Der Kubus Jahve und der dreigliedrige soziale Organismus

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 26.02.2017 in Varna

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Gebet:  Herr Gott Jesus Christus, wir bitten Dich, richte so viele Menschen wie möglich zum Weg, der zum dreigliedrigen sozialen Organismus und zum Ausweg aus dem Kubus Jahve führt. Amen!
Als ich letzten Februar die Vorlesung  „Der soziale Organismus und der Pfingstgeist“ vorbereitete, die ich mit der großen Wandlung im Heiligen Geist in Verbindung setzte, die zwischen der alttestamentlichen und neutestamentlichen Zeit eingetreten ist, konnte ich nicht ahnen, dass ich genau ein Jahr später eine neue Vorlesung über die gleiche Frage halten würde. Vor einer Woche habe ich in meine Notizen aus dem Jahr 2016 hineingeschaut und festgestellt, dass diese Vorlesung genau vor einem Jahr stattgefunden hat. Heute werden wir aber diese Frage aus einem völlig anderen Winkel beleuchten – es ist das erste Thema nach der Konferenz in Varna 2014, das wir zum zweiten Mal erörtern werden.

Der Titel selbst deutet auf einen anderen Standpunkt, da er etwas enthält. was in der Anthroposophie nicht so bekannt ist. Warum müssen wir zu diesem Thema zurückkehren? – Mit dem Absterben der Zivilisation, auf das wir letztes Mal eingegangen sind, wird die Frage nach der sozialen Dreigliederung immer aktueller. Entweder wird die Menschheit nach diesem Weg suchen oder es wird ein Chaos ausbrechen, das von unsäglichen Leiden begleitet sein wird. Deshalb ist es absolut angebracht, in dieses Thema tief einzugehen und es methodologisch vom anthroposophischen Standpunkt aus zu begründen. Seit langer Zeit habe ich keine Zeichnungen mehr benutzt, doch heute werde ich eine Tabelle benutzen, die uns als Orientierungspunkt dienen soll. Zum Schluss werden wir auf die Situation in Bulgarien eingehen, denn in einem Monat stehen Parlamentswahlen bevor, die außerordentlich wichtig sind. Im Licht des Vorgetragenen werden wir auch die Situation in Bulgarien betrachten.

Kubus Jahve

Der Mensch ist eine Summe von jeweils dreifachen Leib, Seele und Geist und einem Ich, das in Beziehung zu diesen Dreiheiten eintritt. Wenn man die Menschenstruktur im Zyklus vom Saturn bis zum Vulkan betrachtet, besteht sie aus dem dreifachen Geist, dem dreifachen Leib und dem Ich, das sich ihrer bedient. Doch wir hätten uns nie individualisiert, wäre in uns nicht die dreifache Seele herausgebildet worden sein als Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewusstseinsseele. Der dreifache Geist findet die Beziehung zur dreifachen Seele über die drei Seeleneigenschaften – Denken, Fühlen, Wollen. Doch das ist nicht genug, um die Beziehung zu vermitteln, sondern für die Beziehung zwischen Leib und Seele ist auch eine andere dreifache Bildung notwendig. Sie besteht aus dem Nerven-Sinnes-Apparat, dem rhythmischen System und dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-System. Unter den Bedingungen des Gruppenbewusstseins wurden diese Dreifachheiten zu einer Einheit auf einer instinktiven Grundlage gebracht. Doch etwas anderes ist es, wenn der Mensch nach der langen Evolution ein individuelles Bewusstsein erlangt hat und diese Dreifachheiten durch das individuelle Bewusstsein zu durchdringen beginnt. Letztes Jahr haben wir das sehr eingehend erläutert, nun werde ich es lediglich markieren und zu wichtigeren Fragen übergehen.

Der Mensch ist dreifach gebaut aus einem Kopf, einem mittleren Teil und Gliedmaßen. Das Denken ist auf den Kopf konzentriert, obwohl sich das Nervensystem auf den ganzen Körper erstreckt. Das rhythmische System, das Atmen und der Blutkreis sind hauptsächlich im mittleren Teil zu finden, obwohl die Prozesse den ganzen Körper erfassen. Das dritte System, bestehend aus Stoffwechsel und Gliedmaßen, erfasst in seinem Stoffwechselteil ebenfalls den ganzen Menschen. Die Einteilung in drei Systeme geschieht unter Vorbehalt und der Mensch funktioniert nur dank der gegenseitigen Durchdringung dieser Systeme. Deshalb stellt sich der christliche Monismus dreifach vor uns als Vater-Gott, Sohn-Gott und Heiligem Geist-Gott. Über ihnen steht der väterliche Weltengrund – das muss alles einschließen, was in der Bibel als „Vater“ bezeichnet wird. Ähnlich der Makrostruktur gibt es in uns auch ein Ich, das die Dreifachheiten von Leib, Seele und Geist leitet, doch haben diese auch ihre selbständige Existenz. Wie hat die Entfaltung dieser Dreifachheiten im Menschen begonnen?
​In der lemurischen Zeit haben wir „den Sündenfall“ begangen – aus der übersinnlichen Welt sind wir wie pflanzenartige Wesen kopfüber heruntergestiegen. Wir wurden in unserer Empfindungsseele durch die luziferischen Wesen verführt und begannen, uns nach Eindrücken von der Erde zu sehnen. Ähnlich einer Blumenzwiebel haben wir uns kopfüber auf die Erde gerichtet, was zu einer starken Mineralisierung des Gehirns in den späteren Entwicklungsetappen führte. Unsere Beine haben sich wie Zweige mit dem in ihnen verborgenen unbewussten kosmischen Willen zu den geistigen Höhen erstreckt. Doch der Gruppengeist der Menschheit – die Elohim, die die Ich-Substanz ausgestrahlt haben, erhielten Inspirationen von den Hierarchien über ihnen und haben es geschafft, uns auf die Füße und mit dem Kopf nach oben zu stellen. Das ist der Moment aus dem Alten Testament, als der Mensch vor ca. 15000 Jahren sah, dass er nackt war und seine Geschlechtsorgane mit einem Feigenblatt verdeckte. Nach einer Reihe von Metamorphosen hat der physische Leib die aufrechte Stellung eingenommen, die Gliedmaßen drehten sich zur Erde und der Kopf wurde gegen Ende der atlantischen Wurzelrasse fähig, geistige Tätigkeit zu entwickeln. Nach der Katastrophe und dem Versinken der Atlantis im heutigen Atlantischen Ozean, die aus sieben Rieseninseln bestanden hatte mit sieben den Planeten gewidmeten Mysterienstätten auf ihnen, begann das neue Festland sich herauszubilden. Zu jener Zeit versuchte der Mensch, in der Außenwelt eine Entsprechung seiner inneren Erlebnisse zu finden, doch alles geschah instinktiv. Damals existierte noch nicht das Bedürfnis, alles innerlich Erlebte als Wünsche, Instinkte und Bedürfnisse draußen in der Form einer sozialen Struktur zu finden. Auch die Religion war instinktiv und wurde in der ersten Kulturepoche von den sieben heiligen Rishi geleitet und in der zweiten Kulturepoche von  eingeweihten Nachfolgern Zarathustras. Die beiden Kulturepochen entwickelten sich in Gebieten, die weit vom sich ausbildenden Europa liegen. Später haben Eingeweihte, die aus der Atlantis kamen, drei Mysterienzentren zum Aneignen von Denken, Fühlen und Wollen gegründet. Das Denken wurde hauptsächlich im Mysterienzentrum am Weißen Meer in Nordeuropa ausgearbeitet, am Fühlen wurde im Mysterienzentrum nah der heutigen Stadt Santiago de Compostela gearbeitet und der Wille stand im Mysterienzentrum nah dem heutigen Aladscha-Kloster bei Varna im Vordergrund. Es gibt drei Zentren, da der menschliche Geist, der aus Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch besteht, im Menschen Zuflucht findet und in der Seele als Denken, Fühlen und Wollen erlebt wird. Wir können also sehen, was für eine eingehende Vorbereitung auf diesen Übergang zum Geist stattgefunden hat, den wir nun zu machen haben. Nachdem sich der vierte Bodhisattva im Rila-Gebirge vor ca. 5500 Jahren zur Buddhastufe erhoben hatte, indem er in seinem Ich das in den drei Zentren Erarbeitete zu einer Synthese zusammenführte, konnte die Verinnerlichung des Seelenlebens der Menschen zu einer anderen Stufe übergehen. Im Okkultismus bedeutet die Verinnerlichung, dass etwas begriffen und zum persönlichen Erlebnis der Person wird. Immer muss eine Persönlichkeit in der Geschichte etwas in sich verinnerlichen, damit es auch anderen zugänglich wird, damit andere das auch erreichen. Das wurde zum ersten Mal vom vierten Bodhisattva vollbracht. Dieser gehört zu der Loge der zwölf Bodhisattvas, die seit Mitte der Atlantis die ganze seelisch-geistige Entwicklung der Menschheit leiten. Er hat den Weg zur Verinnerlichung des Denkens durch den Menschen bereitet.

Ein Prinzip des Makrokosmos, das auch auf dem Erdenplan in Erscheinung tritt, besagt, dass eine Dreiheit sich zuerst in ihre drei Richtungen entwickelt und in einem bestimmten Moment, wenn eine andere Bewusstseinsstufe erreicht ist, unter eine gemeinsame Kontrolle und zu einer anderen Manifestationsstufe kommt. Das bezieht sich auf den Leib und die Seele, in der entfernten Zukunft wird es sich auch auf unseren dreifachen Geist beziehen. Die Entwicklung dieser Dreiheiten begann schon vor sehr langer Zeit, sie durchlief die drei vorherigen Äonen mit der Entstehung unseres dreifachen Leibes und ging mit der Schaffung unserer dreifachen Seele weiter. Die zweite nachatlantische Kulturepoche war 2907 v.Chr. zu Ende und mit Anfang der dritten Kulturepoche begann die Erschaffung unseres ersten Wesensgliedes unserer individuellen Seele – der Empfindungsseele.

Mit dem Fortschreiten der Menschenentwicklung haben wir uns dem europäischen Gebiet genähert. Die erste Kulturepoche entfaltete sich auf dem indischen Subkontinent, die zweite bewegte sich in westliche Richtung zum Gebiet des heutigen Iran und die dritte kam noch näher an Europa, als sie sich auf dem Gebiet zwischen dem Mittelmeer, dem Persischen Golf und dem Roten Meer sowie im Land des heutigen Ägyptens entfaltete. Damals war das menschliche Bewusstsein völlig anders als das heutige – die Menschen hatten das bildhafte Gruppenbewusstsein. Die Denkfähigkeit sollte sich allmählich von der instinktiven Empfindung trennen und bewusst werden. Trotzdem wusste der Mensch sehr wohl, wer in ihm dachte – das waren die geistigen Hierarchien. Doch der bereits gestartete Prozess brauchte eine Form der Objektivierung auf dem äußeren Plan als eine geeignete gesellschaftlich-soziale Struktur. Dieser in der äußeren sozialen Wirklichkeit widerspiegelte Teil des Menschenwesens war die Theokratie, die alle Lebenssphären durchdrang und von den Eingeweihten in die Mysterien des Lichtes geleitet wurde. Diese Mysterien entstanden im Orient und da ihre Impulse nach Europa aus dem Osten kamen, blieb das Axiom, dass „das Licht aus dem Osten kommt“. Dabei wird unter „Osten“ das Konglomerat geistigen Lebens verstanden, das im dritten, zweiten und ersten Jahrtausend v.Chr. die Praktiken der Mysterien in Indien, Persien, Ägypten, Chaldäa und Griechenland in sich konzentrierte. Auf dem äußeren Plan dominierte jedoch der Einfluss Indiens. Natürlich wissen wir, dass der Ausgangspunkt dieser ganzen Vielfalt der vierte Bodhisattva war. Die Brahmanen selbst, die die Anfänge der aufkeimenden Kraft des Denkens erwarben, waren weiße Menschen im Unterschied zu der örtlichen dunklen Bevölkerung. In den Mysterienzentren, die ‚große Mysterien‘ genannt wurden, haben die eingeweihten Priester die Impulse vom Plan der Metageschichte empfangen und diese in das Leben ihres jeweiligen Gebietes eingeführt. Dabei steuerten sie nicht nur das geistige, sondern auch das ganze andere Leben der Bevölkerung, für die die soziale Struktur der Theokratie geschaffen wurde, die als ‚kleines Mysterium‘, d.h. ‚gespiegeltes Mysterium‘ erlebt wurde.

