Das große Drama-Mysterium

 

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 30.04.2017 in Varna

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Die ganze Vorlesung im PDF-Format

Gebet: Herr Gott Jesus Christus, wir bitten um Deine Hilfe beim großen Drama-Mysterium, zu dessen Hauptakteuren wir gehören, damit wir unsere Aufgaben bewältigen können. Amen!

Christus ist auferstanden! (In der Osterzeit übliche Begrüßung in Bulgarien) Die heutige Vorlesung findet in der Zeit zwischen Auferstehung und Himmelfahrt statt und vor 20 Jahrhunderten deckte Christus vor dem nicht-wachen Bewusstsein seiner Schüler die Wahrheit über den erheblichen Umbruch, der in das Weltall und sogar in die Trinität mit dem Mysterium von Golgatha eingetreten ist. Erst als der Pfingstgeist kam, begannen die Jünger, all dessen gewahr zu werden, was mit ihnen in den drei Jahren geschehen war, in denen sie an der Seite Christi waren. Die Seele des heutigen Menschen unterscheidet sich wesentlich von den Seelen der Jünger und deshalb kommen die Geheimnisse, die Christus ihnen offenbarte, an unseren Zeitgenossen so schwer heran. Heute werden wir versuchen, uns mit unserem wachen Bewusstsein zu diesen Höhen zu erheben, damit wir der apokalyptischen Zeit, in der wir leben, angemessen sein können. Diese Zeit verlangt von uns, dass wir das Denken eines Avatars haben, damit wir eine Beziehung zu unserem Ich herstellen und es allmählich mit dem Ich Christi erfüllen.

Im väterlichen Weltengrund, den wir kurz ‚Gott‘ nennen werden, begann die Verwirklichung unseres Entwicklungszyklus vom alten Saturn bis zum zukünftigen Vulkan. Gott ist ein Ich und hat in völliger Freiheit beschlossen, diese wertvolle Gabe mit den unzähligen Wesen zu teilen, die aus Ihm herauskommen sollten. Gott ist absolut, grenzenlos und ewig, jedoch bedeutet die Absolutheit in einem gewissen Sinne einen Verzicht auf Entwicklung. Deshalb ging Er opfernd und aus Liebe zu einer Verinnerlichung eines Teils seiner Grenzenlosigkeit als Erstoffenbarung über. Aus der Erstoffenbarung sollte alles im Weltall entstehen und zu diesem Ziel waren zuerst Ich-Wesen notwendig, um diese Offenbarung zu realisieren. Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist haben die Aufgabe übernommen und die Substanz, das Leben und das Bewusstsein für den Zyklus ausgestrahlt. Doch die drei Hypostasen waren immer noch kein anderes Dasein Gottes, da die Substanz, das Leben und Bewusstsein allgemein, unbestimmt und unpersönlich waren und ohne die Entstehung einer Gliederung oder sogar ohne ein Zurückbleiben wären sie einander durchlaufen, ohne einander zu schneiden und Formen für die entstehenden Ich-Bewusstseine der Wesen zu erzeugen. Damit das Bewusstsein existieren kann, brauchen die Wesen die Verwirklichung der Gottesoffenbarung. Diese Wesen sind die uns bekannten neun Hierarchien von den Engeln zu den Seraphim. Gott ist der Schöpfer und das Schöpfertum verlangt, dass es Unterschiede in der Bewusstseinsstufe der Wesen in dieser Schöpfung gibt, das die Hierarchien verwirklichen. Der Augenblick der Offenbarung ist einem Punkt im Nichts ähnlich, in dem alles enthalten ist. Auf diesen Punkt konzentrieren die Hierarchien ihre Anstrengungen und es beginnt die Umsetzung der Idee des Zyklus, die vor dem Anfang unseres Zyklus im Schoß Gottes geboren wurde. Im vorangegangenen Zyklus, in dem der Vater dominierte, wurde gemeinsam mit den Hierarchien die Substanz Gottes auf die Entwicklungsbedingungen unseres Zyklus vorbereitet. Der Vater (der Erste Logos) hat sich im neuen Zyklus mit zweierlei Absicht geoffenbart – um der Substanz zu erlauben, sich zu erheben und etwas völlig Neues in der Evolution einzuleiten – den Aufstieg durch Abstieg.

Als Ergebnis sollte etwas Gutes erschaffen werden, was das Gute des vorigen Zyklus überstieg. Wie lässt sich feststellen, ob etwas gut ist? Die Götter sind Schöpfer und wenn es eine Schöpfung gibt, wenn das Werk verwirklicht ist und zu einem Bewusstsein kommt, kann man prüfen, ob es gut ist, indem man sich in dieser Schöpfung spiegelt. Auf dem alten Saturn waren die Menschen eine Wärmemonade, der das unbewusste Allbewusstsein angelegt war. Es fehlte jegliche psychische bzw. Ich-Tätigkeit im Menschen. Es bestand keine Möglichkeit, dass die Götter eine Vorstellung davon haben, was der Mensch darstellen würde. Ganze Äonen sollten vergehen, bis sie sich in ihrem Werk spiegeln konnten, um zu verstehen, ob es gut war.

Wir wollen verfolgen, wie das Schöpferprinzip auf die Menschenstufe übertragen wird. Wenn ein Maler beginnt ein Bild zu malen, hat er zuerst eine Idee davon, was er machen will. Das ist wie die Idee des Heiligen Geistes. Der Maler braucht eine Leinwand, Pinsel und Farben – seine Materialien sind gleichsam die Substanz, die vom Vater stammt. Wenn der Maler sich an die Arbeit macht, indem er die Substanz und Idee in Übereinstimmung bringt, bringt er sich selbst in das Bild als Leben ein. Am Ende entsteht etwas, was sich vom ursprünglich Geplanten unterscheiden kann. Aus der Idee, der Substanz und seinem Leben, das der Maler in das Bild hineingelegt hat, entsteht sein Gemälde, das man betrachten kann, um festzustellen, ob es gut ist. Das Bild trennt sich von seinem Schöpfer und lebt sein eigenes Leben, es kann Millionen von Menschen zu einer Erhebung oder zu einem Sturz führen. Wenn etwas realisiert wird, an dem Vater, Sohn und Heiliger Geist beteiligt waren, erhält das Werk danach ein eigenes Leben, es wird keine Unterordnung von ihm verlangt. Das ist die Voraussetzung des wahren schöpferischen Prozesses, das besagt das Prinzip der wahren Liebe. Die Urquelle des neuen Guten, das erschaffen werden sollte, war die göttliche Verinnerlichung aus dem Höheren zum Niederen, die Er als ein Opfer getan hat. Diese Senkung wurde zum Grundgesetz des Weltalls, nach dem das Universum sich nur durch die Liebe entwickeln kann – die Liebe von Ich-Wesen, die zu Mitschöpfern Gottes geworden sind. Die erhabene Liebe Gottes will, dass das andere unabhängig, nicht von Ihm vorbestimmt ist. Doch wenn ein Opfer dargebracht ist, scheint es seinen Vollbringer zu „versklaven“, der mit dem Ergebnis seines Opfers im Laufe der ganzen Entwicklung dieses Ergebnisses verbunden zu sein scheint. In der Geisteswelt ist alles real und man kann nicht auf die Folgen der eigenen Taten verzichten. Wenn Gott selbst beschließt, dass es eine Schöpfung geben soll, in deren Zentrum der Mensch steht, so bindet Er sich an den Menschen. Wenn der Mensch zum Vulkan kommen und etwas vollbringen wird, wird Gott selbst eine Entwicklung erfahren, obwohl Er absolut ist. Jede Hierarchie, die ein Opfer vollbringt und die eigene Evolution riskiert, bindet sich an die Wesen, für die sie sich opfert. Wenn sich ein Wesen für ein höher stehendes Wesen opfert, ist das eine Opfergabe und kein Geschenk, denn das höhere Wesen ist höher entwickelt und besitzt das, was ihm das niedrigere Wesen geben kann. Wenn ein Wesen sich nach unten opfert, opfert es etwas, was die niedrigeren Wesen noch nicht besitzen, sie bekommen somit ein Geschenk. Wir müssen sehr gut zwischen Opfer und Geschenk unterscheiden, sonst würden wir den Sinn unseres Zyklus nicht verstehen. Deshalb tauchte vor dem Beginn des Zyklus die Frage auf, wie die Liebe Gottes zu der neuen Schöpfung zu verwirklichen war. Dieser Aufgabe nahmen sich sechs Arten von Wesen aus der ersten und zweiten Hierarchie an. In den vorherigen Weltzuständen waren sie zu höheren Bewusstseinsstufen aufgestiegen. Sie nahmen die Absichten Gottes als ihre eigenen an, ohne die bevorstehenden Leiden zu fürchten, denn sie wussten, dass eine aufsteigende Entwicklung bevorsteht, für die die Leiden eine geeignete Methode sein würden. Es begann das große Drama-Mysterium der Schöpfung, die Gott plante und durch Christus als seinen Hauptboten verwirklichte, der auf die tiefste Stufe herunterstieg und sich opferte, ohne selbst dessen zu bedürfen.

