Der Aufstieg des Ewig-Weiblichen

di-varna

                       „Weltenkummer“, Bild von Boris Georgiev

 

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 29.11.2015 in Varna

vom Autor nicht durchgesehene Textfassung der Videodatei

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die ganze Vorlesung als PDF

Gebet: Herr Jesus Christus, wir bitten Dich, in diesen von Sorgen um die Zukunft gekennzeichneten Zeiten, Deine Engel zu schicken, um auf die Führer der europäischen Völker einzuwirken, so dass sie Botschaften senden, in denen wir den Anfang des Weges zu Dir wiedererkennen können, damit wir eine Zukunft haben. Amen!

In unserem letzten Thema „Erwecker und Apostel“ wurde in einem gewissen Sinne das männliche Prinzip vertreten und das heutige Thema trägt den Titel „Der Aufstieg des Ewig-Weiblichen“. Die letzte Vorlesung überschritt die Dauer von drei Stunden und ich hatte vor, von nun an mich an die Zeit von zwei Stunden zu halten, um Ihre Geduld nicht auf die Probe zu stellen. Aber die heutige Vorlesung reifte bereits seit etwa 40 Tagen, bis am Donnerstag die abschließende Offenbarung kam, die die Vorlesung in der von mir gewünschten Form ausbaute. Das hat sie allerdings mit zusätzlicher Information und Zeit beladen, deshalb werde ich mich bemühen, straff und ohne viele Abweichungen vom Thema vorzutragen. Alles muss gesagt werden, denn das sind nicht einfach Vorlesungen, um irgendeine Aktivität zu markieren, sondern es ist ein Appell an die geistige Welt, sich einzumischen, wenn wir hier ein Zeichen geben, dass unter den Menschen ein Verständnis der Weltereignisse vorhanden ist.

Wir wollen zuerst uns daran erinnern, was das weibliche Prinzip bedeutet, was das Ewig-Weibliche darstellt, damit wir richtig in das Thema eingehen – von der alttestamentlichen Zeit über die Zeitenwende bis in die heutigen Tage hinein. In der Esoterik versteht man unter dem weiblichen Prinzip die Vereinigung einer Gruppe von Wesen; von einem anderen Standpunkt aus liegt das weibliche Prinzip vor, wenn ein größeres Wesen aus sich ein kleineres, niedrigeres Wesen in Hinblick auf die Bewusstseinsstufe erschafft. Sprechen wir über die Trinität, stellen die vereinigten Vatergott, Sohn und Heilige Geist zusammen das weibliche Prinzip dar, der Vatergott einzeln betrachtet stellt das männliche Prinzip dar, der Sohn – auch, der Heilige Geist – auch, wenn man sie als einzelne Antlitze der Trinität auffasst. Bleiben wir bei den Beziehungen in der Trinität, so ist der Vater das männliche Prinzip selbst. Er erschafft den Sohn, Der das weibliche Prinzip ist und beide zusammen erschaffen den Heiligen Geist. Auf diese Weise wird der Sohn zum männlichen und weiblichen Prinzip, denn Er wurde gleichzeitig erschaffen und ist Selbst Erzeuger. Der Heilige Geist ist nur erschaffen, d.h. Er ist das weibliche Prinzip. Wir sehen, dass wir selbst innerhalb der Trinität drei Standpunkte bei der Erläuterung des männlichen und weiblichen Prinzips haben. Auf der höchsten Stufe, in der Trinität, wird das weibliche Prinzip im vollen Sinne des Wortes durch den Heiligen Geist verkörpert. Gehen wir tiefer, finden wir die Wesenheit Heilige Sophia, die aus der Wesenheit Anthropos-Sophia bis zu den Geistern der Weisheit als Gruppenwesen besteht, ein weibliches Wesen ist, es repräsentiert das weibliche Prinzip. Die einzelnen Mitglieder dieser Gruppenwesenheit repräsentieren als einzelne Wesen das männliche Prinzip. Das Gleiche gilt für die großen geheimnisvollen Gruppenwesen des Karmas, die das Weltenkarma regeln. Sie sind weibliche Wesen, über die Steiner nicht gesprochen hat, zumindest ist mir das nicht bekannt, darüber können wir nur rätseln. Vielleicht sind sie aus der Ordnung des Mystischen Lammes, dessen niedrigstes Wesensglied ein Elohim ist und das Stufen erreicht, auf die wir jetzt nicht eingehen werden. Sergej Prokofieff hat versucht, dieses Thema zu erforschen. In den neun Hierarchien gibt es Einzelwesen, die das männliche Prinzip repräsentieren, sowie Gruppenwesen, die eine viel stärkere Kraft als die einfache Summe der Kräfte der sie bildenden Wesen haben, die das weibliche Prinzip manifestieren. Gelangen wir zu den Menschen, kommen wir auch zu der Geschlechterteilung in Mann und Frau, obwohl wir heutzutage in der Zeit des Antichristen auf Erden sehen, wie aus den „harmlosen“ einfachen homosexuellen Männern und Frauen zu Transvestiten, Transsexuellen usw. übergegangen wird – wir werden sehen, wie weit sich das noch steigern lässt. Es wird die vollständige Beseitigung der Geschlechterunterschiede angestrebt, so dass die Menschen erst wenn sie völlig bewusst sein werden, selbst ihr geschlechtliches Wesen bestimmen, unabhängig von den Geschlechtermerkmalen, mit denen sie geboren sind. Solche „Errungenschaften“ des „freien“ Menschengedankens finden wir vor.
Von einem anderen Standpunkt aus repräsentieren manche Menschen das männliche Prinzip oder Kain. Sie sind auf die irdische Weisheit ausgerichtet. Andere Menschen sind die Vertreter des weiblichen Prinzips, sie sind wie Abel auf die himmlische Weisheit ausgerichtet. Im Alten Testament ist Salomo ein solcher Mensch, wobei wir die geschlechtliche und geistige Manifestation dieser Prinzipien im Menschen auseinanderhalten müssen. Allerdings ist wegen der Frauennatur selbst, wegen des Umstandes, dass in den Frauen die Himmlische Sophia arbeitet, damit sie gebären können und weil sie eine größere Neigung zum Spirituellen haben, in den Frauen hauptsächlich das weibliche Prinzip vertreten. Aus diesem Grund sind in den spirituellen Gesellschaften die Frauen in der Überzahl. Selbstverständlich kann eine Frau auch Repräsentantin des männlichen Prinzips und ein wahrer Kainit sein. Das gilt für die Männer auch. So ist Johannes Evangelist der Vertreter des weiblichen Prinzips, aber in seiner früheren Inkarnation als Hiram Abiff ist er der herausragendste Vertreter des männlichen Prinzips. Das ist der trockene theoretische Teil des Wesens des männlichen und weiblichen Prinzips im okkulten Sinne, aber er muss gut beherrscht werden, denn heutzutage versucht Ahriman, selbst die deutliche physiologische Unterscheidung nach dem geschlechtlichen Merkmal aufzuheben, die nach der Trennung des Mondes von der Erde eingetreten war.

Nun wollen wir sehen, wie das weibliche Prinzip im Neuen Testament vertreten ist, und vor allem im Matthäus-Evangelium. Letztes Mal haben wir über dieses Evangelium im Zusammenhang mit den verschiedenen Rollen des Matthäus als Essäer, Zöllner und Levit gesprochen. Als Essäer verkörpert er das männliche Prinzip, da er der Vertreter der wissenschaftlich-praktischen Richtung in der Sekte der Essäer und Therapeuten war, während die Nasiräer mit ihrem Mystizismus eher das weibliche Prinzip repräsentierten.
Das Essäer-Prinzip mit seinem Streben zum Irdischen ist in diesem Evangelium stärker vertreten und der Stammbaum Jesu, der zu Beginn des Evangeliums angegeben wird, beginnt bei Abraham und geht weiter zu Joseph und Maria. Das Nasiräer-Prinzip finden wir dagegen im Lukas-Evangelium, wo die Erhebung vom Irdischen von Joseph, zu Adam und Gott stattfindet und das wird nach der Jordantaufe sichtbar. Das sind zwei grundlegend unterschiedliche Leitern im Stammbaum. Wenn wir jedoch in der richtigen Art verfolgen wollen, wie im Neuen Testament das weibliche Prinzip zu seiner Materialisierung heruntersteigt, müssen wir uns mit dem Matthäus-Evangelium beschäftigen. Wenn wir dort die Linie von Abraham zu Joseph verfolgen, finden wir auch vier Frauen. Wie wir wissen, wird im Stammbaum die Vererbung in der männlichen Linie erwähnt – „Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob“ usw. und zwar so, als hätte der Mann geboren, die Frau wird nicht erwähnt . Warum sind gerade diese vier Frauen in den Evangelien an den jeweiligen Stellen anwesend, was will man uns damit sagen, wie wir an die Zeitenwende herangehen sollen und wie manifestiert sich das alles in der gegenwärtigen Zeit? Die erste Frau ist Tamar, Judas Frau, auf den der Stamm Juda zurückgeht. Im zweiten apokalyptischen Siegel gibt es drei Tiere – den Löwen, den Stier, den Adler, außerdem den Menschen und das Lamm Gottes, das in der Mitte steht. Sie wissen, dass auf diese Weise die alten Gruppenseelen der Menschheit dargestellt werden – in der Anthroposophie wird diese Frage gut beleuchtet. Im Tierkreis sind das die sog. fixen Zeichen, wobei der Adler im Laufe der Zeit zum Skorpion wurde und der Mensch der Wassermann ist. Die Zeichen der Äquinoktien und der Sonnenwenden, Widder, Krebs, Waage und Steinbock sind die Kardinalzeichen und die restlichen vier Zeichen – Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische, sind die beweglichen Zeichen. Die ursprünglich göttlichen Zeichen sind die Zeichen des zweiten okkulten Siegels. Um aus der ursprünglichen Göttlichkeit herauszugehen, muss ein Antrieb gegeben werden und das geschieht durch die Kardinalzeichen; dieser Antrieb wird durch die restlichen vier Zeichen zur Ausführung gebracht. Aus den zwölf Söhnen Jakobs, die eine Widerspiegelung des Tierkreises sind, vertritt Juda den Löwen. Der Kontinent Europa steht auch im Zeichen des Löwen. Er wurde ursprünglich vorbestimmt, das Kind des Stammes Juda zu sein, d.h. des Christentums, deshalb wurde er seit Jahrtausenden von ätherischen Strömungen umgeben. All das beginnt mit der Beziehung zwischen Tamar und Juda. Deshalb ist Tamar die erste Frau, die in der Stammbaumkette im Matthäus-Evangelium angegeben wird.
Ich werde Ihnen kurz die Geschichte Tamars aus dem Alten Testament in Erinnerung bringen. Juda hat drei Söhne und der älteste, Er, nimmt Tamar zur Frau. In der Bibel heißt es, dass er böse in den Augen Gottes ist und Gott ihn umbringt. Nach der Tradition soll der mittlere Sohn Onan den Fortbestand der Familie seines Bruders fortsetzen, aber er ergießt seinen Samen auf die Erde, um das zu verhindern und Gott vernichtet auch ihn. Der dritte Sohn Judas, Schela, ist sehr jung und Juda sagt Tamar, als Witwe im Haus ihres Vaters zu leben, bis sein Sohn geschlechtsreif wird und den Stamm fortsetzen kann. Aber Tamar merkt, dass ihr Schwiegervater nicht aufrichtig ist, da sein Sohn schon erwachsen ist und sie ihm immer noch nicht zur Frau gegeben wird. Daher beschließt sie, durch List von Juda schwanger zu werden.
Die restlichen drei Frauen, die im Matthäus-Evangelium erwähnt werden, begingen auch Taten, die vom heutigen Standpunkt aus getadelt werden können, aber gerade sie waren es, die den Stammbaum absteckten, der zum Schluss den Leib für Gott gab. Juda ist derjenige von den zwölf Söhnen Jakobs, der seine anderen Brüder anstachelte, Joseph an vorbeiziehende Midianiter für 20 Silberlinge zu verkaufen. Doch gerade er wurde zum Stammvater des Stammes, der den Leib Gottes zur Verfügung stellte. Man wird nicht zu einer sehr positiven Schlussfolgerung kommen, wenn man sich Gedanken über die Ereignisse macht. Alle jüdischen Männer lebten mit der Einstellung, dass sie die Väter Gottes sind, dass sie den Leib für den Messias stellen sollen. Die Mütter haben sich selbst in einer besonderen Art als die Mütter Gottes erlebt. Tamar war diejenige, die in ihrem Inneren spürte, dass sie den Anfang des Stammes des Gottesleibes machen soll. Sie kleidete sich wie eine Dirne und stellte sich auf den Weg, auf den Juda ging. Er erkannte sie nicht wieder und wollte die Gelegenheit nutzen, aber da er sie nicht bezahlen konnte, gab er ihr seinen Siegelring mit Schnur und seinen Stock als Pfand, bis er in der Lage war zu bezahlen. Tamar wurde von ihm schwanger. Später schickte er durch einen Freund ein Ziegenböcklein als Bezahlung, aber sein Freund konnte sie nicht ausfindig machen, die örtlichen Bewohner sagten ihm, dass dort keine Dirne wohnte. Drei Monate später sah man Tamar an, dass sie schwanger war und Juda befahl, sie zu verbrennen, da er dachte, dass sie durch Unzucht empfangen hatte. Aber Tamar sagte, dass sie von demjenigen empfangen hatte, dem die drei Symbole gehören und zeigte die als Pfand von Juda gegebenen Gegenstände. Juda erkannte diese wieder und gab zu, dass sie Recht hatte, da er sie nicht seinem Sohn Schela zur Frau gegeben hat. Sechs Monate später brachte sie Zwillinge zu Welt – Perez und Serach. Die Namen, die die Menschen früher bekamen, haben etwas bedeutet. Die Namen der vier Frauen sind auch charakteristisch und symbolisieren den Herunterstieg der Menschheit aus dem Himmlischen, von der Himmlischen Sophia oder dem Ewig-Weiblichen zum Irdischen. Die Himmlische Sophia ist das Ewig- Weibliche, die Manifestation des Heiligen Geistes als das Ewig-Weibliche, als eine Weltenseele, die zwei Funktionen vereint. Die eine ist Leben zu geben und die andere – Licht oder Weisheit zu spenden. In der vorchristlichen Zeit bestand die Trinität aus dem Vater, der Mutter und dem Sohn. Der Vater ist das männliche Prinzip und die Mutter wurde wie der Heilige Geist als etwas erlebt, was alles abwärts gebar oder wie die Himmlische Sophia, denn damals war sie schon entwickelt, mit Ausnahme ihres niedrigsten Wesensgliedes, des Wesens Anthropos-Sophia. Wenn wir über die Weltenseele sprechen, über die Jungfrau Sophia, Pistis Sophia und das Ewig-Weibliche der vorchristlichen Zeit, müssen wir unter dem weiblichen Prinzip die Himmlische Sophia verstehen. Nicht zufällig wird in den Sprüchen Salomos so viel über die Weisheit Gottes gesprochen, denn Salomo ist der Vertreter gerade dieser Weisheit, des weiblichen Prinzips. In der Zeit, in der Tamar ihr Kind bekommen sollte, lag die Menschheit noch in der Wiege des Geistigen. Der Name Tamar bedeutet eine hohe Palme mit einer großen Blätterkrone. Das zeigt, dass sie damals der Pflanzennatur näher war. Die Menschheit lebte im Mutterschoß, in der Weltenseele.
Das Geschlechtsleben wurde im menschlichen Bewusstsein überhaupt nicht erlebt, sondern außerhalb, in der Weltenseele. Als Juda Tamar begehrte und den Geschlechtsakt ausführte, bei dem sie empfang, haben das weder Tamar noch Juda in ihrem persönlichen Bewusstsein erlebt. Ihre Leiber waren ein Feld, auf dem die Götter arbeiteten. Das ist für das heutige Bewusstsein schwer zu begreifen, das bei der Betrachtung der Kamasutra-Stellungen lediglich an Fleischesvergnügen denkt. Damals war das eine Form des Kultlebens, die rechtmäßig war, da es nicht aus dem Ich hervorging, sondern aus den Leibern.
Auch das Hellsehen kam nicht aus dem Ich, sondern aus den menschlichen Leibern. Die sexuellen Praktiken in den Mysterienzentren waren völlig rechtmäßig und stellten das Werk der Volkserzengel dar. Wenn der Mann und die Frau sich vereinigten, um Nachwuchs zu zeugen, hatte keiner von ihnen die Empfindungen, die wir aus der heutigen bewussten Sexualität gewinnen. Vom heutigen Standpunkt sieht es aus, dass Tamar mit Betrug Juda verführt, um den Stammbaum fortzusetzen, aus dem der Leib für Gott entstehen wird. Die Tat Judas sieht uns heute aus wie das Handeln eines Schürzenjägers. Aber bei der Aufzählung der Namen im ersten Kapitel des Matthäus-Evangeliums, tauchen um den Namen des Stammvaters des Stammes Juda die Namen einer Frau und seitlicher Söhne und Brüder, ohne die das Mysterium der Geburt des Leibes für Gott nicht verständlich ist. Wenn wir uns etwas auf die Seele Tamars einstimmen könnten, würden wir spüren, was für eine heilige Einstellung sie hat, was für ein inneres Gespür, dass von ihr etwas sehr Großes abhängt.
Das Volk Israel ist von Anfang an das Volk, das vorbestimmt war, in den Generationen den Leib für den Messias aufzubauen. Die Zeugung von Nachwuchs wurde bei ihnen als die Erfüllung des göttlichen Willens und ein heiliges Gesetz angesehen. Dieser heilige Instinkt für die Zukunft lebte in Tamars Seele. Sie hatte sich selbst als die Mutter Gottes empfunden und das trieb sie an, sich einer List zu bedienen, um das Gesetz einzuhalten, da die Zukunft der Welt auf der Karte stand. Wir müssen das Wesen des männlichen und weiblichen Prinzips erfassen, und das, wie sie auf der Leiter von Abraham weiter fortgesetzt werden, um eine Vorstellung vom Seelenleben des damaligen Menschen zu gewinnen.
Tamar brachte die Zwillinge Perez und Serach zur Welt. Zuerst kam Serachs Hand heraus, dessen Name „Sonnenaufgang“ bedeutet und die Hebamme band einen roten Faden um seine Hand, der den Erstgeborenen kennzeichnen sollte. Tamar ist das Bild der pflanzlich reinen Menschheit, des jungfräulich Mütterlichen, aus dem etwas Sonnenhaftes und nicht Mondisches geboren werden sollte. Aber Perez, dessen Name „Riss bzw. der Reißende“ bedeutet, schob seinen Bruder zurück, zerriss das Fleisch seiner Mutter und kam als Erster heraus. Als Erstgeborener sollte er die Stammlinie fortsetzen, nicht der Sonnenbruder, sondern der Mondenbruder, der zerreißt und zum Irdischen heruntersteigt. Das liegt daran, dass das Abelsche Prinzip sich langsam zurückziehen und das Kainsche in den Vordergrund treten sollte. Diese Tendenz begann mit Kain und Abel und wurde bei Esau und Jakob fortgesetzt. Esau war der erstgeborene Bruder, aber Jakob riss durch Betrug das Erstgeburtsrecht an sich und wurde zum Mann, der zwölf Söhne als die Widerspiegelung des Tierkreises zeugte. Unter den Zwölf war Juda im moralischen Aspekt am tadeligsten, aber er wurde zum Stammvater des jüdischen Volkes und setzte den Stamm fort, da damals der Weg vom Göttlichen zum Irdischen zurückgelegt werden sollte. Um das Irdische zu erreichen, hatte die Menschheit das Himmlische zu verlieren. In der Gestalt der Paare Kain – Abel, Jakob – Esau, Juda – Joseph und Perez – Serach sehen wir die Stufen eines steigenden Sündenfalls, durch den die Menschen Ich-Kräfte bekamen.

