen, sich aufopfernd-liebend vom Leib zu trennen, wurde das Bewusstsein der Jünger herabgedämpft und sie liefen davon. Das alte Mondenwissen aller Gegner – Pharisäer, Sadduzäer, Erzpriester, Schriftgelehrten, Herodianer usw., versuchte, die aufgehende Sonne zu verdunkeln. Nur Lazarus-Johannes blieb wach unter dem Kreuz, obwohl mit erhobenem gnostischem Bewusstsein und noch nicht das große Wunder der Göttlichen Menschwerdung begreifend. Später wurde er sich dieses zentralen Geheimnisses in der Erdenentwicklung bewusst und schrieb sein Evangelium der Liebe: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh. 1:14) Und 50 Tage nach der Auferstehung kam der Geist der Allsiegenden Liebe herunter!

Am 11.08.1999 ging infolge des zweiten Christus-Golgatha eine mächtige liebevoll-aufopfernde Welle durch die Seelen der Erdenmenschen. Nur wenige blieben wach wie Lazarus-Johannes trotz der Warnungen Steiners und Beinsa Dounos über die außerordentliche Wichtigkeit unserer Zeit und unserer persönlichen Wahl. „Ihr sollt nicht denken, dass diese Welle ein zweites Mal auf die Erde kommt. Bedenkt, es wird keine zweite Welle kommen, denn es gibt keine Wiederholung der Ereignisse in der Natur“ lautet eine der Warnungen des Meisters.

Am 31.12.1938 um 12 Uhr abends hielt er den Vortrag „Der Große Bruder“ und um zehn Uhr des nächsten Morgens (am 01.01.1939) – den Vortrag „Der kleine Bruder“, in denen er wichtige Botschaften mit langfristiger Bedeutung an die Menschheit richtete. „Und weil das Jahr 1939 ein epochales sein wird, wünsche ich euch, dass ihr vernünftig alle Bedingungen nutzt, die es bringt. Wenn ihr sie nicht nutzt, werden die gleichen Bedingungen erst 1999 kommen. Ihr habt Jahrhunderte lang für dieses Jahr (1939) gearbeitet. Wenn ihr in diesem Jahr bewusst an euch arbeitet, werdet ihr Größeres erreichen als das, was ihr von Adam bis heute erlangt habt. Diejenigen, die das hören und erfüllen, werden immer im Jahr 1939 der günstigen Bedingungen leben. Für diejenigen, die die großen Gesetze nicht beachten, kommt das Jahr 1940, das auf eine Null ausgeht, wie ein Ei. Also muss man in diesem Jahr wieder dieses Ei ausbrüten, bis das Küken schlüpft“ Was kann man dann vom Jahr 2000 sagen, das auf drei Eier ausgeht? Und noch etwas: „Dieses Jahr müsst ihr der Liebe in euch den Weg freimachen, damit der Strahl des großen Lebens in euch eingießt. Viele fürchten die Liebe, nennen sie „verzehrend Feuer“ (Hebr. 12:19). Nein, das Feuer der Liebe brennt, ohne zu verbrennen. Das Feuer, das jedes Jahr am Karsamstag in der Grabeskirche in Jerusalem entsteht, verbrennt am Anfang die Haut auch nicht, sondern erst später, denn wir sind „von der Welt“ – unrein, blind für die Wahrheit und der Liebe verschlossen.

1942 eröffnete der Meister im Rilagebirge: „Die Menschheit macht sich erst jetzt auf den Weg zur Kosmischen Liebe. Erst jetzt kommt sie in das wirkliche Leben – in das Leben der Großen Kosmischen Liebe.“ An anderer Stelle heißt es: „Es gibt vier Erscheinungsformen der Liebe im Menschen. Sie wirkt wie ein Streben im Herzen und bewegt sich zum Mittelpunkt der Erde – das sind die Wurzeln der Liebe. Als ein Gefühl in der Seele bewegt sie sich auf die Sonne zu – das sind die Zweige. Als die Kraft im Verstand kommt sie nur bei den Genies und den Heiligen zum Vorschein, die sich für das Werk Gottes geopfert haben. Als ein Prinzip im Geist zieht sie jetzt in die Welt ein, damit wir die Göttliche Frucht der Liebe kosten. Das ist der ganze Entwicklungszyklus vom Anfang bis zum Ende“.