Der Erste, der die Größe dieses Augenblickes erblickt hat, war der reuige Schächer. Deshalb hat er in einem nächsten Leben als Kaspar Hauser seinen Peinigern vergeben. Damit sie da sein konnten, damit der Mensch da sein konnte, sollte er ursprünglich vorgesehen werden und sich erst viel später zu einem Schlüsselglied des Dramas entwickeln. Jene sechs Hierarchien von Wesen hatten vor Beginn des Zyklus begriffen, dass sie nicht ihre eigene Größe durch den Aufstieg auf dem Wege der Sonnenevolution, bei der es keinen Abstieg gibt, erreicht hatten. Zur Erfüllung der Aufgabe im neuen Zyklus waren auch die Wesen der dritten Hierarchie nicht geeignet, da sie bis zum Äon des alten Saturn entstanden waren. Für die Zwecke der neuen Aufgabe sollten neue Wesen erschaffen werden. So wurde der Mensch entworfen, der die Freiheit der Wahl beim Treffen von Entscheidungen mit der Erlangung der ersten Stufe des Ich-Bewusstseins bekommen sollte.

Vor Beginn der Saturn-Entwicklung war der Strom der makrokosmischen Kräfte einheitlich, aber als die Saturn-Entwicklung einsetzte, spaltete sich der Strom in zwei Teile. Der eine Strom war an der Entwicklung während der Äonen beteiligt, die unserem Äon vorangingen, indem er sich an den Aufstieg durch Abstieg band. Diesen Strom nannte Steiner den Strom der ‚oberen’ Götter. Der andere Strom ging nicht abwärts, sondern verlief parallel zum ersten und erschien als eine Art „Atmosphäre“. Das war der Strom der ‚unteren’ Götter. Die oberen Götter wurden von den Gedanken der unteren Götter geboren. Die Unteren stimmten dem Plan Gottes zu und die Oberen – nicht; Letztere haben die Welt zum selbständigen Schaffen geführt. Die Bogomilen haben früher die oberen Götter ‚Satanael‘ genannt, der die Welt erschuf. Die unteren Götter nannten sie ‚Christus‘, der nach Satanael kommt. Wie ist das alles zu verstehen?

Die Seraphim und Cherubim beherrschten in höchstem Maß das Atma-Prinzip schon seit dem vorherigen Zyklus. Das war das systembildende Ich-Prinzip im Zyklus des Vaters. Dieses Prinzip opferten die Geister des Willens als ihr Ich-Bewusstsein. Es erschien die Substanz als die zukünftige Grundlage der Welt und der  „Spiegel“, in dem sich die Wesen spiegeln konnten, die vorher Subjekte geworden waren. Als Gott beschlossen hat, sich teilweise zu verinnerlichen, übernahmen die Seraphim und Cherubim die Idee für das ganze Weltall von oben und begannen, das Prinzip des früheren Zyklus an die Gesetzmäßigkeiten des neuen Zyklus anzupassen. Sie übergaben die entworfene kreuzähnliche Struktur der Welt den Geistern des Willens, die dieses Ich-Bewusstsein im vorherigen Zyklus erlangt hatten erhoben und den neuen Zyklus einleiten konnten. Sie richteten sich auf den Punkt des Nichts, den Gott selbst durch die drei Hypostasen der Trinität angelegt hatte. Im Weltall gab es noch nichts und das Opfer, das die Throne noch darbringen wollten, sollte sich „von außen und oben“ auf ein Zentrum richten. Es gab noch kein ‚außen’ und ‚innen’, ‚oben’ und ‚unten’. Es gab nur ein hierarchisches Bewusstsein in Form von Hypostasen-Atma, Hypostasen-Buddhi und Hypostasen-Manas. Vom Hypostasen-Atma aus vollbrachte der Vater über die Geister des Willens das Opfer. Die Geister des Willens opferten sich vor den Cherubim, die „über“ ihnen stehen – also ein höheres Bewusstsein besitzen, denn sie sind die Träger der Atma-Einheit, in der sich die Welt des vorherigen Zyklus aufhielt. Deshalb können wir diese Einheit als ein Opfer bestimmen. In der Substanz war die göttliche Liebe, die abwärts eine selbständige Existenz erwerben sollte. Die am Anfang des Zyklus erschienenen Wesen haben ihre Aufwärtsentwicklung fortgesetzt, da sie mit dieser aufsteigenden Tendenz aus dem vorigen Zyklus gekommen waren. Doch wäre nur diese Sonnenevolution da gewesen, hätte es den Zyklus nicht gegeben und der Saturn wäre bald zum unausgesprochenen Schoß des väterlichen Weltengrundes zurückgekehrt. Die Geister des Willens sind aus dem Nirwana herausgetreten und zur Stufe des höheren Devachan gestiegen. Dort haben sie sich partiell verinnerlicht, was eine Herabsenkung ihres Bewusstseins bedeutet. Das ist der Sinn ihrer Offenbarung. Doch im Punkt der Verinnerlichung streben sie sofort zu den Höhen zurück, die sie stark anziehen. Ihre Offenbarung ist eine Art „Aufwachen“, das ihnen eine höhere Stufe des Selbstbewusstseins gibt, eine Stufe des Ich-Bewusstseins. Doch das Bewusstsein der Geiser des Willens senkt sich und deshalb wollen sie in den Schoß des einigen Gottes zurückkehren. Jedes Erwachen in der Entwicklung ist mit Leiden verbunden. Mit der Ausstrahlung der Substanz, die die Liebe des Vaters ist, sollten die Geister des Willens diese Substanz aufgrund des geistigen Gesetzes bis zum Ende ihrer Entwicklung bevormunden. Sie konnten daher nicht ungehindert zur Ewigkeit zurückkehren. Mit ihrem Opfer aus Liebe haben sie sich das selbst angetan.

Steiner hat nie gesagt, dass das Opfer der Geister des Willens von den Cherubim abgelehnt worden ist. Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass die Substanz nach unten kam? Damit das Atma nach unten strömt und zu Wärme wird, muss jemand „von oben“ die Substanz abgelehnt haben. Was genau ist passiert? Die Geister des Willens haben sich durch „Stirb und werde“ auf eine höhere Stufe erhoben und die Cherubim haben das insofern zugelassen, als es der Sphäre ihres Seins nicht widersprach und in ihrem Wesen als etwas Fremdes nicht anwesend war. Als Ergebnis wurden die Geister des Willens (Throne) auch zu Cherubim. Doch diese Besonderheiten sind auf dem Saturn noch sehr unklar. Die von den Thronen ausgestrahlte Substanz strömt wie ein Geschenk abwärts, um die Grundlage des Zyklus zu geben.

