Der Kubus Jahve und der dreigliedrige soziale Organismus – Teil 2

 

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Das geistige Leben des Menschen, der von unten versucht, eine Beziehung zu seinem höheren Ich aufzubauen und die Ideen zu ergreifen, und das Wirtschaftsleben gehen ineinander über. Die Beziehung zwischen dem geistigen und dem Wirtschaftsleben verläuft im mittleren Teil durch die Legislative und Exekutive, welche in der vierten Kulturepoche gebildet wurden. Ich habe den Eindruck, dass die Anthroposophen die staatlich-rechtliche Sphäre außer Acht lassen, jedoch ist diese äußerst wichtig, denn dort muss eines der bedeutsamsten Probleme gelöst werden – die Frage nach dem Eigentum.

Jemand würde hier meinen, dass ich hier für eine neue Form des Kommunismus werbe. Jedoch sind das keinesfalls utopische Ideen, sondern die Wirklichkeit, die auf dem Erdenplan unbedingt zu realisieren ist, denn sonst könnte die Menschheit ihre Entwicklung nicht fortsetzen. Daher wird das auch nach der Vorsehung Gottes geschehen. Jeder, der sich dem in den Weg stellt, stellt sich vor einen gigantischen Strom, der ihn fortreißen wird, da der Weg des Menschen vom niederen zum höheren Ich eine welthistorische Notwendigkeit und ein globaler Prozess ist. Das Land und die Produktionsmittel müssen dem Wirtschaftssektor zu Gunsten des staatlich-rechtlichen Sektors entzogen werden. Letzterer muss das Land und die Produktionsmittel unter diejenigen verteilen, die sie zum allgemeinen Wohl bewirtschaften können und wollen. Die Fähigsten werden dann selbstverständlich Zugang zu mehr Gütern haben, doch was sie in erster Linie führen wird, wird das Prinzip der Brüderlichkeit sein. Das ist überhaupt keine Utopie, denn hier geht es um die große Wandlung, die im Menschen und seiner Position zur geistigen Welt eintritt – aus der umgekippten Stellung heraus muss er sich langsam aufrichten und Impulse aus der geistigen Welt empfangen, die durch alle drei Sphären des dreigliedrigen sozialen Organismus verlaufen. Das, was wir auf der Zeichnung sehen, ist der heutige umgekippte Mensch. Wenn er sich auf die Beine stellt, werden die drei Sphären ihren jeweils richtigen Platz einnehmen. Die Wirtschaftssphäre wird dann mit dem Irdischen verbunden sein, mit seinem Kopf wird der Mensch zum Himmel hinaufschauen und nicht wie jetzt in die unterphysischen Welten hineingraben. Wenn wir den Platz der drei Sphären des dreigliedrigen sozialen Organismus auf der Lemniskate des kontemplativen Denkens bestimmen wollen, müssen wir sie in die Schlaufe stellen, die im Diesseits ist und aus These – Antithese und Synthese besteht. Das Geistesleben gehört in die Schlaufe auf der anderen Seite, in der die Idee individualisiert wird und durch die moralische Technik im Erdenleben umgesetzt wird. Die staatlich-rechtliche Sphäre gehört zu Punkt 4, wo das Abnehmen des niederen Ich geschieht. Wenn dieses Ich abfällt, können aus der geistigen Welt die Ideen zur Anordnung der Judikative, Exekutive und Legislative kommen, so dass sie am besten die Beziehungen zwischen der geistigen und Wirtschaftssphäre harmonisieren. So wie der Mensch auf die Gefühle nicht verzichten kann, ist auch die staatlich-rechtliche Sphäre nicht zu unterschätzen.

Man kann hier einen scheinbaren Widerspruch bemerken: In der staatlich-rechtlichen Sphäre wirkt das Prinzip der Gleichheit und im geistigen Leben – das Prinzip der Freiheit. Wenn von Gleichheit die Rede ist, schließt das das individuelle Prinzip aus, das in der geistigen Welt existiert, es schließt auch die Beziehungen im Wirtschaftsleben aus, die für die anderen ihre Arbeit ausmachen. Wie ist es möglich, dass eine Sphäre, in der alle gleich sind, die anderen zwei Sphären regeln soll, in denen andere Prinzipien wirken? Der Punkt 4 ist der Punkt, in dem das niedere Ich abgenommen wird, in dem wir alle gleich sind. Diese Sphäre beschränkt keinesfalls das Wachstum im höheren Ich, das Ergreifen von Ideen und deren Einbeziehung in das Wirtschaftsleben. Dort wird der scheinbare Widerspruch zwischen dem individuellen und sozialen Prinzip aufgehoben.

Wie bereits erwähnt, kam das geistige Leben aus dem Osten, wo die Mysterien des Lichts entwickelt wurden. Das staatlich-rechtliche Leben entstand aus den Mysterien des Raums, die in einer herausragenden Form im alten Ägypten existiert haben. Wir wissen, dass Zarathustra seinen Astralleib Hermes gegeben hat, der in die Mysterien des Raums eingeweiht war; seien Ätherleib hat er Mose gegeben, der in die Mysterien der Zeit eingeweiht war. Aus den Mysterien des Raums, die mit den Merkur-Mysterien zusammenhängen und zum atlantischen Merkurorakel zurückführen, stammt die Gestaltung des staatlich-rechtlichen Lebens in der vierten Kulturepoche auf dem Gebiet des alten Griechenlands und des Römischen Reichs. Welche Mysterien waren die Träger des Wirtschaftslebens? – In Nordeuropa und Nordrussland sind nach der Zeitenwende mehrere Völker entstanden. Ich habe bereits mehrmals über die Teilnahme der Bulgaren – der Träger des Ich-Impulses – an diesen Prozessen gesprochen. Unter diesen Völkern wurden die Mysterien der Erde praktiziert, in denen die kosmische Weisheit von der Erde widerspiegelt, als eine physische Weisheit im Zusammenhang mit dem Jahreskreislauf der Natur und der Landwirtschaftsarbeit wahrgenommen wurde.

