Der Weg zum Ich – Teil 5

 

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Der Heilige Impuls

Nach dem Aushändigen des Schlüssels, der ‚Bodhisattva‘ heißt, begann der Geist, die Situationen mit hohem Tempo aneinanderzureihen. Im September rief mich die Frau an, die das Lager bei Varna in den vergangenen Jahren organisiert hatte, und fragte: „Am Weinberg der Bruderschaft ging es in Gesprächen um zwei Jesus-Kinder. Weißt du etwas davon?“ „Nicht nur weiß ich etwas davon, sondern ich kenne auch diejenigen, die darüber etwas erzählen können, erwiderte ich sofort. “Gut, wollen wir einen Vorlesungszyklus veranstalten? Ich werde ihn im Namen des Izgrev-Zentrums organisieren, sagte sie mir. „Einverstanden, aber wenn ich die Vortragenden bestimmen darf“, lautete miene einzige Bedingung für die Verwirklichung dieser Idee.

Und so versammelten wir uns zu fünft an einem Septemberabend im Restaurant, das den Ahrimanismus symbolisiert – „McDonalds“. Es kamen die Veranstalterin, derjenige Mann, der Beinsa Douno über die Anthroposophie zu verstehen begann, eine junge Frau, die ebenfalls beide Impulse kannte, meine Frau und ich. Es wurde auch derjenige eingeladen, der mich auf die Geisteswissenschaft brachte, aber er kam nicht. Die Veranstalterin teilte mit Tränen in den Augen ihre Enttäuschung mit, dass das Lager nicht mehr stattfinden konnte. Ich wies sie auf die Ursache hin: das Miteinander im Namen des Einheitlichen Gottes ist fruchtlos und zum Scheitern verurteilt, wenn es nicht vorher zur Vereinigung der Seelen um Christus kommt. Bis heute kann sie nicht verstehen, was ich ihr gesagt habe, aber immerhin begannen wir zusammen mit den guten Geistern unsere Besprechung, mit deren spürbaren Hilfe wir sieben Themen formulierten: von der Heiligen Dreifaltigkeit beginnend über das Wesen des Menschen, die Christus-Mysterien und das Böse und abschließend über die Bulgaren und ihre Mission. Ich bot an, die erste und letzte Vorlesung zu halten, der „weiße Bruder“ und die junge Frau konnten sich die restlichen Themen aussuchen. Beide lehnten es unter verschiedenen Vorwänden ab. Offensichtlich spürten sie, dass sie auf diese Prüfung nicht vorbereitet waren. Es wurde beschlossen, dass ich alle sieben Vorlesungen übernehme. Um es direkt zu sagen: ich wusste innerlich, dass ich allein reden kann und muss, aber ich habe den anderen einen Teil der Arbeit angeboten, denn ich wollte, dass wir ein gemeinsames Werk im Namen Christi auf die Beine stellen. In den