Erwecker und Apostel

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 01.11.2015 in Varna
vom Autor nicht redigierte Textfassung der Vorlesung

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Gebet: Herr Gott Jesus Christus, wir danken Dir, dass es in allen nachatlantischen Kulturepochen Erwecker gegeben hat und wir bitten Dich, so viele Erwecker wie möglich in den Zeiten des Antichristen auf die Erde zu schicken. Amen!

Ich wünsche Ihnen alles Gute zum Tag der Erwecker[1]. Unser heutiges Thema „Erwecker und Apostel“ entstand vor 20 Tagen. Eines Morgens wachte ich gegen fünf Uhr auf und richtete an die geistige Welt die Frage, was am Monatsende vorzutragen sein wird. Fünf Minuten später kam dieses Thema als Antwort. Das Thema entfaltete sich bis zum heutigen Morgen, damit ein aufregendes Geheimnis hier gelüftet werden kann. Ein weiteres Geheimnis wird nächsten Monat mitgeteilt werden, wenn das geeignete Thema vorgetragen wird. Die Rechtmäßigkeit der Reihenfolge der heutigen Darlegungen wurde zum wiederholten Mal von der geistigen Welt besiegelt.

Wenn wir über Erwecker und Apostel sprechen, müssen wir wissen, was diese Begriffe bedeuten. Dann können wir versuchen aufzuzeigen, wie ihr Wesen in den verschiedenen Epochen zur Geltung kommt, was in der Zeitenwende geschah. Wir müssen aus dem Globalen herauskommend uns in die Details vertiefen, zu unserer Zeit kommen, um zu verstehen, was es bedeutet, die Bewusstseinsseele zu entwickeln und die sechste Kulturepoche vorzubereiten. Wir müssen all das umreißen, der Stoff ist sehr umfangreich und ich bitte Sie um konzentrierte Aufmerksamkeit. Ein Erwecker (auf bulg. будител aus dem Verb будя „wecken, erwecken“) bedeutet einen Menschen, der wach, erleuchtet für die geistige Welt ist. Das Wort selbst ist auf das arische Verb. bōdháyati und altbulg. бѹдити, бѹждѫ zurückzuführen. Apostel stammt aus griechisch „Bote, Gesandter“. Ich habe noch keine Antwort auf die Frage, woher das Wort ursprünglich kommt. In der atlantischen Zeit sprachen wir alle die gleiche Sprache. Das Rassenprinzip war wichtig damals, und dieses Prinzip hängt mit dem physischen Leib zusammen. Deshalb wurde in meiner Untersuchung „Die Bodhisattvas“ diese Frage sehr eingehend behandelt. Dort habe ich mir erlaubt zu schreiben, dass die ersten zwei der zwölf Bodhisattvas, die die ganze Menschenevolution und die geistige Entwicklung der Menschheit antreiben, in der atlantischen Zeit am physischen Leib gewirkt haben, da dieser damals der Faktor der menschlichen Entwicklung darstellte. Gemeint ist die vierte Wurzelrasse, die atlantische Rasse, in der es sieben Unterrassen gibt, die Rassen und keine Kulturepochen sind. Erst nach der Sintflut, als Melchisedek (Noah) das künftige Extrakt der Arier in Richtung des Tarimtals führte, können wir von einer arischen Rasse sprechen. Die ganze fünfte Wurzelrasse mit den sieben Kulturepochen stellt die arische Rasse dar.

Was bedeutet der Begriff  ‚Arier‘? Die Chinesen mit ihrer Sprache sind, so Steiner, ein majestätisches Denkmal der atlantischen Sprache. Wir kennen die Sprachen der Indianer, Araber, Schwarzafrikaner usw. Was bedeutet die ‚arische‘ Sprache, was bedeutet das, was wir als bulg. буден „wach“, als Buddha kennen? Buddha ist bekanntlich kein Name, sondern eine Rangbezeichnung – wenn die Bodhisattvas am Ende ihres letzten Hinunterstiegs auf die Erde sich um eine Stufe erheben, so wie das bei Gautama Buddha oder bei Orpheus, beim Bodhisattva im Rila ca. 3500 Jahre v.Chr. und beim ersten nachatlantischen Bodhisattva in der urindischen Kulturepoche der Fall war. Aus dieser Zeit stammt auch der bulgarische Kalender. Bis zur Zeit des Baus des sog. Turms zu Babel, der im  Zweilandfluss zwischen Tigris und Euphrat stattfand – dem Wohnort vieler großer vorchristlicher Kulturen -, kann man noch nicht von Völkern sprechen. Erst am Anfang der dritten Kulturepoche, die im Jahr 2907 v.Chr. begann, in der Zeit Gilgameschs, Babyloniens vermischte Ahriman die Sprachen, was damals rechtmäßig war. Ich vermute, dass bis zu dieser Zeit eine Sprache verwendet wurde, die in viele Sprachen zerfiel, was der Legende von der babylonischen Sprachverwirrung zugrunde liegt. Ahriman ermöglichte die Herausbildung einzelner Völker mit eigenen führenden Erzengeln und einzelnen Sprachen. Der Prozess dauerte in der dritten Kulturepoche weiter an, bis es in der vierten griechisch-römischen Kulturepoche zu einer ganz klaren Differenzierung kam. Das, was wir heute unter ‚arischer Sprache‘ verstehen, ist das, was im Sanskrit geblieben ist, im Altbulgarischen und teilweise im heutigen Bulgarisch. Bei vergleichenden Untersuchungen werden viele Parallelen zwischen dem Sanskrit und dem Altbulgarischen entdeckt. Die Frage ist, welche die ursprüngliche Sprache ist. Das Sanskrit ist primär, aber wenn man den Feldzug Dionysos‘ nach Indien 100 Jahre vor Orpheus und die Begründung der indischen Kultur dort bedenkt, ist es fraglich, welche Sprache welche beeinflusst hat. Nicht zufällig lässt sich der Name des Geburtsortes von Gautama Buddha im heutigen Nepal Kapilavastu auf Altbulgarisch als ‚Siedlung auf dem Hügel‘ übersetzen. Ich weiß nicht, ob der Name auf Sanskrit etwas bedeutet, aber er lässt sich ins Altbulgarische übersetzen. Wer sich für Geschichte interessiert, wird wissen, dass bis zum 19. Jahrhundert alle Toponyme südwärts in Richtung des Ägäischen Meeres Griechenlands altbulgarisch waren und sich problemlos ins moderne Bulgarisch übertragen ließen. Kein einziger Name war griechisch, da diese Regionen alte bulgarische Gebiete waren. Für unser heutiges Thema ist das zweirangig, ich erwähne es im Vorbeigehen, aber wenn die heutigen Historiker bestimmte Behauptungen als die absolute Wahrheit hinstellen, müssen wir Bedenken haben. Es ist eine Tatsache, dass die Inder eine arische Sprache sprechen, dass die Bulgaren eine arische Sprache sprechen. Die Araber sprechen keine arische Sprache, die Indianer in Amerika – ebenfalls nicht, die Chinesen – auch nicht, obwohl die ganze fünfte Wurzelrasse ‚arisch‘ genannt wird. Die Arier sind diejenigen, die die menschliche Entwicklung in den nachatlantischen Epochen anführten zu der Entwicklung des Verstandes, Selbstbewusstseins und des Ich. Die Bulgaren sind dasjenige Volk, das für die gesamte Ich-Entwicklung der Menschheit in den nachatlantischen Epochen sorgt und in dieser Behauptung gibt es keinen Nationalismus.

In jeder Kulturepoche gibt es bestimmte Menschen, die sich in Bruderschaften gruppieren und die Sendboten der Großen Weißen Bruderschaft sind, welche sich aus den erweckten Seelen auf der Erde und den Hierarchien der geistigen Welt zusammensetzt. In jeder der nachatlantischen Kulturepochen entwickeln sie ein geistiges Leben, dessen Produkt als Kräfte emporsteigt und nach der Bearbeitung in der geistigen Welt zu dem wird, was in der nächsten Kulturepoche in die Menschen hinunterströmt und zum Kulturentwicklungsfaktor wird. Wenn man das sagt, denkt man sofort an GA 113 („Der Orient im Lichte des Okzidents“), wo Steiner über die Bodhisattva-Loge und davon spricht, dass das Produkt aller Mysterienzentren der Erde nach oben steigt und in dieser Loge bearbeitet wird.  Diese Loge also, die nach einer langen Entwicklung gegen Mitte der atlantischen Zeit vor ca. 15000 Jahren gebildet wurde, begann in den nachatlantischen Epochen das ganze geistige Leben der Menschheit zu leiten, indem sie dieses Leben zum Bewusstwerden und zur geistigen Vertiefung führte. Beide sind miteinander verbunden. Das Rassenprinzip war in der atlantischen Zeit vorherrschend, danach sollte der Schwerpunkt des Menschenlebens auf den Äther- und Astralleib und die dreigliedrige Seele verlegt werden, so dass in unserer Zeit die ersten Vorreiter von der Bewusstseinsseele zum Geistselbst übergehen können. Die Epoche der Bewusstseinsseele wird noch bis zum Jahr 3573 andauern. Der Menschheit steht diese Frist zur Verfügung, damit sie die Bewusstseinsseele entwickelt. In der urindischen Zeit war der Kulturentwicklungsfaktor der Ätherleib. Die Menschen wurden das Leben im Ätherleib gewahr. Deshalb haben die Teilnehmer an den Mysterienbruderschaften an einem Produkt im Astralleib gearbeitet, so dass künftig die Gewahrwerdung des Lebens allen Menschen im Astralleib zugänglich werden konnte. Es ist grundsätzlich unterschiedlich, ob der Mensch seines Lebens in einem der Leiber oder in einer der drei Stufen der Seele bewusst wird. Ohne das zu begreifen kann man die menschliche Evolution nicht verstehen und keine Fragen hinsichtlich des Sinnes und der Bedeutung von Ereignissen und Artefakten aus dem Altertum beantworten. In den Mysterienzentren wurde im Voraus das Leben im Astralleib entwickelt, das Produkt ist hinaufgestiegen und durch die Loge der zwölf Bodhisattvas mithilfe der Götter bearbeitet worden. In der zweiten Kulturepoche floss dieses Produkt in die Astralleiber der Menschen hinein und wurde zum Kulturentwicklungsfaktor. Wenn das Produkt in die Bodhisattva-Loge aufsteigt, erhebt sich immer der jeweilige Bodhisattva in den Buddha-Rang und wird zum Zentrum dieses vorausschauend ausgearbeiteten Produktes, das in der nächsten Kulturepoche Früchte tragen wird. Seine Tätigkeit wird in den künftigen Epochen abgespiegelt. Das geschieht nach folgendem Prinzip: die Tätigkeit des Bodhisattva in der ersten Kulturepoche wird in der künftigen siebten Epoche abgespiegelt, die Tätigkeit in der zweiten Kulturepoche – in der künftigen sechsten Epoche, in der dritten Kulturepoche – in der gegenwärtigen fünften Epoche. Lediglich die Tätigkeit in der vierten Kulturepoche war für sich selbst. Gerade die Menschen in den Mysterienzentren und der Bodhisattva als ihre Emanation waren die Erwecker der vorchristlichen Zeiten, die zusammenkamen, um am jeweiligen Produkt zu arbeiten. Als die dritte Kulturepoche anbrach und die große Gnosis entstand, die der Seelenentwicklung der zum ersten Wesensglied der Seele, der Empfindungsseele herangereiften Menschheit entsprach, trat das im Bodhisattva Orpheus in Erscheinung, der zum Buddha wurde. Vor ihm manifestierte sich die Entwicklung in der zweiten Kulturepoche durch den Bodhisattva im Rila, der zum Buddha wurde. In der ersten Kulturepoche stieg der dritte Bodhisattva im Jahre 5505 v.Chr auf. Das ist auch das Anfangsjahr im bulgarischen Sonnenkalender. Die Beziehung der Bulgaren zu den Bodhisattvas, die zum Buddha werden, sticht ins Auge. Hier geht es nicht um die Wirkung übersinnlicher Wesen, etwa Engel, Erzengel und Archai durch die Bodhisattvas, Dhyani-Buddhas und Buddhas, über die in der östlichen Tradition berichtet wird. Bei Letzteren wurde ein Menschenleib als Gefäß verwendet und deshalb nannte man auch Menschen mit diesen Namen, je nachdem, welche Wesenheit durch sie gewirkt hat. Wir reden hier von der Loge der zwölf Bodhisattvas, die der Menschenevolution entstammen und die durch sich selbst am besten zeigen können, wie „die Gottessöhne die Menschentöchter liebgewannen“. Gemeint ist die Verbindung zwischen dem Geist des Menschen und der Seele. Das ist der große Beitrag der Bodhisattvas – die Anpassung unseres übersinnlichen Wesens, unseres Geistes, unseres Ich, an unsere Seele. Das bewirkt das niedere Ich, das zum Kulturentwicklungsfaktor in den nächsten Epochen bis zum heutigen Zeitpunkt wurde. Nur die größten Anführer der Menschheit haben eine Beziehung zu ihrem höheren Ich.

