Das Zeichen

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 08.10.2006 in Varna

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„Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein göttliches Wesen war das Wort. Dieses war im Urbeginne bei Gott. Durch es sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenen ist anders als durch das Wort geworden.“ (1-3) .“Zu den Ich-Menschen kam es, aber die Ich-Menschen nahmen es nicht auf…Allen aber, die es aufnahmen, gab es die freie Kraft, Gottes Kinder zu werden…Sie empfangen ihr Leben nicht aus dem Blute auch nicht aus dem Willen des Fleisches und nicht aus menschlichem Willen; denn sie sind aus Gott geboren. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Und wir haben seine Offenbarung geschaut, die Offenbarung des eingeborenen Sohnes des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit. (12-14) Den göttlichen Weltengrund hat nie ein Mensch mit Augen geschaut. Der eingeborene Sohn, der im Schoß des Weltenvaters war, er ist der Führer zu diesem Schauen geworden.“ (18)

                                                       „Offenbarung des Johannes“, übersetzt von Emil Bock

 

In diesen mächtigen Worten, mit denen der Apostel Johannes das größte Buch der Menschengeschichte beginnt, stecken das wahre Zentrum der menschlichen Existenz und der Schlüssel zur Beantwortung all unserer Fragen an Gott. Viel später hat Beinsa Douno gesagt: „In Christus leben die Sünder und die Gerechten. Es gibt keine Menschenseele, die nicht in Christus lebt. Die Menschen sind unzufrieden, da sie Christus außerhalb des Gottes stellen und sich selbst – außerhalb Christi. So verurteilt ihr euch selbst zum Leiden…[1] Die Rettung des Menschen liegt im Wort Gottes. Dieses dient dem Leib als Heilmittel und der Seele als Nahrung. Das Wort muss so stark in den Menschen eindringen, dass er kein äußeres Brot mehr braucht.[2]Christus sagt: „Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit“. (Joh.6:51)

An anderer Stelle sagte der Meister: „Ich rede nicht über das, was Christus predigte. Heute rede ich über Dinge, die niemand besprochen hat. Wer nach mir kommt, wird auch über Neues reden. Überhaupt redet jeder, der von Gott kommt, über etwas Neues. Bis heute hängen die Menschen am Alten, sie sind nicht frei. Ihr sprecht über den alten Christus und den neuen Christus. Es gibt keinen alten und keinen neuen Christus – es gibt den einen Christus. Es gibt den einen Gott in seinen Manifestationen. Gott hat sich in der Vergangenheit manifestiert, Er manifestiert sich jetzt und wird es auch in der Zukunft tun.[3] Es gibt nichts Gefährlicheres für den Menschen, als immer in derselben Art über die Dinge nachzudenken und nie seine Gedanken zu ändern. Einem solchen Menschen fehlt die Bewegung seines Gedankens, weshalb er einer Katastrophe geweiht ist. Nutzt die Bedingungen, die euch in der physischen Welt gegeben sind, die euch in der geistigen und göttlichen Welt gegeben sind! Es soll ein Gesetz sein, jeden Tag das in eure Seele Hineingelegte zu manifestieren. Die neue Lehre verlangt von euch, dass ihr den Willen Gottes erfüllt“.[4]

Hier entsteht die Frage, wie wir den göttlichen Willen wiedererkennen können. In der Praxis erweist sich, dass die Antwort gleichzeitig leicht und außerordentlich schwierig ist. Die Antwort ist leicht für diejenigen, die die Worte Beinsa Dounos vom 12.03.1922 verstehen können: „Christus ist gekommen, Er klopft an alle Herzen: „Liebe!“[5]. Für die anderen, die dieses Klopfen nicht spüren, ist die Antwort schwierig, da sie nicht dazu herangewachsen sind, wie der Meister entschieden zu erklären: „Nur die Lehre Christi ist in der Lage, die menschliche Natur von Grund auf zu verändern. Wer Christus nicht annimmt, der wird sein Leben nicht gerade rücken.“

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Vor ein paar Jahren teilte Glenn Hughes, der Bassgitarrist der legendären Rockgruppe Deep Purple bei einem Konzert in Bulgarien kurz etwas aus seiner Lebenserfahrung mit: „Die Liebe ist die Antwort“. Viel früher als Hughes sagte Beinsa Douno das Gleiche: „Die Welt kann nicht durch Gewalt gerade gerückt werden. Die Liebe löst alle Fragen. Denkt daran: Alle bisherigen Systeme werden zusammenbrechen. Es wird keine einzige der bisherigen Kirchen bestehen bleiben, alle Rituale werden zusammenbrechen. Sie haben bereits ihre Aufgabe erfüllt. Es wird etwas Neues entstehen!“[7] Dieses Neue, das in die Welt einherzieht, ist die Liebe Gottes, die mit Christus in der Zeitenwende kam. Deshalb war der Meister so sicher, als er sagte: „Das neue Verständnis erfordert: Ernährt euch von der Liebe! Sie ist die einzige gesunde Nahrung, die ihr genießen könnt. Die restlichen Tugenden sind Variationen der Liebe, also der abgewandelte Speiseplan der Liebe. Ernährt euch von der Liebe, vom lebendigen Wort Christi! Es wird in euch das Notwendige, was ihr braucht, hineintragen. Das ist die neue Nahrung! Solange wir uns von der Liebe ernähren, leben wir. Wenn wir damit aufhören, sterben wir. Nur so werdet ihr die Prüfungen des Gerechten Hiob durchleben und von neuem auferstehen. Dann werdet ihr den Weg des auferstandenen Christus zurücklegen.“[8]
Warum benutzte der Meister den Vergleich mit Hiob aus dem Alten Testament? Er erklärt das selbst: „Hiob war gerecht, aber er war kein Mann der Liebe. Er ertrug die äußeren Verluste mit den Worten „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen“. Aber es kam die letzte Prüfung, die seinen Leib betraf. Solange die Prüfungen das Äußere betrafen, ertrug er alles leicht, aber als die innere Prüfung kam, verfluchte er den Tag, an dem er geboren wurde“.[9]
Warum war Hiob kein Mann der Liebe? Das beantwortet Beinsa Douno folgendermaßen: „Die Liebe ist etwas Grandioses, aber es gibt noch Größeres als sie – der Geist Gottes. Die Liebe ist die Frucht des Geistes“[10]. Dieser Geist kam an Pfingsten vor 2000 Jahren und mit ihm können wir mit Christus eins werden, mit dem Vater eins werden, indem wir zu Liebe werden. Allerdings ist der Meister überzeugt, wenn er sagt: „Denkt ihr, dass der Geist in die schmutzige Wohnung des Menschen eintreten würde? Er ekelt sich vor dem menschlichen Gestank. Wenn allerdings Gott beschließt, seinen Geist in jemanden hineinzuschicken, unterzieht Er ihn vorher fünf bis sechs Jahre lang einer Reinigung[11], damit eines Tages die wegweisenden Worte „Wir brauchen eine Geistestaufe, wir brauchen den Kelch der Liebe“ [12]für uns zur Wirklichkeit werden“.

Das ist eigentlich der Weg der gegenwärtigen esoterischen christlichen Einweihung, die zur persönlichen Begegnung mit Christus führt. Beinsa Douno versprach uns mit bewegenden Worten: „Wenn Christus nur einmal euch anlächelt, werden ihr sein Lächeln niemals vergessen. Alles andere werdet ihr vergessen, dieses Lächeln – nie! Das ist das Lächeln der Liebe…[13] Die Schönheit der Seele erblicken, bedeutet Christus zu erblicken. Er ist in jedem Menschen…[14] Jedoch reicht es nicht ihn zu erhaschen, sondern du musst so sein wie Er. Die Welt braucht Helden, die ihre Liebe manifestieren“.[15]

Wenn wir bedenken, dass der Bodhisattva selbst diese Worte sprach, der völlig berechtigt erklärte „Ich spreche im Namen des Gottes und des Christus!“[16] können wir spüren, wie ernst sie sind.

Wie können wir wie Christus werden, also Menschen der Liebe, damit auch der Geist durch uns in Erscheinung treten kann? Nicht nur für uns ist das wichtig, sondern das Interesse der Götter ist das Element der Menschenliebe, durch das ihr Leben unterhalten wird, wie Steiner sagte.[17] Wenn wir nicht freiwillig wie Christus werden, ist der Kosmos dem Tod geweiht! Dabei haben wir seit 2000 Jahren das Beispiel des Christentums! Wir kennen die Taten der Jünger an Pfingsten und in ihrem Leben danach. Wir kennen den großen Apostel Paulus und sein außerordentlich wichtiges Werk. Wir kennen so viele Heilige und Märtyrer des Glaubens in den vergangenen Jahrhunderten. Doch nach und nach wurde die Liebe in Dogmen und Kanone gefesselt und die menschliche Seele verspürte unermessliche Leiden. Natürlich bestanden im Christentum neben der Kirche auch viele esoterische Strömungen, in denen der lebendige Christus-Impuls mehr oder weniger erhalten blieb. Die Menschen suchten die Beziehung zum Erlöser selbst im Rahmen der römisch-katholischen Kirche. Viel später empfahl uns Rudolf Steiner im Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ als ein Element auf dem Weg zur Öffnung unserer geistigen Augen, unseren Herzen, „die erhabenen Lehren der Bhagavad-Gita, des Johannes-Evangeliums, des Thomas von Kempen und die Darstellungen der geisteswissenschaftlichen Ergebnisse“ zu studieren.[18] (GA 10:100) Wir kennen die ersten Quellen, doch wer ist Thomas von Kempen?

Der Augustiner Thomas Hemerken wurde etwa 1380 in Kempen unweit von Düsseldorf geboren. 1406 erfolgte seine Aufnahme in das Noviziat, danach war er selbst Lehrer der Novizen und starb 1471, nachdem er sein ganzes Leben lang religiöse Schriften verfasst hatte. Den größten Teil seiner Werke bilden die asketisch-geistigen Schriften, wobei eines davon als die Synthese der ganzen Erfahrung des mittelalterlichen christlichen Mystizismus gilt – „Von der Nachfolge Christi“ (De imitatione Christi). Diese Schrift, die zuerst 1418 erschien, stellt die unentwegte Aufforderung dar, dem wahren Weg zum Reich zu folgen – dem Christus-Weg. Während die ersten zwei Teile des Werks vom Menschen eine richtige Konzentration des Willens auf Demut und Aufnahme des Königsweges des Kreuzes verlangen, spricht in den letzten zwei Teilen Christus selbst voller barmherziger Liebe zu seinem Nachfolger, um ihm die Wohltat zu eröffnen und ihn frei zu machen.

Von der Geisteswissenschaft wissen wir, dass solange der Mensch ein Schüler ist, er Christus nachahmt, wobei heute nur die Meister dem Beispiel des Erlösers folgen können. In der Zeit Thomas von Kempens geschah diese Nachahmung, indem man sich von der Welt absonderte – man zog sich in Wald als Einsiedler oder in ein Kloster als Mönch zurück. Deshalb findet man im zitierten Buch etwa die Behauptungen, dass die höchste Weisheit darin bestehe, die Welt verachtend zum Himmelsreich zu streben; dass das wahre Unglück sei, auf Erden zu leben; dass klug derjenige sei, der um den Christus zu erlangen, alles Irdische für Kehricht halte.

Das Zeitalter der Bewusstseinsseele ist Anfang des 15. Jahrhunderts angebrochen und es hat die Möglichkeit eines größeren Ich-Wachstums eröffnet. Auf diesem Hintergrund werden die Behauptungen von Kempens verständlich, die vor diesem Zeitalter geäußert worden sind.