nachfolgenden Jahren versuchte ich in einer oder anderen Form dieses Prinzip anzuwenden, aber ich traf meistens auf unvorbereitete Menschen. Ich blieb also der alleinige Vortragende. Die Vorlesungsreihe musste Mitte Oktober beginnen, aber ich konnte nicht genug Zeit zur Vorbereitung aufbringen. Die äußeren Aufgaben füllten meinen Alltag. Ich musste das Tempo drosseln und mich auf das Geistige konzentrieren. Und in diesem Moment wurde „von oben“ die Zecke geschickt. Eine, die ihr Gift in den Körper abgibt und verschwindet, aber der Betroffene weiß nicht, dass er sterben kann. Ich hatte einen Pickel in der Leistengegend bemerkt, der größer wurde, aber ich beachtete ihn nicht sonderlich. Erst als meine Muskeln und Knochen steif zu werden begannen, maß ich meine Temperatur. Nachdem ich das Ergebnis sah, ging ich zu meiner Hausärztin. Ich zeigte ihr den Pickel. „Wie lange hast du ihn?“, fragte sie besorgt. „Schon lange“, antwortete ich sorglos. „Geh sofort in die Abteilung für Infektionskrankheiten des Bezirkskrankenhauses!“- ordnete sie an. Ich kannte die dortige Stationsschwester, die ohne Umschweife feststellte: „Wärest du noch zwei oder drei Tage später gekommen, hätten wir dir jetzt schon die Totenmesse bestellen können. Nimm die Antibiotika, zehn Tage Bettruhe und lass dir die Leber untersuchen, denn beim Marseille-Fieber zerfällt sie in der Inkubationszeit. Hoffentlich ist es nicht zu spät!“ Ich habe nur in den ersten zwei oder drei Tagen ein paar Tabletten genommen, die die Krankheit stoppten. In der Poliklinik hat man mir eine Blutprobe genommen und als meine Hausärztin den Befund sah, rief sie verwundert aus: „Das kann nicht wahr sein! Wieso bist du noch am Leben?“ Die Werte sollen weit von den Normalen gewesen sein. „Du musst dir die Leber untersuchen lassen“, riet sie mir. „Ich gehe nirgendwo hin. Meine Zeit zu sterben ist noch nicht gekommen“, sagte ich zuversichtlich. Ich bin bis heute nicht zur Leber-Untersuchung gegangen. Ich wusste, warum die Zecke gekommen war – damit ich die Zeit zum Lesen konnte. Ich wühlte mich in Bondarews „Enzyklopädie“ und in viele andere Bücher, hauptsächlich von Steiner. In kurzer Zeit musste ich sieben Vorlesungen aus umfangreichen Schriften synthesieren, die logisch nacheinander folgen mussten. Aus vorherigen Inkarnationen besitze ich die Fähigkeit, sofort die Essenz zu erfassen, aber ich spürte ständig die Anwesenheit einer unsichtbaren „Hand“, die mich durch das Labyrinth der Erkenntnis führte.