Man sollte die Götter in ihrem Zusammenhang mit der Christologie gut auseinanderhalten, um das Dasein selbst verstehen zu können. Als Steiner über die apollinischen und chthonischen Götter sprach, erwähnte er, dass der Zugang zu den unteren/chthonischen Göttern in den Mysterien unheimlich schwierig war und diejenigen, die zu ihnen gelangen konnten, ungeheuerliche Prüfungen zu bestehen hatten. Der Zugang zu den oberen/apollinischen Göttern war viel leichter. Steiner hat nichts Konkretes über die unteren Göttern gesagt, doch wir können mutig behaupten, dass dies die Wesen der ersten Hierarchie sind – Throne, Cherubim und Seraphim. Die unteren Götter fragten sich, wie das Opfer der Geister des Willens als Substanz im Weltall zu verwirklichen war und sie haben beschlossen, nur der Aufwärtsentwicklung in der alten Art zu folgen. Die oberen Götter beschlossen, sich an den Abstieg zu binden. Auf diese Weise entstand Gutes, was größer ist als das Vorherige, das durch die Erhebung auf dem Weg der Sonnenevolution entstehen konnte. Das neue Gute sollte durch die Umwandlung des Bösen hervorkommen und höher sein als das ursprünglich Gute. Deshalb wurde auch das neue Prinzip der Evolution – Aufstieg durch Abstieg – eingeführt. Als die Substanz mit der ihr veranlagten Intention des Abstiegs herunterstieg, brauchten die unteren Götter Vorstellungen darüber, wie die Entwicklung vor sich gehen sollte. Dann hat sich die zweite Hierarchie der ersten als Vorstellung geoffenbart. Die erste Hierarchie brauchte die zweite, die zur weiteren Individualisierung fortschritt und luziferisiert wurde. Laut Steiner ist die Vorstellung ein individualisierter Begriff. Die unteren Götter haben die oberen hinausgesandt, um die Idee der Welt wahrzunehmen und haben durch sie von der Seite mit den „Augen“ der Idee der Welt sich selbst als Sender der Substanz der Welt betrachtet. Auf diese Weise sind die kosmischen individualisierten Begriffe von der Weltidee entstanden. Das waren die Wesen der zweiten Hierarchie und deshalb haben sie sich am Ende von der allgemeinen Idee abgesondert. Es entstand ein Widerspruch zwischen dem Allgemeinen und Besonderen. Der eine Strom von Wesen teilte sich. Auf dem alten Saturn wurde kein Opfer abgelehnt, deshalb haben sich wohl einige der Geister des Willens selbst nach unten gewendet, um eine Gegenüberstellung mit sich selbst hervorzubringen. Damit wurden die Voraussetzungen der zukünftigen polaren Gegenüberstellung des Bewusstseins der geistigen Wesen geschaffen. Das Zurückbleiben an sich wird im Okkultismus als ‚Luziferität’ bestimmt. Wenn wir es nach der Art der Tätigkeit differenzieren, die die Wesen im Hinblick auf den Menschen ausüben, erhält das Zurückbleiben ahrimanische, asurische oder luziferische Eigenschaften. Die übersinnlichen Wesen können verschiedene Rollen annehmen und sie lassen sich nicht eindeutig klassifizieren, doch im allgemeinen Sinn trägt das Zurückbleiben luziferischen Charakter.

Das Zurückbleiben hat in den frühen Zuständen der Welt angefangen, auf dem alten Saturn gab es nur Anzeichen davon. Auf der alten Sonne und auf dem alten Mond war das Zurückbleiben jedoch schon erheblich.

Wie hat sich das Zurückbleiben in den vergangenen Äonen entwickelt, um das heutige Übel, das der Mensch schafft, hervorzubringen? Wir haben bereits geschildert, dass Seraphim und Cherubim die Atma-Einheit aus dem alten Zyklus in den neuen hineinbrachten und durch die Geister des Willens, die reif dazu waren, manifestierten. Um die Einheit der Welt auf dem Saturn zu bewahren, kamen die Geister des Willens auch auf der Seite der physischen Wärme zur Geltung, d.h. es erschienen die ersten Keime des Ahrimanischen, das damals aber keinen deutlichen Charakter hatte. Der Sinn des Ahrimanischen besteht darin, dass das Materielle durch sich das Geistige ersetzt, dass es genau wie der Geist auch universell wird, jedoch nicht auf dem Weg der geistigen Erhebung durch eine Metamorphose bis zum Punkt des göttlichen Bewusstseins, sondern auf dem Weg des Zusammenziehens zum Punkt des absoluten Nichts, der im Erdenäon in Form des Ich-Bewusstseins des irdischen Menschen erschien.

Das luziferische Prinzip will seinerseits nichts mit der Materie zu tun haben, sondern es möchte alles zum Geist zurückbringen, und zwar in der alten Gruppenform. In der übersinnlichen Welt bilden die Stellungen und Beziehungen der hierarchischen Wesen zueinander die Gesetzmäßigkeiten, nach denen die Entwicklung erfolgt. Das ist ihr Denken – ein Handeln, das ‚kosmische Intelligenz‘ genannt wird. Wenn bestimmte Wesen zurückbleiben, entstehen Widersprüche in der Entwicklung und auf diese Weise trägt die Kontraintelligenz, die dem Denken der rechtmäßig entwickelten Wesen entgegenwirkt, zum Zurückbleiben mancher Geister des Willens auf dem alten Saturn bei, indem sie diese Geister luziferisiert und in einem gewissen Sinne auch ahrimanisiert. Wenn ich behaupte, dass es möglich ist, dass Sorat einer dieser Geister des Willens ist, hat das damit zu tun. Es stimmt, dass sich das Zurückbleiben der zweiten Hierarchie qualitativ vom Zurückbleiben der dritten Hierarchie unterscheidet. Das Zurückbleiben in der zweiten Hierarchie bezieht sich auf Wesen, die ihr Ich im vorherigen Zyklus erlangt haben und deshalb nicht irregeleitet werden konnten, sondern sich  aufopfernd zurückblieben. Ist Sorat nicht genau in dieser Weise zurückgeblieben? Das Zurückbleiben unter den Wesen der dritten Hierarchie liegt an der Unfähigkeit, ein Ich in der geeigneten Zeit der Entwicklung zu erlangen. Doch auch hier sollten wir sie nicht zu scharf verurteilen. Das Zurückbleiben sollte man weder bedauern noch bewundern, sondern in der rechten Weise begreifen. Dann haben diese Wesen die Chance, zum richtigen Weg zurückzukehren. Die Behauptung Steiners, dass die Liebe das Böse notwendig macht, ist keine Dummheit, sondern eine okkulte Tatsache. Gott opfert sich aus Liebe, damit es eine Individualisierung der Wesen gibt, und jede Individualisierung führt zum Egoismus, der sich am Ende als ein Böses manifestiert. Das Gute, das aus seiner Umwandlung entsteht, ist das Gute der Individualisierung und es ist nicht zu erreichen ohne die Ablehnung der anderen Art des Guten – des ursprünglichen Guten, deren Träger die unteren Götter sind. Deshalb haben sich auch die Zurückgebliebenen geopfert.

Aus dem Opfer der Throne auf dem Saturn, in dem das Wort klang, wurden die Geister der Persönlichkeit hervorgebracht, es wurde die Zeit hervorgebracht. Diese Geister, die vor dem Saturn noch da waren, wurden erst auf dem Saturn zu „Menschen“ und erhielten ein Ich-Bewusstsein. Sie kennzeichnen den Übergang von der Ewigkeit zum Rhythmus der Zeit. Das Ich ist eine Form, welche einmal verliehen, auf ewig im Besitz der Wesen bleibt. Ihr Ich erhalten die Wesen auf eine geheimnisvolle Art aus der unausgesprochenen Quelle – darüber sind wir in der letzten Vorlesung eingegangen. Die Wesen erhalten ihr Ich aus der Ewigkeit, von Gott; Wenn es einmal erhalten wurde, kann das Ich nur mit neuem Inhalt von Atma, Buddhi und Manas erfüllt werden und die Wesen können zu höheren Bewusstseinszuständen aufsteigen. So kann sich ein Formgeist mit seinem Bewusstsein zum Geist der Bewegung oder Geist der Weisheit erheben, doch er bleibt immer sich selbst, da er eine einmalige Individualität ist – ein Ich, durch das Gott auf eine besondere Weise seine aufopfernde Liebe erlebt. Um die Wesen mit einem Ich zu beschenken, hat sich Gott im Zyklus durch drei Hypostasen als Manas, Buddhi und Atma geoffenbart. Die Hierarchiewesen haben den Auftrag übernommen, die Bewegung von Manas, Buddhi und Atma zu den Neubildungen in der Welt zu vermitteln, doch sie selbst sind nicht die Schöpfer dieses höheren dreifachen Geistes. Jenseits der Offenbarung auf der Seite Gottes werden keine Formen des Ich erschaffen. Sie entstehen „diesseits“ der Offenbarung, in der Entwicklung des Zyklus und zu diesem Ziel ist das Vorhandensein von drei Hypostasen erforderlich. Der Vater gibt die Substanz, der Heilige Geist kleidet sie in eine Form, aber dann beginnt die Substanz sofort, in der Form ihre Beweglichkeit einzubüßen, sie entfernt sich von Gott und geht auf eine Materialisierung zu. Auf diese Weise stellt sich die absolute Opferbereitschaft der Substanz sich selbst diametral als Egoismus entgegen und der Welt des Guten stellt sich die Welt des Bösen entgegen. Dann kommt die dritte Kraft hinzu – das Leben. Diese Kraft hat die Stärke der Kraft des Vaters, aber sie verleiht auch dem Ich die Form und scheint diese Form zu verschließen, ihr das Prinzip des Egoismus zu verleihen. Aber das ist der universelle Egoismus, der Egoismus des Welten-Ich. Er erfasst alles mit Liebe und bleibt immer ein Ich-Bewusstsein. Auf diese Weise schenkt Gott durch Christus die Form des Ich-Bewusstseins. Gott kann in jeder der Hypostasen seine Grenzenlosigkeit manifestieren, aber dann würde es nicht die Entwicklung der Offenbarung geben. In ihrem Wesen stammen die Hypostasen von Gott, der ihre äußere Ich-Einheit darstellt. Aber wenn sie in der Offenbarung zum Handeln übertreten, gehen sie von Christus als von ihrer Ich-Einheit aus. Dann ist es erforderlich, dass noch eine Dreiheit in der Form einer Triade entsteht – Luzifer – Christus- Ahriman. Diese Triade in der Entwicklung können wir eine „Arbeitstriade“ nennen, sie ist da, um den Aufstieg durch Abstieg und die Schaffung der neuen Art des Guten zu ermöglichen.