In unserer Zeit jedoch gelten die Worte Beinsa Dounos: „Früher zogen sich die Heiligen in den Wald zurück, die heutigen Heiligen aber sollen in den Städten leben“.[19]Warum in den Städten? – Der Meister erklärte das mit überraschenden Worten, die auf den ersten Blick gottlästernd sind: „Solange ihr nicht zum Teufel geht, werdet ihr auch nicht zu Gott kommen. Der Teufel nimmt am Rat bei Gott teil„.[20] Den letzten Satz kann nur jemand verstehen, der die Liebe als sein Fundament und ein unermessliches Streben nach der Wahrheit hat. Ein solcher Mensch ist wahrlich moralisch. Laut Steiner entspringt „die wahre Moral aus der Erkenntnis der großen Weltgesetze“[21]. Wir sind doch vom Himmel gesegnet, dass wir in diesem Leben die beiden esoterischen christlichen Impulse des 20. Jahrhunderts streifen dürfen, mit deren Hilfe wir in der richtigen Art als Iche wachsen können, ohne das unser „Gang zum Teufel“ in eine Katastrophe ausartet. Das Leben um uns herum liefert viele Beweise dafür.

Warum empfahl uns Rudolf Steiner eigentlich Thomas von Kempen und warum hat er seine Lehre als erhaben bezeichnet? Was ist das Wertvolle an dieser Lehre für die heutige Zeit? Die Anthroposophie bzw. der Weg zu Christus überhaupt ist ein tiefer mystischer Akt. Beinsa Douno versteht unter einem Mystiker „einen Menschen der Liebe“, denn „die innere Seite des Lebens kann man ohne die Liebe nicht verstehen“[22]. Wer als Mönch leben will, der muss wahnsinnig werden vor Liebe zu Jesus, schrieb Thomas von Kempen, da es sehr schwer ist, auf alle irdischen Bequemlichkeiten zu verzichten und ins Kloster zu gehen. Diese Bequemlichkeiten müssen durch etwas ersetzt werden. Das ist nur möglich, wenn man wahnsinnig wird vor Liebe zu Jesus.

Heutzutage bedeutet das Mönchtum zweifellos eine Flucht vor der Wirklichkeit. Nun müssen wir Mönche in der Welt sein – die Welt darf nicht nur unsere Seele nicht verschmutzen, aber wir selbst müssen die Stärke haben, das Böse mit der Kraft der Liebe im Ich zu transformieren.

Auf die Frage, was zu tun ist, damit wir Christus in uns hereinlassen, antwortete Beinsa Douno folgendermaßen: „Verschmutzt eure Seele nicht! Verdeckt nicht das Gesicht der Schönheit! Das heißt: Begeht keine Sünden! Die Sünde ist Dunkelheit, die das helle Antlitz der Seele überschattet“[23], doch „der Mystizismus ist das Streben der Seele nach Reinheit“[24]. Von Christus kommt die Kraft nicht zu sündigen, aber wir können diese Kraft nur benutzen, wenn wir die Sehnsucht eines Thomas von Kempen nach Christus haben. Aus diesem Grund hat ihn auch Steiner empfohlen. Sätze wie „Alle Lehrer sollen schweigen und alle Geschöpfe vor Deinem Angesichte verstummen; rede Du allein zu mir!“ legen Zeugnis vom wahren Durst nach Christus. Und auch: „…du wirst niemals Ruhe haben, wenn du nicht innig mit Christus vereinigt bist…Denn wenn du mit Andacht zu Seinen heiligen Wunden deine Zuflucht nimmst, so wirst du in der Trübsal große Stärke empfinden; du wirst dich wegen Verachtung vonseiten der Menschen wenig bekümmern und verleumderische Worte leicht ertragen“ [25]An anderer Stelle schrieb Thomas von Kempen: „Gewähre Christus den Zutritt, alle anderen lasse nicht herein“. Wohin? – In unser Ich! Dem Ich gelten auch die Worte des Christus „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen“ (Joh.14:23). Aber zu diesem Ziel muss man auch heute wirklich wahnsinnig vor Liebe zu Jesus werden. Anderenfalls bleibt unser ganzes Leben ohne seine wirkliche Grundlage und der Egoismus, der Stolz, die Eitelkeit und viele andere „Todessünden“ werden aufsprießen

Über die Zeit nach dem Tod sagte Thomas von Kempen: „Dann wird man erkennen, dass jener in dieser Welt weise gewesen ist, welcher gelernt hat, um Christi willen töricht und verachtet zu sein“ (ebd., S. 28) denn „ein Mensch, der Jesus nicht sucht, schadet sich selbst weit mehr, als ihm die ganze Welt und alle seine Feinde schaden können“(ebd., S. 37).Weiter schrieb er: „Glaube sicher, du kannst nicht zweierlei Freuden haben, hier die Weltfreuden genießen und dort mit Christus herrschen“ (ebd., S. 28).

Auf diese Weise führt der Weg des aufrichtigen Suchers nach Christus unvermeidlich zum Kreuzestod. Thomas von Kempen wusste nicht, was es danach gab, da damals noch nicht die neue Zeit der Freiheit gekommen war, deren Höhepunkt im 20. Jahrhundert die Erscheinung Steiners und Beinsa Dounos bildete.
Hat man sie verstanden? Beinsa Douno hatte die Gewohnheit, unvermittelt die Frage „Was möchtest du?“ an seine Nachfolger zu richten. Nikolaj Dojnov soll sich gewünscht haben, reich wie Krösus zu werden und er wurde wirklich Millionär. Als jedoch die Kommunisten am 09.09.1944 die Macht ergriffen, haben sie ihm alles weggenommen. Michail Ivanov (der spätere Omraam Mikhaël Aïvanhov) wollte dem Meister ähnlich sein und die äußere Ähnlichkeit wurde in einem hohen Maße zur Realität. Aber wie sieht es mit der inneren Ähnlichkeit aus? Ivanov ist in den Kreisen der „Weißen Bruderschaft“ zu Recht eine umstrittene Figur. Zweifellos hatte er von Kind auf großes Verlangen nach geistiger Erkenntnis und nach deren Anwendung im Erdenleben. Er wollte ein spiritueller Lehrer sein und er wurde Lehrer. Doch was für ein Lehrer ist er? Michail Ivanov ist über das Mysterium der beiden Jesus-Kinder nicht im Klaren, folglich auch über den Sinn der ganzen vorchristlichen Entwicklung. Er versteht auch nicht die Inkarnation des Christus-Ich bei der Taufe im Jordan, bei der das Wort Fleisch wurde. Stattdessen sagte er: „Jesus identifiziert sich nicht gleich mit seinem höheren Ich. Er war 30, als der Heilige Geist auf ihn in der Gestalt einer Taube herabstieg.“ Ivanov vertritt die Meinung, dass Jesus in sich den Heiligen Geist aufnehme und danach Wunder zu machen beginne. Des Weiteren sagte er: „Wenn die Menschen glauben, dass die Geburt des Christus ein Ereignis ist, das nur einmal vor 2000 Jahren geschehen ist, dann werden sie sich nichts erklären können. Vor allem ist das mit der Grenzenlosigkeit der Gottesliebe unvereinbar. Wenn man sagt „Gott ist Liebe“, muss man sich Fragen stellen. Die Menschen existieren seit Millionen von Jahren auf der Erde und erst vor 2000 Jahren schickte ihnen Gott seinen Sohn in ein kleines Land und das nur für drei Jahren! Wo war diese Liebe vor der Geburt des Jesus und wozu diente sie? Und dann hat Er wieder die Welt für Jahrtausende verlassen? Nein, das ist Unsinn! Die Wahrheit ist, dass Christus viele Male auf der Erde erschienen ist, wie auch auf anderen Planeten und er wird künftig auch wieder und wieder kommen.“
Ist es dann ein Wunder, dass Michail Ivanov nicht in der Lage war wie sein Lehrer Beinsa Douno zu sagen, dass Christus der Baum des Lebens ist, sondern Folgendes: „An der Spitze der Engelsschar steht Metatron, der Prinz der Gestalt. Er steht Gott gegenüber und kann als Einziger mit ihm von Angesicht zu Angesicht sprechen. Er ist es, der Moses belehrt und ihm als der brennende Busch auf Sinai erschien. Natürlich kann ich euch nicht alles erzählen. Die unsichtbare Welt und die großen Meister eröffnen mir die Wahrheit über den Baum des Lebens“.

Diese „Meister“ werden wohl nicht so groß sein, wenn Michail Ivanov nicht im Klaren ist über den immensen Wandel im Kosmos, der eintrat, als Christus zum neuen Geist der Erde wurde und wir Ihn seitdem täglich im wörtlichen Sinne essen und trinken.

Über das Geheimnis der Eucharistie sagt Michail Ivanov vereinfachend: „Das Brot und der Wein, die hier als das Fleisch und Blut des Christus vorgestellt werden, sind das Fleisch und das Blut der Sonne. Das Brot und der Wein, das Getreide und die Weintrauben, alles, was uns ernährt und tränkt, ist eine Manifestation des Lichtes, der Wärme und der Schöpfung der Sonne. Das müsste unter dem Ausdruck „essen vom Fleisch Christi und trinken von seinem Blut“ verstehen.

Verständlicherweise ist Michail Ivanov auch mit den neuen Mysterien nicht vertraut, auch mit dem Unterschied zwischen Luzifer und Ahriman. Er versucht grundsätzlich, wenn er einen Text aus den Evangelien deuten will, diesen mit der Methode der Kabbala zu erklären. Dabei lebt er in der Zeit, in der die Geisteswissenschaft der Menschheit bereits gegeben worden ist, ja er selbst hat sie berührt. Doch diese hat ihn wie bei so vielen anderen Suchern des Geistes nicht dermaßen durchdrungen, dass seine Seele nicht mehr ohne sie atmen kann. Konsequenterweise ging er später nach Indien, traf Babaji – eine andere umstrittene Persönlichkeit – und kehrte nach Europa als Omraam zurück! Er wurde von seinen Anhängern sogar zum Bodhisattva selbst erklärt, was absurd ist, da er ein Schüler Beinsa Dounos ist und der Bodhisattva keinen Lehrer auf dem Erdenplan hat. Immerhin erklärte er zu einer bestimmten Zeit, dass „früher oder später die Welt die wahre, einzige Religion des Christus entdecken wird“.
Nach diesen ganz groben Anmerkungen über die Persönlichkeit von Michail Ivanov, der äußerlich eine bewundernswerte Bescheidenheit demonstrierte (obwohl der okkulte Stolz auch hinter der äußeren Bescheidenheit versteckt sein kann), entsteht die berechtigte Frage: Warum hat der Meister Beinsa Douno ausgerechnet ihn ausgesucht, der zum Hauptvertreter seiner Lehre im Westen werden sollte? Die Antwort können wir bei Christus finden. So wie der Erlöser bei seiner Ankunft auf die Erde nicht verstanden wurde und Petrus das Christentum gründen sollte – mit allen daraus folgenden Höhen und Tiefen – so konnten auch die Schüler Beinsa Dounos ihn nicht wiedererkennen. Sie empfanden ihn eher als einen großen Christus-Boten, deshalb wurden ursprünglich seine Worte der Welt in dieser Art vorgestellt. So wie Rudolf Steiner und Beinsa Douno durch sich selbst den Übergang vom Christentum des Petrus zum Christentum des Johannes vorführten, so begann Ende des 20. Jahrhunderts von Varna aus das Präsentieren des Meisters vor der Welt in seinem wahren Licht als dem künftigen Maitreya Buddha. Das, was Michail Ivanov im Westen gemacht hat, ist wertvoll, aber seine Nachfolger müssen nach Bulgarien schauen und aus der wahren Quelle des Maitreya-Christus trinken, falls sie das können.

