Archiv für den Monat September 2017

Kaspar Hauser und das Mysterium von Golgatha

Anlässlich des 205. Geburtstags von Kaspar Hauser am Michaelitag (29.09.1812) erscheint die überarbeitete Fassung der Vorlesung über zwei wichtige Inkarnationen dieser herausragenden Individualität der Menschengeschichte.

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 27.03.2016 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

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Gebet: Herr Gott Jesus Christus, wir danken Dir für das große Opfer, mit dem Du uns die Möglichkeit gegeben hast, die Hierarchie der Freiheit und Liebe zu werden. Amen!

Wie bestellt findet unser heutiges Treffen am wichtigsten Tag nicht nur im ganzen Jahr, sondern auch in der ganzen Schöpfung statt. Da sich die Zahl der Menschen, die diese Videos schauen, erhöht hat, werden wir zuerst erläutern, warum heute, am 27.04., Ostersonntag ist und nicht am 01. Mai, wenn die orthodoxe Kirche Ostern feiern wird.

An der Bestimmung des Ostertages nehmen jährlich die neun Hierarchien von den Engeln bis zu den Seraphim teil und dieses Datum lässt sich im Himmel lesen. Mehrere Faktoren werden dabei berücksichtigt. Wir wissen, dass das Frühlingsäquinoktium immer noch im Zeichen der Fische – um den 21.03. – erscheint. Das ist die Tierkreissphäre – die Wirkungssphäre der ersten Hierarchie (Throne, Cherubim und Seraphim). Der nächste Faktor ist der erste Vollmond nach dem Frühlingsäquinoktium, der vor ein paar Tagen stattfand, was die Wirkungssphäre der dritten Hierarchie (Engel, Erzengel und Archai) ist. Schließlich spielt der Sonntag nach dem Vollmond eine Rolle, nämlich der heutige Tag. Das ist die Wirkungssphäre des Sohnes, d.h. der zweiten Hierarchie (Herrschaften, Mächte und Gewalten). So wird jedes Jahr der Ostertag nicht nach katholischer oder orthodoxer, sondern nach der esoterischen christlichen Tradition bestimmt, die der hohe Klerus der katholischen Kirche sehr wohl kennt.

Mit seinem Opfer hat Christus nicht nur die Regeln auf der Erde und die Seelengliederung des Menschen gewandelt, sondern Er hat auch alle Hierarchien auf eine höhere Stufe erhoben, damit sie neue Aufgaben im Werk Gottes wahrnehmen können. Dieses Opfer hat Konsequenzen nicht für die Erde und für die ganze Schöpfung, da dadurch das Verhältnis zwischen den drei Hypostasen der Trinität – Heiliger Geist, Sohn und Vater – geändert wurde. Die Änderung der Verhältnisse der drei Hypostasen zueinander führt zu einer Änderung auf allen sinnlichen und übersinnlichen Daseinsstufen, die die Eingeweihten kennen. In der Tatsache der Auferstehung selbst besteht die Garantie, dass es die zukünftigen geistigen Jupiter, Venus und Vulkan geben wird. Das ist der Fokus aller Zyklen – des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Deshalb freue ich mich auf die heutige Vorlesung und habe mit so viel Begeisterung an diesem Thema gearbeitet.

Nachdem wir das letzte Thema abgeschlossen hatten, kam Stella Ruskova auf mich zu und meinte, ich solle über das Golgatha vortragen. Ich habe geantwortet, dass ich meine Vorlesungen nicht per Auftrag vorbereite, aber ich werde sehen, was mir so bis zum 10. 03. einfällt. Sie meinte, man wisse nie, was zu einem kommen könne und woher.  Zwei oder drei Tage nach unserem Gespräch hatte ich mich schon über das Thema entschieden und weitere zwei Tage später kam die Offenbarung, die dieser ganzen Vorlesung den Sinn gab. Genauer genommen waren es drei Offenbarungen in diesem Monat und alle drei sind im Sinne dieser Vorlesung.

Unser Thema ist wirklich sehr umfangreich, ich habe ja nach der letzten Vorlesung angekündigt, dass ich in das Leben von Kaspar Hauser eintauchen und schauen will, was daraus wird. Was kam, ist wirklich überwältigend und das wird uns zum aufregendsten Augenblick der Menschengeschichte führen.

Die letzte Vorlesung habe ich mit den Worten Steiners begonnen, die er am 03.03. 1925 – weniger als einen Monat vor seinem Wegscheiden – zum Grafen Ludwig von Polzer-Hoditz gesagt haben soll. Das war Steiners Auftrag an die Anthroposophen, der die drei wichtigen zu lösenden Aufgaben nannte: die Geheimnisse der beiden Johannessen, des Demetrius und des Kaspar Hauser) hatte ich in Prokofieffs Buch „Die geistigen Quellen Osteuropas und die zukünftigen Gralsmysterien“ gefunden. Wenn Prokofieff über Demetrius schreibt, erwähnt er Steiners Auftrag, dessen Erfüllung eine wichtige Bedeutung für die Zukunft hat. Die genauen Worte Steiners lauten: “Dann sprachen wir über die Bestrebungen römischer und westlicher Logen und mit größtem Ernst betonte Herr Doktor, dass drei Aufgaben zu lösen seien, deren Ergebnisse für die Zukunft von ganz besonderer Wichtigkeit seien:

  1. Die Frage nach der beiden Johannessen
  2. Wer war Demetrius?
  3. Woher kam Kaspar Hauser?

Bei allen Fragen ist es besonders wichtig, dass man sich nicht auf den Tod, sondern auf die Geburt konzentriert. Woher kamen sie und mit welchen Aufgaben? Die Individualität, die hinter Kaspar Hauser steckt, ist ein Wesen, das von Anfang an inspirierend auf das Rosenkreuzertum gewirkt hat und dann am 29.09.1812 als der Sohn des Badener Großherzogs Karl und seiner Frau Stephanie de Beauharnais inkarnierte. Er hatte eine wichtige Mission für das esoterische Christentum“ (Polzer-Hoditz, 1992) Ludwig Polzer-Hoditz, In memoriam Frau Dr. Ita Wegman 1943, in: (Zeylmans van Emmichoven, 1992, S. 406-412).

Beim wörtlichen Lesen dieser Sätze sieht man, dass im Mittelpunkt des Gespräches zwischen Steiner und Graf Polzer-Hoditz die westlichen okkulten Logen und die Jesuiten gestanden haben. In diesem Zusammenhang teilte Steiner mit, wann Kaspar Hauser geboren wurde und wessen Sohn er war. Dann nannte er auch die drei Fragen und betonte die Frage nach Demetrius. Prokofieff zitiert in seinem Buch die Worte Polzer-Hoditz‘ und sagt, dass es sich unmöglich um Pseudo-Demetrius handeln kann, da er ein williges Instrument in den Händen der Jesuiten war, über das die äußere Geschichte viele Details kennt. Deshalb führt Prokofieff seine weiteren Gedanken in Richtung Demetrius und der Aufgaben aus, die eventuell durch ihn zu lösen waren – das war der Übergang zur Verstandesseele in der fünften Kulturepoche, da das russische Volk damals auf der Stufe der Empfindungsseele war.

Wenn wir heute also von jemandem behaupten, dass er sich auf der Ebene der Verstandes- bzw. Empfindungsseele befindet, müssen wir bedenken, dass er eine eingebaute kosmische Intelligenz besitzt. Eine andere Frage ist es, ob der Mensch diese Intelligenz arbeiten lässt und wie er sich entsprechend seiner karmischen Bilanz entwickelt. Wenn wir darüber Aussagen machen, auf welcher Stufe sich jemand befindet, müssen wir bedenken, dass eine Wandlung im Seelenbau aller Menschen eingetreten ist. Ob und wie sich diese Wandlung im Aspekt des Individuums, der Ethnie oder der Rasse manifestiert, ist es eine andere Frage.

Warum erwähne ich das? Weil das russische Volk zur Verstandesseele übergehen sollte. Zweifellos hatte Demetrius eine damit verbundene Aufgabe. Pseudo-Demetrius selbst wurde von den Jesuiten durch ihre okkulten Methoden der Einweihung in den Willen vorbereitet, die Steiner 1911 beleuchtet hat und die in einer Gewaltausübung auf den Willen bestehen. Damit wurde jenem Kind eingeflößt, dass es Demetrius sei. Als nach der Exekution des richtigen Demetrius – des letzen Erben Rjuriks – der Augenblick kam,  erschien Pseudo-Demetrius in Russland. Mit ihm sollte der Jesuitismus, d.h. der Katholizismus als Jesuitismus in dieses Volk eingehen, das ein immenses geistiges Potenzial für die Zukunft und die sechste Kulturepoche hat. Dieses Potenzial sollte für die Zwecke des römischen Jesuitismus eingespannt werden. So wurde Pseudo-Demetrius zum betrogenen Betrüger. Er wurde ursprünglich hinsichtlich seiner Herkunft betrogen und danach betrog er die anderen. Sein Schicksal war tragisch und nach seinem Tod ging die Entwicklung des russischen Volkes in eine völlig falsche Richtung – zum Imperialismus und Militarismus. Bis zum heutigen Tage hat Russland diesen Kurs beibehalten, der nach dem vorzeitigen Tod jenes Kindes eingeschlagen wurde. Die Offenbarung, die Mitte des Monats kam, bestätigt das, was ich in der letzten Vorlesung und früher schon behauptet habe – dass das Geschlecht der Rjuriks, der dem russischen Volk die Staatlichkeit gab, von den bulgarischen Kymeriern stammt. Die Offenbarung lautete: Mit der Ermordung des Demetrius wurde die Beziehung des russischen Volkes zu seinen bulgarischen Wurzeln abgeschnitten. Das ist der Wortlaut der Aussage der geistigen Welt. Sie bestätigt, dass mit der Ermordung dieses Kindes das ganze Rjurikgeschlecht liquidiert wurde. Danach kamen die Romanovs, die eine sehr entfernte Beziehung zu Bulgarien haben. Die wahre Wurzel wurde abgeschnitten. Ich habe das zuerst gesagt, dann wurde es mir von der geistigen Welt bestätigt. Doch in welchem Zusammenhang steht all das?

Jeder Anthroposoph, der die okkulte Geschichte des russischen Volkes betrachtet, die im Bezug auf die Zukunft äußerst interessant ist, stützt sich auf Steiners Worte, dass Normannen aus Skandinavien kamen, im weiteren Sinne das Germanentum als der Träger des Ich-Impulses, um diesen Impuls in das russische Volk einzuführen und seine Staatlichkeit zu organisieren. Es waren aber keine Normannen, sondern die authentischen Träger des Ich-Impulses selbst – die Bulgaren. Prokofieff, der auch diesen Weg geht beim Suchen der geistigen Quellen seines Volkes, konnte nicht daran heranreichen, dass die Bulgaren hier eine wesentliche Rolle gespielt haben. Alles, was mit der Zeit des bulgarischen Boris I. des Täufers (Regierungszeit 852-889) kam, wurde ihnen von den Bulgaren gegeben, was auch der letzte russische Patriarch bestätigte. Seit der Ankunft der Rjuriks zu einem früheren Zeitpunkt beginnt die parallele Entwicklung der russischen Geschichte zu der bulgarischen. Heutzutage wird viel über das bulgarische Mysterium geredet und veröffentlicht, doch allen daran interessierten Zuhörern möchte ich sagen, dass keiner derjenigen, die sich zu diesem Thema äußern, etwas vom wahren esoterischen Christentum versteht. Aus diesem Grund werden auch die wahren Wurzeln der Bulgaren verschleiert, denn durch die Verfasser wirkt Ahriman. Ich  werden keine Namen nennen, jeder soll selbst herausfinden, worum es geht, wenn so massenhaft über die Bogomilen gefachsimpelt wird, was dadurch angestrebt wird. Diejenigen, die über die Bogomilen reden, verstehen weder das Bogomilentum noch das Christentum.

Doch die Frage, wer Demetrius war, wessen Inkarnation er war, bleibt weiterbestehen. Prokofieff können wir sehr dankbar sein für alles, was er auf dem Gebiet der Christologie und der geistigen Hierarchien getan hat. Von allen Anthroposophen ist er in diese Frage am tiefsten eingedrungen. Aber man muss auch diese Ungereimtheiten erwähnen. Eine russische Anthroposophin hat sich die Mühe gemacht, Prokofieffs Bücher zu prüfen – jeder, der seine Bücher gelesen hat, weiß dass es am Ende ein riesengroßes Register gibt mit verwendeter Literatur. Ihr ist aufgefallen, dass Prokofieff an manchen Stellen den Sinn der Worte Steiners variiert, um seine These zu beweisen. Andere Anthroposophen bemängelten, dass Prokofieffs Verzeichnis verwendeter Literatur, teilweise bis zu einem Viertel des ganzen Buches umfassend, viel zu umfangreich sei. Die westlichen Anthroposophen können den Gedankenkosmos Prokofieffs nicht umfassen, über den Seja Zimmermann auf der Konferenz 2014 sagte, dass er immens ist. Prokofieff wurde gebeten, dieses Register zu kürzen – wer „Die geistigen Quellen Osteuropas und die zukünftigen Mysterien des Heiligen Gral“ gelesen hat, weiß, dass die Fußnoten fast ein Viertel des Buchs ausmachen. Man ist allein vom Lesen der Fußnoten beeindruckt. Soviel ich weiß, hat Prokofieff in seinen späteren Büchern dieses Register stark reduziert. Die wahre Ursache, warum Prokofieff gezwungen war, sich die Mühe mit dem Verzeichnis zu sparen, war dass die westlichen Anthroposophen nicht das geistige Potenzial für die Anthroposophie besitzen. Es mussten Bondarew und Prokofieff aus Russland auf die Bühne treten, um im Westen vorzuführen, was wahres geistiges Potenzial bedeutet. Wer solches besitzt, freut sich über Prokofieffs Bücher und ist tief dankbar. Eine andere interessante Behauptung Prokofieffs, die am Mittwoch dieser Woche auf eine erstaunliche Weise widerlegt wurde, wird am Ende dieser Vorlesung mitgeteilt. Doch kehren wir zu Kasper Hauser zurück.

Am 26.05.1828, am Pfingsttag, tauchte auf einer Straße in Nürnberg – einer Stadt in Bayern (nicht zufällig in Süddeutschland, alles spielt sich nicht zufällig dort ab) ein Jugendlicher von etwa fünfzehn, sechzehn Jahren auf. Er ähnelte den Kindern, die wir heutzutage Autisten nennen und konnte sich kaum auf seinen Füßen halten. Wie aus dem Nichts erschien er und keiner wusste, woher er kam. Er hatte Schwierigkeiten, sich zu bewegen. Die ersten, die ihm entgegenkamen, waren zwei Schuhmacher, die versuchten, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Aber sie sahen, dass es aussichtslos war, denn der Jugendliche beherrschte nur eine begrenzte Anzahl von Wörtern.  Sie konnten nicht herausfinden, woher er kam und wie er hieß. Der Jugendliche hielt jedoch in seinen Händen einen Brief, der an den Rittmeister Wessenig adressiert war. Die beiden führten Kaspar Hauser zum Haus vom Rittmeister. Dort wurden ihm Bier und Fleisch angeboten, was ihn anwiderte und er geriet fast in Ohnmacht. Nachdem er Brot und Wasser bekommen hatte, die er gern aufaß, wurde ihm im Stall etwas Stroh gegeben und er schlief  tief ein.
Fünf Jahre lebte Kaspar Hauser nur nach der Zeit seines Auftauchens und in diesen fünf Jahren sollte etwas Außerordentliches geschehen. Was war geschehen? Steiner betont, dass es für uns wichtig ist, zu wissen, wer Kaspar Hauser ist, und heute wird mit dem Beantworten dieser Frage, einschließlich der zusätzlichen Information vom Mittwoch, ein 200 Jahre altes Rätsel enthüllt, das viele westlichen Anthroposophen und Autoren beschäftigt hat. Heute am Ostertag wird dieses Rätsel in seinem vollen Glanz auf unerwartete Weise enthüllt. Alle, die nach Kaspar Hausers Individualität gesucht haben, wurden nämlich von Steiners Worten oder von Worten, die Steiner zugeschrieben werden, in die Irre geführt, nämlich durch die Behauptung,  dass Kaspar Hauser seit der atlantischen Zeit nicht mehr inkarniert wäre. Alle großen Individualitäten in der Welt inkarnieren sich ständig, wer wird wohl diese Persönlichkeit sein, die nie inkarniert sein soll?  Wir werden sehen, ob sie tatsächlich nie inkarniert war.

Steiner gab weitere Informationen an – dass dieser Jugendliche im Badener Geschlecht zur Welt gekommen und eigentlich der Thronfolger und der Erbe des Badener Großherzogs Karls und seiner Ehefrau Stephanie Beauharnais war. Seine Mutter war die Stieftochter Napoleons, oder besser ausgedrückt, ihr Stiefvater war Napoleon selbst. Hier beginnt die erstaunliche Beziehung zwischen Kaspar Hauser und Napoleon, die am Ende der Vorlesung auch in ihrem wahren Licht beleuchtet wird. Warum hängt Napoleon damit zusammen, warum hat er diese Tochter adoptiert, obwohl ihre Eltern noch lebten? Während der Napoleon-Kriege hat Napoleon nicht zufällig das Herzogtum Baden gegründet und Stephanies Heirat mit dem Großherzog Karl von Baden veranlasst. Am Michaelistag, den 29.09.1812, kam aus dieser Ehe das Kind Kaspar Hauser zur Welt. Warum Napoleon an dieser Sache beteiligt war, werden wir erstmal nur teilweise enthüllen. Seine Aufgabe bestand darin, die äußeren und inneren Bedingungen für die Mission Kaspar Hausers zu schaffen. Steiner machte im zweiten Vortrag aus GA 185 („Geschichtliche Symptomatologie“) eine sehr interessante Aussage zu Napoleon. Er sagte, dass er versucht habe, Napoleons Seele bei ihren Wanderungen nach dem Tod zu finden, aber sie nicht gefunden habe, sie scheine, nicht dagewesen zu sein. Im 18. Jahrhundert – zu der Zeit der Revolutionen – war Napoleons Seele in der geistigen Welt und suchte nach einem Leib, den sie nicht finden konnte, deshalb nahm sie nur geistig an den Ereignissen auf dem Erdenplan teil. Auf einmal kam dieser Seele wie aus dem Nichts ein Leib entgegen, der keine Seele für sich finden konnte. Das ist ein großes Rätsel, das in Zukunft zu enthüllen sein wird, ich persönlich habe mich in diese Richtung noch nicht bemüht. In Napoleons Fall scheint die Seele nicht an der Schaffung des Leibs gearbeitet zu haben.

Wir wissen, dass der Mensch oben beginnt, sich mithilfe der Hierarchien einen Körper zu schaffen und ca. drei Wochen nach der Empfängnis das Ich und die Seele, an dem Embryo zu arbeiten anfangen. Bei Napoleon gab es keinen Körper und auf einmal erschien ein Leib, der der Ausdruck des ganzen damals herrschenden Chaos war. Wir wissen nämlich, dass Napoleon klein war, es ist sehr interessant, seine Körperkonstruktion zu erforschen und die Kräfte, die auf ihn wirkten. Er begann als ein Leib ohne Seele zu wirken und die französische Revolution war eine Seele ohne Leib, deshalb artete sie in eine große, völlig unmotivierte Anarchie aus. Was Napoleon machte und dadurch seine Mission nicht erfüllte, waren ebenfalls unmotivierte Taten. Die Verbindung zwischen Seele und Leib besteht bereits in der geistigen Welt, danach beginnt die Verdinglichung dieser Beziehung, indem das Ich und die Seele ihren zukünftigen Leib in Abhängigkeit von der karmischen Bilanz bilden. Schließlich kommt aus dem Mutterleib der entsprechend der karmischen Bilanz geformte Kindesleib heraus und beginnt zu wachsen. Für Napoleon schien kein Leib existiert zu haben. Auf einmal erschien ein Leib, der aber das ganze Chaos zum Ausdruck brachte, das zu jener Zeit existierte. Er begann als ein seelenloser Leib zu wirken, im Unterschied zu der Französischen Revolution, die laut Steiner eine Seele ohne Leib war. Die Franzosen mögen die Revolution als ihren Nationalfeiertag begehen, doch sie war ein absolut unbegründeter Akt. Alles, was Frankreich danach im 19. Jahrhundert unternahm, war eine Reihe unbegründeter Handlungen. Napoleon folgte auch dieser Tendenz, er hat seine Mission nicht erfüllt und lauter unmotivierte Handlungen vollbracht.