Die ersten Kennzeichen ihrer Ausbildung gab es, wie bereits angedeutet, auf dem alten Saturn. Damals erschienen zwei Prinzipien der Evolution – das alte vorsaturnische Prinzip und das neue Prinzip unseres Zyklus. Die Geister des Willens sind in den neuen Zyklus eingetreten, indem sie das alte Prinzip befolgten und sie haben den Äon hervorgebracht. Sie brauchten die Existenz der Zeit und des Raums nicht, sie brauchten die Einteilung in äußerlich und innerlich nicht, aber die Geister der Persönlichkeit brauchten all das, da sie sich als Erste mit dem anderen Dasein verbunden haben, das aus dem Opfer der Throne entstanden ist. In diesem anderen Dasein sollte auch das Prinzip des Bösen entwickelt werden. Das begann mit den Geistern der Weisheit, die von außen die Substanz mit ihrem Leben durchdrangen. Dies hat Reflexe in der Substanz hervorgerufen, die später als die Gegensätzlichkeit zwischen Geist und Materie in Erscheinung traten Der Saturn hatte kein eigenes Leben, sondern das Leben wurde durch die äußeren Einwirkungen der Weisheitsgeister modelliert, die noch nicht die Stufe des Opfers erreicht hatten. Der Heilige Geist hat durch die Geister der Bewegung der Wärme eine Form, d.h. Eigenschaft verliehen und daraus erwuchs die Gegenüberstellung der Mengen. Auf dem Saturn entstand die Kontraintelligenz, aber zuerst war sie nicht deutlich, denn alle drei Arten von Evolution – die Sonnen-, Erden- und Mondenevolution – waren vereint und nicht auf dem äußeren Plan objektiviert. Die Geister der Persönlichkeit haben sich als Erste mit der nach unten strömenden Substanz und mit der in ihnen entstandenen Gegenüberstellung verbunden.

Das Verhältnis einiger Geister der Persönlichkeit zu der reinen Wärme, die die Geister des Willens ausgestrahlt hatten, erwies sich mehr äußerlich, geistig, während für andere dieses Verhältnis tiefgründiger, wesentlicher war. Letztere konnten nicht zu vollwertigen „Menschen“ auf dem Saturn werden und sie sind auch auf der alten Sonne und auf dem alten Mond zurückgeblieben. Zum Äon der Erde kamen sie als die Furcht erregenden Asuras. Je mehr ein Wesen von Gott abfällt und sich mit dem Materiellen verbindet, desto mehr Verzweiflung entsteht in ihm, die sich dann in Ausweglosigkeit umwandelt. Diese Ausweglosigkeit metamorphosiert in die Zerstörungswut. In die Seele des heutigen Menschen ist die Sehnsucht nach einer Rückkehr zu seiner geistigen Heimat angelegt, aber da er keine bewussten Anstrengungen zum Erreichen dieses Ziels unternehmen möchte, beginnt er, von Gott abzufallen und sehnt sich nur nach äußeren Eindrücken, um diese Sehnsucht zu betäuben. Die äußeren Eindrücke können dem Menschen aber nichts geben und spitzen nur die Ausweglosigkeit und Sinnlosigkeit seines Lebens zu, was am Ende als Zerstörungswut in Erscheinung tritt. Wenn wir uns fragen, warum es soviel Übel heute auf der Erde gibt, so ist eine der Ursachen gerade der Verzicht des Menschen auf die Menschwerdung und seine Unkenntnis über den Weg dazu.

Während sich die Geister des Willens von der „Peripherie“ aus zum Zentrum des entstehenden Saturn, zum Zentralpunkt der Offenbarung opferten, war ihr Opfer auf der alten Sonne vom geistigen Zentrum der Sonne aus auf die Peripherie gerichtet. Das ist eine Art Hinwendung zur anderen Seite in Richtung der physischen Welt. Diese Welt ist eine andere Bewusstseinsform der Formgeister, die schwächer ist als ihr inneres Bewusstsein, in dem sie mit dem göttlichen Bewusstsein, mit der Ewigkeit verschmelzen. Ihr Opfer hat sich nicht emporgehoben, es wurde von den Cherubim – den Hütern der Ewigkeit – abgelehnt, hinter denen Christus selbst steht. So wurde die Substanz zur Entwicklung des Niedrigstehenden gegeben. Gleichzeitig betrachtete Gott sich selbst durch die Geister des Willens von außen. Offenbar gibt die physische Form den Hierarchien, Hypostasen und Gott selbst eine neue Art der Selbsterkenntnis. In dieser Form verzichten sie gewissermaßen auf sich selbst und reduzieren ihr Bewusstsein, um sich danach noch höher emporzuheben. Wenn sich die Throne nicht auf diese Seite hin gedreht hätten, wäre ihr Bewusstsein höher geworden, jedoch hätte es sich qualitativ nicht geändert. Bereits auf dem Saturn haben manche der Weisheitsgeister, die auf die Wärmemonaden von außen einwirkten, solche Erfahrungen gesammelt, dass sie sich zum Bewusstsein der Willensgeister erhoben. Sie haben aus diesem Bewusstsein heraus in der Kontemplation des Opfers der Willensgeister auf der Sonne ihr eigenes Opfer vollbracht. Während auf dem alten Saturn die Willensgeister mit ihrem Opfer von den Prinzipien des Daseins zurücktraten, welche sie bis zum Saturn besessen hatten und zu den großen Opferdarbringenden wurden, so haben die Geister der Weisheit ihr Opfer auf der Sonne vollkommen im Geist der Aufgaben des neuen Zyklus vollbracht und wurden zu den „großen Schenkenden“. Durch sie hat Christus seine „schenkende Tugend“ (GA 132:30) zur Außenwelt ausgestrahlt, die die Anpassung des ewigen Lebens von Gott an das Leben der Substanz und ihre Aufgaben im Zyklus darstellt. Der Zyklus bekam sein eigenes Leben.