Am Ende der zehn, für mich arbeitsintensiven Krankheitstage war ich bereit, die Bühne zu betreten. Schon nachdem ich „Das Testament“ von J.J. Benítez gelesen hatte, erklärte ich mit unerschütterlichen Sicherheit der geistigen Welt gegenüber: „Eines Tages werde ich den Menschen über diese Dinge sprechen!“ Es musste nur der richtige Zeitpunkt kommen. Meine vorherigen öffentlichen Beiträge hatten das Nahende einfach angekündigt. Im Oktober war mein 43. Geburtstag und wie Steiner hervorhob, ist das Begehen des Schulungsweges nach dem 42. Lebensjahr am günstigsten, denn das Ziel der gegenwärtigen Einweihung ist die Entwicklung des Geistselbstes (Manas). Die Bewusstseinsseele war in einem ausreichenden Maße ausgebildet und der Geist konnte durch das Ich wirken, indem er die Schätze herausholte, die die Seele seit Menschengedenken in sich trägt. Das Ich war „explodiert“ und konnte den Prozess kontrollieren. Es stand die bewegendste Periode meines Lebens bevor – das Leben mit dem Geist!

Mit schönen, inspirierenden Worten, die das Mysterium der nahen Zukunft lüfteten, wandte sich Beinsa Douno an die Menschheit: „Bisher hat die Menschenseele Knospen getrieben, sie hat den Zustand erreicht, in dem sie zur Knospe wird. Aber in unserem Zeitalter beginnt diese Knospe sich zu öffnen. Dieses Aufblühen der Seelenknospe ist einer der erhabensten Momente des Kosmos, das ist das Aufblühen der menschlichen Seele. Alle erhabenen Wesenheiten in der Göttlichen Welt erwarten mit Ungeduld das Aufblühen der menschlichen Seele. Sie wissen, dass in ihr alle Erscheinungsformen des Gottes verzeichnet sind, dass in sie alles hineingelegt worden war, was vor ihnen geschehen ist, was jetzt geschieht und was in Zukunft geschehen wird. Sie wissen, dass die menschliche Seele ein heiliges Buch ist, in das Gott auf eine ihnen unbekannte Art die Entwicklung des gesamten Seins niedergeschrieben hat. Deshalb warten sie voller Ehrfurcht auf das Aufblühen der menschlichen Seele. Die Blüten, die diese Seele treiben wird, werden in ihrer ganzen Schönheit erglänzen und Gott wird in sie sein Licht und seine Liebe ergießen. Und in der menschlichen Seele ist so viel Schönheit, wie in keinem anderen Wesen der Welt. Wenn sie aufblüht, dann kommen alle Engel, alle Gottesdiener. Seit jeher haben sie ihr Aufblühen erwartet, um von ihrem Nektar zu kosten. Und mit ihrer Ankunft werden sie die neue Kultur bringen, die ich die „Kultur der Liebe“ nenne. Als Christus auf die Erde herabstieg, kam er, um den menschlichen Seelen zu helfen. Jede Seele, die auf die Erde gekommen ist, hat nämlich eine wesentliche Aufgabe, die sie allein lösen muss.“

Wenn man diese Aufgabe herausfindet und sich ihrer Lösung annimmt, wird man die Worte des „vorzeitig“ geborenen Apostels Paulus begreifen, die er an die Korinther in seinem ersten Brief wendet: „In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller; dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist; einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeden das Seine zu, wie er will. (Korinther 7:11)

Christus ist der “Nutzen aller“ und ich wusste, dass ich über Ihn bis an mein Lebensende sprechen werde, aber es ist wichtiger, nicht über, sondern vom Christus ausgehend zu reden, mit Ihm immer mehr eins zu werden. Auf diese Weise verwandelt man sich in einen bewussten Träger des „Ichs des Menschentums“ und in einen Vertreter des Menschengeschlechts, der die „Leere“ der Weltereignisse hinsichtlich bestimmter Evolutionsimpulse füllen kann“. Was bedeutet das?

Jedes Zeitalter bringt bestimmte Impulse mit sich, die sich auf dem äußeren Plan entfalten müssen, d.h. es gibt eine „Lücke“. Damit alles geschieht, sind Menschen notwendig, die die Ereignisse antreiben, um diese Lücke zu füllen. Sie bringen aus ihren vorherigen Inkarnationen Impulse höchsten Ranges, die vorbestimmt sind, in die konkrete „Lücke“ zu gelangen. „Ein Mensch im inneren, tiefen Sinn zu sein, bedeutet es, sich mit dem zu verbinden, was die neue Offenbarung des Himmels von der Erdenentwicklung verlangt – darin besteht das Ganze“, wie Steiner es formuliert. Beinsa Douno erläuterte das folgendermaßen: „Diejenigen, die die neuen Ideen aufnehmen, sind nicht seit den heutigen Tagen darauf vorbereitet, sondern seit Menschengedenken. Sie sind fortgeschrittene, vorbereitete Seelen. Alles ist an seinem Platz.“ In gewissem Sinne suchen diese Iche selbst den Zeitpunkt ihrer Inkarnation nach ihren inneren Begabungen und Eigenschaften und diesen entsprechend bringen sie jene innere Notwendigkeit hervor, die später in ihren Handlungen sichtbar wird. Es besteht ein großer Unterschied zwischen der äußeren physischen Notwendigkeit und der geistigen Notwendigkeit. Alle freien Impulse kommen vom Geist. „Die größte Freiheit liegt vor, wenn man das welthistorisch Notwendige tut“, lauten die Worte Steiners (GA 166:92), die anders formuliert auch auf dem Grab von Beinsa Douno stehen: „In der Erfüllung des Willens Gottes liegt die Kraft der menschlichen Seele“. So sind die Freiheit und die Notwendigkeit aufs Engste miteinander verflochten.