Die zweite Frau, die im Stammbaum erwähnt wird, ist Rahab. Hier sind wir schon in der Zeit, als Mose die Juden aus Ägypten führte und sie ins Gelobte Land unter der Führung des Josua (Sohn des Nun) zogen. Das Kultleben in Ägypten war bereits für die Ich-Entwicklung zum klaren, wachen Bewusstsein hin schädlich. Deshalb führte Mose die Juden aus Ägypten, sie überquerten das Rote Meer und begaben sich nach Kanaan, wo sie mit anderen Völkern in Berührung kamen, die dekadente Mondenkulte praktizierten, wie etwa die Baal- und Astartekulte, die mit den Geheimnissen des Geschlechtes verbunden waren. Unterwegs gingen sie durch Jericho, wo das bekannte Ereignis mit der einstürzenden Mauer stattfand. Jericho bedeutet „Stadt des Mondes“. Die Juden schickten zwei Kundschafter nach Jericho, die in die Stadt gingen und im Haus der Hure Rahab übernachteten, die keine Israelitin war. Hier mischt sich zum ersten Mal der Vertreter eines anderen Volkes in die Stammlinie. Rahab sagt ihnen, dass in Jericho bekannt sei, dass Jahve ihnen dieses Land gegeben habe und dass alle Angst vor der Juden hätten. Die Bewohner der Stadt wissen, dass Jahve, der Gott des Himmels und der Erde, vor ihnen das Wasser des Roten Meeres (des Schilfmeeres) geteilt hat. Rahab verspricht den Kundschaftern, sie vor den Verfolgern zu retten, wenn sie und ihr Stamm bei der bevorstehenden Stadteroberung gerettet werden. Nachdem sie das Versprechen erhalten hat, versteckt sie die Kundschafter auf dem Hausdach und hilft ihnen anschließend, sich von der Stadtmauer abzuseilen und wegzulaufen. Der Name Rahab bedeutet gleichzeitig etwas Innerliches und etwas Äußerliches, Freiheit im inneren Sinne und Raum im äußeren Sinne. Früher hatten die Wörter eine viel reichere Bedeutung, die mit dem Fortschreiten unserer Ich-Differenzierung sich in einzelne Begriffe gegliedert hat. In dieser biblischen Geschichte wird durch Rahab eine doppelte Bildhaftigkeit erreicht. Einerseits befindet sich die Menschheit in der Etappe ihrer Entwicklung, wenn sie aus einer Gemeinschaft, die sich auf Gott stützt, die Freiheit im Ich finden soll. Andererseits sehen die beiden Kundschafter durch Rahab, dass Jahve in diese Stadt bereits eingezogen ist. Wenn sie sie verlassen, sind sie äußerlich, aber auch innerlich, seelisch frei und werden wie Rahab. Es folgt die Einnahme Jerichos. Das ist noch ein Symbol, inwiefern sich die äußerlich von Ägypten befreiten Juden auch innerlich von den Mondeneinflüssen befreien können, denn in Jericho geraten sie wieder an einen Ort, an dem die Mondenkulte praktiziert wurden. Es ist möglich, dass Rahab einem solchen dekadenten Verfallskult zur Göttin Astarte diente, bei dem sie in der Ausübung ihrer Aufgabe auch Hure war. Es geschieht wieder ein Wunder bei der Überquerung des Jordanflusses. Das Wasser wird aufgehalten, bis die Israeliten durchziehen. Danach sagt ein Himmelsbote zu Josua, was seine Leute zu tun haben – seine Soldaten sollen sechs Tage lang um die Stadt mit der Lade ziehen, am siebten Tag sollen die Priester in ihre Hörner blasen, alle Kriegsleute sollen ein Geschrei erheben, von dem die Stadtmauer einstürzt. Das passiert und die Stadt wird erobert, alle außer Rahab und ihre Sippe werden umgebracht. Im Alten Testament finden sich keine Details, aber wahrscheinlich war Salmon der eine Kundschafter, von dem Rahab den Sohn Boas bekommt, der die Stammlinie fortsetzt. In der Person der beiden Kundschafter begegnete Rahab dem Gott Jahve, fühlte die geistige Mission dieses Volkes und nahm am Geheimnis der Gottesmutter teil. Rahab wird neben dem Matthäus-Evangelium auch im Brief des Paulus an die Hebräer erwähnt, wo ihr Glaube betont wird und im Jakobusbrief, wo ihre Taten hervorgehoben werden. An der einen Stelle heißt es, dass ihr Glaube sie errettet hat, an der anderen haben sie ihre Taten errettet. Es gibt keinen Sinn im menschlichen Körper ohne den Geist. Es gibt keinen Sinn im Glauben, wenn es keine Taten gibt. Hier werde ich eine Klammer aufmachen mit einem Sprung zur Gegenwart, um etwas Wichtiges zu präzisieren. Die große bulgarische Hellseherin Stojna Prepodobna sagte, dass Bulgarien und Russland auf ewig verbunden sein werden, aber nicht immer wird das gut sein. Beide Länder sind unzertrennlich wie die Seele und der Leib. Der Leib ist groß und die Seele klein, aber ohne sie ist der Körper nur ein übel riechender Kadaver, Dunkelheit für den Verstand. Bulgarien ist die Seele, die Russland den Glauben, das Schrifttum und den Patriarchen gegeben hat. Der Leib ist eine blinde Kraft, heute will er uns umarmen und morgen will er uns ersticken. So geschieht es, wenn der Körper seine Seele nicht ehrt und manchmal sie nicht für lebendig hält. In der Geschichte überwiegen die Fälle, in denen der Leib die Seele ersticken will. Deshalb äußerten sich viele Persönlichkeiten unserer Wiedergeburtszeit wie Rakovski, Karavelov, Levski, Botev, Stambolov, Zachari Stojanov negativ über die russische Politik und den russischen Imperialismus, aber nicht gegen das russische Volk. Das liegt daran, dass der Körper unvernünftig ist und als Leib wachsen möchte. Das Ziel des russischen Imperialismus ist es, als Leib zu wachsen, als Territorium. Aber Stojna sagte auch: „Es wird nicht ein volles Jahrhundert vergangen sein, wenn Russland überrollt und zerschlagen sein wird, es wird sich in seinen Panzer einziehen und lange nur raunen und seufzen. Dann wird es wieder eine Seele brauchen und wieder Bulgarien umarmen. Eure Enkelkinder werden das erleben“. Das bezieht sich auf unsere Zeit. In der Zeit des russischen Imperialismus im 19. Jahrhundert war das russische Volk auf der Stufe der Empfindungsseele. Als der Bolschewismus auf sie herabstürzte, ging das Volk zur Entwicklung der Verstandesseele über. Heute stellen wir die Entwicklung einer Bewusstseinsseele bei einzelnen Vertretern des russischen Volkes fest, jedoch ist eine wahre Entwicklung ohne die Synthese der beiden esoterischen christlichen Impulse, die von Bulgarien ausgeht, nicht möglich.