Im Unterschied zu Ägypten, dessen Feste mit der Bewegung der Himmelskörper und der Sterne zusammenhingen, standen die Feste in Nordeuropa in Beziehung zur Ernte und dem Wirtschaftsleben. Die Druiden, die ihre Weisheit unter anderem auch vom Thraker Zalmoxis erhalten haben, der über die Unsterblichkeit der Seele lehrte, leiteten das geistige Leben der Kelten, indem sie den im Spiegel der Erde reflektierten Himmel studierten. Wenn sich die Druiden in die Dolmen legten, die das physische Sonnenlicht aufhielten und das geistige Licht passieren ließen, brachten sie ihren physischen Leib zur Ruhe und Unbeweglichkeit. Durch das Atmen und die Blutzirkulation erhielten sie aus dem Kosmos das innere Wissen über alle irdischen Werke. Diese Priester haben durch die Erde auf den Himmel geschaut. In diesen Mysterien wurden die Menschen darauf vorbereitet, eines Tages zur Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben zu gelangen. Und da ich ständig die Einmischung. von Bulgaren hier oder da erwähne, möchte ich Folgendes sagen. Die Bulgaren arbeiten an der Ich-Evolution der Menschheit. Das Ich wird über Denken, Fühlen und Wollen erlebt, über die drei Systeme im Menschen und die drei Seelen. Das Ich wirkt dort überall, deshalb können wir die Einmischung der Träger des Ich-Mysteriums der Menschheit im Mysterium des Lichtes, des Raums und der Erde finden. Das mag jemandem größenwahnsinnig klingen, doch es wird sowohl von den historischen als auch den okkulten Tatsachen bestätigt. In Bulgarien und Russland hat es Versuche gegeben, Beziehungen der Brüderlichkeit in den Dorfregionen durch die Gründung Landwirtschaftlicher Kooperativen aufzubauen. Steiner sprach darüber, wie der Erzengel des russischen Volkes mit diesem Volk als von der Erde reflektiertes Licht arbeitete. Deshalb erlebt ein Russe, der seinen Boden bestellt, den Erzengel seines Volks zwar unbewusst, jedoch in dessen eigentlichem Wesen. Dieses Volk und das deutsche Volk wurden auf die zukünftige Brüderlichkeit vorbereitet, deshalb erfuhren sie im 20.Jahrhudnert einen so schweren Schlag durch den Bolschewismus und Nationalsozialismus. Die synchronisierende Rolle der zweiten Sphäre des dreigliedrigen sozialen Organismus, ist die reale Beziehung zum Volkserzengel. Wenn jemand vom Schicksal des eigenen und der anderen Völker tief bewegt wird und die richtigen Fragen stellt, erhält er die genauen Antworten. Sie werden sich daran erinnern, wie wir über den falschen Weg gesprochen haben, den Russland nach dem Tod Iwan Grosnys (des Schrecklichen) und der Ermordung des Thronfolgers Dimitri, dem Letzten des Rjurik-Geschlechtes, bestiegen hat. Steiner hatte darüber gesprochen wie wichtig es ist, zu verstehen, welche Individualitäten hinter Dimitri und Kaspar Hauser stehen und was durch ihre Ermordung vereitelt wurde. Ich habe gesagt, dass mit dem Mord an Dimitri für die Russen die Beziehung zu ihrer bulgarischen Wurzel abgebrochen wurde, die eine große Rolle für Russland spielte. Danach ist Russland zu Peter I. abgestürzt und es folgten der Bolschewismus und alles, was uns aus der neueren russischen Geschichte bekannt ist.

Indem sich die Menschen heute ihres niederen Ich bedienen, bringen sie Chaos in die drei Systeme des sozialen Organismus ein. Bekanntlich wird als erster Gesetzgeber der Menschheit Mose angesehen, der durch die Inspiration des Führers des althebräischen Volks Jehova die Zehn Gebote in Empfang genommen hat. Diese Gebote wurden aber nicht zu Rechten, sondern zu Pflichten. Im Laufe der Zeit wurden die menschlichen Rechte mit den Pflichten durcheinander gebracht, daher ist in der Kategorie des Rechts auch der Begriff ‚Pflicht‘ enthalten. Es kommt zu einem Widerspruch zwischen beiden. Bereits im alten Rom, wo das Recht und die Jurisprudenz sich im gesellschaftlichen Leben durchgesetzt haben, hat der Thraker Spartacus einen Sklavenaufstand organisiert – Luzifer begann nämlich, in der Empfindungsseele für seine Rechte zu rebellieren. Immer wenn in diesem Aspekt von Luzifer die Rede ist, geht es um Ansprüche auf Rechte. Wenn von Ahriman die Rede ist, geht es um die Durchsetzung der Macht des Gesetzes. Wenn es zur Verletzung der Menschenrechte kommt und sich alles um die Pflichten dreht, beginnt Luzifer zu rebellieren. Nach dem philosophischen Konzept Hegels ist die Triade aus subjektivem, objektivem und absolutem Geist von der Freiheitsidee durchdrungen. Der Mensch wird frei geboren und daraus resultieren Rechte. Hier können wir auch das Thema des bedingungslosen Basiseinkommens einschieben, das nun in Finnland eingeführt werden soll. Einer Gruppe aus 2000 Personen werden probeweise monatlich im Laufe von zwei Jahren jeweils 560 Euro zur Verfügung gestellt. Man könnte einwenden, dass dies zur Faulheit führen würde und wenn man sich des niederen Ich bedient, führt das Ausschütten von Mitteln ohne Gegenleistung in der Tat zur Faulheit. Das ist auch bei den sog. zivilisierten Völkern der Fall, wo viele nur nach einem Zugang zum Sozialsystem streben und völlig demotiviert sind, jegliche Arbeit zu verrichten. Doch eine Demotivierung ist das Ergebnis auch, wenn der soziale Organismus mit dem Kopf nach unten aufgebaut ist. Dann kann von keiner Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben die Rede sein, die Gleichheit in der staatlich-reichlichen Sphäre ist total gestört und das geistige Leben mutiert zu einem kläglichen Anhängsel der anderen zwei Sphären. Die heutige Anordnung der drei Sphären des sozialen Lebens entspricht der marxistischen Weltanschauung – oben ist die Wirtschaftssphäre, die am wichtigsten ist und die beiden anderen Sphären unterdrückt. Auf diese Weise gibt man Gott nicht was Gottes ist, sondern was Kaisers ist. Obwohl die marxistische Anschauung im Westen nicht wie bei uns in ihrer ganzen Hässlichkeit umgesetzt wurde, haben die dort vorherrschenden Ideologien auch zum Töten des geistigen Lebens geführt. Wenn das Geistesleben auf das Irdische gerichtet ist und von den über ihm befindlichen Sphären unterdrückt wird, mutiert es zu einer Ideologie bzw. zu einem leeren Schema. Die westliche Sozialdemokratie, die auf der Grundlage der Theorien Herbert Spencers, John Stuart Mills, Darwins usw. gegründet wurde, hat die Ideologien hervorgebracht, die das Wirtschaftsleben zur Zentralisierung und Globalisierung, zur Diktatur des Kapitals getrieben haben. Auch im Westen gilt das geistige Leben als Anhängsel der beiden anderen Sphären. Auch dort geht die Entwicklung auf den Bolschewismus zu. Der Bolschewismus wurde zwar im Ostblock umgesetzt, doch das Leben im Westen führt auch dorthin. Wenn die Gesellschaft auf der Basis des niederen Ich aufgebaut wird, will die Legislative alles Mögliche im Leben durch Gesetze erfassen. Auf diese Weise werden getötet jede Inspiration, Begeisterung, jedes Streben nach dem Schönen und nach allem anderen, was keinen Gesetzen unterliegt. Ahriman will alles angleichen und alles zum Gesetz und zur Pflicht machen. Luzifer befindet sich auf dem gegenüberliegenden Pol und pocht nur auf die Rechte. Wir sehen, welches Ausmaß der westliche Liberalismus erreicht hat – jede Schwachsinnigkeit erhält sofort Rechte, was die staatlich-rechtliche Sphäre völlig barbarisiert. Die richtig funktionierende staatlich-rechtliche Sphäre muss die Ansprüche des niederen Ich vernünftig einschränken, etwa den Anspruch homosexueller Paare, Kinder großzuziehen. Die heutigen Rechtsansprüche sind zu einer totalen Willkür geworden. Doch das Anhäufen von luziferischem Karma führt unvermeidlich zum Erscheinen Ahrimans. Unser Recht auf Gesundheit wird z.B. an das ahrimanischen Gesetz der Pflichtimpfung gebunden. Das Recht auf eine normale Schwangerschaft und Geburt ist an Ultraschalluntersuchungen gebunden, die schädlich für die Frucht sind. Die Kinder sind von klein auf mit Mobiltelefonen ausgestattet, wobei der Schaden der Telefone noch größer ist als der Schaden des Rauchens. Wenn die Rechte Luzifers in ein Bacchanal aus Rechten ausarten, führt das zur Einmischung Ahrimans und es taucht das entsprechende Gesetz auf. Die Fragen des Rechts, Gesetzes und der Pflicht werden miteinander verwechselt und daraus resultieren Probleme.