Was heißt das? Was hatte Napoleon zu tun und was hat er versäumt? Warum hatte er eine so feste Beziehung zu Kaspar Hauser? Vorläufig können wir Folgendes sagen.  Ende des 16. Jahrhunderts fand jene wichtige Konferenz statt, zu der Christian Rosenkreutz die größten Lehrer der Menschheit zusammenkommen ließ. An dieser Konferenz waren auch übersinnliche Wesenheiten beteiligt, die nicht mehr inkarnieren, etwa Gautama Buddha. Bei dieser Konferenz wurde erörtert, wie die Trennung der Menschen in der fünften nachatlantischen Kulturepoche in reine Praktiker und reine Mystiker zu vermeiden war. Mit dem Einbau der kosmischen Intelligenz in uns und der Einmischung der ahrimanischen Wesenheiten vor dem Anbruch der neuen michaelischen Zeit wären die Menschen sonst durch Inkarnationen gegangen, die sie entweder zu strikten Praktikern ohne jegliche Spiritualität oder zu zerstreuten Mystikern ohne jeglichen Bezug zur Realität gemacht hätten. Das Rosenkreuzertum verlangt, dass man beide Aspekte besitzt – gleichzeitig eine mächtige Spiritualität und einen festen Bezug zur Wirklichkeit. Wer nur der Spiritualität anhängt, ohne sie mit intensiver körperlicher Arbeit zu kombinieren, riskiert den Boden unter seinen Füßen zu verlieren. Nicht zufällig ließ Beinsa Douno seine Schüler verschiedene Arbeiten im Freien verrichten, denn ohne Bewegungen der Extremitäten, gibt es keine Bewegung der Geistigkeit. Die Hauptursache der Gefahr der Trennung der Menschen in die besagten Gruppen war der Umstand, dass die Seelen nach dem Tod bei ihrem Aufstieg zur Mitternacht des Daseins auf dem Rückweg die Marssphäre passieren sollen. Damals tobten in dieser Sphäre Kriege auf dem Astralplan. Diese Kriege ähnelten laut Steiner der Situation auf der Erde vor dem Mysterium von Golgatha, als die Menschen die Beziehung zur geistigen Welt verloren hatten, es gab keine Erhebung des Ich und keine Bewusstwerdung nach dem Tod. All das machte den Tod zu einer enormen Tragödie, die in den Worten des toten Achilles zu Odysseus zum Ausdruck kommen „Lieber ein Bettler auf der Erde als ein König im Reich der Schatten“. Nach dem Durchlaufen der Sphäre des kriegerischen Mars hätten die Menschen später auf dem Erdenplan die schlimmen Folgen davon erlebt. Deshalb sollte ein Opfer vollbracht werden, das dem Christus-Opfer ähnlich war, aber auf dem Astralplan zu geschehen hatte. So schickte Christian Rosenkreutz seinen Freund und Schüler Gautama Buddha auf den Mars. Stellen Sie sich Christian Rosenkreutz’ geistige Macht vor, dessen Schüler ein Bodhisattva war, der seine Entwicklung vollendet hat und zum Buddharang aufgestiegen ist! Der Kontakt zu Christus in der Zeitenwende hat eine fundamentale Bedeutung für die zukünftige Entwicklung einer Individualität. Gautama Buddha hat sein Opfer vollbracht und die Situation auf dem Mars hat sich verbessert, die Trennung der Menschen in ausschließliche Praktiker und Mystiker wurde verhindert. Es wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass die Menschen bei ihrem Herabstieg auf die Erde eine Veranlagung zum Rosenkreuzertum haben – der rettenden okkulten Strömung in der fünften Kulturepoche, das bereits im Schoß des Bogomilentums entstanden war. Nach seinem Tod in der vorausgegangenen Inkarnation hat Napoleons Seele die bereits veredelte Marssphäre durchquert und ihre Einflüsse aufgenommen. Als er später inkarnierte, hatte er die Aufgabe, in der Atmosphäre Deutschlands, insbesondere Süddeutschlands, die von Goethe, Schiller, Herder, den Romantikern als Vorbereitung auf die Epoche Michaels beeinflusst worden war, die äußeren Bedingungen für die Inkarnation Kaspar Hausers vorzubereiten und zur friedlichen Vereinigung der europäischen Völker beizutragen.  Napoleon hat äußerlich seinen Auftrag erfüllt, indem er Stephanie adoptierte und sie mit Karl von Baden vermählte. Auf diese Weise wurden die Bedingungen für die Geburt Kaspar Hausers geschaffen. Aber die andere Aufgabe hat Napoleon nicht erfüllt, sondern er zog unter dem Einfluss des Planeten Mars mit dem Schwert los und wir wissen, was er mit seinen Kriegen bewirkte. Er hat seine Mission vergessen, die mit dem Übergang vom Mars- zum Merkurprinzip zusammenhing. Bekanntlich ist  der Erdenäon der einzige, der aus zwei Hälften besteht, einer Marshälfte und einer Merkurhälfte. Merkur wird durch das Quecksilber symbolisiert. Auf dem Erdenplan entstand das Quecksilber in der Mitte der atlantischen Zeit aus den Merkurkräften –  das war die Mitte nicht nur des irdischen Äons, sondern die Hälfte des ganzen Saturn-Vulkan-Zyklus. Damals erschien das Metall Quecksilber als eine Ätherbildung auf der Erde, um sich mit Christus zu verbinden, Der schon in die Erdensphäre eintrat und mit Seinem Lebensgeist den Erdenäther umfasste. Auf diese Weise sollten sich die Menschen allmählich durch das Quecksilber mit den ätherischen Einflüssen Christi in der Ätheraura der Erde verbinden und sich auf sein zukünftiges Erscheinen auf der Erde vorbereiten. Das Quecksilber ist das einzige flüssige Metall. Wenn aus einer kleinen Kugel Quecksilber kleine Tröpfchen getrennt werden, streben sie wieder danach, eine Quecksilber-Kugel zu bilden. Das Quecksilber steht für Plastizität, die eine integrierende Rolle spielt. In der Marshälfte des Erdenäons haben wir uns von Gott entfernt und individualisiert, in der Merkurhälfte müssen wir wie das Quecksilber zusammenkommen, d.h. zurück zur geistigen Welt gelangen.  Das ist eine geeignete Imagination zum Wesen des Quecksilbers. Je spiritueller die Menschen in Zukunft werden, so Steiner, desto fester wird das Quecksilber, bis es sich allmählich in ein Hartmetall verwandelt. Nun ist es ein flüssiges Metall, das giftig für uns ist, denn wir haben uns von Gott abgetrennt und wirken hier unten aus dem niederen Ich heraus, das wir für unser wahres Ich halten. Es ist also an der Zeit, zum Merkurprinzip überzugehen. Und gerade Napoleon hatte die Aufgabe, die Umstände, die Atmosphäre zu schaffen, damit in der michaelischen Zeit das Merkurianische seine Wirkung entfalten und der Goethesche Geist, der die westlichen okkulten Logen in Schrecken versetzte, später Früchte tragen konnte. Diese Früchte haben wir bei Steiner gesehen, die er weiterentwickelte, aber die Atmosphäre Europas, als Kaspar Hauser inkarnierte, war auf dessen Ankunft völlig unvorbereitet.

Warum werden uns diese Offenbarungen über Inkarnationen gegeben, die zu den größten Geheimnissen gehören? Steiner durfte über die Inkarnationsketten erst nach der Weihnachtsversammlung reden, als die dunklen Mächte schweigen sollten. Vorher war es ihm nicht erlaubt, darüber zu reden. Er musste einen Impuls ausstrahlen, um über diese größten Geheimnisse reden zu dürfen. Dabei beleuchtete er hautsächlich Personen, die mit der Strömung Michaels verbunden waren, jedoch keine Individualitäten, Lazarus und Johannes ausgenommen, die mit der Zeitenwende zusammenhingen. Es scheint, als ob es ihm nicht erlaubt war, als ob das für ihn geschlossen war. Er sagte einmal: „Ich habe mir redlich Mühe gegeben, Napoleons Seele, zum Beispiel bei ihrer Weiterwanderung nach Napoleons Tod, irgendwie zu suchen – ich kann sie nicht finden, und ich glaube auch nicht, daß ich sie je finden werde, denn sie ist wohl nicht da.“[1] Nein, sie ist nicht verschwunden, Napoleon ist in diesem Moment inkarniert und er wird diese Vorlesung hören.

Warum wird es also jetzt möglich, Individualitäten aus der Zeitenwende zu beleuchten, die zu den verborgensten Individualitäten gehören? Was wurde ausgestrahlt, damit das ermöglicht werden konnte? Wurde der Heilige Impuls ausgestrahlt, der das alles möglich machte? Jeder soll diese Frage für sich selbst beantworten. Napoleon hat die Arbeit an der Vorbereitung zum Eintritt des Merkurprinzips nicht getan, sondern er begann, etwas ganz anderes hervorzubringen – den Nationalismus. Er hat nämlich dem Nationalismus im heutigen Sinne den Weg geebnet, der dann seinen Höhepunkt erlebte bei Woodrow Wilson mit seinen 14 Punkten, laut denen alle Völker das Recht auf Selbstbestimmung haben, aber nur sofern sie die amerikanische Lebensweise pflegen. Alle sollen frei sein, aber es soll nur eine einzige Lebensweise auf der Erde geben – das will Ahriman. Das ist Woodrow Wilsons Ansicht, die ihren Anfang bei Napoleon hat. Deshalb ist Napoleon im geistigen Teil seiner Aufgabe gescheitert. Er hat zwar den physischen, äußeren Teil erfüllt, aber er hat die Jesuiten und die westlichen okkulten Logen dergestalt aktiviert, dass sie laut Steiner seit 1802 in ihren Spitzenorganisationen nachweislich zusammen gegen Christus und gegen seine Interessen, gegen die Menschheit wirken. Mit seiner Tätigkeit bewirkte Napoleon, dass die Jesuiten und die Logen ihre Vereinigung forcierten. So wurde er in gewisser Weise unbewusst zur Ursache der Entstehung dieses Übels. Alle Kreationen des Bösen, die wir nach dieser Zeit sehen konnten, stammen aus dieser unnatürlichen luziferisch-ahrimanischen Ehe. Über die Macht dieser Ehe und der okkulten Möglichkeiten dieser Menschen, die seitdem unheimlich gewachsen sind, können wir aus folgender Tatsache schlussfolgern: Diese Menschen haben über Kaspar Hausers Individualität gewusst, dass sie inkarnieren sollte, sie haben gewusst, wann und wo das stattfinden sollte. Diese Menschen wussten, wessen Inkarnation bevorstand und was für eine Gefahr für sie dadurch entstand. Deshalb haben sie die notwendigen Maßnahmen getroffen, um dieses Kind zu entführen, es in okkulter Gefangenschaft zu halten und dieses äußerst widerliche Experiment mit ihm durchzuführen. Was haben sie eigentlich getan?

Nachdem Kaspar in Karlsruhe, im Sitz des Badener Herzogtums – dem Schloss von Karl und Stephanie – zur Welt gekommen war, lag er zwei Wochen lang in der Wiege neben seiner Mutter. Danach wurde er von dem konkurrierenden Geschlecht der Zähringer durch die Gräfin Hochberg entführt. Hat sie das eigenhändig ausgeführt? Wahrscheinlich, denn sie war es, die Zugang zum Thronfolger hatte und nicht etwa der Pferdeknecht. Das Kind wurde in unbekannte Richtung entführt, möglicherweise ins Schloss der Gräfin Hochberg und dort wurde es bis zum Alter von zwei bis drei Jahren gehalten. Das Kind entwickelte sich normal, jedoch lebte es in völliger Isolation. Was bedeutet es, dass sich ein Kind normal entwickelt? Im ersten Jahr muss es sich aufrichten können, im zweiten Jahr zu sprechen lernen und im dritten Jahr das Denken und das Gedächtnis entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt wurde Kaspar Hauser langsam gefährlich für diejenigen, die ihn entführt hatten, denn in diesem Alter beginnt ein Kind, sich zu erinnern und kann von seinen Erlebnissen erzählen.

Es taucht die Frage auf, warum man das Kind nicht gleich getötet hat. Ginge es nach der Gräfin Hochberg, wäre das wahrscheinlich passiert, denn so wäre ihr Sohn Leopold zum Erbprinzen geworden. 1830 hat Leopold tatsächlich die Regierungsgeschäfte in Baden übernommen. Stephanie hatte u.a. fünf Kinder – drei Mädchen und zwei Jungen. Es waren nur die Jungen berechtigt, den Thron zu besteigen. Kaspars Bruder Alexander, der anderthalb Jahre später zur Welt kam, wurde ermordet, mit einem Jahr starb er auf unerklärliche Weise. Alle konkurrierenden Kinder wurden ermordet. Und 1830 hat der Sohn der Gräfin Hochberg wirklich den Thron nach Karls Tod bestiegen. Aber seine Zeit auf dem Thron war eine Katastrophe, die Gräfin Hochberg wurde wahnsinnig, alle Beteiligten haben nichts Gutes erlebt.

Als Kaspar Hauser begann, Anfänge eines Gedächtnisses an den Tag zu bringen und das Ich von seinem Leib Besitz zu ergreifen schien, wurde er in einen unterirdischen Käfig verlegt, wo er in völliger Isolation bis zu seinem 15. Lebensjahr eingesperrt war und nur mit Brot und Wasser am Leben erhalten wurde. Die Dunkelheit und die Isolation erlaubten ihm nicht, das Gefühl für Zeit und Raum zu entwickeln. Er konnte nicht sprechen, da er keinen Kontakt zu Menschen hatte. Ein Aufseher hat ihm Brot und Wasser vorgelegt und den Käfig gereinigt, während er schlief. Ein Kind lernt durch die Erziehung sprechen und erfährt alles von seinem Umfeld, Kaspar dagegen wurde in einem Zwischenzustand des Ich künstlich erhalten, bei dem das Ich nicht völlig inkarniert ist und den Leib nicht ergreifen und ausbauen kann. Kaspar Hauser erlebte furchtbare Leiden in diesem Käfig, in dem er sich nicht aufrichten konnte. Er konnte nur in totaler Finsternis gerade so sitzen und liegen. Kurze Zeit vor seiner Befreiung hat ihm ein Aufseher etwa 40 Worte beigebracht und gezeigt, wie er seinen Namen schreiben kann. Kaspar lernte einigermaßen aufrecht stehen und wurde am Pfingsttag im Jahr 1826 in Nürnberg freigelassen.

Als Kaspar Hauser im Stall des Rittmeisters erwachte, war er von dessen Uniform sehr beeindruckt. Im Polizeirevier, wohin er gebracht wurde,  schrieb er zum ersten Mal den Namen Kaspar Hauser. Warum wurde dieser Name gewählt? Diejenigen, die diesen teuflischen Plan ausgeheckt hatten, hatten an alles gedacht. Aber sie hatten nicht berücksichtigt, wie die Vorsehung sich einmischen würde. Die Mutter des Kindes wollte ihm den Namen Gaspard geben; Die Logen nannten ihn Kaspar. In den regierenden Geschlechtern gab es nie einen Herrscher mit dem Namen Kaspar. Bezweckt wurde, dass er unter den Dienern und Pferdeknechten mit seinen Fähigkeiten untergehen und sein Leben unbemerkt leben sollte. Warum wurde er nicht gleich ermordet, sondern man ist dieses Risiko eingegangen?  Die Gräfin war nur die äußere Ausführerin des Plans, in den sie nicht eingeweiht war. Die Logen wussten sehr wohl, dass ein Kind, das in seinen ersten Wochen stirbt, bald danach wieder inkarnieren wird. Dann wäre ein neuer Plan fällig gewesen. Deshalb wurde dieses Herangehen gewählt – das Kind sollte ohne das Bewusstsein von seinem Wesen und seiner Mission aufwachsen.

Der Name Kaspar führt uns zu einem der drei Könige aus der Bibel. Wir wissen, dass von den drei Königen, die aus Persien kamen, einer der Vertreter der weißen Rasse, der andere – der Vertreter der gelben Rasse und der dritte – der schwarzen Rasse war. Der Erstere verkörpert das Denken, der Zweite das Gefühl und der Letztere – den Willen. Der schwarze König Kaspar repräsentiert den Willen, der mit der Zukunft zusammenhängt. Indem Kaspar Hauser diesen Namen bekam, wurde darin verschlüsselt, dass seine Mission mit der Zukunft zusammenhängt. Das Haus Baden wurde jener Zweig genannt, der den Kaiser zustande bringen sollte. Das Wort Haus führt uns zum Berg Tabor – dem Berg der Verklärung -, als Petrus Christus fragte, ob sie sich nicht ein Haus bauen sollten. Der Name Kaspar führt also zum Erdenplan und der Nachname Hauser – zum Göttlichen Plan und zum Reich Gottes. Es sollte die Wiederbelebung der Beziehung der Menschheit zum geistigen Plan durch Kaspar Hauser abgewendet werden. Beide Richtungen sollten abgebrochen werden. Die Wiederherstellung der rechtmäßigen Beziehung der Menschen zur geistigen Welt durch Kaspar Hauser sollte unterbunden werden.
Wir wollen sehen, wie sich die Ereignisse um Kaspar Hauser weiter entwickelt haben, denn wir müssen in die Geschichte seines bemerkenswerten Lebens eindringen und schließlich zu der Erklärung des Ganzen kommen, das so viele Menschen beschäftigt hat. Nachdem im Polizeirevier nichts geklärt werden konnte, wurde Kaspar ins Gefängnis gebracht. Dort finden wir im Gefangenwärter Hiltel den ersten der sieben Boten der Vorsehung, die Kaspar zu Hilfe geschickt wurden und die in einem gewissen Sinne die Pläne der schwarzen Logen durchkreuzt haben. Der Aufseher war ein Mensch mit reicher Lebenserfahrung, dem der Kontakt zu den Verbrechern den gesunden Verstand gab, um beurteilen zu können, wer vor ihm stand. Er besaß auch das feinere Gespür,  das viele Menschen vor 200 Jahren noch hatten. Damals funktionierten die menschlichen Sinne nämlich besser als heute. Deshalb meinte Steiner, dass Goethe in der heutigen Zeit sofort gestorben wäre – der feine Dichtergeist, der die Logen in Schrecken versetzte, hätte es in der heutigen Zeit nicht ausgehalten.

Der Gefangenwärter Hiltel hatte die Aufgabe, Kaspar Hauser auszufragen. Er war dermaßen von diesem Kind beeindruckt, dass er sofort begriff, wie viel Gütigkeit und Mitleid dieses Kind ausstrahlte. Kaspar strahlte all das aus, was wir als die Frucht des Geistes aus dem Korintherbrief des Apostels Paulus kennen – Liebe, Freude, Friede, Geduld usw. Dieses Wesen verkörperte all die Geschenke des Geistes. Hiltel nahm es zu sich nach Hause mit und war sehr beeindruckt von ihm. Bis zu seinem Tod hat er Kaspar Hausers Ruf verteidigt, denn nachdem Kaspar ermordet wurde, übergossen ihn die Logen mit allen erdenklichen Schmähungen. Er hätte Kaspar auch zu Hause behalten, wenn er selbst nicht acht Kinder zu ernähren gehabt hätte.

Später wurde Kaspar Hauser in einen Turm gesteckt, wo er in einer kleinen Kammer leben sollte. Hier können wir eine Parallele zur blinden Hellseherin Prepodovna Stojna ziehen, die in einer Kammer der Hl.-Georgs-Kirche im Dorf Zlatolist auch als körperlich minderwertig untergebracht wurde. Sie starb genau 100 Jahre nach der Ermordung des „Kindes Europas“, wie Kaspar Hauser genannt wurde. Viele Menschen wollten den schnell bekannt gewordenen Jüngling sehen, dessen Wahrnehmungsfähigkeiten viel größer waren als die Sinne der normalen Menschen. Er konnte im Dunkeln sehen und aus 100 Metern Entfernung die Holunderbeeren einzeln zählen, wenn jemand mit negativer Energie hinter ihm auftauchte, spürte er das. Das heißt also, dass alle Sinne, die mit dem Christus-Phantom zu tun haben, bei ihm entwickelt waren. Das setzt eine Beziehung zum Christus-Phantom voraus. Solche scharfen Sinne findet man bei stigmatisierten Menschen vor, etwa bei Judith von Halle. Andererseits soll Steiner gesagt haben, dass Kaspar Hauser seit der atlantischen Zeit nie inkarniert gewesen war. Wann sollte er dann die Möglichkeit gehabt haben, eine Beziehung zu Christus aufzubauen? Die Beziehung zum Christus-Impuls wird nämlich nur auf dem Erdenplan erreicht. Also muss Kaspar Hauser irgendwann eine Begegnung mit Christus erlebt haben.

