Theon-Sophia und das Mysterium der Sexualität

 

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 28.05.2017 in Varna

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Gebet: Herr Gott Jesus Christus, in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten danken wir Dir für Dein erhabenes Opfer auf Golgatha, das uns erlaubt, vom Heiligen Geist im Ich besucht zu werden! Amen!

 

Die letzte Vorlesung fand in der Zeit zwischen Ostern und Himmelfahrt statt, als wie versuchten, uns vorzustellen, was Christus den Jüngern gesagt hat, während sie sich in einer anderen Bewusstseinsform vor dem Aufwachen an Pfingsten befanden. Vor einigen Tagen war Himmelfahrt und nächsten Sonntag ist Pfingsten, wir befinden uns also in der Periode, in der wir die Erscheinung des Heiligen Geistes erwarten.

 

Nach der letzten Vorlesung hatte ich keine Vorstellung von dem neuen Thema, doch es kam von selbst – „Theon-Sophia und das Mysterium der Sexualität“. In den vergangenen 17 Jahren haben wir über die Göttliche Sophia sehr selten und über die Sexualität im Zusammenhang mit Sophia – nie gesprochen. Heute werden wir in der Erwartung von Pfingsten dieses Versäumnis korrigieren und eine neue Ansicht über die Sophia zur Sprache bringen, die ihrem wahren Wesen gerecht wird. Zu diesem Zweck müssen wir wieder von der höchsten Bewusstseinsstufe ausgehen – dem Bewusstsein des väterlichen Weltengrundes (Gottes), Der Sich irgendwann im Urbeginn zu einer neuen Offenbarung entschlossen hat, damit unser Evolutionszyklus vom alten Saturn zum zukünftigen Vulkan existieren kann. In früheren Vorlesungen haben wir bereits erklärt, dass die Uroffenbarung drei Etappen durchläuft. Auf der ersten hat Gott Sich Selbst Seinem Sein offenbart, aber dies wäre für jedes Wesen unbekannt geblieben, wenn Er Sich nicht ein zweites Mal als eine Einheit von Subjekt und Objekt geoffenbart hätte. Diese Einheit ist Christus. Eine Einheit wird vom Hauptprärogativ Gottes verwirklicht – das Ich-bin-Prinzip, denn in Seinem höchsten Wesen ist Gott dieses Ich-bin, das Sich Selbst in Sich Selbst mit der Kraft, die dem ich innewohnt, verändern kann. Jedes Wesen, das sich danach zum Ich-Bewusstsein erhebt, kann mit der Ich-Kraft sich selbst verändern. Es gibt kein größeres Privileg für den Menschen als dieses, ohne das er nie zur zehnten Hierarchie der Freiheit und Liebe aufsteigen könnte. Dort, im großen Pralaya – der Welt des Mahaparinirvana, auf der dritten Etappe Seiner Uroffenbarung – hat Sich Gott als drei Antlitze manifestiert, deren Einheit Er in Sich Selbst verwirklicht und die im Christentum als Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist bekannt sind. Sein zweites Antlitz – der Sohn – hat von Ihm das Leben des Zyklus als den absoluten Anfang im Ich erhalten. Das wurde zum allbestimmenden Hauptprinzip des neuen Schöpfungszyklus. Christus sollte zur inneren Einheit des Zyklus werden, in der Gott offenbart Sein Absolutes, Universales und Allgemeines, die ganze Fülle der Macht, mit dem Leben des Ich alles, was in den Grenzen der sieben Äonen eine Form annehmen sollte, zu beschenken.

Als Christus bei Seinem Herabstieg auf die Erde sagte, dass Gott Ihm alles gegeben hat, ist das das ewige Leben als das Leben im Ich. Deshalb kennen selbst der Gott-Vater und der Gott-Heilige Geist Gott nicht in der Art, wie Ihn der Sohn in Seiner Rolle als Christus im Zyklus kennt. Im großen Pralaya leben der Vater und der Heilige Geist das ewige Leben Gottes, in Dem Ihre Einheit liegt. Im Zyklus aber leben Sie das Leben Christi, in Dem Ihre Einheit liegt. Vom Vater kam die Substanz und vom Heiligen Geist – die Idee für den Zyklus. Doch die Grundlage Ihrer Verbindung, der Eckstein des neuen Weltalls ist der Sohn, denn das Neue und Einzigartige jedes Zyklus ist Sein Leben. Der Heilige Geist schenkt die Form der Substanz, die Form ist eine Synthese der Substanz und der Idee (die Form und die Idee sind identisch), doch die Form ist etwas Temporäres und in der Evolution ist nur das Leben ewig. Der Vater ist die eine „Hand“ Gottes, mit der Er dem Weltall das gibt, woraus das Weltall besteht. Mit der anderen „Hand“ – dem Heiligen Geist – baut Er diese Gegebenheit aus. Später drückt Er in der neu entstandenen Form etwas ab, was Ihm unmittelbar eigen ist und nicht der Arbeit Seiner „Hände“ entstammt – das ist das Leben, dessen Herr Christus ist. So verwirklicht Sich der dreieinige Gott im Anders-Dasein als Form, als Moment des Gegenwärtigen, in der Gott das Endziel der eigenen Offenbarung mit deren Anfang verbunden hat – nur partiell, versteht sich. Die Form wird beseitigt, damit zu der nächsten, vervollkommneteren Form übergegangen und das Endziel des Zyklus erreicht werden kann. Ewig bleibt nur das Leben, deshalb treten der Vater und der Heilige Geist in der Evolution in eine Beziehung zu Gott – obwohl in Ihnen die Ewigkeit nicht beseitigt ist – durch Christus, dem einigen Gott des Zyklus. Im Zyklus befindet Sich nur Christus in Einheit mit Gott und Er ist überhaupt nicht Sein Vertreter, sondern der uneingeschränkte Herr „Allerhalter“, das Alpha und Omega des Zyklus. Ohne Ihn als Sohn können die Formen nicht metamorphosieren, evolvieren, lebendig sein. Das Universum wird zu einem einheitlichen, lebendigen Wesen wegen der Universalität des Lebens, das von Gott durch Christus kommt. Hier ist nicht vom Buddhi-Leben die Rede, sondern vom Ich-Leben, vom Leben im Ich. Das Buddhi-Leben manifestiert sich als Ätherizität durch den Sohn im Zyklus, doch das Leben im Ich kommt vom Sohn als Christus und dieses Ich-Buddhi hat Christus im Erdenäon in der Gestalt von Jesus aus Nazareth manifestiert, um ein Werk zu vollbringen, das die Grenzen der ursprünglichen Idee des Zyklus übersteigt.

Am Anfang der Uroffenbarung Gottes waren die Substanz und die Idee in einer absoluten Identität  in Gott, sie hatten keine Beziehung zum Leben im Zyklus, sondern eine Beziehung zum vorigen Zyklus, die in ihnen langsam abklang. Der Substanz-Vater kam aus dem früheren Zyklus und war von diesem Zyklus bedingt. Indem Gott die alte Welt anschaute, kam Er durch eine große „moralische Intuition“ zur Idee des neuen Zyklus und das war eine Neubildung im Akt des Göttlichen Schöpfertums. Sie erhielt ihre Personifizierung in der Hypostase des Heiligen Geistes, die in diesem Sinne die jüngste der drei Göttlichen Hypostasen ist. Auf den Ikonen wird der Vater als ein weißbärtiger Greis abgebildet und das ist die Substanz, die vom früheren Zyklus kam. Auf den Ikonen ist auch der Sohn präsent, wobei der Betrachter versteht, dass  Er – der Sohn – auch eine andere Rolle spielt – die Rolle des Christus, die als das „allsehende Auge“ im Dreieck der Heiligen Trinität dargestellt wird. Das „Auge“ ist das Vereinigende der Trinität im Zyklus.