Das „Entschlüsseln“ des Willens Gottes und seine Erfüllung stellen ein gigantisches Problem für den heutigen materialistisch denkenden Menschen dar, denn sie verlangen die Entwicklung eines Engelbewusstseins. Wir befinden uns in der Mitte zwischen dem Tier und dem Engel, zwischen dem Bewusstseinslosen und dem höheren Bewusstsein. Für den Engel ist die Absicht wichtig und nicht wie sie zu ihrer Erfüllung kommen wird. Selbst die Elohim schufen zuerst das Licht (die Welt) und erst dann sahen sie, dass es etwas Gutes war. Für den Menschen kommt zuerst die Vorstellung, etwa von einem Gebäude, das auf dem physischen Plan zu errichten ist, und für die geistigen Wesenheiten kommt die Absicht zuerst und der Geist bestimmt die Art und Weise ihrer Verwirklichung und das, was als Ergebnis herauskommen soll. Die Öffnung zum Strom der geistigen Notwendigkeiten und die Erlaubnis, dass sie durch uns gehen, setzt ein grenzenloses Vertrauen voraus, wie die Engel es haben. Das Vertrauen kommt, wenn wir überzeugt sind, dass die Absicht richtig ist, und es führt zu den richtigen Handlungen. In die richtige Absicht können wir einzig auf geistigem Wege durch das Denken eindringen, das auf den Wahrheiten der Anthroposophie aufgebaut worden ist. Erst beim Vorhandensein dieses „reinen“ Denkens, nach Steiners Bezeichnung, können wir unser eigenes Ich retten und einen Handlungsimpuls erzeugen, der jene Wirklichkeit-Liebe schafft die wir auch nach dem Tod mitnehmen können und mit der wir auf dem Erdenplan unseren seelisch-geistigen Tod und unsere Verwandlung in „wandelnde Tote“ verhindern.

Bei mir funktionierte dieses bewährte „Schema“ etwas anders. Als ich meine richtige Absicht, über den Christus zu sprechen, ausstrahlte, hatte ich weder anthroposophische Literatur gelesen, noch über die „Lücken“ gehört, aber ich wusste, dass der Welt, von der ich mich losgesagt hatte, etwas sehr Wichtiges fehlt! Das Lossagen selbst „rief“ auf geistigem Wege die Idee der „Lücke“ und die ihr folgende richtige Absicht. Beinsa Douno und Rudolf Steiner hatten vorhergesagt, dass Ende des 20. Jahrhunderts alle Meister der Menschheit inkarniert sein würden, um nach Steiners Worten „den letzten Impuls zu geben“, den ich den heiligen Impuls nenne, zur weiteren Entwicklung des geistigen Lebens der Erde. Diesen Impuls bestimmte Steiner als den Gipfel der Anthroposophie, d.h. der praktizierten Weisheit.

All das habe ich erst später erfahren. Damals – im Oktober 2000 – gab es die richtige Absicht, aber ich hatte keine Ahnung, was aus ihr folgen sollte. Am Abend vor meinem ersten öffentlichen Auftritt klingelte das Telefon. Es war die junge Frau von der Besprechung bei McDonalds. Mit warnender Stimme sagte sie: „Es kam eine Nachricht von oben für dich. Die Geister fragen, ob du für das Bevorstehende bereit bist?“ Und sie legte auf. Für 20 Minuten wandte ich mich nach innen, indem ich mich auf das Ich zu stützen suchte. Ich wusste, dass es keinen Weg zurück gab. Ohne es vollständig zu begreifen, spürte, ja wusste ich, dass ich etwas begann, das noch nie in der Welt gemacht worden war. Vorne war es dunkel. Ein paar Jahre später fragte ich in verschiedenen Situationen die geistige Welt, wie sich die Dinge entwickeln werden. Prompt kam die ablehnende Antwort: „Es wird das sein, was ihr daraus macht.“