Inzwischen wurde Kaspar Hauser vom zweiten von der Vorsehung geschickten Mann – den Arzt Dr. Paul Sigmund Karl Preu untersucht, der feststellte, dass Kaspar nicht irre oder schwachsinnig war, sondern keine Erziehung genossen und keinen Kontakt zu Menschen gehabt hatte. Er hat also deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Kaspar viele Jahre in Isolation und ohne Tageslicht verbracht hatte. Das wurde auch von einem weiteren Arzt bestätigt, der ebenfalls feststellte, dass Kaspar Hauser kein Schwindler ist. Später mischte sich eine andere Persönlichkeit von den Sieben ein, die durch die Vorsehung geschickt wurden – der Bürgermeister Nürnbergs Jakob Friedrich Binder. Er war so tief von Kaspar Hauser beeindruckt, dass er in der öffentlichen Bekanntmachung über Kaspar schrieb: „Die Gemeinde liebt ihn und betrachtet ihn als einen von der Vorsehung zugeführten Pfand der Liebe“.

Danach erschien der 28jährige Professor Georg Friedrich Daumer, der Kaspars Erzieher wurde und ihn in sein Haus aufnahm. Daumer war nur 12 Jahre älter als Kaspar. Je mehr er Kaspar das Lesen und Schreiben, das intellektuellen Wissen beibrachte, desto schneller verschwanden Kaspars übersinnlichen Fähigkeiten. Angebotenes Fleisch erschütterte Kaspar, auch Alkohol und Tabak konnte er nicht vertragen. Zwei Sachen haben Kaspar während Daumers Unterricht beeindruckt – als ihm das Alphabet gezeigt wurde und als er erfuhr, dass die Bäume nicht von den Menschen geschaffen sind, sondern sich aus einem Samen entwickeln. Das waren zwei Schlüsselerlebnisse und Kaspar begann mit großer Neugierde, alles aufzuholen.

Daumer war der vierte von den sieben Boten der Vorsehung, über den Steiner sagte, dass er der letzte Rosenkreuzer war. Andererseits zeigt das, was ich am Anfang Ihnen zitiert habe, dass die Individualität, die hinter Kaspar Hauser steht, von Anfang an das Rosenkreuzertum inspiriert hat. D.h. wir haben bei Kaspar und Daumer eine besondere Begegnung des ersten und des letzten Rosenkreuzers.

Lassen wir uns an den Anfang des Rosenkreuzertums erinnern, als sieben Träger der Weisheit der sieben atlantischen Rassen, vier Weisheitsträger der vier nachatlantischen Kulturepochen und einer, der eine Beziehung zur zukünftigen fünften Kulturepoche hatte, ihre Weisheit in ein Kind ergossen, das der spätere Johannes Evangelist war und in durch die Weisen in besonderer Art auf seine Mission vorbereitet worden war.  Danach begann diese ganze von Christus transformierte Weisheit, sich aus diesem Kind zu ergießen. In imaginativer Art wurde sie in die Menschheit übertragen – ihr Ergebnis sind etwa die geheimen Bilder und Symbole der Rosenkreuzer. Das ist der Anfang des Rosenkreuzertums und die Individualität Kaspar Hausers hat damals inspirierend gewirkt. War er damals auf der Erde inkarniert? Laut Steiner war er in der geistigen Welt.

Wie hat er auf Christian Rosenkreutz‘ Ätherleib gewirkt, der nach dem Tod des Kindes als ein reines Produkt übrig geblieben ist, aus dem sich nichts in den Weltäther zerstreut hat, und der danach auf alle inspirierend wirkt, die eine Beziehung zum Rosenkreuzertum und nun zur Anthroposophie und zu der Synthese beider Impulse – Michaels und des Bodhisattva – haben? Damit dieser Impuls aus der geistigen Welt inspirierend wirken konnte, muss vorher eine Beziehung zum Christus-Impuls bestanden haben, d.h. die Individualität muss ein Verhältnis zum Phantom oder genauer gesagt zum Auferstehungsleib Christi gehabt haben. Den Unterschied zwischen dem Phantom und dem Auferstehungsleib macht Prokofieff, lesen Sie seinen Artikel in der letzten Ausgabe der „Antroposofski vesti“[2]. Steiners Aussage, dass Kaspar Hauser von Anfang an inspirierend auf das Rosenkreuzertum gewirkt hat, löst das Rätsel also nicht. Wir wissen, dass im 14. Jahrhundert das Kind, dass mithilfe der zwölf Träger der Weisheit eine Begegnung mit dem auferstandenen Christus erlebte und ihre Weisheit in ihm neugeboren wurde, später wieder inkarnierte und wieder eine solche Begegnung erlebte. 1459 wurde es von Mani in die Mysterien des Bösen eingeweiht. Also erlebte Christian Rosenkreutz zwei Einweihungsarten in dieser Inkarnation und dadurch konnte er selbst einweihen. Das Rätsel um Kaspar Hausers Individualität bleibt bestehen und wird immer verwickelter, wenn wir gewahr werden, dass der letzte Rosenkreuzer Daumer dem ersten Rosenkreuzer Kaspar Hauser begegnet ist.

Kaspar Hauser lebte bei Daumer und seine Entwicklung war dermaßen erfolgreich, dass 1829 die Absicht Daumers, die Biographie Kaspars aufzuschreiben, in die Öffentlichkeit gelang. Das verursachte sofort das Aufleuchten der roten Lampe bei den dunklen Mächten und sie organisieren einen Anschlag auf Kaspar Hauser. Am 17.10.1829 kam eine mit einem Messer bewaffnete maskierte Person in Daumers Haus und nur die unbewusste Schutzreaktion Kaspars verhinderte es, dass ihm der Hals durchschnitten wurde. Er trug eine Narbe auf der Stirn davon. Das, was Kaspar als Ergebnis des Überfalls spürte, waren nicht Boshaftigkeit, Hass, Rachegefühl oder dergleichen, sondern eine Riesenangst um das eigene Leben, das gerade begonnen hatte. Deshalb traute er sich bis zum Ende seines Lebens, vieles nicht mehr zu tun, um nicht zu sterben. Er hatte gleichzeitig große Angst um sein Leben und einen großen Durst nach Leben.

Ein halbes Jahr nach dem Anschlag kam Kaspar in das Haus des Freiherrn von Tucher von Simmelsdorf, der auch einer von den sieben Helfern war. Von Anfang an wurde er „Kurator des Findlings“. Freiherr von Tucher war ein gerechter und edler Mann und verteidigte Kaspar auch nach dessen Tod gegen alle bösen Verleumdungen. In seinem Haus blieb Kaspar zwei Jahre, bis ihn der Gesandte der dunklen Mächte Lord Philip Henry Stanhope fand. Dieser erschien wie die Schlange der Versuchung, um durch Versprechen und Lobhudeleien bei Kaspar Eitelkeit und Stolz aufkeimen zu lassen und ihn moralisch in Verruf zu bringen. Auf diese Weise sollte Kaspars Mission schon im Keim erstickt werden. Diese Mächte wussten, was sie machten. Zeitweise hatten sie von Tucher an ihrer Angel, aber später erkannte er den schlechten Einfluss des Lords auf Kaspars Seele und widersetzte sich entschieden den Machenschaften des Engländers. Da der Einfluss Stanhopes zu stark wurde, hat von Tucher auf die Vormundschaft verzichtet. Im November 1831 wurde der Lord Kaspars Vormund. Vom väterlich sorgenvollen Freund wurde er schnell zum distanzierten Beobachter und danach zum bösen Gegner. So verließ Kaspar das Umfeld in Nürnberg, wo er als ein „Pfand der Liebe“ angesehen wurde, und zog nach Ansbach. Dort wurde er zum Lehrer Mayer geschickt, der auch bewusst oder unbewusst den dunklen Mächten diente. Die Methode, nach der Kaspar unterrichtet wurde, hat Lehrer Mayer von Grund auf geändert. Sein Unterricht war trocken, bestand aus zu paukenden Formeln, beinhaltete alles, was die Veranlagung eines Kindes tötet und die Beziehung zum Geist unterbindet. Praktisch war er alles, was auch heutzutage meistens an den Schulen praktiziert wird. Mayer begleitete in den letzten zwei Jahren Kaspar Hauser und er hat mit seinem trockenen Unterricht praktisch jegliche Entwicklung in ihm zum Stillstand gebracht. Trotzdem beschlossen die Logen, Kaspar Hauser zu liquidieren, denn er wäre am 29.09.1833 21 Jahre alt geworden. Dann hätte niemand verhindern können, dass sein Ich von Seele und Leib Besitz ergreift. Kaspar Hauser fuhr nach Nürnberg und traf sich mit Binder und Daumer, denn er hoffte naiv zu ihnen zurückzukehren. In Ansbach gab es zum Glück noch zwei Helfer aus der Gruppe der Sieben, die Kaspars Aufenthalt dort erträglicher machen konnten. Der eine war Anselm Ritter von Feuerbach, der Kaspar schon in Nürnberg besucht hatte. Er besaß ein feuriges Temperament, war Jurist und Kriminalpsychologe und hatte durch seine kriminalistischen Methoden festgestellt, dass Kaspar kein Betrüger war. Da er aber die okkulten Gesetzmäßigkeiten der Inkarnationen nicht kannte, konnte er – obwohl er die dynastischen Motive der okkulten Gefangenschaft Kaspar Hausers durchaus begriff – nicht verstehen, warum Kaspar nicht gleich ermordet worden war. 1833 starb Feuerbach unter mysteriösen Umständen in Ansbach.

Der Letzte der sieben Helfer der Vorsehung war der Pfarrer Fuhrmann, der am 20.05.1833 – dem Himmelfahrtstag – Kaspar Hauser konfirmierte. Bei seiner Konfirmation kniete Kaspar vor dem Altar und flüsterte heiße Gebete, die alle in der Kirche Anwesenden wiederholten. Seine Tränen flossen ununerbrochen, als er der Geschichte Jesu Christi lauschte. Feuerbach stellte fest, dass Kaspar aus seiner Gefangenschaft befreit wurde, ohne eine Idee von Gott und der geistigen Welt erhalten zu haben. Solche Ideen kommen nämlich aus dem Umfeld des Menschen. Je nach der Evolutionsstufe und den Voraussetzungen der früheren Leben kann der Samen dieser Idee aufkeimen. Wie man sieht, hat Fuhrmann Kaspar zum Christentum gerichtet und das hat offenbar zu einem tiefen Erlebnis und einer tiefgreifenden Veränderung in ihm geführt. Besonders bewegt war Kaspar, wenn es um die Leiden Jesu Christi geht.
Kurze Zeit später wurde der Plan von der Ermordung Kaspar Hausers in die Tat umgesetzt. Jemand hat ihn am 14.12.1833 in den Hofgarten von Ansbach gelockt, wo er an vier Stellen erstochen wurde – in der Lunge, im Magen, im Zwerchfell und im Herzen. Das waren vier lebensgefährliche Wunden. Sehen Sie, was für starke Ätherkräfte dieser Körper besessen hat, so dass Kaspar den Weg zwischen dem Park und Mayers Haus zurücklegen konnte. Mayer bezichtigte ihn der Lüge, er glaubte, dass Kaspar sich die Wunden selbst zugefügt hat, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er zwang Kaspar, zurück in den Park zu gehen, um zu zeigen, wo sich der Überfall zugetragen hat. Auf dem Rückweg musste der Verletzte schon gestützt werden, da er nicht mehr laufen konnte. Drei Tage lag Kaspar Hauser im Sterben, Fuhrmann an seiner Seite. Laut Fuhrmann flüsterte Kaspar vergebende Worte, die an Mayer und an den Mörder gerichtet waren. Daumer, der Kaspar den ‚paradiesischen Urmenschen’ nannte, teilte Kaspar Hausers Worte mit, ihm sei kein Böses zugefügt worden. Dabei wurde diesem Menschen so viel Böses angetan! Kaspar Hauser starb wie ein Engel, der für alle betete und allen vergab. Wie Steiner sagte, gab es bei seinem Tod eine besondere Erscheinung am Himmel –  auf der einen Seite die Sonne unterging und auf der anderen Seite der Mond aufging[3] Bei der Beerdigung hielt Pfarrer Fuhrmann eine bemerkenswerte Rede.

So starb Kaspar Hauser, an dessen Grab folgende Worte stehen: „“Hier ruht KASPAR HAUSER – ein Rätsel seiner Zeit, unbekannt die Herkunft, mysteriös der Tod“. Man weiß eigentlich, aus welchem Geschlecht er stammt und warum er ermordet wurde, aber bisher war es nicht bekannt, welche Individualität hinter ihm steht. Die okkulten Logen wussten, wann und wo jemand zur Inkarnation herabstieg, der ihnen gefährlich werden konnte und sie haben Maßnahmen getroffen, um seine Mission zu verhindern. Diese Maßnahmen waren nicht sonderlich erfolgreich, aber es ist ihnen gelungen, Kaspar Hauser zu beseitigen. Heute wissen diese Logen auch, wer zur Inkarnation kommt und der einzige Schutz vor ihnen kann nur die geistige Welt liefern. Wenn der Mensch sich auf seinem Weg befindet, stehen hinter ihm starke geistige Mächte. Wenn man sich nicht auf dem richtigen Pfad befindet, geht man in die Büsche. Doch jeder hat das Recht auf seine eigene Spiritualität und seinen eigenen Weg.

Kaspar Hausers Mission wurde auf dem äußeren Plan unterbunden. Aber er wurde stark, indem er sich opferte. Hier haben sich die Dunklen geirrt. Indem er allen vergab, verwandelte Kaspar seinen Tod in eine bewusste Opferdarbringung in der Art des Christus-Opfers – ohne eine Sünde begangen zu haben. Genau das konnten jene Logen nicht voraussehen und seitdem wirkt Kaspar Hauser inspirierend auf jeden, der ihn liebt. Sehr mächtig ist diese Wirkung, denn Kaspar Hauser wurde für immer zu einem christlichen Vorbild. Dagegen haben die Logen keine Macht und das schränkt ihre Macht außerordentlich ein. Die Benennung der Inkarnationen von Persönlichkeiten dieses Kalibers ist ein schwerer Schlag gegen die Widersachermächte, denn dadurch werden mehr Menschen aktiviert, die sich auf eine solche Persönlichkeit mit der notwendigen Liebe konzentrieren und sie begreifen können. Man kann nämlich einen Menschen wahrhaftig verstehen, nur wenn man ihn liebt. Die Menschen sehen normalerweise nur die äußere Verpackung und dringen nicht zum Grund ein. Stellen Sie sich vor, was Kaspar Hauser ausgestrahlt haben muss, um eine solche Wirkung auf diejenigen ausgeübt zu haben, die ihn persönlich kannten. Deshalb begriff der letzte Rosenkreuzer Daumer sofort, dass die Möglichkeit, Kaspar zu kennen, die Mission, das Geschenk seines Lebens war. Alle, die einen persönlichen Kontakt zu Kaspar hatten, fühlten, dass dieser Kontakt ihrem Leben einen neuen Sinn gibt und es auf eine ganz andere Stufe erhebt.

Einmal hat Steiner auf die Frage Friedrich Rittelmayers – des Mitbegründers der Christengemeinschaft – nach den Ursachen für den ersten Weltkrieg, geantwortet: Es musste nicht so geschehen, aber es geschah das, was notwendig war. Das ist eine universelle Antwort, die wie ein Widerspruch klingt. Sie ist schwer zu entschlüsseln, darüber haben wir neulich diskutiert. Wenn das Ich geistig aktiviert wird, dann erscheint alles, was es durch das Böse erlebt, wie eine Notwendigkeit – nie kommt das Gute, ohne durch das Böse  gegangen zu sein. Kaspar Hauser hat sich vor seiner Inkarnation gewünscht, all dieses Böse zu erleben. Es ist kein Zufall, dass das älteste Ich – Johannes der Täufer – in seiner Inkarnation als Novalis in seinen „Fragmenten“ geschrieben hat: „Alles, was geschieht, will ich“. Wenn jemand sich also für andere opfert, dann hat er das so gewollt und wenn er Undankbarkeit für dieses Opfer erlebt, hat er nicht das Recht, den Undankbaren zu verurteilen, denn er hat ja selbst gewollt, dass alles in dieser Weise passiert. Deshalb heißt es in der Bibel „Richtet nicht“ (Matth. 7:1).

Kaspar Hauser ist wie Christus gestorben. Gottes Wille verlangte im Garten Gethsemane, dass Christus Sich diesem Willen unterordnet und über Golgatha geht. Christus hat es getan und wurde wirklich frei. Das Gute kommt nie, ohne über das Böse gegangen zu sein – ich meine das Gute im manichäischen Sinne. Nicht zufällig kann sich die Frage nach dem Guten und Bösen, die Mani bewegte, vollkommen erst in der sechsten Wurzelrasse in 6000 Jahren entfalten. Der Kern des Christentums ist nämlich gerade das, was ich eben mit Kasper Hausers Persönlichkeit veranschaulicht habe und sein Urbild befindet sich auf dem Golgatha-Hügel.

Was waren die wirklichen Aufgaben Kaspar Hausers? Hätte er nicht so gelebt und wäre er nicht so gestorben, wäre der Kontakt der Menschen zur geistigen Welt vollständig abgebrochen – das ist der Schlüsselsatz von Steiner, der auch die wahre Aufgabe Kaspar Hausers enthüllt. Das ist eine Aufgabe von enormer Wichtigkeit.

In Süddeutschland, zu dem Bulgarien nicht zufällig bereits unter Todor Zhivkov sehr gute Beziehungen pflegte, sollte Kaspar Hauser alle zum Gral strebenden Menschen vereinen und einen Gralskreis begründen. Die ganze Atmosphäre, die der Romantismus, der Geist Goethes geschaffen hatten, sollte dort kultiviert werden und Europa auf Michaels Zeitalter vorbereiten. Bayern, Süddeutschland sollten zum Stützpunkt der neuen Gralsmysterien werden, von dort aus sollten Impulse für die menschliche Entwicklung ausgestrahlt werden. Auf keinen Fall hätten die dunklen okkulten Logen zugelassen, dass Mitteleuropa ein solches geistiges Leben kultiviert und die erwartete geistige Frucht hervorbringt! Deshalb wurde Deutschland in eine ganz andere Richtung getrieben – unter Bismarck bestieg es den Weg des Militarismus, Nationalismus und der sinnlosen Erhöhung seiner Wirtschaftsmacht. Es entstanden das Zweite und danach das Dritte Reich, die die Deutschen zur Katastrophe führten.

Wenn man als Ausgangspunkt Kaspar Hausers Geburtsjahr und sein Todesjahr nimmt, erhält man erstaunliche Parallelen zu der weiteren Entwicklung. Nach einem okkulten Gesetz, auf das Steiner hingewiesen hat, erwacht bekanntlich alles, was im Dasein passiert,  33 Jahre später wieder auf eine neue Art. 100 Jahre später manifestiert sich der Impuls, der in einem Ereignis enthalten ist, in seiner vollen Kraft. Das, was wir also jetzt tun, wird in 100 Jahren in seiner vollen Macht erwachen.1923 strahle Steiner den Weihnachtsimpuls aus, das Jahr 2023 ist nicht weit, dann werden wir die wahre Macht des Weihnachtsimpulses sehen. Eine Generation beträgt nach den okkulten Gesetzen 33 Jahre, drei Generationen später kommt die wahre Macht eines Impulses zur Geltung. 1812 ist Kaspars Geburtsjahr, 33 Jahre später ergibt 1845, was mit dem Anfang des Kampfs Michaels gegen die ahrimanischen Wesenheiten zusammenfällt. Noch 33 Jahre später – 1878 – war der Anfang des michaelischen Zeitalters. 1911 oder 3×33 Jahre nach der Geburt Kaspar Hausers trug Steiner den Zyklus „Vom Jesus zum Christus“[4] in Karlsruhe vor – genau in der ersten Oktoberhälfte (in dieser Zeit vor 3×33 Jahren war das Kind noch nicht von seiner Mutter getrennt). Damals hat Steiner zum ersten Mal die Methode der Jesuiten enthüllt, auf den Willen zu wirken, die dazu führt, dass der Wille zu einer okkulten Waffe mit immenser Macht wird. Diese Waffe kann, so Steiner, sogar den Impulsen widerstehen, die vom Geist selbst kommen[5]. Die Einweihung der Jesuiten trägt also einen solchen Charakter, dass sie eine Sünde direkt gegen den Geist und dadurch auch gegen Christus darstellt. Sie wissen, dass die Sünde gegen den Heiligen Geist nicht vergeben wird, doch was heißt das? Eine Sünde gegen den Geist ist es, wenn man die Wahrheit kennt und bewusst gegen sie arbeitet. Wenn man dumm ist und sich gegen die Anthroposophie auslässt, ist man zwar ein Dummkopf, aber das ist keine Sünde gegen den Geist, das ist eine Sünde gegen Christus und Michael. Aber wenn man das Wesen der Anthroposophie kennt und gegen diese handelt, dann ist das eine Sünde gegen den Geist und diese Sünde schneidet den Weg des Menschen zum neuen Christentum des Heiligen Geistes ab, das jetzt beginnt. Deshalb besteht laut Steiner die größte Sünde der Jesuiten darin, dass sie das religiöse Leben des Menschen vernichten. Das bedeutet, dass sie die Möglichkeit des Menschen auslöschen, seine persönliche Verbindung zur geistigen Welt zu erlangen und von den Geschenken des Geistes zu schöpfen, eines von denen gleich mitgeteilt wird. Heutzutage triumphiert das Böse unter dem Jesuitenpapst, der abstrakt von Liebe schwafelt. In seinen Worten scheint jedoch keine Liebe, sondern jene Einweihung durch, die gegen die Menschheit arbeitet. Aufrufe zu Liebe und guten Taten hören wir von Popsängerinnen genauso wie vom Papst. Wer dem Papst zuhört, sollte aufmerksam sein und Acht auf seine Worte geben, etwa auf seine Äußerung, dass der Urknall der biblischen Schöpfung nicht widerspreche.  Das sagt Ahriman durch den Papst. Das ist keine Offenbarung des Papstes, die seit dem Unfehlbarkeitsbeschluss von 1870 nunmehr automatisch zu einem Dogma der katholischen Kirche wird. Das bringt den Sieg des jesuitischen Geistes im Katholizismus und die volle Widersetzung jeglicher Zukunft der Menschheit zum Ausdruck! Der Katholizismus möchte, dass die Menschen in der vierten Kulturepoche verbleiben und keinen Zugang zu ihrer Bewusstseinsseele erhalten. Jene westlichen okkulten Logen wissen, dass sie die Menschen auf ihrem Weg zur Bewusstseinsseele nicht aufhalten können, aber sie möchten die Bewusstseinsseele ahrimanisieren. Ohne eine in richtiger Weise ausgebaute Bewusstseinsseele gibt es keinen individuellen Weg zum Geist, kein Christentum des Heiligen Geistes und kein Heranreifen des Menschen zu einer wahren Individualität. In der sechsten Kulturepoche werden sich die Menschen in Gruppen vereinen und der Heilige Geist wird als Manas in solchen Gruppen  herabsteigen. Der Heilige Geist arbeitet jetzt durch Individuen, später wird er in Gruppen von Individuen herabsteigen können.