Wie wurde der Zyklus gestaltet? Im großen Pralaya ist die Trinität nicht hierarchisch, die Substanz und die Idee sind identisch, doch indem sie  in die Entwicklung eintraten, haben sie verschiedene Richtungen angenommen. Jemand hatte diese Entwicklung zu verwirklichen – das waren die zu neuem Leben in der Entwicklung „erwachten“ hierarchischen Wesen. Ob es bis zur Offenbarung eine Entwicklung gegeben hat, können wir nicht wissen, allerdings können wir über die Entwicklung in unserem Zyklus eine Menge sagen. Im Pralaya existieren keinerlei Formen, die Auslösung ihrer Existenz im Zyklus begann im Punkt des „Nichts“, am Anfang, Der Christus ist. Als Sohn hat Er die drei Antlitze Gottes zu einer neuen Stellung gebracht, so dass sie begannen, die Bedingungen zur Erscheinung der Wesen aus dem Pralaya-Schlaf zu schaffen, die im vorigen Zyklus höhere Bewusstseinsstufen erreicht hatten. Zuerst sind die Seraphim aufgewacht, die mit ihrem Ich dem Gott am nächsten sind. Ihnen hat Sich Gott in der Form der drei Hypostasen geoffenbart. Für sie war die Hypostase des Sohnes der Punkt der Offenbarung und sie haben Ihn als eine hinaustreibende Bewegung erlebt. In diesem Zustand wurden der Vater und der Heilige Geist „äußerlich“ für sie, ebenso die Beziehung zwischen der ersten und der dritten Hypostase. Indem sich die Seraphim offenbarten, haben sie sich selbst als individuellere Wesen erlebt, als sie im Schoß Gottes waren. Dafür wurden sie geistig „ärmer“ und sie strebten daher sofort zum Vater und zum Heiligen Geist, damit sie durch die Beiden wieder zum Christus-Punkt und zu Gott, zum Bewusstsein Gottes kehrten. Und soweit die dreieinige Erscheinung Gottes in den Höhen eine endlose Menge darstellte, haben die Seraphim mit ihrer Bewegung, die mit ihnen wesensgleich ist, ein Vieleck (Polygon) gebildet, das in den Kreis der Offenbarung eingeschlossen war. Äonen später hat dieser Umstand seinen Niederschlag im bekannten Problem der Quadratur des Kreises gefunden. Die Seraphim haben die Grenzen des neuen Weltalls abgesteckt, wobei die Höhen der Offenbarung, die Welt des Mahaparinirvana  über ihnen blieben. Doch sie haben nicht nur die Grenzen des Weltalls abgesteckt, sondern auch die neue Idee manifestiert, sie haben das Weltall personalisiert, da es mit dem Ich der Seraphim im Grunde das Gleiche ist. In diesem Sinne zeichnet sich das Weltall durch eine Besonderheit aus – es ist nach dem Ebenbild und Gleichnis der Göttlichen Offenbarung erschaffen worden. In seinem Zentrum bleibt es frei und lässt sich in den einzelnen Entwicklungsetappen durch verschiedene Wesen personalisieren. Aber Christus – der einige Gott des Zyklus – hat an den Anfang der Welt, in den Punkt ihres Zentrum Sich Selbst gestellt. Er hat das Kreuz auf Sich bis zur Vollendung der Evolution genommen, indem Er dieses Kreuz als die Struktur der Evolution manifestierte. Das machte Er, indem Er im Zentrum des Weltalls, also in Sich Selbst die Cherubim erweckte. Zusammen mit dem Sohn hat sich auch die Beziehung zwischen dem Sohn und dem Heiligen Geist in das Zentrum des Weltalls verlegt. Die erweckten Cherubim, die im Anders-Dasein erschienen, haben sich selbst wie die Seraphim als individualisiert und geistig „ärmer“  im Vergleich zum Pralaya-Zustand erfahren. Deshalb strebten sie sofort zu Gott und beschrieben dabei eine strahlenförmige Bewegung vom Zentrum in die Höhen strebend. Es gab unendlich viele Strahlen, die im Grunde zwei Gruppen bildeten – Strahlen, die zum Vater strömten und Strahlen, die zum Heiligen Geist strömten. Daraus entstand das Prinzip des Weltenkreuzes, der Weltenstruktur. Das ist das Kreuz der Evolution, das durch das Zentrum des Weltalls verläuft und die Substanz des Vaters mit der Idee der Welt verbindet. Auf diese Weise wurde das Weltall strukturiert und auf den Evolutionsprozess vorbereitet. Den Achsen dieses Kreuzes entlang bewegen sich auch die Seraphim auf das Zentrum des Weltalls zu. Sie verbanden sich mit dem, was wir als das „Tragen des Weltenkreuzes durch Christus“ bezeichnen können. Doch soweit sich die Cherubim innerhalb des Bewusstseins der Seraphim zeigen, erleben sich die Seraphim selbst in ihrer Bewegung zum Zentrum als eine Einheit mit den Cherubim bildend.

Das Polygon des von ihnen personifizierten Weltalls und der von den Cherubim personifizierten Struktur des Weltalls erleben die Seraphim als eine Einheit. Die Offenbarung der Cherubim im Polygon erschien als das Prinzip der Viergliedrigkeit, d.h. bei der Vielzahl seiner Seiten spielen vier Arten von Cherubim eine Rolle. In Zentrumsrichtung bewegen sich die Seraphim den Diagonalen des Vierecks entlang, somit verbinden sie sich mit der Tätigkeit der Cherubim und erlangen ein sechsfaches Prinzip ihrer Wirkung. Im esoterischen Christentum kam das in der Ikonenmalerei in der Gestalt sechsgeflügelter Seraphim zum Ausdruck und die Cherubim wurden als viergeflügelt dargestellt. Wir können sagen, dass von den Höhen der Welt aus auf ihr Zentrum hin das sechsfache Prinzip der Struktur wirkt und in umgekehrter Richtung – das vierfache Prinzip. Das Kreuz der Evolution ist das phänomenale Kreuz, das Urbild-Kreuz, nach dem alle Daseinsformen erschaffen sind. Doch das Weltall hat auch sein Urbild-Kreuz. Dieses Urbildhafte der Weltenstruktur wurde dadurch sichtbar, dass bei der Bewegung der Hypostasen von den Höhen zum Zentrum die Hypostase des Sohnes die entscheidende Rolle spielt. Er stellt Sich als Christus der Allerhalter des Zyklus in das Zentrum der neuen Welt. Wenn sich die Cherubim mit Ihm im Zentrum offenbaren, strahlen sie die Bewegung der Hypostase des Sohnes zum Zentrum aus, sie personifizieren sie. Aus dieser Bewegung richtet Christus Sein Weltenkreuz auf – das Kreuz des einigen Gottes, das die Urbildstruktur des Weltalls bestimmt. Das ist die Struktur des Ich des Weltalls. Zuerst nimmt Christus das Kreuz auf Sich, ohne Sich mit dem Kreuz des Vaters und des Heiligen Geistes zu vereinigen, denn sonst hätte Er Sich mit Ihnen identifiziert. In Hinblick auf Gott sind beide Kreuze identisch, aber sie spielen eine jeweils andere Rolle in der Entwicklung. Das Kreuz der Evolution befindet sich in ständiger Bewegung in vier Richtungen, wobei es die Daseinsformen erschafft. Diese Richtungen sind Höhe – Tiefe, vorher – nachher. Die Relation Höhe – Tiefe entsteht der Vertikalachse entlang und die Relation vorher-nachher – der Horizontalachse entlang. Auf diese Weise entstehen vier Dreiecke des Phänomenal-Weltalls. Sie werden durch das Kreuz Christi organisiert, das sie im Gleichgewicht aufrechterhält und über ihnen herrscht. Doch Er schließt nicht die Geburt der freien Geister in den Momenten aus, wenn diese vier Dreiecke übereinander gelegt werden. Dann personalisiert ein gegebenes Wesen durch die Kraft seines Ich eine gegebene Etappe der Evolution. Die Wirkung des Phänomenal-Kreuzes entfaltet sich nach dem Prinzip der Siebenfachheit, denn die drei Antlitze Gottes gehen im Lauf der Entwicklung unvermeidlich von der Dreiheit zur Siebenheit über. Doch die Lebenskraft Christi als Allerhalter erlaubt Ihm, Sich über die Möglichkeiten der drei Hypostasen zu erheben und Er steigert ihre Siebenheit zur Oktave. So wird die Erhebung von sieben Kulturepochen zu einer neuen Wurzelrasse ermöglicht, von sieben Wurzelrassen – zu einer neuen Formstufe (Globe) usw. Hier gibt es eine Metamorphose der Metamorphosen. Das Kreuz Christi in all seinen Teilen ist der Ausdruck des Weltalls – in den Höhen und Tiefen, in der Vergangenheit und Gegenwart. Deshalb ist Christus das Ziel und das Ideal für alles, was sich innerhalb des Phänomenal-Kreuzes entwickelt. Wer Christus gesehen hat, hat Gott gesehen. Und wer das Christus-Kreuz auf sich nehmen will, kann das nur in seinem Ich machen. Seine Herrschaft im Phänomenal-Kreuz realisiert Christus durch das Ich der Cherubim – der Geister der höheren Weisheit. Sie erstrecken sich auf beiden Kreuzen, indem sie die Bedingungen berücksichtigen, um die von den Seraphim erhaltenen Aufträge zu erfüllen. Die Cherubim regieren die vier Hauptgebiete des Tierkreises, indem sie das makrokosmische Urbild des Menschen bilden. Sie sind das vollkommene Instrument, mit dem Christus auch das Phänomenal-Kreuz auf Sich nimmt, denn die Cherubim entfernen sich weiter vom Göttlichen Bewusstsein als die ihnen im Ich-Bewusstsein überlegenen Seraphim.