Wie erlöst man Luzifer im Geflecht des staatlich-rechtlichen Lebens? – Das kann geschehen, wenn man lernt, die Pflicht zu lieben. Hier muss ein Übergang von der einen Schlaufe der Lemniskate des kontemplativen Denkens zu der anderen Schlaufe durch das Abnehmen des niederen Ich stattfinden. Die Evolution vom Recht zur bewusstgewordenen Pflicht führt vom niederen zum höheren Ich. Das ist die Methodologie. Am Anfang der Vorlesung habe ich vergessen, dass heute der Tag für Vergebung ist, doch hier wäre es am Platz, etwas im Zusammenhang damit zu erläutern (In der Orthodoxen Kirche wird am letzten Sonntag vor der Fastenzeit vor Ostern Quinquagesima (den Tag der Vergebung) begangen. Man bittet an diesem Tag die Mitmenschen um Vergebung für etwaige Kränkungen und begangene böse Taten. – Anm. des Übersetzers). Wenn man beschließt, auf sein Recht zu verzichten, darf man nicht vom Standpunkt der Vergangenheit, sondern vom Standpunkt der geistigen Welt, der Hierarchien, ausgehen. Wenn jemand eine Ohrfeige verpasst bekommt, muss er von Verständnis durchdrungen werden, was für Kräfte die geistige Welt aufgebraucht hat, um die Situation herbeizuführen, in der er diese Ohrfeige als den karmischen Ausgleich für etwas Bestimmtes zu erhalten. Wenn man auf die Vergangenheit schaut, dann urteilt man über den anderen auf der Grundlage der Vergangenheit und es das Karma kann nie in richtiger Weise reguliert werden. Wenn man auf die Situation von einem höheren Standpunkt herunterschaut, kann man auf sein Recht auf Vergeltung verzichten und einen Schritt zur Pflicht tun. Die Hauptpflicht des Menschen heute ist die Pflicht zur höheren Entwicklung, zur Abnahme des niederen Ich und Herstellung der Beziehung zu den Hierarchien. Das ist unsere welthistorische Aufgabe. Wenn ein Mensch dieser Pflicht gewahr wird, beginnt er alles, was in seinem Leben passiert, als ein Mysterium zu betrachten. Das Leben ist wortwörtlich eine Einweihung, in der man wachsen kann, indem man im Wirtschaftsleben auf der Grundlage des assoziativen Prinzips arbeitet, an der Judikative, Legislative oder Exekutive teilnimmt oder die Wirtschafts- und die geistige Sphäre harmonisiert. Man besteigt den streng individuellen Weg zur geistigen Welt durch den Übergang zu einer individuell bewusstgewordenen bildhaften Bewusstseinsform. Dann wird das, was die Priester in der dritten Kulturepoche von oben als ein „An-sich-sein“, als Offenbarungen empfangen haben, im Menschen zum „Für-sich-sein“, zu Ideen, die in die drei Sphären eingelegt werden, so dass sie harmonisch nebeneinander bestehen. In diesem Sinne schöpft die Frage nach der Vergebung nicht nur die Worte „Verzeih mir“ und die Antwort des Gegenübers „Ich verzeihe dir“ aus. Das sind nur leere Floskeln, durch die man in der alten Art weiterlebt. Vor elf Jahren habe ich diese Frage in einer Vorlesung beleuchtet – wir wollen uns hier an die vier Stufen des Vergebungsaktes erinnern. Zuerst hören alle negativen Emotionen auf und wenn man sich an die Stelle des anderen stellt, begreift man weisheitsvoll, warum er sich in dieser Art verhalten hat. Deshalb braucht man ein starkes Verständnis, das aus der Anthroposophie kommt. Wenn man die Gründe verstanden hat, verzichtet man freiwillig auf jeglichen karmischen Ausgleich – das ist der Schlüsselmoment des Vergebungsaktes. Das bedeutet, dass man die Vergangenheit nicht nach dem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ betrachtet, sondern die Pflicht zur Entwicklung zur geistigen Welt erkannt hat. Das führt zum Verzicht auf Vergeltung und die karmische Kette bezüglich des jeweiligen Problems reißt. Wenn das geschieht, stellt man verwundert fest, dass man den Menschen, der einem Böses angetan hat, liebt und immer lieben wird, selbst wenn er wieder Böses antun würde. Doch die karmische Kette auf diese Weise abgebrochen wird, wird der andere Mensch einem kaum mehr Böses antun. So wird ein natürlicher Übergang zur Brüderlichkeit gestaltet. Die Vergebung erweckt den Menschen im Fühlen und sie ist ein mächtiger christlicher Akt, der von den heutigen Christen völlig missverstanden wird. Die Menschen sind in höchstem Maße egozentrisch geworden und können nur schwer ihr niederes Ich überwinden und den anderen vergeben. Zum Ergreifen der Idee aus der geistigen Welt ist es notwendig, das niedere Ich für einen Augenblick abzunehmen. Durch das Ergreifen von Ideen und ihr Herunterholen und Erkennen ihres Sinns beginnt die Evolution, indem Denken, Fühlen und Wollen einer Kontrolle unterzogen werden. Wenn man beginnt, seine Pflicht zu lieben und auf seine Rechte zu verzichten, führt das zur Erlösung der luziferischen Wesen, die zum richtigen Evolutionstempo gebracht werden. Die verrücktesten Menschen erheben am meisten Ansprüche auf Rechte, ohne zu bedenken, dass die Menschheit dadurch barbarisiert wird.