Auf der Sonne hat Gott nicht seine Herrschaft über die Welt aufgehoben, sondern sie dem Sohn als schöpferische Herrschaft übergeben. Daraus sollte der Zyklus der Sieben zu einer Oktave aufsteigen. Die „schenkende Tugend“ ist die Weisheit als eine „Gabe“ an die niedrigen Sphären des Daseins und Bewusstseins, woraus ein gigantischer Prozess wesentlichen Denkens hervorgebracht wird, der die zweite Hierarchie erfasst. In der Welt sind zwei göttliche Weisheiten präsent. Bei der ersten haben wir eine Vereinigung der Idee (des Heiligen Geistes) mit der Substanz (dem Vater), woraus das Zurückbleiben entsteht. Die zweite ist die Christus-Weisheit, die eine Kraft und ein Licht der Umwandlung, der Alleinheit ist und die Schöpfung zu etwas Neuem erhebt. Das ist die Sonnenevolution. Aus dem Opfer Christi durch die Weisheitsgeister sind an der Peripherie der Sonne die Erzengel mit ihrem Ich-Bewusstsein hervorgegangen, es entstanden der Raum mit einer Dimension (innerlich und äußerlich) und das Licht als eine neue Daseinsform. Die „schenkende Tugend“ war Leben und Licht, das wahre, unmittelbare Christus-Licht, das schaffend ist und nicht reflektiert wird. Seitdem wirkt dieses Licht in der Evolution durch die Geister der Weisheit und von dort durch die Erzengel. Deshalb stehen diese Hierarchien in einer besonderen Beziehung zum Christus-Impuls, der nach dem Kreuzestod auf Golgatha startete. Auf der Sonne wurde das Leben zum Licht für die Hierarchien und für das Selbstbewusstsein der Erzengel. Die Geister der Weisheit haben eigentlich einen Teil ihres kosmischen Ätherleibes geopfert, was den Charakter der Substanz der Welt veränderte. Die Idee der Welt fing mit einer neuen Art der Formbildung an.

Was wurde aus dem Bösen auf der Sonne? Die Cherubim, die das Opfer nicht angenommen haben, blieben die Hüter der Ewigkeit im Zyklus. Aber das bedeutet, dass sie sich in einem bestimmten Maß luziferisierten. Die normalen Geister der Weisheit haben die „schenkende Tugend“ ausgestrahlt, sie haben die Weisheit ausgestrahlt, die zum Licht wurde. Dieses Licht wurde von luziferisierten Geistern der Weisheit getragen, die die Uneinigkeit auf der Sonne für immer geistig erhalten wollten und deshalb dieses Licht ins Zentrum der Sonne hineintrugen. Aber bei der Erweiterung des Geistes wird dieser in einem gewissen Sinne „dünner“. Dem widersetzten sich ahrimanisierte Geister der Weisheit, die sich auf dem Saturn nicht zum Bewusstsein der Throne erheben konnten. Sie stellten sich opfernd den normalen und luziferisierten Geistern der Weisheit und ihren Bestrebungen zur Erweiterung der Sonne entgegen. Sie wollten das Gesetz über das Nichtdasein befolgen, laut dem der Geist am Ende sich zur Materie zusammenzieht, die zur neuen Ewigkeit wird. Aus der Konfrontation mit den luziferischen Geistern der Weisheit wurde wahrscheinlich ein Übergang zur Sinnesseite der Welt vollzogen, obwohl damals die Stofflichkeit geistig blieb, doch nunmehr eine gegensätzliche geistige Ausrichtung hatte. Deshalb bildeten sie eine Art Ringe um die Sonne, die eine dichtere Stofflichkeit besaßen. Damit aber der schöpferische Prozess der Evolution in der Sonnenströmung der Entwicklung fortbestehen konnte, haben die normalen Geister der Weisheit eine gegenseitige Metamorphose der luziferischen und ahrimanischen Kräfte hervorgerufen. Das konnten sie deshalb tun, weil Christus durch sie wirkte. Er blieb und wirkte in ihrer Sphäre des Lichtäthers. Er hat diesen Kosmos nicht abgelehnt, aber gleichzeitig wendete Er seinen Blick auch zu den zurückbleibenden Wesen, zu den „Rebellen“. Seine Herabsenkung der Bewusstseinsstufe zum Niveau der Weisheitsgeister als „schenkende Tugend“ selbst bedeutet bereits ein Zurückbleiben für Ihn, doch in der Mitte des Äons hat Er die Kräfte zur Verbindung mit den dichteren Elementen ausgearbeitet. Darin besteht das große Sonnenopfer Christi. Christus stellte sich auf die Seite der Rebellen und hat uns das größte Zurückbleiben vorgeführt, das in den Hierarchien überhaupt möglich ist, indem Er zum irdischen Menschen und dessen Bewusstsein herabgestiegen ist. Doch dieses Zurückbleiben hat keinerlei Übel verursacht, sondern aus dem tiefstmöglichen Herunterstieg entstand der grenzenlose Aufstieg zum nächsten Zyklus. Christus hat im Menschen die Beziehung „Schöpfer – Schöpfung“ hergestellt und der Mensch kann bereits – falls er zum Schöpfer heranreift – von der Siebenstufigkeit zur Oktave übergehen. Das ist der höchste Sinn des Aufstiegs durch Abstieg. Doch damit wir diese Möglichkeit haben, sollte die Siebenfachheit mithilfe der luziferischen und ahrimanischen Kräfte ausgebaut werden, die der Amboss und der Hammer zur Bearbeitung des anderen Daseins sind. Auf dem alten Saturn begann ein Prozess, durch den in unseren Zyklus die besondere Wirkung einer Art „achter Sphäre“ in Form eines Trichters eingeführt wird, der der absteigenden Evolution Bahn bricht. Die Wände des Trichters bilden das luziferische und ahrimanische Prinzip, die den Trichter mit fortschreitender Entwicklung in gefährlichen Ausmaßen einengen. Das ahrimanische Prinzip ist eine Folge des luziferischen Prinzips und stell sein Karma dar. Es ist besonders wichtig, die luziferischen Wesen zu erkennen, die sich auf der Sonne in zwei Typen einteilten. In den Höhen blieben die Hierarchien zur Ewigkeit bestrebt und die niedrigeren Hierarchien wurden zur Peripherie des Geistes weggeschleudert, wo sie sich in ihre Widersprüche verfingen und dort Illusionen hervorgerufen haben. Dieses Schicksal hatte ein Teil der Erzengel, der die gigantische Aufgabe nicht erfüllen konnte und begann, in den Keim der Mondenevolution einzugehen, die sich in einem grenzenlosen Abstieg ohne die Möglichkeit zum Aufstieg ausdrückt. Doch diese Geister haben ihre Sehnsucht nach der Ewigkeit aufbewahrt und hassen alles, was zur Materie führt.

Die Unterscheidung der luziferischen Wesen ist wegen unseres Alltagslebens wichtig, sie ist auf dem Einweihungsweg und auch für das Leben nach dem Tod entscheidend. Auf der damaligen Sonne war Luzifer der kosmische Bruder Christi. Er war der Träger des wahren Christus-Lichtes in der Sphäre der Weisheitsgeister und hat mit diesem Licht die Welt der Hierarchien beleuchtet. Doch gleichzeitig behielt er einen Teil dieses Lichtes für sich, das in ihm abgesondert wurde. Er beschloss, alles mit diesem Licht zu beleuchten. Dieses Licht hat die Tendenz zur Materialisierung, zur Verwandlung in physisches Licht, was durch die ahrimanischen Wesen geschieht. Im Erdenäon sprach Zarathustra über Ormuzd und verstand unter diesem Namen den kommenden Christus, den er von Ahriman unterschied. Damals brauchte Zarathustra nicht zu wissen, dass das Licht eigentlich zwei Träger hat, da es in beide Teile der sinnlich-übersinnlichen Realität eingehen sollte. Weiß man das, kommt man zu dem dritten Teil – Christus, der das wahre Licht (die ursprüngliche Weisheit) ist, das im Erdenäon durch die Weisheitsgeister von der gegenwärtigen Sonne geoffenbart wird. Danach wird es von den luziferischen Wesen zum Planetensystem fortgetragen, an dessen Grenze sich die ahrimanischen Wesen entgegenstellen. Sie wollen dieses luziferisierte geistige Licht in die räumlich-zeitliche Welt hineinstopfen und dadurch Licht erzeugen, das das Sonnensystem beleuchtet. Deshalb nannte Steiner Ormuzd in seinem Vortrag vom 15.07.1921 (GA 205 „Menschenwerden, Weltenseele und Weltengeist“) einen luziferischen Geist, der das Licht hinausträgt. Ihm gegenüber verwandelt der ahrimanische Geist dieses Licht in Finsternis, d.h. in physisches Licht, das für die geistige Welt unsichtbar ist. In GA 136 („Die geistigen Wesen in den Himmelskörpern und Naturreichen“) nannte Steiner im sechsten Vortrag vom 04.08.1912 diejenigen, die das geistige Licht von der Sonne heraustrugen, „Seraphim und Cherubim“. Das bedeutet, dass diese Wesen in einem gewissen Sinne luziferisiert sind. Das Prinzip der Luziferisierung ist offensichtlich in allen Sphären der Hierarchien vertreten und deshalb ist es so wichtig, dass man es erkennen kann. Insbesondere gilt es, unten auf der Erde Luzifer mit Weisheit zu verstehen, dem man nach dem Tod in der Sonnensphäre begegnet, wo er auch jetzt als der Bruder Christi steht. Wenn wir eine richtige Einstellung zu Luzifer haben, kann er uns weiter zu der neuen Inkarnation mit dem Licht der Weisheit zusammen mit Christus führen und auf der Erde werden wir unbedingt in der richtigen Weise den Erlöser finden. Wenn wir im Erdenleben auf Luzifer mit Feindseligkeit und ohne die nötige Weisheit schauen, dann wird nach unserem physischen Tod Christus im Leben auf der Sonne nichts zu metamorphosieren haben und wir werden im nächsten Leben zu vollendeten Egoisten.