B. Douno sagt: „An jedem Werk nehmen viele Wesen teil – jedes hat seinen eigenen Anteil. Aber wenn der Mensch nicht zuerst mit der Arbeit beginnt, werden auch die anderen nichts tun“. „Oben“ wurde meine Entscheidung erwartet, damit sich die geistige Welt einschaltet und wir anfangen konnten mit der praktischen Realisierung der Bruderschaft zwischen Menschen und Göttern, des „Weltmittags“, unter den neuen Bedingungen! Die richtig evolvierten Wesenheiten achten die Unantastbarkeit des menschlichen freien Willens, denn nur die freie Tat ist eine Tat der Liebe und durch sie verwandeln wir den alten Kosmos der Weisheit in einen neuen Kosmos der Liebe – den zukünftigen geistigen Jupiter. Der Meister sagte diesbezüglich: „Gott hat Bedingungen für eure intellektuelle, herzmäßige und geistige Entwicklung vorgesehen, aber trotzdem hat er einen spezifischen Tätigkeitskreis für euch freigelassen, in den er sich niemals einmischt. Das ist der Bereich, in dem der Mensch frei ist.“ Andernorts sagte er: „Gott kann allein die Menschheit, die Welt verbessern, und er hat seinen Plan dafür, aber in ihm lässt er einen Teil für den Menschen frei.“

In diesem Augenblick begann meine Seele „aufzublühen“. Konnte ich das zulassen? Als ich die Unterstützung im Ich, im Christus, fand, sagte ich zu mir: „Ich gehe dahin, komme, was wolle!“ Der Weg zum Geist wurde freigelegt, der versprochene Impuls wurde ausgelöst. Aber warum sage ich „zum Geist“ und nicht zum “Sohn“ oder „Vater“?

Hier kommen wir mit der christlichen und nicht mit der östlichen Karma-Auffassung in Berührung. Wie überall, so werden auch im Karma-Feld drei Gebiete voneinander abgegrenzt, die mit der Wirkung der Kräfte der Trinität verbunden sind. Wenn die Kräfte des Vaters wirken, wird das Karma wie ein „eisernes“ Naturgesetz erlebt und der Mensch kann nichts daran ändern, nur die nötige Kraft finden, um dieses Karma zu ertragen. Im negativen Sinne tauchen die „Ohrfeigen“ auf als Unfälle, Naturkatastrophen, unheilbare Erkrankungen. Aber wie uns der Meister beruhigt, werden unsere „Haare grau werden, bis wir begreifen, dass alles dem Guten dient“. An solchen „Unglücksfällen“ wirken die Wesenheiten der ersten Hierarchie – Throne, Cherubim und Seraphim. Eine andere Rolle von ihnen ist die Wahl, in einem bestimmten Land und bei bestimmten Eltern geboren zu werden. Sie stehen etwa hinter der „zufälligen“ Begegnung zweier Menschen, aus der eine neue Familie, eine Zusammenarbeit entstehen kann oder bei der wir über die Anthroposophie erfahren können, so wie das bei mir nach der Begegnung mit jenem Anthroposophen passierte.

Wie wirken die Kräfte des Sohnes? Gleich nach der „zufälligen“ Begegnung sind wir frei zu entscheiden, wie wir weiter unsere Beziehungen gestalten. Die Vergangenheit hat uns zusammengeführt – das sind die Kräfte des Vaters, aber was wir aus dieser Begegnung machen, hängt von uns ab. Wir haben eine neue Aufgabe: Metamorphose des Alten in etwas völlig Neues durch unsere gemeinsame Tätigkeit. Wir müssen für das Karma des Vaters bezahlen, aber es gibt viele Wege, die dorthin führen und in ihnen wirkt Christus – der Herr des Karma, der es nicht aufhebt, aber uns die Möglichkeit gibt, das Karma so umzuwandeln, dass das Erleben des individuellen Karma nicht nur zu unserem Wohl, sondern zum Wohl des ganzen Menschentums geschieht.