Der fünfte Bodhisattva, der zum Buddha wurde – Orpheus – hat mit seiner Lyra unserer Empfindungsseele jene Fähigkeit zur Intelligenz eingeprägt, die in der fünften Kulturepoche dem Menschen erlauben würde, die Kosmische Intelligenz, die nach der Zeitenwende Michael gab, als die eigene zu erleben. Hier werden wir nur das Verdienst des Bulgaren Dionysos und seinen Feldzug nach Indien ca. 100 Jahren nach dem Erscheinen Orpheus‘ erwähnen, der zur Verwandlung der primitiven örtlichen Bevölkerung in ein Volk herausragender Kultur beigetragen hat. Laut Steiner hat sich Dionysos’ Seele nach seinem Tod in die intellektuelle Kultur der Menschheit ergossen, wo sie heute noch anwesend ist.

Mit dem Aufdämmern der vierten Kulturepoche im Jahre 747 v.Chr. begann die Entwicklung unseres zweiten Seelengliedes – der Verstandesseele. Damals drehte sich der Mensch ähnlich wie beim Sündenfall zum zweiten Mal. Beim Übergang vom alten lebendigen bildhaften Denken zum abstrakten begrifflichen Denken haben wir wieder die umgedrehte Stellung mit dem Kopf nach unten eingenommen, in der wir uns heute noch befinden. In den alten Zeiten war unser Gehirn stark ätherisch, doch seine Mineralisierung schritt schnell voran. Das Gehirn erhob sich wie ein Felsen inmitten des Ozeans der Ätherkräfte und begann zu reflektieren, also die substanziellen Astral- und Ätherimpulse der Götter zu ihm zurückzuweisen, abzutöten und sie in substanzlose Schatten zu verwandeln. Das hat den Menschen zu seiner Individualisierung geführt. Während früher nur die Eingeweihten in die großen Mysterien zu einem persönlichen Prinzip übergehen konnten, ist das heutzutage bereits massenhaft anzutreffen. Doch im Unterschied zu der Empfindungsseele, in der der Mensch mit Gott eins ist, ist die Verstandesseele die Seele des Gefühls und des Verstandes. Der Mensch fühlt sich daher wie entzweigerissen. Das intensive Erleben der Gefühle in der Verstandesseele ruft das Bedürfnis hervor, eine äußere soziale Struktur zu suchen, in der dies zum Ausdruck kommen kann. Es tauchten die Regierungsform der Republik und das Recht auf, dessen Schatten die heutige Jurisprudenz ist. Heute ist man bestrebt, den Menschen dauernd in den Schatten des römischen Rechts hineinzuzwängen, das auf einer völlig anderen Etappe der Evolution entstanden war. Damals wurden die Ansprüche auf Rechte von einem Verstand ausgestrahlt, der auf das Irdische ausgerichtet ist, denn der Mensch hat sich damals immer mehr an das Irdische gebunden und die Beziehung zur geistigen Welt allmählich verloren. Das römische Recht wurde von Menschen geschaffen, die „auf dem Kopf“ stehen. Die heutigen Gesetzemacher befinden sich in der gleichen Stellung und haben sogar ihre Köpfe in den Sand gesteckt.
Mit der Entwicklung der Bewusstseinsseele in der fünften Kulturepoche, deren Anfang 1413 n.Chr. war, begann der Mensch sich seiner selbst auch im System des Stoffwechsels und der Gliedmaßen bewusst zu werden. Die Durchdringung unseres ganzen dreigliedrigen Gebildes durch das Ich-Bewusstsein erfordert einen neuen äußeren sozialen Ausdruck. Damals kam auch der dritte Teil des dreigliedrigen sozialen Organismus auf. Der erste Teil – der geistige – hängt mit dem Denken zusammen und fand im Altertum in der Theokratie ihren Niederschlag. Später gab es eine selbstregierende soziale Struktur in der Kirchenform. Der zweite Teil – das staatlich-rechtliche Leben – hängt mit dem Fühlen zusammen und hat sich auf dem äußeren Plan als die Legislative, Judikative, und Exekutive im Staat manifestiert. Während der ganzen Entwicklung der Menschheit hat es ein Wirtschaftsleben gegeben, doch war dieses unbewusst und tief im Willen des Menschen versteckt, es wurde instinktiv erlebt. Das Denken und Fühlen wurden auch instinktiv erlebt, doch nach und nach kamen sie in der dritten und vierten Kulturepoche zum Bewusstsein ans Licht. Das Wirtschaftsleben kam zur Bewusstseinssphäre erst in der fünften Kulturepoche und suchte mit dem Auftauchen der Maschinen und des Proletariats nach seiner äußeren Struktur, in der es sich manifestieren konnte. Indem unsere Zeit die Bewusstseinsseele entwickelt, steht sie in kontinuierlicher Beziehung zu der vergangenen Zeit. Andererseits bedeutet das Beherrschen unserer drei Seelenglieder eine Erhebung zu ihrem besonderen Erleben in Einheit. Die menschliche Dreiheit hat göttlichen Ursprung und ihre Widerspiegelung im sozialen Organismus kann nicht vom reflektierenden Ich organisiert werden, das keine Substanz hat. Jede Dreiheit ist zuerst einzeln, gegliedert zu erleben und zum Bewusstsein gebracht zu werden. Danach werden die gesammelten Erfahrungen zur Einheit durch das Ich gebracht, sonst wäre der christliche Monismus auch nicht dreieinig. Die nichtgegliederte Einheit ist dem modernen Menschen und seiner Natur fremd. Wenn sie in einer solchen Art auf dem äußeren Plan widerspiegelt wird, bringt sie die sozialen Missgeburten von Diktaturen jeder Couleur hervor – den Bolschewismus, Nationalsozialismus, die Neue Weltordnung, den religiösen Fundamentalismus usw. In solchen Diktaturen kann sich der Mensch nicht entwickeln, da er kein Gruppenwesen ist, deshalb stirbt er oder er kämpft gegen sie. Steiner hat uns deutlich auf das Modell der sozialen Struktur hingewiesen – es befindet sich im Menschen. Beim Studieren des Brustmenschen bekommt man eine „wahrhafte Wissenschaft von der Art, wie Arbeit, Erträgnis der Arbeit, Lohn, Rente, Kapital, Produktionsmittel angeordnet werden müssen“. Das Studieren des Kopfmenschen, des Sinnes- und Nervenmenschen gibt das Wissen über die staatliche Struktur, gibt die Wissenschaft von der Gesellschaft. Beim Studieren des Stoffwechselmenschen, der mit der Intuition zusammenhängt, erhält man „einen wahren Blick auf die Entwicklung, auf das Werden des Menschen und gibt eine geschichtliche Auffassung der Menschheitsentwicklung.“[1] Steiner sagt auch Folgendes: „Durch sein Lungen-Herzsystem fühlt sich der Mensch so recht hineingestellt unter Menschen. Durch sein Stoffwechselsystem fühlt sich der Mensch als ein Glied der Erde, als zur Erde zugehörig. Durch seinen Kopf fühlt sich der Mensch als „Bürger eines Außerirdischen.“ Doch der Verstand will das auf eine Einfachheit, auf „irgendein Monon“ zurückführen. Daran kranken die Menschen der Gegenwart. Das wird erst dann nicht mehr der Fall sein, wenn „der dreigliedrigen Empfindung im Inneren ein dreigliedriger sozialer Organismus entspricht“[2]. Der Mensch hat bereits sein inneres Leben in den gesellschaftlichen Beziehungen objektiviert, deshalb bahnt sich durch unsere sterbende Zivilisation ein anderes Wirtschafts-, Rechts- und Geistesleben den Weg zum geistigen Licht. Diese drei Teile müssen in eine solche Wechselbeziehung zueinander treten, dass die Pyramide der sozialen Struktur auf ihrer Grundfläche steht. Der Weg dorthin verläuft über das allmähliche Abnehmen des niederen Ich und den Übergang zum höheren Ich. Das ist ein objektiver, welthistorischer Prozess, der durch alle Mittel die Hindernisse beseitigen wird, denn hier geht es um das ewige Schicksal des Menschen und um seine Rückkehr zu Gott. Anderenfalls würde er zurück auf das Gruppenbewusstsein gebracht. Doch ist der Prozess des Übergangs vom reflektierenden abstrakten Denken zum lebendigen imaginativen Denken und der Herstellung einer bewussten Beziehung zu den Göttern so intensiv, dass ihn keine Erdenmacht aufhalten kann. Hier geht es schon um die Richtungswendung des Zyklus nach oben durch den Menschen, was Christus schon getan hat. Laut Steiner wird in der Welt entweder die soziale Dreigliederung siegen oder der Bolschewismus[3]. Heute sehen wir die Formen des Bolschewismus überall um uns herum – die Europäische Union ist eine Form des Bolschewismus, Trump will auch eine solche Form werden, Erdogan ist eine andere Form des Bolschewismus, Putin – auch. Der Bolschewismus ist mit der Sowjetunion überhaupt nicht gestorben, sondern er ist in verschiedene Formen metamorphosiert und will heute durch die Zentralisierung globale Ausmaße annehmen. Sollte das gelingen, dann werden die Gräueltaten Stalins, Maos und der anderen Diktatoren eine blasse Kopie des Bevorstehenden sein. Der Mensch braucht den dreigliedrigen sozialen Organismus, damit das höhere Ich irgendwo frei atmen kann. Wir haben schon längst den Schatten dieses Ich einer Involution unterzogen und benutzen in unserem Alltagsleben das Ego. Es geht darum, das höhere Ich einer Involution zu unterziehen, damit wir einen Übergang zu den geistigen Hierarchien machen können. Das ist eine kulturhistorische Aufgabe. Doch die Entwicklung des Ich führt den Menschen zur Schwelle der übersinnlichen Welt, wo sich das Leben von Denken, Fühlen und Wollen, die sich der Kontrolle des Ich entziehen, sich in drei Richtungen teilen. Egal wie niedrig das niedere Ich ist, es hat auf dem Erdenplan die Kontrolle über unsere drei Seeleneigenschaften. Wenn aber der Übergang zum substanziellen Ich gestaltet wird, verschwindet das niedere Ich für einen Augenblick. Wir hielten fest, dass Denken, Fühlen und Wollen die Methoden sind, durch die der dreifache Geist im Menschen manifestiert wird. Wenn die drei Seeleneigenschaften nicht hier unten kultiviert worden sind, wird der Gedanke, wenn die Kontrolle des niederen Ich verschwindet, zu einem gierigen Adler, das Gefühl – zum wütenden Löwen und der Wille – zu einem brüllenden Stier, das ein rotes Tuch gesehen hat. Das ist in der Tat sehr schwierig, da der Mensch heutzutage nur in seinen Gedanken bewusst ist. In seinen Gefühlen bricht ständig ein Vulkan aus Stimmungen aus, die er schwer unter Kontrolle hält, und im Willen ist der Mensch völlig unbewusst. Die Aufgabe der Kontrolle der drei Seeleneigenschaften ist an sich eine Einweihungsaufgabe, die einen sozialen Charakter in der äußeren Welt und im Menschen auch einen ethischen und gnoseologischen Charakter annimmt. Das ist auch eine Evolutionsaufgabe, da sie zu einer Wandlung der Menschenart führt. Dise Aufgabe birgt kolossale Möglichkeiten des geistigen Wachstums oder des Absturzes. Neulich hatten wir ein Treffen, bei dem die Offenbarung kam, dass es keinen Gipfel beim Aufsteigen des Menschen nach oben gibt, jedoch auch keinen Boden bei seinem Absturz nach unten. Heute kann der Mensch geistiges Wachstum in seinem Bewusstsein erreichen, das früher in keinem Mysterium möglich war. Doch er kann auch genau so tief abstürzen. Deshalb ist zum Erfassen des Geheimnisses des Bösen, das Manes am besten beherrscht, eine höchstmögliche Erhebung im Bewusstsein notwendig und ein Eintauchen mit diesem Bewusstsein zum tiefstmöglichen Grund. Dann kann der Manichäismus in der richtigen Art als Dualismus verstanden werden, der die größten Höhen und Tiefen des Menschen erfasst, was ausschließlich einem mächtigen Geist gelingen kann. Deshalb sprach Beinsa Douno darüber, dass nur die fortgeschrittensten Individualitäten sich mit den Geheimnissen des Bösen befassen dürfen.