Was war das Hauptgeheimnis der Gnosis und überhaupt aller nachatlantischen Kulturepochen bis zu Ankunft Christi? Das war das große Geheimnis des Leibes. Wenn wir die erhabenen Gespräche mit Beinsa Douno an den Rilaseen lesen, finden wir eine Stelle, wo er sagt, dass die Große Weiße Bruderschaft bisher drei große Impulse in der Menschenentwicklung ausgestrahlt hat. Den ersten können wir den ‚ägyptischen‘ nennen, den zweiten – den ‚palästinensischen‘ und den dritten – den ‚Impuls der Bogomilen‘. Gibt es hier keinen Widerspruch? Wie soll man das auf die Geisteswissenschaft beziehen? Wieso existiert ein ägyptischer Impuls, wenn die Eingeweihten, die sich im alten Ägypten mit den Mumien beschäftigten und die einen wichtigen Faktor der Menschenentwicklung darstellten, zurück zur Atlantis geschaut haben, da sie hauptsächlich dem Merkur-Orakel der Atlantis entstammten? Wir wissen jedoch, dass die zweite Hälfte des Erdenäons die Merkurhälfte sein wird im Unterschied zu der ersten Marshälfte. Was ist das Besondere, das die ägyptischen Mysterien auszeichnet und warum hielten sich dort Orpheus, Pythagoras und andere Eingeweihte auf? Was haben sie dort gesucht, das Beinsa Douno den Grund gab, den ersten Impuls der Weißen Bruderschaft den ‚ägyptischen‘ zu nennen?

Wie kein anderer haben die dortigen Eingeweihten das Geheimnis der Geburt und das Geheimnis des Leibes gekannt. Und der Sinn aller vorchristlichen Epochen bestand daran, den Leib für Gott zu erschaffen. Folglich kann man im weiten Sinne die dortigen Mysterien den ‚ägyptischen’ Zweig nennen. Auf sie lassen sich auch einige der thrakischen Mysterien beziehen, aber ich werde mich jetzt lieber auf das Hauptthema konzentrieren. Bei der Einweihung Abrahams durch Melchisedek (Manu bzw. Noah) mit dem Brot und Wein wurde der Vorhang des Sonnengeheimnisses Christi leicht geöffnet. In das Geheimnis des Leibes wurden auch Jakob und Isaak sowie die restlichen hebräischen Führer eingeweiht, denn ihr Volk sollte den Leib für Gott liefern. Das Verständnis des Leibes kam aus dem ägyptischen Zweig. Die Fortsetzung des Geheimnisses des Leibes aus den vorchristlichen Zeiten ging durch das Mysterium des Leibes und die Auferstehung, durch das Gralsmysterium und Joseph von Arimathäa und fand seinen Höhepunkt im Gralsgeheimnis, das zum Hauptgeheimnis des Christentums wurde. Zuletzt hat der Bodhisattva des 20. Jahrhunderts Beinsa Douno 1936 seinen Leib Gott zur Verfügung gestellt, damit das Mysterium zustande kommen konnte, das wir mehrmals besprochen haben. Er war das erste Menschenwesen, das in der Lage war, dies zu tun, denn die nathanische Seele, die Gott den Leib Jesu gab, ist engelsgleich und war nur ein einziges Mal hinuntergestiegen. Es gibt einen immensen Unterschied zwischen ihr und einem Menschen, der mehrmals hinuntersteigt. Die Bodhisattvas inkarnieren alle 100 Jahre und nach Gautama Buddha, der als Erster im Voraus die Bewusstseinsseele, die 2000 Jahre später zum Kulturentwicklungsfaktor wurde, entwickelte, verbinden sie sich immer enger mit dem Leib, den sie als ihr Gefäß benutzen. Der Erste der restlichen Menschheit, der eine Bewusstseinsseele ausbildete, war Parzival, der im neunten Jahrhundert wieder geborene Manes. Die Frage der Bewusstseinsseele ist von grundlegender Bedeutung, denn der Übergang zum Geist ist ohne die Bewusstseinsseele unmöglich. Die Bewusstseinsseele ist der entscheidende Faktor. Außerdem ist die fünfte Kulturepoche der Gipfel der fünften Wurzelrasse. Die sechste und siebte Kulturepochen werden einen Hinunterstieg bedeuten, sie werden absteigend sein. Aber gerade dann wird das Geistselbst und nach ihm der Lebensgeist hinunterströmen. Der Höhepunkt der fünften Wurzelrasse ist die fünfte Kulturepoche, in der wir leben und in der die zweite Wiederkehr Christi stattfindet und der Antichrist auf der Erde ist. Wenn bei dieser Information die Seele sich nicht aufregt und das Herz nicht höher, ist der Mensch nur formell lebendig.

Nun werden wir auf die Zeitenwende schauen und die Analogie zu der heutigen Zeit finden, denn alles, was sich in der Zeitenwende mit allen teilnehmenden Personen um Christus ereignete, findet in jedem von uns eine Widerspiegelung. Wenn ich auf meinen eigenen geistigen Weg zurückschaue, stelle ich fest, dass alles, was mit den Jüngern geschah, auch ich in der mir angemessenen Art erlebe. Der ganze Entwicklungsgang der vorchristlichen Zeiten war auf die Zeitenwende und die Ankunft Christi ausgerichtet. Als der Leib bereit war, stieg der Erlöser hinunter und ging fast drei Jahre auf die Erde. Wie hat Christus die Apostel berufen? Warum konnten sie nicht auf dem Hügel Golgatha anwesend sein und stattdessen wurden die Lehrer der Menschheit Zeugen der Kreuzigung? Nur Johannes war mit seinem höheren gnostischen Bewusstsein dort anwesend, das Bewusstsein der anderen Jünger war eingeschlafen. Anwesend waren dagegen Simon von Cyrene – der wieder inkarnierte Abraham, Nikodemus und Joseph von Arimathäa. Warum? Wenn wir die Evangelien lesen, stellen wir fest, dass es auf den ersten Blick einen Widerspruch gibt, was die Berufung der Jünger betrifft. Laut dem Johannes-Evangelium beginnt die Berufung der ersten Jünger in Judäa, und in den Lukas- und Matthäus-Evangelien werden sie am See Genezareth berufen. Gibt es hier einen Widerspruch?

Wenn man die sog. vergleichende Religionswissenschaft anwendet, die ein rein materialistisches Herangehen ist und die Tatsachen in verschiedenen Texten vergleicht, stellt sich heraus, dass etwas nicht stimmt. Warum scheinen sich die Evangelien auf den ersten Blick zu widersprechen? Lassen Sie uns die ganze Komposition der Berufung betrachten, um zu spüren, wie wir selbst berufen worden wären  bzw. wie wir bisher berufen worden sind. Als Christus in Jesus eintrat, beobachten wir, dass er sich von Judäa über Samarien nach Galiläa bewegt. Warum bewegte Er sich nur im Rahmen dieser Strecke von ca. 100 km?

Aus dem „Fünften Evangelium“ wissen wir, dass Jesus vorher viele Orte,  viele heidnische Kultzentren besucht hatte, bevor das dramatische Gespräch mit Jungfrau Sophia stattfand, bei dem aus Ihm das Zarathustra-Ich heraustrat und die Vereinigung der Jungfrau Sophia mit der früh verstorbenen Maria, die Jesus in Bethlehem zur Welt gebracht hatte, geschah. Warum wanderte Christus nur innerhalb der erwähnten Gebiete, was sind das für Gegenden? Hier können wir sofort eine Parallele zu Peter Danov als dem Hauptvertreter Christi auf Erden feststellen. Bevor der Bodhisattva in ihn eintrat, war er sogar nach Amerika gereist, um dort Medizin und Theologie zu studieren. Als er nach Bulgarien zurückkehrte, verließ er das Land nie wieder. Hier hatte  er seine Aufgabe zu erfüllen und er tat es. Judäa repräsentiert den Egoismus, das Physische, das ist die Anbindung des Menschen an das Irdische, an das niedere Ich. Samarien verkörpert das Gute, dort findet das Gespräch mit der Samariterin statt, das Gleichnis über den guten Samariter bezieht sich auf dieses Land. ‚Galiläa’ bedeutet dagegen das Ätherische. Vom irdischen Judäa erfolgt eine Erhebung über das Gute Samariens zum ätherischen Galiläa. Ich bin mir nicht sicher, ob das irgendwo auf diese Art gesagt worden ist, aber das ist eine okkulte Tatsache. Als Christus durch das Irdische gejagt wurde, ging Er über Samarien nach Galiläa und bewegte sich nur innerhalb dieser drei Landstriche. Im Lukas- und Matthäus-Evangelium werden die Fischer am See von Galiläa berufen. Dort werden die ersten zwei Paare berufen – Andreas – Petrus und Jakobus und Johannes Zebedäus. Im Johannes-Evangelium dagegen steht etwas ganz anderes. Die Berufung findet an der Siedlung Bethabara hinter dem Jordan statt. Bethabara ist eigentlich Bethanien. Es gibt zwei Orte mit dem Namen Bet(h)anien, in dem einen, der nicht weit von Jerusalem liegt, wurde Lazarus geboren und der Name bedeutet „Haus der Armut“ im menschlichen Sinne, im Sinne einer geistigen Verarmung. Bethanien hinter dem Jordan, wo Johannes der Täufer getauft hat, bedeutet das Gleiche, aber bezogen auf die Natur. Die dortige Landschaft ist eine Wüste. Der Jordan verbindet den See Genezareth in Galiläa mit dem Toten Meer. Es besteht eine Verbindung zwischen der geistigen Welt und der irdischen Welt. Im Johannes-Evangelium wird der Ort erwähnt, an dem Johannes tauft und dort findet die erste Berufung der Jünger statt. Am 06.01. geht Jesus zum Jordan, das Zarathustra-Ich ist herausgetreten und zum Täufer schreitet ein Menschenwesen, das aus drei Leibern und der nathanischen Seele besteht. Johannes dem Täufer, der sagt: „Seht, das Lamm Gottes“ und taucht Jesus ins Wasser. Darauf tritt Christus in Jesus ein. Von diesem Augenblick an reden wir vom Christus Jesus. Am nächsten Tag geht Er dort wieder vorbei und sieht den Täufer mit Andreas und einem weiteren Schüler. Johannes hat sie getauft, noch bevor sie zu Jüngern des Christus wurden. Bei der Taufe wurden die Täuflinge vollständig unter Wasser getaucht, ihr Ich trat heraus und es wurde eine Verbindung zum höheren Ich hergestellt. Diejenigen, die auf diese Art vor der Taufe Christi getauft wurden, hatten auf den Messias gewartet. Johannes sagt wiederholt „Seht, das Lamm Gottes“ und Andreas und der andere Schüler folgen Christus. Was für Worte werden zwischen den Jüngern und Christus gewechselt? Christus fragt sie: „Was wollt ihr?“  Bei meiner übersinnlichen Begegnung mit Beinsa Douno fragte er mich auch, was ich will. Damals erwiderte ich ihm: „Die Liebe“. Christus hatte Seine Frage auf dem physischen Plan gestellt, bei mir fand die Begegnung mit Beinsa Douno auf dem übersinnlichen Plan statt und ich war bei meinem vollen Bewusstsein. Bei dieser Frage Christi werden die Seelen und Herzen der Jünger in Bewegung gesetzt. Es kommt der Messias, Johannes der Täufer weist auf ihn hin und nennt ihn ‚das Lamm Gottes’.  Der Messias fragt sie, was sie wollen. In ihrem Wesen ist das die gleiche Frage, die mir Beinsa Douno stellte und das ist ein großes Erkennungszeichen. Die Jünger, deren Ich kurz vorher ausgetreten ist, befinden sich zwischen Himmel und Erde, ihr Bewusstsein ist immer noch entrückt und sie können nicht mit ihrem wachen Bewusstsein erkennen, dass der physische Leib des Messias vor ihnen steht. Ich werde etwas äußerst Wichtiges betonen. Die beiden erkennen Christus nicht selbst, sondern der Vorläufer Johannes sagt ihnen, das Lamm Gottes zu sehen. Die Frage Christi beantworten sie mit einer Gegenfrage „Wo wohnst du?“, worauf Er antwortet  „Kommt und seht!“ Und sie verbringen diesen Tag mit Ihm, natürlich nicht in seiner physischen Wohnung, sondern in den übersinnlichen Welten, aus denen Er kommt, d.h. sie sind in seiner Aura. Es gibt keine mächtigere Aura als diese – der Sohn von der Trinität steigt herab und tritt in einen Leib ein. Seine Aura ist gigantisch. Wie Sie wissen, brauchte Er eine bestimmte Zeit, um sich an die Leiber anzupassen, denn sonst hätte seine Aura allen, die um Ihn waren, den freien Willen entzogen und ihre Gesundheit beeinträchtigt, da sie nicht fähig sind, seine mächtige Anwesenheit zu ertragen. Beinsa Douno sprach darüber, dass Christus beim Hinunterstieg seine Vibrationen 78 000 000 Mal reduziert hat. Nach dem Eintritt in den Jesus-Leib war eine weitere Reduzierung notwendig, die bis zum Golgatha andauerte, als seine vollständige Verbindung mit dem physischen Leib stattfand.