Zu diesem Zweck müssen sie zur Erkenntnis und Anwendung im Leben der Worte kommen, die der Heiland an Thomas von Kempen richtete: „Mein Sohn, du musst Mich als das höchste und letzte Ziel ansehen, wenn du verlangst, wahrhaftig glückselig zu sein“ („Von der Nachfolge Christi“, S.55). Dieses Ziel hat auch einen anderen Namen – die Liebe.

Vor ein paar Jahren fragte Beinsa Douno auf übersinnliche Art unverhofft und aus nächster Nähe in die Augen schauend, jemanden: „Was möchtest du?“, worauf er unverzüglich die Antwort erhielt – „Die Liebe!“  Eine solche Antwort ist möglich, wenn man in seinen früheren Leben bis zu einem gewissen Grade in der Praxis die Worte Beinsa Dounos geprüft hat, die er am 29.01.1922 sagte[26]: „Christus ist die stärkste Manifestation der Gottesliebe, der Gottesweisheit und der Gotteswahrheit“. Die Liebe enthält alles in sich und Christus ist die Gottesliebe selbst in ihrer höchsten Erscheinungsform. Deshalb leiden viele Brüder und Schwestern mehr als notwendig, indem sie sich andere als das oben erwähnte Ziel stellen. Es gibt einen etwa 60jährigen Bruder, der auch äußerlich erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Meister hat. Er versucht, im Leben dauernd Gutes für die Menschen zu tun, doch oft genug ist das Ergebnis Undankbarkeit für seine Tat oder sogar die Nährung des Bösen durch das Gute, das er tut. Woran liegt das? Beinsa Douno sagte: „Wenn der Verstand nicht auf das Herz hört und das Herz nicht auf den Verstand hört, ist es schlecht um uns bestellt“[27]. Im angegebenen Fall sind die Handlungen am Anfang nicht durch den richtigen Gedanken gegangen und ziehen schlechte Folgen mit sich, bei diesem Bruder ist sogar eine Erbitterung festzustellen. „Das Verstehen macht den Menschen zufrieden“, sagte der Meister[28]. In einem gewissen Sinne hat etwa Napoleon Verständnis gezeigt, als er in seiner Einsamkeit auf der Insel St. Helena oft mit General Bertrand sich unterhielt, der ihm als einer der Wenigen treu geblieben und ihm ins Exil gefolgt war. Einmal fragte der Kaiser: „Haben Sie sich ernsthaft mit Jesus Christus auseinandergesetzt? Als der General verneinte, sagte Napoleon: „Dann haben sie etwas sehr Wichtiges verpasst. Ich kenne die Menschen und ich sage Ihnen, Christus war kein Mensch… Alexander, Cäsar, Karl der Grosse und ich haben Reiche gegründet. Aber worauf beruhten die Schöpfungen unseres Genies? Auf Gewalt. Jesus Christus gründete sein Reich auf der Liebe; und zu dieser Stunde würden Millionen Menschen für ihn sterben.“[29]
Auf eine erstaunliche Weise entspricht folgende Aussage Beinsa Dounos dem oben Zitierte: „Manche werden sagen, dass Napoleon ein wichtiger Faktor war, da er das Gesicht Europas veränderte. Möglicherweise hat er das getan. aber gebt mir ein konkretes Beispiel für etwas Positives, was er in die Welt hineingebracht hat, was zur Unsterblichkeit seines Namens beigetragen hat. Vergleicht Napoleon mit Christus und seht, was Christus in die Welt hineingebracht hat und was Napoleon. Christus verband die Menschen miteinander und zwang sie, einander zu lieben. Christus hat die Liebe in die Welt hineingebracht – eine Hauptidee im Leben. Napoleon brachte die Eitelkeit hinein. Wer die Welt beherrschen will, muss stark sein. Christus sagte: „Nur der vernünftige, liebende Mensch ist stark. Ein solcher Mensch hat Macht und alle ordnen sich ihm freiwillig unter, so wie die Kinder ihrer Mutter gehorchen, die sich um sie kümmert“.[30]
Was passierte in der Anthroposophischen Gesellschaft nach dem Weggang Rudolf Steiners? Die genaueste Antwort finden wir wohl im „Verständigungsappell“, den Marie Steiner vor Weihnachten des Jahres 1942 an die Anthroposophen richtete. Diese waren ohne ihren Führer geblieben, und legten vielfalls Selbstgefälligkeit, übertriebenes Ehrgefühl, Eitelkeit u.dgl. an den Tag. Sie stellte die Frage, wie zu verfahren sei, wenn eine Gesellschaft, die vor der Weltgeschichte ihre heilige Pflicht übernommen habe, ein großes Werk zu bewahren und weiterzuentwickeln, ohne das die Menschheit einfach dem Untergang geweiht ist, in unlösbare Probleme versinke. Und sie sieht die Lösung in der Entscheidung, die die Gesellschaft selbständig treffen könne, dass sie sich selbst klar und freiwillig überwinden würde. Wunder geschehen, wenn „die moralische Substanz eine so starke ist, dass sie das Wunder rechtfertigt. Was können wir tun, um unsere moralische Substanz zu retten? Wir können verzeihen! … Wir können uns an das Wort halten: Was fruchtbar ist, allein ist wahr.“[31]

Diese Worte Marie Steiners bezeichnete eine Mitstreiterin von ihr zwei Monate später als „majestätisch und zukunftsreich“. Die Folgen jener Zeit sind in der heutigen Anthroposophischen Gesellschaft immer noch nicht überwunden, wobei sich die Anthroposophen auch neuen Herausforderungen stellen müssen. Die wichtigste ist die Frage nach dem Bodhisattva! Haben die Anthroposophen die Kraft, um alles – auch das, was noch kommen wird – zu meistern? Nicht alle sind dazu bereit, denn sie können nicht die Worte Beinsa Dounos „Es ist eine Kunst, das Gute im Leben zu sehen und zu benutzen“[32] in die Tat umsetzen. In unserem Leben stehen wir ständig vor potenziellen Konfliktsituationen und nur die Qualität unserer moralischen Substanz, also unsere Bereitschaft zu wahrer christlicher Vergebung wird darüber Auskunft geben, ob wir das Böse in Gutes umwandeln können. Nur die Liebe ist in der Lage dies zu tun, da die Vergebung ein grundlegender Ich-Akt der Christus-Liebe zum Nächsten und vor allem zum „Feind“ ist. Dieser Akt besteht aus folgenden vier Stufen:

  1.     Zuerst lassen alle negativen Emotionen nach und während wir uns an die Stelle des Anderen stellen, begreifen wir in Weisheit, warum er so uns gegenüber gehandelt hat.
  2. Infolge des Begreifens verzichten wir freiwillig auf jeglichen karmischen Ausgleich, was der Schlüsselmoment im Akt der Vergebung ist.
  3. Wird dieser Akt vollzogen, spüren wir mit Verwunderung, dass wir diesen Menschen lieben.
  4. Schließlich stellen wir fest, dass wir ihn immer lieben werden, auch wenn er wieder schlechte Taten uns gegenüber begeht.

Sind wir nicht in der Lage, das oben Erwähnte zu erreichen, werden die Leiden unsere häufigen Begleiter sein. Der Meister Beinsa Douno drückte sich bildhaft aus: „Alles, was der Mensch nicht liebt, steigt auf seinen Rücken. Wenn er es liebgewinnt oder sich mit ihm versöhnt, fällt es von seinem Rücken ab.“[33] Er erklärte auch, wann das Leiden vermieden wird: „Wenn du rein bist; wenn du die Göttlichen Naturgesetze nicht verletzt oder wenn du ein erwachtes Bewusstsein hast, wenn dein Organismus aufnahmefähig, dem Neuen, den Göttlichen Ideen ist, die von oben kommen“.[34]

Ein großer Teil der Menschen haben heutzutage hauptsächlich äußere Leiden zu ertragen, die mit Alltag, Beruf oder Familie zusammenhängen. Diejenigen, die begonnen haben zu begreifen und die angeführten drei Bedingungen zu erfüllen, werden mit den inneren ideell-mystischen Leiden konfrontiert. Der Meister warnte uns deshalb, dass „der Mystiker nicht zu Gott hinaufsteigt, sondern in sein Innerstes hineingeht. Er ist deshalb gefährlich, da der Mensch, der nicht weiß, wie er hineingehen soll, stürzen und sich verletzen kann“.[35] Dieses Hineingehen ins Tiefe kann nicht nur zur Verletzung führen, sondern auch einen immensen inneren luziferischen Stolz hervorbringen, der durch vorgetäuschte Gütigkeit und Demut verdeckt wird. Wir können das an einem aus den Kreisen der „Weißen Bruderschaft“ kommenden Mann beobachten, der der Meinung ist, dass alle großen Lehrer in der Vergangenheit seine Inkarnationen sind!

Der Weg ins eigene Innere ist jedoch absolut unerlässlich, denn wenn man sich selbst oder das äußere Leben nicht verleugnet, kann man kein Schüler der Liebe sein. (vgl. Matth. 16:24). Beinsa Douno versicherte uns: „Wenn Christus in deiner Seele geboren wird, wirst du sowohl dir selbst, als auch den anderen nützlich sein. Was ist das Christentum? Es ist das Wissen, wie man die Schulden der Menschen zurückzahlt“[36]. Dazu sagte er auch: „So wie die heutigen Menschen die Religion verstehen, ist das nur eine Vergnügung. Das ist keine Religion, sondern nur eine Vergnügung. Die Religion hat eine innere, mystische Seite, die verstanden und erforscht werden soll“.[37]

Was für Impulse sehen wir dagegen heutzutage umherziehen? Auf dem äußeren religiösen Plan sind die sog. demokratischen Gesellschaften, einschließlich der bulgarischen, von einem allgemein gültigen Doppelstandard durchtränkt – dass kein religiöses System der Welt angegriffen werden darf … mit Ausnahme des Christentums. Den Heiland zu karikieren, offensichtliche Lügen über Ihn zu schreiben ist politisch völlig korrekt, dazu noch sehr modern. Wenn der Papst eine Wahrheit über das satanische Wesen des Islams sagen würde, würde man ihm unverzüglich mit dem Tod drohen und die ungebildete Meute in den islamischen Ländern würde sofort die Straßen füllen. Aber in millionenfacher Auflage Wahnsinniges wie „Sakrileg“ von Dan Brown zu verbreiten, ist dagegen vollkommen normal und jeder heutige Hohlkopf äußert sich über die vermutliche Glaubwürdigkeit der offensichtlichen Lügen im Buch. Die Wahrheit ist wahr, selbst wenn alle sie verleugnen, und die Lüge ist eine Lüge, auch wenn alle sie bestätigen. Der überwiegende Teil der Erdenbevölkerung ist nicht besonders beeindruckt und reagiert nicht auf die Verleumdung desjenigen, der verkündete: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Offb. 22:13).