Ein anderes Land, das sich auch auf diese Weise erweitern möchte, ist die Türkei. Im Osmanischen Reich waren die Türken auf der Stufe der Empfindungsseele. In der Zeit Kemal Atatürks begannen sie, intensiv eine Verstandesseele zu entwickeln. Heute gibt es im europäischen Teil der Türkei Menschen, bei denen die Entwicklung der Bewusstseinsseele begonnen hat. Eine andere Frage ist es natürlich, wie weit die Entwicklung einer Bewusstseinsseele beim Bekennen des Islam möglich ist. Das ist ausgeschlossen. Eine Bewusstseinsseele wird in der richtigen Art als eine höhere Seelenstufe mit Christus entwickelt, indem das höhere Ich aufblüht, damit die erste Frucht des Geistes ausgebildet werden kann. Ohne Christus geht das nicht. Ich behaupte, dass niemand eine Bewusstseinsseele ohne Christus, ohne ein wahres, zeitgemäßes Christus-Verständnis entwickeln kann. Die Entwicklung einer Bewusstseinsseele bei Russen, die von der Orthodoxie angetrieben werden, ist nicht möglich. Dort wird heutzutage der Zäsarenkult wieder belebt, der im 19. Jahrhundert in Russland mit seinen drei Stufen betrieben wurde – Zar, Orthodoxie und Volk. Nun ist es das Gleiche – es gibt den Präsidenten-Kaiser, die KGB-Orthodoxie und das Volk. Das ist eine Rückkehr des russischen Volkes, das sich vorwärts entwickeln muss, zur Stufe der Empfindungsseele. Durch den Islam treibt Erdogan das türkische Volk, das mithilfe der kemalistischen Ideen am Ausbau einer Verstandesseele wirkte, auch zur Empfindungsseele zurück. Die einen wie die anderen wollen, zumindest was ihre politischen Führer betrifft, nicht als Seele, sondern als Leib wachsen. Nun haben diese zwei Böcke, bildhaft ausgedrückt, einen Kampf miteinander begonnen. Seit zehn Jahren pflegen sie Beziehungen zueinander und finden Berührungspunkte in ihren imperialistischen Bestrebungen, aber auf Kosten Bulgariens. Seit einem Jahr frage ich mich, was passieren soll, damit uns diese zwei Böcke nicht zertrampeln. Nun sind sie wegen des abgeschossenen russischen Flugzeugs aneinander geraten. Vorläufig tritt das Problem in den Hintergrund, aber der weitere Verlauf ist nicht klar. Russland muss wieder Bulgarien finden und wir müssen nur geistige Beziehungen zueinander haben. Dagegen müssen wir zur Türkei sogar vom astrologischen Standpunkt aus gar keine Beziehungen haben. Russland hat ein großes Problem, da es die Zukunft mit der Gegenwart verwechselt. Wir wissen aus der Geisteswissenschaft, das ihnen die Zukunft gehört, aber die Russen gehen, wie auch Solowjow gesagt hat, allmählich vom Nationalismus, der jetzt auch ziemlich übertrieben ist, zur Selbstvergötterung. Sie denken, dass die Welt in 15 Jahren wörtlich zusammenbrechen und nur bei ihnen ein Leben möglich sein würde. Es ist naiv und manipulativ, wenn man denkt, dass die Zukunft schon da ist. Das ist nach allen Kriterien reiner Ahrimanismus und der jetzige russische Führer zieht sein Volk buchstäblich in den Abgrund. Sollte jemand Illusionen haben, was den russischen Führer betrifft, müsste er sie zerstreuen.