Nehmen wir den 33jährigen Zyklus, werden wir sehen, dass nach diesem Zyklus, als Steiner das Geheimnis des Phantoms und der jesuitischen Einweihung lüftete, der wahre Kampf der Widersachermächte gegen die Anthroposophie begann. Nehmen wir als Ausgangspunkt Kaspar Hausers Tod, sehen wir, was 1866 und 1899 passierte. Hitlers Machtergreifung ereignete sich 100 Jahre nach Kaspar Hausers Tod -1933. Wir sehen, dass mit seiner Ermordung der Weg zum Bösen geöffnet wurde, Deutschland ging seinem Niedergang zu und 1933 erstarb der Goethesche Geist endgültig. Alles wurde damals vernichtet. Wo ist nun Deutschland, wird es sich irgendwann an den Geist Goethes erinnern? Steiner bemühte sich, diesen Geist aufzuleben und weiterzuentwickeln. Dies gelang ihm, aber er wurde auch getroffen. Nun sehen wir das Ergebnis, das im bekannten Reim über die deutsche Kanzlerin zum Ausdruck kommt: „Бабо Меркел, где така? – На джамия, Мустафа!“ (angepasster Reim der bekannten bulgarischen Fabel „Grille und Ameise“ -„Oma Merkel, wohin des Weges? Ich gehe in die Moschee, Mustafa“).

Wenn Kaspar Hauser nicht auf diese Weise gelebt hätte und gestorben wäre, wäre die Verbindung zur geistigen Welt komplett abgebrochen. Durch seine Opferbringung bewirkte er, dass diese Verbindung für die Menschen möglich bleibt, wenn sie Liebe zu ihm empfinden und einen Geist voller Fragen an ihn besitzen. So wirkt er.

Steiner sprach auch über ein anderes okkultes Gesetz von der Widerspiegelung der Ereignisse, indem er den Anfang des Michaelzeitalters 1879 den Jahren 1841 (der Anfang des Kampfes Michaels gegen die ahrimanischen Scharen) und 1917 (die Oktoberrevolution in Russland) gegenüberstellte. Nehmen wir auch als Ausgangspunkt das Jahr 1879, so können wir feststellen, dass Kaspar Hauser 46 Jahre früher ermordet wurde (1833) und Rudolf Steiner – 46 Jahre später ebenfalls durch fremde Einmischung starb.

Es war vorgesehen, durch Kaspar Hauser die neuen Gralsmysterien zu erneuern, aber das gelang nicht. Und nun kommen wir zu der Frage, wer diese Individualität war, der eine so verantwortungsvolle Aufgabe übertragen worden war, von der in gewisser Weise die Rettung der Menschheit abhängt? Hier müssen wir uns auf die Zeitenwende richten, mit der und mit der Verbindung zum Phantom hängen alle Antworten zusammen. Wann hätte diese Individualität eine Verbindung zu Christus herstellen können?

Die neun Punkte der Gräfin Keyserlink, auf deren Inspiration von Steiner im Augenblick seiner Einäscherung wir in der Vorlesung „Der Heilige Impuls und die innere Sonne“ [6] eingingen und sie als eine Fälschung charakterisierten, sagte, dass Steiner nach Kaspar Hausers Seele gesucht und keine Inkarnation dieser Individualität gefunden habe. Karl Heyer, sagte auch, dass es jemanden gebe, der die gleiche Antwort von Steiner auf die Frage nach Kaspar Hauser erhalten habe. Laut einer anderen Aussage Steiners soll Kaspar ein versprengter Atlantier gewesen sein, da er über ein riesiges Gedächtnis verfügte. Dieses Gedächtnis begann mit seiner Intellektualisierung nachzulassen. Die Logen wollten mit diesem Experiment bewirken, dass nur das Atlantische in Kaspar wirkt und er kein Verhältnis zum Christus entwickelt, aber wir sehen, wie Kaspar durch den Pfarrer Fuhrmann die Begegnung mit Christus erlebte. Solche Angaben Steiners führen die Anthroposophen praktisch in die Irre. Peter Tradowsky, über den wir im Zusammenhang mit Judith von Halle in der Vorlesung „Die Geheimnisse von Golgatha sprachen[7], teilt in seinem Buch über Kaspar Hauser Daumers Beobachtung, dass Kaspars linke Stirnseite und sein linker Arm vibrierten, als er sich aufregte. Also müssen wir uns fragen, ob diese Individualität eine Beziehung zum Christus-Phantom hat.

Was ist das Christus-Phantom bzw. der Auferstehungskörper? Wir wollen uns daran erinnern, was das Phantom ist.  Das ist die unsichtbare Form des Menschen, die uns schon auf dem alten Saturn als reinen Weltenwillen von den Thronen geschenkt wurde.  Den Willen können wir uns vorstellen nur über die unbewussten Instinkte, z.B. wenn man sich die Finger verbrennt, zieht man seine Hand zurück, das kommt von den Geistern des Willens und wurde unserem physischen Leib zugrunde gelegt. Das ist zwar nicht das Phantom, aber das Phantom ist von derselben Substanz. Die Götter hatten vorgesehen, dass das Phantom in Lemurien die Impulse des Ich, der Ich-Substanz aufnimmt, die von den Elohim ausgestrahlt wurde. Diese Substanz sollte jeder von uns als sein Ich individualisieren. Diese Ich-Einwirkungen auf das Phantom sollten beim Menschen zwei Formen des Bewusstseins hervorbringen – Wach- und Schlafzustand. Stellen sie sich einen Kolben mit durchsichtiger Flüssigkeit vor. Fügen wir etwas Rotes hinzu, sehen wir das Rote sofort. So war es, als wir von den luziferischen Wesen verführt wurden. Das Phantom ist eigentlich unsere geistig-physische Form, nicht die mineralische, die man anfassen kann, sondern die geistig-physische, denn unser physischer Leib, der uns auf dem alten Saturn geschenkt wurde, war nicht mineralisch. Mineralisch wurde es erst im Erdenäon. Mineralisch ist das, was uns Weh tut, wenn es auf unseren Kopf fällt. Jenes ist das Physische. Es gibt einen Unterschied zwischen physisch und mineralisch. Damals haben wir den physischen Leib und die Form erhalten. Das war unsere geistig-physische Form. Die luziferische Versuchung rief in uns das Streben nach dem Irdischen, Mineralischen hervor und führte dazu, dass das reine, durchsichtige Phantom von Mineralischem erfüllt wurde. Das Phantom ist reiner Geist und Weltenwille, etwas völlig  Unsichtbares. Damals begann unser Phantom infolge dieser Attacke unterzugehen und statt zwei Arten von Bewusstsein haben wir zwei Arten von Dasein bekommen. Das eine war das geistige nachtodliche Dasein und das andere – das sinnliche Dasein, das wir auf der Erde haben. Je mehr der Sündefall und dass Streben nach dem Irdischen vorwärtsschritten, desto stärker verband sich das Ich damit und desto schlimmere Folgen hatte das für das Ich, das sich in ein niederes Ich verwandelte. Das hatte schicksalhafte Konsequenzen für das Phantom, das zur Zeit Golgathas kaum die Mineralien in seinen Grenzen aufrechterhalten konnte. Etwas noch Schlimmeres passierte – das Ankleben an das Irdische führte zu einer immer schwächeren Beziehung zum Geistigen, so dass das Ich nach dem Tod nicht aufwachen  konnte, der Eingeweihten ausgenommen. Auf diese Weise konnte das Ich nicht in richtiger Weise an dem geistigen Leben teilnehmen und sich auf das nächste Leben vorbereiten. Das Ich als Substanz war schon im Begriff als Entwicklungsfaktor zu verschwinden. Alles wurde durch die Illusion ersetzt, die ‚niederes Ich’ heißt.

Das war die Situation in der vierten Kulturepoche. Was machte Christus, als Er kam? Bei Ihm hat alles im Jordanfluss angefangen. Lassen wir uns daran erinnern, was im „Fünften Evangelium“ steht[8]: Wenn eine Empfängnis zustande kommt, erscheint ein Embryo, an dem die Seele und das Ich zu arbeiten beginnen. Wenn der Körper geformt ist, werden wir geboren. Danach leben wir auf der Erde, sterben und gehen wieder in die geistige Welt zurück. Das ist der menschliche Kreislauf. Wir haben also eine embryonale Entwicklung im Mutterleib und danach ein Erdenleben.

Bei Christus geschah alles auf dem umgekehrten Weg. Er kam von außen und der Augenblick Seines Eintritts in den Leib Jesu bei der Jordantaufe entspricht dem Augenblick unserer Empfängnis. Das ist der Anfang Seines Eintritts in die Leiber, d.h. das Ich Christi begann an diesen Leibern zu arbeiten. Während wir ein Embryo sind, tritt unser Ich nach dem 20. Tag in dieses ein und beginnt sich einen Leib auszubilden. Das sind die Parallelen. Doch Christus stieg in einen Leib herunter, der aus drei vorher ausgebildeten Leibern bestand, die Er in Geist transformieren sollte. Die drei Jahre Christi auf der Erde entsprechen unserem Aufenthalt im Mutterleib. Christus wurde in Wirklichkeit nicht auf Erden geboren. Das schließt nicht das Wesen seiner Inkarnation aus, denn im Augenblick, in dem er im Garten Gethsemane auch mit dem physischen Leib völlig verbunden war und diesen  in einen Geistesmenschen verwandelte, wie Er schon vorher den Äther- und Astralleib in Geist verwandelt hatte, stand Er vor Seiner Geburt. So wie wir vor unserer Geburt unseren Leib völlig ausgebildet haben, hatte Christus Leiber, die andere vollständig vorbereitet hatten und die Er in reinen Geist verwandelte. Er kam, um gekreuzigt zu werden, damit das große Mysterium von Golgatha stattfinden konnte. In dem Augenblick, als Er sagte: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“, und verschied, wurde Christus geboren. Jesus starb und Christus wurde auf dem Erdenplan geboren. Die Geburt Christi auf dem Erdenplan ist in dem Moment, in dem Jesus sein Leben aushauchte.

Dann wandelte Christus im Auferstehungsleib 40 Tage lang auf der Erde und erschien den Jüngern. Was ist hier die Parallele zu uns? Wenn wir geboren werden, leben wir 50, 60, 70 oder 100 Jahre und sterben. Diese 40 Tage Christi auf Erden sind unserem  Erdenleben ähnlich. Christus wanderte mit dem Auferstehungsleib auf der Erde. Die große Frage ist, was für ein Leib das ist. Dann verschwand Er, um zehn Tage später in der Gestalt des Heiligen Geistes, als Heiliger Geist in das Ich jedes Menschen herabzusteigen. Nicht als Auferstehungsleib, sondern als Heiliger Geist, wodurch Er Zugang zu unserem Ich gefunden hat. Nur auf diese Weise konnte er nämlich unseren freien Willen nicht auslöschen. Christus lebt unbewusst in unserem Ich und jedes gute Werk, das wir verrichten, macht Er. Wir denken nur, dass wir es selbst machen. Das Böse, das wir verrichten, ist ein Werk der dunklen Wesen in uns. Es gibt kein Gutes im Menschen – egal ob er ein Inder, Mexikaner usw. ist -, was nicht von Christus kommt.

Wie ist Christus auferstanden? Wir danken wieder Vesselina Velkova, die diesen Artikel übersetzt hat, der aus einem der späteren Büchern Prokofieffs stammt. Seinem Freund Peter Selg gegenüber sprach Prokofieff von mindestens vier göttlichen Geschenken, für die er sehr dankbar war. Dabei führte er an erster Stelle die Unterscheidung zwischen dem Phantomleib und dem Auferstehungsleib an. Ich stellte mir jedoch die Frage, um welchen Leib es geht.

Als Jesus verschied und ins Grab gelegt wurde, gab es ein Erdbeben, das Grab öffnete sich, der Leib ging hinein und das Grab schloss sich. Vorher hatte die Erde die auf Golgatha vergossenen Bluttropfen in sich aufgenommen und wegen des spiritualisierten Blutes begonnen wie eine Sonne zu leuchten. Und den Leib, der zu einem reinen Geistesmenschen verwandelt wurde – also nicht das flüssige, sondern das feste Element -, hat die Erde wie eine Hostie empfangen. Folglich begann eine Spiritualisierung der Erde auf zweierlei Weise – durch das flüssige und durch das feste Element. Das gehört zwar nicht zu Prokofieffs Argumentation, ist aber jedem Anthroposophen zugänglich.  Durch das Opfer, das Christus beim Letzten Abendmahl darzubringen begann – das Eindringen Seines Ich in die festen und flüssigen Elemente und das Lösen vom Leib, was in den Worten „Nehmet, esset, das ist mein Leib …“(Matth 26:14ff.) zum Ausdruck kommt -,  ging durch Seinen Tod zu Ende und Er wurde zur Hostie für die Erde. Deshalb ist Christus in den festen und flüssigen Elementen der Erde, deshalb begann die Erde wegen des empfangenen Blutes und des vergeistigten Leibes zu leuchten. Stellen Sie sich vor, worum es geht – um die Spiritualisierung der Knochen! Die Soldaten teilten die Kleider unter sich auf, doch Sein Umhang, d.h. die Aura der Erde lässt sich nicht aufteilen. Wenn es in irgendeinem Atomkraftwerk kracht, breitet sich die Strahlung bis zum anderen Ende der Erde aus. Wir atmen, essen und trinken Christus im wörtlichen Sinne. Ohne diese Prozesse können wir nicht existieren, unser ganzes Erdenleben ist von Christus abhängig, Der tatsächlich zum Geist der Erde wurde.

Was aus dem Grab auferstanden ist, nennt Steiner das Phantom – das ist die vollständig wiederhergestellte Form, die wir von Anfang an hatten und die nach der Versuchung des Ich beschädigt wurde. Deshalb sagte Beinsa Douno im 20. Jahrhundert, dass der heutige Mensch eine Karikatur des ursprünglichen geschaffenen Menschen darstellt. Wenn man einen nach heutigen Maßstäben perfekten Körper sieht, ist das eigentlich nicht der Mensch, der ursprünglich mit einem durchsichtigen Phantom geschaffen wurde, in dem die Ich-Substanz von den Elohim wirken sollte. Das sind eher die Fetzen jenes Phantoms. Je mehr wir phantom-ähnlich werden, eine Beziehung zum Christus-Phantom aufbauen, desto mehr nähern wir uns jener Form, in der wir als Ebenbild und Bildnis Gottes geschaffen wurden.

Wie kommt die Beziehung zum Christus-Phantom zustande?  Wenn man den Christus-Impuls aufnimmt und die Botschaft des Apostels Paulus bekennt, dass Jesus Christus, der Retter, starb und auferstand usw., hat man eine Beziehung zum Christus-Phantom. Nachdem dieses Phantom einmal auferstanden ist, hat es nach dem Gesetz der spirituellen Ökonomie die Fähigkeit, sich ständig zu vervielfältigen. So wie das Quecksilber seine Tröpfchen versprüht und sie wieder anzieht, sind wir voneinander getrennt, aber wenn wir Christus aufnehmen, beginnen wir, uns vom Christus-Phantom anziehen zu lassen. Nicht vom Auferstehungsleib, sondern vom Phantom. Jeder kann ein individuelles Phantom erhalten von jenem Phantom. Auf diese Weise wird man zu einer absoluten Individualität, und gleichzeitig schafft man durch das Merkurisch-Vereinigende des Christus-Phantoms eine Bruderschaft von Individuen. Die Bedingung hierfür ist aber die richtige und zeitgemäße Einstellung zum Christus-Impuls. Dann strömen die Kräfte des Lebens in unserem Ätherleib herein. U.a. habe ich mich vorgestern furchtbar erkältet, und ich wusste nicht, ob wir diese Veranstaltung durchführen konnten. Aber nun wirkt hier etwas anderes und ich habe heute kein einziges Mal gehustet.

Was wäre aber der Auferstehungsleib? Prokofieff hält diese Differenzierung ja für seinen Beitrag. Emil Bock sprach auch vom Leib, der die Dichte eines Ätherleibes angenommen hat, jedoch weder physisch noch ätherisch ist. Doch diese Differenzierung macht der wunderbare Theologiedoktor Bock nicht so präzise wie Prokofieff. Das Phantom ist das, was aus dem Grab auferstanden ist. Danach hat sich dieses Phantom in einen Ätherleib eingekleidet und das, was den Jüngern erschien, als sie in einem anderen Bewusstsein waren, war der Auferstehungsleib, mit dem Christus 40 Tage lang auf der Erde wanderte. Diese 40 Tage waren eigentlich Sein Leben auf Erden. Also das eine ist, was die Erde als Blut und als einen bis zum Geistesmenschen spiritualisierten physischen Leib empfing, das andere ist das Phantom, das dritte ist das, womit Christus den Jüngern erschien. Diesen Unterschied, den Prokofieff als ein Geschenk Gottes empfindet, macht Steiner nicht so präzise. Danach kam Prokofieffs zweites Geschenk, als er sah, dass die Meditation des grundlegenden Steines eine Beziehung zum Auferstehungsleib hat und dass in den 19 esoterischen Lektionen der ersten Klasse der Weg vom Jesus-Bewusstsein zum Christus-Bewusstsein zurückgelegt wird. Prokofieff spricht auch darüber, dass im Inneren der Erde, wo die erste Götterhierarchie wirkt, auch das Böse agiert. Beide werden nur durch die Mitternachtsstunde des Daseins voneinander getrennt. Das Böse und die erste Hierarchie der Götter wirken im Inneren der Erde und sind nur durch die Mitternachtsstunde des Daseins getrennt. Im erwähnten Artikel behauptet Prokofieff, dass im Augenblick, in dem das Mysterium von Golgatha geschah, die Mitternachtsstunde des Daseins auf die Erde herabstieg.