Weiter sagte Christus: „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftut, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir (Offb. 22,17). Diese Tür ist das Herz, das laut Beinsa Douno das einzige „nicht Geregelte, nicht Organisierte im Menschen ist“. Aus der Anthroposophie wissen wir, dass das Herz das Organ ist, das nur mit unserem physischen Existieren auf der Erde verbunden ist. Hören die Menschen die Christus-Stimme?  Eher nicht!

Was ist auf dem esoterischen Plan zu beobachten? Besonders aufschlussreich sind die luziferisch-ahrimanischen Impulse, die aus Russland kommen. Die Tradition des Agni-Yoga mutierte in Wissarion[38], in die Gesellschaft „Maitreya-Buddha“, in die Ansichten Larissa Dmitriewnas[39] und dergelichen. Doch das unbestrittenste  Phänomen am Ende des 20. Jahrhunderts war die Erscheinung der sog. „Anastasia“[40].

Jeder, der die Geisteswissenschaft kennt, wird sofort in ihr die neue Attacke gegen Christus wiedererkennen, die durch einen Haufen vordergründig sehr schöner, ideenreicher Einwirkungen getarnt werden. Diejenigen, die dahinter stecken – wahrscheinlich das KGB – haben sich bemüht, wieder das russische Volk irrezuführen, das laut Steiner noch nicht im ausreichenden Maße die Verstandesseele ausgebaut hat, geschweige denn die Bewusstseinsseele. Entsprechen schwach ist seine Beziehung zum Volkserzengel, durch den die allgemeinmenschlichen Impulse hindurchströmen. Die Zukunft der Welt wird zwar die slawische Kulturepoche sein, in der das russische Volk die Hauptrolle spielen wird, aber momentan lässt sich dieses Volk sehr leicht manipulieren, was aus der Verbreitung des Anastasia-Projekts ersichtlich ist. Anastasia wird selbst in Russland scheitern, da sie nicht im Namen Christi ist und wird keine Früchte tragen, sondern nur die nächste Enttäuschung, also „Dornen und Disteln“.
Zahlreiche Argumente können angeführt werden, aber hier werden wir uns lediglich auf folgende einschränken: In der „Anastasia“-Reihe ist von einer fiktiven „wedischen Rus“ die Rede, die vor der Christianisierung existiert haben soll. Es ist aber bekannt, dass die Bulgaren in diesen Gebieten waren. So wird auch das Werk von Kyrill und Method, die Beinsa Douno als die „Leuchten des slawischen Geschlechtes“ bezeichnet hat, verleugnet. Die beiden werden sogar für „Vernichter der alten runischen Schrift“ erklärt. Das Christentum wird in jeder erdenklichen Weise verleugnet, wobei der Blick auf das Altertum gerichtet ist. All das wird mit den die Phantasie entfachenden Wundertaten der offen erotisch wirkenden Anastasia ausgeschmückt.

Die Hauptbotschaft jedoch steckt in der Idee der Familienlandsitze in der Größe von einem Hektar, die zum „Territorium der Liebe“ werden, die Menschen ernähren und ihnen gutes Einkommen sichern sollen. Der Staat in der Person von Putin soll die Grundstücke zur ewigen Nutzung zur Verfügung stellen, d.h. die Grundstücke würden dann vererbt werden. Hier steckt Ahriman, der zusammen mit der luziferischen Begeisterung die nächste Schlinge um den Hals des russischen Volkes zuzieht, um seine Zukunft zu verhindern. Beinsa Douno erklärte unmissverständlich: „Als Christen müsst ihr das Privateigentum beseitigen. Es ist ein Übel für den einzelnen Menschen, der sich entwickeln will sowie für jeden Okkultisten, genauer gesagt Mystiker, der die Geheimnisse der Natur erforschen will. Das Privateigentum ist ein großes Übel. Ich meine nicht die Staatsordnung, aber wer das Menschenleben begreifen will, der soll auf das Privateigentum verzichten. Das heißt nicht, dass wir faul sein sollen, sondern dass wir zu arbeiten lernen.“ [41]Wir können uns auch an seine Worte über das Leiden der Tiere, die menschliche Mühe um das tägliche Brot (wie bei Anastasia) und die kostenlose Arbeit für Gott erinnern. Noch etwas Wichtiges sagte der Meister: „Ein echter Erfolg ist es, auf der Erde fleißig zu arbeiten, damit die unsichtbare Welt aufmerksam auf euch wird und euch zu helfen beginnt“.[42] An anderer Stelle heißt es: „Wer das Leben richtig versteht, soll in gleichem Maße die drei Welten erforschen“.[43]

Wer könnte dies tun? Nur derjenige, der wahrhaftig von einem hohen Ideal in Christo und nicht vom „Luftballon“ Anastasia geführt wird. Gibt es heute solche Menschen? Eine Frau, die der Methodistenkirche in Varna nahe steht und von der Esoterik nicht angezogen wird,                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               doch für das Spirituelle stark sensibel ist, hatte nach der Sonnenfinsternis im August 1999 ein erhobenes Bewusstsein und äußerte sich folgendermaßen: „Gott hat mir gezeigt, wie die Menschen aussehen“. Das waren tote ahrimanische Gespenster, nur wenige Menschen leuchteten, also waren lebendig. Eine ähnliche Imagination hatte auch eine andere Frau mit starkem Hellsehen aus Varna. Woran liegt das?

Die erste Frau erklärte, dass sie gespürt hatte, wie die Welt nach Schwefel riecht. Schwefel assoziieren wir mit der Michael-Imagination[44]. Wir wollen uns daran erinnern: Im Sommer und mit nahendem Herbst wird das ganze physisch-ätherische Wesen des Menschen von einem inneren Schwefelfeuer erfasst – einem Prozess innerer Sulfatierung, der ihn in ein astralisch leuchtendes Wesen von wesentlicher Bedeutung für die Evolution des Kosmos verwandelt. Das Wesen Ahrimans ist allerdings mit den in uns sulfatierenden Stoffen verwandt. Seine schlangenähnlichen Formen bahnen sich den Weg unter die leuchtenden Menschen und versuchen, sie in ihre Netze zu fangen, sie nach unten mitzureißen zu einem traumähnlichen unterbewussten Zustand. Eine Gegenwirkung ist notwendig. Die Waffe der Götter sind die Meteoritenschwärme, die aus kosmischem Eisen mit mächtiger Heilkraft bestehen. Die Schwärme durchdringen mit ihren Strahlen der menschlichen astralen Ausstrahlungen und werden im Blut zurückgespiegelt. Die Meteoriten fallen äußerlich auf die Erde, aber das lichtspendende Eisen fällt innerlich in uns und verbindet sich geistig-seelisch mit unserem Blut, wobei es die Kraft mitbringt, die den Menschen von Angst, Kleinmut und Hass befreit. Das Eisen im Blut ist unsere Beziehung zum Weltall. Wenn Michaeli naht, werden zwei Prozesse im Menschen sichtbar – das Ausstrahlen von Schwefel zum Gehirn, wobei der ganze Mensch wie ein Gespenst aus leuchtendem Schwefel aussieht, der den Leib des Drachens bildet. Von oben dringen in uns die Strahlen der Meteoritenschwärme ein und wir können sogar Michael sehen, der über den Drachen sein Feuerschwert aus kosmischem Eisen erhebt. Dieses Bild wirkt in unserem Zeitalter wie ein starker Aufruf zur inneren und äußeren Handlung, denn die Resultate des Kampfes gegen Ahriman werden den ganzen zukünftigen Gang der menschlichen Evolution bestimmen. Dieser Kampf lässt sich ohne Liebe nicht gewinnen! Die Wahl, ob wir im „Schwefel“ brennen sollen oder dem Aufruf Beinsa Dounos „In der Liebe sollst du brennen!“ [45]folgen, müssen wir selbst treffen. Wenn wir die Liebe wählen, wird auch unsere Beziehung zu den Göttern eine richtige und fruchtbare sein, denn es heißt „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an“ (1 Sam 16:7). Das bestätigte auch Thomas von Kempen mit den Worten, dass  Gott  mehr „auf die Gesinnung“ sieht, „mit welcher jemand etwas verrichtet, als auf das Werk, welches verrichtet wird“.[46]

An dieser Stelle seien einige Worte über die Art und Weise der neuen Offenbarungen gesagt, die empfangen wurden, da auch heute solche Offenbarungen mitgeteilt werden müssen. In seinem Vortrag „Wege und Methoden der Aufnahme einer Beziehung zur Unsichtbaren Welt“, den Wlad Paschov am 04.09.1951 im Izgreva hielt, sagte er unter anderem: „Wenn wir von einer Beziehung zur Unsichtbaren Welt sprechen, müssen wir vor allem eine Änderung des Bewusstseins verstehen. Dort, wo es diese Änderung nicht gibt, gibt es auch keine bewusste Beziehung. Der einzige Weg, auf dem die Liebe im Menschen und im Kosmos manifestiert wird, ist die Weisheit. Deshalb sagt Beinsa Douno: „Nur der Kluge kann lieben, denn er kommt in eine Beziehung zur vernünftigen Welt, zur Welt der Liebe. Um gefahrlos in Verbindung zur Unsichtbaren Welt zu kommen, muss man seine Gedanken, Gefühle und Taten organisieren und sie dem vernünftigen Willen des Geistes unterordnen. Durch unsere Gedanken und Gefühle sind wir, ohne es gewahr zu werden, in ständiger Beziehung zur Unsichtbaren Welt. Wenn wir eine Idee oder einen Gedanken empfangen wollen, müssen wir unseren Gedanken konzentrieren, damit er nicht abgelenkt wird, und dann klar und bestimmt unseren Gedanken formulieren. Und in diesem Zustand müssen wir unseren Gedanken zu den vernünftigen Wesen senden. Danach müssen wir wieder in konzentriertem Zustand bleiben, aber ohne Spannung, in einem passiven aufnehmenden Zustand. Bei diesem Zustand des Bewusstseins werden wir eine Antwort auf unsere Frage durch einen klaren, bestimmten Gedanken erhalten, der in unseren Verstand eindringt. Eine andere Möglichkeit ist es, unserem Unterbewusstsein die Idee oder die zu lösende Frage weiterzuleiten und sie dann vergessen. Wir werden eine Antwort entweder wieder durch einen Gedanken, der in unserem Bewusstsein entsteht, oder durch einen klar bestimmten Traum erhalten. Das sind Methoden, die der Meister Beinsa Douno gegeben hat“, sagte Wlad Paschov. Weiter fuhr er fort: „Einer der meist erwünschten Wege einer Beziehung ist es, wenn einer der Weißen Brüder teilweise durch Inkorporation jemanden auf der Erde benutzt, um sich zu manifestieren. Der Mensch muss aber ein organisiertes Gehirn und ein reines, edles Herz haben, um als ein Gefäß zu dienen. Dazu ist anstrengende Arbeit notwendig“. Der Meister erklärte das folgendermaßen: „Niemals werden die hohen Geister zu eurem Niveau heruntersteigen, um sich mit eurer Sprache zu befassen. Deshalb muss jeder Schüler in seiner Freizeit die Symbole, die die Sprache der Geister sind, erforschen. Wir verwenden die Symbole, da sie Elemente der okkulten Sprache sind, derer sich die Eingeweihten und die hohen Geister bedienen“.[47] Diese Sprache wird von Beinsa Douno laut Wlad Paschov Watan(isch) genannt und sie wird zur Beziehung mit der geistigen Welt benutzt. „Allerdings muss man zuerst den Namen des Geistes kennen und sich in jenem erhöhten Bewusstseinszustand befinden, um den mächtigen Vibrationen dieses Wesens standhalten zu können. Das ist der gefahrlose Weg, aber um ihn zu benutzen, sind Arbeit und Wissen notwendig. Dieser Sprache bedienen sich alle Schüler der inneren Schule“, sagte Wlad Paschov.