Bis zum Beginn des alten Mondes besaß die menschliche Monade keinen Astralleib und konnte folglich keine psychische Tätigkeit entwickeln, die unserer heutigen psychischen Tätigkeit ähnlich ist. Auf dem alten Mond haben die Geister der Bewegung ihr Opfer dargebracht und die Menschheit als Ganzes mit einem Astralleib beschenkt. In der Monade tauchte ein bestimmtes Bewusstsein auf und die Götter konnten nunmehr ihre „Meinung“ von ihr bilden. Erst jetzt hat sich Gott vollständig als die Idee der Welt geoffenbart, die die Bewusstseinsarten der Wesen über den Evolutionsprozess bildete. Die Dreiheit wurde zum Hauptgesetz der Entwicklung und nicht nur der Offenbarung. Sie hat sich in Christus verinnerlicht und war nunmehr der Entwicklung immanent.

Die Geister der Bewegung bewirken nicht nur die Bewegung des Raums, sondern ihre Bewegung trägt vor allem kosmisch-gedanklichen Charakter – das ist die Bewegung der kosmischen Intelligenz. Auf der alten Sonne wurden die Stellungen und die Relationen der Hierarchiewesen zueinander von außen, von der allgemeinen Idee der Welt vorbestimmt, die sie auf ihre Plätze stellte und durch sie verwirklicht wurde – damals gab es noch keinen Evolutionsprozess, sondern eine Reihe von nacheinander folgenden Offenbarungen der Trinität durch die erste Hierarchie. Was hat die kosmische Intelligenz in Bewegung gesetzt? Das Opfer der Geister der Bewegung wurde auch von den Cherubim abgelehnt, es kam zurück auf sie zu und hat Leiden hervorgebracht, eine „Melancholie“, ein Gefühl der Einsamkeit, der Abgetrenntheit von der Quelle ihres Ursprungs. Das kam bereits auf dem Saturn bei manchen Willensgeistern, auf der Sonne bei manchen Weisheitsgeistern zum Vorschein. Doch auf dem Mond kam das am stärksten bei den Geistern der Bewegung zum Vorschein, was den Mond zum „Planeten der Sehnsucht“, der Trauer machte. Die Unmöglichkeit, den Willen zu erleben ist die Urquelle des geistigen Lebens, der Sehnsucht, des Egoismus. Das ist das luziferische Prinzip eines gewissen Zurückbleibens von der normalen Evolution und eines Verschließens sich selbst. Diese Geister haben den besagten Weg bestiegen, um eine Genugtuung zu erhalten, anstatt den Weg zur „Heimat“ anzutreten, der von den Cherubim versperrt war. Der Heilige Geist stieg auf Stufe eines Geistes der Bewegung herunter und begann, mit ihnen in ihrer Abgelehntheit vom Höchsten zu denken und zu handeln. Daraus erwachte die ganze Ablehnung mit einer Gegenkraft zum eigenen kosmischen Denken. Durch diese Änderung der Beziehungen der höheren Wesen zueinander wurde die kosmische Intelligenz des Zyklus in Bewegung gesetzt, denn das Anders-Dasein hatte bereits eine eigene Substanz, ein eigenes Leben und eine eigene Intelligenz. Das Denken hatte ein eigenes Leben und Licht. Es entstand eine gigantische Differenzierung der Hierarchien, wobei in dieser Vielfalt die beiden Arten des Egoismus zum Vorschein kamen – der luziferische und der ahrimanische, die beide aus der Sehnsucht nach dem höheren Dasein hervorgingen.

Je niedriger die Hierarchie, desto stärker die Sehnsucht. Die kosmische Trauer wird stärker und entfernt sich in ahrimanischer Weise von Gott zum Punkt des Nichts in der Materie. All das artet in einen Wunsch nach Zerstörung aus. Die nicht erfüllte Sehnsucht verwandelt sich in Ausweglosigkeit, die zur Zerstörungswut wird. Auf dem geistigen Plan gilt das vor allem für die Asuras, zu deren Vermittler der Mensch auf dem Erdenplan wird. Wie bereist erwähnt, sucht ein solcher Mensch immer nach neuen äußeren Eindrücken, um die seiner Seele innewohnende Sehnsucht nach der verlorenen geistigen Heimat zu betäuben. Trotzdem werden die Ausweglosigkeit und die Sinnlosigkeit seines Lebens größer. Die einzige Rettung findet man, wenn man den Weg „nach Hause“ findet.

Auf dem alten Mond waren wir noch nicht eine Persönlichkeit, d.h. eine „lebendige Seele“ geworden, obwohl es ein psychisches Leben gab. Das geschah erst im Äon der Erde, als Jahve beim Vorhandensein eines individuellen Astralleibes sah, dass das Erschaffene „gut“ war und das Ich aufnehmen konnte. Auf dem alten Mond entstand ein Streit unter den Göttern, wie die Einheit der drei Zyklen zu verwirklicht war und wie sie mit einem Ich beschenkt werden konnten. Wenn dies durch eine äußere Wirkung geschehen sollte, hätte Gott die Menschen zur Vollkommenheit geführt und diese Vollkommenheit allein erreicht. Dann hätte die Entwicklung ihren Sinn verloren. Wegen der Freiheit sollten wir zur Erdenevolution übergehen – zum Aufstieg durch Abstieg – und das Ich als eigenen Besitz erlangen. Die Monade führte mit ihrem psychischen Leben dazu, dass der Mond „schwerer“ wurde und zu einer Materialisierung überging. Die normal entwickelten Geister der Bewegung haben sich auf ihrer eigenen Bildung – auf der Sonne – abgetrennt, wo sie im Sonnenstrom ihre Entwicklung fortsetzten und von außen auf den Mondenkörper einwirken konnten. Sie haben das ursprüngliche Prinzip der Entwicklung im Zyklus (Aufstieg durch Abstieg) verletzt. Andere Geister der Bewegung wurden „deklassiert“ und blieben diesem Prinzip treu. Sie setzten ihre Entwicklung auf dem Mond fort, wo sie sich luziferisiert haben. Diese Wesen stellten sich den Geistern auf der Sonne entgegen. Das wiederholte sich im Erdenäon als „der große Kampf im Himmel“, aus dem die heutigen Planetoiden zwischen Mars und Jupiter entstanden sind. Christus stellte die Verbindung zwischen beiden Geistergruppen her. Je schwerer jedoch der Mond wurde, desto stärker kamen ahrimanische Wesen in dieser Schwere zum Vorschein. Ihre Absicht, durch die Materie einen neuen Anfang einzuleiten, macht sie zu den größten „Revolutionären“. Ein Teil der Engel folgte den höheren Wesen, die sich zur Sonne abspalteten und bildete die Schar des Erzengels Michael. Andere Engel blieben wegen der Entstehung des Neuen mit den Deklassierten. Sie blieben zurück und so hängt ihre zukünftige Rettung von der Rettung des Menschen ab – das ist ein großes Risiko für sie. Diese Wesen wollten nicht zurückbleiben, aber das geschah trotzdem, weil sie sich gegen ihr eigenes Wesen richteten, welches sich in ihrer Existenzart, in der Offenbarung durch höhere Wesen manifestiert.