Die beiden Jünger verbringen diesen Tag in der Christus-Aura. Dann ruft Andreas seinen Bruder Simon und führt ihn zu Christus. Dieser nennt ihn „Jonas Sohn“, was eine Einweihungsstufe bezeugt und sagt ihm, dass er Kephas bzw. Petrus heißen soll, was ‚Fels‘ bedeutet. Viele der Jünger erhalten verschiedene Beinamen, was von einer Wandlung in ihnen spricht. Am nächsten Tag geht Christus nach Galiläa und ruft dort Philippus, der aus Betsaida stammt – der Stadt von Andreas und Petrus. Philippus ruft Nathanael, der anschließend Christus auf dem physischen Plan in Galiläa begegnet. Andreas und Petrus werden unten in Judäa berufen und Philippus und Nathanael – oben in Galiläa. Im Christentum wird Nathanael für einen der zwölf Jünger gehalten, der den Namen Bartholomeus erhält, aber das wurde mir noch nicht bestätigt. Um so etwas bestätigt zu bekommen, muss das entsprechende Interesse bekundet werden, und dann kommen die jeweiligen Antworten. In den Evangelien wird Nathanael nicht mehr erwähnt, er taucht erst nach der Auferstehung auf, als am See Genezareth Christus den Jüngern erscheint. Als Philippus Nathanael mitteilt, dass er den Messias gefunden hat, ruft Nathanael aus: „Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen? Aber bei seiner Begegnung mit Christus hört er von Ihm: „Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit“ und auf seine verwunderte Frage, woher Er das wisse, antwortet Christus, dass Er ihn unter dem Feigenbaum gesehen habe. Wir wissen, dass in den Heiligen Schriften der Feigenbaum das Symbol der alten Einweihung ist. Wenn Nathanael begreift, dass Christus seine Einweihungsstufe sehen kann, erkennt er Ihn als den Sohn Gottes an.

Der nathanische Jesus, der zum Gefäß für Christus wurde, ist derjenige, der am 25. Dezember in dem Jahr zur Welt kam, in dem unsere Zeitrechnung beginnt. Etwa sechs Monate früher wurde Johannes der Täufer geboren und weitere sechs Monate vor ihm – der salomonische Jesus. Die Eltern des salomonischen Jesus flohen nach Ägypten, da er vom Kindermord Herodes‘ bedroht war. Bei der Geburt des Täufers hatte die Gefahr nachgelassen, und bei der Geburt des nathanischen Jesus gab es überhaupt keine Gefahr mehr für die Knaben. Die Ereignisse um die Jordan-Taufe und die Berufung der ersten Jünger fanden im Jahr 31 statt.

Es kam das erste Pessachfest. Christus ging mit den Jüngern in den Tempel von Jerusalem, nachdem Er die Wunder in Kana zu Galiläa vollbracht hatte. Das Johannes-Evangelium berichtet über die erste Tempelreinigung, die damals stattfand. Christus machte eine Geißel aus Stricken und trieb alle Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler hinaus. Das Johannes-Evangelium können wir als eine Belegquelle betrachten für die ersten Schritte, die Christus nach seinem Eintritt in den Leib Jesu unternommen hat. Steiner sagt über dieses Evangelium, dass jedes Wort in ihm Gold wert ist. Aus diesem Gold heraus kam um 9 Uhr heute Morgen eine Offenbarung, als ich meine Aufmerksamkeit in der richtigen Art auf das Evangelium gerichtet habe.

Bis zum Aussprechen der bedeutungsvollen Worte, die Johannes der Täufer gesagt hat – „Er muss wachsen, ich aber abnehmen“- finden drei Ereignisse und ein weiteres Schlüsselereignis statt, auf das ich Ihre Aufmerksamkeit lenken möchte. In Kana in Galiläa findet die Hochzeit statt, Nathanael stammt von dort und er hat höchstwahrscheinlich die Anwesenheit der bis zu diesem Zeitpunkt berufenen Jünger angeregt. Von Steiner wissen wir, dass die zwölf Jünger lange vor ihrer Mission darauf vorbereitet wurden[2]. Die Apostel sind die sieben Makkabäer-Söhne und die fünf Söhne Mattatias‘ aus der Zeit um ca. 130 v.Chr., die wir in den letzten Büchern des Alten Testamentes finden. Das waren die zwölf Vertreter der Menschheit damals. Sie sind ein Spiegelbild des Tierkreises, des Sternenhaften. Die geistige Welt hatte die Inkarnationsketten der Zwölf so gestaltet, dass sie in dieser Zeit auf der Erde sein konnten und jeder in der jeweiligen Art von Christus berufen wurde. Zusammen haben sie die erste geistige Familie gebildet, die den Übergang von den Beziehungen der Blutsverwandtschaft zu den geistigen Beziehungen der künftigen Menschheit darstellt. Auf der Hochzeit in Kana in Galiläa sagt Christus zur Jungfrau Sophia – Steiner berichtet hier von einem Übersetzungsfehler, den er folgendermaßen berichtigt hat: „Was ist das, was zwischen mir und dir strömt?“, womit Er das geistig-seelische Strömen von Kräften meint, die Ihn mit seiner Mutter verbinden. Danach sagt Christus: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“, d.h. Er kann noch nicht völlig von seinem Ich aus wirken. Die Hochzeit fällt in die Zeit zwischen dem 6. Januar und dem ersten Pessachfest, an dem  die erste Tempelreinigung stattfand. Als ein Widerhall dieser zwei Ereignisse können wir das Nachtgespräch mit Nikodemus betrachten. Wir wissen bereits, dass dieser die wieder inkarnierte Königin von Saba ist – diese Mitteilung habe ich beim Vortrag über Skythianos auf der Konferenz 2014 gemacht. Im Christentum ist es bekannt, dass die Königin von Saba aus dem Süden kommt, Christus nennt sie „die Königin aus dem Süden“. ‚Saba‘ bedeutet, etwas, was eine Beziehung zum Sternenhaften hat‘, d.h. zum Gebiet der neun Hierarchien. Im Plural heißt es ‚Zebaoth‘ bzw. ‚Sabaoth‘ – das sind die geistigen Welten der neun Hierarchien. Das bedeutet, dass die Königin von Saba als die Trägerin des Sternenwissens, des Wissens über den Leib, zu Salomo geht, der ebenfalls die Weisheit der Sterne besitzt, um Weisheit auszutauschen. Ich habe mir erlaubt zu sagen, dass sie nicht von dort kommt, wo man gewöhnlich denkt, sondern aus dem Osten, aus Mesopotamien. Die Sabäer als die Träger der Weisheit der Sterne hatten einen immensen Einfluss in den Gebieten Mesopotamiens und Chaldäas, der bis zur Zeitenwende andauerte. Letztes Mal habe ich sogar gesagt, dass Chaldäa kein Gebiet war, sondern eher eine Gemeinschaft von Eingeweihten, nach der später die Region benannt wurde, in der sie gewirkt hat. Wenn man sagt, dass die Königin von Saba aus dem Süden kommt, und wir das Weltenkreuz der vier Erzengel berücksichtigen, stellen wir fest, dass Gabriel für den Süden zuständig ist. Der Süden hängt mit dem Verwandtschaftlichen, mit dem Leib, mit den Blutbeziehungen und der Vorbereitung des Leibes zusammen. Die Hauptmission des jüdischen Volkes bestand bekanntlich in der Vorbereitung des Leibes für Christus. Wenn wir also die Herkunft der Königin von Saba im geistigen Sinne verstehen, ist sie, die das Geheimnis des Leibes versteht. Ob sie tatsächlich aus dem geografischen Süden kommt oder nicht, ist nicht Ausschlag gebend.

Etwa anderthalb Jahre nach dem ersten Pessachfest setzt sich Nikodemus für Christus vor den Pharisäern ein, die ihn auslachen. Nikodemus hilft Joseph von Arimathäa dabei, den Leib vom Kreuz herunterzunehmen und er hat auch die Salben zur Einsalbung des Leibes eingekauft. Er setzt sich später für Stephan – den ersten christlichern Märtyrer – ein. Seit diesen Ereignissen ist die Königin von Saba/Nikodemus für immer mit dem esoterischen Christentum verbunden und arbeitet in dieser Richtung.

Nikodemus gehörte zu den sieben Mitgliedern des Synedrions. Das Synedrion leitete das jüdische Leben in jener Zeit. Den Kontrapunkt zum Synedrion bildet der breitere Kreis der siebzig Jünger Christi. Nikodemus war ein eingeweihter Pharisäer, deshalb begegnete er Christus in der Nacht, also auf dem übersinnlichen Plan, im Unterschied zu Nathanael. Мit Nikodemus findet ein Gespräch von Lehrer zu Lehrer statt – Nikodemus nennt Christus „Rabbi“, d.h. „Lehrer“ und Christus nennt ihn „Lehrer Israels“. In ihrer Unterhaltung spricht Christus über die Neugeburt, denn Nikodemus kennt als hebräischer Eingeweihter nur die Geburt, nur die Verwandschafts- und Erbschaftslinie.

Nach dem Gespräch mit Nikodemus findet die Begegnung mit der Samariterin statt. Von Judäa nach Galiläa reisend geht Christus in Samarien am Jakobsbrunnen vorbei, der auf dem Feld liegt, das Jakob seinerzeit seinem Lieblingssohn Joseph geschenkt hat. Es ist kein Zufall, dass im Johannes-Evangelium der Ort der Begegnung genannt und der Umstand angegeben wird, dass aus diesem Brunnen Jakob, seine Söhne und seine Herde getrunken haben. Christus möchte im Vorbeigehen Wasser trinken und die Samariterin sagt Ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin um Wasser bitten?  Darauf erwidert Christus: “ Wenn du wüsstest… wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben!“ (Joh. 4:10). Auf die verwunderte Frage der Frau, wie er ihr ohne Schöpfgefäß Wasser geben könne und ob er größer sei als Jakob, antwortet Christus: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;  wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. (Joh. 4:14,15). Am Ende des Gesprächs sagt die Frau zu Christus: „Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. (Joh. 4:26). Die Antwort lautet: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht“ (Joh. 4:26).

Wenn man das liest, dreht sich einem die Seele um. Der Apostel Andreas wurde als Erster berufen und gehört zu den am meisten geehrten Jüngern im Christentum. Er ist derjenige, der in unsere bulgarischen Gebiete kam. Aber er wurde durch Johannes den Täufer auf Christus aufmerksam gemacht, Johannes verwies ihn auf den Messias. Bis zur Einsperrung des Täufers waren die anderen Apostel keine Jünger, sondern eher Schüler von Johannes. Sie erkannten noch nicht, dass Christus in Jesus eingetreten war. Wenn wir uns die Frage stellen, wer der erste Mensch war, dem Christus persönlich sagte, dass Er der Messias ist, können wir antworten, dass das die samaritanische Frau war. Es folgt die Frage, wer diese Person ist. Wir müssen bedenken, dass der erste Mensch, dem der Auferstandene begegnete, auch eine Frau war – Maria Magdalena. Der Akzent auf den Übergang vom männlichen zum weiblichen Prinzip ist geradezu augenfällig. Wer ist die Samariterin? Samarien war das Gute, das ist mir heute Morgen aufgeleuchtet. Judäa ist das Irdische, der Egoismus, die Pharisäer, der Neid, alles Widerliche im Menschen, was der Sündenfall hervorgerufen hat. Aus diesem Irdischen muss man heraustreten, über Samarien gehen, wo das Gute ist, und nach Galiläa zur Verbindung mit der ätherischen Welt gelangen. In diesen 100 km hat uns Christus alles aufgezeigt, was in unserem Leben existieren kann. Er brauchte keine anderen Orte zu besuchen.