Das niedere Ich empfindet eine instinktive Angst vor solchen Aufgaben​ und trifft daher jegliche Maßnahmen ideologischen, politischen, juristischen u.dgl. Charakters, um jedes Wissend darüber aus der Gesellschaft und dem individuellen Bewusstsein zu verbannen. Nach den objektiven Gesetzen der Weltentwicklung fällt der Übergang von der ersten zur zweiten Hälfte der fünften Wurzelrasse in die vierte Kulturepoche. Doch vom Gesichtspunkt der individuellen Entwicklung aus betrachtet, fällt die Mitte der Wende in die fünfte Kulturepoche. Das heißt, dass die freie Entwicklung des Menschen die objektiven Gesetze der Weltensymmetrie beseitigt. Die Aufgabe des Hinübersetzens über die Schwelle der übersinnlichen Welt stellt sich zum ersten Mal als eine Kultur- und Zivilisationsaufgabe vor die Menschen und bedarf einer sozialen Lösung. Die erdbebenähnlichen Erschütterungen unserer Zeit werden vom höchsten Punkt der Nichtentsprechung zwischen dem äußeren sozialen Organismus und der inneren Welt des Menschen hervorgerufen. Die heutige Zeit bietet uns unglaubliche Möglichkeiten des geistigen Wachstums, doch es lauern auch Riesengefahren auf uns –  wir könnten weit zurückgeworfen werden in unserer Entwicklung.

Nachdem wir letztes Mal den rechtmäßigen Weg zur geistigen Welt genannt und die Methodologie der Anthroposophie besprochen haben, werden wir nun versuchen, die Notwendigkeit der Existenz des dreigliedrigen sozialen Organismus methodologisch zu begründen.

Als Steiner begann, die Methodologie der Anthroposophie herzuleiten, ging er von der Erkenntnistheorie aus und hat dieser Theorie einen Evolutionscharakter verliehen, sie zur Wissenschaft über die Einweihung erhoben. Somit machte er eine bemerkenswerte Synthese zwischen Gnoseologie und Ontologie, zwischen Objekt und Subjekt, zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen Geist und Materie. Um seine Methodologie zu begründen, stützte er sich auch auf die Wissenschaft der Logik Hegels – den Gipfel in der Philosophie. In der Wissenschaft der Logik sagt Hegel,  dass der Mensch in sich eine Potenz enthält, die er „das An-sich-sein“ nennt. Diese hat der Mensch noch nicht objektiviert, nicht erkannt und sie ist noch nicht zum Gegenstand für ihn geworden. Das Kind besitzt z.B. seit seiner Geburt einen keimhaften Verstand, der noch nicht entwickelt ist, daher hat das Baby noch kein selbständiges Denken. Die Potenz hat sich also noch nicht entfaltet. Wenn sie sich entfaltet, wird sie vom „An-sich-sein“ zum „Für-sich-sein“. Hegel fährt in seinen Überlegungen fort und gibt das Beispiel eines Samens, den wir einpflanzen, und der später neue Samen gibt. Diese werden dem ursprünglichen Samen ähnlich sein, man kann also sagen, dass das ein „An-sich-sein“ ist, das sich entfaltet hat. Doch diese Samen dienen nicht dem ersten Samen, sondern den Menschen als Nahrung. Hier liegt schon etwas anderes vor – nicht einfach der Übergang des „An-sich-sein“ zum „Für-sich-sein“, sondern jemand hat etwas für jemand anderen getan. Es liegt ein Opfer des ersten Samens vor, der 20 neue Samen gibt, die dem Menschen oder einem Tier zur Nahrung dienen werden. Diese Denkart Hegels führt uns zur Methodologie der sozialen Dreigliederung. Er dachte, dass dieser Prozess nur auf dem Gebiet des menschlichen Bewusstseins Anwendung finden würde, doch Steiner hat durch seine herausragende Entdeckung, dass der Mensch außer Denken, Fühlen und Wollen auch Stoffwechsel, rhythmisches System und Kopf ist, den Weg zur Universalisierung dieses Prinzips gebahnt. Die Verwandlung der Potenz „An-sich-sein“  in ein „Für-sich-sein“ als Prinzip kann überall Anwendung finden. Wenn man sich von seinem niederen Ich zum höheren Ich erhebt, wird man zu einem freien Menschen, der eine qualitativ neue Potenz erhält, die mit dem Geben zusammenhängt. Hier seien auch die hierarchischen Wesen erwähnt, die in ihrem Ich-Bewusstsein wachsen, indem sie etwas abgeben. Ein Hierarchiewesen entleert seine Essenz, um die Essenz eines höherstehenden Wesens anzunehmen. Gleichzeitig schenkt es seine Essenz einem tieferstehenden Wesen. Es entsteht eine Art System kommunizierender Geräte, in dem die Wesen sich durch Abgabe erheben. Hier wirkt das Prinzip des Opfers des Samens, der andere Samen gibt, die jemanden satt machen. Hegel besaß einen glänzenden reinen Gedanken, aber da ihm der Übergang zum höheren Ich nicht gelungen ist, konnte er nicht an die Wissenschaft der Einweihung heranreichen und dieses Prinzip überall im Dasein anwenden. In der Methodologie der Anthroposophie gehören die Begriffe ‚An-sich-sein‘ und ‚Für-sich-sein‘ zur Lehre von den hierarchischen ichhaften Wesen und ihrer Evolution. Das Problem der Erkenntnisgrenze wird zum Problem der Bewusstseinsgrenze – also verschmelzen die Gnoseologie und die Ontologie. Sie beginnen einander zu erklären und dieses Verschmelzen ist möglich, wenn die Erkenntniswissenschaft zu den Grenzen der Einweihungswissenschaft erweitert wird. Das lässt sich nur auf der Grundlage der Erkenntnis von der Evolution der einheitlichen sinnlich-übersinnlichen Wirklichkeit und des in sie hineingestellten mehrgliedrigen Menschen realisieren. Wohin können wir auf der gnoseologischen Lemniskate des kontemplativen Denkens die Hegelschen Begriffen stellen? – Wie wir wissen, besteht diese Lemniskate aus zwei Schlaufen. Die erste besteht aus These, Antithese und Synthese in der sinnlichen Welt  – Punkt 4, in dem das niedere Ich abgenommen wird. Die zweite Schlaufe ist in der übersinnlichen Welt, wo das Ergreifen der Ideen und ihr Herunterholen und Begreifen geschieht. Das „An-sich-sein“ befindet sich in Punkt 4, wo das niedere Ich heruntergeholt wird und alles, was als Potenz enthalten ist, seine Entwicklung beginnt. Das realisierte „Für-sich-sein“ befindet sich in der anderen Schlaufe, wo die Idee eröffnet wird, die hinter den Objekten der sinnlichen Welt steckt. Das ist die feste Grundlage, auf der wir einen Übergang vom niederen zum höheren Ich machen können. Wenn das niedere Ich abfällt und man sich mit Liebe mit dem Erkenntnisobjekt identifiziert, kommt es zum Verschmelzen zwischen Subjekt und Objekt, was ein Vorrecht des Logos ist. Als sich der väterliche Weltengrund zu manifestieren begann, ist Christus erschienen, Der eine Einheit von Weltensubjekt und Weltenobjekt ist. Der Mensch erreicht also im kontemplativen Denken das Vorrecht des Logos selbst – er wird zu einer Einheit von Subjekt und Objekt, er kann das tun. Auf der ganzen Senkrechten der Hierarchie ist dies nur für den Logos und den Menschen erreichbar. Das ist etwas Einmaliges!