Zur Erhaltung der Offenbarungen haben wir sowohl die aufgezählten Methoden als auch andere Methoden benutzt, die nun nicht erwähnt werden dürfen. Die allgemeine Regel ist es jedoch, dass eine vorausgehende Vorbereitung erforderlich ist, so dass die Offenbarung in richtiger Weise verstanden werden kann, wenn sie kommt. Ein anderes besonderes Merkmal der Offenbarung ist es, dass der Mensch innerlich „aufleuchtet“. Die Aufregung der Seele ist unvermeidlich und geht oft in Tränen der Dankbarkeit über.

Wie können wir sicher sein, dass das Erhaltene glaubwürdig ist? Wenn es selbst den geringsten Zweifel an der Gabe „von oben“ gibt, können wir sicher sein, dass sie nie kommen wird! Um sie zu empfangen, müssen wir ein ausgebautes vernünftiges Herz haben. Das Herz weiß, was wahr ist! Der Meister sagte einmal: „Es gibt Sachen, die man prüfen muss, es gibt Sachen, die ohne Prüfung angenommen werden“[48]. Haben wir den alten Saturn etwa gesehen, um an Steiners Behauptungen zu glauben? Waren wir auf dem Hügel Golgatha, um an die Auferstehung des Christus zu glauben? Diese Sachen nimmt man entweder an oder man braucht „wissenschaftliche“ Beweise und benutzt die wissenschaftlichen Methoden, aber nicht die Methoden der Geisteswissenschaft. Wenn jemand behauptet, dass eine Offenbarung in der Gruppe besprochen werden muss und erst wenn die Gruppe von ihrer Glaubwürdigkeit überzeugt ist, sie vor dem Publikum vorzutragen ist, so kenne ich eine solche Methode nicht. Der Moment der Offenbarung ist ein persönlicher, alles andere sind irdische, menschliche Überlegungen.

Am Morgen des 20.08.2006 haben zwei Personen von Taschla Tepe[49] bei Varna aus einem Streifen im Schwarzen Meer beobachtet, der erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Gralskelch hatte. An diesem heißesten Tag des Jahres, wenn auf der Sonne und im Himalaya eine Versammlung der Geister stattfindet, kamen am Nachmittag zehn Personen in einem neugebauten Haus in der Nähe von Varna im Namen der Liebe, die der wahre Inhalt des Heiligen Kelches ist. Wie der Meister sagte, waren diese Menschen nicht die besten, aber „die geeignetsten, die in dieser Minute gerufen werden konnten“. Es nahmen fünf Männer und fünf Frauen aus verschiedenen Städten Bulgarien teil, die die „Weiße Bruderschaft“ und die Anthroposophie vertraten oder mit keiner der beiden Organisationen verbunden waren. Die Verantwortung vor Christus, die moralische Substanz in allen Anwesenden, die stärker zu sein schien als die zwischenpersönliche Belastung, brachte sie wegen des gemeinsamen Werkes zusammen, das vor einigen Jahren in Varna begonnen hatte. Einer der Anwesenden sagte, dass das einzige Würdige für den Menschen darin besteht, um den Heiligen Geist zu beten. Und der Heilige Geist kam wirklich in seiner Symbolsprache zu Wort! Es wurde „das gute Gebet“[50] gesprochen, das genau mit der Bitte um den Geist beginnt. Während des Gebetes bekam eine der Frauen eine Imagination – zuerst das Kreuz in seiner lateinischen Form, dann das Pentagramm, dem eine Rose folgte. Nach Ende des Gebets machten alle zehn Anwesenden eine Meditation, während der dieselbe Frau eine Taube, ein Auge und ein Kreuz sah, dessen Enden sich allmählich nach unten bogen, so dass es zum ersten Buchstaben der Glagolitza wurde –  „Ich bin“.

Glagolitza

Wir wollen kurz diese Symbole deuten: Die Legende erzählt über die Zeit, als Christus auf dem Kreuz hing und seine Wunden bluteten. In dieser Zeit flogen Bienen herüber und tranken aus diesem Blut, als saugten sie an roten Rosen. Durch das Christus-Opfer veränderte sich die Zusammensetzung des Blutes und es wurde rein wie der Saft der roten Rose. Am Kreuz sterben und in den Rosen auferstehen – das liegt dem Symbol des Rosenkreuzer-Kreuzes zugrunde, welches das Geheimnis des göttlichen Menschen-Ich, das mit Christus in der Zeitenwende kam, hütete und weiterentwickelte.

Was stellt das Rosenkreuzersiegel dar? Auf himmelblauem Hintergrund sieht man ein schwarzes Kreuz und sieben rote Rosen, die die sieben Planeten symbolisieren – Mond, Merkur, Venus und Sonne (unten) bzw. Mars, Jupiter und Saturn (oben) – das ist der Weg des Menschen zu Christus durch die Hierarchien. Zudem symbolisiert jede der sieben Rosen einen planetarischen Zustand und jeweils ein Prinzip der siebengliedrigen Menschenorganisation. Bisher sind nur zwei Rosen vollständig aufgeblüht, die dem physischen und ätherischen Leib entsprechen, denn die schaffenden Hierarchien haben diese beiden Leiber bis zur Vollkommenheit entwickelt. Die dritte und die vierte Rose – der Astralleib und das Ich – sind im Aufblühen begriffen. Die restlichen drei Rosen sind jetzt nur Knospen und werden erst in den zukünftigen Zeiten aufblühen, damit der Mensch zur zehnten Hierarchie und zur Krone der Schöpfung wird. Vorläufig aber steht diese Krone auf dem Kreuz der Weltevolution. Das Herausgehen aus dem Kreuz, d.h. aus der Vier auf dem Weg zur Rose geschieht auf dem Weg des Pentagramms. Der Weg führt zur Rose, da die besagten sieben Rosen exoterisch auf dem Rosenkreuzer-Kreuz stehen. Aber im Zentrum gibt es eine esoterische achte Rose, die die dreifache Sonne symbolisiert. Diese Sonne ist Christus – die Liebe. Nur das Aufblühen dieser Rose macht den Menschen zum wahren Pentagramm, macht uns zu wahren Menschen der Liebe. Durch einen solchen Menschen kann sich der Heilige Geist (die Taube) manifestieren, durch den Christus in Jesus geboren wurde, um uns die Fülle des Vatergotts (das Auge) zu offenbaren, die auf dem Golgatha-Kreuz durch das Opfer des Christus-Ich im Gottes-Ich vollständig zur Geltung kam. Dieses Ich Gottes wird durch das Zeichen aller Zeichen symbolisiert – das Ich bin, das am Anfang der Glagolitza steht. Diesen Buchstaben werden die Menschen zukünftig erlernen und dann wird der Heilige Geist nicht in seiner alten Form als „Taube“ durch sie wirken, sondern in einer völlig erneuerten michaelischen Ich-Form, damit wir die Erde aus einem Kosmos der Weisheit in einen Kosmos der Freiheit und Liebe verwandeln. Bisher war das Kreuz das Zeichen des Menschen und es wird auch künftig das Hauptzeichen für denjenigen bleiben, der Christus nicht annehmen kann und in seiner Entwicklung zurückbleibt. Heute sind wir jedoch in der Zeit, in der der Heiland verstanden und in die Tat als „Ich-bin“ umgesetzt werden soll, damit der Mensch – das Pentagramm – mit dem Makrokosmos verschmelzen kann. Dies darf allerdings nicht in der alten salomonischen Art geschehen, die durch den sechsstrahligen Davidsstern symbolisiert wird, sondern in einer Ich-Art, die auch den Sinn des Hexagramms von Grund auf erneuert. Es ist vorbestimmt, dass die Liebe von Bulgarien ausgeht und es ist kein Zufall, dass das Symbol unseres Landes eine rote Rose ist, die unser Logo vor der Welt darstellt. Die Welt ahnt jedoch nicht, was dahinter steckt. Wenn der Mensch sich für die Christus-Liebe öffnet, öffnet er sich auch für das Leben und die lebendige vernünftige Natur offenbart ihm ihre bewegenden, schöpferischen Geheimnisse. Auf eines dieser Geheimnisse werden wir gleich eingehen.

Beim Treffen am 20.08.2006 sagte eine Schwester: „Hier ist es sehr bulgarisch“. und zwei andere Teilnehmer spürten in dieser Atmosphäre der Gemeinschaftlichkeit – der ätherischen Einheit -, dass es eine besonders enge Beziehung zwischen dem Erzengel Michael und dem Erzengel des bulgarischen Volkes gibt. Die Frage, wer der Erzengel des bulgarischen Volkes ist, wurde längst gestellt, aber erst jetzt kam die Zeit der Antwort.

Vor genau 100 Jahren – am 14.08.1906 – rief der Meister Beinsa Douno zehn Personen nach Varna. Die Zahl 10 besteht aus 1 und 0, die jeweils den Geist und die Materie repräsentieren, und bedeutet  Fülle, volle Manifestation. Wenn wir Menschen zur zehnten Hierarchie der Freiheit und Liebe aufsteigen, wird der Baum des Lebens von neuem entstehen. „Die Zahl 10 stellt einen Zyklus dar, in dem jeder Keim seine Entwicklung erreicht“, sagte Beinsa Douno[51]. Die zehn Personen wurden damals persönlich von ihm aufgerufen, um an der ersten Versammlung der Synarchischen Kette der „Weißen Bruderschaft“ auf Erden teilzunehmen. Das Wort Synarchie bedeutet „Mitherrschaft“, also gemeinsame Führung durch erwachte Menschen und die Geister des Lebensbaums. Über den Begriff ‚Kette‘ erklärt der Meister: „Das bedeutet, dass wir uns in der Kette der Göttlichen Liebe bewegen – wie es in der Bibel heißt „ihr wurdet durch die Fäden der Liebe herangezogen“. Immer, wenn ihr in Not seid, sollt ihr euch zur Hilfe an das Zentrum der Kette wenden, damit euer Werk Schutz von dort erhält, denn es ist undenkbar, dass ihr allein kämpft. Die Hinwendung zum Zentrum der Kette bedeutet Hinwendung zu Gott mit der Bitte um Hilfe. Wenn ihr seht, dass ihr innerlich in Zwiespalt geratet, wendet euch an mich, ich werde euch erleichtern…“[52]

Vom 15. bis 17.08.1907 fand die zweite Versammlung der Kette statt, am 15.08.um sechs Uhr morgens sagte der Meister: „Heute werden wir die Kette in der Astralwelt bilden. Ihr seid nicht die Besten, aber die Geeignetsten, die in der gegebenen Minute aufgerufen werden konnten. In euch werden oft Eitelkeit und Stolz aus einem Wettstreit aufkeimen – ihr werdet wünschen, die anderen zu überholen. Aber ich sage euch – ihr werdet alle vorwärtskommen, denn jeder von euch wird zu einem Stützpunkt, an dem sich die Kette bewegen wird. Ihr solltet wissen, dass um euch herum neue Ketten entstehen werden, die ihr beeinflussen werdet.“[53]

Be der dritten und vierten Versammlung in Varna 1908 und 1909 gab der Meister die Hauptgesetze und -symbole der Kette – den Kelch (den Gral), den Wacholderstock – das Symbol der drei Welten des Daseins und den Dolch – das Symbol des christianisierten Ich. Zum Ziel der vorliegenden Darstellung ist folgender Schwerpunkt dieser Versammlungen von Interesse.