Was ist die Mitternachtsstunde des Daseins?  Nach dem Tod  kommen nur die Eingeweihten zum höchsten Punkt des höheren Devachan und zur Sphäre der Bodhisattvas. Alle anderen Verstorbenen erreichen die Sphäre zwischen Mars und Jupiter, wo der kosmische Kampf der richtig entwickelten und abgefallenen Mächte stattgefunden hat. Diese Mitternachtsstunde des Daseins stieg auf Golgatha hernieder, als Christus geboren wurde. Als Er am Pfingsttag in jedes Menschen-Ich herabstieg, holte Er das Devachan herunter. Wenn wir sterben, gehen wir durch die Astralwelten, nach einem Drittel des Erdenlebens erreichen wir ohne das in der Mondensphäre verbleibende Karma die Sonnensphäre. Danach steigen wir zum Mars, Jupiter usw. auf – jeder so hoch wie er kann. Auf dem Rückweg holen wir unser Karma zurück und kommen auf die Erde um es abzubezahlen. Nach unserem Tod legen wir also den Weg zur Weltmitternacht zurück. Jeder, der in der Lage ist, dorthin zu gelangen, schaut, wie die neun Hierarchien, die Gruppenwesen des Karma und die ganze Geistigkeit im Kosmos das Karma des Kosmos schafft und synchronisiert. Das ist der mächtigste Eindruck, den eine Seele haben kann, wenn sie überhaupt dorthin gelangt. Wenn sie wieder auf die Erde kommt, möchte sie jenes Erlebnis in der Form der Weltbruderschaft, die sie dort gesehen hat, auf die Erde holen. Das nennt man Weltmittag. Steiner spricht über den kosmischen Kult, der ursprünglich mit keinen irdischen Beziehungen zusammenhing und in der gemeinsamen Tätigkeit der Hierarchien bestand. Diese Tätigkeit, die eine ausreichende Anzahl von Menschen angeschaut hat, kann bei ihnen zu einem Anreiz werden, diese Weltbruderschaft als eine Widerspiegelung in die soziale Tätigkeit auf der Erde durchzusetzen. Diese Widerspiegelung ist der Weltmittag und sie existiert in zwei Kultformen. Es gibt einen sakramentalen Kult, der in den christlichen Kirchen und der Christengemeinschaft gepflegt wird und einen entgegengesetzten Kult, den die Geheimgesellschaften wie etwa die Rosenkreuzer praktizieren.

Christus hat Sich nicht zurückgezogen und auf der rechten Seite Gottes Platz eingenommen,  sondern Er hat das Devachan, Er hat Sein Reich herunter in den Menschen geholt und begonnen im Menschen zu leben. Seitdem ist Er immer mit uns verbunden. Er hat den entgegengesetzten Weg zurückgelegt im Unterschied zum Menschen, der nach seinem Tod in die andere Richtung geht. Das war das zweite große Opfer Christi, dass Er Seine Evolution, Sein Dasein für immer an uns geknüpft hat. Von unserer Ich-Evolution hängt es ab, wie viele Leiden Er zukünftig zu ertragen hat.

Wer sind die Helfer, die Christus dabei unterstützen? Zweifellos gehört Kaspar Hauser zu ihnen. Die Leiden Christi haben überhaupt die Auferstehung und die Zukunft der Menschheit ermöglicht. Wie hat sich aber Kaspar Hauser da eingemischt? In den Evangelien gibt es sieben Sätze, die Christus vom Kreuz aus sprach. Die drei Sätze, die jedoch uns am meisten berühren, kommen im Lukas-Evangelium vor. Der eine lautet „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas, 23:34), der zweite – „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ (ebd., 23:46). Den dritten Satz sprach Christus zum reuigen Schächer – „Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ (ebd., 23:43) Kommen Sie schon dahinter?  Nach der Vorlesung  „Der Heilige Impuls und die innere Sonne“ am 31.01.2016, in der es auch um Longinus ging, kam mein Bruder zu mir und sagte: “Hast du dich schon gefragt, wer der gute Schächer ist?“ Ich habe erwidert, dass ich mir diese Frage noch nicht gestellt habe, dann meinte mein Bruder, ich solle die Frage stellen und schauen, wie die Antwort laute. Er hatte diese Frage gestellt, nicht ich.

Von den beiden Schächern, die an den Seiten Christi standen, war derjenige, dem Christus antwortete, der gute. Unten standen die irren Schaulustigen und riefen: „ Er hat anderen geholfen; er helfe sich selber, ist er Christus, der Auserwählte Gottes (Lukas, 23:35). Die Kriegsknechte riefen Christus zu: „Bist du der Juden König, so helf dir selber!“ (ebd., 23:37). Christus aber bat um Vergebung für sie („Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!“).  Das Gleiche sagte Kaspar Hauser vor seinem Tod, als er allen vergeben hat. Der Schächer zur linken Seite Christi, durch den Ahriman sprach, forderte Christus auf:“ Bist du Christus, so hilf dir selber und uns! (ebd., 23:40). Christus antwortete ihm nicht. An Seiner rechten Seite hing der andere Schächer, in dem der Samen des Glaubens lebendig war. Christus stand an seiner linken Seite. Deshalb vibrierten Kaspars linke Seite, die linke Hälfte seiner Stirn, seine linke Hand und sein linker Arm sehr intensiv, wenn er sich stark aufregte. Stellen Sie sich vor, was er im aufregendsten Augenblick der ganzen menschlichen Entwicklung erlebt hat! Der gute Schächer wandte sich an den bösen Schächer mit den Worten: “ Und wir zwar sind billig darin, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes getan!“ (ebd., 23:41). Das steht nur im Lukas-Evangelium, dem warmherzigsten von allen Evangelien. Und dann wandte sich der reuige Schächer an Christus: “Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (ebd., 23:42). Christus antwortete ihm – dem einzigen Menschen, zu dem Er vom Kreuz aus sprach: „Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ (ebd., 23:43). D.h. wenn er weiß, dass die Beziehung zur geistigen Welt existiert, wird er mit Ihm im Paradies sein, wird er eine Beziehung zu Seinem Phantom haben.

Verstehen Sie nun auf dem Hintergrund des Geschilderten, warum Napoleon Kaspar Hausers Weg vorbereiten sollte? Lassen wir uns einmal in diesen bewegendsten Augenblick zurückversetzen, als die Drei am Vormittag gekreuzigt wurden. Man hatte ihnen die Füße gestützt, damit ihre Leiden länger dauerten.  Manchmal blieben Gekreuzigte drei Tage lang am Kreuz hängen. Da Sein Leib vom Geist verbrannt und erschöpft war, starb Christus um drei Uhr nachmittags, die anderen lebten noch. Wir wissen nicht, was ihr Verbrechen war, aber die Worte „Wir empfangen, was unsere Taten wert sind“ zeigen, dass sie nach den damaligen Gesetzen gesündigt hatten. Schon um12 Uhr mittags begann eine Finsternis,  es kam Angst auf, weil Christus im Sterben begriffen war. Im Johannes-Evangelium finden wir die Sätze „Mich dürstet“ (Joh., 19:28) und „Es ist vollbracht“ (ebd., 30:9), die im Markus- und Matthäus-Evangelium nicht vorkommen – dort heißt es „Eli eli lama sabachthani!“ Welche Sätze kommen nur im Lukas-Evangelium vor? Christus antwortet auf die Frage einer einzigen Person, die am Kreuz hängt! Um was für eine Individualität hat es sich wohl gehandelt! Die am Mittwoch empfangene Offenbarung beantwortet diese Frage. Wir werden sehen, wer diese Individualität in einem vorherigen Leben war und wie sich die Übergänge zwischen Alt- und Neutestamentarischem gestalten.

Bis zum nächsten Tag, an dem das Passah-Fest stattfinden sollte, durften keine Verbrecher am Kreuz hängen. Die beiden Schächer lebten noch, Jesus starb und Christus wurde geboren, so wie wir aus dem Mutterleib herauskommen. Es kamen Soldaten und brachen die Schienbeinknochen der Gekreuzigten. Deshalb waren Kaspar Hausers Beinknochen und Knie anders gebaut. Als Dr. Preu ihn untersuchte, stellte er fest, dass das Kniegelenk in gerader Streckung beim Sitzen auf dem Boden so fest lag, dass man kaum ein Kartenblatt unter die Kniekehle schieben konnte. Seine Knie und seine Schienbeinknochen waren anders gebaut.

Im Unterschied zu den Schächern durfte bei Christus nichts gebrochen werden, denn Er vergeistigte sogar den physischen Leib. Das Blut wurde auch spiritualisiert, das im Knochengrat produziert wird, wie Prokofieff  richtigerweise bemerkt. Wenn das Knochenmark nicht richtig funktioniert, erkrankt der Mensch an Leukämie. Hier geht es also um die Spiritualisierung von Blut und Knochen und damit das Phantom in seinem ursprünglichen Glanz auferstehen konnte, durfte kein Knochen gebrochen werden. Nachdem Longinus mit der Lanze Christus durchbohrt und somit seine welthistorische Aufgabe erfüllt hatte, flossen Blut und Wasser aus der Öffnung. Das geschah später, als Joseph von Arimathäa da war, zu dieser Zeit lebten die beiden Schächer noch. In dem Moment also, als Joseph von Arimathäa kam und den Kelch reichte, wurden die Knochen der beiden Schächer gebrochen. Damals lebten sie noch und der reuige Schächer sah den Anfang des Gralsmysteriums mit seinem wachen Bewusstsein. Selbst Johannes, der zukünftige Christian Rosenkreutz, dessen Bewusstsein hoch im Devachan war, dort, wo die Bodhisattva-Sphäre ist, in der Sphäre der Vorsehung, konnte diese physische Tatsache nicht erfassen! Ich vermute, dass die Jungfrau Sophia, die das ganze Wissen über die Ereignisse von Golgatha trägt, in jenem Augenblick auch ein höheres gnostisches Bewusstsein hatte. Ob das stimmt? Das ist eine große Frage, die wir nun stellen. Es gibt einen Schlüsselsatz, der Steiner zugeschrieben wird – dass neben Christian Rosenkreutz derjenige, der Christi Leiden am intensivsten erlebt hat, Kaspar Hauser war. Das liegt daran, dass Johannes unter dem Kreuz stand und Kaspar oben am Kreuz neben Christus hing und mit Ihm sprach.

Warum kam diese Offenbarung jetzt? Es gibt einen Vortrag von Radoslav Radev aus Plovdiv, „Das Symbol des kosmischen Kreuzes“, den er am 05.04. 2004 vor Anthroposophen gehalten hat. Obwohl er noch so jung ist, sprach er über das Kreuz mit sehr tiefem Verständnis. Zweifellos ist er eine besondere Seele. Nach dem Vortrag fragten teilnehmende Anthroposophen: „ Fällt dir nicht etwas auf? Können wir nicht den guten Schächer als den Vertreter der Menschen betrachten, die mit den hellen Mächten verbunden sind und den bösen Schächer als das Urbild derjenigen, die nicht an Christus glauben werden?“ Später schrieb Radoslav Radev, als er seinen Vortrag ins Internet stellte, dass ihm diese Bemerkung sehr gut gefallen habe, weshalb er sie in seinen Vortrag aufnehme. Als ich diesen Vortrag mit diesem Einfall las, meinte ich, dass es hier etwas gibt. Radoslav Radev hat diesen Vortrag am 05.05.2004 gehalten und zwölf Jahre später wusste ich, wer Kaspar Hauser ist. Die Antwort ließ zwölf Jahre auf sich warten, doch es ist wichtig, die richtigen Fragen zu stellen.

Longinus, der später Napoleon wurde, hat seine Aufgabe erfüllt. Der gute Schächer hing am Kreuz und hat den Anfang des Gralsmysteriums gesehen, deshalb musste er später zu einer Stütze der Gralsmysterien in Süddeutschland werden. Verstehen Sie, was dieser Mensch erlebt hat, was er mit seinem wachen Tagesbewusstsein beobachtet hat, als er gekreuzigt wurde, selbst am Kreuz litt und Christus vor seinem Tod erkannte? Alles, was Christus am Kreuz erlebte, hat derjenige, der später Kaspar Hauser wurde, von Anfang an miterlebt. Infolge dieser Beziehung zu Christus ist er der erste Mensch auf Erden, der das Prinzip „In Christo morimur“ erlebt hat. Er ist das Urbild der zukünftigen guten Rasse, so wie der andere Schächer das Urbild der bösen Rasse ist. Wessen Inkarnation mag er wohl sein?  In der Zukunft wird es bekannterweise zwei Rassen geben. Der gute Schächer ist das Urbild derjenigen, die Christus finden und weiße Gewänder anziehen, von denen in Johannes’ Apokalypse die Rede ist.

Nachdem ich das begriffen hatte, spürte ich während eines sehr bemerkenswerten und besonderen Gesprächs mit meiner Frau, dass es noch etwas anderes gibt. Ich möchte keine Details über die Art und Weise erwähnen, wie das sich zugetragen hat, aber es war sehr aufschlussreich und ereignete sich zum ersten Mal auf diese Weise.

Sie wissen, dass ich in meinem Vortrag über Skythianos auf der Konferenz „Die Seele Europas“ 2014 in Varna fünf Individualitäten beleuchtete[9] und dabei auf die drei Könige aus dem Osten einging. Nicht zufällig haben wir die drei Könige nun auch im Zusammenhang mit dem Namen  Kaspar erwähnt. Steiner hat nur eine von diesen drei Individualitäten beleuchtet, nämlich den Pythagoras – den Vertreter des Denkens. Prokofieff schrieb seinerseits, dass man leicht darauf kommen kann, dass die anderen zwei Individualitäten der Prophet Daniel, der in babylonischer Gefangenschaft unter Nebukadnezar war und Kyros der Große, der die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft befreite, sie ins Gelobte Land zurückbrachte und den Salomonischen Tempel wieder aufbaute – das Symbol der alttestamentarischen Weltanschauung. Prokofieff sagt, dass Daniel und Kyros der Große die anderen zwei Könige sind. Nachdem ich mich in die Sache ernsthaft vertieft hatte, hat sich herausgestellt, dass die vorherige Inkarnation dieses Schächers und Urbildes der guten Rasse Kyros der Große war. Kyros der Große war derjenige, der es der alttestamentarischen Vorsehung ermöglichte, sich zu erfüllen. Er war es, der später als der gute Schächer am Kreuz inkarnierte.

Hier taucht natürlich die Frage auf, warum Kyros der Große als ein Schächer inkarnierte. Es liegt daran, dass das größtmögliche Gute nur durch das Böse erreicht wird. Kyros der Große hat Babylon friedlich erobert und die Juden befreit. Interessanterweise wurde er, wie ich schon mal erwähnt habe, von der Anführerin der bulgarischen Kymeriern Thamyris ermordet. Die Individualität des persischen Großkönigs Kyros des Großen, die eine Schlüsselrolle in diesem Drama spielt, war jener gute Schächer, der später als Kaspar Hauser inkarnierte.

Hier sehen wir die fundamentale Trennung der Menschheit, die Radoslav Radev sehr gut veranschaulicht hat. Zuerst bilden wir eine Einheit, dann teilen wir uns in gute und böse Menschen ein, die dann wieder eine Einheit bilden sollen. Die Aufgabe dieser Individualität besteht darin, dass sie immer eine Rückkehr zur Vorsehung bewirkt – als Kyros der Große, als der Schächer und als Kaspar Hauser. Es ist möglich, dass es auch christliche Inkarnationen von ihm gegeben hat. Wenn die größten Individualitäten der Menschheit inkarnieren, müsste er auch inkarnieren. In Hinblick auf Steiners Worte, dass Kaspar Hauser seit der Atlantis nicht inkarniert wäre, vermute ich, dass das zu den Legenden gehört. So wie es in der „Weißen Bruderschaft“ Legenden gibt, so gibt es bezüglich dieser oder jener Worte Steiners auch Legenden und man muss von Anthroposophie verstehen, um die Spreu vom Weizen trennen zu können.

Zu der vorliegenden Vorlesung, die ich mit großem Enthusiasmus vorbereitete,  haben ihren Beitrag geleistet: mein Bruder Evgeni, meine Frau Rada, Stella Ruskova, die sich eine Vorlesung über das Golgatha gewünscht hat sowie Radoslav Radev mit seinem Vortrag. Die Beziehung zu Napoleon, die wir besprochen haben, führt zum Golgatha, denn Longinus hat Jesus nach seinem Tod durchbohrt und diejenigen angeführt, die die Beine der Gekreuzigten brachen. Auf diese Weise ist er in eine karmische Beziehung zu denjenigen eingetreten, deren Knochen gebrochen wurden. Deshalb sollte Napoleon die Bedingungen für Kaspar Hausers Wirken schaffen und dadurch auch sein Schulde ihm gegenüber abtragen. Das hat er jedoch nur auf dem äußeren Plan geschafft, die geistigen Bedingungen hat er vergessen. Ich hoffe, dass der nun wieder inkarnierte Napoleon seine Mission nicht vergessen und diesmal die richtige Wahl treffen wird.

Es sind viele Details unerwähnt geblieben. Mein besonderer Dank gilt natürlich Peter Tradowsky, aus dessen Buch „Kaspar Hauser oder das Ringen um den Geist“ ich viele Informationen über Kaspar Hausers Leben erhalten habe. Er widmete lange Jahre seines Lebens der Sammlung der wesentlichen Angaben, ohne aber zu der Lösung des Rätsels zu gelangen. Mir wurde die Lösung nicht zufällig bereits am Anfang des Monates gegeben, damit ich mich auf diese Vorlesung vorbereiten konnte. Bei meiner Beschäftigung mit Kaspar Hauser war ich allein und habe nach dem Empfang der Offenbarung vor Ergriffenheit geweint. Nur ich und die geistige Welt waren dabei, es war eine unbeschreiblich schöne Situation. Ich hoffe, dass diese Vorlesung in irgendeiner Weise Peter Tradowsky erreichen wird, damit seine Bemühungen auch belohnt werden. Ohne ihn zu kennen, habe ich eine sehr gute Einstellung zu ihm, u.a. im Zusammenhang mit seinem Einsatz für Judith von Halle. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.

 

[1] GA 185, Vortrag vom 19.10.1918

[2] „Antroposofski vesti“, 50/2016, „Das Mysterium von Golgatha – Grundlage der geistigen Kommunion des Menschen auf dem Weg der gegenwärtigen Einweihung“, Sergej Prokofieff, Übersetzung: Vesselina Velkova

[3] Vgl. GA 222, Vortrag vom 23.03.1923

[4] GA 131

[5] Vgl. GA 131, Vortrag vom 05.10.1911

[6] Vgl. Der Heilige Impuls und die innere Sonne

[7]  Vgl. Die Geheimnisse von Golgatha

[8] Vgl. GA 148, Vortrag vom  03.10.1913

[9] Vgl. Skythianos

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Johannistag und das Zeichen der Bulgaren

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 25.06.2017 in Varna

 Link zum Vorlesungs-Video

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

 

Gebet: Herr Gott Jesus Christus, wir bitten Dich, mögen die Bulgaren den Weg zu ihrem Zeichen finden, das Dein Zeichen ist. Аmen!

Unbemerkt rollten drei Jahre nach der anthroposophischen Konferenz „Die Seele Europas“ in Varna 2014 dahin, in denen in unserer Gruppe „Geist der Wahrheit“ 29 große Vorlesungen über Themen aus dem esoterischen Christentum gehalten wurden, die auf YouTube zu sehen sind. Mit der vorliegenden Vorlesung und dem Vortrag über Skythianos, der auf der benannten Konferenz gehalten wurde, liegen nun 31 Vorlesungen vor. Die Zahl 31 ist laut Beinsa Douno „die Zahl des Bulgaren“ – „jeder Mensch, der die Zahl 31 hat, ist ein Bulgare“[1]. Wir wissen, dass die Zahl der Tage in einem Monat entsprechend des Mondumlaufs gezählt werden. Zu den 28 Tagen wurden jedoch drei zusätzliche Tage hinzugefügt. Wir besitzen unter anderem auch 31 Spinalnerven-Paare, damit wir als unabhängige, aufrecht stehende Sonnenwesen existieren können und nicht nur von der kosmischen Gesetzmäßigkeit der Mondzahl 28 geleitet werden. Die Unabhängigkeit bedeutet Ichhaftigkeit und die Bulgaren sind gerade das Volk, das vor Christus für die Ich-Evolution der Menschheit, für ihre aufrechte Stellung verantwortlich.

Heute werden wir über den aufrechten Gang im Zusammenhang mit dem Johannistag sprechen, auch auf eine weitere Aufrichtung werden wir eingehen, die erst jetzt besprochen werden kann. Der Anlass liegt sieben oder acht Jahre zurück und hängt mit einer Begegnung zusammen, die damals stattgefunden hat. Eine junge Frau kam aus einer anderen Stadt nach Varna, um sich mit einem jungen Mann sowie mit mir und meiner Frau zu treffen. Diese Frau hatten wir ein paar Monate früher schon kennengelernt. Wir setzten uns zu viert in ein Restaurant. Schon lange vor unserer Verabredung hatten wir gewusst, dass der junge Mann eine Inkarnation des Nationalhelden Bulgariens war[2]. Er wusste auch, wer er war, aber er konnte die Wahrheit über die eigene Person nicht ertragen und ist später in einen sog. „Astralschlaf“ verfallen. Das bedeutet, dass sich jemand, der die Wahrheit über eine oder mehrere seiner wichtigen Inkarnationen unvorbereitet erfahren hat,  sich auf seinen Lorbeeren ausruht und die Aufgaben seiner jetzigen Inkarnation nicht wahrnimmt. Wir hatten auch wahrgenommen, wessen Inkarnation die junge Frau war und nun sollte ihr das in einer bestimmten Art angedeutet werden. Ich habe beim Gespräch weit ausgeholt und den Kreis allmählich eingeengt. Irgendwann kam es zum Augenblick, als sie sagte: „Ja, ich weiß seit langem, dass ich die wieder geborene Jeane d‘ Arc bin“ – das haben auch wir gewusst. Uns gegenüber saßen also die Nationalhelden Bulgariens und Frankreichs.