Der höchste Ausdruck der Liebe als „das Prinzip im Geist“ heißt Christus-Wahrheit. Beinsa Douno versprach uns „noch Größeres zu erreichen, als das, was wir von der Zeit Adams bisher hatten“, wenn wir uns an die Christus-Wahrheit „ankoppeln“. Steiner versichert uns andererseits, dass wir zu großen Ideen kommen können, welche in keiner der nachatlantischen Kulturen existiert hat. Aber weil „die Wahrheit mit den Sonnen spricht, ist ihr Ziel erhaben und entfernt. Sie duldet nicht die Unwissenheit, Schwäche und Unreinheit. Bedenkt: die Zukunft gehört den gescheiten, guten und starken Menschen“, sagte Beinsa Douno. Wenn der Verstand, das Herz und der Wille zur Einheit in Christo werden, kann die Kosmische Liebe herabsteigen und durch unsere Seelen wirken. Wie das geschieht? Wenn wir unsere Gedanken zu den Weltgedanken richten, beginnen Letztere zu uns zu strömen, wenn wir unsere Gefühle zu den Weltkräften richten, werden Letztere zu unserem Willen und wirken in diesem. So beginnt der Mensch, Christus ähnlich zu sein.

Die Wahrheit ist absolut schön und erzeugt daher eine Riesenspannung im unreinen Gefäß. Der Meister warnte uns: „Da die Wahrheit der Welt der Unsterblichkeit gehört, ist sie den sündhaften Menschen unzugänglich. Deshalb können die Sterblichen nicht über die Wahrheit reden. Sie können eine Tatsache als Wahrheit vortragen, aber über die Wahrheit an sich können sie nicht reden“.

Das Problem wurzelt im Egoismus, wovor ich 1998 kategorisch gewarnt wurde. In einer „von oben“ inszenierten Situation „kam“ der heilige Petrus und zeige und führte mir ohne Wenn und Aber vor, wie man in das Himmelreich kommt. „Der Eingang“ heißt „Herauspressen“ des Egoismus im heutigen individualisierten Menschen „bis zum letzten Tropfen“. Erst dann wird die vom Geist der Wahrheit getragene immense Christus-Kraft kommen und nichts „verbrennen“, denn sie wird nur im Namen des Ganzen verwendet werden.

Am 11.08.1999 war der Höhepunkt der zehnjährigen günstigen Periode und es fuhr der letzte „Zug“ für das 20. Jahrhundert vor, in den nur Seelen „eingestiegen sind“, die nach vorne in die weite Zukunft schauen und sich nach der Wahrheit, d.h. nach der Kosmischen Liebe sehnen. Am 11.09.1923 begann Beinsa Douno seinen Vortrag „Das hohe Ideal“ mit den folgenden bemerkenswerten Worten: „“Die lebendige, vernünftige Natur liebt nur diejenigen, die ein hohes Ideal besitzen. Sie nennt sie ihre eigenen geliebten Kinder und kenn sie namentlich. Jene, die kein Ideal besitzen, sind nicht in ihrem Buch verzeichnet. Sie sind in ihrem Keller für die weit entfernten Tage und Zeiten gelagert. Wenn jemand also sich von Gott verlassen vorkommt und spürt, dass keiner ihn beachtet, muss er wissen, dass die Ursache in ihm selbst liegt – er hat kein hohes Ideal. Das ist ein Gesetz. Jeder kann selbst sein Leben korrigieren, sich vom Unglück und den Leiden befreien, jeder kann aus dem vergessenen Keller der Natur herauskommen. Selbst der letzte Mensch, der in der hintersten Ecke dieses Kellers geblieben ist, kann, wenn er sich ein hohes Ideal schafft, wie eine Schnecke herauskriechen und nach einiger Zeit auf die Erdoberfläche kommen, um wieder von den Sonnenstrahlen beschienen zu werden. Dann wird die Natur ihn als eines ihrer auferstandenen Kinder annehmen. Die Auferstehung hat mit den Kindern zu tun, die aus dem tiefen Keller des materiellen Lebens herauskommen, d.h. mit den Kindern, die ein hohes Ideal besitzen. Aus diesem Keller herauskommen zu können, braucht man einen Willen und beispiellosen Glauben.“ Wie viele Seelen sind bereit, die notwendigen Anstrengungen des Willens zu unternehmen, indem sie einen starken Glauben an die Hilfe der Götter haben, die von Christus geleitet werden?!