Wie können wir Ahriman in dieser Situation erlösen? – Ahriman arbeitet mit dem, was nach außen manifestiert wird. Seine Hauptaufgabe bestand darin, die Materie zu konsolidieren, damit wir zum Gegenstandsbewusstsein kommen und uns weiter nach unten vertiefen konnten. Ahriman ist nicht an der Gerechtigkeit interessiert, sondern er arbeitet an der Aufgabe, die ihm der Vater gestellt hat. Wenn wir Ahriman streifen, streifen wir die Gelassenheit. Ahriman beobachtet absolut gelassen das ganze Chaos, in dem die Welt versunken ist, doch er wird besonders aktiv, wenn jemand den Übergang vom niederen zum höheren Ich versucht. Dann merkt er, dass diese Seele sich seiner Falle entzieht. Wenn man beginnt, die Geschehnisse seines Lebens richtig zu begreifen, erlangt man größere Freiheit und beginnt, sich selbst von der Seite zu betrachten und zu studieren. Das ist verständnisvolle Gelassenheit, in der keine Rache, Beleidigung, Wut oder andere ungesunde Gefühle aufsteigen. In der ruhigen Betrachtung der Ereignisse in der Welt gibt es etwas von der Kälte Ahrimans. Wenn man mit Liebe auf sein Recht auf Revanche verzichtet, wird Ahriman, der in der äußeren Welt wirkt und dem die Leiden absolut egal sind, vom Inneren angezogen. Im Menschen wird Ahriman mit der verständnisvollen Gelassenheit konfrontiert, die von der persönlichen aufopfernden Liebe erwärmt wird. Das Feuer der Liebe brennt im Menschen, nach außen zeigt er verständnisvolle Gelassenheit. Die Beziehung zwischen beiden kann nur der Mensch herstellen und auf diese Weise werden sowohl Luzifer als auch Ahriman erlöst.

Heute steht Ahriman hinter dem Konservatismus. Dieser strebt die ruhige Entwicklung der Wirtschaftsgeschäfte in einem Umfeld an, das von Gesetzen durchzogen ist. Auch strebt er ein geistiges Leben an, das auf der Gruppenbewusstseinsform basiert. Hinter dem Liberalismus steht Luzifer, der revolutionäre Änderungen fordert. Die Diktaturen des 20. Jahrhunderts waren jedoch keine reinen Diktaturen, sondern eine Symbiose zwischen Luzifer und Ahriman, die auch durch die Asuras ermöglicht wurde. Wie können wir, wenn wir zwischen dem Liberalismus und dem Konservatismus stehen, das dynamische Gleichgewicht dieser beiden Kräfte nicht durch die Asuras, sondern in Christo finden? Die beiden Kräfte existieren immer, Christus arbeitet mit ihnen und der Mensch muss in der Mitte zwischen ihnen als Ich wachsen. Wenn Luzifer und Ahriman nicht da wären und nicht in der angemessenen Art einander gegenübergestellt werden, würde es keine Entwicklung geben. Es ist notwendig, dass das Luziferische in uns in ein Streben metamorphosiert, sich geistig mit dem Kopf nach oben durch das kontemplative Denken zur Änderung der Bewusstseinsform aufzurichten. Das ist die wahre Revolution, die wir in unserem Inneren machen müssen. Was den Konservatismus angeht, müssen wir auf die Vergangenheit der Menschheit und der Erde bis zum alten Saturn zurückschauen und der Entwicklung gewahr werden. Der Konservatismus muss in einen „Superkonservatismus“ im göttlichen Sinne metamorphosieren. So lassen sich zwei auf den ersten Blick unvereinbare Dinge kombinieren. Auf der einen Seite steht der Superkonservatismus als ein tiefes Verständnis der ganzen Evolution der Menschheit und auf der anderen Seite steht der Mut, über die Schwelle der übersinnlichen Welt hinüberzusetzen auf dem Weg zum höheren Ich, auf dem wir zu hierarchischen Wesen werden. Das können wir eine konservative Revolution nennen, die in ihrem reinsten geistigen Sinne zu verwirklichen ist, damit die Menschheit sich zur geistigen Welt richten kann. Das wird unseren Übergang vom Kreuz der Evolution, auf dem wir gekreuzigt sind, zum Evolutionskreuz Christi, über den Er sagte, dass es nicht schwer ist. Als Christus zuließ, auf dem Weg der Evolution gekreuzigt zu werden, war das von unsäglichen Leiden und Schmerzen begleitet, da Er sich mit der Evolution vereinigte und „die Sünden der Welt“ auf Sich genommen hat. Wenn man das Evolutionskreuz in der richtigen Art durch die konservative Revolution abwirft, kreuzigt man sich selbst auf dem Evolutionskreuz des Christus. In diesem Fall ist man zu den Worten des Paulus gekommen „Nicht ich, sondern Christus in mir“. Dann ist das Kreuz nicht schwer, denn es bringt keine Leiden mit sich, sondern es befreit und heilt das, was uns nach oben bewegt. Diese ganze Transformation des Menschen beginnt mit der Transformation seiner dreifachen Seele – der Bewusstseinsseele in eine imaginative, der Verstandesseele in eine inspirative und der Empfindungsseele in eine intuitive. Wenn die letzte Transformation erreicht wird, werden wir im wahren Sinn des Wortes eine Verwirklichung des Wirtschaftslebens haben. Der dreigliedrige soziale Organismus erfährt im Wirtschaftsleben seine wirkliche Realisierung, dessen Hauptfunktion darin besteht, nicht die Menschen zu ernähren, sondern die Bedingungen zu schaffen, damit die Menschen allmählich von der physisch-sinnlichen Welt abfallen und zu der nächsten Bewusstseinsform und Reproduktionsform übergehen. Im Fundament dieses künftigen Wirtschaftslebens steht das Prinzip der Brüderlichkeit – die Idee, dass die Hand, die gibt, nie arm wird. Steiner hat keine Details bezüglich des Aufbaus des Mechanismus des dreigliedrigen sozialen Organismus gegeben – die Ideen werden dynamisch im Prozess der Gestaltung der sozialen Dreigliederung auftauchen. Es werden Eingeweihte erscheinen, die den Weg zu ihrem höheren Ich finden und an den großen sozialen (nicht geschlossenen!) Mysterien teilnehmen werden. Die anderen, die nicht über die Schwelle der geistigen Welt gehen können, werden ihnen folgen und an der Verwirklichung ihrer Ideen teilnehmen.