Das war eine Klammer im Zusammenhang mit Rahab, dass der Leib ohne Seele nichts taugt. Die dritte Frau, die im Matthäus-Evangelium erwähnt wird, ist die Moabiterin Ruth. In Bethlehem herrschte Hunger und Elimelech zog mit seiner Frau Naemi und den beiden Söhnen in das Land der Moabiter. Seine Söhne nahmen moabitische Frauen – Orpa und Ruth. Die Hungerszeit ist vorbei, aber die drei Männer sind gestorben und die drei Frauen machen sich auf den Weg nach Bethlehem. Naemi möchte, dass ihre beiden Schwiegertöchter zu ihrem Volk und seinen Göttern zurückkehren und Orpa willigt ein, aber Ruth hat den Geist und die Mission des jüdischen Volkes gespürt und erklärt: „Wo du hin gehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott“ (Rut 1:16). Das ist keine übliche Tat in jenen Zeiten der Gruppenseele, als ein Mensch, der sich von seinem Umfeld trennte, gewöhnlich starb. Durch Rahab und Ruth wird aufgezeigt, wie sich fremde Volksseelen der Jahveströmung anschließen. Ruth ist die Zweite, die eine persönliche Erfahrung mit Jahve hat. Wenn sie nach Bethlehem zurückgehen, geht Ruth auf das Feld von Boas vom Geschlecht Elimelechs, um die Ähren aufzulesen, die nach den Schnittern zurückbleiben. Boas erfährt die Geschichte Ruths und empfindet warme Gefühle ihr gegenüber. Nachdem sie noch eine Hürde überwunden haben, die mit den Besonderheiten der Vererbung bei den Juden zu tun hat, heiraten beide und zeugen Obed. Dieser wurde der Vater Isais, der der Vater des Königs David wurde. Wieder haben wir mit bildhaften Namen zu tun, die auf das Wesen der Dinge hindeuten. Die drei Frauen sind die Stufen, auf denen sich die Trennung vom Ewig-Weiblichen ereignete. Tamar, die Palme, befindet sich noch hoch im Geist, Rahab ist zwischen dem Himmel und der Erde und Ruth, deren Name „die liebende Geliebte“ oder „die sehende Gesehene“ bzw. „die sich selbst geistig sieht“ bedeutet, befindet sich fast im Irdischen. Sie hat ihre Mission erkannt, Gott zu dienen, weshalb das Volk zu Boas sagt: „Der Herr mache das Weib, das in dein Haus kommt, wie Rahel und Leah, die beide das Haus Israels gebaut haben… Und dein Haus werde wie das Haus des Perez, den Tamar dem Juda gebar…“ (Rut 4:11-12). Boas ist der Name einer der beiden Säulen des Tempels Salomos, den Hiram errichtet hat. Jachin ist die helle Säule des Tages und Boas – die dunkle Säule der Nacht. Aus den Namen Boas und Ruths strömt die Stimmung des inneren seelischen Nachtschleiers, der ihre Vereinigung ohne das bewusste Erleben des Aktes bedeckt. Der Name „Obed“ bedeutet „Diener oder jemand, der Jahve dient“. Bei David ist die Grenze der 14 Generationen. Alle Sexualakte, die vor David stattfanden, wurden im Geiste, im Ewig-Weiblichen vollzogen, in der Weltenseele, in der Mutterloge. Sie enthielten keine persönliche, bewusste Sinnlichkeit. Das war ein rechtmäßiges Kultleben in den Leibern, die als Instrument benutzt wurden. Seit David ging der Mensch auf seine Individualisierung zu, er begann, den Sexualakt im Bewusstsein zu erleben, das Geschlechtsleben wurde persönlich, der Mond mischte sich in die Beziehungen der Geschlechter ein. Der Mond wurde zu einer Transmission zwischen dem ewig Geistigen, Sonnenhaften und dem Persönlichen. Der Mond sollte sich zuerst in unser Bewusstsein einschalten, damit wir „Ich“ sagen und begehren konnten. Gleichzeitig mischte er sich in das menschliche Geschlechtsleben ein. Der Sündenfall, der mit Eva begann, und sich zuerst in die Geschlechtertrennung ausdrückte, wurde erst bei Bathseba, der vierten Frau aus dem Stammbaum im Matthäus-Evangelium, zum persönlichen Sündenfall. Vorher war er ein kosmischer, allgemein menschlicher Sündenfall.
Bathseba wird im Matthäus-Evangelium nicht mit ihrem Namen erwähnt, sondern taucht als „Urijas Frau“ auf. Bath-Seba bedeutet „Tochter der Sieben“, d.h. der sieben Planeten. Urija bedeutet „Jahve ist mein Licht“ bzw. „das ist das Licht des Ich“. Es gibt folgende Geschichte, an der David teilnimmt. Eines Abends geht er auf dem Dach des Königsschlosses spazieren und sieht eine schöne Frau beim Baden. Er schickt seine Diener, die sie finden sollen, da er sie begehrt. David verkehrt mit ihr und sie wird schwanger. Als David das erfährt, lässt er Urija in das schwerste Gefecht schicken, damit er getötet wird. Urija wird tatsächlich getötet und David nimmt seine Frau zu sich, die einen Sohn zur Welt bringt. Über diesen Sohn kann man schon sagen, dass er durch einen Ehebruch gezeugt wurde, da die Sexualität bereits persönlich geworden war. Bei den drei Frauen Tamar, Rahab und Ruth gibt es keinen wirklichen Ehebruch. Bei Bathseba und Urija deuten die Namen wieder auf ein bestimmtes Verständnis hin. Die Sonne ist der Ursprung des Lichtes unter den Planeten. Dieses wird individualisiert, erhält eine Ich-Eigenschaft, wenn es von den Planeten reflektiert wird. Alles, was der Mensch besitzt, har er von den Göttern erhalten. Aber er muss lernen, „ich“ zu sagen, obwohl jedes ausgesprochene „ich“ die Ablehnung des ursprünglichen Lichtes bedeutet. Jedoch ist das der erste Schritt zur Erlangung der Freiheit. So wie das reflektierte Mondenlicht kein wahres Licht darstellt, vergisst das menschliche Selbstbewusstsein seine wahre Quelle und verfällt in kosmische Undankbarkeit. Durch den Eintritt des Mondes in die Menschenseele wird der Mensch von der kosmischen Quelle seines eigenen Wesens und es wird das Selbstbewusstsein als die Frucht der kosmischen Undankbarkeit hervorgebracht. Daraus entsteht auch die persönliche Sexualität; sie wird dadurch hervorgerufen, dass der Mensch sich mit seinem physischen Leib gleichsetzt. Wenn der Mensch sich selbst als Leib erlebt, erlebt er auch die anderen Menschen so, indem er vergisst, dass der Leib nur die Wohnstätte des Geistes und der Seele ist. Wir sehen in der Geschichte von David und Bathseba den Eintritt des Mondes in den Menschen und die Geburt des Ich-Bewusstseins und der persönlichen Sexualität. Wenn David über Bathseba „meine Frau“ sagt, sagt der Mond gleichsam „ich leuchte“. Der Mond reflektiert nur die Sonne. Deshalb heißt es in der Geschichte, dass David auf dem Dach seines Hauses spazieren geht. Sein seelisches Wesen hat sich bereits zum Gehirn, zum Kopf erhoben, der das Dach des Hauses – des Leibes -, darstellt. Dort entstehen der persönliche Intellektualismus und die persönliche Sexualität. Wo die Seele durch das Mondengefühl kosmischer Undankbarkeit durchzogen wird, stirbt das geistige Ich. Deswegen stirbt der erste Sohn von David und Bathseba. Es folgen Reue und die erneute Entstehung kosmischer Dankbarkeit, danach erfüllt das höhere Ich die Seele mit Frieden und der zweite Sohn darf geboren werden – Salomo, dessen Name „Friedensträger“ bedeutet. In der letzten Vorlesung hielten wir fest, dass der Frieden die erste Frucht auf dem Weg von der Pistis zur Gnosis ist, das ist das Manas oder das Geistselbst. Jedes Mal, wenn wir „ich“ sagen, müssen wir bewusst den Übergang erleben, der dazu führt, dass wir sagen können „Nicht ich, sondern Christus in mir“.
Mit der Geburt Salomos setzt die sog. Königslinie ein. Danach ist von keiner Frau mehr die Rede, denn der Übergang zum persönlichen Sündenfall wurde bereits gemacht, von nun an erlebt man schon alle Akte persönlich und bewusst. Die vier Frauen sind die Widerspiegelung des zweiten okkulten Siegels, wobei Bathseba den Wassermann bzw. den Menschen in ihm verkörpert. In ihrer Person ist alles Kosmische zum Persönlichen geworden, das Ewig-Weibliche ist zum Irdisch-Weiblichen geworden. Sie sehen, wie man diese Problematik aus den verschiedensten, manchmal völlig unerwarteten Gesichtspunkten betrachten kann. Im Zusammenhang damit erforsche ich in letzter Zeit eine Frage – möge Gott das ermöglichen -, die mit dem Folgenden verbunden ist: Jede Seele ist Liebe und das Ich ist nur das Werkzeug dazu. Gott wird durch jede Seele als Liebe erlebt und jede Seele hat eine bestimmte Aufgabe in ihrer Inkarnationskette. Warum finden aber manche Seelen Christus in der richtigen Art und andere nicht? Warum erreicht manche Seele gar keine Spiritualität? Heutzutage herrscht eine totale Trennung unter den Menschen und mit der Inkarnation Ahrimans ist ein kleiner Krieg aller gegen alle zu erwarten. Ich hoffe, dass wir eine Antwort auf die Frage nach dieser totalen Trennung finden werden.
Die fünfte Frau, mit der der okkulte Siegel der fixen Zeichen in ein Kardinalzeichen übergeht, ist Maria aus der Stammlinie Salomos. Christus sollte in einen Leib eintreten, der von einem sehr reifen Ich bearbeitet worden war. Deshalb wurde in Jesus aus Salomos Stammlinie Zarathustra geboren, einer der reifsten Iche der Menschheit. Maria aus dieser Linie ist der wieder inkarnierte Salomo selbst. Das habe ich zum ersten Mal auf der Konferenz 2014 mitgeteilt. Salomo hatte Evas Fluch mit der Vielweiberei fortgesetzt – von ihm wird behauptet, Tausende von Frauen besessen zu haben. Was seine Mutter Bathseba als Ehebruch tat, hat er tausendmal multipliziert. Der Absturz in die persönliche Sexualität und Selbstbewusstwerdung geschah in einem atemberaubenden Tempo. Den Anfang zur Umkehrung dieser Tendenz sehen wir bei Maria. Sie ist das Urbild der Wiedergeburt des Ewig-Weiblichen. Die andere Maria aus Nathans Stammlinie kommt für uns nicht in Frage, da dies wie bei der nathanischen Seele ihre erste und einzige Inkarnation war, folglich hatte sie keine Ich-Entwicklung. Christus sollte in einen Leib mit einer Ich-Entwicklung inkarnieren, sowohl der Mutter, als auch des Ich im Kind. Deshalb war die Mutter der wieder inkarnierte Sünder Salomo. Auf die Frage, ob Maria weiter inkarniert, hat Steiner geantwortet, dass die Gottesmutter weiter inkarniert; von einer ihrer interessanten Inkarnationen wird zum Schluss der Vorlesung die Rede sein.
Wie ist die Geschichte Marias aus dem Matthäus-Evangelium? Die Priester im Tempel in Jerusalem erfahren in okkulter Weise, dass sie jemanden aus dem Stamm Juda finden sollen, den sie mit Maria, die eine Tempeljungfrau war, verheiraten sollten. Es wurden alle Männer aus diesem Stamm geholt, auch der alte Joseph und derjenige sollte Maria heiraten, dessen Stab grünte. Zur allgemeinen Verwunderung grünte der Stab Josephs. Da die Wahl nicht mit dem Willen und Bewusstsein der Beiden getroffen worden war, konnte ihre Vereinigung unter dem Schleier des Ewig-Weiblichen vollzogen werden. Das war kein bewusster Geschlechtsakt, sondern ihre Körper wurden zum Wirkungsfeld der Götter. Natürlich behauptet das Evangelium nicht wie das heutige dogmatische Christentum, dass Jesus ohne die Teilnahme des Vaters geboren wurde. Wenn Joseph nicht der Vater Jesu ist, ist die ganze Aufzählung seines Stammbaums ja überflüssig. Das ist eine Art Rückkehr zur Zeit der ersten drei Frauen. Die sog. „unbefleckte Empfängnis“ war die letzte Manifestation des weiblichen Prinzips als das Ewig-Weibliche, als die Mutterseele. Als Maria empfangen hatte, hatte gleichsam die Weltenseele empfangen. Im Evangelium heißt es, dass dies geschah, damit das von Gott durch den Propheten Gesagte in Erfüllung geht: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.“(Matth. 1:23). Immanuel ist das Ich. Die Mutter mit dem Kind ist das Ewig-Weibliche, das das Ich zur Welt bringt. Das, was die erhabensten Eingeweihten in den Mysterien okkult gesehen haben, wie das Ewig-Weibliche das Ich gebären wird, wurde zur historischen Tatsache mit der Geburt Jesu aus Salomos Stammlinie. Wenn wir heute die Bilder der Madonna mit dem Kind betrachten, die die größten Maler geschaffen haben, können wir wieder die historische Tatsache seelisch erleben und die Geburt des Ich sehen. Obwohl der eigentliche Herabstieg des Ich mit dem Eintritt in den Leib Christi geschah, ist das die Vorstufe des Herabstiegs des höheren Ich. Dieser Jesus stirbt mit 12 Jahren, das Ich Zarathustras tritt heraus und in den anderen Jesus aus der Stammlinie Nathans ein und bearbeitet 18 Jahre lang seine Leiber, damit sie Christus empfangen können – Christus konnte nur in einen Leib eintreten, der von einem höchst reifen Ich bearbeitet worden war.
Nach dem Abend, an dem die Empfängnis erfolgte, kam Joseph allein heim, denn Maria war eine Tempeljungfrau. Am nächsten Abend erschien ihm der Erzengel Gabriel, der ihm sagte, er solle nicht zögern, Maria zur Frau zu nehmen, da sie vom Heiligen Geist empfangen hatte und einen Sohn gebären werde, den sie Jesus nennen würden und er das Volk vor seinen Sünden retten würde. Am nächsten Tag nahm Joseph Maria mit, wahrscheinlich waren die anderen Tempeljungfrauen mit ihr, um sie vor weiteren Sexualakten zu schützen, da dieses Ich durch eine Empfängnis geboren werden sollte, die unter dem Schleier des Ewig-Weiblichen geschehen war. Danach hatte Maria einige andere Kinder, die in der üblichen Art gezeugt wurden und im Alter von 45 bis 46 Jahren erlebte sie die uns bekannte Transformation, bei der sie zur Jungfrau Sophia bis zur Stufe des Physischen wurde.
Am Anfang betrachteten wir die Stammlinien in den Evangelien von Matthäus und Lukas. Bei Matthäus finden wir die irdische Leiter des Stammbaumes, die mit Weihnachten beginnt und bei Lukas ist die Himmelsleiter, die am 06.01.beginnt und rückwärts zu Adam und Gott führt. Als Christus kam, vereinigte er beide Leitern in Sich und transformierte die Trinität, die aus Vater, Mutter und Sohn bestand, die den alten Mysterien bekannt war, in eine Trinität aus Vater, Sohn und Heiligem Geist, da eine Wandlung des Ewig-Weiblichen vollzogen wurde. Die Transformation begann schon bei Marias Empfängnis, die zum Urbild der Seele wurde, die das Ich hervorbringen soll. Jede Seele hat diesen Weg zurückzulegen und zur Jungfrau Sophia zu werden. Aber die Möglichkeit zur Verwirklichung dieses Prozesses brauchte eine Vorbereitung während der zwei Jahre und einiger Monate des Christus-Lebens auf dem Erdenplan durch einzelne Persönlichkeiten. Die Transformation des Ewig-Weiblichen wurde allmählich durch Menschen vorbereitet, die zu Trägern der Wandlung wurden. Das ist die dritte Menschenkategorie neben den Platonikern und Aristotelikern, die in der Zeitenwende um Christus anwesend ist. Das sind besondere Individualitäten, die sehr lange vorbereitet wurden. Eine dieser besonderen Persönlichkeiten ist Maria Magdalena. In den Evangelien heißt es, dass Christus aus ihr sieben Dämonen ausgetrieben hat. Wahrscheinlich ist von den sieben Todessünden die Rede, darunter die Sexualsünde. Tiefe Reue empfindend, wusch sie die Füße des Christus mit Tränen und trocknete sie mit ihren Haaren. Demjenigen, der um Vergebung bittet, wird viel vergeben. Demjenigen, der sich für einen Heiligen hält und keine Selbsteinschätzung der eigenen Mängel vornehmen kann, wird wenig vergeben. Deshalb sollte Maria Magdalena zum ersten Menschen heranreifen, der den auferstandenen Christus sah. Das bringt die christlichen Priester in tiefe Verlegenheit, die Frauen als Priester nicht zulassen wollen, indem sie mit den Paulinischen Worten argumentieren, dass die Frauen in den Gemeindeversammlungen schweigen sollen. Aber Paulus meinte das Sybillinische Prinzip, das mit der Ankunft Christi und des Ich zum Atavismus geworden war und nicht dass die Frauen überhaupt keinen Platz in der Kirche hätten. In der Person Marias sehen wir das Aufkeimen der ersten der drei großen christlichen Tugenden – des Glaubens. Dieser Glaube ruft starke Christus-Liebe hervor, aber ihre Seele hat noch nicht den Frieden erreicht, der nicht aus dieser Welt kommt und zum Herunterstieg des Geistselbstes in die vorbereitete Seele führt. Das ist der Frieden, der zum Hellsehertum führt und zur Fähigkeit, den Auferstandenen zu sehen.
Wir kommen zur Szene, bei der Martha, Maria-Magdalena und Lazarus-Johannes zusammen sind. In Maria-Magdalena ist bereits Frieden eingekehrt; die transformierte Sexualität wird in Barmherzigkeit verwandelt. Bei ihr ist die aufrichtige, tiefe Liebe und Dankbarkeit zu Christus in Ehrfurcht und tiefe opferbereite Religiosität metamorphosiert. Nur eine solche Einstellung kann zum Frieden führen, der die geistigen Augen öffnet, und in unserer Zeit auch den Übergang durch den Gedanken zur geistigen Welt bewirkt. Das führt zu solchen Offenbarungen, dass ich weinen muss… Dieser Frieden ist wahrhaftig nicht aus dieser Welt. Die absolute Opferbereitschaft Maria-Magdalenas trieb sie dazu, wie die Legende besagt, zum Bösen, zu Kaiser Tiberius zu gehen, da die wahre Opferbereitschaft durch den Eingang in das Böse geprüft wird. Stärker ist nicht derjenige, der mit dem Guten arbeiten kann, sondern der mit dem Bösen arbeiten kann. Maria-Magdalena wuchs geistig mit dieser gigantischen Metamorphose in ihrer Seele und konnte ins Zentrum des Bösen gehen, zum Kaiser, dem sie das rote Ei als Zeichen des Blutes Christi und der eingetretenen Wandlung geben konnte. Im 20. Jahrhundert hat sie das Gleiche wiederholt, aber in einer völlig anderen Art.