Indem der Mensch im dreigliedrigen sozialen Organismus ein „Für-sich-sein“ erhält, bewegt er sich zum freien Willen, zu einer Tat, die von ihm selbst begründet ist – das ist etwas Verschiedenes vom eingeborenen „An-sich-sein“. Das ist eine Art zweite Potenz, die nach der Vollendung des jeweiligen Aktes von jemandem für jemanden gewonnen wird. Dieser Akt wird vom individualisierten Ich vollbracht, das mithilfe von Kontemplationen und Ideenwahrnehmungen denkt. Der Akt der Kontemplation selbst ist in diesem Fall ein „An-sich-sein“ des leeren Bewusstseins, des reinen Willens des Denkens. Das „Für-sich-sein“ der Kontemplation ist die Wahrnehmung der Idee durch das Beobachtungsobjekt. Zwischen Objekt und Subjekt muss eine Gleichheit entstehen, das Prinzip der Brüderlichkeit muss also zur Geltung kommen. Steiner überträgt dieses Prinzip in das Wirtschaftsleben, indem er es von der gnoseologischen Lemniskate des kontemplativen Denkens herleitet. Das, was dieses Prinzip daran hindert, sich im Wirtschaftsleben durchzusetzen, ist der Umstand, dass der Mensch noch nicht reif ist, um sein niederes Ich abzunehmen und die anderen als seine Brüder in Christo zu betrachten. Deshalb herrscht heute überall die Konkurrenz. Im Wirtschaftsleben, das seinerseits dreifach unterteilt ist in Warenproduktion, Warenaustausch und Warenverbrauch, wirkt anstatt der Brüderlichkeit das Prinzip der Konkurrenz, denn es ist gänzlich das Produkt des reflektierenden Ich. Wenn heutzutage überall gesagt wird, dass die Konkurrenz der Motor des Fortschritts sei, muss man wissen, dass sie der Motor des Fortschritts bis zum Ende des Kali-Yuga war. Nach Anbruch der michaelischen Zeit, nach der Zweiten Ankunft Christi, dem Zweiten Golgatha und dem Opfer von 1936 ist das Leben in Konkurrenz völlige Barbarei. Der Wettbewerb tötet alles Sinnvolle im Leben ab und verwandelt es in eine Hölle. Die Praxis zeigt, dass dort, wo gegenseitige Hilfe unter den Menschen überwiegt, üppiger geerntet und produziert wird und jeder bestrebt ist, mehr von sich zu geben. Es muss das assoziative Prinzip Wirkung haben, so dass jeder, der arbeitet, nicht das Produkt seiner Arbeit, sondern das Produkt der anderen nutzt, die auch nicht für sich arbeiten. Nur ein Wirtschaftsleben, das auf diesem Prinzip basiert, kann richtig funktionieren. Dann wird der Wille, der in die Warenproduktion hineingelegt wird, nicht verwischt, wie das bei der heutigen globalisierten Produktion der Fall ist. Wenn ein Hersteller arbeitet, der hinter dem Produkt mit seinem Namen steht, hinterlässt er seine Seele im Produkt und er will, dass dieses Produkt möglichst lange und in hoher Qualität den Menschen dient, möglichst schmackhaft oder schön ist. Heutzutage lassen sich die Produkte in der Warenproduktion – und in dem Warenaustausch mit wenigen Ausnahmen nicht personalisieren und in Verbindung zu einem konkreten Menschen oder einer konkreten Gruppe gebracht werden. Normalerweise steht auf diesen Produkten das unpersönliche „Made in China“. Das Wirtschaftsleben muss konkret und übersichtlich sein. Die Menschen nehmen in gleichem Maße interessiert an Assoziationen teil, wo sie nicht für sich, sondern für die anderen arbeiten. Unter den Anthroposophen gibt es eine bekannte Anekdote zu diesem Thema. In der Hölle gibt es sehr leckeres Essen, um das die Sünder stehen. Jedem Sünder ist ein sehr langer Löffel an den Arm gebunden, so dass niemand allein essen kann und alle hungrig bleiben. Im Paradies ist es das Gleiche, nur dass dort jeder den anderen füttert und alle zufrieden sind. Das ist das Wesen des Prinzips der Assoziation. Solange das Prinzip des Egoismus vorherrschend ist, wird niemand satt werden. Solange es auf der Welt Millionen von hungrigen Menschen gibt, wird es immer ein großes Problem geben, und diese Hungrigen werden zu den scheinbar Satten strömen. Das Leben in den Assoziationen wird die großen Mysterien des Altertums ersetzen, das Wirtschaftsleben selbst wird zu einem Mysterium werden, eine Frage der Einweihung und ein Ort zum Kultivieren der Brüderlichkeit.

Heute sind die Menschen schon zu Subjekten auf dem Gebiet des Denkens geworden, aber die geistige Welt möchte uns auch im Willen wach machen. Beim kontemplativen Denken wird der Wille zum Träger des Denkens bei seiner Beziehung zum höheren Ich, der Wille ist der Generator beim Übergang nach oben. Wenn beim kontemplativen Denken das niedere Ich abfällt, die Beziehung zum höheren Ich hergestellt wird und die Idee sich dem Menschen eröffnet, erlangt er ein „Für-sich-sein“. Das höhere Ich beginnt, ein fünftes Reich aus solchen Ideen zu bilden und es gibt immer eine Zentripetalkraft, die uns zu Gott anzieht. Alle Iche der Hierarchien liegen auf der Senkrechten von Christus zum Menschen und streben immer nach oben. Wenn um unser Ich herum sein eigenes fünftes Reich sich auszubilden beginnt, muss es die starke Zentrifugalkraft überwinden und die ergriffenen Ideen nach unten herablassen. Ein Teil dieser Ideen müssen in das Wirtschaftsleben eingehen und es in eine Struktur verwandeln, in der das höhere Ich eine Involution erfährt. Da in diesem Ich der Weltenwille wirkt, geht dieser Wille in das Wirtschaftsleben ein und das Wirtschaftsleben wird zu einer Verkörperung des Weltenwillens. Auf diese Weise wird das Prinzip der Brüderlichkeit in das Wirtschaftsleben eingehen.

Das geistige Leben des Menschen, der von unten versucht, eine Beziehung zu seinem höheren Ich aufzubauen und die Ideen zu ergreifen, und das Wirtschaftsleben gehen ineinander über. Die Beziehung zwischen dem geistigen und dem Wirtschaftsleben verläuft im mittleren Teil durch die Legislative und Exekutive, welche in der vierten Kulturepoche gebildet wurden. Ich habe den Eindruck, dass die Anthroposophen die staatlich-rechtliche Sphäre außer Acht lassen, jedoch ist diese äußerst wichtig, denn dort muss eines der bedeutsamsten Probleme gelöst werden – die Frage nach dem Eigentum.

Jemand würde hier meinen, dass ich hier für eine neue Form des Kommunismus werbe. Jedoch sind das keinesfalls utopische Ideen, sondern die Wirklichkeit, die auf dem Erdenplan unbedingt zu realisieren ist, denn sonst könnte die Menschheit ihre Entwicklung nicht fortsetzen. Daher wird das auch nach der Vorsehung Gottes geschehen. Jeder, der sich dem in den Weg stellt, stellt sich vor einen gigantischen Strom, der ihn fortreißen wird, da der Weg des Menschen vom niederen zum höheren Ich eine welthistorische Notwendigkeit und ein globaler Prozess ist. Das Land und die Produktionsmittel müssen dem Wirtschaftssektor zu Gunsten des staatlich-rechtlichen Sektors entzogen werden. Letzterer muss das Land und die Produktionsmittel unter diejenigen verteilen, die sie zum allgemeinen Wohl bewirtschaften können und wollen. Die Fähigsten werden dann selbstverständlich Zugang zu mehr Gütern haben, doch was sie in erster Linie führen wird, wird das Prinzip der Brüderlichkeit sein. Das ist überhaupt keine Utopie, denn hier geht es um die große Wandlung, die im Menschen und seiner Position zur geistigen Welt eintritt – aus der umgekippten Stellung heraus muss er sich langsam aufrichten und Impulse aus der geistigen Welt empfangen, die durch alle drei Sphären des dreigliedrigen sozialen Organismus verlaufen. Das, was wir auf der Zeichnung sehen, ist der heutige umgekippte Mensch. Wenn er sich auf die Beine stellt, werden die drei Sphären ihren jeweils richtigen Platz einnehmen. Die Wirtschaftssphäre wird dann mit dem Irdischen verbunden sein, mit seinem Kopf wird der Mensch zum Himmel hinaufschauen und nicht wie jetzt in die unterphysischen Welten hineingraben. Wenn wir den Platz der drei Sphären des dreigliedrigen sozialen Organismus auf der Lemniskate des kontemplativen Denkens bestimmen wollen, müssen wir sie in die Schlaufe stellen, die im Diesseits ist und aus These – Antithese und Synthese besteht. Das Geistesleben gehört in die Schlaufe auf der anderen Seite, in der die Idee individualisiert wird und durch die moralische Technik im Erdenleben umgesetzt wird. Die staatlich-rechtliche Sphäre gehört zu Punkt 4, wo das Abnehmen des niederen Ich geschieht. Wenn dieses Ich abfällt, können aus der geistigen Welt die Ideen zur Anordnung der Judikative, Exekutive und Legislative kommen, so dass sie am besten die Beziehungen zwischen der geistigen und Wirtschaftssphäre harmonisieren. So wie der Mensch auf die Gefühle nicht verzichten kann, ist auch die staatlich-rechtliche Sphäre nicht zu unterschätzen.

Man kann hier einen scheinbaren Widerspruch bemerken: In der staatlich-rechtlichen Sphäre wirkt das Prinzip der Gleichheit und im geistigen Leben – das Prinzip der Freiheit. Wenn von Gleichheit die Rede ist, schließt das das individuelle Prinzip aus, das in der geistigen Welt existiert, es schließt auch die Beziehungen im Wirtschaftsleben aus, die für die anderen ihre Arbeit ausmachen. Wie ist es möglich, dass eine Sphäre, in der alle gleich sind, die anderen zwei Sphären regeln soll, in denen andere Prinzipien wirken? Der Punkt 4 ist der Punkt, in dem das niedere Ich abgenommen wird, in dem wir alle gleich sind. Diese Sphäre beschränkt keinesfalls das Wachstum im höheren Ich, das Ergreifen von Ideen und deren Einbeziehung in das Wirtschaftsleben. Dort wird der scheinbare Widerspruch zwischen dem individuellen und sozialen Prinzip aufgehoben.

Wie bereits erwähnt, kam das geistige Leben aus dem Osten, wo die Mysterien des Lichts entwickelt wurden. Das staatlich-rechtliche Leben entstand aus den Mysterien des Raums, die in einer herausragenden Form im alten Ägypten existiert haben. Wir wissen, dass Zarathustra seinen Astralleib Hermes gegeben hat, der in die Mysterien des Raums eingeweiht war; seien Ätherleib hat er Mose gegeben, der in die Mysterien der Zeit eingeweiht war. Aus den Mysterien des Raums, die mit den Merkur-Mysterien zusammenhängen und zum atlantischen Merkurorakel zurückführen, stammt die Gestaltung des staatlich-rechtlichen Lebens in der vierten Kulturepoche auf dem Gebiet des alten Griechenlands und des Römischen Reichs. Welche Mysterien waren die Träger des Wirtschaftslebens? – In Nordeuropa und Nordrussland sind nach der Zeitenwende mehrere Völker entstanden. Ich habe bereits mehrmals über die Teilnahme der Bulgaren – der Träger des Ich-Impulses – an diesen Prozessen gesprochen. Unter diesen Völkern wurden die Mysterien der Erde praktiziert, in denen die kosmische Weisheit von der Erde widerspiegelt, als eine physische Weisheit im Zusammenhang mit dem Jahreskreislauf der Natur und der Landwirtschaftsarbeit wahrgenommen wurde.