Alle möglichen Kräfte werden heute gegen unsere Versuche eingespannt, uns zur geistigen Welt zu erheben. Jedoch gibt es eine Stelle im Menschen, die vor jedem Angriff geschützt wird, damit wir uns überhaupt zum Geist erheben und unsere Seele in Verbindung zu der Senkrechten des Christus-Kreuzes bringen können. Wo ist diese Stelle? – Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die Ich-Evolution der Wesen verfolgen. Es war bereits die Rede davon, dass die Personifizierung des kulturhistorischen Prozesses nicht in individueller Geschlossenheit verlaufen kann, sondern hierzu eine geeignete soziale Struktur notwendig ist. Das ist die in jeder Hinsicht doppelte Aufgabe des Individuellen und Allgemeinen. Darin ist „das Kreuztragen“ enthalten. In der Mitte der vierten Kulturepoche entstand eine Besonderheit, die nur für den Menschen von Bedeutung ist. Das Weltenkreuz hat immer einen hierarchischen Träger, obwohl Christus das ganze Weltenall „trägt“. Deshalb ist Er sein Herr, Der Sich ständig in einer Relation der Hypostase mit dem Vater und dem Heiligen Geist befindet. Später nehmen in den einzelnen Evolutionsetappen die Hierarchien das Weltenkreuz auf sich und werden zu „Christophorussen“ – darin liegt das Wesen ihrer Individualisierung. Die Herrschaften etwa stehen an der Spitze der Wesen unter ihnen, mit denen sie in ihrer Gesamtheit das Wesen der Himmlischen Sophia ausmachen. Wenn sich ein Urengel zu den Elohim erheben soll, geschieht das entlang dem Christuskreuz, dem Ich-Kreuz. Er muss die ganze Struktur des Weltenalls auf der gegebenen Etappe in sich subjektivieren, um zum Entwicklungsfaktor in diesem Moment der Weltenevolution zu werden. Das kommt in der folgenden Weise zustande: Die Herrschaft, die die Möglichkeiten aller Wesen unter ihr beherrscht, reduziert das Weltenkreuz entsprechend dem Niveau des Urengels. Im Schnittpunkt des Weltenkreuzes ist der geheimnisvollste Ort im Weltenall, wo das Ich geboren wird bzw. wo ein Ich auf eine höhere Stufe erhoben wird, um andere Aufgaben zu erfüllen. Dort – im Zentrum des Kreuzes – lässt die Herrschaft freien Raum für den Urengel, damit er sich allmählich entwickelt und die Etappe der Weltenevolution verinnerlicht, indem er zu deren Bewusstsein wird. Die Herrschaft stimuliert den Urengel, einen eigenen Raum zu erlangen und in diesem zu wachsen. Aus der Vielfalt aller aufsteigenden Wesen wächst die Herrschaft selbst als Reichtum des Ich und verwirklicht die Einheit des Wachstums aller einzelnen Wesen als ihr systembildender Faktor.

Beim Menschen sehen die Dinge jedoch etwas anders aus, da er sich nicht seines höheren Ich bedient, sondern des reflektierenden Ich. Auf dem Erdenplan sind wir nur im Denken wach. Im Fühlen schlafen und träumen wir und im Willen schlafen wir tief und traumlos. Das Ziel der Weltenführung ist es, dass wir uns im Willen individualisieren, d.h. Im Willen bewusst werden. Das kontemplative Denken ist der Keim dieser Bewusstwerdung, da der Wille das Denken bei seiner Erhebung zur geistigen Welt trägt, wo der Weltenwille in das höhere Ich eintritt, die Ideen ergriffen und heruntergeholt werden, um zu Bausteinen des dreigliedrigen sozialen Organismus werden. Durch das Ich beginnt die Verinnerlichung des dreifachen Geistes in uns und die Verwandlung der dreifachen Seele zuerst in eine imaginative, inspirative und intuitive, dann wird die Transformation der Leiber in den nächsten drei Äonen stattfinden. Die geistigen Hierarchien über uns arbeiten mit den Weltengedanken, dem Weltengefühl und dem Weltenwillen und sind wach, d.h. für diese bewusst. Dagegen benutzt der Mensch das subjektive Denken, das sein niederes Ich hervorgebracht hat, das subjektive Gefühl und den subjektiven Willen, die mit den Weltengedanken, -gefühl und -willen zu verbinden sind. Alle sieben Etappen der Lemniskate des kontemplativen Denkens werden erlebt und bei diesem Erleben müssen das Weltengefühl und der Weltenwille in uns eingehen und uns erheben. Aber wir verfügen nur über ein reflektierendes Ich und ein subjektives Fühlen und Wollen. Im Erdendasein sind wir zwischen Luzifer und Ahriman eingeklemmt, obwohl in einer etwas anderen Art als im Denken. Woran können wir uns festhalten, um aufzusteigen? – Die geistige Welt hat sich auch darum gekümmert. Hier kommen wir zum sog. Kubus Jahve. Laut Steiner gibt es im Menschen einen Raum, den seit Lemurien die Wesen der dritten Götterdrei – die Engel, Erzengel und Archai – vorbereitet haben. Jenseits der polarischen Wurzelrasse haben sich auch die Elohim, allen voran Jehova, mit diesem Raum beschäftigt. Deshalb trägt dieser Raum seinen Namen – Jehova-Jahve. Weil der Mensch noch lange nicht wach sein wird im Fühlen und Willen, muss in ihm ein Raum freigelassen werden, in dem er vor den Angriffen Luzifers und Ahrimans geschützt ist. Die beiden sind in allen drei Richtungen aktiv – links und rechts, oben und unten, vorn und hinten. Um diesen Raum zu verstehen, müssen wir uns zwei parallele Ebenen entlang des Menschen vorstellen, die durch uns verlaufen. Die erste stößt an die Stelle vorn, an der die Rippen zusammenkommen und die andere stößt hinten an die Wirbelsäule. Bei seinen Angriffen auf uns kann Luzifer nur an die Vorderwand und Ahriman – nur an die Hinterwand reichen. Dieser Raum ist für beide unzugänglich, lediglich ihre Geschosse fliegen durch ihn hindurch. Im Raum haben wir eigene Gefühle, die aber vor Einseitigkeit geschützt werden müssen. Sie erscheinen als polare Paare, doch aus ihrem Zusammenstoß entsteht keine Synthese zu etwas Neuem. Die Arbeit an den Gefühlen besteht im Transformieren der negativen Emotionen in positive. In dieser Überwindung werden die guten und beständigen Seeleneigenschaften ausgearbeitet.