Das, was Christus in die Personen hineinlegte, die einen Kontakt zu Ihm hatten, prägte sich ihren Seelen stark ein und das kam später in den verschiedensten Arten zum Vorschein. Beim Jungen von Nain, der später zum großen Manes wurde, war es auf eine Art, bei Lazarus, der zum Evangelisten Johannes und Christian Rosenkreutz wurde – auf eine andere und bei der Tochter des Jaïrus, die im 20. Jahrhundert der Bodhisattva Beinsa Douno wurde – wieder anders. Martha wird als eine tatkräftige Frau geschildert, die immer etwas für Christus tun möchte. In den Evangelien wird es nicht erwähnt, aber laut einer Legende soll sie die Frau sein, die seit zwölf Jahren einen Blutfluss hatte, die geheilt wurde, als sie sein Gewand berührte, während Er zum Haus von Jaïrus ging. Die Tochter des Jaïrus war noch trocken, d.h. das Weibliche war bei ihr noch nicht in Erscheinung getreten, wahrend Martha einen Überfluss an zu starken Sybillinischen Kräften hatte – das sind die alten atavistischen Kräfte, die durch den Blutfluss verkörpert werden. Christus ist die Brücke, die zur Transformierung dieser Kräfte führt und zu ihrer Übertragung zum Mädchen, damit dieses erweckt wird. Aus den makrokosmischen weiblichen Kräften, die das Ewig-Weibliche darstellen, die Welten-Mutterseele dieser Sybille Martha, werden sie zu persönlichen mikrokosmischen Kräften der Tochter des Jaïrus. Deshalb ist Beinsa Douno der größte Vertreter des weiblichen Prinzips. Deshalb wird er künftig dieses weibliche Prinzip als Buddha Maitreya manifestieren. Beachten Sie die Beziehung zwischen Martha und der Tochter des Jaïrus. Sie sind sich gegenseitig nützlich im Geschlechtlichen, im Ewig-Weiblichen, das durch Christus durchzogen wurde, damit beide überleben können. Diese Beziehung fand ihre Manifestation im 20. Jahrhundert in einer absolut publikumwirksamen Art. Bei Martha wurde der Körper geheilt und sie kam zur Liebe und dazu, dienen zu wollen. Doch sie konnte den Frieden nicht erreichen. Bei Maria-Magdalena wurde die Seele geheilt und sie kam zum Frieden. Bei Lazarus wurde das Ich geheilt. Deshalb stand er unter dem Golgatha-Kreuz zusammen mit der Jungfrau Maria und dort hat Christus persönlich die große Chymische Hochzeit zwischen der Seele als Maria, dem weiblichen Prinzip und dem Ich, dem Geist vollzogen, der in diesem Fall die Rolle des männlichen Prinzips innehat in der Person Johannes‘. Die Seele kann sich bereits zum Geist erheben und Er kann in die Seele eintreten, in das Ewig-Weibliche, in die Bewusstseinsseele, wenn die Seele rein wie die Jungfrau Sophia geworden ist. Die Jungfrau Sophia ist das Symbol der Seele, die fähig ist, den Geist oder das höhere Ich zu empfangen.
Letztes Mal habe ich Ihnen mitgeteilt, dass die Samariterin der wieder inkarnierte Joseph ist, der von seinen Brüdern als Sklave verkauft wurde. Die Samariterin kommt aus Samarien, wo die Baal-Kulte praktiziert wurden, die mit der Sexualität verbunden waren. Indem ich aus etwas, was ich gleich mitteilen werde, schließe, denke ich, dass sie an diesen Kulten teilgenommen hat. Sie ist die Trägerin des Ewig-Weiblichen. An sie wendet Sich Christus, als Er seine Identität lüftet. Maria-Magdalena ist die Erste, die den Auferstandenen sieht und durch die Jungfrau Maria wird Jesus am Anfang geboren. Wir sehen, wie in den drei wichtigsten Phasen immer das weibliche Prinzip wirkt. Wir wissen schon, dass das Paar, das durch die Chymische Hochzeit zwischen der Seele und dem Geist unter dem Golgatha-Kreuz verbunden wurde in der Person der Jungfrau Sophia und Johannes‘, als Paar auch weiterbesteht. Das waren die zwei „Syrer“, die sich im Kloster „Die Heilige Paraskeva“ in Preslav mit Bojan Maga und fünf weiteren Bogomilenpriestern getroffen haben, um sie in die Gralsmysterien einzuweihen, wodurch der große Bogomilenimpuls startete. Die Verbindung dieses Paares steht über alles Persönliche, Blutsverbundene oder Blutsverwandtschaftliche und sie wurde durch Christus verwirklicht. Dort hatten die Teilnehmer das höhere gnostische Bewusstsein. Die Jungfrau Sophia wird zur Trägerin des ganzen Wissens über das Golgatha-Mysterium und sie gibt dieses Wissen Johannes, der am Ende seines Lebens das Johannes-Evangelium verfasste. Dieses Evangelium ist das größte Buch der Menschengeschichte, in dem jeder Buchstabe eigentlich einen eigenen Vorlesungszyklus hervorbringen kann. Lassen Sie uns nun sehen, wer diese Persönlichkeiten im 20. Jahrhundert waren.
1910 wurde in Skopje Agnes Gonxha Bojaxhiu in einer katholischen albanischen Familie geboren. Als sie acht Jahre alt war, starb ihr Vater, der an der albanischen Freiheitsbewegung teilnahm. Im Alter von 18 Jahren wurde sie Ordensfrau bei den Lorettoschwestern. Nach einer Unterweisung in Englisch in einem Kloster in Irland fuhr sie nach Britisch-Indien, wo sie Novizin wurde. 1931 nahm sie den Namen Teresa an und 1937 legte sie die Profess ab. 1948 begann sie ihre eigenständige missionarische Tätigkeit und zwei Jahre später bekam sie die Erlaubnis vom Vatikan, die Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe zu gründen. Ende des 20. Jahrhunderts gehörten diesem Orden über 4000 Nonnen an, die Heime für Sterbende, Waisen- und Obdachlosenheime in der ganzen Welt unterhält. Wer das Leben der Mutter Teresa wenigstens teilweise kennt, wird wissen, wie selbstlos sie war – ihr einziger Besitz waren ein Schirm und eine Decke. Sie hat solche Worte über die Liebe gesagt, die nur von einem Menschen stammen können, der ein tiefes Verständnis besitzt, z.B. „Jeder Mensch ist für die Liebe würdig“, „Die Menschen halten die Liebe für ein Gefühl, aber sie ist eine Tat“ usw. Sie hat sich um die Ärmsten und Verachtetsten der Gesellschaft gekümmert. Auf die Frage eines englischen Journalisten, warum sie das alles mache, und zwar unentgeltlich, erwiderte sie, dass sie es aus Liebe zu Jesus tue. Sie hat in absolut jedem Menschen der Erde Jesus gesehen. Alles, was sie tat, geschah bei einem absoluten Seelenfrieden und mit lächelndem Gesicht. Die sakramentale Opferbereitschaft, zu der Maria-Magdalena sich erhoben hat, fand in der Barmherzigkeit Mutter Teresas einen erhabenen Ausdruck. Sie ist die Inkarnation der von Christus geheilten Maria-Magdalena. Ich werde nun meine Sünde gegenüber der Mutter Teresa bekennen. Als ich in der Vergangenheit an sie dachte, habe ich mir gesagt, dass sie zwar Gutes tut, aber immerhin im Schoß des Katholizismus wirkt. Ich habe sie unterschätzt, da ich ihre Tätigkeit auch als in den Dienst des einen Gesichtes des Bösen gestellt betrachtete. Aber so wie Maria-Magdalena zum Kaiser ging, der den Dämonismus und das Böse verkörperte, hatte auch Mutter Teresa keine Hemmung, im Bösen zu sein, unter Päpsten, Kardinälen und anderen hochgestellten Personen, die in ihrem Ruhm badeten. Sie hatte einen eigenen Orden der Missionarinnen der Barmherzigkeit, denn die transformierte Sexualität wird in Mitleid und Barmherzigkeit verwandelt. Es gibt keine stärkere michaelische Tat als zum Bösen zu gehen und jeden Menschen mit der höchstmöglichen Liebe zu behandeln. Von klein auf hat sie gewusst, dass die Liebe die wirkliche Realität ist, und nichts anderes wichtig ist. Das ist das Verständnis einer wahren Bewusstseinsseele. Das war Maria-Magdalena im 20. Jahrhundert.
Ich gehe zur nächsten Persönlichkeit über. Am Izgreva tauchte im Umfeld des Meisters Beinsa Douno eine Deutschlehrerin auf, die die katholische Pension in Plovdiv abgeschlossen hatte. Sie hieß Magdalena Popova. Die Begebenheit, über die ich berichten möchte, ist allen in der „Weißen Bruderschaft“ bekannt, aber niemand versteht ihren wahren Sinn. Magdalena war sehr gebildet, sie sprach vier Sprachen und legte gleichzeitig ein sehr provokatives Verhalten an den Tag. Von den Popen angestachelt, ging sie mit einem Schild an der Stirn herum, auf dem „Danovs Opfer“ stand, sie verbreitete Ungereimtheiten über den Meister und trieb seine Nachfolger zur Weißglut. Die Brüder beschlossen, sie vom Izgreva zu vertreiben und schickten eine Abordnung zum Meister, um ihm ihren Beschluss mitzuteilen. Der Meister hörte ihnen zu und sagte: „Am einfachsten ist es, Magdalena wegzuschicken. Aber vorher muss jemand von euch freiwillig ihren Platz einnehmen. Denn sie ist ein Abfluss, durch den der ganze stinkende Dreck abfließt, den die schwarze Bruderschaft unserer Schule gegenüber ausspeit. Sie erfüllt diese Aufgabe sehr gut. Wählt jemanden von euch, der ihren Platz einnehmen soll und ich werde sie beseitigen.“ Die Abordnung lief in alle Richtungen aus Angst davon, dass jemand ausgewählt werden könnte. So sind die sog. Brüder auch heute. Sie sprechen nur vom Guten, aber wenn sie dem Bösen gegenübertreten sollen, halten sie sich zurück.
In dieser Zeit ereignete sich auch die Affäre um Krishnamurti. 1909 begann die ätherische Wiederkunft Christi. 1910 sahen Annie Besant und Charles Leadbeater im Astralleib eines indischen Jungen – Jiddu Krishnamurti -, dass er der neue Messias sowie eine Manifestation des Maitreya werden würde. Annie Besant hatte ein Hellsehen, das bis zum alten Mond reichte, aber wenn ein spirituell suchender Mensch sich nicht auf Christus zentriert hat, verfällt er unvermeidlich dem Einfluss der Widersacherkräfte, die Christus bekämpfen. Der Junge besaß gewisse geistige Eigenschaften, was auch aus seiner späteren Tätigkeit ersichtlich ist, aber seine Erklärung zur Manifestation der zweiten Wiederkunft Christi, kombiniert mit einer Escheinung Maitreyas, ist ein Riesenfehler im esoterischen Sinne. Diese Kombination zweier unvereinbarer Dinge – denn die Bodhisattvas gehören der Erdenevolution an-, ist das Zeichen von etwas sehr Ungesundem. Ich weiß nicht, wer damals die beiden Vorsitzenden der Theosophischen Gesellschaft beeinflusst hatte, aber sie wissen, dass es eine inoffizielle Ehe der östlichen und westlichen okkulten Logen gibt in ihrer Bestrebung, die Wahrheit zu vernebeln. Das Problem mit Krishnamurti war wirklich ernsthaft und etwas sollte gemacht werden, um die Menschheit davor zu retten. Steiner widersetzte sich dem Krishnamurti-Kult, verließ 1913 die Theosophische Gesellschaft und begründete die erste Anthroposophische Gesellschaft. Aber die Versuche, Krishnamurti durchzusetzen, gingen weiter. Ein großer Teil des europäischen Adels wurde in die Affäre eingezogen. Den Theosophen wurde durch einen Baron aus der niederländischen Königsfamilie ein Schloss in der Stadt Ommen in den Niederlanden, zur Verfügung gestellt. Auf dem physischen Plan verlief die aktive Vorbereitung der Ersetzung der Zweiten Wiederkunft Christi im ätherischen Leib auf dem Astralplan und diese Gefahr konnte Steiner nicht abwenden, da er 1925 starb. Die Gefahr wurde vom Bodhisattva Beinsa Douno abgewendet. Wie ist es dazu gekommen? Der Meister rief Todor Stoimenov zu sich, einen seiner ersten Schüler neben Dr. Mirkovitsch und Penjo Kirov. Er sagte ihm, Magdalena Popova zu rufen und ihr die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sie zum Kongress der Theosophischen Gesellschaft 1929 fuhr, auf dem Krishnamurti offiziell zum Weltlehrer erklärt werden sollte. Sie sollte Krishnamurti einen Brief von Beinsa Douno überbringen. Offenbar war sie trotz der Verwunderung Todor Stoimenovs der passende Mensch zur Erfüllung dieser Aufgabe. Und sie hat ihre Aufgabe in Wirklichkeit hervorragend gemeistert. Im Schloss angekommen, hatte sie keine Probleme, mit allen in deren eigenen Sprache zu kommunizieren, aber ihr Ziel war es, an Krishnamurti unter vier Augen heranzukommen, da er sich zurückgezogen hatte und niemanden empfing. Am nächsten Tag stand sie früh auf, sah Krishnamurti im Garten spazieren, kletterte über den Zaun, der sie vom Mann trennte und ging auf ihn zu. Krishnamurti trat überrascht zurück und sie rief in seine Richtung, dass er kein Weltlehrer sein könne, wenn er Angst vor Frauen habe. Sie erzählte ihm über den Meister in Bulgarien, um den es von Frauen wimmele und der sie selbst lange Jahre schon ertrage. Sie sprach auch die bemerkenswerten Worte, dass er kein Christus sein könne, da Christus zu der Samariterin, die so viele Männer gehabt hatte, die größten Worte überhaupt gesagt habe, die ein Menschen und die ganze Menschheit gehört hätten: „Gott ist Geist und die Ihn anbeten, die müssen Ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Joh.4:24). Das kann nur ein Mensch sagen, durch den der Geist spricht, und der kein Sprachrohr dunkler Geister ist, ein Mensch, der die jeweilige Bildung hat, die ihm auch gewisse Kenntnisse des Christentums gegeben hat. Das sind nämlich die erhabensten Worte des ganzen Evangeliums. Die beiden Argumente wirkten offensichtlich auf Krishnamurti, und danach führten die beiden ein langes Gespräch, das mit dem Aufruf Magdalenas endete, Krishnamurti möge Buße tun und Christus um Vergebung bitten, um seine Weiterentwicklung zu ermöglichen. Das Drama in der Seele Krishnamurtis muss sehr groß gewesen sein, denn am nächsten Tag, als alle seinem Auftritt entgegenfieberten, bei dem er das bestätigen würde, für was er im Voraus erklärt worden war, sagte er zur allgemeinen Enttäuschung, dass er ein gewöhnlicher Mensch sei. In der Nachfolge brach er die Beziehung zur Theosophischen Gesellschaft, löste den „Order of the Star in the East“ auf, der hinter seiner Durchsetzung stand und predigte bis zu seinem Tod im Alter von 90 Jahren über ein geistiges Leben. Als Magdalena zurückkam und den Brüdern über die Ereignisse berichtete, glaubten ihr die Meisten nicht. Der Meister sagte den anderen jedoch, dass Magdalena bei ihnen ihretwegen verrückt war, aber dort, in den Niederlanden, sie überhaupt nicht verrückt war. Der Verstand der weißen Brüder kann das noch nicht wahrnehmen, da ihr Teig noch nicht aufgegangen ist. Von diesem Ereignis ist auch eine Legende geblieben, die in der „Weißen Bruderschaft“ verbreitet wird: als Krishnamurti erklärt habe, dass er keine Verkörperung des Messias sei, habe er gesagt, dass der Weltlehrer in Bulgarien sei und Peter Danov heiße. Krishnamurti hat so etwas niemals gesagt, in seinen Predigten bis zu seinem Tod gab es nicht die geringste Andeutung, es steht auch nichts dergleichen in den Kongressprotokollen. Das gehört zur Folklore der „Weißen Bruderschaft“, die der simplen Seelen besonders gut gefällt. Wir wissen nicht, was genau im Brief des Meisters an Krishnamurti stand, aber der Inhalt, der mit der Schlagkraft der Rede Magdalenas haben auf ihn die richtige Wirkung erzielt. Kommen Sie schon hinter die Individualität Magdalenas? Das ist Martha. Die Beziehung, die zwischen Martha und der Tochter des Jairus in der Zeitenwende durch die Vermittlung Christi zustande gekommen war, wurde im 20. Jahrhundert auf einer neuen Stufe wiederbelebt. Wie der Meister sagte, hat diejenige, die für verrückt gehalten wurde, mit ihrem Besen die größte Illusion der Menschheit weggefegt, der sie anheimgefallen wäre. Magdalena erledigte einen welthistorischen Auftrag im 20. Jahrhundert. So wie Martha früher die makrokosmischen Kräfte des Ewig-Weiblichen – die überflüssigen und bereits atavistischen Sybillinischen Kräfte -, entzogen und auf die Tochter des Jairus übertragen wurden, damit durch die Entstehung der mikrokosmischen Kräfte das Weibliche in ihr erscheinen konnte. Dadurch wurde sie später zusammen mit der Jungfrau Sophia zum herausragendsten Vertreter des Ewig-Weiblichen, des Heiligen Geistes. Es ist kein Zufall, dass die zwölf Bodhisattvas die himmlische Leiblichkeit des Heiligen Geistes auf ihrer Hierarchiestufe sind. Der physische Austausch der ätherischen Ankunft Christi durch Jiddu Krishnamurti wurde durch Beinsa Douno mithilfe Magdalena Popovas verhindert. Warum hat der Bodhisattva das verhindert? Steiner hat viel über die ätherische Ankunft Christi gesprochen, aber er sagte, dass es einen anderen okkultren Knotenpunkt der Erde gibt, der dafür zuständig ist und dass dies die Maitreya-Strömung ist. Die ätherische Ankunft Christi auf die Erde wird durch den Maitreya vertreten, das müsste jeder Anthroposoph wissen und deshalb hatte er die Kraft, die drohende Gefahr abzuwenden. Durch Steiner kam die Geisteswissenschat, die die ätherische Ankunft erklären sollte.