Innerhalb des Tierkreises des Phänomenal-Weltalls hat jede der drei Göttlichen Hypostasen ihr eigenes substanzielles, den Evolutionsprozess strukturierendes Kreuz aus lebendigen Kräften. Dem entsprechen die jeweiligen vier Tierkreisgebiete. Dem Vater entspricht das Kreuz der physischen Kräfte, dem Sohn – das Kreuz der Ätherkräfte und dem Heiligen Geist – das Kreuz der Astralkräfte. Doch diese Kreuze bestehen innerhalb des Tierkreises, während das Phänomenal-Kreuz und das Christus-Kreuz sich jenseits der Tierkreissphäre bis zu den Höhen der Uroffenbarung erstrecken.

Im so strukturieren Weltall sind die Substanz und die Idee, die in Form des Atma der Throne erschienen sind, traten danach in das Leben der Entwicklung und der Metamorphosen ein, um nach einer gewaltigen Evolution zur Sackgasse des  irdischen Menschen von heute zu gelangen. Im Form-Menschen wurde die Atma-Substanz zu einem mineralischen Leib, zum Stoff, in dem der schaffende lebendige Anfang fehlt, da das Lebensprinzip für den Stoff transzendent wurde. Die Idee verkam zum abgetrennten geistentleerten Gedanken im Menschen und die Wirkung des Phänomenal-Kreuzes hat sich für die weitere Vervollkommnung der Form durch das Lebensprinzip als blockiert erwiesen. Die menschliche Form begann, in gefährlicher Art zu zerfallen, ohne dass die Aussicht auf eine neue Form bestand. Die Formbildung des Menschen in der Substanz hat ihn zur Ausbildung der ursprünglichen Form des niederen Ich, der irdischen Intelligenz geführt, allerdings fehlt das Leben in dieser Intelligenz. Es fehlt die metamorphosierte Kraft Christi. Der Sinn des ganzen Zyklus entsprechend der ursprünglichen Idee besteht in der Verinnerlichung der Atma-Substanz, die die Throne gaben, durch den Menschen und in ihrer Hinführung als Geistesmenschen zum Vulkan. Das kann nur durch die Kraft des Ich erfolgen und nicht durch das niedere Ich. Die Substanz ist die unzertrennliche Einheit der Göttlichen Offenbarung, des bewussten Allbewusstseins und der Macht Gottes, Sich Selbst zu offenbaren. In der Evolution manifestiert sich das Göttliche Bewusstsein immer als die Realität des einen oder anderen hierarchischen Ich-Wesens. Dieses Wesen erfasst durch die Kraft des ihm eigenen Ich einen Teil des Willens der Göttlichen Offenbarung. Die Substanz ist die im Ich-Wesen eines bestimmten Ranges verinnerlichte Offenbarung der Göttlichen Dreieinheit. Durch diese Verinnerlichung wächst dieses Wesen in seinem Bewusstsein. Wie geschieht das?

Ein hierarchisches Wesen entleert seine Ich-Form des Ich-Inhalts zur Ich-Form eines tieferstehenden Wesens und wird vom Ich-Inhalt eines höherstehenden Wesens erfüllt, das seinerseits wegen des eigenen Aufstiegs ebenfalls seine Ich-Form des Ich-Inhalts entleert hat. Die Beziehungen dieser Wesen untereinander sind die Beziehungen eines Ich zu einem anderen Ich. Doch das tieferstehende Wesen kann eine Form der von oben absteigenden Substanz in sich geben, nur wenn es sie „verdichtet“, d.h. ihr Bewusstsein in einem bestimmten Maße herabsenkt. Wegen des Aufstiegs der Wesen muss die Idee der Welt (die Form der Welt) herabsteigen. Wir sehen, dass im allgemeinen Evolutionsprinzip der Ich-Wesen die Substanz des Vaters und die Idee des Heiligen Geistes aufeinander zugehen. Das Ich der hierarchischen Wesen bewegt sich zwischen beiden wie das Schiffchen eines Webstuhls, damit das vom Leben des Evolutionszyklus (vom Leben Christi als Sohn) erfüllte Wesen nicht nur ein neues „Muster“, eine neue Ich-Form gestaltet, sondern auch zum Schöpfertum fähig ist. Das Schöpfertum kommt vom Leben. Auf diese Weise impulsiert Gott durch Seine drei Hypostasen die Entstehung der hierarchischen Wesen und ihren Aufstieg.

Bei den Elohim erhebt sich das Ich auch durch Hingabe, aber der Sohn hat ihnen als Christus das Prärogativ gegeben, die Dreihypostasen-Offenbarung zur Einheit zu bringen, damit sie den Weg Christi zum Menschen vorbereiten und ihm dieses Prärogativ aufprägen. Gott hat das Prärogativ Christus gegeben und Christus will es dem Menschen geben. Der Funke des Ich von den Formgeistern hat in uns auf dem Weg der Evolution die Form nur vorbereitet, mit der das universelle Christus-Ich aufgenommen werden kann. Dieses Ich hat sich im Menschen gespiegelt und wurde zu seinem systembildenden Prinzip im dreifachen Seelenleben von Denken, Fühlen und Wollen, allerdings als niederes Ich. In jeder Widerspiegelung fehlt bekanntlich die Realität und das ruft alle Probleme, Illusionen und Irrtümer des in der blutverwandtschaftlichen Entwicklung verwickelten Menschen hervor. Christus-Immanuel, Der über jeglicher Erblichkeit steht, weshalb Er im frühen Christentum ohne Bart dargestellt wurde, offenbart durch Sich die ganze Göttliche Trinität und ihre Einheit innerhalb des Entwicklungszyklus. Er hat Sich im menschlichen Ich widerspiegelt, das jeglichen Lebens entleert wurde. Deshalb nahm die Gefahr, dass der Mensch von der Evolution abfällt, bedrohenderweise zu, da auch die Gefahr, dass die Idee des Zyklus scheitern könnte, real wurde.  Dann ist Christus in Jesus nicht als Sohn, sondern als der Herr-Allerhalter eingetreten, welcher in der Uroffenbarung  Gott Selbst ist. Christus hat Sich nicht auf dem Weg der Evolution, sondern auf der Senkrechten der Weltenstruktur des Menschen heruntergestiegen. Vor Seiner Ankunft wurden wir nur äußerlich durch das Buddhi der Elohim  „umhüllt“, das sie vom Vatergott erhalten hatten. Deshalb verfiel unser physischer Leib den Kräften des Todes. Der Mensch brauchte einen eigenen Lebensgeist, ein Ich als Leben. Die Substanz für ein solches Ich kam mit der Christus-Liebe in Jesus, die nicht die Liebe der Hypostasen ist, sondern das ewige Leben von Gott. Dementsprechend ist die Idee, die Form eines solchen Ich, das direkt zu Gott führt, anders als die ursprüngliche Idee des Zyklus. Christus musste diese Ich-Form aus der Substanz des Vaters auf dem Weg der Transformation erschaffen. Wie hat Er das gemacht? Indem Er Mensch wurde, setzte Er Sich auf den Thron des Vaters, auf den Thron der Substanz des Vaters und ist in das rein geistige Dasein aufgestiegen. Er hat in die Atma-Sphäre auch den Menschen Jesus aus Nazareth mitgenommen und auf diese Weise hat Jesus sein altes Saturn-Dasein mit dem Bewusstsein des Vulkan-Äons vereinigt. Hier reden wir vom Auferstehungsleib und von der nathanischen Seele. Mit der Erhebung des Phantoms Jesu als Geistesmenschen in Seinen Lebensgeist hat Christus einerseits das Universum verinnerlicht und dem Menschen den Weg des Geistesmenschen zum Vulkan eröffnet, indem Er die Hauptidee („das Gesetz“) des Zyklus erfüllte. Andererseits hat Er den Weg zur Erhebung des siebenstufigen Zyklus zur Oktave gebahnt und den Anfang des nächsten Zyklus des Heiligen Geistes gesetzt. Das Fundament des nächsten Zyklus ist der Auferstehungsleib – das Ich-Buddhi Christi, das im Form-Phantom Jesu lebt. Christus ist fähig, das Bewusstsein jedes Menschen zur Gleichsetzung mit diesem Bewusstsein von Ihm zu erheben, das faktisch mit dem Bewusstsein Gottes Selbst identisch ist. Indem der Mensch die „Auferstehung des Fleisches“ erreicht, wird er den einigen Gott erkennen – das ist das höchstmögliche Leben, mit dem er beschenkt werden kann. Der Weg zu Gott geht über das Phantom Christi, das das wichtigste Triebwerk der Entwicklung ist, welches wir in den Evangelien finden können.