Nachdem ich von der Anthroposophie erfahren hatte, begann ich sie intensiv zu studieren. Alles, was ich vorher gelesen, gelernt und erlebt hatte, metamorphosierte nicht nur in den Erlöser als ein tiefer, heilender Prozess, sondern führte unvermeidlich zum Impuls bei mir, dass ich etwas gebe, mich aufopfere für die Menschen, und das macht den Impuls des Sohnes aus. Man beginnt, sich als Wesen kennenzulernen, das von der immer größer werdenden „inneren Christus-Sonne“ geführt wird, wozu die mit der Sonne verbundenen Wesenheiten der zweiten Hierarchie beitragen – die Herrschaften, Mächte und Urgewalten, die die Kräfte des Sohnes in unserem Kosmos darstellen. Ihnen können wir bereits nach unserem 42. Lebensjahr in einer neuen Form das zurückzahlen, was sie uns in jüngeren Jahren gegeben haben. Trotz meiner mehrmaligen Erinnerungen wollte sich der andere Teilnehmer an unserem Gespräch nicht für eine gemeinsame Arbeit in Christo öffnen, indem er ständig die Wirkung des Karma vorschob, d.h. er blieb unnötigerweise auf dem ersten Niveau (des Vaters) und erlaubte Christus nicht, das Karma zu ändern. Als Ergebnis wurde sein Leben ausgesprochen kompliziert. Andere Anthroposophen begriffen auch nicht die Worte Steiners, dass die Anthroposophie sich nur auf der Grundlage der Bruderschaft entwickeln kann, an der immerhin nicht nur Vertreter der „Anthroposophischen Gesellschaft“ teilnehmen. Der Meister formulierte es anders: „Die Menschen leiden nicht daran, dass sie auf dem Christus-Weg sind, sondern daran, dass sie nicht auf diesem Weg sind.“

Dann bleibt auch das dritte Wirkungsgebiet im Karma, das Gebiet des Heiligen Geistes, unzugänglich. Wir reden hier nicht mehr von der Umgestaltung des alten, sondern von der Schaffung eines völlig neuen Karma. Das Prinzip des Heiligen Geistes in unserem Kosmos wird durch die dritte Hierarchie vertreten – die Engel, Erzengel und Archai. Sie können den Menschen richtig durch die nächsten Kulturepochen führen und ihm ständig helfen, aber nur wenn er Taten, die vorher niemand vollbracht hat, vollbringen will, kann und tatsächlich vollbringt. Denn diese Taten kommen auf dem Wege des Geistes aus seinem eigenen Wesen, aus seiner Seele, und diese ist einmalig! Die Handlung selbst nannte Steiner ‚eine Handlung aus moralischer Intuition’, und über den Weg des Geistes sagte Beinsa Douno: „Das Christentum ist eine Wissenschaft, die zeigt, wie die Menschen aus dieser Welt herauskommen sollen. Das ist ein schmaler Weg, damit nur ein Mensch auf ihm gehen kann. Der wahre Weg hat keinen Pfad. Ein Weg mit vielen ausgetrampelten Pfaden, ist ein Weg der Welt. Ein Weg ohne Pfade, ist ein Weg des Geistes.“ Ich trat auf diesen Weg und deshalb war es so dunkel vor mir. Aber nur unter solchen Bedingungen konnte der „Heilige Impuls“ ausgestrahlt werden – ursprünglich eher als ein „Gipfel der Anthroposophie“ und weiter – in seinem eigentlichen Wesen als die Synthese im Ich der beiden esoterischen christlichen Impulse des 20. Jahrhunderts.