Einige Zeit später hat mir die junge Frau durch diesen jungen Mann eine ihrer Erfahrungen mitgeteilt: sie habe ein gleichseitiges Kreuz gesehen, das jedoch nicht aufrecht stand, sondern waagerecht scheinbar im Nichts lag, als wäre es in der Luft. Danach habe sie eine Stimme gehört: „Das Kreuz, an dem Christus gekreuzigt wurde, ist das Zeichen der Bulgaren.“ Danach wiederholte die Stimme dreimal: „Sag es Mangurov!“

Seit diesem Erlebnis sind sieben oder acht Jahre vergangen, der bulgarische Nationalheld befindet sich immer noch im Zustand des Astralschlafes und die französische Heldin scheint noch nicht ihren Weg im jetzigen Leben bestiegen zu haben. In der vorliegenden Vorlesung ist für uns jedoch wichtiger, das Rätsel des „Zeichens der Bulgaren“ zu verstehen, und zwar im Licht des Mysteriums des Johannistages.

Vor dem Beginn unseres Zyklus vom alten Saturn bis zum zukünftigen Vulkan existierte schon jener höhere Raum, der in der Anthroposophie als der Kristallhimmel bekannt ist. Er ist reiner Geist und mit dem Ergießen des neutralen Weltenfeuers durch die Throne in den Kristallhimmel ist aus dem Raum der Nichtraum entstanden – der alte Saturn. Die alten Bulgaren, die von ihren Feinden „Thraker“ genannt wurden, verstanden unter einem Kristallhimmel das „Chaos“ und die im Nichtraum erschienenen Geister der Zeit waren unter dem Namen Chronos bekannt.

Wieder vor etwa sieben oder acht Jahren war ein anderer junger Mann bei einer meiner Vorlesungen anwesend und erhielt danach zuhause eine Imagination. Er kam zu der nächsten Vorlesung und legte mir Zeichnungen vor, die ich vor einigen Tagen in meinem Archiv entdeckt habe. Auf der einen Zeichnung sind zwei Kreise zu sehen. Im ersten Kreis gibt es zwei ineinander verflochtene Pentagramme und im anderen Kreis auch, aber hier wurden jeweils zwei Strahlen hinzugefügt, die sich im Mittelpunkt des Kreises schneiden. Die eine Zeichnung trägt den Namen „Chaos“ und die andere – „Schöpfung“. Erst nach allen Vorlesungen, die in diesen Jahren über die Struktur des Weltalls, die Bedeutung des Christus und den väterlichen Weltengrund vorgetragen wurden, konnte ich nun diese Zeichnungen verstehen. Den Zeichnungen lag ein Brief bei, in dem es hieß: „Ich verstehe nicht, was ich gezeichnet habe, aber ich weiß, dass es stimmt, ich habe den Drang gespürt, es zu zeichnen und habe es getan.“ Im „Chaos“ des jungen Mannes gab es korrekterweise keinen Punkt im Zentrum aller Verflechtungen, das Christus ist, in dem sich die beiden siebenstrahligen Sterne verflechten. Die Zeichnungen sind hervorragend und aus ihnen kann man tatsächlich sehen, wie Gott geometrisiert und zwar mit der höchstmöglichen Geometrie, aus der das Weltall entstanden ist. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei dem Mann bedanken und ihm sagen – falls er diese Vorlesungen schaut -, dass seine Arbeit nicht umsonst war.

Der Kristallhimmel existiert in den höchsten Bewusstseinsstufen weiter und der Raum für unseren Zyklus, der auf der alten Sonne entstanden war, wurde von den Erzengeln getragen, die die Thraker Zeus genannt haben. Auf dem alten Mond begann die Weisheit mit der wesentlichen Herausbildung der kosmischen Intelligenz zu herrschen und wurde in unserem mystischen Leben vom Engelswesen Athena Pallas verkörpert. In den ersten drei Äonen manifestierte sich die göttliche Dreiheit in unseren drei Leibern und im Erdenäon hat sich der Mensch als eine physisch-ätherisch-astralische Form wohl aus der zweidimensionalen imaginativen Welt abgesondert. In seinem Ich hat er den zweidimensionalen Raum in einen dreidimensionalen aufgelöst. Somit konnte die Schöpfung in den Zyklus der Entwicklung in der Zeit übergehen. Der dreidimensionale Raum ist die letzte Stufe des Herabstiegs der göttlichen Trinität entlang den Daseinsstufen und den Bewusstseinsstufen. Allerdings bleibt er für den Menschen lediglich eine Idee, die nicht mit den Sinnen, sondern nur imaginativ angeschaut werden kann, anderenfalls würden wir unmittelbar Gott selbst anschauen können. Wir sind momentan in der Lage, die göttliche Schöpfung anzuschauen und die ihm angelegte Weisheit zu erwerben. Geht man in die Richtung der höheren Welten, „zieht“ sich der dreidimensionale Raum zu einem zweidimensionalen Raum „zusammen“, dann zu einem eindimensionalen und einen Nullraum (der nicht das Fehlen von Raum bedeutet), zuletzt kommt der Kristallhimmel. In alten Zeiten wurde über 31 Bewusstseinsstufen zwischen Mensch und Gott gesprochen, was wiederum auf die sog. Zahl der Bulgaren hinweist. Mit dem Erlangen des Ich durch den Menschen hat sich die göttliche Trinität im materiellen Dasein als eine Vierheit manifestiert. Mit den in uns fließenden Ätherströmen erscheint sie als eine Fünfheit (ein Pentagramm). Mit der Geschlechtertrennung und der Verflechtung der beiden gleichseitigen Dreiecke (des Hexagramms) wird sie zur Sechsheit. Mit dem Zyklus der Metamorphosen während der Evolution wird die Siebenheit erreicht und zuletzt manifestiert sie sich mit unseren Sinnesorganen, mit der Zeit und dem Tierkreis als eine Zwölfheit. Was die drei Naturreiche betrifft, erscheinen sie als ein „Nebeneffekt“ der Spiegelung des Gruppen-Ich der Menschheit im individuellen Ich jedes Menschen. Der Mensch ist aus der inspirativen Welt als eine hochgeistige Form herabgestiegen, die sich im Erdendasein befestigen sollte. Das geschah in einer sehr komplizierten Art. Wir wissen, dass der höhere Äther von den Geistern der Weisheit durch die hierarchischen Wesen nach den jeweiligen Planeten des Sonnensystems differenziert wird, die die Beziehung der Erde zur Tierkreissphäre herbeiführen. In Letzterer ist die Wirkung der geistigen Kräfte völlig anders als im Planetensystem. In der Tierkreissphäre herrscht die Zwölfheit, deshalb müsste es auch zwölf Planeten geben, anderenfalls könnte sich das System nicht im Raum entfalten, der ein höheres Prinzip als der Rhythmus der Siebenheit darstellt. Deshalb wurden dem im Sonnensystem existierenden sieben Planeten vier weitere Planeten hinzugefügt (die Sonne und der Mond stellen im Okkultismus Planeten dar). Diese vier Planeten waren an der Entwicklung nicht beteiligt, die in der alten Saturnzeit begonnen hatte. Uns sind die Namen dreier Planeten bekannt – Uran, Neptun und Pluto. Der zwölfte Planet besitzt eine so feine Stofflichkeit, dass die astronomischen Geräte seine Wirkung nur feststellen, aber ihn nicht erfassen, nicht „sehen“ können.

Aus dem Äther erschienen im Erdenäon der Raum und der Lebensprozess. Letzterer besteht im Menschen aus sieben Tätigkeiten, die aus den uns bekannten sieben Planeten entstanden sind. Die planetarischen Ätherkräfte sind es, die die menschliche Form in ihrem Dasein verfestigen, wobei die Siebenheit in Zwölfheit übergeht. Das geschieht durch die Beziehung der sieben Lebensprozesse im dreigliedrigen Menschen (Kopf – Rhythmus – Gliedmaßen) mit den zwölf Sinnen, auf die sich das Ich stützt und sich im Leben als Denken, Fühlen und Wollen erhebt.

Es gibt vier Ätherarten, die sich dem Menschen durch die Lebensprozesse anheften, welche wie gesagt durch die jeweiligen Planeten bestimmt werden. Die Sonne regiert den Lebensäther, der auf der Erde hauptsächlich als unser Planetenäther wirkt. Hier wirken auch die anderen drei Ätherarten, die aber durch die Planeten doppelt dazwischentreten – einmal durch die drei äußeren Planeten Saturn, Jupiter und Mars und ein zweites Mal durch die drei inneren Planeten Venus, Merkur und Mond. Zum Schluss erreichen alle vier Ätherarten den Menschen und bilden seinen Ätherleib für die vorliegende Inkarnation. Die Befestigung im Menschen wird dadurch ermöglicht, dass der Licht- und der Wärmeäther eine zentrifugale und der Tonäther –  eine zentripetale Tendenz besitzen. Dadurch, dass Saturn und Jupiter in der Wärme und im Licht wirken, ziehen sie den Menschen von der Erde weg, indem sie die Wahrnehmungen seiner Sinne erwecken, denn die Kräfte beider Planeten sind dem makrokosmischen Äther näher. Damit die Sonne diese Kräfte „erden“ kann, erhält sie Hilfe durch die Venus- und Marstätigkeit. Auf diese Weise wird die Materie aus der Tätigkeit des Ton- und Lebensäthers zu Wasser und Erde verdichtet, in denen der kosmische Äther vom Weltall abgetrennt zu sein scheint. Im Okkultismus wird alles Flüssige ‚Wasser‘ genannt und alles Feste – ‚Erde‘. Der entgegengesetzte Prozess des Zerfalls der Materie verläuft auf dem Mond, auf der Erde und im Menschen. Dagegen wird aus der Tätigkeit der Sonne die Materie vergeistigt, ätherisiert und geht auf den geistigen Plan über, damit in der Ätherwelt das Phantom unseres physischen Leibes entstehen und der Leib des zukünftigen Äons ausgebildet werden kann. Im Laufe der menschlichen Inkarnationen wechseln sich die Ätherarten, die in unseren Lebensprozessen befestigt sind, ab, im Laufe des Jahres wechseln sie den Charakter ihrer Tätigkeit ab. Das geschieht in Abhängigkeit von der Bewegung der Planeten, die stark den menschlichen Astralleib sowie die ganze seelisch-geistige und ätherisch-physische Tätigkeit beeinflusst. Die größte Bedeutung für uns besitzen die Bewegung der Erde um die Sonne im Jahresrhythmus und ihre Veränderungen als ein lebendiges Wesen. In ihrer Bewegung geht sie durch vier Jahreszeiten, weshalb für die Menschheit vier Hauptfeste bestehen, die mit den beiden Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden zusammenhängen. In den Urzeiten gab es jedoch drei Hauptfeste und die Menschen haben das Jahr als eine heiße, eine feuchte und eine kalte Jahreszeit erlebt. Erst seit der dritten nachatlantischen Kulturepoche begannen die Bulgaren, nach ihnen auch die Ägypter, Chaldäer und andere Völker, die Jahreszyklen als eine Vierheit zu erleben. Das liegt daran, dass der schöpferische makrokosmische Impuls der Bewegung der Sonnenkräfte, mit denen sich damals Christus auf seinem Weg zu einer irdischen Inkarnation vereinigte, aus der Sphäre der äußeren in die Sphäre der inneren Planeten überging. Damals wurde der Mars-Impuls, der in der Entwicklung der Erde führend  war, durch den Merkur-Impuls ersetzt. In der Mitte der atlantischen Zeit wirkte sich der entsprechende Wechsel auf das Lebewesen Erde und den organischen Menschen aus, nun wirkte sich die Rochade beider Planeten auf das seelisch-geistige Wesen des Menschen aus. Vorher sahen die Menschen hauptsächlich die früheren Kulturepochen, Wurzelrassen und Äonen, mit dieser Wende begann der Erdenäon als ein solcher, allmählich in das Bewusstsein einzudringen, d.h. in das innere Leben des Menschen, das mit der Entwicklung seiner Ich-Selbstbestimmung zusammenhängt. Der Prozess wurde auch durch die Erhebung des vierten Bodhisattva im Rilagebirge in die Buddastufe in Gang gesetzt – durch die Verinnerlichung in seinem Ich der ausgearbeiteten „Produkte“ von Denken, Fühlen und Wollen in den drei Mysterienzentren Europas. Auf diese Fragen bin ich in meinem Artikel „Die Bodhisattvas“ eingegangen [3]Das geschah durch den vierten Bodhisattva. Unseren drei Leibern begann sich immer spürbarer das vierte Element „anzubinden“ – das Ich. Entsprechend hat sich das Erleben des Naturzyklus in die vier großen Feste entfaltet, damit der Mensch auf die Ankunft des Erlösers vorbereitet werden konnte. Der Jahreskreislauf wurde durch die höheren Kräfte der Hierarchiewesen wegen der Ankunft Christi auf die Erde geschaffen. An seine vier Schlüsselpunkte stellten sich die vier Haupterzengel – Gabriel, Raphael, Uriel und Michael. Wie haben die Menschen des Altertums diese „Punkte“ mit ihrem damaligen Bewusstsein erlebt?

So wie der menschliche Astralleib und das Ich während wir schlafen unseren Äther- und physischen Leib verlassen, um sich mit dem Geistselbst zu vereinigen, so verlässt mit Anbruch des Frühlings in der nördlichen Halbkugel der Astralleib der Erde teilweise den Planetenleib, um sich im Makrokosmos zu erweitern und mit den Planetenintelligenzen zu vereinigen. Der Geist der Erde macht sich zusammen mit den Elementarwesen – dem Gedächtnis der Erde – und dem Astralleib auf den Weg zu den Sternen auf. Der Frühling ist eine Art Nachklang des alten Saturn, der von der Nacht des großen Pralaya kommt. Deshalb beginnt das neue Jahr astrologisch am Tag des Frühlingsäquinoktiums. Früher hat der Mensch das Erwachen der Natur mit einem weitaus stärkeren Gefühl erlebt als die heutigen intellektualisierten Menschen. Mit der Sommersonnenwende ging das Erwachen wegen der üppig vorhandenen Wärme und Licht in eine Exaltation über – ein Nachklang des Äons der alten Sonne. Zu dieser Jahreszeit ist der Geist der Erde unter den Sternen in der Welt der Vorsehung in einem Zustand der Seligkeit, ohne es gewahr zu werden, da er in einen „Schlaf“ verfallen ist, dessen Widerspiegelung die Schönheit und Vielfalt der Pflanzendecke, der Überfluss an Wärme und Licht darstellen. Ähnlich verhielt es sich mit dem Menschen, dessen Astralleib teilweise abgetrennt, „ausgeatmet“ war. Beim Menschen hängt das Ausatmen mit der Verschiebung in den Wirkungssphären des dreigliedrigen Menschen (Kopf, rhythmisches System und Gliedmaßen) zusammen. Dadurch werden der Charakter der Lebensprozesse und die Wahrnehmung der Sinne abgeändert. Diese Tendenz existiert zwar heute noch, doch der Mensch der alten Zeit hat die Veränderungen weitaus spürbarer erlebt.

Wie hat er sie erlebt? Während der Sommersonnenwende hat er seinen Astralleib (d.h. das Bewusstsein) ausgeatmet und ist unter den Elementargeistern der Natur in eine Art Gruppentraum verfallen, der dem damals existierenden Gruppenbewusstsein eigen war. Ein solcher Mensch wird vom Horoskop seiner Geburt fest beeinflusst und ist von den Veränderungen in der Natur im Laufe des Jahres völlig abhängig. Mit Gesang, Musik und Tanz, mit besonderen Vorführungen hat der Mensch früher seine großen Fragen an die kosmischen Intelligenzen gestellt, unter denen sich sein Gruppen-Ich von den Elohim aufgehalten hat. Danach hat er auf die Antworten gehorcht, die eine Art Aufleuchten des Ich in ihm selbst waren. Bis heute lassen sich in den Rhodopen so wie an anderen Orten in Bulgarien solche Kultrituale beobachten, die das Echo vergangener Zeiten darstellen.

Mit Herbstanbruch beginnt die Natur zu verwelken und abzusterben, was beim Menschen der alten Zeiten zur Melancholie führte – ein Abglanz jener „Trauer“, die den Äon des alten Mondes durchdrungen hatte. Im Winter gab es ein besonders starkes Gespür für den Tod, das wie ein Erleben des irdischen Äons war, in dem wir zwar das Ich erhalten haben, aber in unserem Bewusstsein für die geistige Welt „gestorben“ sind. Ausgesprochen intensiv wurden die vier Seelenzustände in den Mysterienzentren von den Schülern erlebt, die sich auf die Einweihung vorbereiteten. Das Wesen dieser Einweihung bestand darin, das Seelenleben in Hinblick auf die bevorstehende Ankunft des Erlösers zu transformieren, mit Dem auch das makrokosmische Ich-bin-Prinzip kommen sollte. Wegen der Verstärkung des menschlichen Ich in den nördlichen Mysterien haben zwölf Eingeweihte zusammen mit dem dreizehnten Haupthierophanten den Anwärter umkreist und ihm aufopfernd besondere Ich-Kräfte verliehen, die nach Jahreszeiten abgestuft waren. Im Augenblick der Einweihung, als das Ich, der Astralleib sowie ein Teil des Ätherleibes außerhalb des physischen Leibes eine Ekstase erlebten, haben drei der zwölf Eingeweihten Ich-Kräfte des Frühlings zum Ich des Neophyten gerichtet; die anderen drei Dreiergruppen haben jeweils „Sommer-„, „Herbst-“ und „Winterkräfte“ auf ihn gerichtet, damit er sich bewusst in die geistigen Welten erheben und sie in der rechten Weise erleben konnte.

Dagegen ist das Ich im südlichen Mysterienweg nicht in den Makrokosmos herausgetreten, sondern es hat sich zum Unterbewussten im Menschen „zusammengezogen“. Dafür hat sich der Egoismus auf das Zwölffache erhöht, weshalb zwölf Eingeweihte den Prozess beaufsichtigt haben, um die Entstehung zwölfmal schlechterer Fähigkeiten zu verhindern als die im normalen Leben Vorhandenen.

Bei beiden Einweihungswegen – dem nördlichen und südlichen – erreichte der Neophyt den Geist, um sich auf die Zeitenwende vorzubereiten, als Christus neben allem anderen auch den Charakter der vier Feste abänderte, indem Er drei neue hinzufügte, die mit seiner Tätigkeit auf dem Erdenplan zusammenhängen. Die sieben Feste bilden einen in sich geschlossenen Zyklus der Metamorphose, in dem die Menschenseele die Kräfte zur Stärkung des Ich findet und sich jedes Jahr in der Einheit von Sein und Bewusstsein auf immer höhere Individualisierungs- bzw. Christianisierungsstufen erhebt. Dabei hilft ihm das ganze Weltall. Indem sich der Mensch entlang der Lemniskate der Metamorphosen bewegt, kommt er nicht mehr zum Ausgangspunkt zurück, sondern steigt immer eine Stufe höher auf, sowie der Ton nach dem Durchlaufen der Tonleiter immer eine Oktave höher endet. Dabei entsteht der Zyklus allmählich, ohne einen absoluten Anfang. Immerhin können wir als einen Anfang die Geburt Gottes im Winter ansehen. In der vorliegenden Vorlesung interessiert uns aber der Johannistag, deshalb werden wir unseren geistigen Blick auf dieses Fest richten.

