Johannistag und das Zeichen der Bulgaren

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 25.06.2017 in Varna

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Die ganze Vorlesung im PDF-Format

 

Gebet: Herr Gott Jesus Christus, wir bitten Dich, mögen die Bulgaren den Weg zu ihrem Zeichen finden, das Dein Zeichen ist. Аmen!

Unbemerkt rollten drei Jahre nach der anthroposophischen Konferenz „Die Seele Europas“ in Varna 2014 dahin, in denen in unserer Gruppe „Geist der Wahrheit“ 29 große Vorlesungen über Themen aus dem esoterischen Christentum gehalten wurden, die auf YouTube zu sehen sind. Mit der vorliegenden Vorlesung und dem Vortrag über Skythianos, der auf der benannten Konferenz gehalten wurde, liegen nun 31 Vorlesungen vor. Die Zahl 31 ist laut Beinsa Douno „die Zahl des Bulgaren“ – „jeder Mensch, der die Zahl 31 hat, ist ein Bulgare“[1]. Wir wissen, dass die Zahl der Tage in einem Monat entsprechend des Mondumlaufs gezählt werden. Zu den 28 Tagen wurden jedoch drei zusätzliche Tage hinzugefügt. Wir besitzen unter anderem auch 31 Spinalnerven-Paare, damit wir als unabhängige, aufrecht stehende Sonnenwesen existieren können und nicht nur von der kosmischen Gesetzmäßigkeit der Mondzahl 28 geleitet werden. Die Unabhängigkeit bedeutet Ichhaftigkeit und die Bulgaren sind gerade das Volk, das vor Christus für die Ich-Evolution der Menschheit, für ihre aufrechte Stellung verantwortlich.

Heute werden wir über den aufrechten Gang im Zusammenhang mit dem Johannistag sprechen, auch auf eine weitere Aufrichtung werden wir eingehen, die erst jetzt besprochen werden kann. Der Anlass liegt sieben oder acht Jahre zurück und hängt mit einer Begegnung zusammen, die damals stattgefunden hat. Eine junge Frau kam aus einer anderen Stadt nach Varna, um sich mit einem jungen Mann sowie mit mir und meiner Frau zu treffen. Diese Frau hatten wir ein paar Monate früher schon kennengelernt. Wir setzten uns zu viert in ein Restaurant. Schon lange vor unserer Verabredung hatten wir gewusst, dass der junge Mann eine Inkarnation des Nationalhelden Bulgariens war[2]. Er wusste auch, wer er war, aber er konnte die Wahrheit über die eigene Person nicht ertragen und ist später in einen sog. „Astralschlaf“ verfallen. Das bedeutet, dass sich jemand, der die Wahrheit über eine oder mehrere seiner wichtigen Inkarnationen unvorbereitet erfahren hat,  sich auf seinen Lorbeeren ausruht und die Aufgaben seiner jetzigen Inkarnation nicht wahrnimmt. Wir hatten auch wahrgenommen, wessen Inkarnation die junge Frau war und nun sollte ihr das in einer bestimmten Art angedeutet werden. Ich habe beim Gespräch weit ausgeholt und den Kreis allmählich eingeengt. Irgendwann kam es zum Augenblick, als sie sagte: „Ja, ich weiß seit langem, dass ich die wieder geborene Jeane d‘ Arc bin“ – das haben auch wir gewusst. Uns gegenüber saßen also die Nationalhelden Bulgariens und Frankreichs.

Einige Zeit später hat mir die junge Frau durch diesen jungen Mann eine ihrer Erfahrungen mitgeteilt: sie habe ein gleichseitiges Kreuz gesehen, das jedoch nicht aufrecht stand, sondern waagerecht scheinbar im Nichts lag, als wäre es in der Luft. Danach habe sie eine Stimme gehört: „Das Kreuz, an dem Christus gekreuzigt wurde, ist das Zeichen der Bulgaren.“ Danach wiederholte die Stimme dreimal: „Sag es Mangurov!“

Seit diesem Erlebnis sind sieben oder acht Jahre vergangen, der bulgarische Nationalheld befindet sich immer noch im Zustand des Astralschlafes und die französische Heldin scheint noch nicht ihren Weg im jetzigen Leben bestiegen zu haben. In der vorliegenden Vorlesung ist für uns jedoch wichtiger, das Rätsel des „Zeichens der Bulgaren“ zu verstehen, und zwar im Licht des Mysteriums des Johannistages.

Vor dem Beginn unseres Zyklus vom alten Saturn bis zum zukünftigen Vulkan existierte schon jener höhere Raum, der in der Anthroposophie als der Kristallhimmel bekannt ist. Er ist reiner Geist und mit dem Ergießen des neutralen Weltenfeuers durch die Throne in den Kristallhimmel ist aus dem Raum der Nichtraum entstanden – der alte Saturn. Die alten Bulgaren, die von ihren Feinden „Thraker“ genannt wurden, verstanden unter einem Kristallhimmel das „Chaos“ und die im Nichtraum erschienenen Geister der Zeit waren unter dem Namen Chronos bekannt.