In den bevorstehenden sieben Vorlesungen dominierte die Anthroposophie fast völlig. Was war aber das Neue? Die Ich-Kraft, das Feuer, das vom Bodhisattva kam! Steiner hatte gesagt, dass es nicht so wichtig ist, was für Wahrheiten die Geisteswissenschaft enthält, sondern wie sie ausgesprochen werden.“ Sie können sich hoffentlich erinnern, dass „wir durch die Worte zum inneren Erleben des Geistes kommen sollen. Das ist das Geheimnis der gegenwärtigen Einweihung. “Worte, die voller Wahrheit und Feuer sind, voller Geist, durch den die Anthroposophie im menschlichen Ich als Christus-Liebe neugeboren wird. Jeder kann persönlich „den Gipfel der Anthroposophie“ erleben, wenn er den „Schlüssel dreht“, der „Bodhisattva“ genannt wird. Nachdem die sieben Vorlesungen öffentlich vorgetragen worden waren, öffnete der Schlüssel immer weiter die Tür zum Geist und zur Synthese des Rosenkreuzertums und Manichäismus. Dabei führte er mich mit wachsender Kraft zu den „wahren Quellen des Christentums“, d.h. zur Wahrheit über Christus!

Dieser Prozess verlief auch in direkter Abhängigkeit von meiner persönlichen Einstellung zum Meister. Am Tag der Sonnensommerwende – 22.06.2002 – hielt ich in Plovdiv die Vorlesung „Der wahre Christus“, obwohl der Erlöser immer noch seinen „zustehenden“ Platz in meinem Bewusstsein eingenommen hatte. Ich weiß noch, wie unterstützend mich der Meister vom Porträt an der Wand sah, das dort hing, bevor ich nach vorn kam und das “Feuer“ wirken ließ. Seit diesem Augenblick begann ich ihn zu lieben! Kurz danach hatte ich eine persönliche Begegnung mit ihm, die ich am Ende des Buches erwähnen werde. Es ist aber wichtiger, dass der Weg zum Christus aus der Vorlesung „Das Gottes-Ich“ wesentlich verkürzt wurde. Genau ein Jahr später – am 22.06.2003 -schien die Christus-Sonne in meinem Bewusstsein in ihrem vollen Glanz als das Ich des Vaters selbst! Der Bodhisattva-Schlüssel funktionierte! Aber das sind spätere Ereignisse, und nun wollen wir zum Beginn des Heiligen Impulses zurückkehren, um auf die Frage zu antworten, worin das Neue besteht.

Jeder Anthroposoph würde fragen: „Hat Steiner etwa nicht vergeistigt gesprochen? Ist er nicht der erste und bisher der einzige Mensch, der zum Meister der Menschheit wurde, indem er sich auf sein individuelles Ich stützte? Ist er nicht selbst die Verkörperung der Synthese des Rosenkreuzertums und des Manichäismus mit dem Opfer auf der Weihnachtsversammlung 1923? Die Antwort auf alle drei Fragen lautet „Ja“. Also?

Steiner verließ diese Welt 1925 und der Bodhisattva – 1944, nachdem er 1936 an einem Christus-Mysterium teilgenommen hatte, das die geistigen Bedingungen grundlegend änderte. Über dieses Mysterium ist in der Vorlesung „Das zweite Golgatha und Beinsa Dounos Opfer“ die Rede. Zudem war Steiner von klein auf hellsichtig und hatte nie eine materialistische Weltanschauung, was viel Zeit und das Herumirren auf dem Weg zum Christus erspart. Damals hatten sich die Asuras noch nicht eingemischt, die Globalisierung war noch nicht über die Welt hereingebrochen, die „furchtbaren Vernichtungskräfte“ waren nur als Keim da. Die Schutzengel hatten gerade begonnen, die drei Impulse einzuströmen, die das Menschentum so tragisch verpasst hatte. Die geistigen Wesenheiten trieben immer noch den menschlichen Fortschritt voran und die Sonnenfinsternis, die 1999 das Bewusstsein verdunkelte, war noch weit entfernt. Von dem furchtbaren Druck der Informationstechnologien und Medien, die den Äther zu einem „Sieb“ machen und jegliche Geistigkeit wegfegen, ganz zu schweigen. Steiner hatte das alles gesehen, aber er sagte die Ausstrahlung des Heiligen Impulses vorher, die genau an der Grenze der zwei Jahrtausende vor sich gehen sollte. Hatte er nicht recht mit seinen Vorhersagen? Oder hatte sich Beinsa Douno geirrt? Warum werden alle Meister der Vergangenheit inkarnieren und keiner von ihnen wird die Arbeit erledigen und die „Lücke“ füllen? Waren die Bedingungen etwa schwer? Leichter werden sie wohl nicht mehr werden. Kann jemand sagen, wie die Welt in zehn oder fünfzig Jahren aussehen wird, so wie sie sich heute entwickelt?