Wie ich bereits sagte, wird nicht zufällig im Evangelium der Besitzer des Grundstücks erwähnt, auf dem sich der Brunnen befindet. Jakob hatte zwölf Söhne und Joseph war sein Lieblingssohn. Im Christentum wird Joseph für einen Vorboten Christi gehalten. Die restlichen elf Brüder wollen ihn an vorbeiziehende Midianiter für 20 Silberlinge verkaufen, da sie ihn beneiden. Diese verkaufen ihn in Ägypten an Potifar, den Oberaufseher der Leibwache des Pharaos – wahrscheinlich für 30 Silbermünzen, soviel wie Judas für den Verrat erhalten hat. Deshalb ist Josef das Urbild dessen, was mit Christus geschehen sollte. Josef symbolisiert das Gute. Sie kennen seine Geschichte, wie er zum zweiten Mann nach dem Pharao in dessen Schloss avanciert, dass er zuerst ungerechterweise ins Gefängnis geworfen wird und dort die Träume des Mundschenks und des Bäckers des Pharao deutet, wie er zwei Jahre später den Traum des Pharao über die sieben ertragsreichen Jahre und die sieben Jahre in Dürre deutet. Joseph ist derjenige, der seinen Brüdern vergeben und seinem Geschlecht geholfen hat, die Hungerjahre zu überleben. Abraham und seine Frau wurden im Land Kanaan, in der Höhle im Feld Machpelas beerdigt, das vom Hethiter gekauft wurde. Dort wurden auch sein Sohn Isaak und seine Frau beerdigt, auch Jakob – Josephs Vater. Als Joseph starb, wurde er einbalsamiert und in Ägypten als Mumie begraben. Joseph ist das Symbol des Guten, er ist der Vorläufer Christi und er war als die Samariterin inkarniert. In der Zeitenwende gibt es keine zufälligen Personen, obwohl einige wie die Samariterin auf den ersten Blick nicht so herausragend sind.

Ich werde noch etwas im Voraus über die Königin von Saba sagen. In zwei der Evangelien ist davon die Rede, wie die Pharisäer von Christus die Vollbringung von Wundern verlangen. Er antwortet, dass ihnen das Wunder Jonas gegeben wurde, der im Bauch des Fisches drei Tage war. „… so wird auch der menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein … Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo. (Matth12:40-42).  Auch nennt er sie eine „böse und treulose Generation“, die von der Königin von Saba vor dem Gericht verdammt wird.

 

Wie Sie wissen, war die Königin von Saba in der Zeitenwende als Nikodemus inkarniert, der beim Herunternehmen des Leibes Christi vom Kreuz und bei der Beerdigung half. Christus sagte den Pharisäern unverhohlen, was geschehen würde – die Königin von Saba wird inkarniert sein und sie richten und dass Er bis zum Zentrum der Erde gehen wird. In der ersten Vorlesung des vorigen Zyklus sprachen wir über die Eindringung Christi zum Mittelpunkt der Erde, nachdem Er vom Kreuz heruntergeholt wurde. Kein Wort der Evangelien befindet sich zufällig dort und der Sinn der Ausbildung unserer Bewusstseinsseele besteht in der immer tieferen Eindringung in das Mysterium von Golgatha, das drei Impulse in uns hervorbringen wird, damit wir behaupten können, eine ausgebildete Bewusstseinsseele mit Hinblick auf die sechste Kulturepoche zu haben.

​Wir wollen unseren Blick nun auf das Matthäus-Evangelium richten. Matthäus wird als Letzter der Jünger berufen und er ist Zöllner. Er war in der Gegend des Sees Genezareth tätig. Dort fand die zweite Berufung der Jünger statt, nachdem Johannes der Täufer ins Gefängnis geworfen wurde, was um Pfingsten nach dem ersten Pessachfest geschah. Wenn wir annehmen, dass die Zeit des ersten Festes Anfang April war, dann folgte die Hochzeit in Kana in Galiläa. In den Evangelien wird nicht erwähnt, was die Jünger danach gemacht haben. Jeder hat wahrscheinlich seinen Beruf bis zum Zeitpunkt der zweiten Berufung ausgeübt, die nicht unten in der Nähe des Toten Meeres stattfand, sondern oben am Genezareth. Zwischen den zwei Berufungen vergehen etwa vier bis fünf Monate. In dieser Zeit erledigen die Jünger ihre Alltagsgeschäfte, aber sie befinden sich zwischen Himmel und Erde, denn die Worte, die Christus ihnen gesagt hat, reifen wie ein Samen des Glaubens in ihnen, der zu keimen beginnt. Der Glaube ist die erste der drei christlichen Tugenden, er keimt in der Seele des Menschen auf. Damals war die vierte Kulturepoche, die Epoche der Verstandesseele, in der die Heranbildung des Glaubens einsetzt. Christus gab ihnen das Vaterunser, denn der Glaube im Menschen beginnt mit dem Akt des Betens. Später geht der Glaube in eine besondere aktive Meditation über, die dazu führt, dass die Knospe des Glaubens sich öffnet, wobei man vom Glauben zu der Gnosis übertritt, zum tatsächlichen Hellsehen und der realen Beziehung zur geistigen Welt. Eine solche Frucht der realen Beziehung zur geistigen Welt habe ich Ihnen vorhin überreicht und an der Aufregung in meiner Stimme werden Sie gemerkt haben, dass diese Frucht einen geistigen Geschmack hat. Diese Aufregung lässt sich in der Epoche der Bewusstseinsseele nicht vortäuschen, wenn das ganze Leben zum Verstand hingezogen wird. Der Samen des Glaubens kann die Seele in Bewegung setzen. Wenn wir ihn haben, können wir quasi zum Berg sagen, dass er sich von hier nach da versetzt. „Der Berg“, das ist die Überwindung aller Hindernisse des Egos auf dem Weg zur geistigen Welt. Und wenn die Kraft des Glaubens so stark ist, dass er in die Gnosis übergeht, beginnen wir, die Kräfte des wahren Hellsehens zu meistern und zu Eingeweihten zu werden. Früher gab es eine bestimmte Gnosis, jetzt gibt es eine ganz andere, die durch ein anderes menschliches Seelenglied erreicht wird.

Nach der zweiten Berufung folgen die Jünger wieder Christus. In den vergangenen Monaten hat sich der Samen des Glaubens in ihnen entwickelt. Im Lukas-Evangelium ist davon die Rede, wie Christus vom Boot des Petrus aus spricht, das sich im See befindet. Der See ist ein imaginatives Bild, das Ereignis hat sich eher nicht auf dem physischen Plan zugetragen. Im Matthäus-Evangelium steht, dass Christus am Ufer entlang geht und von dort zuerst Andreas und Petrus ruft, indem Er ihnen sagt, Ihm zu folgen, damit sie von „Fische-Fischern“ zu „Menschen-Fischern“ werden. Danach werden die Söhne des Zebedäus Jakobus und Johannes berufen, die ihren Vater verlassen, um Christus zu folgen. Das geschieht auf dem physischen Plan. Wir sehen, wie Lukas, der nicht zu den Jüngern gehörte, aber imaginative Bilder hatte, Ereignisse beschreibt, die sich nicht in der physischen Welt zugetragen haben, sondern spirituellen Charakter haben. Der frühchristliche Theologe und Philosoph Origenes, der Vertreter der Schule von Alexandria, ist einer der Kirchenväter, die noch ein Gespür für die drei Bibelschichten besaßen. Er spürte, dass es in der Bibel Verborgenes gibt. Aus diesem Anlass soll er gesagt haben: „Es gibt Stellen in der Heiligen Schrift, die nichts Leibliches enthalten. Manchmal müssen wir sozusagen nur nach der Seele und dem Geist der Schrift graben. Die Wahrheit muss in den geistigen Urquellen gesucht werden“. Mit dem Resthellsehen der damaligen Gnostiker wussten sie,  dass man um die vier Evangelien zusammenzusetzen, in sie rein spirituell eindringen und die Antworten auf die Fragen in den geistigen Urquellen suchen musste. Origenes wusste das, doch im sechsten Jahrhundert wurde unter Justinian dem Großen – dem römischen Kaiser thrakischen, d.h. bulgarischen Ursprungs -, die Gnosis endgültig vernichtet. Aber es gibt zwei Gnosisarten. Die eine ist die wahre christliche Gnosis, die durch das esoterische Christentum weiterbestand. Das ist die Gnosis des Paulus, Nikodemus und Nathanael. Das ist die Gnosis, die begriff, dass im Jesus das Wort zu Fleisch geworden war. Die andere, alte Gnosis, die Christus kosmisch verstand, aber seine Verkörperung im physischen Leib nicht begriff, wurde von der Kirche zusammen mit allen überlieferten Schriften vernichtet. Die wahre christliche Gnosis entwickelte sich durch Paulus und Dionysius Areopagita weiter.

Wir wollen zu den Jüngern zurückkehren. Können wir über Jünger in den vorchristlichen Zeiten sprechen? In Bezug auf jene Zeiten können wir über Erwecker sprechen. Über das Apostelsein kann man sprechen in dem Sinne, dass ein zum Buddha aufgestiegener Bodhisattva zum Apostel wird, d.h. zum Gesandten des göttlichen Willens hinsichtlich dessen, was unten zu geschehen hat. Aber dieses Apostolat unterscheidet sich vom Apostolat der Zeit, als das Wort Fleisch wurde und die Jünger berufen und persönlich von Christus gesandt wurden, um das Wort Gottes zu verkünden. Deshalb können wir das Wort ‚Apostel‘ erst seit der Zeitenwende mit Inhalt füllen. Davor kann man von ‚Erweckern‘ reden – das sind Eingeweihte, die den Willen Gottes kennen, ihn in den Mysterienzentren ausarbeiten und nach außen als Sagen, Mythen und Legenden weitergeben, damit die einfachen Menschen allmählich zur Selbstbewusstwerdung kommen und später die Herabkunft Christi verstehen. Das gilt insbesondere für die bulgarischen Gebiete, wo in den Mysterienzentren die Menschheit auf das Verständnis des Christus-Mysteriums vorbereitet wurde. Das Judentum gab den Leib, die griechische Kultur, die von den Bulgaren vorbereitet worden war, hatte die Aufgabe, den Leib zu verstehen. Das Mysterium selbst fand im Römischen Reich statt. Matthäus – einer der zwölf Jünger – war Zöllner im Dienst der Römer, die nicht als Eroberer, sondern als Verbündete gekommen waren. Sie wurden 130 Jahre v.Chr. von Judas Makkabäus gerufen, als die Juden in Auseinandersetzungen mit den Seleukiden verwickelt waren. Es wurde ein Vertrag unterzeichnet zwischen den Juden und den Römern, der auch zur Zeit Christi in Kraft war. Der Hauptkult im Römischen Reich war der Cäsarenkult, der in der Zeit des Kaisers Oktavianus Augustus  ab 27 v.Chr. aufkam, als dieser als Alleinherrscher zu regieren begann. Das Römische Reich führte eine Politik der Übernahme der Kulte der eroberten Völker und ihrer Unterordnung unter den Kult um die Cäsaren. Der Cäsar war gleichzeitig der weltliche Führer und der Oberpriester – der sog. Pontifex maximus. Alle Völker durften ihre Kulte bekennen, allerdings waren sie verpflichtet, sich vor dem Cäsar zu verbeugen, dessen Statue in jedem Tempel stand. Auf diese Weise wurde durch diese allgemeine Unterordnung das Leben im Römischen Reich gesichert und zusammengehalten. Nachdem die römischen Kaiser die Mysterienzentren gezwungen hatten, sie ohne vorherige Vorbereitung einzuweihen, ohne den Egoismus aus sich herausgepresst zu haben, wurden sie durch okkulte Techniken zu tatsächlichem Eingeweihten. Aber jede Einweihung, die nicht in der rechtmäßigen Art erfolgt, stellt eine Verbindung zu den bösen Göttern her. Deshalb erfasste der Wahnsinn der Kaiser das Römische Reich. Im jüdischen Tempel gab es keine Cäsarenstatue, aber im Vorraum befanden sich die Wechseltische, und auf jeder Münze sah man das Bild des Cäsars. Durch den Cäsarenkult hatte das ganze Leben im Reich – das kulturelle, politische und Wirtschaftsleben, einen Kultcharakter angenommen. Das ganze Römische Reich stellte eine Art Kult dar. Die Entrichtung der Steuer des Römischen Reiches seitens der Juden mit den Münzen, auf denen das Cäsarenbild stand, war quasi eine Verbeugung vor dem Cäsarenkult. Das war ein Riesenkompromiss, den die Juden eingingen, die den Jehova-Kult im Allerheiligsten des Tempels und den Mammon-Kult im Vorraum des Tempels parallel betrieben. Deshalb sagte Christus in der Bergpredigt: „Ihr könnt nicht Gott dienen und gleichzeitig dem Mammon“ (Matth. 24:24). Die Pharisäer verachteten und hassten die Zöllner, die im römischen Dienst waren, da sie annahmen, dass diese dem Cäsarenkult dienten, aber sie ließen diesen Kult im Vorraum des Tempels durch die Wechsler gedeihen.