Die heutige Tragödie des Menschen liegt größtenteils daran, dass nach dem graduellen Verlust des alten Hellsehertums und dem Übergang zu der neuen Bewusstseinsform das Erleben des Jahreskreislaufs keine Rolle mehr spielt. Lediglich Weihnachten und Ostern finden einen gewissen Widerhall in der Menschenseele, aber das geschieht nur aufgrund der Tradition und nicht aus einer realen Beziehung zu Christus heraus. Der Weihnachtsbraten, der Osterzopf und das Eierfärben stellen nur ein klägliches Abbild der alten Kulte dar. Die restlichen fünf Feste können die Christen mit nichts in Beziehung setzen – weder in ihrer Seele noch in ihrem Bewusstsein. Es entsteht der Eindruck, dass das Christentum im Absterben begriffen ist, doch eigentlich fängt sein Siegeszug erst jetzt an. Die Menschen sind jedoch nicht für das Christentum bereit, obwohl sie den sieben Hauptfesten viele nebensächliche Feste beigefügt haben, die eher einen äußeren Charakter tragen. Der Mensch bleibt zwar von den Änderungen abhängig, die die Bewegung der ätherischen Erde in Bezug auf die Planeten hervorruft, aber er reagiert nicht bewusst auf sie. Trotzdem sind diese Änderungen nicht unerheblich, sie betreffen die Verhältnisse der inneren und äußeren Wahrnehmungen der Sinne, die durch die Verschiebungen im dreigliedrigen Menschen und die Änderungen der Lebensprozesse verursacht werden, welche die Bewegung der Erde in Bezug auf die äußeren und inneren Planeten bewirken. Um Weihnachten herum steht der Erzengel Gabriel im Kosmos und wirkt in den Impulsen der Nahrungsaufnahme, also im Bereich des Stoffwechsels. Das führt zur Erweiterung der inneren Sinne. Bei Frühlingsanbruch beginnt Gabriel, seine Kräfte auf das Atmungssystem zu richten, also auf das rhythmische System, in dem die Impulse des Ostererzengels Raphael wirken. Dann bekommen die Kräfte der Nahrungsaufnahme eine heilende Wirkung, da sie die Metamorphose des Atmens durchlaufen haben. Hippokrates hatte seinerzeit gesagt: „Eure Nahrung soll eure Medizin und eure Medizin soll eure Nahrung sein“. Dem würden wir die Atmung hinzufügen, insbesondere im Frühling, wenn das rhythmische System sich auf den Weg der Erhebung zum Kopf gemacht hat, wo die heilenden Kräfte zu geistigen Kräften des Menschen werden, die in den Wahrnehmungen der Sinne und im Denken wirken. Der Höhepunkt liegt in der Johannizeit, wenn wir uns zum Impuls Uriels erheben – des Erzengels der Sommersonnenwende. Zu dieser Zeit wird die Sphäre der äußeren Sinne vom sich emporhebenden rhythmischen System mit seinen instinktiven Prozessen der Atmung und Blutzirkulation erfüllt, in denen das pflanzliche Leben überwiegt. Das Kopf-Nervensystem wird dagegen zu den inneren Sinnen „verschoben“, wo das Unbewusste, Tierische wirkt. Die im Ätherisch-Physischen der Erde wirkenden Prozesse streben danach, den Menschen zu einer Pflanze zu machen und die Prozesse im irdischen Astralleib bringen uns zu unserem tierischen Zustand zurück. Als Ergebnis aller kosmischen Einwirkungen dreht sich der Mensch in seelisch-geistiger Hinsicht mit dem Kopf nach unten und beginnt wie früher in der lemurischen Zeit, einer Pflanze ähnlich zu sein.

Wenn wir annehmen, dass nur die kopernikanische Ansicht unseres Planetensystems existiert, bei der die ätherisch-astralischen Bewegungen zwischen Erde und Sonne auf der Lemniskate durch den Punkt der Sonne von der äußeren zur inneren Seite und zurück bestehen, so steht der Mensch in seelisch-geistiger Hinsicht tatsächlich kopfüber. Diese „Stellung“ ist am deutlichsten bei Menschen mit einem geringfügig individualisierten Ich, etwa bei den ausgeprägten Materialisten. In geistiger Hinsicht verfallen solche Menschen in einen tiefen Schlaf. Darauf bezieht sich der Text aus dem vierten Kapitel des Markus-Evangeliums in der Übersetzung Emil Bocks: „Wer hat, dem wird gegeben, wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er denkt, dass er hat“. Wer im Sommer nicht geistig wach bleiben kann, verfällt in das Leben des Gruppenbewusstseins und verliert seinen Verstand, denn die Prozesse der Atmung und Nahrungsaufnahme haben sich ziemlich hoch in den Kopf erhoben. Im Sommer werden die materialistisch gesinnten Menschen noch größere Materialisten, da sie nicht einfach so denken, sondern unter dämonische Einflüsse in mediumistischer Art irregeführt werden. Schon im Frühling tritt mit dem Erwachen der Elementargeister der Erde nicht nur im Pflanzenreich, sondern auch im Mineralreich reges Leben ein – insbesondere im Kalkstein, den Ahriman zu einem ahrimanischen denkenden Organismus verwandeln und in diesen die menschliche Intelligenz zusammenziehen will, die in dieser Zeit aus dem menschlichen Kopfsystem in das Gliedmaßen-Stoffwechsel-System heruntersteigt. Ahriman will Denken und Stoffwechsel zu einer Einheit verschmelzen lassen, um dadurch die kosmische Astralität unter seine Kontrolle zu bringen. Dabei helfen ihm die Kräfte des Mondes, der sich beim Menschen zum Kopfsystem erhebt. Wir wissen, dass der Mond in der Nahrungsaufnahme und in der Reproduktion wirkt. Die erhöhte Nahrungsaufnahme und die erhöhte Sexualität im Frühling führen allmählich dazu, dass sich der Mensch im Sommer geistig verliert und zu einer „Pflanze“ bzw. zu einem „Tier“ wird.

Doch noch mehr strebt Ahriman danach, zusammen mit dem Geist der Erde in die astralen Höhen der Welt vorzudringen, da zu dieser Zeit der Geist der Erde vom Lebensgeist Christi emporgezogen wird, der nach der Auferstehung zur ätherischen Aura der Erde wurde. Ahriman will nicht nur das menschliche Bewusstsein zum Unbewussten zusammenziehen, sondern auch den Astralkosmos unter seine Kontrolle bringen, die kosmische Intelligenz erobern und sie in seine Intelligenz zusammenziehen. Deshalb ist der Mensch in der Johannizeit bereits von jenem feurig leuchtenden Schwefel umgeben, der wie ein Drache aus der Erde herauskriecht, um die Gabe zu rauben, die der Mensch von der kosmischen Intelligenz erhält, wenn er wach geblieben ist, also seelisch-geistig aufrecht auf der Krebs-Steinbock-Linie steht. Das ist die ptolemäische Ansicht über den Kosmos und die Erde, nach der die Erde das Zentrum der Lemniskate der ätherisch-astralischen Kräfte im Sonnensystem bildet. Das ist eine nicht nur geozentrische, sondern auch  anthropozentrische Ansicht. Wenn wir auf der Erde stehen, sieht sie für uns unbeweglich aus und die Sonne scheint sich während des Tages von Osten nach Westen und im Jahr von Süden nach Norden und wieder nach Süden zu bewegen. Das ist keine scheinbare Vorstellung, die den Standpunkt des Menschen bedient, sondern ein Ausdruck der ätherisch-astralischen Atmung der Erde, die sich als materielles Zentrum und gleichzeitig als Peripherie des Weltalls zu immer höheren geistigen Sphären erhebt. Dabei durchläuft sie eine lange Evolution, in der sie in einem platonischen Jahr (entspricht ca. 26000 Erdenjahren) den ganzen Weg durch den Tierkreis zurücklegt. Laut Beinsa Douno ist die Erde jetzt dabei, die ungünstige dreizehnte Sphäre zu verlassen und sich auf eine hellere Sphäre der geistigen Welt zu begeben[4]. Der Mensch kann sich in diese Bewegung bewusst und richtig einbringen, indem er wach bleibt. Dagegen kämpfen auch die luziferischen Mächte. In der Johannizeit benutzen sie dazu den Strom der Astralkräfte, die aus dem Kosmos herausströmen und den Ätherkräften der Erde entgegenfließen, die sich zu der Sonne erheben. Dabei erreichen die luziferischen Kräfte das menschliche Atmungssystem, durch das sie unseren Ätherleib und damit auch den Lebensgeist unter ihre Kontrolle bringen wollen. Sie hoffen, dass der Mensch zusammen mit seinem Astralleib irgendwann auch seinen Ätherleib „ausatmen“ und nur in der geistigen Welt bleiben wird, ohne zu irdischen Inkarnationen herunterzusteigen. Irgendwann wird das auch der Fall sein, doch vorläufig ist der Mensch noch nicht dazu bereit. Deshalb ist es in der Johannizeit wichtig, dass wir von Uriel die Kraft des Denkens erhalten, die Erzengel Michael im Herbst in einen Willen verwandelt, der eine „Bewegung“ im Menschen fördert – den Übergang zu einer allmählichen Änderung der Bewusstseinsform.

Wenn davon die Rede ist, dass wir auf dem Höhepunkt des Sommers unser Denken stärken sollen, ist es am wichtigsten, wie wir das praktisch umsetzen können. Hierbei hilft uns die Johanni-Imagination. Wie bereits erwähnt, tritt der Mensch im Sommer in die Fülle seiner äußeren sinnlichen Wahrnehmungen ein und hat die größte Möglichkeit, sich selbst in diesen zu erleben, wenn er sein Bewusstsein beibehalten kann. Nicht mit dem Intellektuellen des Verstandes, das geopfert werden muss, sondern mit seinem Ich müssen wir uns an die höhere Anschauung wenden. Dann wird uns das „Objektiv-Seelische“ in der Natur geoffenbart. Die aufleuchtenden Glühwürmchen (Johanniskäfer) regen diesen Zustand an – im Dunklen sieht man mit seinen Sinnesorganen nicht den Körper des Glühwürmchens, sondern das Aufleuchten des Lichtes, das von diesem Körper kommt. Dieses Licht ist der Geist, der sich hinter dem äußerlich Materiellen zeigt. Wenn man zu einem solchen Zustand seines Ich-Bewusstseins fähig ist, wird man sehen können, wie aus dem Tierkreis höhere physische Kräfte heruntersteigen, die wie silberne Fäden in den Erdentiefen leben und die richtigen kristallinen Formen, Linien, Vielecke usw. weben, welche einem blau erscheinen. Und dann fühlt man, dass man buchstäblich aus dem blauen Untergrund des Erdbodens „wächst“, man fühlt, dass man sich in dieser Naturplastik auflöst, dass man durchzogen ist von den Kräften der Silberfäden und auf dem „kosmischen Willen“ steht. Woher kommt das Silber in der Erde? Aus der modifizierten Einmischung der Mondenkräfte in die zur Erde herunterströmende höhere physische Wirkung des Makrokosmos.

Das geschieht im Sommer und im Winter hat die Erde endgültig ihren Astralleib und ihr Ich wieder „eingeatmet“. Sie erinnert sich an die Erlebnisse in den höheren geistigen Welten auf dem Höhepunkt des Sommers, dessen Ideengedanken sie mit ihrer Aura empfangen hat. Die Erde ist im höchsten Sinne wach, während der Mond mit seinen Kräften vollständig in sie versunken ist. Der Mensch ist auch wach. Obwohl das astrale ahrimanische Feuer, das ihn in der Johannizeit umgibt, im Herbst auf seinem Höhepunkt ist, scheint sich der Mensch wieder auf die Beine in Richtung Zwillinge-Schütze zu stellen. Das geschieht, selbst wenn man im Sommer seine seelische „Aufrichtung“ aufgegeben hat, denn das rhythmische System verlässt den Kopf auf dem Weg zum Stoffwechsel, also zum Irdischen. Der Mensch erwacht, denn mit seinem Ich stützt er sich auf seine „Erde“ – den Kopf. Der Kopf bringt die Wirkung der aus dem Makrokosmos kommenden Kräfte ideell zum Ausdruck, deshalb ist er oval. Das geistige Korrelat dieser Tierkreiskräfte ist das Denken. Vom Sommerrhythmus befreit, wird das Denken individuell und die Kräfte des ganzen Kosmos verstärken es. Die Lebensprozesse nähern sich ihrem unteren Ende in der Sphäre der Mondenkräfte, die die Reproduktion steuern, deren Regent der Erzengel Gabriel ist. Der Mensch befindet sich zwischen beiden Polen der Geburt – der physischen und der geistigen. Damit beide stattfinden können, muss sich die geistige Sonne zwischen Erde und Mond stellen. An Weihnachten ist ihre physische Kraft am schwächsten, was dem Menschen erlaubt, sie geistig durch die Erde zu erleben. Und genau in der Mitternachtsstunde der Weihnachten in der Zeitenwende, im ersten Jahr der neuen Zeitrechnung wurde die nathanische Seele geboren – die geistige Kraft der Sonne. „Das Wort wurde Fleisch“, als die äußere luziferisierte Sonnenwirkung ihren niedrigsten Punkt erreicht hatte und die ahrimanischen Kräfte in der Erde gefesselt waren. Die nathanische Seele hatte keine irdischen Inkarnationen erlebt und kannte das Böse nicht. Über den salomonischen Jesus können wir annehmen, dass er einige Monate früher geboren worden war – in der michaelischen Zeit, wenn die ahrimanischen Wirkungen mit dem besagten Astralfeuer am schärfsten sind, mit dem die aus den weiten Höhen zurückkehrende Menschenseele empfangen wird. Zarathustra kannte diese Kräfte, er hatte mit seinem Ich ein individuelles Manas erreicht und konnte ihrem Druck standhalten.

„Das Wort wurde Fleisch“, damit irgendwann in der Zukunft das Fleisch wieder zu Wort werden kann, was in einem anderen Evangelium festgehalten sein wird, das ein anderer Johannes über den jetzigen Bodhisattva Beinsa Douno nach dessen Aufstieg zum Buddha schreiben wird. An Weihnachten ruht sich die geistige Frucht – die spirituelle Sonne – im Kelch der physischen Leiblichkeit aus. Deshalb ist die wahre Emanation des Festes die Jungfrau, die in Sonne gekleidete ist und auf der Mondsichel steht. Im Sommer dreht sich dieses Kelchbild wie ein wahrer Gral um und ergießt die Lebenskräfte der Sonne über Mensch und Natur. Sie beleben die Welt der Natur, aber der Mensch muss geistig aufblühen. Wie bereits erwähnt, steigen die in den Gliedmaßen als ein Reproduktionssystem wirkenden Mondenkräfte, die im Winter in der Erde sind, mit dem nahenden Sommer zum Kopf auf. Auf diese Weise können sie sich noch spiritueller zum Ausdruck bringen und das Irdische im Menschen wird zum System der Gliedmaßen verschoben, die Sonnenstrahlen ähneln. Die Beziehung zu den kristallbildenden Prozessen in den Erdentiefen, die zu dieser Zeit vor sich gehen, ist offensichtlich. Die irdisch-mondische Tätigkeit objektiviert grundsätzlich die Wirkung der kosmischen Intelligenz, deren höchsten Ausdruck wir im Menschen finden, in dem im Frühling eine Bewegung dieser objektivierten Intelligenz ihrer kosmischen Urquelle gegenüber entsteht – der kosmischen Intelligenz, die durch das Tor der Sonne in die irdische Welt einströmt. Unser irdisches Bewusstsein ist bestrebt, etwas hervorzubringen, lebendig zu werden und mit den Kräften der Natur zu verschmelzen. Dabei stützt es sich auf das durch die Mondenkräfte geschaffene Gehirn. Wenn wir aber geistig-seelisch in „aufrechter Stellung“ bleiben und unseren Blick kontemplierend nach oben richten, werden wir zahlreiche Wesen sehen, die ineinander leben. Das ist die kosmische Intelligenz, durch die das Leben verläuft, indem es sie beleuchtet. Oben webt die Intelligenz, unten auf der Erde webt der kosmische Wille. Zur Zeitenwende stieg Christus in die Erdentiefen hinunter, um den Keim der zukünftigen Vergeistigung der Erde anzulegen. Mit seiner Himmelfahrt war das Mysterium des göttlichen Weges zum Menschen zu Ende und an Pfingsten begann das Mysterium des menschlichen Weges zu Gott, das uns am Johannistag als die Erhebung des Menschen mit dem Lebensgeist Christi zur kosmischen Intelligenz gezeigt wird. Die irdische Intelligenz trifft die kosmische und dabei entsteht ein kosmischer alchemistischer Prozess, bei dem das aufsteigende Silber (die Mondenwirkung) zu Gold (der Sonnenwirkung) wird. Das Leben vereinigt sich mit der Intelligenz, die Liebe – mit der Weisheit, das Sein – mit dem Bewusstsein. Es entsteht ein kosmisches Mysterium und in den Lichtstrahlen des webenden Weltgoldes erscheint das Bild des Erzengels Uriel in Feuerrot. Es ist das Ergebnis der Vereinigung der emporstrebenden irdischen Elementargeister mit der von ihnen aufgenommenen kosmischen Intelligenz. Uriel steht vor dem geistigen Blick als der Vertreter der Weltvernunft in dieser Zeit. Seine eigene Intelligenz setzt sich aus den ineinander wirkenden Planetenkräften zusammen, die von der Wirkung der Töne im Tierkreis gestützt werden. Uriels Gestalt ist nicht fest, sondern lebendig – wie das sich ständig wandelnde Leben. Mit Sicherheit ist sein Gesicht aber ernsthaft, denn er schaut auf die menschlichen Fehler und Unvollkommenheiten, die unten in den Kristallbildungen abgelagert werden und diese beschädigen. Im Herbst werden diese Fehler als ein Ergebnis in den Kristallbildungen sichtbar. Deshalb haben die Bulgaren als einen weiten Nachklang der alten Mysterien das Sprichwort „Die Küken werden im Herbst gezählt“ – was wir im Sommer ausbrüten, darüber werden wir im Herbst verfügen.

Im Unterschied zu den Fehlern und Mängeln, steigen die menschlichen Tugenden zusammen mit den Silberstrahlen auf und werden in der Welt der Intelligenz zu einer Silberplastik, zu einem Kunstwerk, das Uriel umgibt und in dem das Moralische mit dem Naturhaften verflochten ist. Uriel besitzt flügelartige Arme. Sie sind ein ernstzunehmendes Warnzeichen, mit dem er in das Menschengeschlecht „das historische Gewissen“ hineinbringt, d.h. die Verantwortung jedes Einzelnen für seine Handlungen in Hinblick auf die Evolution des Kosmos.

Die oben vorhandene Schönheit kommt von den menschlichen Tugenden und das in den Erdentiefen Abgelagerte resultiert aus unseren Mängeln und wird in der Gestalt der Mutter Erde konsolidiert, die im Altertum mit dem Namen Demeter bezeichnet wurde. Demeter schließt die Gestalt Uriels wie ein Kreislauf ab, die sonst oben inmitten der Intelligenz auftaucht. Demeter – das sind die Kräfte der Erde, sie ist die stoffliche Mutter des ganzen Seins. In den eleusinischen bulgarischen Mysterien wurde mit dem Kult um Demeter der Brotkult eingeleitet, der zum Sinnbild des Übergangs vom Gottesreich zum menschlichen Naturreich geworden ist. Das Reich Gottes wurde in Zeus manifestiert. In der Vereinigung von Zeus und Demeter erschien vor dem imaginativen Blick des Eingeweihten die Form einer Frauengestalt mit einem an ihrer Brust saugenden Kind. Dieses Kind war das zur Verkörperung herabsteigende Ich – Christus. Heute noch erscheint ein Bild, das das Ergebnis der Vereinigung des Geistes mit der Materie, des Goldes mit dem Silber darstellt. Das ist das Bild des Sohnes zwischen ihnen und so erscheint in der Johanni-Imagination die ganze Heilige Trinität – selbstverständlich nicht dogmatisch, sondern imaginativ wahrgenommen. Der Mensch kann sich selbst in der Umarmung der obersten Trinität erleben und Johannistag annehmen als den Augenblick der Kontinuität zwischen dem Heidentum und dem christlichen Mysterium des Logos, der Fleisch wurde und der Versuchung mit dem Brot in der Wüste (einer Widerspiegelung der Versuchung Evas mit der verbotenen Frucht) standgehalten hat, um mit dem persönlichen Sieg des Ich und des Lebensgeistes über die lebenslose Materie zu triumphieren. All das muss in grandiose Musik übertragen werden, in der wir zu uns selbst die Weltgeheimnisse aussprechen können, mit denen wir am Johannistag das Abendmahl empfangen. Diese Musik ist das gemeinsame Sein des Menschen mit dem Kosmos, seine Einheit mit der Weltintelligenz und dem Weltenwillen. Aus ihr werden die Höhen und die Erdentiefen zu einem Mysterium. Beide verbindet der Mensch zu einem  Mysterium der Mitte und er ist bis zu seinen Knochen vom Willen und in seinen besten Gedanken von den Kosmosgedanken durchdrungen. Das Mysterium der Mitte ist die Erscheinung Christi vor der menschlichen Seele als Träger des Weltgeistes. Deshalb erscheint unter den Augen Uriels eine weiße Taube und unter der Taube – ein Kreuz. Das Kreuz erhebt sich auf der Mutter-Materie von unten nach oben und von oben steigt die weiße Taube herunter. Hier sehen wir den Nachklang der Taufe, ein Nachklang des Osterfestes und teilweise der Geburt Gottes. Warum gibt es diesen Nachklang?