Als am Anfang, im „Punkt“ der dem Zyklus immanenten Einheit – dem „Ort“ der Personifizierung der Entwicklung – Christus Sich als Allerhalter offenbarte, konnte Er von Sich sagen, „das Alpha und Omega“ zu sein, denn das Ich hat sich als die Substanz der Welt manifestiert, es und führt diese Substanz zu den Zielen, die das Ich in der Idee der Welt offenbarte, als es sie dem Ende des Zyklus zurücklegte. Und wenn Christus Sich Selbst in der zehnten Hierarchie der Freiheit und Liebe verwirklicht haben wird, wird Er sagen: „Ich bin das Alpha und Omega des Zyklus“, damit dem großen Pralaya ein neuer Zyklus folgen kann. Indem Christus ein irdischer Mensch wurde, ist Er in eine direkte Beziehung zum Kreuz der Evolution eingetreten, Er hat „die Sünde der Welt“ auf Sich genommen – also das objektive Karma – und deshalb war Seine Kreuzigung auf diesem Kreuz mit Leiden verbunden. Doch durch das Opfer konnte Er Sein Kreuz anstelle des Evolutionskreuzes aufstellen und das Evolutionskreuz astralisch um 45 Grad gegen den Uhrzeigersinn verschieben. Dadurch erhielt das Kreuz Christi acht Enden und kann die neue Einheit Gottes mit dem Evolutionszyklus zum Ausdruck bringen. Das Golgatha-Kreuz vereinigt beide Kreuze – das Evolutionskreuz (die Idee der Welt) und das Christus-kreuz (das Leben der Welt). Deshalb erzählt die Sage, dass eine Taube sich auf das Golgatha-Kreuz als ein Vorzeichen von Pfingsten gesetzt hat. Seitdem begannen die vier Elemente (Töne) des Evolutionszyklus – Höhe, Tiefe, Vergangenheit und Zukunft – eine zweitrangige Rolle zu spielen. Stattdessen erhielten die „Intervalle“ zwischen ihnen, also das rein Geistige, die Ich-Entwicklung den ersten Rang. Christus hat das Prinzip der Artenevolution auf die Evolution des individuellen Geistes übertragen, Er stellte Sich ins Zentrum des achtarmigen Kreuzes als eine Sonne, als Gott-Allerhalter. Seitdem vollziehen sich zwei Typen der Evolution – die erste ist die am Anfang der Welt vorbestimmte, in der das Kreuz der Evolution dominiert und die die Wesen nach den vier „Haupttönen“ orientiert. Doch indem Christus zur Senkrechten des menschlichen Geistes wurde, hat Er allmählich die Obergand über die räumlich-zeitliche Bedingtheit gewonnen. Daher wurde die Aufwärtsentwicklung als Ich erstrangig und alles, was zurückbleibt, macht sich unvermeidlich auf den Weg nach unten. Der Aufstieg geht über die Transformation der Substanz der Welt durch das menschliche Ich und der Christus-Kraft in diesem Ich. Das ist die höchste Form des Abendmahls, bei der trotz der Inkorporation Christi in den Menschen das menschliche Ich aufbewahrt wird. Beim Geheimen Abendmahl hat Christus durch den rituellen Verzehr von Brot und Wein Seine Anwesenheit in den Jüngern unmittelbar verstärkt. Das Menschliche begann vor dem Göttlichen in den Hintergrund zu treten, denn in den vergangenen drei Jahren hatten die Jünger bereits in ihre Ätherleiber den Christus-Geist aufgenommen. Am Pfingsttag stieg in diese Ätherleiber der Heilige Geist herunter, der die Form der neuen Substanz bildete. Für die vom Ich-Buddhi Christi durchzogenen Substanz des Vaters war eine neue Idee für den Zyklus notwendig und sie kam mit dem von Christus „erbetenen“ Heiligen Geist, der direkt von Gott in die Jünger herabströmte. Die Apostel wurden zu „wandelnden Hostien“, zu wandelnden Gralsformen, die vom Heiligen Geist in Christo vereint wurden, mit Dessen Kräften sie die Welt überströmten und die Wunder vollbrachten, die in der Apostelgeschichte des Neuen Testamentes beschrieben sind. Die zwölf Männer wurden zu Aposteln und zur Verkörperung des Christentums auf Erden. Christus hatte schon die Menschwerdung erlebt, Nun stand das dem Heiligen Geist bevor, Der Sich im Menschen verkörpern und ihn zur Freiheit von der Gebundenheit der Blutsverwandtschaft führen sollte, später auch zur Freiheit von der Bindung an das Prinzip der physischen Reproduktion. Welcher ist dieser Heilige Geist, Der in die Apostel eingetreten ist und auf welche Weise erfolgte das?

Wie bereits erwähnt, ist Er die neue Idee des Zyklus, die von Gott – also vom Pralaya – herabsteigt, denn mit der irdischen Verkörperung des makrokosmischen Christus-Ich ist das einheitsbildende Prinzip aus dem Pralaya ins Manvantara herabgestiegen und hat einen neuen Anfang des Zyklus gesetzt. Beim ersten Anfang ging die Idee – der Heilige Geist -von Gott heraus, in dem neuen Anfang kam sie auch von Ihm, aber in erneuerter Form. Der Heilige Geist trat nicht direkt in die Jünger ein, sondern in „reduzierter“ und hierarchisch personalisierter Form. Zu ihren von Christus bearbeiteten Ätherleibern hat sich die vereinigte Weisheit der Wesen der neun Hierarchien gerichtet, um Christus in Seiner besonderen neuen Beziehung zur Menschheit zu dienen. Diesen Heiligen Geist, diese vereinigte Weisheit begannen die Christen später mit dem Namen „Göttliche Sophia“ zu benennen. Die Jünger haben sie aufgenommen, um das Ferment der neuen Welt zu werden – der Verkörperung des Christentums auf der Erde. Hinzu kommt, dass Christus Seinen Thron im physisch-sinnlichen Weltall für den Heiligen Geist freigemacht hat, auf den Sich Letzterer als Sophia „setzte“. Er setzte Sich in das Zentrum des achtarmigen Kreuzes Christi. Auf diese Weise hat Christus die Wirkung Seiner umwandelnden, belebenden Kraft von den Wirkungen der Heiligen Sophia abhängig gemacht, d.h. auf die Art und Weise zurückgeführt, wie der Mensch seine individuelle Beziehung zu Sophia und über sie zu Christus herstellt, damit Christus als Ich im Menschen geboren werden konnte. Die zwölf Jünger haben zuerst die belebende Gesamtwirkung von Christus, dem Heiligen Geist und Sophia in sich erlebt, um zu jener brüderlichen Urgemeinschaft menschlicher Individualitäten zu werden, in der die Wirkung der kosmischen Kräfte, der Tierkreisintelligenzen auf dem Erdenplan eine Metamorphose der Substanzen hervorruft. Christus nahm den Platz des Dreizehnten in ihrem Kreis, indem Er die Übertragung der Weltall-Einheit aus dem höheren Devachan auf den Erdenplan zur Geltung brachte. Er hat aber auch etwas anderes getan. Statt Sich Selbst hat Er ins Zentrum der Zwölf Johannes-Lazarus gestellt, durch den Er Seine Liebe in den Menschen hineinbrachte. Zuerst weihte Er Lazarus ein und übertrug vom Kreuz die Kraft aus dem Astralleib Jesu, die ihm ermöglichte, den Heiligen Geist in sich zu tragen, auf Johannes, der sie „nahm“ und sein Evangelium schrieb. Im Johannes-Evangelium ist die Kraft enthalten, die zur Manifestation der Jungfrau Sophia im Menschen führt – also der vergeistigten Bewusstseinsseele, die bereit ist, das Geistselbst aufzunehmen. Johannes ist die im Ich neu geborene Weisheit, die zu Christus-Liebe wird, deshalb konnte er sagen, dass Gott Liebe ist. Aber die kosmische Christus-Liebe wird nur von der individualisierten und lebendigen höheren Weisheit hervorgebracht. Als Vertreter dieser Weisheit hat Christus Paulus unter den Zwölf ausgesucht. Schon vor dem Ereignis in Damaskus gehörte Paulus zu den Wenigen, die über sich „Ich bin“ sagen konnten, allerdings nicht im höheren Sinne des Wortes. Saulus war ein jüdischer Eingeweihter, der fest auf dem Ich stand und die Christen verfolgte. Aber als er Christus traf, sagte er mit der Ich-Kraft Christi der Welt, dass der Mensch sein niederes Ich aufheben muss, damit in ihm das Christus-Ich lebendig wird. Mit dieser Kraft hat er sich zur Verwandlung der alten luziferischen Weisheit in eine neue christliche Sophia-Weisheit, die den Menschen zu Freiheit und geistiger Liebe führt. Paulus wurde zum Kämpfer für das Christentum, denn er erlebte sein Pfingsten in einer anderen Art als die übrigen Jünger. Er war der erste Mensch, für den Christus „einen Platz vorbereitet hat und zurückgekommen ist, um ihn zu Sich zu holen“, wie er Thomas in (Joh. 14:2-3) versprochen hat. Mit „Nicht ich, sondern Christus in mir“ wurde Paulus zum Avatar für Christus und das ist die höchste Form der Kommunion des Menschen mit Christus, das ist Seine Inkorporation im Menschen. Deshalb sind die Botschaften des Paulus in eine Form gekleidet, die der Bewusstseinsform der fünften Kulturepoche entspricht, in der das Christus-Ich sich im menschlichen Ich abzudrücken beginnt. Paulus ist eine Art Zentrum der Christus-Weisheit im Menschen, durch die er nach der Himmelfahrt Christi nicht in die Sphäre der Engel verloren geht, sondern sich auf die zweite Ankunft vorbereitet. In diesem Sinne ist Paulus der Führer der Menschen zu Christus, Der im 20. Jahrhundert wieder kam. Auf dem Weg der Weisheit denkt der Mensch zusammen mit den Hierarchien, er sammelt reale Weisheit und keine leeren Kenntnisse, damit er später zu einer Transformation im Ich und zur Geburt er Liebe kommt, die eine andere Manifestation der kosmischen Intelligenz des einigen Gottes ist. Zusammen mit seinem Schüler und Freund Dionysios Areopagita haben sie die erste esoterische christliche Schule auf der Erde gegründet, in der die neue Sophienweisheit Christi führend war.