Und trotz allem wurde der Impuls zum prophezeiten Zeitpunkt ausgestrahlt! Seit der Zeit Jeschu ben Pandiras wissen wir von keiner Inkorporation des Bodhisattva und er steigt alle hundert Jahre herab (später wurde durch D. Mangurov eine Inkarnation in der Zeitenwende genannt, Anm. des Übersetzers). Auf indirekte Weise kommen wir dahinter, dass er über Manes im 2. bzw.3. Jahrhundert gewirkt hat, weshalb er den Manichäismus begründen konnte. Nicht zufällig nannte sich Manes selbst „Paraklet“, d.h. die Erscheinung des Heiligen Geistes, und die zwölf Bodhisattvas sind es, die die himmlische „Leiblichkeit“ des Heiligen Geistes darstellen, der über ihre Loge erstrahlt. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass das Rosenkreuzertum nach seiner Begründung im 13. Jahrhundert durch Christian Rosenkreutz in einer einheitlichen Strömung mit dem Bodhisattva existiert, damit wir den Erlöser auf eine Ich-Art in der Epoche der Bewusstseinsseele erleben. Trotzdem wurde der Bodhisattva kein einziges Mal offen benannt. Steiner durfte es im 20. Jahrhundert nicht tun, zumindest weil die Mission des Bodhisattva noch nicht abgeschlossen war. Der Begründer der Anthroposophie selbst konnte vom ganzen Bodhisattva-Impuls nicht profitieren, da er vorzeitig diese Welt verlassen hatte. Nach seinem Tod war Steiner übersinnlich bei den Vorträgen Beinsa Dounos anwesend. Wir können uns aber unter den geänderten Bedingungen Kraft und Leben aus dem ganzen Bodhisattva-Impuls zu Eigen machen, wenn uns sein Name genannt wird – der Name des Hauptboten Christi auf Erden.

Im Jahre 2000 geschah das und von dort bis zur „Idee“ der Synthese mit der Anthroposophie führte kein langer Weg. Nur prinzipiell zu wissen, dass nach dem 13. Jahrhundert eine gemeinsame geistige Strömung existiert, ist etwas anderes als die Bestandelemente dieser Strömung zu personalisieren und praktisch zu beginnen, seine geistige Wirkung auf sich selbst unter den Neuen Bedingungen zu erproben, indem man vom tiefsten Boden der materialistischen Weltanschauung, dem Kommunismus, ausgeht. Das macht das Wesen des Neuen aus, was nie vorher gemacht worden war! Nun probieren das noch ein paar andere Menschen aus. Während Steiner der individuelle Trost der Götter ist, dass mindestens ein Mensch den Übergang zur übersinnlichen Welt auf die richtige Weise vollzog, werden die Menschen, die die Synthese leben, nach und nach jene Gralsgemeinschaft bilden, die dem kommenden Ahriman entgegentreten wird. Diese wird der „soziale“ Trost der Götter sein, dass es nach dem Zusammenstoß mit dem Antichristen das Menschengeschlecht eine Zukunft haben wird. Die Arbeit an der Synthese beider christlichen Impulse des 20. Jahrhunderts ist die wichtigste geistige Arbeit auf Erden heute, denn die Synthese ist der einzig richtige und gefahrlose Weg der Seelen zum Geist. In ihr kommt die „Größe des Gottes“ zum Vorschein.

Wie wurde dieser Weg angebahnt?

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