Welche sind die in den Evangelien aufgezählten Jünger? Zuerst kommen Andreas und Petrus, dann Jakobus und Johannes Zebedäus, danach Philippus und Bartholomäus, Simon Zelotes, Judas Ischariot, Thomas, genannt der ‚Zwilling‘, Matthäus, Jakobus der Sohn des Alphäus und Judas, genannt Thaddäus. Wir betrachten die Jünger als eine Widerspiegelung des Tierkreises, wobei nur Thomas mit einem konkreten Zechen in Verbindung gesetzt wird. Judas ist der Vertreter des Skorpions, der mit der Situation nicht fertig wird und sich selbst vernichtet. Im Markus-Evangelium wurde Matthäus bei der Berufung ‚Levi, Sohn des Alphäus‘ genannt, was zu einer bestimmten Verwirrung führt. Laut dem evangelischen Theologen Emil Bock, der unter anderem die Unterstützung Steiners bei seiner Arbeit genoss, hält der erste Johannes quasi den Platz unter den Jüngern für Lazarus frei, der nach seiner persönlichen Einweihung durch Christus zum Johannes wird und im hohen Alter das Johannes-Evangelium verfasst. Er wird auch deshalb zum Johannes, weil im späten Sommer des Jahres 31 der Täufer enthauptet wurde. Johannes der Täufer wurde zur Gruppenseele der Jünger, die in seiner Aura wirkten. Laut Emil Bock wurde Jakobus Alphäus später durch Jakobus den Bruder des Jesus ersetzt. Letzterer war nicht der wahre Bruder Jesu, sondern der Sohn der anderen Mutter und war dem Jesus Christus bis zu dessen Auferstehung eher feindlich gestimmt. Erst danach hat er begriffen, wer sein Bruder tatsächlich war und hat den von Jakobus Alphäus freigemachten Platz unter den Jüngern eingenommen. Im Lukas-Evangelium wird berichtet, dass Christus weitere 70 Jünger auserwählt und in Paaren zu den Orten geschickt hat, die er besuchen wollte. Es finden drei Pessachfeste während der Zeit statt, die Christus auf Erden verbringt. Zum Jahresbeginn werden die Jünger berufen, danach entlassen, damit sie ihre Arbeit erledigen und etwa im Mai des Jahres 31 folgt die wiederholte Berufung. Danach sind die Jünger wieder nicht bei Christus und erst nach dem Pessachfest des Jahres 32, als die wundersame Speisung der 5000 geschieht, ruft sie Christus erneut zu sich. Von nun an sind sie immer an seiner Seite bis zum Pessachfest nach seinem Tod. Zählen wir die Zeitabschnitte zusammen, die die Jünger an der Seite Christi verbringen, ergibt das nur ein Jahr. In der restlichen Zeit werden sie auf ihre Mission vorbereitet. In den ersten zwei Jahren reifen die Jünger heran. Als Christus die Jünger in die Dörfer schickt, sagt Er ihnen, sie sollen ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe losgehen. Das ist selbstverständlich symbolhaft ausgedrückt. Die erste Berufung bezieht sich darauf, dass die Jünger aus dem Wasser der alten, verwandtschaftlichen Spiritualität auf das Ufer des persönlichen Christentums treten. Die zweite Berufung führt zurück zum Meer des Geistes, aber auf einer neuen Stufe. Die vier Evangelien sind als organisch verbunden aufzunehmen. Das Matthäus-Evangelium ist das Evangelium des Menschen, der Wurzel. Bei dem zweiten Siegel in der Apokalypse des Johannes ist Matthäus der Mensch, Markus – der Löwe, Lukas – das Stier und Johannes – der Adler. Im Matthäus-Evangelium ist die Blutlinie angegeben und er verfolgt den Stammbaum Jesu von Abraham und Isaak zu Joseph und Maria. Da es im Lukas-Evangelium um den Herunterstieg der nathanischen Seele geht, reicht die Zurückverfolgung zu Adam und Gott. Im Matthäus-Evangelium ist hauptsächlich vom ‚Himmelreich’ die Rede und bei Lukas ist vom ‚Reich Gottes’ die Rede. Was ist der Unterschied zwischen beiden? Das Himmelreich sind die Wirkungssphären der Götter, die nicht in uns sind und das Reich Gottes ist Christus, der von der Sonne als dem Zentrum des Sonnensystems und für uns als dem Zentrum des ganzen Kosmos herabstieg und nach Pfingsten in uns zu leben begann. Christus verband sich mit den Elementen der Erde und wir nehmen Ihn wörtlich auf, wenn wir trinken und essen Ihn. Wenn wir eine Kommunion empfangen, essen und trinken wir Christus ganz wörtlich und nicht nur als ein Symbol. Christus ging in das Blut und den Willen des Menschen ein, von dort begann Er sich zum Gefühl zu erheben, um zur Vernunft zu kommen, aus der heraus die heutigen Ungereimtheiten bei der Deutung der Evangelien entstehen, die wir alle kennen. Das Fundament des Christentums wurde in den menschlichen Willen gelegt. Petrus ist der Mensch des Willens, deshalb begann das Christentum auf dem äußeren Plan mit Petrus. Aber Petrus schwankte in seinem Willen zwischen Judas (dem Skorpion) und Johannes (dem Adler). Das Matthäus-Evangelium ist das Petrus-Evangelium, das Evangelium des Menschen, des Felsen, des Irdischen. Es ist das Jesus-Evangelium, das Evangelium der Blutsverwandtschaft. Das Markus-Evangelium stellt einen Übergang von Jesus zu Christus dar. Dort fehlt die Stammeslinie, es beginnt direkt mit der Jordan-Taufe. Bei Lukas wurde das Verständnis des Menschlichen auf eine neue Stufe erhöht, denn in ihm geht es um Jesus aus der nathanischen Linie und die nathanische Seele – ein Wesen, das noch nie auf die Erde hinuntergestiegen war und keine Sünde kannte. Zum Schluss kommt das Johannes-Evangelium, in dem die kosmischen Geheimnisse des Christus, des Logos mitgeteilt werden. Die Evangelien folgen dem Rhythmus Jesus-Christus-Jesus-Christus. Im Matthäus-Evangelium heißt es, dass wir das Himmelreich verloren haben, denn wenn der Mensch in das Blutsverwandtschaftliche eintritt, verliert er die Sphären, in denen die Götter leben. Im Lukas-Evangelium heißt es, dass das Reich Gottes kommt, da Christus auf die Erde herabstieg, im menschlichen Leib lebte und am Ende in uns und in die Erdenelemente eintrat. Matthäus war ein Schüler Mathais. Steiner sagte im Zyklus über das Matthäus-Evangelium, dass die Lehren, die den Erklärungen über Jesus aus Nazareth und sein Blut zugrunde liegen, in den Gemeinden der Essäer und der aus Ägypten stammenden Therapeuten kultiviert wurden. Unter ihnen wirkte auch Jeshu ben Pandira, der fünf Schüler hatte – Mathai, Nakai, Nezer, Boni und Thona. Diese Schüler entwickelten seine Lehre in fünf Richtungen. Durch Mathai erhielt die Lehre von der Vorbereitung des Blutes für den Kommenden Jesus einen Antrieb. Die Lehre von der inneren Seelenorganisation, die mit dem alten Nasireat zusammenhängt, wurde von Nezer entwickelt. Mathai ist der Vertreter der Essäer, die später das wissenschaftliche Prinzip der aus Ägypten kommenden Lehren vertreten. Nezer ist der Vertreter der Nasiräer, die das asketisch-praktische Prinzip dieser Lehre verkörpern. Matthäus war als Schüler Mathais eingeweiht und hat zusammen mit den anderen Schülern durch die Einweihungsstufen die Schritte von Abraham über die 42 Generationen zu Jesus, der noch nicht in Erscheinung getreten war, zurückgelegt. Bei der Einweihung  durchliefen sie mit hoher Geschwindigkeit alle vergangenen Inkarnationen seit Lemurien, was wir übrigens nach dem Einschlafen auch tun. Der Sinn der Einweihung damals bestand darin, alles im Traum Erlebte bewusst zu erfahren. Als sie diese 42 Stufen von Abraham zu Joseph und Maria durchliefen, sahen sie, dass die Elternpaare bereits gebildet waren. Sie haben auf den Messias und die eigene Berufung gewartet. Was für eine Erwartung! Alles, was seit dem Urbeginn geschah, diente der Ankunft Christi, und es gab Wenige, die das verfolgt haben und wussten, dass Er schon im Begriff war zu erscheinen. Mit der ganzen möglichen Wachheit haben sie auf ihre Berufung durch Gott gewartet! Nun sind wir auch voller Erwartung, aber wir warten auf den Antichristen. Die Schüler Nezers haben den Rückweg von unten nach oben auf der Inkarnationsleiter zurückgelegt. Die einen wie die anderen haben jedoch gesehen, dass die Zeit gekommen ist, wenn Er da sein würde.