Wir kommen zur Beleuchtung der letzten Teilnehmer an diesem Drama. Am 01.11.1888 wurde in Varna in der Vladislav-Varnentschik-Straße, Boris Charalampiev Georgiev geboren, der größte Maler des 20. Jahrhunderts. Nach ihm kamen seine jüngeren Schwestern Katja und Nadja und der jüngere Bruder Philip zur Welt. Boris Georgiev besuchte die Hl.Angelarius-Schule und anschließend lernte er bis zu seinem 14. Jahr am 1. Knabengymnasium. Boris Georgiev erzählte selbst, wie sein Onkel ihm einen Bleistift schenkte und er danach stundenlang auf dem Boden liegend zeichnete. Als er zehn war, kam ihm ein illustriertes Album über die italienische Renaissance in die Hände, von dem er gefesselt war. Boris Georgiev machte seinen Schulabschluss in Odessa, wohin die Familie 1902 auf der Suche nach einem besseren Leben umgezogen war. 190r siedelten sie nach Sankt Petersburg über, wo sein Vater eine Arbeit as Schneider an der Kadettenschule gefunden hatte. Dort begegnete Boris dem russischen Maler Nicholas Roerich. Mit seiner Hilfe wurde der junge Bulgare an der Kunstschule aufgenommen, wo Roerich sein Lehrer war. 1909 beendete Georgiev mit ausgezeichneten Noten auch die königliche Kunstakademie. Boris unterstützte finanziell seine Familie, indem er Porträts in den Restaurants zeichnete.
Auf den Rat Roerichs ging Boris Georgiev nach München, wo er sich an der Akademie der Bildenden Künste einschrieb und von einem der Begründer der Münchner Sezession unterrichtet wurde. In Deutschland erlernte er auch den Beruf des Photographen. 1911 begann seine 50jährige Wanderung in der ganzen Welt. Aus Geldmangel bereiste er ganz Westeuropa zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Boris Georgiev hatte das Karma, vielen der herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts persönlich zu begegnen. Der berühmte bulgarische Bass Boris Christov sagte über ihn, dass er in seiner Persönlichkeit alle Impulse eingefasst hat, die die bulgarische Seele in ihrem Innern birgt. Wenn man am Meer geboren wird, fordert die Weite des Meeres den Menschen heraus – das ist die Herausforderung, die Welt zu verstehen. Nicht zufällig zog auch meine Familie vom Piringebirge nach Varna um, denn hier ist der Horizont ganz anders. Der Vater von Boris Georgiev stammt aus Svischtov und seine Mutter – aus Preslav, aber sie kamen nach Varna, damit bereits mit der Geburt die Impulse zur Natur, Religion und Kunst im passenden äußeren Umfeld auf ihn wirken konnten. Während der Zeit, die Boris Georgiev in München verbrachte, hielt sich dort auch Bojan Boev auf, der wieder inkarnierte Apostel Petrus, der Steiner während seiner Vorträge begegnete. Es sind die genauen Worte bekannt, mit denen Steiner ihn zum Meister geschickt hat. Es gibt keine Information darüber, ob Boris Georgiev Steiner im München begegnet ist, aber seine Aufgabe in diesem Leben war es nicht, im Umfeld eines bestimmten Meisters zu sein. Als Georgiev nach Italien ging, tauchte er dort in die Atmosphäre ein, die sich zu seiner Zeit von der Atmosphäre unterschied, die Goethe vorfand und die seine geistigen Fähigkeiten aktivierte, die zu den ersten Schritten zur Erfassung des Sinnes der Pflanzenmetamorphose führten, was später Steiner als die Metamorphose des Denkens und Wegbereitung zur geistigen Welt durch das Denken entwickelte. Alle Offenbarungen, die ich Ihnen heute mitteile, sind die Frucht gerade des Beutels, über den am Ende des Geheimen Abendmahls Christus den Jüngern sagte, dass sie ihn jetzt mitnehmen sollen auf den Weg. 1914 kehrte Boris Georgiev nach Italien zurück und das Bedürfnis nach Abgeschiedenheit brachte ihn dazu, mithilfe einiger Bauern sich eine kleine Hütte aus Stein und Holz in Monte Lefre in den Trentiner Alpen zu bauen. Seine Lieblingsschwester Katja zog zu ihm. Über sie sagte er, dass sie mit ihrer außergewöhnlichen Spiritualität nicht von dieser Welt war. Dort malte Georgiev einige seiner bekanntesten Bilder – „Die Hütte des Glücks“, „Weltenkummer“, „Ave Natura“. Die Entstehungsgeschichte des Bildes „Weltenkummer“ ist sehr bewegend. Einmal hörten die beiden im Winter ein Kind weinen und als sie aus der Hütte kamen, sahen sie ein tödlich verletztes Reh, das in seinem Todeskampf Tränen vergoss. Dieses Bild wurde auf den Stein des Basreliefs auf dem gemeinsamen Grab der Geschwister in Florenz nachgebildet. Katja starb 1917 im Alter von 19 Jahren an Tuberkulose. Danach wirkte sie wie eine ätherische Aura, die die Bilder ihres Bruders begleitete. 1918 malte Boris Georgiev das Bild „Der Reisende und seine Schwester“, auf dem seine Schwester im Hintergrund als eine ätherische Erscheinung abgebildet wurde.