Im Unterschied zu Ägypten, dessen Feste mit der Bewegung der Himmelskörper und der Sterne zusammenhingen, standen die Feste in Nordeuropa in Beziehung zur Ernte und dem Wirtschaftsleben. Die Druiden, die ihre Weisheit unter anderem auch vom Thraker Zalmoxis erhalten haben, der über die Unsterblichkeit der Seele lehrte, leiteten das geistige Leben der Kelten, indem sie den im Spiegel der Erde reflektierten Himmel studierten. Wenn sich die Druiden in die Dolmen legten, die das physische Sonnenlicht aufhielten und das geistige Licht passieren ließen, brachten sie ihren physischen Leib zur Ruhe und Unbeweglichkeit. Durch das Atmen und die Blutzirkulation erhielten sie aus dem Kosmos das innere Wissen über alle irdischen Werke. Diese Priester haben durch die Erde auf den Himmel geschaut. In diesen Mysterien wurden die Menschen darauf vorbereitet, eines Tages zur Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben zu gelangen. Und da ich ständig die Einmischung. von Bulgaren hier oder da erwähne, möchte ich Folgendes sagen. Die Bulgaren arbeiten an der Ich-Evolution der Menschheit. Das Ich wird über Denken, Fühlen und Wollen erlebt, über die drei Systeme im Menschen und die drei Seelen. Das Ich wirkt dort überall, deshalb können wir die Einmischung der Träger des Ich-Mysteriums der Menschheit im Mysterium des Lichtes, des Raums und der Erde finden. Das mag jemandem größenwahnsinnig klingen, doch es wird sowohl von den historischen als auch den okkulten Tatsachen bestätigt. In Bulgarien und Russland hat es Versuche gegeben, Beziehungen der Brüderlichkeit in den Dorfregionen durch die Gründung Landwirtschaftlicher Kooperativen aufzubauen. Steiner sprach darüber, wie der Erzengel des russischen Volkes mit diesem Volk als von der Erde reflektiertes Licht arbeitete. Deshalb erlebt ein Russe, der seinen Boden bestellt, den Erzengel seines Volks zwar unbewusst, jedoch in dessen eigentlichem Wesen. Dieses Volk und das deutsche Volk wurden auf die zukünftige Brüderlichkeit vorbereitet, deshalb erfuhren sie im 20.Jahrhudnert einen so schweren Schlag durch den Bolschewismus und Nationalsozialismus. Die synchronisierende Rolle der zweiten Sphäre des dreigliedrigen sozialen Organismus, ist die reale Beziehung zum Volkserzengel. Wenn jemand vom Schicksal des eigenen und der anderen Völker tief bewegt wird und die richtigen Fragen stellt, erhält er die genauen Antworten. Sie werden sich daran erinnern, wie wir über den falschen Weg gesprochen haben, den Russland nach dem Tod Iwan Grosnys (des Schrecklichen) und der Ermordung des Thronfolgers Dimitri, dem Letzten des Rjurik-Geschlechtes, bestiegen hat. Steiner hatte darüber gesprochen wie wichtig es ist, zu verstehen, welche Individualitäten hinter Dimitri und Kaspar Hauser stehen und was durch ihre Ermordung vereitelt wurde. Ich habe gesagt, dass mit dem Mord an Dimitri für die Russen die Beziehung zu ihrer bulgarischen Wurzel abgebrochen wurde, die eine große Rolle für Russland spielte. Danach ist Russland zu Peter I. abgestürzt und es folgten der Bolschewismus und alles, was uns aus der neueren russischen Geschichte bekannt ist.

Indem sich die Menschen heute ihres niederen Ich bedienen, bringen sie Chaos in die drei Systeme des sozialen Organismus ein. Bekanntlich wird als erster Gesetzgeber der Menschheit Mose angesehen, der durch die Inspiration des Führers des althebräischen Volks Jehova die Zehn Gebote in Empfang genommen hat. Diese Gebote wurden aber nicht zu Rechten, sondern zu Pflichten. Im Laufe der Zeit wurden die menschlichen Rechte mit den Pflichten durcheinander gebracht, daher ist in der Kategorie des Rechts auch der Begriff ‚Pflicht‘ enthalten. Es kommt zu einem Widerspruch zwischen beiden. Bereits im alten Rom, wo das Recht und die Jurisprudenz sich im gesellschaftlichen Leben durchgesetzt haben, hat der Thraker Spartacus einen Sklavenaufstand organisiert – Luzifer begann nämlich, in der Empfindungsseele für seine Rechte zu rebellieren. Immer wenn in diesem Aspekt von Luzifer die Rede ist, geht es um Ansprüche auf Rechte. Wenn von Ahriman die Rede ist, geht es um die Durchsetzung der Macht des Gesetzes. Wenn es zur Verletzung der Menschenrechte kommt und sich alles um die Pflichten dreht, beginnt Luzifer zu rebellieren. Nach dem philosophischen Konzept Hegels ist die Triade aus subjektivem, objektivem und absolutem Geist von der Freiheitsidee durchdrungen. Der Mensch wird frei geboren und daraus resultieren Rechte. Hier können wir auch das Thema des bedingungslosen Basiseinkommens einschieben, das nun in Finnland eingeführt werden soll. Einer Gruppe aus 2000 Personen werden probeweise monatlich im Laufe von zwei Jahren jeweils 560 Euro zur Verfügung gestellt. Man könnte einwenden, dass dies zur Faulheit führen würde und wenn man sich des niederen Ich bedient, führt das Ausschütten von Mitteln ohne Gegenleistung in der Tat zur Faulheit. Das ist auch bei den sog. zivilisierten Völkern der Fall, wo viele nur nach einem Zugang zum Sozialsystem streben und völlig demotiviert sind, jegliche Arbeit zu verrichten. Doch eine Demotivierung ist das Ergebnis auch, wenn der soziale Organismus mit dem Kopf nach unten aufgebaut ist. Dann kann von keiner Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben die Rede sein, die Gleichheit in der staatlich-reichlichen Sphäre ist total gestört und das geistige Leben mutiert zu einem kläglichen Anhängsel der anderen zwei Sphären. Die heutige Anordnung der drei Sphären des sozialen Lebens entspricht der marxistischen Weltanschauung – oben ist die Wirtschaftssphäre, die am wichtigsten ist und die beiden anderen Sphären unterdrückt. Auf diese Weise gibt man Gott nicht was Gottes ist, sondern was Kaisers ist. Obwohl die marxistische Anschauung im Westen nicht wie bei uns in ihrer ganzen Hässlichkeit umgesetzt wurde, haben die dort vorherrschenden Ideologien auch zum Töten des geistigen Lebens geführt. Wenn das Geistesleben auf das Irdische gerichtet ist und von den über ihm befindlichen Sphären unterdrückt wird, mutiert es zu einer Ideologie bzw. zu einem leeren Schema. Die westliche Sozialdemokratie, die auf der Grundlage der Theorien Herbert Spencers, John Stuart Mills, Darwins usw. gegründet wurde, hat die Ideologien hervorgebracht, die das Wirtschaftsleben zur Zentralisierung und Globalisierung, zur Diktatur des Kapitals getrieben haben. Auch im Westen gilt das geistige Leben als Anhängsel der beiden anderen Sphären. Auch dort geht die Entwicklung auf den Bolschewismus zu. Der Bolschewismus wurde zwar im Ostblock umgesetzt, doch das Leben im Westen führt auch dorthin. Wenn die Gesellschaft auf der Basis des niederen Ich aufgebaut wird, will die Legislative alles Mögliche im Leben durch Gesetze erfassen. Auf diese Weise werden getötet jede Inspiration, Begeisterung, jedes Streben nach dem Schönen und nach allem anderen, was keinen Gesetzen unterliegt. Ahriman will alles angleichen und alles zum Gesetz und zur Pflicht machen. Luzifer befindet sich auf dem gegenüberliegenden Pol und pocht nur auf die Rechte. Wir sehen, welches Ausmaß der westliche Liberalismus erreicht hat – jede Schwachsinnigkeit erhält sofort Rechte, was die staatlich-rechtliche Sphäre völlig barbarisiert. Die richtig funktionierende staatlich-rechtliche Sphäre muss die Ansprüche des niederen Ich vernünftig einschränken, etwa den Anspruch homosexueller Paare, Kinder großzuziehen. Die heutigen Rechtsansprüche sind zu einer totalen Willkür geworden. Doch das Anhäufen von luziferischem Karma führt unvermeidlich zum Erscheinen Ahrimans. Unser Recht auf Gesundheit wird z.B. an das ahrimanischen Gesetz der Pflichtimpfung gebunden. Das Recht auf eine normale Schwangerschaft und Geburt ist an Ultraschalluntersuchungen gebunden, die schädlich für die Frucht sind. Die Kinder sind von klein auf mit Mobiltelefonen ausgestattet, wobei der Schaden der Telefone noch größer ist als der Schaden des Rauchens. Wenn die Rechte Luzifers in ein Bacchanal aus Rechten ausarten, führt das zur Einmischung Ahrimans und es taucht das entsprechende Gesetz auf. Die Fragen des Rechts, Gesetzes und der Pflicht werden miteinander verwechselt und daraus resultieren Probleme.

Wie erlöst man Luzifer im Geflecht des staatlich-rechtlichen Lebens? Das kann geschehen, wenn man lernt, die Pflicht zu lieben. Hier muss ein Übergang von der einen Schlaufe der Lemniskate des kontemplativen Denkens zu der anderen Schlaufe durch das Abnehmen des niederen Ich stattfinden. Die Evolution vom Recht zur  bewusstgewordenen Pflicht führt vom niederen zum höheren Ich. Das ist die Methodologie. Am Anfang der Vorlesung habe ich vergessen, dass heute der Tag für Vergebung ist, doch hier wäre es am Platz, etwas im Zusammenhang damit zu erläutern (In der Orthodoxen Kirche wird am letzten Sonntag vor der Fastenzeit vor Ostern Quinquagesima (den Tag der Vergebung) begangen. Man bittet an diesem Tag die Mitmenschen um Vergebung für etwaige Kränkungen und begangene böse Taten. – Anm. des Übersetzers). Wenn man beschließt, auf sein Recht zu verzichten, darf man nicht vom Standpunkt der Vergangenheit, sondern vom Standpunkt der geistigen Welt, der Hierarchien, ausgehen. Wenn jemand eine Ohrfeige verpasst bekommt, muss er von Verständnis durchdrungen werden, was für Kräfte die geistige Welt aufgebraucht hat, um die Situation herbeizuführen, in der er diese Ohrfeige als den karmischen Ausgleich für etwas Bestimmtes zu erhalten. Wenn man auf die Vergangenheit schaut, dann urteilt man über den anderen auf der Grundlage der Vergangenheit und es das Karma kann nie in richtiger Weise reguliert werden. Wenn man auf die Situation von einem höheren Standpunkt herunterschaut, kann man auf sein Recht auf Vergeltung verzichten und einen Schritt zur Pflicht tun. Die Hauptpflicht des Menschen heute ist die Pflicht zur höheren Entwicklung, zur Abnahme des niederen Ich und Herstellung der Beziehung zu den Hierarchien. Das ist unsere welthistorische Aufgabe. Wenn ein Mensch dieser Pflicht gewahr wird, beginnt er alles, was in seinem Leben passiert, als ein Mysterium zu betrachten. Das Leben ist wortwörtlich eine Einweihung, in der man wachsen kann, indem man im Wirtschaftsleben auf der Grundlage des assoziativen Prinzips arbeitet, an der Judikative, Legislative oder Exekutive teilnimmt oder die Wirtschafts- und die geistige Sphäre harmonisiert. Man besteigt den streng individuellen Weg zur geistigen Welt durch den Übergang zu einer individuell bewusstgewordenen bildhaften Bewusstseinsform. Dann wird das, was die Priester in der dritten Kulturepoche von oben als ein „An-sich-sein“, als Offenbarungen empfangen haben, im Menschen zum „Für-sich-sein“, zu Ideen, die in die drei Sphären eingelegt werden, so dass sie harmonisch nebeneinander bestehen. In diesem Sinne schöpft die Frage nach der Vergebung nicht nur die Worte „Verzeih mir“ und die Antwort des Gegenübers „Ich verzeihe dir“ aus. Das sind nur leere Floskeln, durch die man in der alten Art weiterlebt. Vor elf Jahren habe ich diese Frage in einer Vorlesung beleuchtet[4] – wir wollen uns hier an die vier Stufen des Vergebungsaktes erinnern. Zuerst hören alle negativen Emotionen auf und wenn man sich an die Stelle des anderen stellt, begreift man weisheitsvoll, warum er sich in dieser Art verhalten hat. Deshalb braucht man ein starkes Verständnis, das aus der Anthroposophie kommt. Wenn man die Gründe verstanden hat, verzichtet man freiwillig auf jeglichen karmischen Ausgleich – das ist der Schlüsselmoment des Vergebungsaktes. Das bedeutet, dass man die Vergangenheit nicht nach dem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ betrachtet, sondern die Pflicht zur Entwicklung zur geistigen Welt erkannt hat. Das führt zum Verzicht auf Vergeltung und die karmische Kette bezüglich des jeweiligen Problems reißt. Wenn das geschieht, stellt man verwundert fest, dass man den Menschen, der einem Böses angetan hat, liebt und immer lieben wird, selbst wenn er  wieder Böses antun würde. Doch die karmische Kette auf diese Weise abgebrochen wird, wird der andere Mensch einem kaum mehr Böses antun. So wird ein natürlicher Übergang zur Brüderlichkeit gestaltet. Die Vergebung erweckt den Menschen im Fühlen und sie ist ein mächtiger christlicher Akt, der von den heutigen Christen völlig missverstanden wird. Die Menschen sind in höchstem Maße egozentrisch geworden und können nur schwer ihr niederes Ich überwinden und den anderen vergeben. Zum Ergreifen der Idee aus der geistigen Welt ist es notwendig, das niedere Ich für einen Augenblick abzunehmen. Durch das Ergreifen von Ideen und ihr Herunterholen und Erkennen ihres Sinns beginnt die Evolution, indem Denken, Fühlen und Wollen einer Kontrolle unterzogen werden. Wenn man beginnt, seine Pflicht zu lieben und auf seine Rechte zu verzichten, führt das zur Erlösung der luziferischen Wesen, die zum richtigen Evolutionstempo gebracht werden. Die verrücktesten Menschen erheben am meisten Ansprüche auf Rechte, ohne zu bedenken, dass die Menschheit dadurch barbarisiert wird.