Indem sie ein eigenes inneres Leben entwickelten, haben sie sich luziferisiert und vor ihnen entstand die Möglichkeit, Böses hervorzubringen. Diese Engel haben den Menschen in Lemurien verführt und seinem Astralleib alle Folgen des himmlischen Streites eingeprägt. Sie sind der „Drache“, gegen den Michael mit seinen Engeln kämpft. In Lemurien haben sie Jahve geholfen, den Menschen mit dem Keim eines eigenen Ich zu beschenken.

So entstand auf dem alten Mond zum ersten Mal die Kontraintelligenz und ihre Beziehung zu den richtig entwickelten Wesen wurde wieder von Christus verwirklicht. Aus dem Pralaya erschien im Erdenäon auf dem Astralplan der Mensch als eine einheitliche Bildung. Allmählich haben sich seine Teile, die am frühesten zur Verdichtung übergegangen waren, als die Naturreiche abgelagert, in deren Mitte er auf den Erdenplan mit seiner dreigliedrigen Leiblichkeit herunterstieg. In den Schlüsselpunkt der Lemniskate zwischen der geistigen und der sinnlichen Welt stellte sich das menschliche Ich, denn nur der Mensch kann beide Wirklichkeiten wahrnehmen. Unten hat Jahve uns die dreifache Seele in den Leib hineingeblasen und wir begannen, uns auf der Grundlage ihrer innerlich eigenen Gesetzmäßigkeiten zu entwickeln.

Was für ein Ich haben uns die Formgeister geschenkt? Sie haben ihr Ich nicht für eine höhere Hierarchie von Wesen geopfert und dieses wurde nicht abgelehnt und uns erst dann geschenkt, sondern sie haben die Menschheit als Ganzes in ihr kosmisches Denken aufgenommen. Sie haben ihr Prinzip der Einheit der vielgliedrigen menschlichen Monade geschenkt. Dadurch haben sie den Impuls zu einer bestimmten Entwicklungsrichtung gegeben. Sie haben nicht den Inhalt ihres Ich geschenkt, denn so wäre der Mensch direkt zu der Hierarchie der Formgeister aufgestiegen, sondern sie haben nur die Form ihres Ich zur temporären Benutzung geschenkt. Diese Form wird der Mensch noch lange mit der Substanz seines vielgliedrigen Wesens anfüllen und dieses in Geist verwandeln. Immer wird dieser Inhalt nur temporär zur Einheit mit dieser Form gelangen. Auf einer bestimmten Höhe der Entwicklung wird die Form selbst abfallen und der Inhalt des menschlichen Ich wird sich in eine höhere Form einkleiden. Beim Abschluss des Evolutionszyklus wird der Mensch die vollkommene Einheit von Form und Inhalt seines Ich erreicht haben – das wird das Christus-Ich sein. Durch „Nicht ich, sondern Christus in mir“ wird man zu „Ich und Christus sind eins“ kommen – entsprechend dem Maß der Möglichkeiten des Bewusstseins einer gegebenen Form. Vor dem Menschen eröffnet sich also die einmalige Gelegenheit, sich selbst nicht vor den Hierarchien, sondern vor Gott zu opfern, der Mensch kann sein Evolutions-Ich im Welten-Ich opfern. Doch was ist in der Praxis bisher geschehen? Die luziferischen Wesen haben in den alten Zeiten die Weisheit der Weltenidee in den Mysterienzentren hineingetragen und so konnte sie die Verbindung der Idee mit der Substanz der Welt beleuchten. Am Anfang wurde die Weisheit rein seelisch dem Menschen eingeprägt und dann nach außen an verschiedene Kultformen hinausgetragen. Der wichtigste Kult bezog sich auf den vom Geist in die Materie herabsteigenden Einigen Gott, der in die Materie eintaucht, um danach aufzuerstehen. Parallel dazu gab es den Mythos von Dionysos, der das Wesen der menschlichen Individualisierung nach dem Bruch mit dem Gruppenbewusstsein zum Ausdruck brachte.

Die luziferischen Wesen trugen zwar Weisheit, aber sie hatten keinen Zugang zur Liebe, die durch die Menschen einzig in der Gruppenform und nicht individuell praktiziert wurde. Die luziferischen Wesen haben auch die uns von Jahve geschenkte Ich-Form bis zur Grenze zwischen der Astralwelt und der physischen Welt hinausgetragen. Von der Seite der physischen Welt aus näherten sich ihr die ahrimanischen Wesen an. Das Ich wurde im physischen Gehirn des Menschen reflektiert und das niedere Ich entstand von selbst. Es entstand aus dem Weltennichts, aus unserem abstrakten reflektierenden Denken, das vom Standpunkt der kosmischen Intelligenz aus keine Wirklichkeit und kein Leben besitzt, da es nur die Reflexion dieser Intelligenz ist. In unserem niederen Ich kamen wir soweit, dass der Verzicht Gottes (des Christus), das Opfer der Weisheitsgeister auf der alten Sonne anzunehmen, im Erdenäon zum Verzicht auf die objektive Welt im Denken wurde. Dabei ist diese objektive Welt eine Realität, sie ist das Ergebnis gerade jenes Verzichtes auf der alten Sonne. Mit diesem doppelten Verzicht, mit diesem doppelten „Nein“ kam der Mensch zum „Nichts“, zum niederen Ich, d.h. zum Bösen. Doch ist in diesem „Nichts“ alles aufgehäuft, was bisher im Zyklus als Ergebnis des Abstiegs entstanden ist. Mit diesem Ich sind wir zum Anfang des Zyklus (auf dem Saturn) zurückgekehrt, aber auf der anderen Seite des Weltalls. Auf dem Saturn hatten wir zuerst das unbewusste Allbewusstsein, d.h. es fehlte uns das Bewusstsein. Nachdem wir die ganze Entwicklung des „Trichters“ der luziferischen und ahrimanischen Wesen durchlaufen hatten, kamen wir zum engen Ende des Trichters, wo unser Ich-Selbstbewusstsein erschien, das vom Standpunkt der Götter  fehlendes Bewusstsein ist. Mit der Entstehung des Ich kam unter den Göttern bezüglich des Weges dieses Ich ein Streit auf – sollte es sich zu den Hierarchien erheben oder in gewissem Sinne den Anfang eines neuen Evolutionszyklus geben. Der Streit entfaltete sich zwischen den normal entwickelten Göttern und den zurückbleibenden Wesen. Wir wissen, was Luzifer und Ahriman davon halten.