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„Der Wanderer und seine Schwester“

Damit Christus durch die zwölf Jünger wirken und sie vorbereiten konnte, hat bekanntlich Johannes der Täufer ätherisch an ihnen als eine Gruppenseele gewirkt. Über seine zahlreichen Reisen schrieb Boris Georgiev später: „Es hat sich so zugetragen, dass mein Weg der Weg des reisenden Träumers war, der durch das Leben ohne ein praktisches Ziel geht, von Ort zu Ort, mit seinen Sehnsüchten, Freuden und Schmerzen, von den praktisch veranlagten und „ordentlichen“ Leuten als missratenen Sonderling und Abenteurer verflucht, dessen größter Trost die Kontemplation und der unmittelbare Umgang mit der Natur sowie die intime geistige Freundschaft der Menschen war.“ 1922 kam er nach Bulgarien und traf den Meister Beinsa Douno am Izgreva. Er war dermaßen beeinflusst durch dieses Treffen, dass er zurück in Italien einige Monate in Abgeschiedenheit und meditativer Kontemplation verbrachte, um aus sich heraus das Bild hervorzubringen, das nach seiner eigenen Aussage sein bedeutendstes Werk ist – „Der wandernde Hirte“.

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„Der wandernde Hirte“

Auf dem Bild ist ein junger Mann brustaufwärts abgebildet, der ein weißes Gewand mit einer Kapuze und einen Olivenkranz um den Kopf trägt und von Tieren begleitet wird, die volles Vertrauen zu ihm haben; am Himmel hinter ihm sieht man einen Regenbogen. Der Hirte wurde genau wie die Bogomilen dargestellt, die nur mit einem Beutel und einen Stock reisten. Ein solches spartanisches Leben hat auch Boris Georgiev geführt, obwohl er zweifellos die Möglichkeit hatte, zu den Höhen des äußeren Reichtums zu gelangen. Einer der bekanntesten Kunstkritiker jener Zeit hielt es für ein Privileg, Boris Georgiev zu kennen, den er als den unegoistischsten Menschen bezeichnete, den er kannte. Boris Georgiev fand, dass seine Bilder zu verkaufen das Gleiche sei wie sich selbst zu verkaufen. Jedes Bild von ihm ist der Ausdruck seines Wesens. Um sein, nach seinen eigenen Worten, größtes Werk zu schaffen, sollte er dem Bodhisattva begegnen. Über das Bild sagte Georgiev: „Ich wollte meine Idee eines erhabenen Bildes des Menschen malen, der Friede, Liebe, Harmonie und Barmherzigkeit trägt, so wie sich ihn die Dichter, Denker und die pantheistisch gestimmten Menschen vorstellen. Das ist ein Bild und Symbol der absoluten und ethischen Idee, des Gesetzes der Liebe. Ihre Kraft spüren auch alle sprachlosen Wesen, die dem Mysterium des Todes in die Augen blicken. Das ist der Hirte mit dem Olivenkranz des Friedens. Das ist nicht der Zarathustra Nietzsches, der vom Berg heruntersteigt und eine Geißel in der Hand hält, sondern Zarathustra, dessen Weisheit in seinem stillen Lächeln und den Augen dargestellt ist, die das Himmelsblau widerspiegeln. Der riesige Regenbogen, der alle leidenden Wesen umarmt, ist das Symbol der ewigen Hoffnung.“ 1928 begegnet er Albert Einstein in Berlin, der so verblüfft vom Porträt war, das Boris Georgiev gemalt hatte, dass er sagte: „Ihre Kunst bewegte mich, sich in jene Sphären zu versetzen, wo die Seele abseits der irdischen Nöte und Leiden Ruhe findet. Nachdem ich mich in Kontemplation auf das von Ihnen gemalte Porträt konzentrierte, spüre ich das Bedürfnis, Ihnen vom ganzen Herzen zu danken. Wir, die wir armen Schatten einer vergänglichen Wirklichkeit sind, spüren Heimweh und unrealisierbare Liebe zu einer anderen, unerreichbaren Welt“. Einstein half Boris Georgiev dabei, 1929 eine selbständige Ausstellung in Berlin zu organisieren. 1931 fuhr Boris Georgiev nach Indien und schrieb dem Dichter Theodor Trajanov, dass er einen Zyklus über die Leiden der Menschheit durch den Blick zu den leidenden Indern malen wollte. Indien nannte er „das Land des Weltenkummers“. Dort begegnete er Mahatma Gandhi, Rabindranath Tagore und Jawaharlal Nehru. Mahatma Gandhi ist eine außerordentliche Persönlichkeit, der es gelang, die Perle der britischen Krone durch Nichtgewalt zu entreißen. Er wollte nicht gemalt werden und von ihm gibt es nur zwei Porträts, eines stammt von Boris Georgiev.

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„Mahatma Gandhi“
Be ihrer erneuten Begegnung in den Himalaya, soll sich sogar Roerich vor ihm verbeugt und gesagt haben, dass Boris Georgiev Leonardo und Michelangelo in einem ist. Bei Roerich ist die Kunst luziferisiert, seine Bilder strahlen kaltes luziferisches Licht aus. In den Bildern Boris Georgievs ist die menschliche Seele dargestellt, die zum Geist strebt. In den Porträts hat er alles Böse im Menschen eliminiert und nur das Beste von ihm gezeigt. Seine Bilder sind vom weichen ätherischen Christus-Licht erfüllt. Dagegen leuchten die Bilder Roerichs mit jenem luziferisierten astralischen Licht, die den Apostel Paulis bei seiner Begegnung mit Christus geblendet hat, Der ihm vor Damaskus auf dem Astralplan erschien. Boris Georgiev schuf seine Werke im 20. Jahrhundert und seine Bilder sind der Ausdruck des ätherischen Christus. Der Prototyp des „Wandernden Hirten“ ist der Bodhisattva als der Hauptträger der zweiten Wiederkunft des ätherischen Christus auf Erden, in Dem alle Menschen und Erdengeschöpfe Trost und Zuversicht finden.1951 fuhr Boris Georgiev nach Brasilien, wo er fünf Jahre lang lebte und zahlreiche Ausstellungen machte. Überall, wo Georgiev war, und er hat wirklich sehr viele Länder bereist, war er anerkannt und geliebt. Nur in Bulgarien ist er wenig bekannt und viele haben nicht mal von ihm gehört, obwohl er seine Bilder mit „Boris Georgiev di Varna“ unterzeichnete, damit die ganze Welt weiß, woher er kommt. Er sagte: „Vom Leben in einer Zeit des extremen Materialismus und der Zerstörung der heiligen Werte verbittert, suchte ich Zuflucht im Leben als Wanderer. Ich habe alle Kontinente bereist, um die Kunst und Geschichte der menschlichen Zivilisation kennenzulernen, die Sitten und Bräuche der Völker zu erforschen, die Werke der Natur zu genießen und Freunde zu suchen. Aber in allen Weltenden toben dunkle Mächte und eine Orgie des Bösen und sie drohen, ungekannte Katastrophen heranzubringen. Die Welt hat ihr moralisches Gleichgewicht verloren und wurde von der Selbstmordsucht ergriffen“. Boris Georgiev war nicht in der Lage, in Städten zu malen, und das noch vor ihrer ungeheuerlichen Urbanisierung. Er ist überall gewesen, hat alles aufgesaugt und als eine gigantische Weltensphäre erfasst, er hat alles berührt und alle Strahlen in seine Seele aufgenommen, um sie in den Gesichtern aller Menschen aus allen Kontinenten zum Ausdruck zu bringen. Mit seinen Bildern zeigte Georgiev, was die Menschenseele darstellt – Liebe und Suche nach dem Geist, während die ganze Kunst damals auf den Abgrund zuging. Heutzutage hat die Verwilderung in der Kunst neue Höhen erreicht und so etwas verkauft sich gut auf dem Kunstmarkt. 2002 habe ich in der Vorlesung „Der wahre Christus“ meine Einschätzung des Werkes Picassos zum Ausdruck gebracht als eine Erscheinung des Verfalls der Menschheit und des Abbruchs der Beziehung zu den guten Göttern. Hören Sie nun, was Boris Georgiev über Picasso gesagt hat: „Zu meinem großen Bedauern bin ich sehr bedrückt, dass ich in einer Zeit furchtbarer Degeneration der Kunst lebe, die „modern“ genannt wird und ein Verbrechen gegen eine der edelsten Erscheinungen der menschlichen Kultur, gegen die wahre Kunst ist. Unglaubliche Schrecken und Degenerationen mancher Picassos werden vom dummen Publikum mehr geschätzt, während das Leben der wahren Künstler eine Tragödie ist. Auf diese Art wird die Kunst zerstört werden.“

Wer war diese Persönlichkeit, die so verbittert die Welt verlassen hat? Das war die Jungfrau Sophia. Boris Georgiev ist die reinkarnierte Jungfrau Sophia und seine Schwester Katja, die ihn mit ihrer außerordentlichen Spiritualität ätherisch begleitet hat, war der größte Leidende unter den Menschen, Johannes Evangelist, der später Christian Rosenkreutz wurde. Das ist das Paar im Wandel der Jahrhunderte – Salomo und Hiram Abiff, die Jungfrau Sophia und Johannes-Lazarus, die beiden Syrer am Anfang des Bogomilentums und Boris Georgiev und seine Schwester Katja im 20. Jahrhundert. Die tiefen okkulten Ursachen für den frühen Tod Katjas sind mir nicht bekannt, sie sollte jedoch ihren Bruder gerade als eine Ätheraura begleiten, damit er die größte bildende Kunst des 20. Jahrhundert kreieren konnte. Die Jungfrau Sophia wurde in Varna geboren, hat die Welt bereist und aus allen Impulsen geschöpft, da sie nicht der Strömung eines Meisters angehören sollte. Das ist die Mutterweltenseele, die im 20. Jahrhundert in der Person von Boris Georgiev manifestiert wurde. Bedenken Sie, dass große Individualitäten wie der Meister Jesus (Zarathustra) höchstens zwölf Jahre nach der letzten Inkarnation wieder erscheint. In dieser Zeit war er laut Steiner in den Karpaten. Am 27.12.1911 antwortete er positiv auf die Frage, ob Christian Rosenkreutz damals inkarniert war; Katja starb 1917. Natürlich gab Steiner keine Details, um Bulgarien in keiner Weise zu erwähnen und nicht auf den Bodhisattva Beinsa Douno hinzuweisen, der die Hauptrolle neben Christus 1936 beim Aussenden des mächtigen Impulses spielte, als die neuen Kräfte in der Menschenseele zum Entgegentreten dem Bösen erschienen. Wahrscheinlich hat sich Christian Rosenkreutz kurz danach wieder inkarniert, da er im kurzen Leben als Katja kein Karma aufhäufen konnte, was den schnellen Durchgang durch die Astralwelten ermöglicht. Hoffen wir, dass die geistige Welt uns offenbaren wird, wer er heute ist, wenn wir dazu bereit sind.