Im Protokoll vom 14.08.1906 steht: „Es waren die drei Unsichtbaren Freunde anwesend, die im Konkreten das bulgarische Volk und im Allgemeinen das Slawentum beschützen. Diese drei Freunde tragen auch den Namen Vse ‚alle’. Das bedeutet Emmanuel, d.h. „Gott ist bei uns und unter uns, der uns lehrt“[54]. Er ist der große Lehrer und Erlöser. Michael ist der Heerführer und Gabriel – der Bote. Diese drei sind wahrscheinlich die drei Engel, die Abraham unter der Eiche im Hain Mamre erschienen und ihm die zukünftige Größe des Volkes versprachen, das aus ihm ausgehen sollte, da bei Gott nichts unmöglich ist.“

Am 16.08.1907 sagte Beinsa Douno: „Achtet auf die drei Freunde, die euch als Lehrer bestimmt worden sind…“[55]. Am 17.08.1907 sagte er: „…ihr sollt die Namen der drei Freunde aufrufen, indem ihr ihre Namen ausspricht. Wenn ihr sie aufruft, sollt ihr sagen: „Herr Gott Jesus Christus, Jehova Elohim; Tröster, Heiliger Geist – Adonai“[56]. Am 19.08.1907 folgte die Aussage: „Die Freunde sind weggegangen. Bei ihrem Abgang sagen sie uns: „Möge mein Segen das ganze Jahr auf euch sein“[57]. Am 09.08.1908 bestätigte der Meister: „Dieses Jahr wird nur der Herr Jesus Christus anwesend sein, Der der Leiter der Kette ist… Einer unserer Freunde, die letztes Jahr (also 1907) hier waren, ist nun in Russland und England, der zweite – in der Türkei und der dritte – Christus, Der auch die Kette leitet, ist hier anwesend“.[58]

Am 10.08.1908 kam die Aussage: „Dieses Jahr wird Christus – der Leiter der Kette – das ganze Jahr hindurch die Kette begleiten und sie nicht verlassen“[59]. Am nächsten Tag sagte er: „Wenn die Versammlung zu Ende sein wird und ihr weggegangen sein werdet, werden die drei Geister, die bei der Kette anwesend waren, bereits eingespannt sein und nicht mehr unter euch sein.“ Im nächsten Jahr, am 16.08.1909, waren „auch unsere Freunde da. Sie sind es, die die Kette unterstützen.“[60]

Besonders aufregend ging dieser Tag aus, als bei der Tafel Gottes nach dem Brechen des Brotes Christus Sich durch den Meister an die Anwesenden wandte: „Ich bin es, Der euch in der Vergangenheit geführt hat. Ich bin es, Der euch in der Zukunft führen wird. Verlasst Euch auf Mich und ihr werdet Meine Treue prüfen. Ihr werdet Meinen Segen nicht vermissen – Ich werde euch anleiten und Ich werde euch führen, euch segnen, euch unterrichten in allen Zeiten des Lebens. Seid Träger des Lichtes mit eurem Leben und euren Taten, so dass die Menschen, die euch sehen, Seinen Namen preisen. Seid gesegnet von Meinem Vater! Dieses Brot ist das Symbol Meiner Liebe. So möchte ich auch, dass ihr in eurem Leben für eure Brüder ewig seid.“ Nachdem der Meister den Kelch in die Hand genommen hatte, fuhr Christus fort: „Dies ist der Kelch der Erlösung, der ewigen Liebe und Meines Geistes, Der in euch wirkt, euch erhebt, euren Verstand erhellt und eure Herzen weiht. Trinkt aus dem Kelch und seid gesegnet!“.

Am 19.08,1909 sagte Beinsa Douno: „Wendet euch an Gott, Der Emmanuel genannt wird“ und am 20.08.1909 schloss er ab: „Erinnert euch daran: Was ihr in den Büchern lest, werdet ihr in einer Art verstehen und das, was euch vom Geist gegeben wird, werdet ihr in einer ganz anderen Art verstehen“.

Was hat uns der Geist gegeben, dass so viele Zitate aus den Protokollen der vier Versammlungen in Varna angeführt werden mussten? Die Antwort finden wir im Satz aus dem Jahr 1906: „Wahrscheinlich sind das die drei Engel, die dem Abraham bei der Eiche im Hain Mamre erschienen…“ Kurz davor  sprach der Meister über Emmanuel, Michael und Gabriel, wobei Emanuel Vse ist, d.h. der Herr Christus. Zu Abraham kamen nicht die „Engel“ Christus, Michael und Gabriel, sondern die Erzengel Michael Gabriel und Raphael – die die drei unsichtbaren Freunde, die bei den Versammlungen geistig anwesend waren. Als Oberhaupt der Großen Weißen Weltbruderschaft ist Christus immer überall durch die ihm unterordneten Geister anwesend. Warum aber verschwieg Beinsa Douno ganz bewusst den Namen des Erzengels Raphael? Weil er heute der Erzengel des bulgarischen Volkes ist! Er war der Geist, der im Namen Christi jene zehn Menschen am 20.08.2006 zusammenbrachte, damit eine neue Synarchische Kette auf der Erde gebildet wird, aber diesmal ohne einen lebendigen Lehrer unter ihnen. Wer künftig in seinem Ich die Synthese zwischen der Anthroposophie und dem Meister Beinsa Douno vornehmen kann, wird zu einem Glied dieser Kette werden und so wird die Kette als Gruppe in der Lage sein, dem inkarnierten Ahriman (Antichristen) entgegen zu treten. Dies individuell zu tun liegt nur in den Möglichkeiten jener „Glieder“, die künftig eine Einweihung erfahren und zu Lehrern der Menschheit aufsteigen werden.
Wer ist der Erzengel Raphael? Vier mächtige Erzengel stehen im Weltenraum an den vier Seiten der Welt und bilden ein kosmisches Kreuz. Sie setzen die Weltenprozesse in Bewegung und steuern sie, indem sie sich im Laufe jedes kosmischen Tages abwechseln. Sie sind die Urkräfte, die im Kosmos und in der Menschenseele in den drei Kräften Denken, Fühlen und Wollen gespiegelt werden. Da der vierte von ihnen die vierte Runde des Erdenäons regiert – das Mineralreich -, ist er der mächtigste und vollkommenste von allen Vier, denn er enthält in sich die Kräfte der restlichen Drei und bringt die Wirkung ihrer Kräfte auf der Erde ins Gleichgewicht, indem er in sie auch seine Kraft hineinwebt. Durch ihn können die anderen drei Gestalten gesehen und verstanden werden. Bis zum Golgatha war der Sinn der Erde auf der Sonne, deshalb wurden die drei Gestalten durch den Großen Geist der Sonne inspiriert und haben ihm gedient – dem Christus auf der Sonne. Im Altertum verehrten die Menschen vor allem die vier Feste, die als ein Jahreskreuz stehen und mit den vier Hauptphasen der Atmung unseres Planeten zusammenhängen, also mit seinem makrokosmischen Leben. Diese Feste sind die Sommer- und Wintersonnenwende und die Herbst-  und Frühlingsäquinoktien. Als Christus zur Zeitenwende herabstieg und sich mit der Erde vereinigte, änderte Er von Grund auf ihr Wesen und die Aufgaben der vier Erzengel. Im Norden steht Uriel, der insbesondere mit der Saturn-Entwicklung (gemeint ist das Stadium der Wiederholung des alten Saturn im Erdenäon) und mit unserem physischen Leib zusammenhängt, dessen Keim damals angelegt wurde. Seine erhabene, strenge Gestalt leuchtet mit himmelsblauem Licht, das schwächer ist als die restlichen drei. Im Westen steht die erhabene kraftvolle Gestalt Raphaels, der mit goldenem Licht leuchtet, da er mit der Sonnenentwicklung und dem menschlichen Ätherleib zusammenhängt. Vom Süden her schaut auf uns die erhabene liebevolle Gestalt Gabriels, der mit silbernem Licht leuchtet, da er besonders mit dem alten Mond und unserem Astralleib verbunden ist. Im Osten strahlt in rosafarbenem Licht die mächtige, siegreiche Gestalt Michaels, der die Zukunft verkündet, die zur Gegenwart wird. Die künftigen Planetenzustände werden anders gelenkt werden. In ihren Wechselbeziehungen bilden die verbleibenden drei Runden kein Kreuz, sondern ein Dreieck, das in goldenem Licht glänzt. Da Michael die Ausarbeitung des menschlichen Ich leitet, wird der Mensch unter seinem Einfluss und mit der Christus-Kraft aus seiner viergliedrigen Konstitution zu einer höheren Dreigliederung aufwachsen. Außerhalb des Menschen existiert diese bereits im Kosmos, und wir müssen sie nur an uns heranziehen, damit sie zu unserem Inneren wird. In der Erdentwicklung wird das Ich zum Vermittler, durch den die Kraft unserer höheren Dreifachheit enthüllt wird und unsere drei Leiber erhellt. Das Symbol des Ich in der Göttersprache ist der erste Buchstabe der Glagolitza, in der die menschliche Viergliederung und die höhere Dreigliederung verschlüsselt sind.
Nicht zufällig erzählte einer der Anwesenden bei der Veranstaltung am 20.08.2006 über seine Imagination, in der er den Erzengel der Bulgaren auf einem Pferd sah, d.h. auf dem Gedanken, ohne den das Ich nicht entwickelt werden konnte. Die Kraft, die hinter dieser Imagination steckt, wurde ihm jedoch nicht vorgeführt, da er es nicht ausgehalten hätte. Das ist die Kraft des goldenen Dreiecks, die aus dem Gottes-Ich herausströmt und nur den Eingeweihten zugänglich ist, die in die Tat die Worte „Nicht ich, sondern Christus in mir“ umsetzen.

Seit wann ist Raphael der Geist der Bulgaren? Aus der Anthroposophie wissen wir, dass es sieben Haupterzengel gibt, die sich als Führer der Menschheit abwechseln und für die verschiedenen Intelligenzen verantwortlich sind. Einer von ihnen ist Raphael und seine letzte Regierungszeit war von ca. 850 bis 1190 n.Chr. Alle Erzengel regieren zusammen die kosmische Intelligenz, aber über sie herrscht immer Michael, weshalb die menschliche Intelligenz von ihm ausgeht. Aber gegen das achte bis neunte Jahrhundert haben sich die planetarischen Intelligenzen von der durch Michael regierten Sonnenintelligenz emanzipiert. Der Anlass war die Vermehrung der Sonnenflecken, die das Altern der Sonne zeigen. Über diese Frage gibt es eine sehr interessante Aussage Beinsa Dounos: „Hätten die heutigen Menschen gewusst, was die Sonnenflecken bedeuten, wären ihre Köpfe vorzeitig vor Entsetzen ergraut. Viele hätten ihren Verstand verloren“[61].

Infolge der Trennung stellten sich nicht nur sechs Erzengel in Opposition zu Michael, sondern es ist auch Zwietracht unter die Engel aufgekommen, die zum Chaos in den karmischen Beziehungen und dadurch zum späteren Chaos im sozialen Leben und n der Wirtschaft auf der Erde geführt hat. Das ökumenische Konzil von 869 war nur die erste Folge des karmischen Chaos, das unter die Menschen eintrat. Und in dieser Zeit begann die Regierung Raphaels! Was wurde als Gegenwirkung oben unternommen?