Auf diese Weise hat Christus durch Johannes Lazarus und Paulus zwei Zentren unter der Menschheit gebildet, zwei Arten der Umwandlung des menschlichen Ich. Er hat beide in eine lemniskatenförmige Beziehung zueinander gebracht. Paulus ist der Vertreter des Geistselbst-Prinzips – „Nicht ich, sondern Christus in mir“. Johannes-Lazarus ist der Vertreter des Lebensgeistes – „Gott ist Liebe“. Zwischen beiden befindet sich im Schnittpunkt das Christus-Prinzip des Geistesmenschen und des Ich-bin-der-Ich-bin. Aus der permanenten Metamorphose der Weisheit in Liebe und der Liebe in Weisheit entsteht der individualisierte Auferstehungsleib im Menschen – der neue Gehalt und die neue Form des Menschen-Ich, die vom Christus-Ich direkt ausgebildet werden. Diese Lemniskate ist das Symbol des Christentums des Heiligen Geistes, des Christentums der Verwirklichung, die vom 20. Jahrhundert an begann und auf dessen Weg der Gottmensch geboren wird. An seinem Anfang steht die Reinigung der Bewusstseinsseele, die Auferstehung im Denken. Wenn wir die Brücke zur übersinnlichen Welt errichtet haben, kommt über diese Brücke die Göttliche Sophia, die Christus herabgesandt hat. Bei ihrer Inkorporation in den Menschen wird sie zur Anthropos-Sophia, zu einer anthropomorphisierten (vermenschlichten) Theo-Sophia. Paulus nennt sie im zweiten Kapitel seines Ersten Korintherbriefs Theon-Sophia. Wenn seine Worte in 6,7 und 8 richtig übersetzt werden, lauten sie: „Das Verkündete ist für und auch Weisheit, die im Kreis der Eingeweihten lebt. Wir reden von der Theon-Sophia, die im Verborgenen lebte, nachdem sie vom Göttlichen Weltengrund vor allen Zeitenrunden begründet worden war, damit sie uns irgendwann offenbarte. Keiner von den Obersten der gegenwärtigen Zeit hat diese Weisheit erkannt, denn wenn sie sie erkannt hätten, hätten sie Denjenigen nicht gekreuzigt, Der der Herr der Offenbarung ist“.

Wie sieht die wesenhafte Sophia, der Heilige Geist in Seiner Offenbarung aus? Dank dem Hellsehen, das unter den Bulgaren in den ersten Jahrhunderten des Christentums bewahrt wurde, verfügen wir über das imaginativ offenbarte Urbild des Christentums des Heiligen Geistes, welches wir auf den unter den thrakischen Bulgaren entstandenen Sophia-Ikonen finden können. Das Los hat zwei Jünger zu den Thrakern geschickt: Andreas den Erstberufenen, der als Erster unter den Jüngern den Messias erkannt hatte, sowie Paulus, der sich vom alttestamentlichen Begriff des Messias zur höheren Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha erheben konnte. Mit diesem Sophia-Verständnis begann das Christentum der Bulgaren, das sie den anderen Völkern weitergaben. Deshalb inkarnierte Dionysios Areopagita später als der Begründer des Bogomilentums Bojan Maga, dessen Fundament die Gottesmutter und Johannes-Lazarus legten, die als „die beiden Syrer“ nach Weliki Preslaw kamen. Die Theon-Sophia ist auch die Sophia des Grals, die fähig ist, die Leidenschaften aus dem menschlichen Blut  herauszureinigen. In der Zeit des neunten bis zehnten Jahrhunderts begegnete der „Christus des Grals“ übersinnlich auf den bulgarischen Gebieten dem „vorchristlichen Artus-Christus“. Aus der Synthese der Beiden entstand das Bogomilentum als der Übergang zur fünften Kulturepoche, so wie zehn Jahrhunderte früher Paulus und Dionysios die Synthese des Alten und Neuen Testaments in ihrer Schule vollzogen hatten. Eine Synthese wird immer vollzogen, wenn eine übersinnliche Situation die umfassende Wandlung in der Entwicklung der Menschheit anregt. Die größte Wandlung kam in Zeitenwende und eines der wichtigsten Elemente dieser Wandlung ist das Erscheinen der „ewigen“ Weiblichkeit“.

 

Theon-Sophia

Auf dieser Zeichnung sehen Sie die Nowgoroder Ikone der Heiligen Sophia, die zweifellos als Urbild von den Bulgaren erhalten wurde: Es ist eine Tatsache, dass das Christentum in seiner Sophienform gerade von den Bulgaren nach Russland kam. Im Osten boten die Nachkommen Kotrags (eines der Söhne Kubrats, der das Großbulgarische Reich gründete) von Wolgabulgarien aus den sufistischen Islam an, aber das russische Volk hat sich für Sophia entschieden, da es eine Sophienaufgabe in der sechsten Kulturepoche zu erfüllen hat. Diese Zeichnung habe ich dem Buch des namhaften russischen Sophiologen Pawel Florenskij  „Der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ von 1914 entnommen. Florenskij gehörte zur Reihe der Sophiologen aus dem sog. Silbernen Zeitalter der russischen Kultur (Ende des 19.- Anfang des 20. Jahrhunderts). Die Ansichten dieser Sophiologen sind so bedeutsam, dass sie sich der Anthroposophie Steiners annähern. Laut Pawel Florenskij ist Sophia „der uranfängliche Gedanke Gottes an die zu erschaffende Welt“, „das ideelle Bild der Welt“ und „die ewige Weiblichkeit in Gott“. Sophia ist die Hauptfigur der Komposition der Ikone. Sie wird einem Engel ähnlich dargestellt, der ein Königsgewand und ein Omophorion trägt. Die Wesenheit hat lange Haare, das Gesicht, die Hände und Flügel sind feuerrot, auf dem Kopf trägt sie eine Krone aus Gold. In der rechten Hand hält sie einen goldenen Caduceus (Hermesstab) und in der linken – eine aufgerollte Schriftrolle, die sie an ihr Herz gedrückt hat. Um den Kopf hat sie einen goldenen Nimbus und sitzt auf einem goldenen Thron mit einem doppelten Kissen. Der Thron hat vier Beine und wird von sieben Feuersäulen gestützt. Die Füße ruhen auf einem großen Stein. Der ganze Thron befindet sich in einem goldenen siebenstrahligen Stern, um den blaue oder grüne Kreise bestehen, die von kleinen Goldsternchen erfüllt sind. Über Sophia ist in einer doppelten Sphäre auf dem Hintergrund eines achtstrahligen Sternes Christus dargestellt, Der Sophia und alles, was sie umgibt, segnet. Über Christus steht Gott. Auf dem irdischen Plan stehen zur rechten und linken Seite der Sophia ehrfürchtig die beiden Menschen, die das empfangen, was Sophia über die Welt ausstrahlt – die Gottesmutter und Johannes der Täufer, die jeweils die den Gott der Welt und die Botschaft über Christus empfangen haben. Die Mutter der Welt – Jungfrau Sophia – hält die Erdensphäre in ihren Händen, in der auf dem Hintergrund eines siebenstrahligen Sternes (dem Prinzip der Entwicklung durch Metamorphosen) der Gottessohn zu sehen ist, Der Mensch wurde. Der Täufer hält eine entrollte Schriftrolle in seinen Händen – die gleiche wie die Rolle, die Sophia an ihr Herz drückt. Auf dieser Rolle sind die Geheimnisse der Göttlichen Weisheit niedergeschrieben, die über Johannes den Täufer den Menschen enthüllt werden. Dank den Leiden Gottes, Dessen Attribute im oberen Teil der Ikone dargestellt werden, wird die Weisheit den Menschen offengelegt, jedoch darf der Mensch nicht vergessen, dass Gott für diese Weisheit gelitten hat. Deshalb soll er sie höchst verantwortungsvoll behandeln, damit sie zur Herzensweisheit werden kann, zum Leben für sein Ich, was die auf das Herz zeigende Hand vermittelt. Das Hauptgeheimnis dieser Weisheit besteht darin, dass Sophia eine Offenbarung des Heiligen Geistes ist, die Christus in die Welt als die Intelligenz der neun Hierarchien herabgesandt hat. Er hat sie auf Seinen Thron gesetzt (den Thron der Substanz), den der Mensch allmählich beziehen sol. Der Weg dazu kommt an Sophia vorbei. Auf unsichtbare Art sind auf der Ikone noch zwei große Individualitäten anwesend, ohne die sie unvollendet wäre. Wenn wir annehmen, dass die Ikone eine kreuzähnliche Struktur hat, die für eine Verbindung des Übersinnlichen mit dem Sinnlichen am geeignetsten erscheint, so können wir in den unteren Teil der Gottesmutter und dem Täufer das Bild Paulus‘ hinzufügen. In diesem Dreieck, das aus den irdischen Empfängern der Göttlichen Weisheit besteht, bilden die ersten Beiden die innere, intime, tief mystische Welt der Sophia. Als der Sozialste unter den Jüngern gewährleistet Paulus den Übergang dieser mystischen Sophia zu den draußen befindlichen Menschen.