Matthäus war völlig bewusst Zöllner geworden. Er war gleichzeitig Levit (kam also aus dem Priesterstamm) und Essäer im römischen Dienst als Zöllner. Somit vereinigt er die drei Strömungen in sich. Aus der meistbeachteten Position als Mitglied des Priestertums wurde er zum verachteten Diener des Römischen Reiches. Warum ist Matthäus Zöllner geworden?  Er weiß, dass hinter ihm das Blutsverwandtschaftliche liegt – Ägypten und Judäa – und vor ihm Rom steht, wo sich die Ereignisse um den Messias zu entfalten haben. Dort musste er auch seinen Platz finden, deswegen tauchte er in das tiefe Wasser des Bösen ein, denn die Dämonen tobten bereits im Römischen Reich. Als Schüler des Bodhisattva-Schülers entschied sich Matthäus bewusst, unter die Dämonen zu tauchen. Das ist ein essäisch-manichäisches Opfer. Deshalb saßen an der ersten Tafel neben Christus Zöllner und Sünder. Petrus wurde der Führer des Christentums und ging nach Rom, wo er auf seinen eigenen Wunsch kopfüber gekreuzigt wurde, aber Matthäus war lange vor ihm zu den Dämonen gegangen. Petrus ist ein Mensch der Pistis, des Glaubens, und nicht der Gnosis und des Hellsehens. Er ist ein Mensch des Seelischen und nicht des Geistigen. Petrus liebt so stark Christus, sein Einschlafen liegt nicht an der Ablehnung oder Schwäche des Willens, sondern an der Schwäche des Bewusstseins. Petrus begann den Weg vom Jesus zum Christus zurückzulegen. Später hat Paulus aufgrund seines persönlichen Erlebnisses vor Damaskus und als eingeweihter Pharisäer den Weg vom Christus zum Jesus zurückgelegt, und begriffen, dass derjenige, auf den sie so lange gewartet haben, im Jesus gelebt hatte. Warum wurde Petrus zum Erzpriester des Christentums und nicht Johannes – der Ersteingeweihte, der begriff, dass das Wort Fleisch geworden war und dessen Nachfolger Paulus, Dionysios Areopagita, die Bogomilen und Rosenkreuzer wurden? Das liegt daran, dass die Menschen nicht vorbereitet waren auf das, was Johannes ihnen geben konnte. Als der eingeweihte Lazarus weilte Johannes jenseits in der geistigen Welt und Petrus war diesseits. Jeder, der das Sehen in die geistige Welt erlangen will, muss den Egoismus in sich besiegen. Oben muss man die Einstellung haben, den Göttern zu dienen. Gibt es auch einen Schatten von Egoismus, schließt sich die geistige Welt. Dort wirkt das höhere Ich des Menschen. Als Christus im Jahre 31 seine Jünger in Zweiergruppen in die Welt losschickte, erteilte Er ihnen den Auftrag, nichts mitzunehmen und niemanden unterwegs zu grüßen. Natürlich meinte Er nicht die physische Welt, in der die Jünger Schuhe trugen, Nahrung zu sich nahmen und die Menschen auf ihrem Weg grüßten. Als sie vom Meer der verwandtschaftlichen Spiritualität berufen und auf den Weg der Ich-Entwicklung geschickt wurden, mussten sie ihren Egoismus vollständig entwurzeln, sich nicht über alltägliche Bedürfnisse aufregen, sondern in sich zu vertiefen und den Weg, der zur schmalen Tür führt, zu Ende zu gehen. Nach dem Passieren des Nadelöhrs kommt die Gnosis, in der sich die Geheimnisse des Himmels auftun. Mir wurde der Vorhang vor der geistigen Welt 2002 einen Spalt breit geöffnet und ich begann zu sehen. Im Augenblick, in dem ich vor Dankbarkeit zu weinen begann, schloss sich alles. Deshalb gehe ich auf solche Details über die Ereignisse in der Zeitenwende ein – alles, was damals geschah, wiederholt sich im Leben desjenigen, der sich auf den Weg zur geistigen Welt macht. Die Ereignisse von damals sind das Urbild, das uns folgen wird, solange wir auf der Erde sind. Jeder kann sich das eigene Leben im Lichte dieses Urbildes ansehen und feststellen, wie weit er gekommen ist. Ich hatte bereits das Explodieren des Ich und die Bücher Juan José Benítez  erlebt, die mich zu den Höhen des Christus mit dem „Vermächtnis des heiligen Johannes“ und der Vertiefung zu Jesus mit der „Operation „Trojanisches Pferd“ geführt haben. Ich hatte meinen Glauben entwickelt und vertieft, bevor mir die geistige Welt gezeigt wurde. Das war wie eine Kombination der beiden Wege – des Paulinischen und des Petrinischen. Äußerlich war ich in meinem Beruf weiter tätig und erledigte alles, was man auf dem physischen Plan zu erledigen hat, aber ich arbeitete aktiv an meinem Ich-Wachstum, indem ich von mir Vieles entlud, was auf dem spirituellen Pfad hinderlich ist. Das ist es, was Christus meinte, als Er den Jüngern sagte, nichts auf den Weg mitzunehmen. Das bedeutet nicht, dass man Haus, Familie und Job verlassen soll, sondern dass man sich der belastenden Abhängigkeiten jeglichen Charakters zu entledigen hat, die  mit Familie, Immobilien, Dienst, Parteien u.dgl. zusammenhängen – dem Platz entsprechend, auf den uns das Karma gestellt hat. Man muss den überflüssigen Ballast abwerfen, der den Weg durchs Nadelöhr, den Weg vom Glauben zur Gnosis unmöglich macht.

Am Ende des Letzten Abendmahls sagte Christus laut dem Lukas-Evangelium zu den Jüngern: „So oft ich euch ausgesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt?“ (Lu 22:35) Da riet Er Ihnen auch: „Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche; wer aber nichts hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert.“ (Lu 22:37) Zum Schluss sagten die Jünger: „Herr, sieh, hier sind zwei Schwerter (Lu 22:38), Er aber sprach zu ihnen „Es ist genug“. Das sind die letzten Worte Christi an die Jünger und sie sind durch die normale menschliche Logik nicht zu erfassen.

Wir sind bereits auf die Erwecker eingegangen. Was sind aber die Apostel? Was ist das Wesen ihrer apostolischen Mission? Es reicht nicht zu sagen, dass Apostel ‚Gesandter‘ bedeutet. Nachdem sich die Jünger auf den Weg zur Erfüllung ihrer apostolischen Mission gemacht hatten, gründeten, während sie das Wort Christi verkündetem, auch Gemeinden, in denen der Kult so praktiziert wurde, dass durch das Christus-Erleben eine einheitliche Gemeinschaft auf Erden entstand, ein großes „unsterbliches Individuum“, das die ganze Menschheit repräsentiert. Dieses unsterbliche Individuum ist vom Christus-Impuls durchdringt und vergeistigt, und sein Ich ist Christus selbst. Das sind der Sinn und das Ziel des Christentums. Christus schickte die Jünger persönlich unter die Völker, damit sie über das Geheimnis von Golgatha predigen, in das das ganze Christentum konzentriert ist. Petrus wurde zum Oberhaupt des äußeren Christentums. Das Christentum begann bei der Pistis, beim Glauben, der dem menschlichen Willen hineingelegt worden war. Dort sind die Menschen noch schlafend. Dagegen erfordert die Gnosis ein paulinisches Verstehen. Die Menschen waren für das Erzpriestertum des Johannes nicht bereit, denn dieses würde bedeuten, dass sich die Menschen jenseits der Schwelle befinden und die Höllendämonen entfesselt sind. Unter solchen Bedingungen hätte das Christentum nicht existieren können und wäre vernichtet worden. Deshalb sagte Christus zu Petrus: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (Matth. 16:18) Das ging bis zur Befreiung des Satans weiter, was im 20. Jahrhundert geschah. Die Zeit des Petrus ist vorbei. Im Zeitalter Michaels müssen wir selbst unseren Weg durch den Verstand zur geistigen Welt bahnen. Alle Dämonen sind herausgekrochen und es ist die Zeit für Johannes gekommen, in der man gleichzeitig Priester im gegenwärtigen Sinne des Wortes, Apostel unter den Menschen und Eingeweihter sein muss. Man muss also Petrus und Johannes gleichzeitig sein, wobei Johannes der Führende sein muss. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts überschreitet die Menschheit unbewusst die Schwelle als ein kollektiver Eingeweihter. Aus diesen okkulten Gründen wurden die Dämonen befreit. Heutzutage ist es keiner Kirche mehr möglich, Antworten auf jegliche Fragen zu geben oder jegliche Geheimnisse aus der geistigen Welt zu erringen, um mit den Dämonen fertig zu werden. All das ist das Ergebnis der Schwäche und Schwankung des Erzpriesters Petrus – von der Öffnung der geistigen Welt vor ihm und der Offenbarung, die er ausspricht „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Matth 16:16) bis zum Versinken im Persönlichen und den Worten Christi an ihn „Geh weg von mir, Satan!“ (Matth. 16:23). Das ist es, was 2000 Jahre lang dem äußeren Christentum innewohnte. Das Drama des Petrus ist das Drama aller Christen auf Erden, die vom Antichristen verführt werden. Aber Johannes und Petrus brauchten einander. Im Garten Gethsemane schlief Petrus im Bewusstsein, Judas war vom Satan beherrscht, sein Ich war entrückt. Johannes hatte das höhere gnostische Bewusstsein, das die kosmische Mission des Messias versteht, aber nicht das Mysterium des Leibes. Erst nach der Auferstehung verhalf Petrus (der der Mann des Irdischen, des Jesus) Johannes (dem Menschen Christi) zur Gewahrwerdung, dass der Leib nicht da war, als die beiden zum Grab gingen. Die Annäherung zwischen Jesus und Christus musste in den beiden erfolgen. Deshalb ist im Johannes-Evangelium davon die Rede, dass Johannes zur Gruft ging  und sah, dass der Leib nicht da war – „und er sah und glaubte.“ (Joh. 20:9) Die beiden brauchten und halfen einander. An Pfingsten trat Petrus vor die anderen und hielt eine Rede und Johannes stand im Hintergrund, denn seine Zeit war für die Zukunft bestimmt. Aber die beiden und die anderen Jünger wurden durch Christus über den Abgrund des erloschenen Bewusstseins gezogen, in den Judas geriet, damit Er zu ihnen nach der Auferstehung 40 Tage lang sprechen und große Geheimnisse enthüllen konnte, in denen es mehr als Jona und als die Königin aus dem Süden gibt. Was bedeutet das?

Hier möchte ich daran erinnern, wie die heutigen Theologen die Heilige Schrift deuten. Vor ein paar Jahren ist ein Buch über Jona erschienen[3], in dem ein Doktor der Theologie Überlegungen darüber anstellt, wo Jona vom Wal verschluckt sein könnte, da es im Mittelmeer keine Wale gibt, wo er drei Tage lang geblieben sein könnte, um nicht vom Wal verdaut zu werden, wie er wieder herausgekommen war. Das ist völliger Schwachsinn! Durch die Einweihung Jonas wurden Geheimnisse erreicht, die damals zugänglich waren. Das, was die Königin von Saba als die Weisheit der Sterne kannte und mit der Weisheit Salomos verglich, war die in den vorchristlichen Zeiten zugängliche Weisheit. Diese Weisheit stieg von den Göttern hinunter. Mit der Herabkunft des Logos in Fleisch, dem nachfolgenden Hinunterstieg bis zum Mittelpunkt der Erde und der Auferstehung hat Christus die Geheimnisse des Todes errungen, die der geistigen Welt unbekannt waren, das Geheimnis des Leibes, das Geheimnis des Todes und der Auferstehung. Nach der Ankunft Christi dürfen schon Geheimnisse enthüllt werden, die Jona und der Königin von Saba unzugänglich waren. Das sagte ihnen Christus. Er sagte ihnen, dass die Königin von Saba hier ist und sie richten wird. Wer ist diese Königin? Wir haben bereits diese Frage beantwortet – Nikodemus.
Wenn sich der Glaube in uns entwickelt, so stellt er die aktive Gebetsdemut dar. Wenn man ihr Meditation, Beherztheit und Mut zum Eintritt in die geistige Welt hinzufügt, kann man zur Gnosis übertreten. Der Friede ist die erste Frucht auf dem Weg von der Pistis zur Gnosis. So wird im Neuen Testament die göttliche Substanz genannt, die zusammen mit dem hinuntersteigt, was die Anthroposophie das ‚Geistselbst‘  und der Osten – das ‚Manas‘ nennt.  Das, was im Neuen Testament ‚Gerechtigkeit‘ genannt wird, ist der Lebensgeist. Die Technik, mit der man die Öffnung der Tür zur geistigen Welt erreicht, geht zuerst durch die tiefe Demut gegenüber der geistigen Welt, dann durch die aktive Meditation und die tiefe innere Aufregung der Seele, dass der Glaube zur Gnosis wird und die Geheimnisse eröffnet werden. Am Anfang muss die Knospe des wahren Glaubens so entwickelt werden, dass es Leben in ihr gibt. Wenn dieser Samen des Glaubens an Christus wahrhaftig im Menschen geboren wird, so ist das nicht der einfache Glaube an etwas, was ihm Ruhe gibt, sondern die höchstmögliche Aktivität, die auf die Entwicklung einer Dynamik des Seelenlebens gerichtet ist. Der Glaube im christlichen Sinne setzt eine höchste Aktivität und Erwartung geistiger Güter voraus. Christus  seinen Jüngern zuerst, nichts auf den Weg mitzunehmen, und ein Jahr später sagte Er ihnen, dass sie einen Beutel, eine Tasche und ein Schwert haben sollen. Im zweiten Fall geht es darum, dass nach dem Zurücklegen des inneren Weges zum Ich und dem Passieren des Nadelöhrs der Läuterung die Fülle des Geistes über sie ausgegossen wird und sie so viel wie sie können davon mitnehmen sollen, um es auf ihrer apostolischen Mission an die anderen zu verteilen. Der Mantel symbolisiert das Seelenkleid des Menschen und das Schwert – die Kraft des Geistes. Wer sich noch nicht zu der Macht der geistigen Welt erhoben hat, muss seine Seelenkräfte in die Kraft des Geistes umwandeln. Die beiden Schwerter sind das Symbol eines geistigen Organs – der zweiblättrigen Lotusblüte. Wenn diese Lotusblüte erweckt wird, wandelt sie den Gedanken in Inspiration um. In den alten Zeiten wurde sie durch zwei Lichtstrahlenbündel versinnbildlicht, die aus der Stirn des Eingeweihten ausgehen. Dieses Symbol der Waffe, mit der sie den geistigen Kampf führen sollen, leuchtet im Bewusstsein der Apostel auf. Das meinte Christus, als Er ihnen sagte, dass sie das brauchen.  Den Weg vom Glauben zur Gnosis haben die Jünger bereits zurückgelegt, nun können sie über den Abgrund der Ereignisse im Garten Gethsemane geführt werden, den sie sonst nicht hätten ertragen können. In den folgenden 40 Tagen wurden sie auf ihre Mission als geistige Hirten der Menschheit vorbereitet.