Im Menschen gibt es auch einen anderen Raum, durch den Luzifer und Ahriman nicht durchgehen können. Er wird von zwei Ebenen begrenzt, die senkrecht zu den ersten zwei stehen. Die erste verläuft durch die Schädelbasis und berührt den ersten Halswirbel und die zweite verläuft durch das Zwerchfell, das die Bauch- von der Brusthöhle trennt. Diese gedachten Flächen bilden die Grenzen eines übersinnlichen Raums, der für unseren Willen frei ist. In diesen Raum können nicht hineingehen Luzifer, der von oben drängt und Ahriman, der von unten drückt. Ihnen ist es verboten, das Quadrat, das von den vier Flächen begrenzt ist, zu betreten. In diesem Quadrat können wir frei unsere Gefühle und unseren Willen kultivieren und allmählich in ihnen erwachen, so wie wir im Denken wach sind. Ich werde nebenbei nur etwas erwähnen. Wenn ich manchmal berichte, dass irgendeine Idee, die die Frucht des kontemplativen Denkens ist, von der geistigen Welt bestätigt wird, so erfolgt diese Bestätigung durch die Archai. Das geschieht in diesem Raum des Gefühls und des Willen, über den Luzifer und Ahriman keine Macht haben. Das ist ein tiefes Erlebnis im Zentrum des Kubus Jahve (gleich werde ich erklären, warum das ein Kubus ist), wo das Zentrum das niedere Ich bildet und die Archai die Richtigkeit der Idee bestätigen, denn die Kontrolle über die Denkkräfte ging nach dem vierten Jahrhundert von den Elohim auf die Archai über. Durch das kontemplative Denken setzt man zum höheren Ich hinüber und ergreift de Idee, die in das niedere Ich heruntergeholt wird. Mit der Idee strömen kosmisches Gefühl und kosmischer Wille hinein. Auf diese Weise erfolgt der Austausch zwischen unserem wesentlichen Ich und dem reflektierenden Ich, denn in unseren Raum strömt Substanz ein. Im Denken haben wir keine Substanz, doch sind das Weltengefühl und der Weltenwille substanziell. Mit unserem reflektierenden Denken lässt sich in diesen Kubus keine Substanz einführen, aber wenn wir uns mit dem kontemplativen Denken zur geistigen Welt erheben, strömt durch das Weltengefühl und den Weltenwille Substanz in uns ein, etwas Lebendiges strömt herein, das immer Schluchzen hervorruft und die Zuversicht bringt, dass die Offenbarung wahr ist und als Beitrag zur Geistigkeit angeboten werden kann.

Wie sieht es beim Denken aus? Durch die Mitte des Menschen von der Kopfspitze zu den Genitalien verläuft ein Damm, der uns in zwei Teile teilt und in dem Luzifer und Ahriman frontal in uns kollidieren, ohne von etwas gehindert zu werden. Laut Steiner ist dieser Damm nicht dicker als die Messerklinge und er hat keinen räumlichen Charakter Der ganze sichtbare Mensch ist eigentlich kein räumliches Wesen, mit wenigen Ausnahmen, auf die oben hingewiesen wurde. Das, was wir sehen als räumliche Formen, sind eine Art Barrikaden, die Luzifer und Ahriman in ihrem Kampf gegeneinander aufbauen. In unserem Denken kämpfen sie ungehindert, wobei Luzifer von links angreift und Ahriman – von rechts. Es liegt am Menschen, sich einen Raum des kontemplativen Denkens zu erkämpfen, in dem er von ihren Angriffen unabhängig sein kann. Zur Beruhigung kann ich sagen, dass die beiden Widersacher, da sie polar entgegengesetzt sind, sich beim Zusammenstoß in unserem Denken gegenseitig neutralisieren. Aus diesem Grunde haben wir im Denken quasi Ruhe von ihnen und können logisch mit dem reflektierenden Ich nachdenken. Doch wir müssen allmählich selbst einen freien Raum zum Denken erlangen, denn nur im Denken sind wir wach. Der Kubus Jahve, wie wir ihn bisher geschildert haben, ist eigentlich bis zur Mitte links und rechts in unserem Denken geöffnet. Deshalb wurde man im Denken, in der Erkenntnis, wenn die Kategorien ‚Gut‘ und ‚Böse‘ benutzt werden, „verführt“. Der Kubus Jahve muss für die Verführer im Bereich des Denkens geschlossen werden, und zwar auf der Grundlage der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, denn der Mensch als denkendes Wesen ist einer Ebene ähnlich. Wenn wir das Denken vervollkommnen, indem wir es mit der Kraft des Willens beschenken und seinen Charakter verändern, bewegen wir die Quadrate des Fühlens und Wollens in der Zeit des geistigen Lebens und bauen aus den einzelnen Erkenntnisakten links und rechts Flächen, durch die das Luziferische und Ahrimanische nicht mehr eindringen können. Auf diese Weise bauen wir allmählich den Kubus auf. Indem das niedere Ich im Raum der Gefühle entsteht, hinter denen der Astralleib steht, bewegt es sich zur Gleichsetzung mit dem höheren Ich, es bewegt sich im Raum des Willens und nimmt sich selbst im Willen ab. Das Berühren des Willens des abstrakten Denkens mit dem Willen des Ich erfolgt im Ätherleib und man verlässt allmählich den Raum und somit auch den Kubus Jahve. Auf diese Weise nimmt man das Kreuz der eigenen Entwicklung schon im niederen Ich und im physischen Leib auf sich. Das ist aber nur dann möglich, wenn man zuerst einen eigenen Raum im Denken gewinnt, den man mit Substanz erfüllt. Das geschieht, wenn man aufhört, mit dem physischen Gehirn zu denken, wenn das Denken kontemplativ wird. Dieser Raum hat mit dem physischen Raum nichts zu tun und er wird erreicht, wenn man die Handlungen Luzifers und Ahrimans in Gleichgewicht dynamisch in Christo erhält. Dann beginnt sich das Organ herauszubilden, das ‚Ätherherz‘ genannt wird. Der Übergang von der astralen Substanz, die das Gefühl darstellt, zur Äthersubstanz des Willens erfolgt im Kubus Jahve durch das kontemplative Denken. Dann beginnt unser allmählicher Auszug aus dem Kubus zum höheren Ich. So ziehen wir aus dem aus, was in uns auf dem Weg der Evolution entstanden ist und wir beginnen, etwas Neues auszubilden, was mit unserem physischen Leib nichts zu tun hat. Der Kubus Jahve ist ein übersinnlicher Raum, der im physischen Leib wurzelt, er ist das Ergebnis der Evolution, hinter der im Erdenäon zweifellos Jehova steht. Wenn man beginnt, das Physische zu überwinden und nicht mit dem physischen Gehirn zu denken, geht man zum ätherischen Denken über und zieht sich aus dem Kubus zurück, indem man zur Senkrechten des Christus-Kreuzes übergeht und als Ich wächst. Wir können als Iche wachsen, wenn Christus in unserem Ich die Gegensätze Luzifers und Ahrimans in dynamischem Gleichgewicht erhält. Aber dazu muss man das niedere Ich abnehmen, was schwer zu machen ist, wenn man im Wirbel der abstrakt-assoziativen Gedanken, der unkontrollierten Gefühle und der spontanen Willensäußerung verbleibt. Wir haben alle gesehen, was für „Genies“ das abstrakte Denken im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat – Stephen Hawking, Roger Penrose, Albert Einstein mit seiner absurden Relativitätstheorie. Solche Menschen können aus dem Kubus Jahve nicht herausgehen, der im physischen Leib wurzelt, sie bewegen sich entlang der Achse der Zeit, doch nicht aufwärts zum höheren Ich, sondern zum Abgrund. Diese Quadrate entfernen den abstrakt denkenden Menschen wie ein Spiegel von der Realität, so dass er grenzenlos abstürzen kann. Die Mitglieder der „Weißen Bruderschaft“ pflegen oft, die Worte Einsteins zu zitieren, mit denen er seine Ehrfurcht vor dem Meister Beinsa Douno zum Ausdruck bringt. Doch sie müssen wissen, dass die wahren Genies unserer Zeit die Menschen sind, die sich in die Richtung bewegen, die Einsteins Richtung entgegengesetzt ist – zum höheren Ich. Nur solche Menschen können die Antwort geben, wer eigentlich Beinsa Douno ist. Auf die faule Grundlage Einsteins tretend, erreichten Stephen Hawking und Roger Penrose neue „Höhen“, wenn sie die Theorie vom Urknall und dem Vorhandensein eines singulären Punkts im Universum beweisen. Je stärker ein Verstand ahrimanisiert ist, desto mehr entfernt er sich sogar vom Gegenstandsbewusstsein und versinkt in Illusionen, wobei er zum Diener Ahrimans wird. Es ist äußerst wichtig, die Ereignisse in der Welt zu begreifen und den Gang des Weltenkarmas mit verstehendem Gleichmut – der Stimmung eines wahren Christophorus, wahrzunehmen.