Der Geist Elohil, der „von Gott beauftragt worden ist, das bulgarische Volk und das ganze Slawentum zu beschützen“, rief „vom Himmelsende die zwei Brüder“ auf – „die Leuchten des Slawengeschlechtes“ -, damit sie uns „das Wort der Wahrheit und das Wort des Lebens“ bringen und uns den Weg weisen, auf dem wir in das „ewige Licht“ eintreten, die Er selbst bewohnt“. Diese Brüder sind Kyrill und Method, die die Glagolitza nicht nur den Bulgaren, sondern auch der ganzen Menschheit gegeben haben, damit wir uns dem Wort nähern und eins mit ihm werden. Das Wort ist Christus – die höchste Manifestation der Liebe, Weisheit und Wahrheit Gottes – das goldene Dreieck, zu dem wir uns emporheben werden. Der Weg dorthin geht durch das Ich-bin. Aus diesem Grund war der erste Text, den Kyrill mit den neuen Buchstaben und im Zeichen des Ich-bin geschrieben hat, „Im Urbeginn war das Wort…“
Was ist die Rolle Raphaels? Im Jahr 850 wurde er nicht nur zum führenden Geist der Menschheit, sondern er ist seit dieser Zeit auch der Erzengel des bulgarischen Volkes. Vorher hatten die Bulgaren einen anderen führenden Volksgeist. Ob Raphael hinter der Gestalt des „Elohil“ steckt, wissen wir bisher nicht. 1906 sagte Beinsa Douno über die drei Freunde, dass sie „die Beschützer des bulgarischen Volkes im Konkreten und des Slawentums im Allgemeinen“ sind. Elohil wurde auch als ein solcher Beschützer bestimmt. Als er uns in seine Obhut nahm, hatten wir „ein widerliches Aussehen“ und jeder empfand Widerwillen gegen unser „rohes Herz“. Als Raphael uns übernahm, waren bereist acht Jahrhunderte seit den Ereignissen von Golgatha vergangen und wir wissen, wie die Boljaren (der Adel) auftraten, bevor es zum Opfer vom Boris I. kam, das von Elohil (oder Raphael) inspiriert wurde. Dieses Opfer war eine wahre Ich-Tat und eine Folge der Glagolitza, die am Anfang der Heilung des bulgarischen Volkes und der zukünftigen Heilung der Menschheit steht.

Raphael ist jener Geist, der eine tiefe Verbindung zur Kunst der Gesundmachung und Heilung hat. In seinem letzten Zeitalter wurden hinter den Kulissen der äußeren Geschichte manche moralischen Eigenschaften gerettet. Die Kreuzzüge waren der Ausdruck des Willens, die Menschheit vom Materialismus zu heilen, der sie sowohl durch das Mohammedanertum als auch durch den Katholizismus bedrohte. Raphael ist der Inspirator der Suche nach dem geistigen Osten, mit der das Mysterium des Christus gefunden werden sollte. Damals haben die Menschen das Lukas-Evangelium, das das Evangelium der Heilung ist, besonders tiefgehend verstanden. Natürlich kann Christus nicht durch die äußere Kraft des Schwerts gefunden werden, sondern durch das Schwert als Ich, deshalb hat der bulgarische Zar Kalojan die Kreuzzügler zerschlagen.

Raphael ist mit der Merkur-Intelligenz verbunden. In den alten Zeiten verstand man unter Merkur ein Erzengelwesen und das ist genau Raphael mit dem Merkurstab. Das astrologische Zeichen für Merkur vereinigt die Sonne, die Erde und den Mond. Merkur symbolisiert auch für Steiner die Vernunft, denn durch die Trennung der Sonne und später des Mondes entstanden die Bedingungen, die für die Entwicklung der Vernunft, des Ich, notwendig waren. Die Erdentwicklung wird in eine Mars- und eine Merkurhälfte unterteilt, die Christus in der Zeitenwende trennt. Die Marshälfte, die mit der Involution zusammenhängt, nennt Beinsa Douno „Israel“, d.h. den Auszug aus dem Paradies und die Merkurhälfte „Bulgare“, d.h. Rückkehr ins Paradies durch Evolution. Beide Hälften werden von der Christus-Liebe verbunden. Raphael mit dem Merkurstab, der die Weisheit symbolisiert, kann durch das Ich-Prinzip des Christus heilen. Die Liebe kommt aus der im Ich neu geborenen Weisheit, sagte Stener. Der Merkurstab selbst stellt die zwei Schlangen des Guten und des Bösen dar. Die eine ist schwarz und symbolisiert die Involution und die andere ist weiß und hängt mit der Evolution zusammen. Ineinandergeflochten liefern sie uns auch das Wissen über die sieben Bewusstseinsstufen, die wir vom alten Saturn bis zum Vulkan durchlaufen werden. Der wahre Sinn des Merkurstabs besteht darin, dass er uns durch das Wissen (Merkur) zur Überwindung des Bösen aus unserer eigenen Ich-Kraft führt. In der Merkurhälfte ist Michael das Antlitz Christi, der nach 1879 zum Urengel aufgestiegen ist.

Worin besteht seine Beziehung zu Raphael, die von zwei Personen bei dem Treffen der Zehn im August 2006 wahrgenommen wurde? Wie bereits hervorgehoben, begingen in den alten Zeiten die Menschen vier  Hauptfeste, die mit der Natur zusammenhängen. Nach dem Golgatha ist der mit der Sommersonnenwende verbundene Uriel der Beschützer des Johannifestes. Das mit Michael zusammenhängende Fest des Herbstäquinoktiums wurde nach 1879 endgültig zum Fest Michaels. Der mit der Wintersonnenwende verbundene Gabriel wurde zum Beschützer des Weihnachtsfestes und der mit dem Frühlingsäquinoktiums verbundene Raphael beschützt das Hauptfest im Kosmos – das Pessachfest. Raphael ist ein Frühlingsgeist, der um die Erde zirkuliert und im Herbst die Kräfte des menschlichen Atmens erzeugt. In der Zeit also, in der Michael als kosmischer Geist, als kosmischer Erzengel erscheint, reguliert, segnet und wirkt Raphael im ganzen menschlichen Atmungssystem.

Hier ist ein großes Geheimnis enthalten: Alle heilenden Kräfte bestanden ursprünglich im menschlichen Atmungssystem. In keinem anderen System gibt es Heilungskräfte, sondern die anderen Systeme müssen sich selbst erhalten. Alle Geheimnisse der Heilung sind gleichzeitig auch die Geheimnisse des Atmens, der Wirkungen Raphaels, die im Frühling kosmisch sind und im Herbst in unser Atmen eindringen.

Wir wollen uns folgendes Bild vorstellen: Im Übergang vom Sommer zum Herbst ist oben das Bild Michaels mit seinem aktiven, tatkräftigen, lenkenden Blick. Er möchte, dass wir nicht auf uns selbst starren, sondern auf die Welt schauen. Michael hält in seiner Hand das Schwert, das aus kosmischem Eisen geschmiedet ist und zeigt dem Menschen seinen Weg. Von unten schaut uns tiefsinnig Raphael an. Er tritt an uns heran und bringt heilende Kräfte, die er vorher im Kosmos entfacht hat. Raphael stützt sich auf den Merkurstab, auf die innere Kraft der Erde. Das ist die Zusammenwirkung Michaels im Kosmos mit Raphael auf der Erde. Wenn wir uns dem Frühling nähern, ist Raphael oben mit seinem Stab, der nun in der Luft einem in Flammen leuchtenden feurigen Drachen ähnelt. Er stützt sich nicht mehr auf die Erde, sondern braucht jetzt die Kräfte der Luft. Alles, was als Feuer, Wasser und Erde im Kosmos existiert, mischt er gleichsam zusammen und bringt es zur Wechselwirkung, um es in heilende Kräfte umzuwandeln, die im Kosmos wirken und weben. Unten tritt Michael an den Menschen heran und ist dann besonders sichtbar mit seinem Blick auf die Welt, der gern den Menschenblick mitgenommen hätte. Auf diese Weise schließt Michael Raphael ab und steht dem Menschen nahe.
Raphael wird die Menschheit zu Beginn der sechsten, slawischen, Kulturepoche wieder führen. Bis dahin muss eine ausreichende Anzahl von Seelen die Einweihung erfahren haben und zu „Bulgaren“ geworden sein. Zu diesem Zweck ist die Beziehung zum Volkserzengel von besonderer Wichtigkeit, da er in unserem Ätherleib wirkt. Dort wird nämlich heute der Kampf um den ätherischen Christus geführt, der auf dem Astralplan sichtbar sein wird.

Wie sollen wir in der rechten Art eine Verbindung zu unserem Volksgeist aufnehmen? Die Welt des Erzengels besteht aus Wahrnehmungen auf dem Astralplan, in denen bestimmte Zentren enthalten sind. Diese Zentren sind einzelne Menschen-Iche, die von Auren umgeben sind. Sie sind wie Mittelpunkte, die er wahrnimmt. So wie wir die Außenwelt mit Werkzeugen bearbeiten, ist auch der Mensch ein Wirkungsfeld für den Volksgeist. Grundsätzlich verbinden sich die höheren Geister mit der Erdentwicklung durch uns, anderenfalls hätten sie keine Beziehung zu dieser Entwicklung. Wenn der Mensch sinnlich die Außenwelt mit seiner Empfindungsseele wahrnimmt, ist das für den Erzengel unbedeutend, da er auf diesem Gebiet nicht tätig ist. Sogar der Teil der Verstandesseele, die für die Reaktionen auf die äußeren Empfindungen zuständig ist, ist für ihn unbedeutend. Das, was ‚äußere Ursachen‘ heißt, was der Mensch mit seiner Vernunft verarbeitet und in der Seele erlebt, ist nichts für ihn. Der Volksgeist bemerkt die Menschen, die innerlich aktiv sind und einen reichen inneren Inhalt besitzen, sie machen einen sehr intensiven Eindruck auf ihn. Die anderen Menschen findet er träge, lethargisch, mit blassem Seeleninhalt. So wie wir die Welt mit unserer Seele als warm oder kühl empfinden, so sind auch die Menschen warm und kühl im Wahrnehmungsfeld des Erzengels. Entsprechend diesem Bild kann er für sie arbeiten, indem er das in die Tat umsetzt, was aus seiner Individualität kommt und der Entwicklung des Volkes dient. Die Ideale in Kunst oder Architektonik, das Schöne, die moralischen Ideale leben in einem bestimmten Teil der Verstandes- und Bewusstseinsseele und dorthin dringt der Volkserzengel ein. Diese Ideale sind äußerlich nicht wahrnehmbar, aber sie erfüllen den Menschen und inspirieren ihn. Wenn das Seelenleben des Erzengels in diese Teile der Menschenseele eindringt, erhebt er sich dort zum menschlichen Ich, das sich in die Welt der höheren Reiche ausbreitet. Auf diese Weise kann der Erzengel bereits durch die freien menschlichen Iche an der Erfüllung der Mission eines gegebenen Volkes arbeiten. Für die Bulgaren ist diese Mission die höchstmögliche: dass die Liebe – der Sinn des Erdenäons – von hier ausgeht. Raphael ist mit dem Merkur verbunden, mit dem Quecksilber, der gelben Farbe und dem Heiligen Geist. Nur das Quecksilber ist heute ein flüssiges Metall, wir müssen aber künftig alle Metalle schmelzen und mit der Kraft des Heiligen Geistes vergeistigen, der uns die einzige Kraft zeigt, die in der Lage ist, dies zu tun. Von unserem Zeitalter der Bewusstseinsseele und dem Übergang zu den Kräften des goldenen (gelben) Dreiecks an beginnt der Mensch Einfluss auf das Schicksal des Erzengels zu gewinnen, wenn er sich zur Fähigkeit erhebt, „seinen Feind zu lieben“. Auf diese Weise wird die Beziehung zum Erzengel eine doppelte: Wir strahlen Liebe aus und nähren ihn und er manifestiert durch uns den Reichtum seiner Individualität. Wir werden künftig erfahren und erleben, wie reich sie ist, wenn wir bedenken, dass Raphael eine besonders starke Beziehung zu der alten Sonne hat, als alle Erzengel zu „Menschen“ wurden und Christus sich mit dem Schicksal unseres Sonnesystems verband. Heute steht Raphael in enger Beziehung zum Pessachfest, in dem die Antwort all unserer Fragen nach der Zukunft steht. Die Antwort kann einzig und allein durch das Zeichen aller Zeichen erhalten werden – das „Ich-bin“, das heute das Emblem einer Partei in Bulgarien ist. Wenn der Führer dieser Partei den mächtigen Vibrationen des Zeichens standhalten kann, wird Bulgarien zum Geist emporkommen. Dieser Mensch ist weit entfernt vom esoterischen Verstehen der Prozesse, aber er ist der erste Politiker, dem man ansieht, dass ihn etwas von innen führt. Hoffentlich kann er durchhalten, denn der Kampf um jede Seele ist heute von außerordentlicher Bedeutung, besonders für diejenigen, die zu einem Teil der Kette geworden sind. Beginnt das Glied „Rost anzusetzen“, fällt es unverzüglich ab. Die Zeit gehört den Menschenhelden, die fähig sind, sich zur Höhe des Heiligen Gral zu erheben und aus seinem Inhalt zu trinken – aus der Liebe des Vaters, die durch das Opfer Christi manifestiert wird. Deshalb sagte Beinsa Douno auch: „Wenn wir die Christus-Liebe zu uns und unsere Liebe zu Ihm nicht spüren können, sind wir keine Christen, keine Menschen, wir sind ein Nichts!“