Um diese Überlegungen zu veranschaulichen, werde ich berichten, wie das bei mir passierte. Beim Versuch, mit dem unlösbaren Problem fertig zu werden, das in meinem Leben aufgetaucht war, geriet ich in eine Gebetsstimmung, ging in die Kirche und betete zu Gott, dass Er dieses Problem löse. Er löste es und danach kamen die beiden Bücher in mein Leben, die zur Explosion des Ich geführt haben. Ohne dass ich eine Vorstellung darüber hatte, verlief alles nach den okkulten Regeln. Es folgte eine innere Vertiefung und Zentrierung um Christus, danach kam im August 2000 die Offenbarung, wer der Bodhisattva ist. Anschließend habe ich begonnen, Vorträge zu halten und das ist es, was ich seit 15 Jahren mache. Darüber habe ich ausführlich im Buch „Der Weg zum Ich“ geschrieben. Die beiden Schwerter sind die Wärme im Herzen und das Licht im Bewusstsein. Diese beiden Schwerter sind nun für uns die beiden großen christlichen Impulse des 20. Jahrhunderts. Wenn man eine Synthese dieser Impulse vornimmt, wird der Weg von der Pistis zur Gnosis in der richtigen Art zurückgelegt – der Weg zum realen Eintritt in die  geistige Welt in Hellseher-Art. Die erste geistige Frucht des Weges von der Pistis zur Gnosis, die kam,  ohne dass ich damals reales Hellsehen besaß, war die Botschaft über den Bodhisattva. Im Buch „Der Weg zum Ich“ habe ich geschrieben, dass sie vom Heiligen Geist in meinem Willen kam. Das Christentum wurde unserem Willen eingeprägt, dort ist nun Christus, dort ist mein Glaube an Christus entstanden, der mich nach der Zurücklegung eines bestimmten Weges zur Gnosis führte. Diese Gnosis kam von innen, aus dem Willen, in dem Christus ist. Dann geht alles durch den Verstand durch, man erkennt es gedanklich und  darf den Beutel mit den geistigen Gaben in Empfang nehmen und diese Gaben den anderen anbieten.

Im Alten Testament war der Mensch der Diener Gottes. Als Christus kam, wollte Er uns zu Freunden Gottes machen. Im Prolog des Lukas-Evangeliums gibt es die Anrede an Theophilus, dessen Name als „Gottesfreund“ übersetzt wird – also jemand, der vom Gefühl des unüberwindbaren Abstandes zum Gott zum Erlebnis gekommen ist, dass Gott in ihm leben kann. Auf Deutsch bedeutet das Wort ‚Bogomile‘ „Gottesfreund“. Gottesfreunde waren diejenigen, in deren Inneren das Reich Gottes zu wirken begann. Das wahre Erwachen der Jünger geschah an Pfingsten, als sie begriffen, dass sie etwas versäumt hatten. Sie hatten alles, was der Logos getan hat, verschlafen, als er in diesen drei Jahren in Fleisch lebte. Das war ihr großes Drama, von dem Steiner im „Fünften Evangelium“ spricht, das die Jünger zwischen Himmelfahrt und Pfingsten erlebten, da sie Christus verloren hatten. Sie verloren Christus und hatten das Gefühl, alles verschlafen zu haben, aber wegen der Aufheiterung, die der Heilige Geist bewirkte, trat ihre immense Explosivkraft an Pfingsten und in der nachfolgenden Zeit zur Geltung.  Sie waren bereits zu Gottesfreunden geworden. Ein Gottesfreund ist derjenige, der den Weg vom Glauben zur Gnosis bewältigt hat und danach strebt, die göttliche Vorsehung für seine Zeit und für die Zukunft zu begreifen und diese auf dem Erdenplan anwendet. Die Bogomilen waren Gottesfreunde. Im Unterschied zur Trennung zwischen Priestern und Eingeweihten, die schon mit Johannes und Petrus begonnen hatte, waren diese Funktionen bei den Bogomilen zum ersten Mal vereint. Titurel, Amfortas und Parzival bewahrten das Gralsgeheimnis tatsächlich im Rätselhaften, während die Bogomilen Priester waren, die nur einen Beutel mit den geistigen Gaben bei sich trugen und gleichzeitig Eingeweihte waren. Deshalb sagte Beinsa Douno, dass der Bogomilenzweig der dritte große Zweig der Weißen Bruderschaft neben dem ägyptischen und dem palästinensischen Zweig war. Der erste Zweig hatte die Aufgabe, das menschliche Bewusstsein auf das Christentum vorzubereiten. Der zweite Zweig hatte die Aufgabe, das Christentum in die Welt zu tragen und zu verbreiten. Der dritte Bogomilenzweig – der ‚bulgarische Zweig‘, hatte das Ziel, das Christentum zu verwirklichen. Das Rosenkreuzertum ist eine Abzweigung des Bogomilenzweiges, die auch der Vorbereitung der neuen Kultur dient. Wie wir wissen, hat sich das Mysterium mit Johannes, der im 13. Jahrhundert als Christian Rosenkreutz inkarniert war, unter den Bogomilenpriestern in Arbanassi zugetragen. Die Bogomilen sind das Urbild der Synthese eines Priesters und eines Eingeweihten, die wir heute in der Epoche der Bewusstseinsseele anstreben müssen. Was bedeutet es heute, die Bewusstseinsseele zu entwickeln und zeitangemessen zu sein? Es muss Dreierlei passieren.

Das Mysterium von Golgatha fiel in die Zeit der Verstandesseele – die Seele des Verstandes und des Charakters, wie Steiner sagte. Um den Unterschied zur heutigen Zeit hervorzuheben, wollen wir die damalige Art des Verstandes und des Charakters näher betrachten. Die menschliche Vernunft kam damals als eine Gabe der Natur. Nach der Geburt wuchs der Mensch und dabei wurde auch sein Verstand  in naturmäßiger Art entwickelt. Heute kommt die Vernunft nicht als eine Naturgabe, sondern man muss Anstrengungen unternehmen, um sie zu entwickeln. Bei dem Charakter sieht es auch anders aus. Wenn zwei Menschen sich früher begegneten, war der gegenseitige Einfluss dermaßen direkt, dass sie unverzüglich miteinander in Berührung kamen und diese radikal erlebten. Wenn wir uns heute begegnen, schätzen wir uns gegenseitig zuerst äußerlich ein, da die Sympathien und Antipathien in den Verstand hinausgebracht worden sind. Wegen des natürlichen Gespürs für den Charakter des anderen haben wir früher vorzugsweise mit Menschen verkehrt, die uns sympathisch waren und diejenigen gemieden, die wir als gefährlich empfanden. Heutzutage braucht man eine lange Zeit, um zum näheren Umgang mit jemandem zu kommen, während die Beziehungen von einem Augenblick zum nächsten abgebrochen werden können. Warum ist es so?

Früher kamen sowohl der Charakter als auch die Vernunft naturmäßig, nun kommt nichts von selbst, sondern muss vom Menschen persönlich erlangt werden. In der fünften Kulturepoche ging der Mensch zur Ich-Individualisierung über und hat sich in sich zurückgezogen. Von der Zeit der alten Gnosis, von der Zeit der Empfindungsseele, der der Bodhisattva Orpheus unsere heutige Intelligenz einprägte, von der Zeit des Chaos in der Verstandesseele, das im seelischen Drama des Petrus und auch heute besteht, kamen wir zu der Bewusstseinsseele und unser Leben wurde auf den Kopf konzentriert. Heutzutage stellt der Mensch nur einen Kopf dar. Sein ganzes Leben geht durch den Kopf. Alles ist äußerlich geworden und die Menschen kommunizieren in dieser Art. Wir wissen, dass das Leben in den Gliedmaßen ist, im Willen, wo wir unbewusst sind. Im mittleren Teil stirbt das Leben ab und im Kopf sind wir völlig tot. Die Trennung zwischen den Menschen wird immense Ausmaße annehmen, was daran liegt, dass in der Kommunikation, die durch die Köpfe zustande kommt, kein Leben ist. In der Zeit der Verstandesseele hatten die Menschen weniger Inkarnationen, aber heute finden alle Begegnungen der Menschen aus karmischen Gründen statt. Man muss in dieses reife Karma irgendwie eindringen und die zwischenmenschlichen Beziehungen darauf bauen. Wenn zwei Menschen einander begegnen, brauchen sie eine ausreichende Zeit, in der sie sich aneinander anpassen, ihre Beziehungen bereinigen, damit sie etwas Neues aufbauen können und zusammen ihr Karma abarbeiten, wenn möglich, auch etwas für Christus schöpferisch erledigen. Aber dies ist wegen der absoluten Individualisierung der Menschen und des oberflächlichen Lebens extrem schwierig. Typisch für alle heutigen Menschen ist die Oberflächlichkeit, die mit der Erhebung ihres Lebens vom Willen über das Gefühl zum Verstand aufgekommen ist. Alle sind sehr intelligent geworden, aber unendlich oberflächlich. Das ist die Ursache für den tiefen inneren Egoismus und die Ich-Individualisierung, die für unser Selbstbewusstwerden unerlässlich sind, da der Höhepunkt dieser Entwicklung in der fünften Kulturepoche liegt. Alles Bisherige war der Weg zum Selbstbewusstwerden. Wir konnten kein Selbstbewusstsein in der altindischen Epoche haben, als der Ätherleib der Kulturentwicklungsfaktor war. Auch nicht in der altpersischen Zeit, in der der Kulturentwicklungsfaktor der Astralleib war. Damals gab es kein Gemütsleben. Danach kamen die Empfindungs-,  und die Verstandesseele und erst jetzt wird eine Bewusstseinsseele ausgebildet, in der das Ich aufgeht und bei manchen sogar explodieren kann. Nur wenn man sich seiner selbst als Ich ausreichend bewusst wird, kann man das Karma bewusst erleben, sonst kommt es zu einem totalen Zerfall der Beziehungen. Damit man behaupten kann, dass man eine Bewusstseinsseele mit einer bestimmten Entwicklungsstufe hat, braucht man das soziale Verständnis. Die Bildung einer Meinung über den anderen auf der Grundlage äußerer Merkmale – ob er dick oder dünn ist, hässlich oder schön -, muss zurücktreten. Es muss ein Interesse für den anderen Menschen vorhanden sein, eine Vertiefung in sein Wesen, damit aus der Begegnung mit ihm etwas Verborgenes zutage tritt. Heute wissen wir mindestens über 20 lebende Menschen, wer sie im vorherigen Leben waren. Das wird durch das Praktizieren der Bewusstseinsseele ermöglicht, es kommt aus der Vertiefung des Interesses am Gegenüber, damit aus der Begegnung mit ihm etwas hervorgehen kann.

Der erste der drei Aspekte, die wir heutzutage entwickeln müssen, ist das soziale Verständnis des anderen, das Verständnis, was uns mit ihm verbindet. Der zweite ist die Entwicklung der vollständigen Freiheit im religiösen Leben – ohne Kirchen, Regeln, Vorschriften usw. Der dritte ist die Notwendigkeit, die Geisteswissenschaft zu studieren. Mit dem Studium der Geisteswissenschaft werden wir allmählich unseren Weg zur geistigen Welt bahnen. Diese drei Aspekte müssen unsere drei großen Ideale sein, zu denen wir auf dem Weg zur sechsten Kulturepoche aufstreben sollten. An ihrer Entwicklung muss schon jetzt gearbeitet werden. Alle heute bestehenden Autoritäten sind Kolosse auf tönernen Füßen – Kirche, Wissenschaft, Medizin usw. Aber diese Kolosse können auch verhängnisvoll wirken. Vielleicht haben Sie über das sog. Milgram-Experiment gehört, bei dem der amerikanische Sozialpsychologe Stanley Milgram nach dem Zufallsprinzip Probanden als „Lehrer“ bestimmt hat und eine eingeweihte Person, die ein Schauspieler war, zum „Schüler“ „ausgewählt“ wurde. In diesem Experiment sollten angeblich die Fähigkeiten zum Auswendiglernen geprüft werden. Eigentlich wurde geprüft, inwieweit die Probanden gesunden Menschenverstand hatten. Die „Lehrer“ sollten dem „Schüler“ nach jeder falschen Antwort auf eine bestimmte Frage Elektroschocks mit anwachsender Spannung verabreichen. Es gab natürlich keinen Strom, sondern die Schreie des „Schülers“ waren vorgetäuscht. Nur 30% der 40 Teilnehmer haben bei 450 Volt aufgehört, Stromschläge zu verabreichen und somit das Vorhandensein eines gesunden Menschenverstands gezeigt.