Nun stehen in Bulgarien neue Parlamentswahlen bevor. Die ehemaligen Kommunisten haben wieder den Kopf erhoben und versprechen alles Mögliche. In ihnen wirkt das luziferische Prinzip. Ihnen entgegengesetzt sind die sog. Konservativen, die scheinbar die Werte der Vergangenheit hochhalten, welche nicht mehr brauchbar sind. Bojko Borissovs Partei GERB versucht, in der Mitte zu sein. Doch sie hat die Präsidentschaftswahlen nach zehn gewonnenen Wahlen diesmal verloren. Was ist bei der Wahl des Präsidenten passiert? – Die Bulgaren haben entschieden, dass Borissov bestraft werden sollte. Wer etwas leistet, trägt grundsätzlich die Schuld. Wenn der Bulgare sagt, dass es uns „besser gegen“ soll, meint er den Wirtschaftsteil – mehr Koteletts, Bier und Reisen. Das ist die Weisheit des niederen Ich, das heutzutage die Menschheit leitet. Alle, die wir heute in den Medien sehen und hören und die als „helle Köpfe“ gelten, haben ein „An-sich-sein“. Doch ihr „Für-sich-sein“ ist nicht zu dem geworden, was es sein sollte, da es vom niederen Ich hervorgebracht wird. Wenn vom niederen Ich heraus ein „Für-sich-sein“ realisiert wird, bleiben wir in uns, wir verdoppeln uns und werden nicht zu einem anderen Menschen, der eine neue bildhafte Bewusstseinsform erlangt. Deshalb bringen diese wunderbaren, jedoch rein abstrakt denkenden Köpfe nur Fälschungen hervor. Vor zwei Wochen erschien ein Artikel von Hristina Hristova auf ihrer Internetseite memoria di futuro, in dem sie Überlegungen anstellt zu Christus und dem Christentum. Im Artikel geht es um eine Begegnung, die ein Bote von Julian Apostata mit der Pythia im Orakel von Delphi im vierten Jahrhundert hatte – zu der Zeit also, als die orthodoxen Zeloten wüteten und alles zerstörten, was mit den alten Mysterien verbunden war. Wir wissen, dass Julian Apostata eine Beziehung zwischen den alten apollinischen und dionysischen Mysterien und dem Christentum herstellen wollte. Die letzte Pythia sagte dem Boten, dass der Tempel zerstört, die sprechende Quelle verstummt sei, Apollon kein Obdach und keinen prophetischen Lorbeerzweig habe. Die Pythien haben früher die Schwefeldünste eingeatmet, worauf sie in einen Trancezustand gerieten, und Prophezeiungen aussprachen, die von einem Eingeweihten gedeutet und staatsmännischen Entscheidungen zugrunde gelegt wurden. Ich weiß nicht, ob das Gespräch zwischen dem Boten Julians und der Pythia tatsächlich stattgefunden hat, aber ich weiß, dass diese Pythia existiert hat und heute in Bulgarien inkarniert ist. Nachdem Julian Apostata diese Antwort erhalten hatte, unternahm er einen Feldzug nach Persien. Dort wollte er eine Beziehung zu den Manichäischen Mysterien herstellen, aber er wurde getötet. In der Vorlesung „Die drei Strömungen und der Schulungsweg“ habe ich eingehend diese Frage erörtert und gesagt, dass die Individualität, die in Julian Apostata lebte, Schwierigkeiten mit der Synthese der geistigen Strömungen hat. Wenn Hristova über die Religionen nachdenkt, sagt sie, dass die drei Hauptreligionen Judaismus, Islam und Christentum von Abraham stammen. Wir wissen, dass er im physischen Sinne wirklich der Evolutionsträger der drei Religionen ist und das Evolutionskreuz der Menschheit trägt. In der Zeitenwende war die Persönlichkeit Abrahams in Simon von Cyrene inkarniert, auf den Christus Sein Kreuz legte, als ob Er ihm sagte, Seinen Weg der Senkrechten entlang zu besteigen. Das war zwar keine freiwillige Kreuzübernahme, doch sie war nicht willkürlich. Wenn wir von dem Verständnis durchdrungen werden, wie sich die Individualitäten im Wandel der Jahrhunderte bewegen und wie die Weltenführung wirkt, erhalten wir ein vollkommen anderes Bild. Hier geht es um die Wendung der Weltenstruktur von der Involution zur Evolution, die in konkreten Persönlichkeiten personalisiert wird. Wenn Hristova über Gott und Christus räsoniert, sagt sie: „Das Christentum zwang den Menschen, vor einem unsichtbaren und allmächtigen Gott zu knien, der Seinen eigenen Sohn hinschickte, um die Menschen vor Seinem Zorn und vor ihnen selbst – genauer gesagt vor ihrem Schatten – zu retten. Wenn das überhaupt möglich wäre, wäre das die Manifestation einer störenden göttlichen Uneinigkeit. Wenn Gott wirklich so barmherzig wäre, hätte er uns vergeben, was es zu vergeben gab, ohne dass dieses uns mit Schuld aufladende Kreuzesopfer notwendig wäre, welches theologisch und philosophisch absurd ist. Es st absurd, weil Gott das Bedürfnis hatte, das Blut des eigenen Sohnes zu sehen, um die Menschen vor Seinem Zorn zu retten. Er brachte sich selbst für sich selbst dar, da er sein göttliches Ego nicht überwinden und Barmherzigkeit zeigen konnte. Im Gegenzug verlangt Er aber das Gleiche von uns.“