Der andere Johannes – der Evangelist – hat die Weisheit als ein „Buch“ vom Engel in der „Apokalypse“ erhalten, und musste dieses Buch symbolisch „aufessen“, d.h. innerlich aufnehmen. Auf der Sophia-Ikone ist er auch unsichtbar anwesend und schmilzt mit dem Bild des Täufers zusammen. Die Beziehung der beiden auf dem Golgatha-Hügel hat uns Steiner eröffnet – auf Golgatha war Johannes der Täufer in der unsichtbaren Welt und Johannes-Lazarus stand unten am Kreuz. Auf diese Weise sind die beiden Zentren, die Christus für Seine Weisheit und Liebe unter den Menschen aufbaute, auf der Ikone der Sophia präsent, jedoch nicht sinnlich wahrnehmbar. In der Lemniskate, die beide bilden, repräsentiert Sophia den Christus. Sie wird zum Zentrum des Dreiecks, das aus Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch besteht. Für denjenigen, der das Kreuz seiner Entwicklung auf sich genommen hat und Christus folgt, um Dessen achtarmiges Kreuz zu personalisieren, hat Sophia eine große unentbehrliche Bedeutung.

Hier entsteht die Frage, ob es in der Zeit der zweiten Ankunft Christi Personen gibt, die diesen Kreuzesweg verkörpern? Die andere Frage, die noch wichtiger ist, lautet: Gibt es unter den neuen Bedingungen Impulse, die die Lemniskate zwischen Paulus und Johannes-Lazarus versinnbildlichen? Über die Gottesmutter und den Täufer wissen wir bereits, dass sie jeweils als der große bulgarische Maler Boris Georgiev und der leidgeprüfte Hellseher Djado Wlajtscho inkarniert waren. Beide wurden von dem Magneten der Liebe angezogen, die der Meister Beinsa Douno manifestierte. Der Bodhisattva steigt als der Bote der Sophia, des Heiligen Geistes herunter, aber er erhält seinen wichtigsten Impuls zum Handeln auf dem Erdenplan durch die direkte Kontemplation des Christus-Ich in der Buddhi-Sphäre – also indem er Christus als Liebe kontempliert. Johannes-Lazarus war als Boris Georgievs Schwester Katja inkarniert, die nach den Worten des Malers „nicht von dieser Welt“  war und über die Schwelle zur geistigen Welt sehr früh gegangen ist, um zu einer Art Schutzengel des Malers zu werden. Eingehend wurde darüber in der Vorlesung „Der Aufstieg des Ewig-Weiblichen“ gesprochen (https://erzengelmichaelblog.wordpress.com/2017/01/05/der-aufstieg-des-ewig-weiblichen/).

Der andere Impuls – der Impuls der Weisheit – ist durch die Anthroposophie und Rudolf Steiner in Erscheinung getreten. Steiner hat nicht die ganze Gedanken-Substanz des Weltalls, die ganze Intelligenz der Sophia in sich hineingebracht, sondern nur ihre Form, die sich in die Intelligenz der Engel hineinbringen lässt. Diesen Inhalt der Engelsintelligenz hat Steiner der Menschheit vermittelt, indem er ihn in der Form unserer irdischen Intelligenz transformierte. Das machte er in einer solchen universellen Art, die keiner vor ihm erreicht hatte, so dass wir in einem gewissen Sinne sagen können, dass das Weltall zum Inhalt des Bewusstseins Steiners geworden ist. Verständlicherweise tauchten um ihn mehrere Individualitäten auf, die an der Verwirklichung dieses Impulses teilnehmen sollten – Ita Wegmann, Albert Steffen u.a. Doch über all diese Mitstreiter ragt die Persönlichkeit Marie Steiner-von Sivers’ heraus. Heute wollen wir über sie sprechen. Maria (Marie) Jakowlewna Sivers wurde am 14.03.1867 im kleinen polnischen Städtchen Włocławek als die Tochter eines livländischen Generalleutnants im russischen Dienst geboren. Die Familie hatte fünf Kinder. Als Marie acht war, zog die Familie nach Riga um und zwei Jahre später – nach Sankt Petersburg. Marie, die sich durch große Seelentiefe auszeichnete, hat eine solide humanistische Bildung genossen, sie war die beste Schülerin. Das alte Griechenland, der Rhythmus der griechischen Dichtung haben sie schon sehr früh mystisch angezogen, aber die Eltern haben ihr verboten, Griechisch zu lernen. Später hat sie dieses Verbot als richtig erkannt, da das Erlernen der griechischen Sprache sie auf ihrem Weg zur Spiritualität der Zukunft verhindert hätte. Marie sprach vier Sprachen fließend und zeigte besonderes Interesse an der russischen Sprache, die zwischen dem Sanskrit und den europäischen Sprachen steht.

Durch ihre Bildung erwarb Marie das Recht, als Gymnasiallehrerin zu arbeiten, doch sie wollte lieber Vergleichende Sprachwissenschaft studieren. Ihre Eltern widersetzten sich ihrem Wunsch, da sie befürchteten, dass ihre Tochter unter den Einfluss der sozialistischen Ideen geraten könnte, die an den Universitäten besonders stark verbreitet waren. Doch ohne in einen offenen Konflikt einzutreten, hat die freiheitsliebende Marie ihre Entscheidung verteidigt. Sie fuhr nach Paris, wo sie mit der Überheblichkeit der Professoren konfrontiert wurde, da sie sich als Frau erdreiste, in die Sphäre der Wissenschaft einzudringen. Sie geriet unter den Einfluss der sozialistischen Ideen, da sie die soziale Ungerechtigkeit in starker Art erlebte. Eine Zeitlang arbeitete sie in Sankt Petersburg als Lehrerin von Arbeiterkindern. Da zu jenen Zeiten mehrere Klassen in demselben Raum unterrichtet wurden, mussten die Lehrer schreien, um gehört zu werden. Ihre Stimme wurde angegriffen und Marie musste operiert werden. Danach trat bei jedem Versuch zu sprechen, ein bestimmter Widerstand auf, den sie zu überwinden hatte. Mit einem Mal löste sich die Verkrampfung und danach konnte ihre Stimme ungehindert aus dem Sprechapparat kommen. Nach dieser Befreiung erreichte sie große Fortschritte in der Kunst der Rezitation. Marie besaß großes Schauspieltalent, aber die Eltern wollten nicht, dass sie Schauspielerin wird. Sie verbrachte eine Zeitlang als Lehrerin im Dorf, wo ihr Bruder wohnte. Dort verletzte sie sich ernsthaft bei einem Sturz, was später ernsthafte Folgen für ihre Gesundheit hatte. Nach dem Tod ihres Bruders fuhr Marie nach Paris, um am dortigen Konservatorium Rezitation und Schauspielkunst zu studieren. Zwei Jahre später kam sie nach Sankt Petersburg zurück und erhielt die Hauptrolle in der Aufführung der „Maria Stuart“ von Schiller. Die Aufführung war ein Riesenerfolg, die Marie die Chance gab, im Berliner Schillertheater die Hauptrolle in der „Jungfrau von Orleans“ zu erhalten. Marie war begeistert, doch der Theaterintendant empfahl ihr, sich zu schminken und herauszuputzen, um die Pressevertreter zu beeindrucken. Marie war erschüttert, dass diese heilige Kunst, die den Mysterientempeln entstammte, wo die Götter zu den Menschen gesprochen hatten, derart banalisiert werden konnte. Sie wurde gewahr, dass die wahre Keuschheit sich nicht mit dem Leben des modernen Theaters vereinbaren lässt. Es war ihr nicht vergönnt, äußeren Ruhm zu erlangen, doch sie kapitulierte nicht vor der Realität. Das Schicksal traf sie mit Édouard Schuré, der von ihr und ihrer Denkart begeistert war. Sie inszenierte sein Mysteriendrama „Die Kinder des Lucifer“ vor Theosophen. Die Frage nach der Wahrheit beschäftigte sie weiter, als sie in der Bibliothek des Grafen von Brockdorff in Berlin Rudolf Steiner traf, der dort einen Vortrag hielt. Sie hörte, was er erzählte und wie er sprach. Es war im Jahre 1900, Marie von Sivers war 33 und das neue Zeitalter war herangebrochen.