Wie können wir Ahriman in dieser Situation erlösen? Ahriman arbeitet mit dem, was nach außen manifestiert wird. Seine Hauptaufgabe bestand darin, die Materie zu konsolidieren, damit wir zum Gegenstandsbewusstsein kommen und uns weiter nach unten vertiefen konnten. Ahriman ist nicht an der Gerechtigkeit interessiert, sondern er arbeitet an der Aufgabe, die ihm der Vater gestellt hat. Wenn wir Ahriman streifen, streifen wir die Gelassenheit. Ahriman beobachtet absolut gelassen das ganze Chaos, in dem die Welt versunken ist, doch er wird besonders aktiv, wenn jemand den Übergang vom niederen zum höheren Ich versucht. Dann merkt er, dass diese Seele sich seiner Falle entzieht. Wenn man beginnt, die Geschehnisse seines Lebens richtig zu begreifen, erlangt man größere Freiheit und beginnt, sich selbst von der Seite zu betrachten und zu studieren. Das ist verständnisvolle Gelassenheit, in der keine Rache, Beleidigung, Wut oder andere ungesunde Gefühle aufsteigen. In der ruhigen Betrachtung der Ereignisse in der Welt gibt es etwas von der Kälte Ahrimans. Wenn man mit Liebe auf sein Recht auf Revanche verzichtet, wird Ahriman, der in der äußeren Welt wirkt und dem die Leiden absolut egal sind, vom Inneren angezogen. Im Menschen wird Ahriman mit der verständnisvollen Gelassenheit konfrontiert, die von der persönlichen aufopfernden Liebe erwärmt wird. Das Feuer der Liebe brennt im Menschen, nach außen zeigt er verständnisvolle Gelassenheit. Die Beziehung zwischen beiden kann nur der Mensch herstellen und auf diese Weise werden sowohl Luzifer als auch Ahriman erlöst.

Heute steht Ahriman hinter dem Konservatismus. Dieser strebt die ruhige Entwicklung der Wirtschaftsgeschäfte in einem Umfeld an, das von Gesetzen durchzogen ist. Auch strebt er ein geistiges Leben an, das auf der Gruppenbewusstseinsform basiert. Hinter dem Liberalismus steht Luzifer, der revolutionäre Änderungen fordert. Die Diktaturen des 20. Jahrhunderts waren jedoch keine reinen Diktaturen, sondern eine Symbiose zwischen Luzifer und Ahriman, die auch durch die Asuras ermöglicht wurde. Wie können wir, wenn wir zwischen dem Liberalismus und dem Konservatismus stehen, das dynamische Gleichgewicht dieser beiden Kräfte nicht durch die Asuras, sondern in Christo finden? Die beiden Kräfte existieren immer, Christus arbeitet mit ihnen und der Mensch muss in der Mitte zwischen ihnen als Ich wachsen. Wenn Luzifer und Ahriman nicht da wären und nicht in der angemessenen Art einander gegenübergestellt werden, würde es keine Entwicklung geben. Es ist notwendig, dass das Luziferische in uns in ein Streben metamorphosiert, sich geistig mit dem Kopf nach oben durch das kontemplative Denken zur Änderung der Bewusstseinsform aufzurichten. Das ist die wahre Revolution, die wir in unserem Inneren machen müssen. Was den Konservatismus angeht, müssen wir auf die Vergangenheit der Menschheit und der Erde bis zum alten Saturn zurückschauen und der Entwicklung gewahr werden. Der Konservatismus muss in einen „Superkonservatismus“ im göttlichen Sinne metamorphosieren. So lassen sich zwei auf den ersten Blick unvereinbare Dinge kombinieren. Auf der einen Seite steht der Superkonservatismus  als ein tiefes Verständnis der ganzen Evolution der Menschheit und auf der anderen Seite steht der Mut, über die Schwelle der übersinnlichen Welt hinüberzusetzen auf dem Weg zum höheren Ich, auf dem wir zu hierarchischen Wesen werden. Das können wir eine konservative Revolution nennen, die in ihrem reinsten geistigen Sinne zu verwirklichen ist, damit die Menschheit sich zur geistigen Welt richten kann. Das wird unseren Übergang vom Kreuz der Evolution, auf dem wir gekreuzigt sind, zum Evolutionskreuz Christi, über den Er sagte, dass es nicht schwer ist. Als Christus zuließ, auf dem Weg der Evolution gekreuzigt zu werden, war das von unsäglichen Leiden und Schmerzen begleitet, da Er sich mit der Evolution vereinigte und „die Sünden der Welt“ auf Sich genommen hat. Wenn man das Evolutionskreuz in der richtigen Art durch die konservative Revolution abwirft, kreuzigt man sich selbst auf dem Evolutionskreuz des Christus. In diesem Fall ist man zu den Worten des Paulus gekommen „Nicht ich, sondern Christus in mir“. Dann ist das Kreuz nicht schwer, denn es bringt keine Leiden mit sich, sondern es befreit und heilt das, was uns nach oben bewegt. Diese ganze Transformation des Menschen beginnt mit der Transformation seiner dreifachen Seele – der Bewusstseinsseele in eine imaginative, der Verstandesseele in eine inspirative und der Empfindungsseele in eine intuitive. Wenn die letzte Transformation erreicht wird, werden wir im wahren Sinn des Wortes eine Verwirklichung des Wirtschaftslebens haben. Der dreigliedrige soziale Organismus erfährt im Wirtschaftsleben seine wirkliche Realisierung, dessen Hauptfunktion darin besteht, nicht die Menschen zu ernähren, sondern die Bedingungen zu schaffen, damit die Menschen allmählich von der physisch-sinnlichen Welt abfallen und zu der nächsten Bewusstseinsform und Reproduktionsform übergehen. Im Fundament dieses künftigen Wirtschaftslebens steht das Prinzip der Brüderlichkeit – die Idee, dass die Hand, die gibt, nie arm wird. Steiner hat keine Details bezüglich des Aufbaus des Mechanismus des dreigliedrigen sozialen Organismus gegeben – die Ideen werden dynamisch im Prozess der Gestaltung der sozialen Dreigliederung auftauchen. Es werden Eingeweihte erscheinen, die den Weg zu ihrem höheren Ich finden und an den großen sozialen (nicht geschlossenen!) Mysterien teilnehmen werden. Die anderen, die nicht über die Schwelle der geistigen Welt gehen können, werden ihnen folgen und an der Verwirklichung ihrer Ideen teilnehmen.

Alle möglichen Kräfte werden heute gegen unsere Versuche eingespannt, uns zur geistigen Welt zu erheben. Jedoch gibt es eine Stelle im Menschen, die vor jedem Angriff geschützt wird, damit wir uns überhaupt zum Geist erheben und unsere Seele in Verbindung zu der Senkrechten des Christus-Kreuzes bringen können. Wo ist diese Stelle? – Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die Ich-Evolution der Wesen verfolgen. Es war bereits die Rede davon, dass die Personifizierung des kulturhistorischen Prozesses nicht in individueller Geschlossenheit verlaufen kann, sondern hierzu eine geeignete soziale Struktur notwendig ist. Das ist die in jeder Hinsicht doppelte Aufgabe des Individuellen und Allgemeinen. Darin ist „das Kreuztragen“ enthalten. In der Mitte der vierten Kulturepoche entstand eine Besonderheit, die nur für den Menschen von Bedeutung ist. Das Weltenkreuz hat immer einen hierarchischen Träger, obwohl Christus das ganze Weltenall „trägt“. Deshalb ist Er sein Herr, Der Sich ständig in einer Relation der Hypostase mit dem Vater und dem Heiligen Geist befindet. Später nehmen in den einzelnen Evolutionsetappen die Hierarchien das Weltenkreuz auf sich und werden zu „Christophorussen“ – darin liegt das Wesen ihrer Individualisierung. Die Herrschaften etwa stehen an der Spitze der Wesen unter ihnen, mit denen sie in ihrer Gesamtheit das Wesen der Himmlischen Sophia ausmachen. Wenn sich ein Urengel zu den Elohim erheben soll, geschieht das entlang dem Christuskreuz, dem Ich-Kreuz. Er muss die ganze Struktur des Weltenalls auf der gegebenen Etappe in sich subjektivieren, um zum Entwicklungsfaktor in diesem Moment der Weltenevolution zu werden. Das kommt in der folgenden Weise zustande: Die Herrschaft, die die Möglichkeiten aller Wesen unter ihr beherrscht, reduziert das Weltenkreuz entsprechend dem Niveau des Urengels. Im Schnittpunkt des Weltenkreuzes ist der geheimnisvollste Ort im Weltenall, wo das Ich geboren wird bzw. wo ein Ich auf eine höhere Stufe erhoben wird, um andere Aufgaben zu erfüllen. Dort – im Zentrum des Kreuzes – lässt die Herrschaft freien Raum für den Urengel, damit er sich allmählich entwickelt und die Etappe der Weltenevolution verinnerlicht, indem er zu deren Bewusstsein wird. Die Herrschaft stimuliert den Urengel, einen eigenen Raum zu erlangen und in diesem zu wachsen. Aus der Vielfalt aller aufsteigenden Wesen wächst die Herrschaft selbst als Reichtum des Ich und verwirklicht die Einheit des Wachstums aller einzelnen Wesen als ihr systembildender Faktor.