Warum inkarnierte die Jungfrau Sophia im 20. Jahrhundert als Maler? Steiner sagte über Manes, dass wenn er einen passenden Leib findet, im 20. Jahrhundert inkarnieren und einen starken Impuls in der Musik und Religion geben wird. Auf mich persönlich wirken beide am stärksten, da jeder von uns eine andere seelische Nuancierung hat. Als ich aber Boris Georgievs Bilder sah, war ich wahrhaftig erschüttert. Ich werde Ihnen eine interessante Begebenheit aus diesem Anlass erzählen. 1951 adoptierte Boris Georgiev Virginia Giacometti, die damals 14 war. 1999 kam diese Frau mit ihrem Mann nach Varna, damals hat Christo Madscharov gute Arbeit bei ihrem Empfang geleistet. Es gab einen Streit im Gemeinderat, wie die Galerie heißen sollte, aber offenbar weiß Gott, was Er tut, denn Varnas Stadtfest ist am 15.08., dem Tag Mariä Himmelfahrt, nach wem soll die Galerie sonst benannt werden, wenn nicht nach ihr in ihrer Inkarnation als Boris Georgiev. Am Tag vor der Eröffnung des Basreliefs Boris Georgievs am Eingang der Galerie und vor der offiziellen Eröffnung gab es eine Vernissage des Malers Nikola Manev, der sowohl in Bulgarien, als auch im Ausland sehr bekannt ist. Es waren viele anwesend, die als Intellektuelle zählen. Den Stil, mit dem Nikola Manev populär wurde, nenne ich „Blätterteiggebäck“. Bei der Eröffnung seiner Ausstellung sprach der Zuständige für Kultur in der Gemeinde eine ganze Stunde, wie wunderbar Manevs Bilder seien. Manev, der einen Sinn für Humor hat, fragte am Ende der Rede mit einem ironischen Unterton, ob seine Werke wirklich so gut wären, denn die Rede strotzte vor den Klischees, die die Kritiker bei jeder Vernissage von sich geben. Anschließend beobachtete ich interessiert die Reaktionen der Besucher auf die Bilder und wie sie sich bemühten, einen Sinn in diesen zu entdecken. Am nächsten Tag hielt der stellvertretende Bürgermeister eine kurze Rede bei der Eröffnung der Galerie unter dem neuen Namen und die Menschen wurden hereingelassen, um die 13 Bilder zu sehen, die Boris Georgievs Tochter geschenkt hatte. Damals habe ich zum ersten Mal Bilder von Georgiev gesehen und sie lassen wirklich den Atem stocken. Es scheint, als sei die Liebe, die im abgebildeten Menschen drin ist, nach draußen geholt und ausgestellt. Man sieht eine Seele, die sich nach oben erhebt, so wie die Jungfrau Sophia das Urbild der Seele war, die nach dem Geist sucht und ihn bei der Chymischen Hochzeit auf Golgatha fand, die von Christus vollzogen wurde. Auf einmal kam Nikola Manev munteren Schrittes in den Saal mit Boris Georgievs Bildern. Er blieb vor einem Bild stehen, das seine Aufmerksamkeit zuerst fesselte, betrachtete es eine Zeitlang mit dem Blick eines Kalbs, welches zufällig in die Eisenbahn geraten ist, drehte sich um und ging aus dem Saal. Manev, sei gesund und munter, aber zwischen jener Kunst und deiner „Kunst“ gibt es keinen Vergleich. Das eine ist Kunst, das andere – nicht.
Warum sollte die Jungfrau Sophia im 20. Jahrhundert die Vertreterin des Wahrhaftigen werden? Wir wissen, dass wir in den alten Zeiten ein bildhaftes Bewusstsein hatten, was das Ergebnis der leiblichen Wahrnehmung unseres Umfeldes war. Unser Hellsehen ging durch unsere Leiber und nicht durch das Ich. Unsere Gedanken kamen von den Elohim über die Naturphänomene, vom vierten Jahrhundert v.Chr. an wurde diese Aufgabe durch die Archai übernommen. Wir gingen nach und nach zum abstrakten, schattenähnlichen Denken über, das heute die ganze Menschheit beherrscht. Von unserer Zeit an, der Zeit Beinsa Dounos und Steiners, begann der große Übergang vom abstrakten Denken, das sich nur mit der materiellen Welt beschäftigt und nur mit der physischen Materie der drei Reiche und des Menschen arbeitet, zurück zum bildhaften, imaginativen Denken. Steiner hat als Erster diesen Weg abgesteckt und letztes Jahr haben wir lange darüber gesprochen, wie wir heute das machen können. Um diesen Übergang zu unterstützen und das tote Denken zu beleben, das wir alle mit Ausnahme einzelner aufleuchtender Menschen haben, sollte die Wirklichkeit der geistigen Welt aufgezeigt werden. Als ein Vertreter der bildenden Kunst inkarniert, zeigte uns die Jungfrau Sophia in ihren Bildern die Wirklichkeit des geistig-seelischen Wesens des Menschen, denn heutzutage nehmen die Menschen sich selbst vor allem als Leiber wahr. Die Beziehungen zwischen den Menschen schränken sich auf Beziehungen von Leib zu Leib ein und die Bruderschaft in den Leibern müsste der abschließende Impuls der Schutzengel zu unseren Astralleibern sein. Vorher müssen wir einen Übergang zum geistigen Denken machen, danach zur Bruderschaft auf dem geistigen Plan kommen und erst zum Schluss – zur Bruderschaft in den Leibern, was eine sehr entfernte Aussicht ist. Um uns auf diesen Weg zu begeben, muss zuerst unser Denken belebt werden. Darauf ist die Kunst der Jungfrau Sophia gerichtet. Unsere Gedanken, die um das Materielle kreisen, sind tot, lebensunfähig. Aber wenn der Krieg aller gegen alle kommt und der Mond in der siebten Kulturepoche der fünften Wurzelrasse zurückkommt und sich mit der Erde wieder vereinigt, wird auch alles Mondische zurückkehren, das aus der Erde herausgenommen worden war, um die Geschlechterteilung, unser Herunterstieg in die Materie und die ganze Evolution zu ermöglichen. Das Mondische wird in einer solchen Art die von uns während der Jahrhunderte ausgespeiten materialistischen Gedanken aktivieren, dass sie aufleben werden. Diese Gedanken sind tot, da sie materiellen Charakter haben, aber wenn der Mond zurückkehrt, werden sie lebendig werden und, so Steiner, die Gestalt materiell-pflanzlicher Spinnen haben. Der ganze Dreck, den wir heute als materialistische Gedanken erzeugen, wird dann als Lebewesen verlebendigt werden. Wir wissen, dass die wahre Wirklichkeit nur aus geistigen Wesen besteht. Das, was heute als etwas aussieht, was nicht existiert, wird dann mit seinem wahren Wesen in Erscheinung treten. Alles, was das Ergebnis unserer falschen Selbstwahrnehmung ist, und die damit zusammenhängenden Entartungen, werden eines Tages über uns herabstürzen. Diese Spinnen materiell-pflanzlicher Natur werden sehr weise und unheimlich böse sein. Sie werden die Umgebung der Menschen darstellen. Der einzige Ausweg aus dieser Möglichkeit ist die Transformation des Denkens und der Übergang zum lebendigen Denken. Die Inkarnationen verschiedener Individualitäten, die wir hier öffentlich bekannt geben, sind die Frucht dieses lebendigen Denkens, das das Einzige ist, was die Götter erreichen kann, damit sie mit dem Menschen zusammenarbeiten, der es ausgestrahlt hat. Die weitere tiefergehende Beleuchtung der Geheimnisse des Golgatha-Mysteriums, die Geheimnisse des Lebens Jesu und die drei Jahre Christi auf Erden wird weitergehen, den aus diesen Geheimnissen werden sich die Individualitäten zeigen, die die Menschengeschichte antreiben. Wir werden dann die Vorsehung Gottes verstehen und wissen, was zu tun ist.
Ohne die Vertiefung in die Golgatha-Geheimnisse, was unsere zukünftige Aufgabe sein wird, werden wir nicht wissen, was wir tun sollen und nicht die Kraft haben, dem Bevorstehenden entgegenzutreten. Mit seinem Werk aktivierte Boris Georgiev den Übergang vom toten Denken zum bildhaften und gleichzeitig ichhaften Denken, denn in der Bewusstseinsseele leuchtet das Ich auf, das niedere Ich tritt zurück und es geschieht eine Verbindung und Individualisierung des höheren Ich in uns. Wegen dieser Aufgabe kam die Jungfrau Sophia als Maler im 20. Jahrhundert. Deshalb sprach Boris Georgiev am Ende seines Lebens mit solcher Trauer, dass die Kunst bereits vernichtet wird. Bekanntlich gehören die Kunst, Wissenschaft und Religion zur Sphäre des geistigen Lebens, das staatlich-rechtliche Leben besteht aus der Legislative, Judikative, Exekutive und das Wirtschaftsleben schließt die Produktion, den Warenaustausch und den Warenkonsum ein. Das Fundament des Hauses ist das geistige Leben. Die Naturwissenschaften müssen sich dahingehend entwickeln, dass sie die Phänomene des Pflanzen-, Tier- und Menschenreiches als lebendige Formen wahrnehmen können, die aus der geistigen Welt herausgezogen worden sind. Nun behandeln sie nur das, was tot ist. Die Naturwissenschaften müssen vom Abstrakten zur lebendigen Bildhaftigkeit übergehen. Und nicht nur sie, sondern alle Wissenschaftszweige, alle Kunstrichtungen und alle religiösen Doktrinen müssen vom Abstrakten zur lebendigen Bildhaftigkeit übergehen. Die Jungfrau Sophia kam, um den Antrieb dazu zu geben. Was passiert heute nach dem Opfer dieser Individualitäten, die wir heute besprochen haben – Maria-Magdalena als Mutter Teresa, Martha als Magdalena Popova, die Jungfrau Sophia als Boris Georgiev und Johannes Evangelist als Katja? Sie geben die Antwort auf viele Fragen, die uns auf den Übergang nach oben vorbereiten. Die Illusionen werden durch die auf den ersten Blick wilde Magdalena Popova beseitigt, Mutter Teresa drückt die absolute Barmherzigkeit aus, die dem Astralleib des heutigen individualisierten und in seiner Bewusstseinsseele vertrockneten Menschen so fremd ist, das Streben der Seele zum Geist wird im Werk Boris Georgievs zum Ausdruck gebracht und die absolute Wirklichkeit der geistigen Welt wird durch Christian Rosenkreutz in Katjas Gestalt symbolisiert, die sich als ätherische Aura von oben erstreckt. Heutzutage zittern alle vor Schrecken im Angesicht der eskalierenden Konflikte und anwachsender Migrantenströme. Was passiert eigentlich? In der September-Vorlesung sind wir auf die karmischen Strömungen eingegangen, in der nächsten Vorlesung über die Erwecker und Apostel setzten wir die Erörterung in Hinblick auf das männliche Prinzip und heute haben wir das weibliche Prinzip hervorgehoben. Wir alle wissen, dass es drei Stufen des Karmas gibt, die mit der Dreifachheit des Gottes verbunden sind. Wie treten diese Stufen in Erscheinung? Die erste Stufe, das tiefste Niveau, ist das Karma vom Vatergott. Die gegenwärtigen Handlungen der sog. Großmächte basieren auf dem alttestamentlichen Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. In Deutschland reift die Unzufriedenheit und wenn eine solche Unzufriedenheit zu ihrer äußeren Manifestation kommt, folgt gewöhnlich ein Weltkrieg. In der Türkei ist von den Ideen Atatürks nichts übriggeblieben und es ist eine deutliche Konfrontation des weltlich orientierten Teils des Landes und der Wirtschaft gegen die schleichende Diktatur Erdogans festzustellen, die durch die Riesenarmee nicht nur für die angrenzenden Staaten eine Bedrohung darstellt. Europa besitzt praktisch keine Armee und wenn dieser unausgeglichene Diktator es wünscht, könnte er das Osmanische Reich innerhalb von 24 Stunden wiederherstellen. Das große Karmarad dreht sich. Seit 100 Jahren geht die Karmainstanz etappenweise unter die Leitung des Christus über. Ich werde Ihnen etwas sagen, was die Frucht einer Offenbarung ist – der Vatergott hat Christus die Rechte delegiert, auch mit dem Karma vom Vater zu arbeiten, die die eiserne Notwendigkeit darstellt. Fehlt die Ausrichtung des menschlichen Bewusstseins auf Christus, stellt man sich gegen diese Instanz, die die Karma vom Vater und die eiserne Notwendigkeit darstellt, denn Christus wirkt bereits nicht nur im Karma vom Sohn, sondern auch im Karma vom Vater. Ich werde die beiden Karmatypen erläutern. Zwei Menschen begegnen einander und das ist das Karma vom Vater, sie werden von der Vergangenheit zusammengeführt. Bei dieser Begegnung verkünde ich etwa meinem Gegenüber den Heiligen Impuls, darauf dreht er sich um und erklärt, dass ihn das nicht interessiert. Dann kann das Karma vom Sohn als die Frucht seiner freien Handlung das von mir Verkündete kennenzulernen, nicht verwirklicht werden, und er kann nicht zum Geist und zu den Fragen kommen, die wir besprochen haben. Ich habe mehrmals erklärt, dass jeder, der sich dem entgegenstellt, wessen Träger ich bin, unter seine weitere Entwicklung einen Schlussstrich zieht – ich meine damit nicht äußere Posten, denn er stellt sich der Zukunft, dem Christus und dem Heiligen Geist entgegen, welcher das Karma aus der Zukunft trägt. Laut Beinsa Douno bedenken die Götter, um die Form für einen Menschen vorzubereiten, 50 vergangene und 50 zukünftige Inkarnationen. Vielleicht werden wir noch die Möglichkeit erhalten, bis zur Tätigkeit der großen Karmawesenheiten vorzudringen, die gigantische Kräfte verbrauchen, um das Bild und die Form eines Menschen in seiner konkreten Inkarnation zu gestalten. Stellen Sie sich nun die Stumpfsinnigkeit des modernen Menschen vor, der keine Ahnung hat, dass die Vergangenheit ihn mit einem anderen Menschen zusammenführt, damit sie eine gemeinsame Sprache in Christo finden und überhaupt eine Zukunft haben. Stattdessen wird die Arbeit einer Menge gigantischer Wesen vernichtet, und zwar wegen persönlicher Sympathien und Antipathien, die das Produkt äußerer Umstände sind. Wenn die Menschen Verständnis zeigen und richtig handeln, dann kann Sich Christus einmischen und das Karma vom Sohn aktivieren. Ich werde etwas über das Karma vom Sohn unter dem Gesichtspunkt der Gegenwart sagen. Nach dem Attentat von Paris überstürzten sich die Medien in der Wiederholung, dass dies ein Schlag in das Herz Europas sei. Das Herz Europas ist weder Paris noch Brüssel, das Zentrum Europas ist Deutschland.
In Frankreich wird die Beziehung des französischen Volkes zum Erzengel des französischen Volkes durch die Verstandesseele erlebt. In Deutschland muss diese Beziehung durch das Ich erlebt werden, aber die Deutschen haben Probleme mit ihrer Bewusstseinsseele. In der angloamerikanischen Welt haben die Menschen von der Geburt auf das Potenzial zur Entwicklung der Bewusstseinsseele, aber dort wird diese überall ahrimanisiert. Der Deutsche besitzt nicht diese natürliche Gegebenheit und er muss Anstrengungen unternehmen, um zur Bewusstseinsseele heranzureifen, damit sein Ich in der richtigen Art arbeitet und den Weg zum Christus findet. Deshalb werde ich etwas erläutern, was ich in der letzten Vorlesung versäumt habe. Als nach dem Ende der Anthroposophischen Konferenz 2014 wir uns zu zehnt in einem Restaurant in Varna versammelten, wurde aus der geistigen Welt geoffenbart, dass der Erzengel des deutschen Volkes eine Beziehung zum Erzengel des russischen Volkes durch die Vermittlung des bulgarischen Erzengels herstellen wird. Natürlich stehen die Erzengel in Beziehung zueinander und wissen, was zu tun ist, denn sie arbeiten für Christus. Die rechtmäßig entwickelten geistigen Wesenheiten arbeiten für Christus, aber ein zurückgebliebener Urengel, der das amerikanische Volk führt, arbeitet gegen Christus und die Menschheit. Ich vermute, dass auch die Türkei einen zurückgebliebenen Urengel als Führer hat. Die Zukunft gehört dem Erzengel des russischen Volkes, aber in der Zukunft. Nun kann er keine Beziehung zu diesem Volk herstellen, da die Russen in ihrer seelischen Entwicklung noch nicht so weit sind. Und die Deutschen müssen zu ihrem Erzengel durch ihr Ich und bei klarem Tagesbewusstsein in Beziehung treten.
Deshalb ist das deutsche Volk heute das wichtigste Volk der Erde, mit Ausnahme des bulgarische Volkes, das immer schon sehr wichtig als verantwortlich für die Ich-Entwicklung der Menschheit gewesen ist. Aber das deutsche Volk hat keine Vorstellung davon und bekommt aus keiner Richtung die Antwort, was es tun soll, nachdem ganz Deutschland wörtlich vollgestopft mit Migranten und Flüchtlingen wurde. Damit die Erzengel oben die Beziehung zueinander herstellen können und Früchte tragend und zeitgemäß für Christus wirken können, muss das durch Menschen auf der Erde zustande kommen. Deshalb fand die Konferenz in Varna statt, auf der ich sagte, dass die Anthroposophische Gesellschaft bedroht ist, wenn sie nicht zu Beinsa Douno heranwachsen und nicht die Synthese beider Impulse verwirklichen kann. Es müssen sich Deutsche finden, die Bulgarien auf dem geistigen Plan entdecken. Bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sagte Stojna Prepodobna, dass die Bulgaren der Menschheit drei große Gaben geschenkt haben: 1. die Art und Weise, wie man einen Staat aufbaut und die Staatlichkeit, 2. die Art und Weise, wie man eine Bruderschaft aufbaut durch die Bogomilen und 3. werden in der nächsten Zukunft die Bulgaren den Geist der Menschheit geben. Das wird dann geschehen, wenn Bulgarien entvölkert sein wird, was bereits eingetreten ist, wonach die Söhne und Enkel derjenigen zurückkommen werden, die das Land verlassen haben. Das ist eine bemerkenswerte Prophezeiung! Vom 20. Jahrhundert an begann der Übergang zum zukünftigen großen Christentum des Heiligen Geistes. Die Synthese der Impulse Rudolf Steiners und Beinsa Dounos ist der Heilige Impuls, der den Weg der Menschheit vorwärts bahnt. Das ist die Gabe, die aus Bulgarien geschenkt wird. Natürlich ist diese Gabe unbekannt, klein und unverstanden, da sie am mächtigsten ist. Um das zu verstehen, muss man Eigenschaften besitzen, die aus den beiden Impulsen gewonnen werden. Die Impulse kommen zwar immer von Christus, aber sie sind sehr verschieden, da die eine Strömung über den Erzengel Michael geht und die andere – über den Bodhisattva Beinsa Douno. Beide sind sehr unterschiedlich und ihre Zusammenführung in das Ich können nur Individualitäten vornehmen, die in der Zeitenwende eine Beziehung zu Christus gehabt haben. Diese Individualitäten machen die dritte große Strömung der christlichen Strömungen in der Menschengeschichte aus.
Wir haben darüber gesprochen, wie das Karma vom Sohn wirkt. Das Karma vom Vater wirkt unvermeidlich, es ruft Kriege, Anschläge und allerlei Konflikte hervor. Es wirkt durch eine Menge ausführender Personen. Die Russen fingen an, den Islamischen Staat zu bombardieren und sie können uns auf dem äußeren Plan von den Islamisten erlösen, aber das russische Volk lädt durch diese Bombardements Karma auf sich. Je mehr sie sich erweitern und das durch militärische Mittel erreichen, desto mehr Karma laden sie auf sich und das tritt in einen großen Widerspruch zur unbesiegbaren Gralsstimmung, die in der Empfindungsseele des russischen Volkes lebt und auf der die Zukunft des russischen Anfangs für die sechste nachatlantische Epoche basiert. Dieser Widerspruch wird zur Erfüllung der Prophezeiung Stojnas führen und Russland wird wieder Bulgarien suchen müssen, genauer gesagt Varna, aber nicht als Urlaubsort, sondern um den Heiligen Impuls zu entdecken. Wie reagieren die europäischen Völker auf den Migrantenstrom? Die Mehrheit empfängt sie mit offenen Armen, weil Christus gesagt hat, dass wir unseren Nächsten wie uns selbst lieben sollen.
Europa ist eine Vereinigung christlicher Staaten, egal wie liberal, multikulturell und ahrimanisiert diese sind. Die Europäer werden nicht gegen diese Invasion kämpfen. Aber das ist ein naives Christentum. Die zweite Stufe des Karmas manifestiert sich nämlich in dieser Naivität der europäischen Völker in der Zeit der Bewusstseinsseele. Die Frage ist, wie man reagieren soll? Mit Gewalt geht es nicht, da die Gewalt neue Gewalt hervorruft. Mit seiner Naivität gräbt Europa selbst ihr Grab. Wo ist der Ausweg? Nur Menschen, die die ersten Schritte zum großen Christentum des Heiligen Geistes machen können, können das Bewusstsein und die Kraft hervorbringen, Schritte zur Problemlösung zu tun. Das Karma vom Vater wird weiter wirken, weil ein Riesenkarma des Materialismus aufgehäuft wurde. Wenn man an den Impulsen Steiners und Beinsa Dounos vorbeigegangen ist, wird auch das Karma vom Sohn wirken, aber das Karma vom Heiligen Geist drängt. Wir müssen einen Übergang zum imaginativen Denken machen. Der mächtigste und sakrale Akt des Menschen ist das Gebet. Deshalb begann ich die Vorlesung mit diesem Gebet. Wenn eine ausreichende Anzahl von Menschen das Verständnis dafür aufbringen, wie die Dreifachheit in der Zeit zur Geltung kommt, lassen sich die Ereignisse wirklich ändern. Deshalb haben wir in einer Gruppe kollektive Gebete zu bestimmten Zeiten mit einer bestimmten Ausrichtung durchgeführt. Die europäischen Führer wurden an ihre Plätze eingesetzt und sie besitzen große Macht. Wenn von unten ein Appell an die geistige Welt zur Hilfe ausgestrahlt wird, der mit der vollen Gewahrwerdung der außerordentlichen Bedeutung der Zeit gesättigt ist, in der der Übergang zum Homo magneticus und dem Christentum des Heiligen Geistes geschehen soll, dann können die Götter über die Schutzengel diese politischen Führer beeinflussen. Wie das konkret geschehen wird, ist unbedeutend, denn das Arsenal der geistigen Welt ist endlos. Dann werden sich in die Botschaften der europäischen Führer Nuancen über den Sinn und das Wesen Europas als eine christliche Vereinigung einschleichen, darüber, dass alles, was Europa darstellt, die Frucht des Christentums ist. Aus der jahrzehntelangen Erfahrung ist ersichtlich, dass die Integration der Zuwanderer eine Mission impossible ist. Die Führer müssen zur Idee heranreifen, dass es einen Ausweg gibt und dieser Ausweg Christus ist. Es gibt keinen anderen Ausweg. Darin besteht unsere Aufgabe. Mit den Vorlesungen, die ich halte, versuche ich, Ihnen die Aufgabe aufzuerlegen, mit dem Bewusstsein und der Kraft, zu denen Sie fähig sind, solche Appelle an die geistige Welt zu richten. Maria-Magdalena hat den wahren Frieden in ihrer Seele erreicht, als sie opferbereit wurde. Unsere geistigen Augen werden sich in einer verschiedenen, zeitgemäßen Art durch die Synthese der beiden Impulse öffnen. Von Steiner wird das Verständnis kommen und von Beinsa Douno – die starke Sittlichkeit und die Opferbereitschaft. Dann können wir uns als Wesen, die vom Homo sapiens einen Schritt zu ihrem Geistselbst gemacht haben, an unsere Schutzengel wenden, die ein entwickeltes Geistselbst besitzen und eine Verbindung zu ihnen herstellen. Der Erlöser hat gesagt, „klopft und es wird euch aufgetan“. In diesem Fall werden wir unbedingt eine Antwort erhalten. Die Vorlesungen, die ich hier halte, sind die Frucht der Fragen, die wir ständig stellen. Wir stellen Fragen und die Offenbarungen kommen, die, wie Sie sehen, von Sittlichkeit, Liebe und Kraft erfüllt sind. Ich habe ein besonderes Gespür, das mir erlaubt zu merken, wenn jemand einen inneren Widerstand gegen das hegt, was ich vortrage. Heute habe ich die ganze Zeit in keinem von Ihnen Resignation gespürt. Meine Erwartung und mein Wunsch waren es, dass diese Vorlesung den Akzent auf die Liebe setzt und heute ist auch das weibliche Prinzip durch eine erweiterte Frauenteilnahme verstärkt.
Liebe Brüder und Schwestern, lassen Sie uns jede Möglichkeit nutzen, um verständnisvolle Aufrufe an die geistige Welt auszusenden. Lassen Sie unsere Gebete mit solcher Weisheit erfüllen, die in unserem Ich neu geboren wird und nach oben als eine Synthese aus Liebe und Weisheit aufsteigt! Dann wird die Wahrheit geboren. Wir wollen mit den bedeutenden Worten Christi an die Samariterin abschließen, die Er zu ihr gesagt hat, bevor Er ihr eröffnete, dass Er der Messias ist: „Gott ist Geist und die ihn anbeten, sollen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“. Der Geist ist das Ich und der Geist der Wahrheit ist der Heilige Geist von Pfingsten. Wenn der Heilige Geist durch das Ich wirkt, hat man einen vollen Beutel aus Gaben des Geistes. Aber bis zu diesem Augenblick muss man wie die Jungfrau Sophia wachsen, seinen Astralleib reinigen, seinen Weg zu „nicht ich, sondern Christus in mir“ zurücklegen, der dazu führt, dass man sich dem Geistselbst öffnet und der Heilige Geist zu wirken beginnt. Das ist die Anbetung des Gottes, Der Geist ist, im Geiste und in der Wahrheit. Keine andere Art, Gott anzubeten, bringt was, der Rest ist Atavismus. Das sind die wahrlich größten Worte im Neuen Testament, denn in ihnen ist die ganze Zukunft der Menschheit enthalten. Diese Worte wurden zu der Samariterin gesagt. Wer wird sie wohl im 20. Jahrhundert sein?

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