Wenn man die unvoreingenommene Einstellung zu den Menschen praktiziert, wenn die freie Religiosität entwickelt wird, die unabhängig von Dogmen und Autoritäten ist und die wir hier als Spiritualität kultivieren, kommen auch die geistigen Früchte. Aber was geschieht, wenn sich jemand erlaubt, etwas mitzuteilen, was in der Anthroposophie noch nicht erwähnt wurde, was noch nicht von Steiner gesagt wurde? Es folgen die entschiedene Ablehnung und Skepsis, ja sogar Hohn und Spott. Welche der drei Impulse der Bewusstseinsseele wirken heute in der Anthroposophischen Gesellschaft? Der erste Impuls – die Vertiefung in die Persönlichkeit – existiert nicht. 15 Jahre lang spreche ich schon öffentlich und keiner der Anthroposophen hat es bisher für nötig gehalten, sich in meine Person zu vertiefen. Sie meiden mich wie die Pest. Die Einstellung der Anthroposophen zu dem, wessen Träger ich bin, geht durch die persönlichen Sympathien und Antipathien, also durch das niedere Ich. Der zweite Impuls – die freie Spiritualität, die keinen Autoritäten unterordnet ist – funktioniert auch nicht. Der dritte Impuls, die Überwindung des Weges von der Pistis zur Gnosis durch die Geisteswissenschaft und die reale Enthüllung der geistigen Geheimnisse existiert überhaupt nicht.

Warum funktioniert das alles nicht? Weil man die Geisteswissenschaft in der richtigen Art studieren muss und da hinein gehört etwas vom Feuer Beinsa Dounos, vom Ich-Feuer. Wenn diese zwei Schwerter kombiniert werden, wird der Weg zum Himmel gebahnt und dann werden die geistigen Früchte unvermeidlich kommen. Die drei Ideale, die unserem Astralleib als Bilder von den Engeln unter der Leitung der Elohim angelegt werden, müssen in der fünften Kulturepoche genau als Bilder wirken und in der sechsten Kulturepoche zu den drei herausragendsten praktischen Eigenschaften dieser Epoche werden. Alles, was sich als ein Wesenszug einer bestimmten Kulturepoche manifestiert, wurde zuerst in den Mysterienzentren als Vorbild entwickelt, danach in der Bodhisattva-Loge ausgearbeitet und schließlich ist es zum untrennbaren Teil von uns geworden. Deshalb legen die Engel in der fünften Kulturepoche die Urbilder dreier Impulse an, die in den nächsten 1500 Jahren reifen und zu unseren Charaktereigenschaften werden sollen. Bis zum Anfang des dritten Jahrtausends sollte es eine ausreichende Anzahl an erweckten Menschen geben, die innerlich spüren können, was die Schutzengel in ihrem Astralleib bewirken, welche drei Impulse sie in diesen legen, denn diese drei Impulse können sich auch zu ihrem Gegenteil wenden.

Welche sind die drei Wesenszüge der sechsten Kulturepoche, die sich aus dem urbildhaft in der fünften Kulturepoche Angelegten entwickeln werden? Die soziale Verständigung, der Umstand, dass keine Sympathien oder Antipathien uns bei der Begegnung mit einem Menschen führen, sondern das tiefe innere Interesse für ihn, wird im künftigen Zeitalter dazu führen, dass niemand glücklich sein kann, wenn um ihn herum unglückliche Menschen sind. Das wird nicht einfach ein Seelenmitgefühl sein, sondern man wird das Unglücklichsein auf dem physischen Plan empfinden. Wenn jemand hungrig und unglücklich ist, werden wir auch ein Hunger- und Unglücksgefühl und nicht einfach Mitleid empfinden. Dann wird es eine Brüderlichkeit der Leiber geben, denn jeder wird physisch die Empfindung des anderen spüren. Es wird eine wahre Brüderlichkeit um Christus geben, da der Heilige Geist nicht individuell in den Menschen hinunterströmen wird, sondern nur in Brüdergemeinden. Das zweite Charakteristikum wird die Begegnung zweier Menschen betreffen, die ein höchstes religiöses Sakrament sein wird, das unabhängig von äußeren Umständen ist. Es wird zum wahren geistigen Austausch zwischen ihnen führen. Die Menschen werden intensiv über die geistigen Welten nachdenken, denn es wird auch das dritte Charakteristikum vorhanden sein: durch das Werkzeug des Denkens werden sie in der Lage sein, eine reale Beziehung zur geistigen Welt herzustellen und zu den Göttern zu gehören.

Eine Geisteswissenschaft für den Geist, religiöse Freiheit für die Seele und Brüderlichkeit der Leiber – zu diesem Ideal können die Menschen nur dann heranreifen, wenn sie ihr Bewusstsein erheben und die Arbeit der Engel in ihnen begreifen. Das bewusste und vertiefte Studium der Geisteswissenschaft ist die Voraussetzung dafür, dass wir nicht die bevorstehenden Ereignisse verschlafen, sondern diese bei vollem Bewusstsein erleben. Wenn wir das Wichtige im Leben verschlafen, werden wir keine Beziehung zu den Engeln haben, die dann die Impulse statt in den Astralleib, in den Ätherleib und den physischen Leib während unseres Schlafes hineinlegen. Aber diese Bilder sind auf den Astralleib gerichtet, damit sie nach und nach das Ich erreichen und als Teil unserer Vorbereitung auf die sechste Kulturepoche bewusst gemacht werden. Wenn die Engel diese Bilder uns nicht in der richtigen Art einführen können, so werden sie Einflüssen unterliegen, von denen Steiner sagt, dass sie Veränderungen verursachen werden, über die noch nicht gesprochen werden darf, da sie zu den höchsten Geheimnisse der Einweihungswissenschaft gehören. Aus den Ergebnissen, die heutzutage hervorgerufen werden infolge der fehlerhaften Einführung der Astralbilder in uns, können wir Schlussfolgerungen über die Eigenschaft dieser Einflüsse und der sich einmischenden Wesenheiten ziehen.

Dadurch, dass der erste Impuls in schlafende Menschenleiber ohne die Beteiligung des Ich und des Astralleibes eingeführt wird, entsteht etwas, was man morgens vorfindet, wenn man aufwacht. Dieses Etwas hat sich in einen Instinkt verwandelt statt in das Bewusstsein der Freiheit. Es tauchen bestimmte instinktive Kenntnisse auf, die mit den Geheimnissen der Empfängnis, Geburt und des ganzen Sexuallebens zusammenhängen. Es entsteht keine Brüderlichkeit der Leiber, sondern es wird ein furchtbarer Missbrauch der Medizin entfesselt – künstliche Befruchtung, Transplantationen und sexuelle Bacchanalien. Die Menschen werden wörtlich zu Teufeln, denn nichts kann das Ich mehr beschädigen als der ungezügelte Missbrauch der Sexualität. Steiner sagt, dass künftig die Vertreter der Naturwissenschaften den ganzen Menschenverfall zur Stufe der Tierinstinkte für eine natürliche Notwendigkeit erklären werden. Die auf diese unrechtmäßige Art erlangten Geheimnisse werden zu einem Teil der sozialen Praxis. Die verschiedenen Sexualentartungen, die heutzutage mehr oder weniger verborgen praktiziert werden, werden legalisiert werden, da die Wissenschaft sie für eine natürliche Notwendigkeit erklären wird, nach der das Menschenleben geregelt sein soll.

Die Entartung des zweiten Impulses der Engel, der unseren Astralleibern gelten sollte, wird wiederum zu instinktiven Kenntnissen über die Heilkraft bestimmter Substanzen führen. Die Medizin wird eine Blütezeit erfahren, die jedoch dazu führen wird, dass die Menschen eine ungesunde Empfindung der Befriedigung durch die Heilung haben werden. Es wird möglich sein, in einer völlig egoistischen Art Krankheiten und Methoden zu deren Heilung zu erfinden. Das wird der totale Verlust des gesunden menschlichen Verstandes darstellen. In der vierten Kulturepoche kam der gesunde Menschenverstand als eine natürliche Gabe, die alle besaßen, außer denjenigen, die eine gewaltsame Einweihung erfuhren und von Dämonen besessen waren. In der Zukunft wird der Verlust des gesunden Menschenverstandes beworben und wissenschaftlich begründet werden, die Erfindung von Krankheiten findet heute schon statt.

Die dritte Entartung, vor der Steiner warnt, ist das, was die reale Beziehung zur geistigen Welt ersetzen wird. Durch eine bestimmte Harmonisierung der Schwingungen werden in der Welt starke maschinelle Kräfte entfesselt. Die Technologien werden im totalen Chaos versinken, was aber den Menschen gefallen wird. Alles, was wir heute um uns herum sehen, zeigt die allseitige Eindringung der ahrimanischen Vernunft. Die Degeneration aller drei Impulse ist in vollem Gange, was das Zustandekommen der sechsten Kulturepoche untergräbt. In diese Richtung wirken die luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten. Die luziferischen Wesenheiten haben keine Bewusstseinsseele entwickelt, sie erkennen den freien Willen nicht an, da sie ihn auf dem Erdenplan nicht erfahren haben und nicht kennen. Sie wollen uns Menschen in spirituelle Wesen verwandeln, die aber mechanisch handeln und die Impulse der rechtmäßigen geistigen Hierarchien nicht gewahr werden. Sie wollen uns in geistige Wesen, die keinen eigenen freien Willen haben und nicht allein den Weg zum Geist und seinen Früchten erringen können. Die ahrimanischen Wesenheiten wirken in die entgegengesetzte Richtung – sie töten das Bewusstsein im Menschen, dass er ein geistiges Wesen und das Ebenbild Gottes ist, sie drängen ihn zum Materiellen hinunter und senken ihn zum Tierzustand herab.

Was muss der wahre Mensch der Bewusstseinsseele heute tun? Solche Menschen können den Weg vom Glauben zur Erkenntnis in der richtigen Art zurücklegen und fähig werden, die geistigen Früchte zu empfangen, diese an die anderen verteilen und durch den Verstand versuchen, eine reale Beziehung zur geistigen Welt herzustellen. Das sind die gegenwärtigen Erwecker und Apostel. Die früheren Jünger verkündeten den anderen, dass Christus der Gottessohn war, der auf Erden lebte und  wurden dadurch zu seinen Aposteln. Jeder, der heutzutage seinen Weg zu der Einsicht zurücklegen kann, dass Beinsa Douno der Vertreter der Bodhisattva-Loge und der Hauptvertreter Christus auf Erden im 20. Jahrhundert war, wird zum Apostel Beinsa Dounos. Heute ist ein Erwecker derjenige, der aus eigener seelisch-geistiger Kraft zur geistigen Welt und zu den göttlichen Geheimnissen vordringt. In der heutigen Zeit ist es viel schwieriger, dies zu tun als zu der Zeit der Bogomilen, da wir bereits eine persönliche Intelligenz besitzen und in einer Epoche leben, in der die drei Impulse der Engel in einem hohen Maße entartet sind. Еs werden wieder zwölf Apostel und siebzig andere Jünger sowie eine Menge wahrer Christen gesucht, die unter die Dämonen gehen. Je intensiver der Weg zum Himmel und den Himmelspforten gebahnt wird, desto breiter werden sich die Pforten der Hölle öffnen. Unsere Gruppe trägt die enorme Verantwortung,  Erwecker- und Apostel-Impulse auszusenden und diese unter die Menschen zu verbreiten. Wer Augen hat zu sehen, der sehe, wer Ohren hat zu hören, der höre! Die Ereignisse der Zeitenwende werden bei der bevorstehenden Begegnung mit dem Antichristen wieder belebt werden. In diesem Leben sind wir für diese Begegnung  auf die Erde gekommen. Wer in der Zeitenwende lebte, war dort wegen der Begegnung mit Christus. Nun ist er hier wegen der Begegnung mit dem Antichristen. Wenn wir uns die damaligen Ereignisse, die wir heute zu erfassen versucht haben, vor die Seele stellen, müssen wir unsere Schlüsse ziehen und uns auf das Kommende vorbereiten.

 

[1] Der erste November ist der Nationalfeiertag der Volkserwecker in Bulgarien.

[2] Vgl. GA 139, Vortrag vom 16.09.1912

[3] „Der biblische Jona“ von Doz. Dr. Ivajlo Najdenov, Sofia, 2008

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