Beim Menschen sehen die Dinge jedoch etwas anders aus, da er sich nicht seines höheren Ich bedient, sondern des reflektierenden Ich. Auf dem Erdenplan sind wir nur im Denken wach. Im Fühlen schlafen und träumen wir und im Willen schlafen wir tief und traumlos. Das Ziel der Weltenführung ist es, dass wir uns im Willen individualisieren, d.h. Im Willen bewusst werden. Das kontemplative Denken ist der Keim dieser Bewusstwerdung, da der Wille das Denken bei seiner Erhebung zur geistigen Welt trägt, wo der Weltenwille in das höhere Ich eintritt, die Ideen ergriffen und heruntergeholt werden, um zu Bausteinen des dreigliedrigen sozialen Organismus werden. Durch das Ich beginnt die Verinnerlichung des dreifachen Geistes in uns und die Verwandlung der dreifachen Seele zuerst in eine imaginative, inspirative und intuitive, dann wird die Transformation der Leiber in den nächsten drei Äonen stattfinden. Die geistigen Hierarchien über uns arbeiten mit den Weltengedanken, dem Weltengefühl und dem Weltenwillen und sind wach, d.h. für diese bewusst. Dagegen benutzt der Mensch das subjektive Denken, das sein niederes Ich hervorgebracht hat, das subjektive Gefühl und den subjektiven Willen, die mit den Weltengedanken, -gefühl und -willen zu verbinden sind. Alle sieben Etappen der Lemniskate des kontemplativen Denkens werden erlebt und bei diesem Erleben müssen das Weltengefühl und der Weltenwille in uns eingehen und uns erheben. Aber wir verfügen nur über ein reflektierendes Ich und ein subjektives Fühlen und Wollen. Im Erdendasein sind wir zwischen Luzifer und Ahriman eingeklemmt, obwohl in einer etwas anderen Art als im Denken. Woran können wir uns festhalten, um aufzusteigen? – Die geistige Welt hat sich auch darum gekümmert. Hier kommen wir zum sog. Kubus Jahve. Laut Steiner gibt es im Menschen einen Raum, den seit Lemurien die Wesen der dritten Götterdrei  – die Engel, Erzengel und Archai –  vorbereitet haben. Jenseits der polarischen Wurzelrasse haben sich auch die Elohim, allen voran Jehova, mit diesem Raum beschäftigt. Deshalb trägt dieser Raum seinen Namen – Jehova-Jahve[5]. Weil der Mensch noch lange nicht wach sein wird im Fühlen und Willen, muss in ihm ein Raum freigelassen werden, in dem er vor den Angriffen Luzifers und Ahrimans geschützt ist. Die beiden sind in allen drei Richtungen aktiv – links und rechts, oben und unten, vorn und hinten. Um diesen Raum zu verstehen, müssen wir uns zwei parallele Ebenen entlang des Menschen vorstellen, die durch uns verlaufen. Die erste stößt an die Stelle vorn, an der die Rippen zusammenkommen und die andere stößt hinten an die Wirbelsäule. Bei seinen Angriffen auf uns kann Luzifer nur an die Vorderwand und Ahriman – nur an die Hinterwand reichen. Dieser Raum ist für beide unzugänglich, lediglich ihre Geschosse fliegen durch ihn hindurch. Im Raum haben wir eigene Gefühle, die aber vor Einseitigkeit geschützt werden müssen. Sie erscheinen als polare Paare, doch aus ihrem Zusammenstoß entsteht keine Synthese zu etwas Neuem. Die Arbeit an den Gefühlen besteht im Transformieren der negativen Emotionen in positive. In dieser Überwindung werden die guten und beständigen Seeleneigenschaften ausgearbeitet.

Im Menschen gibt es auch einen anderen Raum, durch den Luzifer und Ahriman nicht durchgehen können. Er wird von zwei Ebenen begrenzt, die senkrecht zu den ersten zwei stehen. Die erste verläuft durch die Schädelbasis und berührt den ersten Halswirbel und die zweite verläuft durch das Zwerchfell, das die Bauch- von der Brusthöhle trennt. Diese gedachten Flächen bilden die Grenzen eines übersinnlichen Raums, der für unseren Willen frei ist. In diesen Raum können nicht hineingehen Luzifer, der von oben drängt und Ahriman, der von unten drückt. Ihnen ist es verboten, das Quadrat, das von den vier Flächen begrenzt ist, zu betreten. In diesem Quadrat können wir frei unsere Gefühle und unseren Willen kultivieren und allmählich in ihnen erwachen, so wie wir im Denken wach sind. Ich werde nebenbei nur etwas erwähnen. Wenn ich manchmal berichte, dass irgendeine Idee, die die Frucht des kontemplativen Denkens ist, von der geistigen Welt bestätigt wird, so erfolgt diese Bestätigung durch die Archai. Das geschieht in diesem Raum des Gefühls und des Willen, über den Luzifer und Ahriman keine Macht haben. Das ist ein tiefes Erlebnis im Zentrum des Kubus Jahve (gleich werde ich erklären, warum das ein Kubus ist), wo das Zentrum das niedere Ich bildet und die Archai die Richtigkeit der Idee bestätigen, denn die Kontrolle über die Denkkräfte ging nach dem vierten Jahrhundert von den Elohim auf die Archai über. Durch das kontemplative Denken setzt man zum höheren Ich hinüber und ergreift de Idee, die in das niedere Ich heruntergeholt wird. Mit der Idee strömen kosmisches Gefühl und kosmischer Wille hinein. Auf diese Weise erfolgt der Austausch zwischen unserem wesentlichen Ich und dem reflektierenden Ich, denn in unseren Raum strömt Substanz ein. Im Denken haben wir keine Substanz, doch sind das Weltengefühl und der Weltenwille substanziell. Mit unserem reflektierenden Denken lässt sich in diesen Kubus keine Substanz einführen, aber wenn wir uns mit dem kontemplativen Denken zur geistigen Welt erheben, strömt durch das Weltengefühl und den Weltenwille Substanz in uns ein, etwas Lebendiges strömt herein, das immer Schluchzen hervorruft und die Zuversicht bringt, dass die Offenbarung wahr ist und als Beitrag zur Geistigkeit angeboten werden kann.

Wie sieht es beim Denken aus? Durch die Mitte des Menschen von der Kopfspitze zu den Genitalien verläuft ein Damm, der uns in zwei Teile teilt und in dem Luzifer und Ahriman frontal in uns kollidieren, ohne von etwas gehindert zu werden. Laut Steiner ist dieser Damm nicht dicker als die Messerklinge und er hat keinen räumlichen Charakter.[6] Der ganze sichtbare Mensch ist eigentlich kein räumliches Wesen, mit wenigen Ausnahmen, auf die oben hingewiesen wurde. Das, was wir sehen als räumliche Formen, sind eine Art Barrikaden, die Luzifer und Ahriman in ihrem Kampf gegeneinander aufbauen. In unserem Denken kämpfen sie ungehindert, wobei Luzifer von links angreift und Ahriman – von rechts. Es liegt am Menschen, sich einen Raum des kontemplativen Denkens zu erkämpfen, in dem er von ihren Angriffen unabhängig sein kann. Zur Beruhigung kann ich sagen, dass die beiden Widersacher, da sie polar entgegengesetzt sind, sich beim Zusammenstoß in unserem Denken gegenseitig neutralisieren. Aus diesem Grunde haben wir im Denken quasi Ruhe von ihnen und können logisch mit dem reflektierenden Ich nachdenken. Doch wir müssen allmählich selbst einen freien Raum zum Denken erlangen, denn nur im Denken sind wir wach. Der Kubus Jahve, wie wir ihn bisher geschildert haben, ist eigentlich bis zur Mitte links und rechts in unserem Denken geöffnet. Deshalb wurde man im Denken, in der Erkenntnis, wenn die Kategorien ‚Gut‘ und ‚Böse‘ benutzt werden, „verführt“. Der Kubus Jahve muss für die Verführer im Bereich des Denkens geschlossen werden, und zwar auf der Grundlage der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, denn der Mensch als denkendes Wesen ist einer Ebene ähnlich. Wenn wir das Denken vervollkommnen, indem wir es mit der Kraft des Willens beschenken und seinen Charakter verändern, bewegen wir die Quadrate des Fühlens und Wollens in der Zeit des geistigen Lebens und bauen aus den einzelnen Erkenntnisakten links und rechts Flächen, durch die das Luziferische und Ahrimanische nicht mehr eindringen können. Auf diese Weise bauen wir allmählich den Kubus auf. Indem das niedere Ich im Raum der Gefühle entsteht, hinter denen der Astralleib steht, bewegt es sich zur Gleichsetzung mit dem höheren Ich, es bewegt sich im Raum des Willens und nimmt sich selbst im Willen ab. Das Berühren des Willens des abstrakten Denkens mit dem Willen des Ich erfolgt im Ätherleib und man verlässt allmählich den Raum und somit auch den Kubus Jahve. Auf diese Weise nimmt man das Kreuz der eigenen Entwicklung schon im niederen Ich und im physischen Leib auf sich. Das ist aber nur dann möglich, wenn man zuerst einen eigenen Raum im Denken gewinnt, den man mit Substanz erfüllt. Das geschieht, wenn man aufhört, mit dem physischen Gehirn zu denken, wenn das Denken kontemplativ wird. Dieser Raum hat mit dem physischen Raum nichts zu tun und er wird erreicht, wenn man die Handlungen Luzifers und Ahrimans in Gleichgewicht dynamisch in Christo erhält. Dann beginnt sich das Organ herauszubilden, das ‚Ätherherz‘ genannt wird. Der Übergang von der astralen Substanz, die das Gefühl darstellt, zur Äthersubstanz des Willens erfolgt im Kubus Jahve durch das kontemplative Denken. Dann beginnt unser allmählicher Auszug aus dem Kubus zum höheren Ich. So ziehen wir aus dem aus, was in uns auf dem Weg der Evolution entstanden ist und wir beginnen, etwas Neues auszubilden, was mit unserem physischen Leib nichts zu tun hat. Der Kubus Jahve ist ein übersinnlicher Raum, der im physischen Leib wurzelt, er ist das Ergebnis der Evolution, hinter der im Erdenäon zweifellos Jehova steht. Wenn man beginnt, das Physische zu überwinden und nicht mit dem physischen Gehirn zu denken, geht man zum ätherischen Denken über und zieht sich aus dem Kubus zurück, indem man zur Senkrechten des Christus-Kreuzes übergeht und als Ich wächst. Wir können als Iche wachsen, wenn Christus in unserem Ich die Gegensätze Luzifers und Ahrimans in dynamischem Gleichgewicht erhält. Aber dazu muss man das niedere Ich abnehmen, was schwer zu machen ist, wenn man im Wirbel der abstrakt-assoziativen Gedanken, der unkontrollierten Gefühle und der spontanen Willensäußerung verbleibt. Wir haben alle gesehen, was für „Genies“ das abstrakte Denken im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat – Stephen Hawking, Roger Penrose, Albert Einstein mit seiner absurden Relativitätstheorie. Solche Menschen können aus dem Kubus Jahve nicht herausgehen, der im physischen Leib wurzelt, sie bewegen sich entlang der Achse der Zeit, doch nicht aufwärts zum höheren Ich, sondern zum Abgrund. Diese Quadrate entfernen den abstrakt denkenden Menschen wie ein Spiegel von der Realität, so dass er grenzenlos abstürzen kann. Die Mitglieder der „Weißen Bruderschaft“ pflegen oft, die Worte Einsteins zu zitieren, mit denen er seine Ehrfurcht vor dem Meister Beinsa Douno zum Ausdruck bringt. Doch sie müssen wissen, dass die wahren Genies unserer Zeit die Menschen sind, die sich in die Richtung bewegen, die Einsteins Richtung entgegengesetzt ist – zum höheren Ich. Nur solche Menschen können die Antwort geben, wer eigentlich Beinsa Douno ist. Auf die faule Grundlage Einsteins tretend, erreichten Stephen Hawking und Roger Penrose neue „Höhen“, wenn sie die Theorie vom Urknall und dem Vorhandensein eines singulären Punkts im Universum beweisen. Je stärker ein Verstand ahrimanisiert ist, desto mehr entfernt er sich sogar vom Gegenstandsbewusstsein und versinkt in Illusionen, wobei er zum Diener Ahrimans wird. Es ist äußerst wichtig, die Ereignisse in der Welt zu begreifen und den Gang des Weltenkarmas mit verstehendem Gleichmut – der Stimmung eines wahren Christophorus, wahrzunehmen.