Viel später hat Thekla von Reden geschrieben, dass die Erschienung Marie von Sivers’ in der Bibliothek wie jenes Zeichen von Theon-Sophia war, das die gleiche unerschütterliche geistige Kraft wie bei Steiner besaß. Danach bestieg Marie von Sivers den dornigen Weg und wurde zu Steiners wichtigster Helferin bei seiner Arbeit. Sie sah, was dieser Mann leistete und wie er Hilfe von jemandem brauchte, der genauso hingebungsvoll arbeiten konnte. Der anthroposophische Impuls trat direkt in ihr Wesen ein und sie wurde ein anderer Mensch. Die schöne Aristokratin, die Berlin bewundert wurde und die mit hellem Verstand und mannigfaltigen Gaben beschenkt war, hat ihre eigenen Person vergessen und ihren Lebenslauf abgeschlossen. Mit aufopfernder Hingabe begann sie der Anthroposophie zu dienen, ohne dabei an  Selbstverwirklichung im gewöhnlichen Sinne zu denken. Steiner gab zu, dass er ohne Marie von Sivers weder die Anthroposophie noch die Anthroposophische Gesellschaft ins Leben gerufen hätte. Sie war  für ihn die Hauptträgerin und Begründerin der Bewegung. Bereits 1901 stellte ihm Marie die schicksalhafte Frage nach der Notwendigkeit der Vereinbarung der theosophischen Weisheit mit dem Christus-Impuls in einer für das europäische spirituelle Leben geeigneten Form. Die Frage wurde gestellt und Steiner begann dem geistigen Gesetz entsprechend an diesem Problem zu arbeiten. Das alte Prinzip des „Lichtes aus dem Orient“ wurde durch „das Licht aus dem Okzident“ ersetzt.

Marie von Steiner gründete den Anthroposophischen Verlag, wodurch sie und Rudolf Steiner nicht mehr den Launen der anderen Herausgeber ausgesetzt waren. Sie redigierte Steiners Vorträge, erledigte die Verwaltungsarbeiten als Sekretärin der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, investierte viel Arbeit in die Institutionalisierung der anthroposophischen Bewegung und stand im Zentrum des neuen eurythmischen Impulses. Zudem war sie der Schutzengel Steiners im äußeren Leben – sie organisierte seine Reisen mit allen alltäglichen Details und begleitete ihn oft. Dabei schränkte sie den Zugang der anderen zu ihm ein, was ihr auch Feinde einbrachte. Durch Marie von Steiner hat gleichsam das kosmische Gericht gesprochen, das Gericht der Wahrheit, was viele gestört hat. Nicht zufällig hat sie Steiner ein „kosmisches Wesen“ genannt und das ist keine Metapher. Doch jeder, der seinen Egoismus unterdrücken konnte, bekam ihre irdische Menschlichkeit zu spüren, denn Marie hat die wesentlichen Dinge sehr tief erlebt. Nachdem Schuré Steiner des Nationalismus bezichtigte, lag sie drei Tage lang wie gelähmt. Sie hat das Wesen und die Bedeutung der Anthroposophie am besten erkannt. 1908 hat Steiner geschrieben: „Du bist mir die Priesterin, als die Du mir entgegenblicktest, als ich Deine Individualität erkannt hatte. Ich schätze Dich in der Reinheit Deiner Seele, und nur deshalb darf ich Dir zugetan sein. Wir leben miteinander, weil wir innerlich zueinander gehören, und wir werden immer ein Recht haben, so zueinander zu sein, wie wir sind, wenn wir uns klar sind, dass unser persönliches Verhältnis eingetaucht ist in den heiligen Dienst der Geistesevolution. Ich weiß, dass der Augenblick nicht kommen darf, wo diese Heiligkeit auch nur im geringsten gestört würde.“ (GA 262:65)

Steiner hat nie hohle Phrasen benutzt und wenn er sagt, dass ihr Verhältnis in den heiligen Dienst der Geistesevolution eingetaucht ist, geht es hier offenbar um die kosmische Dimension dieser Individualität. Noch etwas mehr – als Steiner am Modell des ersten Goetheanums arbeitete, hat ihm Marie stundenlang Modell gestanden. Steiner hat sie seine „Inspiratorin“ genannt. Hier geht es nicht um Porträtmalerei, sondern um ein Gebäude. Es gibt keinen anderen Fall in der Geschichte der Kunst, in dem ein Mensch für ein Gebäude Modell gestanden hat. Das Goetheanum war mit seinen Säulen, Kapiteln, seiner Kupelmalerei die sinnlich-sichtbare Verkörperung eines realen hierarchischen Wesens, das Anthropos-Sophia heißt. Diesem Wesen hat Steiner ein Haus errichtet und Marie Steiner-von Sivers war das irdische Modell für dieses Haus. Folglich ist das Goetheanum ihr architektonisch-plastisches Porträt.

Wer war die Frau, über die Steiner solche Worte sagen konnte und die als ein sinnlich wahrnehmbares Gebäude dargestellt wurde?  Wir wissen über ihre Inkarnationen als Albert der Große und Hypatia, auch dass sie in den keltischen und früher in den orphischen Mysterien war. Wir wissen aber auch, dass niemand in seiner gegenwärtigen Inkarnation auf das in früheren Inkarnationen Erreichte stolz sein darf, denn andernfalls würde er in einen Astralschlaf verfallen. Was hat es also mit Marie Steiner-von Sivers auf sich?

Wir haben bereits darauf verwiesen, dass der Heilige Geist die Idee der Welt ist, Der als Sophia an Pfingsten über die Jünger herabstieg, um ihnen die Wahrheit über das Christus-Ereignis zu eröffnen. Im 20. Jahrhundert trat Sophia als Anthropos-Sophia unter den Menschen in Erscheinung. Steiner war derjenige, der das Wissen über sie enthüllte, der fähig war, die Offenbarung der Sophia den Menschen weiterzugeben. Steiner wurde von Theon-Sophia inspiriert. Als er aber das Modell des ersten Goetheanums machte, sah er seine Inspiratorin in der Individualität Marie Steiner-von Sivers. Er baute ein Haus für Sophia und dieses Haus ist ein Mensch, dieses Haus ist Marie von Steiner. Viele namhafte Anthroposophen haben sich in den vergangenen Jahren gefragt, was uns Steiner mit seinen Äußerungen und Handlungen mit Bezug auf die Frau an seiner Seite sagen wollte. Der Erste, der es vor einigen Jahren öffentlich ausgesprochen hat, ist Gennadij Bondarew. In Marie Steiner war das Wesen Theon-Sophia inkorporiert, als dessen Avatar sie auf der Erde lebte, um dem Menschen zu dienen, der zum Sinnbild der Anthroposophie wurde – Rudolf Steiner. In ihrer Rolle als Avatar hat sie ihr Ich beibehalten, ihre Handlungen gingen von diesem Ich aus. In ihrer individuellen Aura war sie jedoch von Sophia erfüllt, die sich weit in den Kosmos hinaufhob. Sophia hat durch Marie ihre Kräfte in die Welt der Menschen ausgegossen und Maries Handlungen erhielten einen kosmischen Sinn, denn sie hatte sich aufopfernd in den Dienst des Geistes gestellt. Wäre Theon-Sophia in der Anthroposophie nur als eine Lehre erschienen, hätte sie nur einen Teil der Wahrheit enthüllt. In Marie hat sie sich selbst als die Wahrheit manifestiert, denn es musste das Bild des Menschen der Zukunft gezeigt werden, für den das Verwandschaftsmäßige keine Rolle spielt, der sein Ich aus der ätherischen Quelle – dem Ich-Buddhi Christi – ständig erneuert und zum Wiedererlangen des verlorenen Wortes hinschreitet. Das ist eine der Hauptursachen der Menschwerdung der Theon-Sophia. Das Wiedererlangen des verlorenen Wortes, aus dem der Mensch erschaffen wurde und zukünftig wieder erschaffen wird, ist der höchste Akt der schöpferischen Tätigkeit der Weltenidee des Übergangs von der irdischen zur Sonnenevolution. Diesen Akt kann sie nur durch einen auf der Erde lebenden Menschen vollbringen, so wie die Auferstehung des Fleisches nur durch die Menschwerdung Gottes möglich war.