Die Sonnenfinsternis von 1999 verdunkelte das Bewusstsein nicht nur der einfachen Materialisten, sondern auch der Autoritäten, die sich für geistig hielten. „Der Stolz geht dem Fall voraus, denn er verstopft das Bewusstsein“, wurden sie gewarnt. Aber mit der Zeit gingen sie nicht nur nicht „unter“, sondern betrieben sogar Gotteslästerung, die an Idiotie grenzte. Wenn jemand die Impulse des Zeitalters nicht aufnehmen kann, bildet sich in seinem Blut Gift, was zu fehlerhaften Form-Phantome und fehlerhaften Bildern führt. Wir wissen, dass das Blut der materielle Ausdruck des Ichs ist. Es ist nicht möglich, dass ein vergiftetes Ich Licht, Leben und Liebe ausstrahlen kann. „Die Menschheit geht den Berg hinunter, weil sie faul in ihrem Denken und Fühlen ist“, stellte Steiner schmerzerfüllt fest. Und in keiner anderen Epoche wurde es ihm erlaub, so viele Gewalttaten zu begehen wie in der heutigen. Und was ist mit den heutigen und den bevorstehenden Gewalttaten?

Aber warum waren die Folgen der Sonnenfinsternis im geistigen Aspekt so katastrophal für viele „Fortgeschrittene“? Am 01.02.2004 hielt ich die Vorlesung „Der Achte“. Auf meine eigene Weise war ich zu der Offenbarung gelangt, dass wir uns bereits am achten Tag der Schöpfung befinden“ Erst 2007 las ich bei Beinsa Douno: „Wir leben am achten Tag und weil wir nicht wissen, wie wir arbeiten sollen, begehen wir Fehler. Die Heilige Schrift sagt, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschuf und sich am siebten Tag erholte. Nach jeder Pause kommt ein neuer Werktag“. Der erste „Tag“ der Schöpfung war der alte Saturn. Die alte Sonne und der alte Mond waren jeweils der zweite und der dritte Tag, wobei ihre Dauer immer mehr abnahm. Die drei Äone wiederholten sich gewissermaßen im Erdenäon am vierten, fünften und sechsten „Tag“, die die polarische, hyperboräische und lemurische Zeit genannt werden. Der „sechste Tag“ umfasste sowohl das alte Lemurien als auch die erste Hälfte der atlantischen Zeit, danach zogen sich die Götter “zur Ruhe“ zurück, während wir allmählich für die geistige Welt einschliefen. Es hatte der siebte „Tag“ angefangen, der mit der Entwicklung unseres Ich-Bewusstseins verbunden ist. Nach Ende des Kali Yuga 1899 war die „Ruhe“ der Götter zu Ende. Es war Zeit zu arbeiten! Sie erwarten, dass wir erwachen und zusammen mit ihnen die Vergeistigung des Kosmos im Namen Christi vornehmen. Nicht Christus wird für uns die Außenwelt verändern, sondern wir werden das in seinem Namen tun, wobei wir von dem wahren Verständnis Seiner vergangenen und neuen Mysterien ausgehen. Darin bestehen die „Auferstehung“ der Seele und ihr Eintrag ins „Buch des Lebens“, d.h. der Lebendigen. Über die erheblichen Schwierigkeiten auf dem Weg zum Auferleben können wir aus den grandiosen und gleichzeitig einfachen Worten des Meisters schlussfolgern: „Die Größe des Gottes besteht nicht darin, Sonnen und Universen zu schaffen. Das kann Er in einem Augenblick erledigen. Das Große besteht im Erheben des Menschen“.
Vom Nachthimmel inspiriert und das Vorhandensein jenes Hohen Verstandes erkennend, der alles wunderbar angeordnet hat, wünschte Einstein, dass Gott ihm eröffnet, wie Er sein Werk erschaffen hat. Aber nicht das Werk ist das Wunder, die Erhebung der Menschenseele zum Lebendigen Christus von Christus selbst wird die größte Erhabenheit Gottes vorführen!