Nun stehen in Bulgarien neue Parlamentswahlen bevor. Die ehemaligen Kommunisten haben wieder den Kopf erhoben und versprechen alles Mögliche. In ihnen wirkt das luziferische Prinzip. Ihnen entgegengesetzt sind die sog. Konservativen, die scheinbar die Werte der Vergangenheit hochhalten, welche nicht mehr brauchbar sind. Bojko Borissovs Partei GERB versucht, in der Mitte zu sein. Doch sie hat die Präsidentschaftswahlen nach zehn gewonnenen Wahlen diesmal verloren. Was ist bei der Wahl des Präsidenten passiert? – Die Bulgaren haben entschieden, dass Borissov bestraft werden sollte. Wer etwas leistet, trägt grundsätzlich die Schuld. Wenn der Bulgare sagt, dass es uns „besser gegen“ soll, meint er den Wirtschaftsteil – mehr Koteletts, Bier und Reisen. Das ist die Weisheit des niederen Ich, das heutzutage die Menschheit leitet. Alle, die wir heute in den Medien sehen und hören und die als „helle Köpfe“ gelten, haben ein „An-sich-sein“. Doch ihr „Für-sich-sein“ ist nicht zu dem geworden, was es sein sollte, da es vom niederen Ich hervorgebracht wird.  Wenn vom niederen Ich heraus ein „Für-sich-sein“ realisiert wird, bleiben wir in uns, wir verdoppeln uns und werden nicht zu einem anderen Menschen, der eine neue bildhafte Bewusstseinsform erlangt. Deshalb bringen diese wunderbaren, jedoch rein abstrakt denkenden Köpfe nur Fälschungen hervor. Vor zwei Wochen erschien ein Artikel von Hristina Hristova auf ihrer Internetseite memoria di futuro, in dem sie Überlegungen anstellt zu Christus und dem Christentum. Im Artikel geht es um eine Begegnung, die ein Bote von Julian Apostata mit der Pythia im Orakel von Delphi im vierten Jahrhundert hatte – zu der Zeit also, als die orthodoxen Zeloten wüteten und alles zerstörten, was mit den alten Mysterien verbunden war. Wir wissen, dass Julian Apostata eine Beziehung zwischen den alten apollinischen und dionysischen Mysterien und dem Christentum herstellen wollte. Die letzte Pythia sagte dem Boten, dass der Tempel zerstört, die sprechende Quelle verstummt sei, Apollon kein Obdach und keinen prophetischen Lorbeerzweig habe. Die Pythien haben früher die Schwefeldünste eingeatmet, worauf sie in einen Trancezustand gerieten, und Prophezeiungen aussprachen, die von einem Eingeweihten gedeutet und staatsmännischen Entscheidungen zugrunde gelegt wurden. Ich weiß nicht, ob das Gespräch zwischen dem Boten Julians und der Pythia tatsächlich stattgefunden hat, aber ich weiß, dass diese Pythia existiert hat und heute in Bulgarien inkarniert ist. Nachdem Julian Apostata diese Antwort erhalten hatte, unternahm er einen Feldzug nach Persien. Dort wollte er eine Beziehung zu den Manichäischen Mysterien herstellen, aber er wurde getötet. In der Vorlesung „Die drei Strömungen und der Schulungsweg“ habe ich eingehend diese Frage erörtert und gesagt, dass die Individualität, die in Julian Apostata lebte, Schwierigkeiten mit der Synthese der geistigen Strömungen hat. Wenn Hristova über die Religionen nachdenkt, sagt sie, dass die drei Hauptreligionen Judaismus, Islam und Christentum von Abraham stammen. Wir wissen, dass er im physischen Sinne wirklich der Evolutionsträger der drei Religionen ist und das Evolutionskreuz der Menschheit trägt. In der Zeitenwende war die Persönlichkeit Abrahams in Simon von Cyrene inkarniert, auf den Christus Sein Kreuz legte, als ob Er ihm sagte, Seinen Weg der Senkrechten entlang zu besteigen. Das war zwar keine freiwillige Kreuzübernahme, doch sie war nicht willkürlich. Wenn wir von dem Verständnis durchdrungen werden, wie sich die Individualitäten im Wandel der Jahrhunderte bewegen und wie die Weltenführung wirkt, erhalten wir ein vollkommen anderes Bild. Hier geht es um die Wendung der Weltenstruktur von der Involution zur Evolution, die in konkreten Persönlichkeiten personalisiert wird. Wenn Hristova über Gott und Christus räsoniert, sagt sie: „Das Christentum zwang den Menschen, vor einem unsichtbaren und allmächtigen Gott zu knien, der Seinen eigenen Sohn hinschickte, um die Menschen vor Seinem Zorn und vor ihnen selbst – genauer gesagt vor ihrem Schatten – zu retten. Wenn das überhaupt möglich wäre, wäre das die Manifestation einer störenden göttlichen Uneinigkeit. Wenn Gott wirklich so barmherzig wäre, hätte er uns vergeben, was es zu vergeben gab, ohne dass dieses uns mit Schuld aufladende Kreuzesopfer notwendig wäre, welches theologisch und philosophisch absurd ist. Es st absurd, weil Gott das Bedürfnis hatte, das Blut des eigenen Sohnes zu sehen, um die Menschen vor Seinem Zorn zu retten. Er brachte sich selbst für sich selbst dar, da er sein göttliches Ego nicht überwinden und Barmherzigkeit zeigen konnte. Im Gegenzug verlangt Er aber das Gleiche von uns.“

Diese Worte veranschaulichen die absolute Ohnmacht des heutigen sog. Intellektuellen, der von seinem niederen Ich aus handelt und als kompetent gilt und den Anspruch erhebt, höher als die anderen und insbesondere als die Regierenden zu sein. Das ist die völlige Kapitulation vor dem Christentum. Solche Menschen können keine Führer der Gesellschaft sein.

Der Bulgare muss wissen, dass sein Traum, in materieller Hinsicht dem Westen gleich zu sein, nichts Wert ist, obwohl das Wirtschaftsleben tatsächlich geeignete Bedingungen schaffen soll, damit es überhaupt geistiges Leben gibt. Bisher haben die Regierungen ausschließlich an der Verbesserung des Wirtschaftslebens gearbeitet. Früher wurde gegen die neuen Autobahnen schwadroniert, nun beschwert man sich über die fehlende Gerechtigkeit – das ist immerhin eine Art Evolution. Jeder spürt, dass es im Staat etwas Ungerechtes gibt und das stimmt auch. Die rechten Parteien reden von einer Änderung der Verfassung, von neuer Gesetzgebung, von Änderungen in der Judikative. Für sie befindet sich die Hauptursache der fehlenden Fortschritte im mittleren Teil der Zeichnung. Im neune Programm der Partei GERB wird die Bildung hervorgehoben, die zur Wissenschaft, also zur geistigen Sphäre gehört. Man tastet sich langsam zum Kern vor. GERB musste die letzten Wahlen verlieren, um eine Lehre zu ziehen. Jeder der sieben Äonen in unserem Zyklus hat eine Hauptkategorie, in unserem Äon der Erde ist das die Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit ist das Hauptverhältnis zwischen den drei Logoi oben und sie kommt hauptsächlich in unserem Äon zur Geltung. Die Bulgaren spüren instinktiv, dass etwas mit der Gerechtigkeit nicht stimmt. Borissov setzte in seinen vorigen Regierungszeiten den Schwerpunkt auf das Wirtschaftswachstum. Er hat keinen Einfluss auf die Judikative, die in den Händen seines Gegners ist, mit dem sie seit Tausenden von Jahren gegeneinander kämpfen. Und weil er viel arbeitete und die Infrastruktur aufbauen wollte, haben die Bulgaren ihn bestraft. Se beschlossen, die Exekutive zu bestrafen, die am wirksamsten ist. Der Exekutive entspricht die Hierarchie der Mächte. Sie sehen auf der Zeichnung, welche Hierarchien welchen Teilen der Struktur des sozialen Organismus entsprechen. Die Herrschaften entsprechen der Judikative, wo alles mit Weisheit zu lösen ist. Die Elohim entsprechen der Legislative, denn sie wollen alles in eine bestimmte Form einkleiden und es in Gesetze prägen. Wenn von Gerechtigkeit die Rede ist, müsste man hauptsächlich die Judikative verstehen, aber es wurde die Exekutive bestraft, die eigentlich gut funktioniert. Immer ist derjenige schuld, der arbeitet. Alle haben sich vereint, um für den Kandidaten der Kommunisten zu stimmen, und haben auf diese Weise ungerechterweise Borissov bestraft. Ich wünsche dem neuen Präsidenten Rumen Radev alles Gute, bisher hat er herausragende Qualitäten gezeigt, doch wurde er nur deshalb gewählt, weil man gegen Borissovs Kandidatin stimmen wollte. Die Bulgaren haben auf Borissov all ihre persönlichen Misserfolge und die Unbilden des eigenen Lebens projiziert. Ich habe bereits gesagt, dass die Tragödie mit der Explosion der Kesselwagen mit Flüssiggas in Hitrino die direkte Folge dieser ungerechten Handlung ist. Deshalb wäre es gut, sich Gedanken zu machen, bevor man in einem Monat zur Urne geht. Es ist richtig, dass GERB die Betonung auf die Bildung setzt, aber das darf nicht die bisherige tote Bildung sein, sondern die Religion müsste tief in die Bildung einziehen. Ich meine nicht die Religion der Popen, im Gegenteil, es muss eine Verbindung zur Geistigkeit hergestellt werden, die der Bewusstseinsseele angemessen ist. Die Betonung auf die Bildung ist der erste Schritt, um sich mit dem Kopf nach oben zu drehen, und das Land in der richtigen Art aufzubauen. Wenn die Menschen gebildet sind, werden sie früher oder später auch zum wahren geistigen Leben kommen. Soviel ich weiß, wird Ende des Jahres Saturn in den Steinbock eintreten, was bedeutet, dass das Wissen in die spirituelle Weltanschauung einziehen wird. Das ist die günstigste Situation für eine Aufwärtsentwicklung. Ab dem 01.01.2018 werden wir auch die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Folglich müssen wir bis dahin die Bedingungen der Entwicklung durch die richtige Wahl schaffen.

[1] GA 185a, Vortrag vom 17.11.1918.

[2] GA 190, Vortrag vom 21.03.1919

[3] Während des Ersten Weltkrieges hat Steiner in einem Gespräch mit Anna Samweber folgende Worte gesagt, die sich tief in ihre Seele eingeprägt haben: „Ohne Dreigliederung – Bolschewismus, ohne Anthroposophie – Katholizismus“ , vgl. A. Samweber, „Aus meinem Leben: Erinnerungen an Rudolf Steiner und Marie Steiner von Sivers“,  Basel 1987

[4] Die Vorlesung „Das Zeichen“ vom 08.10.2006

[5] Vgl. GA 158, Vortrag vom 21.11.1914

[6] Ebd.

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Ein Gedanke zu „Der Kubus Jahve und der dreigliedrige soziale Organismus

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