Die weiße Taube erscheint laut dem Evangelium bei der Taufe und laut einer Legende auch über dem Kreuz auf Golgatha, wo sie einen Kranz aus sieben Rosen trägt. Bei der Jordantaufe ist der Lebensgeist Christi in Jesus herabgestiegen, und zwar in der Hülle des Heiligen Geistes, der kosmischen Intelligenz in der Gestalt der Taube. Danach ist er über das Golgatha-Kreuz niedergestiegen, um zu zeigen, dass aus dem Weltenkreuz das ewige Leben aus den sieben „Rosen“ entstehen wird, die sich zu einer Oktave erheben. An Pfingsten ist der Heilige Geist wieder wie bei der Taufe herabgestiegen, aber diesmal über eine Menge von Menschen, die ein individuelles Ich besitzen und die Blutsverwandtschaft überwunden haben. Da ist er aber nicht in der Gestalt einer Taube, sondern als eine Feuerzunge herabgestiegen – das war das Ich – der Lebensgeist Christi im Kelch (in der Hülle) des Geistselbst des Menschen, sozusagen eine Inspiration in der Hülle der Imagination. Der Lebensgeist konnte nicht in die Ätherleiber der Jünger wie in Jesus eintreten, dieser besaß das individuelle Manas Zarathustras. Aber die erlebte Gabe des Heiligen Geistes hat in die Jünger die Begeisterung hineingebracht, an sich selbst zu arbeiten, um irgendwann zum eigenen „Jordanfluss“ und zum eigenen „Pessachfest“ zu kommen. Mit dem Johannisfest nähert sich der Mensch unmittelbarer an das, was Christus durch das Mysterium von Golgatha vollbracht hat. Während im Jordan der Mensch Gott mit Wasser taufte und der Heilige Geist über Jesus herabstieg, tauft am Johannistag Gott den Menschen mit dem Heiligen Geist. Doch nur wenn der Mensch sich dem Geistselbst gegenüber erhebt, das aus der Sphäre jenseits des Tierkreises herabsteigt. Der menschliche Aufstieg entspricht der mitternächtlichen Daseinsstunde – dem Höhepunkt seines nachtodlichen Seins. Wie hoch man dabei aufsteigt, hängt davon ab, wie vollkommen man in moralischer Hinsicht ist. Im okkulten Sinne ist dieser Tag ein Pralaya für den Menschen, ein vollständiges Eintauchen in das Göttliche, das er bei seiner Erhebung in den die Mutter-Materie durchdringenden Strom des Christus-Lebens erreicht hat. Aus der Vereinigung der Liebe (des Lebens) von unten mit der oben befindlichen Intelligenz erscheint der Sohn, um uns die Vollheit der göttlichen Trinität zu manifestieren, und zwar im Aspekt der Göttlichen Sophia. Die Johanni-Imagination ist die Imagination der Sophia und das Wesen des Festes besteht darin, dass der Mensch Sophia in sich aufnimmt. Das vollständige Erleben der Sophia durch den Menschen setzt voraus, dass ihre Erscheinung an Pfingsten mit dem von ihr am Johannistag erhaltenen Abendmahl vereinigt wird. An Pfingsten stieg der Heilige Geist über die Jünger herab, an Johannistag hat sich das ganze Erdendasein mit dem Heiligen Geist vereinigt – die Elementargeister, die Elemente, die Naturreiche und der Mensch. Die Seele steigt in die höheren Sphären der Intuition auf, sie kann die moralischen Intuitionen erleben, von denen in der „Philosophie der Freiheit“ die Rede ist, damit die ganze Schöpfung den Rückweg der Evolution zu Gott wieder besteigt. Sophia vermittelt die Erscheinung Christi in der Seele, wobei sie von der Inspiration des Pfingstfestes zum Tor hinüberleitet, das in die Welt der moralischen Intuitionen führt. In dieser Eigenschaft ist sie der von Christus versprochene Trostgeist. Durch Sophia kommen das Geistselbst und der Lebensgeist zu einer Einheit und der Mensch darf die Früchte des Baums der Erkenntnis und des Baums des Lebens kosten – in den Höhen, indem er auf diese Weise die Erbsünde überwindet. Zuerst führt Sophia den Menschen zur Individualisierung seines Denkens, zur Metamorphose der Denkart durch die Vereinigung von Glaube und Wissen. Auf der nächsten Stufe erreichen das Bewusstsein und das Leben mithilfe der Kraft Christi eine Einheit und die Bewusstseinsform erfährt eine Wandlung. Zuletzt wird das Fleisch selbst vergeistigt. Auf diese Weise erscheint vor unserem geistigen Blick Sophia als die hierarchische Manifestation der obersten Trinität in ihrem vollen Ruhm. Das können wir auf den Sophienikonen beobachten, die zuerst unter dem bulgarischen Sophienchristentum entstanden und später nach Russland verbreitet wurden.

Ikona - Joanovden

Das Blaue auf der dargestellten Ikone ist die Mutter-Materie, in der an Weihnachten das göttliche Kind geboren wurde. Hier ist die Johanni-Imagination eine Art Metamorphose der Weihnachtsimagination. Links ist die Gottesmutter und rechts – der Täufer, d.h. der Mikrokosmos, der auf dem Höhepunkt des Sommers mit dem Heiligen Geist getauft wird. Sophia trägt ein rotes Gewand und sitzt auf einem goldenen Thron. Dieser Thron ist die kosmische Intelligenz, die am Johannisfest in der Gestalt Uriels dargestellt wird. Sophia ist nebst ihrem Thron von einer rosa Aura umgeben, die von oben von Christus (dem Lebensgeist) erleuchtet wird, der sich nach Golgatha mit der Erde verbunden hat. Noch höher wird die Sphäre des Vaters mit den Engelschören der kosmischen Intelligenz dargestellt. Die Komposition der Ikone trägt die vollendete Gesamtheit des Mysteriums des Gottes, der zum Menschen wurde und den Menschen erlaubte, ihn an das Kreuz der Erdenevolution zu schlagen. Deshalb erscheint auf den Sophienikonen unbedingt auch ein Kreuz – wie in der Johanni-Imagination. Das Kreuz hat eine vielschichtige Bedeutung, denn es symbolisiert neben dem Pentagramm auch den Mikrokosmos/den Menschen. In der Johanni-Imagination ist das Kreuz das Sammelbild der vier Ätherarten, aus denen die Gestalt Uriels entsteht. Das Kreuz symbolisiert den Gang der Erdenevolution, der den Menschen als ein biologisches Wesen in die aufrechte Stellung gebracht hat. Der Kreis im Zentrum ist die geistige Sonne, die sich im menschlichen Herzen befindet und die Liebe mit der Weisheit, das Leben mit dem Denken verbindet. Der Sinn dieses Lebens sind die sieben Rosenkreuzer-Rosen und über dem Kreuz des Mikrokosmos breitet die Taube – das Geistselbst – die Flügel in der Gestalt Uriels aus. Der ganze Zyklus der Jahresfeste und ihre Orientierung an den Aufgaben des Menschen kulminiert im Johannisfest. Deshalb hat das Kreuz auch einen anderen Aspekt, der aus der gegensätzlichen Stellung von Johannistag und Weihnachten zueinander entsteht. Am Michaelistag ist der Prozess der Wiederholung im Jahreskreislauf zu Ende. Mit dem Heiligen Geist und dem Feuer getauft, stellt sich der Mensch an den Platz Christi, den Er beim Mysterium von Golgatha eingenommen hat. Doch auch das Feuer, das von Ahriman kommt, ist um diese Zeit am stärksten und hier entscheidet sich, ob der Mensch Ahriman erlauben wird, die Früchte des Geistes zu rauben, die er am Johannistag erhalten hat. Dann würde der Mensch in eine Art Winterstarre verfallen und Ahriman erlauben, Sophia in ihm zu töten. Es ist ein Prozess der Harmonisierung des Atmungsrhythmus und des Rhythmus des Bluts, ein Prozess der Verwandlung des ahrimanisierten Willens im Blut in den Willen des Denkens. Wie bereits erwähnt, beginnt eine wiederholte Aufrichtung des Menschen, der vorher in seelisch-geistiger Hinsicht vielleicht umgedreht war. Das liegt daran, dass die Sphäre der äußeren Sinne sich zusammenzieht. Das rhythmische System steigt in den Bereich der inneren Sinne zu den Tiefen des Bewusstlosen hinunter. Dabei bleibt der Kopf frei und die Inspirationen des Erdengeistes und damit des ganzen Kosmos können in den Kopf eindringen. Michael, der in kosmischem Gold und irdischem Silber gekleidet ist, drückt mit der Eisenspitze seines Speers Ahriman zu Boden, der aus dem Stoffwechsel in das rhythmische System eindringen und das Blut erfassen will. Damit will er alles, was in den Mysterien des Johannes erlebt wurde, stehlen und in seine Intelligenz herunterholen. Mit seinem Feuerschwert zeigt Michael auf Sophia und scheint den Menschen zu ermahnen, die Sophia  nicht zu vergessen, wenn er im Winter in die Erdentiefen eintaucht. Zusammen mit dem Menschen kommt zur winterlichen Erde auch das Silber, das die Erde abgegeben hat, aber in Gold verwandelt. In der Kraft des zum Gold gewordenen Silbers steckt das, was durch die Erde ihre Tiefen durchwebt und durchdringt. Es belebt dort das, was das Leben für das nächste Jahr verlangt. So befruchtet die Sonne die Erde und hier erkennen wir das früher beschriebene Bild der Sonne, die sich in der  Mondsichel ausruht. Die geistige Sonne erlebt eine bestimmte Entwicklung in der Materie, die auch der Mensch im Mikrokosmos erlebt. Der Mensch steigt in die Gruft der winterlichen Erde hinunter, um an Weihnachten mit dem Heiligen Geist aufzuerstehen und in sich das Kind des Geistes (die geistige Sonne) hervorzubringen, die im nächsten Jahr den Einweihungszyklus auf einer höheren Stufe wiederholen wird. Auf diese Weise wiederholt der Mensch mit seinem Einweihungsmysterium vom 29.09. bis zum 24.12. den exoterischen Weg des Mysteriums des salomonischen Jesus wie auch das, was Christus vom Abend des Karfreitags bis zur Osterauferstehung erlebt hat. An Weihnachten erhebt sich der menschliche Geist zum Höhepunkt seiner Fähigkeiten. Aber während er im Sommer stark in die Naturprozesse, in die ätherisch-physische Urgewalt der Erde eingeflochten war, empfindet er im Herbst mit dem Verblühen und Absterben der Natur den Wunsch, zusammen mit den Elementargeistern der Erde, die den Astralleib beim Gruppenbewusstsein ausfüllen, in die Erdenmaterie einzutauchen. In diesem Fall hat Ahriman einen Sieg über den Menschen errungen. So entsteht ein Teufelskreis – das Sommerbewusstsein wird vom Winterbewusstsein bedingt und umgekehrt. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, müssen wir im Winter mit dem Ich in der dreigliedrigen Seele durch den Strom der Kräfte arbeiten, die das Denken fördern. So können wir uns auf die Begegnung mit dem Geistselbst vorbereiten, das im Sommer unser Bewusstsein vor der Winterstarre retten wird. Die Bemühungen der Arbeit an sich selbst sollten sich auf den Höhepunkt des Sommers und des Winters konzentrieren, wenn wir jeweils von Gott geboren werden und das Abendmahl mit dem Geistselbst erhalten. Während des Oster- und Michaelisfestes ist der Kampf um die Christianisierung der menschlichen Form im Gange.
Wenn der Mensch in dieser Art das Weltenkreuz der vier Feste erlebt, prägt er sein eigenes Schicksal, löst sich von den Fesseln der alten Vorbestimmung und steigt zur Freiheit auf. Auf unserem Weg durch die zahlreichen Inkarnationen bilden wir eine völlig andere Ursachen- und Folgenkette, die wir nicht erreichen, wenn wir passiv und unbewusst leben. Indem wir unsere Karmakette erleben, die in den Lauf der Sonne innerhalb des Tierkreises eingeflochten ist, nähern wir uns dem Ende unserer Erdeninkarnationen. Hier kommen wir zum Verständnis des Kreuzes der Erlösung und der Auferstehung, das von der Kreuzung der Waagerechten des Karmas und der Senkrechten des Schicksals gebildet wird. Die Senkrechte bringt das Ich-Weltenkreuz zum Ausdruck und die Waagerechte – das Weltenkreuz der Evolution, das wir in früheren Vorlesungen besprochen haben. Auf dem Golgathahügel hat Christus beide zu seinem Kreuz zusammengeführt, das Er zum Kreuz der Erlösung durch die Auferweckung des Phantoms des physischen Leibes in den Kräften seines Lebensgeistes machte. Das Kreuz, auf dem die Rosen fehlen, kennzeichnet lediglich die Kreuzigung des Menschen durch die Weltnotwendigkeit, während das Kreuz mit den Rosen eine Belebung, Auferstehung bedeutet. Die sieben Rosen, die die Taube über dem Golgatha-Kreuz trägt, symbolisieren auch die sieben Lebensprozesse im Menschen. Wenn diese vergeistigt werden, d.h. wenn der Mensch in ihnen bewusst wird, kommt er zur Begegnung mit dem Phantom des Christus Jesus als dem Gott des menschlichen Ich und dem Regenten des Karma in der Ätherwelt.

Bringen wir Leben in das Denken hinein, meistern wir die Ätherkräfte des Körpers und können Christus bei seiner Zweiten Ankunft begegnen. Unterwegs begegnen wir unvermeidlich den astralisch-ätherischen Einflüssen der Planeten und des Tierkreises, welche die Vielfalt der astrologischen Aspekte bilden, die das Schicksal beeinflussen. Es sind komplexe Einflüsse, die die physische, seelische und geistige Gesundheit des Menschen und das Leben von Denken, Fühlen und Wollen betreffen. Doch all dem muss sich das Ich entgegenstellen, das auf eine Begegnung mit dem Ich von den Elohim und dem Christus-Ich zugeht. Für den Menschen der neuen Zeit, der seine Bewusstseinsseele entwickelt, müssten all diese Einflüsse des Kosmos auf sein Schicksal nicht aus der Notwendigkeit heraus zustande kommen. Vielmehr sollte der Mensch selbst den Knoten seines Schicksals binden. Das kann er nicht erreichen, indem er gegen sein Schicksal, gegen die kosmischen Einflüsse „kämpft“, wohin ihn die illusorischen sozialen Strömungen führen, die ihn in die Falle einer noch größeren Notwendigkeit treiben. Das kann er erreichen, indem er seine ungünstigen Neigungen und seine Schwächen bekämpft. Zur Freiheit führt die geschickte Steuerung des Schicksals durch das gestärkte Ich. Die Bestandteile des Schicksals machen das Menschenwesen aus. Mit der Zeit wird das Ich so stark werden, dass es sogar den Einfluss der Planeten auf die biologischen Prozesse abändern könnte. Selbst die Reproduktionsart wird sich wandeln. Durch die Magie des Wortes wird ein Individuum ein anderes Individuum in der feinen Stofflichkeit der Erde erzeugen. Es werden alle Lebensprozesse eine Metamorphose durchlaufen und zu Seeleneigenschaften werden. Diese Zukunft ist nur unter Anwendung des paulinischen Prinzips „Nicht ich, sondern Christus in mir“ möglich. Später wird es „Nicht ich (von den Elohim), sondern Christus in mir“ heißen.

Hier kommen wir zu jenem waagerecht liegenden Kreuz in der Luft, das das Zeichen der Bulgaren sein soll. Auf dem Golgathahügel wurde Christus auf das Kreuz der Evolution gelegt. Er lag waagerecht auf der Erde und wurde gekreuzigt, anschließend wurde das Kreuz aufgerichtet. Die senkrechte Linie des Schicksals hat die waagerechte Linie des Karmas besiegt, die uns zum Tod auf dem physischen Plan führte. Auf diese Weise wurde der Weg zum nächsten Zyklus des Heiligen Geistes gebahnt, wo wir laut Steiner fünf weitere Bewusstseinsformen ausbilden werden. Ohne Golgatha hätten wir nur sieben Formen gekannt – vom alten Saturn bis zum Vulkan, die sich in der Zeit entwickeln. Mit den fünf Bewusstseinsformen im zukünftigen Zyklus werden wir die Entwicklung zur Zahl der höheren Räumlichkeit – zwölf – schließen. Während die zwölf heiligen Nächte im Jahreskreislauf für den Christen ein Tor im Raum der sinnlichen Welt bilden, reden wir hier von einer Räumlichkeit, die mit dem Kristallhimmel zu tun hat. Über sie lässt sich momentan nichts sagen.

Im Zeichen der Bulgaren haben die beiden Linien die gleiche Länge und sie kreuzen sich in der Ätherwelt, wo sich Christus jetzt befindet. Er befindet sich im Wärmeäther, der eine zentrifugale Tendenz aufweist – er zieht uns von unserem Ich zum Ich Christi, zum Weltenäther, zum Lebensgeist Christi, der vom väterlichen Weltengrund herabgestiegen ist. Zum Wärmeäther ist Christus während des Mysteriums von 1936 hinuntergestiegen. Wenn der Mensch – der Bulgare – den Christus dort findet, wird er sein Zeichen durch die Umwandlung des Bösen in Gut aufrichten. Die Bulgaren kombinieren ihre Mission der Ich-Entwicklung der Menschheit mit ihrer Funktion im allgemeinmenschlichen Organismus. Dort sind sie die Leber, in der während der Embryonalentwicklung das Blut als der materielle Ausdruck des Ich entsteht und durch die später Gifte – also das Böse – abgewandelt werden. Es steht die Begegnung mit Ahriman bevor, der durch das Blut die geistigen Früchte stehlen wird, die der Mensch im Wachzustand erlangt. Wenn wir uns ihm widersetzen, werden wir unvermeidlich unser Zeichen in der Ätherwelt aufrichten. Dadurch wird dieses Kreuz, das jetzt gleicharmig ist, da die Bulgaren „schlafen“, immer mehr dem Christus-Kreuz ähnlich werden, bei dem die Senkrechte des Ich deutlich länger ist als die Waagerechte des Karmas. Unter den heutigen Bedingungen kann man Christus in der Ätherwelt durch die Synthese der beiden esoterischen christlichen Impulse des 20. Jahrhunderts in seinem Ich finden, und zwar auf eine für jedes Individuum einmalige Art. So wird der Mensch zu einer lebendigen Johanni-Imagination werden, in der der Weltenwille und die kosmische Intelligenz sich begegnen werden, damit der Ich-Geist Christi im menschlichen Ich geboren werden kann. Wenn wir uns an das Bild des Meisters Beinsa Douno erinnern, der  im Rilagebirge sitzt und wie ein unerschütterlicher Felsen aussieht. Es gibt keine bessere Imagination der Johannizeit als diese – die Imagination des wachen Menschen, der auf dem Weltenwillen steht. Wenn wir uns an das Bild Rudolf Steiners bei der Grundsteinlegung in Dornach 1913 erinnern, als er sich bei Regen und Wind mit mächtigen Worten an die geistigen Hierarchien wendet, werden wir kein besseres Bild einer wachen Erhebung zu den geistigen Intelligenzen an Johannistag als dieses finden können.

Aus der Begegnung der Liebe und Weisheit wird sich der Mensch zu den immer höheren Offenbarungen Christi in den nächsten Epochen emporheben, um im Ich-bin-Prinzip zu Höhen aufzuwachsen, die wir uns auf der heutigen Entwicklungsstufe kaum vorzustellen vermögen. Unsere Führerin wird Sophia, die Weisheit Gottes sein, die darauf wartet, dass wir sie am Johannistag in der kraftvollen Gefühlserhebung durch die Erweiterung der äußeren Sinne suchen. Mit den Gaben der Sophia wird der Mensch würdig sein, den Namen ‚Bulgare‘ zu tragen und auf die Erfüllung jener obersten Vorsehung zugehen, die der väterliche Weltengrund schon im Kristallhimmel für ihn angelegt hat. Der Kristallhimmel wartet, dass wir irgendwann dorthin zurückkehren, aber nur als Götter. „Gott will Götter“, hatte Novalis in seinen „Fragmenten“ geschrieben. Der Johannistag ist die Selbstbestimmung der Person – sich entweder auf die Seite Christi oder Ahrimans schlagen. Es soll entweder das Zeichen des Bulgaren gewählt werden, das zur Auferstehung führt, oder der Weg des Untergangs, der im Abgrund endet.

Welchen Weg wirst du wählen?

[1] „Okkulte Klasse für die Jugend“, Sofia, 01.04.1932, „Die Bedeutung der Zahlen“

[2] Die Rede ist von Vassil Levski (1837-1873), Anführer und Ideologe des Freiheitskampfes gegen die türkische Herrschaft in Bulgarien.

[3] Vgl. „Die Bodhisattvas“

[4] « Sonntagsvorträge », Sofia, 09.06.1940, „Das Leben“