Diese Worte veranschaulichen die absolute Ohnmacht des heutigen sog. Intellektuellen, der von seinem niederen Ich aus handelt und als kompetent gilt und den Anspruch erhebt, höher als die anderen und insbesondere als die Regierenden zu sein. Das ist die völlige Kapitulation vor dem Christentum. Solche Menschen können keine Führer der Gesellschaft sein.

Der Bulgare muss wissen, dass sein Traum, in materieller Hinsicht dem Westen gleich zu sein, nichts Wert ist, obwohl das Wirtschaftsleben tatsächlich geeignete Bedingungen schaffen soll, damit es überhaupt geistiges Leben gibt. Bisher haben die Regierungen ausschließlich an der Verbesserung des Wirtschaftslebens gearbeitet. Früher wurde gegen die neuen Autobahnen schwadroniert, nun beschwert man sich über die fehlende Gerechtigkeit – das ist immerhin eine Art Evolution. Jeder spürt, dass es im Staat etwas Ungerechtes gibt und das stimmt auch. Die rechten Parteien reden von einer Änderung der Verfassung, von neuer Gesetzgebung, von Änderungen in der Judikative. Für sie befindet sich die Hauptursache der fehlenden Fortschritte im mittleren Teil der Zeichnung. Im neune Programm der Partei GERB wird die Bildung hervorgehoben, die zur Wissenschaft, also zur geistigen Sphäre gehört. Man tastet sich langsam zum Kern vor. GERB musste die letzten Wahlen verlieren, um eine Lehre zu ziehen. Jeder der sieben Äonen in unserem Zyklus hat eine Hauptkategorie, in unserem Äon der Erde ist das die Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit ist das Hauptverhältnis zwischen den drei Logoi oben und sie kommt hauptsächlich in unserem Äon zur Geltung. Die Bulgaren spüren instinktiv, dass etwas mit der Gerechtigkeit nicht stimmt. Borissov setzte in seinen vorigen Regierungszeiten den Schwerpunkt auf das Wirtschaftswachstum. Er hat keinen Einfluss auf die Judikative, die in den Händen seines Gegners ist, mit dem sie seit Tausenden von Jahren gegeneinander kämpfen. Und weil er viel arbeitete und die Infrastruktur aufbauen wollte, haben die Bulgaren ihn bestraft. Se beschlossen, die Exekutive zu bestrafen, die am wirksamsten ist. Der Exekutive entspricht die Hierarchie der Mächte. Sie sehen auf der Zeichnung, welche Hierarchien welchen Teilen der Struktur des sozialen Organismus entsprechen. Die Herrschaften entsprechen der Judikative, wo alles mit Weisheit zu lösen ist. Die Elohim entsprechen der Legislative, denn sie wollen alles in eine bestimmte Form einkleiden und es in Gesetze prägen. Wenn von Gerechtigkeit die Rede ist, müsste man hauptsächlich die Judikative verstehen, aber es wurde die Exekutive bestraft, die eigentlich gut funktioniert. Immer ist derjenige schuld, der arbeitet. Alle haben sich vereint, um für den Kandidaten der Kommunisten zu stimmen, und haben auf diese Weise ungerechterweise Borissov bestraft. Ich wünsche dem neuen Präsidenten Rumen Radev alles Gute, bisher hat er herausragende Qualitäten gezeigt, doch wurde er nur deshalb gewählt, weil man gegen Borissovs Kandidatin stimmen wollte. Die Bulgaren haben auf Borissov all ihre persönlichen Misserfolge und die Unbilden des eigenen Lebens projiziert. Ich habe bereits gesagt, dass die Tragödie mit der Explosion der Kesselwagen mit Flüssiggas in Hitrino die direkte Folge dieser ungerechten Handlung ist. Deshalb wäre es gut, sich Gedanken zu machen, bevor man in einem Monat zur Urne geht. Es ist richtig, dass GERB die Betonung auf die Bildung setzt, aber das darf nicht die bisherige tote Bildung sein, sondern die Religion müsste tief in die Bildung einziehen. Ich meine nicht die Religion der Popen, im Gegenteil, es muss eine Verbindung zur Geistigkeit hergestellt werden, die der Bewusstseinsseele angemessen ist. Die Betonung auf die Bildung ist der erste Schritt, um sich mit dem Kopf nach oben zu drehen, und das Land in der richtigen Art aufzubauen. Wenn die Menschen gebildet sind, werden sie früher oder später auch zum wahren geistigen Leben kommen. Soviel ich weiß, wird Ende des Jahres Saturn in den Steinbock eintreten, was bedeutet, dass das Wissen in die spirituelle Weltanschauung einziehen wird. Das ist die günstigste Situation für eine Aufwärtsentwicklung. Ab dem 01.01.2018 werden wir auch die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Folglich müssen wir bis dahin die Bedingungen der Entwicklung durch die richtige Wahl schaffen.

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