Sie werden sich noch erinnern, wie ich über jene Protestantin berichtete, die im Sommer 1999 mit Erschrecken die sie umgebenden „lebendigen Toten“ übersinnlich beobachtete. Sie sagte mir noch etwas: „Die Welt riecht nach Schwefel.“ Wer die Anthroposophie, genauer gesagt das Michaelische Mysterium kennt, weiß, dass der vom Materialismus (von Ahriman) betroffene Mensch „nach Schwefel riecht“. Wie soll ihn Christus auferwecken, wenn der „Tote“ nicht mal weiß, dass er „tot“ ist? Wir haben die Wahl, im „Schwefel“ oder in der „Liebe“ zu brennen, so wie uns B. Douno rät. Lange Zeit vor dem Einzug des Materialismus wandte sich der Erlöser in der Zeitenwende an die Jünger mit dem Aufruf: „Folge du mir und laß die Toten ihre Toten begraben!“ (Matthäus 8:23)

Der 20. Jahrhundert war der Übergang zwischen dem siebten und achten „Tag“ der Schöpfung, das am mehrmals erwähnten 11.08.1999 zu Ende ging. Der achte „Tag“ begann „offiziell“ und wir waren die Zeitzeugen seines Anfangs! Stellen Sie sich vor, dass der siebte „Tag“ vor 15000 Jahren angefangen hatte, aber wer war schon in jenen Zeiten wach, um diese Tatsache in ihrer Tiefe zu begreifen?! Wie war die Situation im Jahr 1999? Gab es Menschen, deren Ich wach war?

Damals wurde mir vollkommen klar, dass es in Bulgarien keine lebendige geistige Autorität gab, die mir beim Finden des Christus helfen konnte. Bald kam das verallgemeinernde Verständnis: Heute gibt es auf Erden keine praktizierte Spiritualität, auf die ich mich stützen kann. Steiners Vorhersage, dass die Kräfte, die bisher den menschlichen Fortschritt leiteten, gegen Mitte des 20. Jahrhunderts ausgeschöpft sein werden, kam in Erfüllung. Die ganze vorhandene Geistigkeit kam ans Tageslicht: Yogananda erwies sich als die Spitze des aus dem Osten Kommenden, Steiner – des aus dem Westen Kommenden und in der Mitte war der Meister Beinsa Douno. Der Osten begriff den Christus nicht, Steiner erklärte ihn und Beinsa Douno führte ihn vor. Waren die Seelen bereit, die Gaben der Götter in Empfang zu nehmen und zu bewussten Christen nach den Kriterien der Zukunft zu werden? Oder fehlte noch etwas? B. Douno sagt: „Die östlichen Völker entwickelten und erhoben starke Kulturen, erlangten großes Wissen, aber sie konnten nicht den inneren Sinn des Wissens verstehen, deshalb konnten sie es nicht anwenden und mussten nach und nach ihren Platz an den Westen abtreten. Sie drangen zum okkulten Wissen vor und wurden überheblich, und in ihnen kam der Egoismus auf – sie vergaßen es, mit ihrem Wissen der Befreiung und Erhebung des Menschen und des Menschentums zu dienen, was die wahre Bedeutung und den Sinn des Wissens ausmacht, stattdessen waren sie an ihrer eigenen Vervollkommnung interessiert. Und das verzeichnete einen Stillstand in ihrer Entwicklung. Sie leben jetzt nur in der Vergangenheit und diese ist der Schatten der Wirklichkeit, aber nicht die Wirklichkeit selbst. Die Wirklichkeit ist im Menschen, das ist das menschliche Ich. In dem Moment, in dem man sich gewahr wird, dass man Ich ist, wird Christus in einem geboren – das ist der neue Mensch.“

Nach dem intensiven geistigen „Sturm“ bis zur Mitte des Jahrhunderts nahte sein Ende und die neuen Christen ließen auf sich warten. Im Gegenteil – während Steiner am Anfang des Jahrhunderts über die „Krise des geistigen Lebens“ sprach, waren gegen Ende des Jahrhunderts die Symptome seines Zusammenbruchs sichtbar! Es musste etwas geschehen. Und dieses Etwas ließ nicht auf sich warten.

 

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