Wie sollte sich das Denken im Menschen entwickeln, damit es zum Beleben und Erwachen im Ich kommen und den Weg zum geistigen Leben suchen konnte? Um die Evolution weiterzuleiten, waren die unteren Götter, die die wahren Wohltäter des Menschen sind, laut Steiner gezwungen, die zurückbleibenden Wesen aus der dritten Hierarchie zu benutzen. Doch dies führte zum Ausrichten von noch größerem Übel durch den Menschen und zur Beschädigung der Form seines physischen Leibes. Luzifer und Ahriman lassen sich nicht beseitigen, da das niedere Ich das Ergebnis ihrer Tätigkeit ist. Ohne das niedere Ich haben wir keine Chance, für die Wirklichkeit zu erwachen. Jemand von den Göttern hatte dem Menschen in die physisch-materielle Welt zu folgen. Christus hat das gemacht, Er stellte sich bereits bei seinem Herabstieg in Jesus sofort zwischen Luzifer und Ahriman. Selbst Christus wusste nicht, wie weit der Abstieg in das Mineralische ging, so dass der Mensch zu einem qualitativ anderen Übel fähig war als das Übel der übersinnlichen Wesen. Christus hat Luzifer und Ahriman nicht abgelehnt, sondern Er hat sich zwischen die beiden gestellt als derjenige, der sie gegenseitig ins Gleichgewicht wegen der menschlichen Ich-Entwicklung bringen kann. Er machte es nicht wie der Mensch mit seinem doppelten „Nein“ zum Opfer auf der alten Sonne, sondern genau umgekehrt. Im Garten Gethsemane hat Christus nicht den Strom der Erdenevolution, den Strom des Abstiegs abgelehnt, sondern Er hat in diesem Strom sich selbst abgelehnt. Er ist in seinem Prinzip der Ablehnung/des Abstiegs von der alten Sonne „gestorben“ und ist im Prinzip der Annahme-Erhebung auferstanden. Mit seinem Verzicht, sich selbst als Opfer darzubringen, ging Er mit „Stirb und werde“ gleichwohl auf die andere Seite des Daseins, wo dieses sich von der Erden- zur Sonnenevolution erhebt, wo das Christus-Leben in das menschliche Ich eintreten kann. Mit seinem doppelten „Nein“ kam der Mensch zum niederen Ich und wurde zum großen Egoisten in der Welt des Mineralischen. Mit seinem doppelten „Nein“ hat Christus sich selbst abgelehnt, indem Er mit dem abgelehnten Opfer eins wurde. Dadurch kam es zu einem großen „Ja“, was den Kern des Mysteriums von Golgatha bildet. Christus wurde zum großen Opfernden in der Welt des Geistes. Die Vereinigung des Menschen mit Christus bestimmt das Schicksal des ganzen Universums. In den vorherigen Äonen hat Christus die Formen mit dem im Zyklus verlaufenden Leben beschenkt und nicht mit dem ewigen Leben. Dann sicherte er die Vermittlung zwischen dem Vater und dem Heiligen Geist. Die Wesen haben sich im Evolutionsprozess individualisiert und die Evolution war das Hauptziel. Im Erdenäon hat sich Christus mit der vierten Runde bei deren Entstehung im höheren Devachan nach dem Auszug aus dem kleinen Pralaya vereinigt. Auf die Erde herabsteigend hat Er sich mit den drei Evolutionsströmen vereinigt – dem Sonnen- Erden- und Mondenstrom. Er hat die Substanz (das Atma) vom Tod der Materie befreit und ewiges Leben von Gott mitgebracht. Aber Er hat auch etwas anderes mitgebracht. Im Christus-Ereignis auf der Erde wird uns geoffenbart, dass Gott „alles“ Christus gegeben hat, der zum uneingeschränkten Allerhalter des Zyklus wurde. Gott hat Ihm nicht nur das universelle Leben des Zyklus gegeben, sondern auch seine Liebe, die keinen Anfang und kein Ende hat. Und das ist das Leben des Ich, der individuellen Liebe. Die Substanz, die die Geister des Willens gegeben haben, war die Liebe Gottes. Sie wurde durch den Vater manifestiert und sie ist die Liebe für den Zyklus und hat einen Anfang und ein Ende. Sie blieb für den Menschen äußerlich. Mit der Auferweckung des Phantoms Jesu hat Christus das Leben des Ich, der individuellen Liebe mitgebracht, in der es keinen Anfang und kein Ende gibt. Das ist schon die erneuerte Idee der Offenbarung, die fähig ist, die Sieben zur Oktave zu erheben und im Laufe unseres Zyklus den Anfang des nächsten Zyklus hervorzubringen. Die Erstoffenbarung Gottes wurde im physisch-sinnlichen Teil des Weltalls wiederholt und das hat den nächsten Zyklus eingeleitet, der bereits in diesem Zyklus einen Inhalt erhalten soll. Dieser Inhalt ist der Mensch, der das Kreuz seiner Entwicklung auf sich nimmt und Christus folgt. Ein solcher Mensch individualisiert den Auferstehungsleib und kann von sich sagen, dass er bereits im anderen Zyklus, d.h. „nicht von dieser Welt“ ist. So wie Gott alles dem Sohn („Immanuel“) gab, Ihm das innere Prinzip der Einheit im Zyklus gab, so hat Christus in Jesus den Menschen in die Welt Gottes geschickt, indem Er ihm das Vorrecht des vereinigenden Prinzips gab. Dieses „Alles“ beabsichtigt Christus, dem Menschen zu geben, was nicht heißen soll, dass der Mensch zum Gott für die neun Hierarchien wird, da sie gewissermaßen bereits jenseits dieses Zyklus gegangen sind. Zudem wird das, was bleiben wird, das Universum des Menschen sein, das aus den drei Naturreichen und den Elementarwesen besteht, die irgendwann mit Gott bewusst eins werden.

Mit dem Mysterium von Golgatha ist Christus in die Vollheit seiner Gotteinheit im Zyklus eingetreten und hat dadurch sogar die Konstellation der Trinität im Zyklus verändert. Christus hat die Weisheit und die Liebe vereinigt, also den Heiligen Geist und den Vater im Ich des Menschen, was die individualisierte Liebe Gottes im Menschen ist. Das ist der Glaube – die im Menschen vereinigten Bewusstsein und Wille Gottes, die in den Besitz Christi gelangt sind. Der neue Heilige Geist, der von Christus ausgeht, ist eine neue Idee im Zyklus, die im Schoß Christi reift und auf den nächsten Zyklus gerichtet ist. Nun kommt der Heilige Geist nicht von der Zukunft der Waagerechten entlang zur Vergangenheit, sondern von oben und Christus erhebt sich von unten nach oben. Das ist der Merkurstab. Der Heilige Geist bringt die erneuerte Weisheit von Christus zur Gleichsetzung mit dem Anderen und nicht zu seiner Ablehnung. Diese Weisheit für die individuelle Liebe wird nicht wie im Altertum von den luziferischen Wesen vermittelt. Wenn sie dem emporstrebenden Christus begegnet, wird die Achse des Welten-Ich gebildet, die Christus im Menschen erschaffen hat. Das ist die unbefleckte Empfängnis, die von Luzifer unabhängig ist. Das ist der Weg der Wahrheit, der aus der Synthese in Freiheit zwischen der Weisheit und der Liebe geboren wurde. Diesen Weg hat der Erlöser im Erdenäon gebahnt und die Erde in einen Kosmos der Erlösung verwandelt. Der Mensch kann diesen Weg des großen Christentums des Heiligen Geistes mit der Belebung des Denkens im Ich-Bewusstseins antreten, mit der Auferweckung des Manas in unserem Bewusstsein durch das Leben Christi, um den Zyklus zur Oktave zu erheben. Dadurch hilft der Mensch Gott, sich in sich selbst zu erheben und eine Entwicklung zu erfahren.

Das Phantom des physischen Leibes, das Christus in seiner Hypostasen-Buddhi auferweckt hat, ist das höchste Bewusstsein der Substanz unseres Zyklus im Zyklus selbst. Der Weg zur Individualisierung des Phantoms führt zur Aneignung der drei christlichen Tugenden – Glaube, Liebe und Hoffnung. Die Hoffnung gibt uns die Zuversicht, dass der Mensch auf dem Vulkan in der Ich-Buddhi Christi auferstehen wird. Dann wird vor ihm wahrscheinlich die Aufgabe stehen, die Bewusstseinsform des Geistesmenschen des Christus zu meistern, den Christus auf der Sonne zurückgelassen hat, da dieser Geistesmensch vollständig der Sonnenevolution angehört. Dieses Atma gehört weder den Willensgeistern noch dem Vater, da es an der Evolution nicht beteiligt war und nicht durch den Sündenfall beschädigt wurde. Was seine Vorbestimmung ist und welche Aufgabe der Mensch im Zusammenhang mit ihm hat, wissen wir bisher nicht, denn hier gelangen wir an die Grenze des begrifflichen Denkens und brauchen eine Offenbarung.

Vielleicht hängt die Antwort mit der neuen Rolle des Erlösers nach der Zeitenwende zusammen. Als Schöpfer steht Er vor seiner Schöpfung, Er wirkt in der Gegenwart aus dem Geist der Zukunft heraus schöpferisch und weilt schon im nächsten Zyklus. Der Sinn, den Er in unserem Zyklus findet, ist es, den nächsten Zyklus vorzubereiten, wenn das ewige Leben bereits am Anfang gegeben sein wird. Die Tätigkeit des Heiligen Geistes und des Vaters im jetzigen Zyklus ist nur das Mittel und das Hauptziel des Zyklus, die Hauptidee ist im Ich Christi verschlossen und blickt auf den nächsten Zyklus. Das Geheimnis des Geistesmenschen Christi hängt wahrscheinlich mit dem Christus-Ich und mit der Idee zusammen, die im Schoß des Heiligen Geistes vor dem Anfang des nächsten Zyklus entstehen wird, dessen Regent die dritte Hypostase der Heiligen Trinität sein wird. Wir wollen mit dieser kolossalen Frage diese Vorlesung beenden.

 

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Ein Gedanke zu „Das große Drama-Mysterium

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