Einen solchen kolossalen Sinn erlangte die Arbeit Marie Steiners mit dem tönenden Wort, mit der Kunst der Rezitation, in der sie unnachahmbare Vollkommenheit erreicht hat. Bei ihr kamen die Konsonanten und Vokale aus dem Weltraum zu den Lippen und kaum den Sprechapparat berührend, flogen sie – fast sichtbar werdend –  mit voller Kraft in den Weltraum zurück. Sie war wie ein mit den Augen wahrnehmbarer Geist, das Wort in ihr war lebendig und hat die Geheimnisse angedeutet, die uns in Zukunft auf dem Weg der Sprachentstehung eröffnet werden. Die Lehre der Anthroposophie wurde in drei Sprachen gegeben, die übereinander liegen und uns zum inspirativen Denken und dem Erwachen des schöpfenden Wortes der Götter führen. Zuerst ist das die Sprache der Begriffe, darüber befindet sich die Sprache der Symbole und ganz oben sind die erneuerten Kunstformen. Die Begriffe gehen in Symbole über und die Symbole – in Kunst, wobei die Kunst des Wortes, das Erlangen des verlorenen Wortes die höchste Kunst ist. Was bedeutet es, dieses Wort zu erlangen?

Wir wissen, dass der Schöpfer alles Wesentlichen das geistig klingende Wort Gottes – der Logos – ist. Wir wissen, dass die kosmische Pan-Intelligenz Michaels nach dem Eintritt in den Menschen zum Intellekt des Einzelnen wurde. Das Weltenwort verwandelte sich im Menschen in die Gabe der Rede. Doch sowohl die Rede als auch der Intellekt haben einen reflektierenden Charakter angenommen, woraus unser Ich-Selbstbewusstsein entstand. Nun muss der Mensch den Intellekt und die Rede wieder zu ihrer Göttlichen Quelle erheben. Dazu muss er zuerst Leben in sein Denken hineinbringen, dem Denken einen kosmischen Charakter durch die Änderung seiner Form verleihen, um zur allmählichen Verwandlung seiner Rede in schöpfendes, hervorbringendes Wort überzugehen. Das Fleisch muss zu Wort werden, damit in einigen Tausend Jahren die Menschen mit der Kraft der weißen Magie des Wortes die physischen Leiber der zur Inkarnation kommenden Seelen in der feinen Stofflichkeit der Erde erzeugen können. Das werden die Mysterien der Theon-Sophia sein, die sich zum Hauptmysterium des Weltalls erheben – dem Mysterium des Ich-bin-Prinzips Christi, des Wortes, das im Urbeginn war. Im Erdenäon wurde es dem Menschen erlaubt, am Unorganischen, am Stofflichen zu arbeiten. Dank den Kainiten hat er große Erfolge in dieser Königskunst erreicht. Zukünftig muss der Mensch aber eine neue Königskunst erlernen – die Arbeit am Organischen, am Leben. Zu diesem Zweck sind Weisheit, Reinheit und hohe Sittlichkeit notwendig – Tugenden, die die Engel besitzen. Das Wort des Meisters Beinsa Douno war „Kraft und Leben“, denn der Mensch Peter Danov zeichnete sich durch Reinheit, Moralität und Wahrhaftigkeit aus. Wir wissen, dass er die Inkarnation des „demütigsten und aufrichtigsten Herrschers“ im slawischen Haus ist –  Boris I. des Täufers. Marie von Steiner-Sivers war auch rein, moralisch und wahrhaftig und deshalb war das Wort in ihr lebendig. Ihre Ehe mit Steiner, die im Dezember 1914 geschlossen wurde, trägt rein geistigen Charakter und sollte einerseits die Verleumdungen beenden sowie Marie von Steiner die Rechte auf den Nachlass Steiners geben. Ihre Arbeit am Nachlass hat sie hervorragend gemeistert. Im Blick Marie von Steiners können wir jene Vergeistigung finden, die wir bei Beinsa Dounos und der  Jungfrau Sophia finden. Den Blick der beiden kenne ich sehr gut, in ihm gibt es keine Spur von Sexualität, in der Art, wie der Mensch sie üblicherweise versteht. Wir wissen, dass die Reproduktionskräfte dem Menschen nach dem Sündenfall eingepflanzt wurden, aber sie tragen rein göttlichen Charakter. Sie sind reine Kräfte der Sophia, der Weisheit, die im Altertum der Beziehung zur Geisteswelt dienten. Mit dem Erlangen des Ich-Selbstbewusstseins wurden sie langsam zum Werkzeug des Vergnügens und die Reproduktionsfunktion blieb im Hintergrund. Der Mensch hat diese Kräfte im Dreck zertrampelt und sie zu Geschäftsbeziehungen degradiert. Das ist eine besonders große Sünde, in der die mächtigsten dunklen Geister  – die Asuras – in Erscheinung treten. Durch die sexuelle Zügellosigkeit greifen sie die Bewusstseinsseele und das Ich an, damit sie den Weg des Menschen zur Geisteswelt abschneiden, in die er in rechtmäßiger Art nur durch höhere Weisheit und keusche kosmische Liebe eintreten darf. Selbstverständlich behaupte ich nicht, dass man sofort auf die Benutzung der Reproduktionskräfte verzichten soll, um von den Göttern in ihre Bewusstseinssphären aufgenommen zu werden, denn noch lange wird die heutige Reproduktionsart der Inkarnation der Seelen dienen. Allerdings wäre es gut zu wissen, dass Ahriman immer erfolgreicher in diese Kräfte eingreift, um direkt am Inkarnationsprozess teilzunehmen. Das wird ernsthafte Konsequenzen für die weitere Entwicklung der Menschheit haben, da Ahriman gerade diese Reproduktionsart des Menschen für immer konservieren will. Der Impuls zum Übergang zur Inkarnation durch das Wort wird aus dem Slawentum hervorkommen, wohingegen der Impuls zum Verbleiben in der alten Reproduktionsart auch nach dem Ende der sechsten Kulturepoche aus Amerika kommen wird. Anstatt zur weißen Magie und zum Erlangen des verlorenen Wortes wird die Menschheit vom Missbrauch der Materie zum Missbrauch des Organischen und Lebendigen herabstürzen und das ist schwarze Magie der schlimmsten Art. Vor einigen Jahren hat der Dimo-Daskalov-Verlag das Buch des französischen Anthroposophen Athys Floride „Das Mysterium der Sexualität und die Zukunft der Menschheit“ veröffentlicht, in dem eingehend auf die Frage der Veredelung des menschlichen Sexuallebens eingegangen wird. Hier werden wir uns nicht in diese Frage vertiefen, das ist nicht unsere Aufgabe, sondern wir müssen die Antwort auf die Frage finden, woher wir die Kraft nehmen können, um die Veredelung und den graduellen Verzicht auf das Sexualleben zu vollziehen, damit wir uns mit Sophia in Verbindung setzen und an der Individualisierung des Auferstehungsleibes in uns arbeiten können. Im Westen gibt es das Beispiel des geistigen Paares Rudolf Steiner und Marie Steiner-von Sivers und in Bulgarien haben wir das Beispiel des Meisters Beinsa Douno. Durch die Synthese der Impulse, die beide ausgestrahlt haben, wird die spirituelle Ich-Kraft für jede Transformation erreicht, die der Mensch an sich entsprechend seinem wachsenden Ich-Bewusstsein zu vollziehen hat. Die Wahl ist eine persönliche, es ist eine Ich-Wahl und darin äußert sich das Wesen des großen Christentums des Heiligen Geistes, zu dessen unabänderlichen Teil der Impuls gehört, der am Anfang des dritten Jahrtausends von Bulgarien ausging. Hoffentlich können ihn so viele Seelen wie möglich für sich entdecken, so dass sie durch Theon-Sophias Besuch „selig“ geworden und das eigene Kreuz tragend den Weg zu Demjenigen antreten, der „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist!

 

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Ein Gedanke zu „Theon-Sophia und das Mysterium der Sexualität

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