Die Verwandlung in ein „Etwas“ geschieht einzig durch das Ich und erfordert das Berühren und die Aufnahme eines anderen Geheimnisses des Kelches – das Geheimnis des gespiegelten Christus-Ich in den gegenwärtigen wahren Eingewehten des Grals. Zum Eingeweihten wird man, wenn man viele Prüfungen „in Christo“ durchmacht, aber zuerst muss man die Worte Steiners verstehen: „Und nach diesem Ziel hin sehen wir zusammenfließen die geistige Strömung, die ausgeht von Jeshu ben Pandira, und jene, die im Beginn des dreizehnten Jahrhunderts an Christian Rosenkreutz anknüpft.“[62]

Heute ist diese Zusammenwirkung die Ich-Synthese der Anthroposophie und der Lehre Beinsa Dounos und wer diese Synthese beherrscht, der befindet sich bereits auf dem Weg und kann ein Schüler werden, der Christus dient. Dieser Weg führt über die neun Hierarchien zu der Heiligen Trinität und zur Vereinigung im Vatergott auf dem Vulkan. Deshalb sagte auch der Meister, dass „für den Bulgaren die wichtige Zahl 31“ ist. Findet man nicht den Weg, gerät man in das Unglück, in die Finsternis, in den Abgrund der Zahl 13, die zur Unglückszahl bestimmt wurde, was aus der falschen Benutzung des zweischneidigen Schwertes resultiert. Auf dem Weg zum Ich befindet man sich, wenn man sein Kreuz auf sich nimmt und zum Golgatha geht. Wenn man das nicht schafft, wird man unvermeidlicherweise ein viel schwereres Kreuz finden, wie Thomas von Kempen schrieb. „Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muß um meines Namens willen“ (Apostelgeschichte 9:16), sagte der Erlöser über Paulus. So litt auch Petrus, der den Aufruf Christi „Folge mir nach“ (Markus 10:21) hörte, der sich an ihn und an die ganze Menschheit richtete. Petrus wurde kopfüber gekreuzigt, da er sich nicht für würdig hielt, wie sein Herr zu sterben. Lazarus, der nach seiner Einweihung Johannes hieß, wurde zum Apostel der Liebe und kam zum tiefsten Verständnis des Christus-Mysteriums. Deshalb ist sich der Meister sicher, wenn er sagt: „Wenn ihr Schüler der neuen Lehre sein wollt, müsst ihr den Mut des Paulus, die Demut des Petrus und die Reinheit und Liebe des Johannes haben!“ [63]. Dann beginnt man, die größte Offenbarung, die die Schöpfung erfüllt, in die Tat umzusetzen – „Gott ist Liebe“. In ihrem Namen wollen wir ein Zeichen sein, ein „Ich-bin“ sein!

[1] „Morgenansprachen“, Sofia, 06.02.1938, „Die Schönheit der Seele“

[2] „Morgenansprachen“, Sofia,  20.02.1938 г. „Die einzige Verbindung“

[3] „Morgenansprachen“, Sofia 03.04.1938, „Unter dir und über dir“

[4] „Festvorträge an den Sieben Seen“,31.07.1938, „Mögliche Bedingunge

[5] „Sonntagsvorträge“, Sofia 12.03.1922 „Hört auf Ihn“

[6] Sonntagsvorträge“, Sofia 01.04.1928 „Der Menschenruhm“; „Morgenansprachen“, Sofia 06.03.1938 г. „Die neue Nahrung“

[7] Okkulte Klasse für junge Menschen“, Sofia 09.09.1932 „Göttliche und menschliche Prozesse“ sowie 01.07.1932 „Geben und Nehmen“

[8]„Morgenansprachen“, Sofia 06.03.1938 „Die neue Nahrung“ und 20.03.1938 „Die guten Früchte“

[9] „Morgenansprachen“, Sofia 20.03.1938 „Die guten Früchte“

[10] „Morgenansprachen“, Sofia 27.03.1938 „Die erhabenen Wege“

[11] „Morgenansprachen“, Sofia 20.02.1938 „Die einzige Verbindung“

[12] „Sonntagsvorträge“, Sofia 05.02.1922 „Was sollen wir wünschen?“

[13] „Sonntagsvorträge“, Sofia 03.12.1922, „Er kam um zu dienen“

[14] „Morgenansprachen“, Sofia 06.02.1938 „Die Schönheit der Seele“

[15] „Morgenansprachen“, Sofia 03.04.1938  „Unter dir und über dir“

[16] „Festvorträge“, Veliko Tarnovo, 27.08.1922 „Ich bin der wahre Weinstock“

[17] GA 94, Vortrag vom 31.05.1906

[18] GA10, „Praktische Gesichtspunkte“

[19] „Sonntagsvorträge“, Sofia 05.02.1922  „Was sollen wir wünschen“

[20] „Sonntagsvorträge“, Sofia 28.03.1920 „Das Gesetz der Propheten“

[21] GA 94, Vortrag vom 26.05.1906

[22] “Morgenansprachen“, Sofia 21.06.1931 „Das Mystische Verständnis“

[23] „Morgenansprachen“, Sofia 06.02.1938 „Die Schönheit der Seele“

[24] Bojan Boev, „Das Stimmen der Menschenseele“ Bd.1 „Reinheit“

[25] Thomas von Kempen, „Von der Nachfolge Christi“, S. 32

 

 

[26] „Sonntagsvorträge“, Sofia 29.01.1922 „Ich werde euch wiedersehen“

[27] “Morgenansprachen“, Sofia 20.02.1938 „Die einzige Verbindung“

[28] „Morgenansprachen“, Sofia 06.02.1938 „Die Schönheit der Seele“

[29] Frank S. Mead, The Encyclopedia of Religious Quotations, Westwood, Fleming H. Revell, S. 56

[30] „Sonntagsvorträge“, Sofia 15.04.1928 „Viel wertvoller“

[31] Marie Steiner, „Briefe und Dokumente“, S.148.

[32] „Morgenansprachen“, Sofia 06.02.1938 „Die Schönheit der Seele“

[33] Ebd.

[34] Bojan Boev, „Das Stimmen der Menschenseele“ Bd.1 „Die Einstellung zum Leiden“

[35] „Der Aufgang“, Bd.12, „Erläuterungen über Okkultismus, Spiritismus, Theosophie, Mystizismus und Christentum“

[36] „Sonntagsvorträge“, Sofia 25.03.1923 г. „Das Erwachen der Menschenseele“

[37] „Morgenansprachen“, Rousse 30.09.1934 „Gehorsam“

[38] Sergej Anartoliewitsch Torop, geb. am 14.01.1961 in Krasnodar, Russland, mit dem Pseudonym Wissarion, ist ein russischer Militionär, der sich selbst zum Messias erklärte und die Sekte „Das letzte Testament“ gründete.

[39] Larissa Petrowna Dmitriewa, geb.1938, ist eine russische Journalistin und Schriftstellerin, die seit einer Begegnung mit Swjatoslaw Roerich Agni-Yoga propagiert.

[40] Figur aus den New-Age-Romanen Wladimir Nikolaewitsch Pusakovs mit dem Pseudonym Wladimir Megre

[41] „Sonntagsvorträge“, Sofia, 18.05.1919 „Das Brett“

[42] „Algemeine okkulte Klasse“, Sofia, 15.12.1926 „Das Ungelöste“

[43] „Festvorträge“, die Sieben Seen, 02.08.1931 „Hygiene des Lebens“

[44] Rudolf Steiner, GA 229, Vortrag vom 05.10.1923

[45] „Morgenansprachen“, Sofia 27.03.1938 „Die erhabenen Wege“

[46] Thomas von Kempen, „Von der Nachfolge Christi“, S. 16

[47] „Allgemeine okkulte Klasse“, Sofia 08.07.1925 „Theorie und Praxis“

[48] „Morgenansprachen“, Sofia 20.06.1937 „Die Besonderheiten des Menschen“

[49] Gegend am Franga-Plateau – dem höchsten Punkt Varnas.

[50] Eines der Gebete, die Beinsa Douno gegeben hat.

[51] „Allgemeine okkulte Klasse“, Sofia 01.06.1932 „Liebe, Verbundenheit und Ehre“

[52] „Der Aufgang“, Bd.11, IV, 17.08. 9 Uhr vormittags

[53] „Der Aufgang“, Bd.11, IV.16.08. Donnerstag

[54] „Festvorträge“, Varna 24.08.1906, Jahrestreffen der Kette – 3. Versammlung, 14.08

[55] „Festvorträge“, Varna 28.08.1907 – 16.08.1907, Freitag

[56] Ebd., 17.08.1907, Samstag

[57] Ebd., 19.08.1907, Montag 10:50 Uhr

[58] „Festvorträge“, Varna 22.08.1908, Jahrestreffen der Kette, 09.08.1908 Samstag

[59] Ebd., 10.08.1908, Sonntag

[60] „Festvorträge“, Varna, 28.08.1909 г. Jahrestreffen der Kette, 16.08.1909, Sonntag

[61] „Sonntagsvorträge“, Sofia 01.04.1928 „Der Menschenruhm“

[62] GA 130, Vortrag vom 20.11.1911

[63] „Okkulte Klasse für junge Menschen“, Sofia, 01.1927 „Die kleine Mission“

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