Wieder vor etwa sieben oder acht Jahren war ein anderer junger Mann bei einer meiner Vorlesungen anwesend und erhielt danach zuhause eine Imagination. Er kam zu der nächsten Vorlesung und legte mir Zeichnungen vor, die ich vor einigen Tagen in meinem Archiv entdeckt habe. Auf der einen Zeichnung sind zwei Kreise zu sehen. Im ersten Kreis gibt es zwei ineinander verflochtene Pentagramme und im anderen Kreis auch, aber hier wurden jeweils zwei Strahlen hinzugefügt, die sich im Mittelpunkt des Kreises schneiden. Die eine Zeichnung trägt den Namen „Chaos“ und die andere – „Schöpfung“. Erst nach allen Vorlesungen, die in diesen Jahren über die Struktur des Weltalls, die Bedeutung des Christus und den väterlichen Weltengrund vorgetragen wurden, konnte ich nun diese Zeichnungen verstehen. Den Zeichnungen lag ein Brief bei, in dem es hieß: „Ich verstehe nicht, was ich gezeichnet habe, aber ich weiß, dass es stimmt, ich habe den Drang gespürt, es zu zeichnen und habe es getan.“ Im „Chaos“ des jungen Mannes gab es korrekterweise keinen Punkt im Zentrum aller Verflechtungen, das Christus ist, in dem sich die beiden siebenstrahligen Sterne verflechten. Die Zeichnungen sind hervorragend und aus ihnen kann man tatsächlich sehen, wie Gott geometrisiert und zwar mit der höchstmöglichen Geometrie, aus der das Weltall entstanden ist. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei dem Mann bedanken und ihm sagen – falls er diese Vorlesungen schaut -, dass seine Arbeit nicht umsonst war.

Der Kristallhimmel existiert in den höchsten Bewusstseinsstufen weiter und der Raum für unseren Zyklus, der auf der alten Sonne entstanden war, wurde von den Erzengeln getragen, die die Thraker Zeus genannt haben. Auf dem alten Mond begann die Weisheit mit der wesentlichen Herausbildung der kosmischen Intelligenz zu herrschen und wurde in unserem mystischen Leben vom Engelswesen Athena Pallas verkörpert. In den ersten drei Äonen manifestierte sich die göttliche Dreiheit in unseren drei Leibern und im Erdenäon hat sich der Mensch als eine physisch-ätherisch-astralische Form wohl aus der zweidimensionalen imaginativen Welt abgesondert. In seinem Ich hat er den zweidimensionalen Raum in einen dreidimensionalen aufgelöst. Somit konnte die Schöpfung in den Zyklus der Entwicklung in der Zeit übergehen. Der dreidimensionale Raum ist die letzte Stufe des Herabstiegs der göttlichen Trinität entlang den Daseinsstufen und den Bewusstseinsstufen. Allerdings bleibt er für den Menschen lediglich eine Idee, die nicht mit den Sinnen, sondern nur imaginativ angeschaut werden kann, anderenfalls würden wir unmittelbar Gott selbst anschauen können. Wir sind momentan in der Lage, die göttliche Schöpfung anzuschauen und die ihm angelegte Weisheit zu erwerben. Geht man in die Richtung der höheren Welten, „zieht“ sich der dreidimensionale Raum zu einem zweidimensionalen Raum „zusammen“, dann zu einem eindimensionalen und einen Nullraum (der nicht das Fehlen von Raum bedeutet), zuletzt kommt der Kristallhimmel. In alten Zeiten wurde über 31 Bewusstseinsstufen zwischen Mensch und Gott gesprochen, was wiederum auf die sog. Zahl der Bulgaren hinweist. Mit dem Erlangen des Ich durch den Menschen hat sich die göttliche Trinität im materiellen Dasein als eine Vierheit manifestiert. Mit den in uns fließenden Ätherströmen erscheint sie als eine Fünfheit (ein Pentagramm). Mit der Geschlechtertrennung und der Verflechtung der beiden gleichseitigen Dreiecke (des Hexagramms) wird sie zur Sechsheit. Mit dem Zyklus der Metamorphosen während der Evolution wird die Siebenheit erreicht und zuletzt manifestiert sie sich mit unseren Sinnesorganen, mit der Zeit und dem Tierkreis als eine Zwölfheit. Was die drei Naturreiche betrifft, erscheinen sie als ein „Nebeneffekt“ der Spiegelung des Gruppen-Ich der Menschheit im individuellen Ich jedes Menschen. Der Mensch ist aus der inspirativen Welt als eine hochgeistige Form herabgestiegen, die sich im Erdendasein befestigen sollte. Das geschah in einer sehr komplizierten Art. Wir wissen, dass der höhere Äther von den Geistern der Weisheit durch die hierarchischen Wesen nach den jeweiligen Planeten des Sonnensystems differenziert wird, die die Beziehung der Erde zur Tierkreissphäre herbeiführen. In Letzterer ist die Wirkung der geistigen Kräfte völlig anders als im Planetensystem. In der Tierkreissphäre herrscht die Zwölfheit, deshalb müsste es auch zwölf Planeten geben, anderenfalls könnte sich das System nicht im Raum entfalten, der ein höheres Prinzip als der Rhythmus der Siebenheit darstellt. Deshalb wurden dem im Sonnensystem existierenden sieben Planeten vier weitere Planeten hinzugefügt (die Sonne und der Mond stellen im Okkultismus Planeten dar). Diese vier Planeten waren an der Entwicklung nicht beteiligt, die in der alten Saturnzeit begonnen hatte. Uns sind die Namen dreier Planeten bekannt – Uran, Neptun und Pluto. Der zwölfte Planet besitzt eine so feine Stofflichkeit, dass die astronomischen Geräte seine Wirkung nur feststellen, aber ihn nicht erfassen, nicht „sehen“ können.

Aus dem Äther erschienen im Erdenäon der Raum und der Lebensprozess. Letzterer besteht im Menschen aus sieben Tätigkeiten, die aus den uns bekannten sieben Planeten entstanden sind. Die planetarischen Ätherkräfte sind es, die die menschliche Form in ihrem Dasein verfestigen, wobei die Siebenheit in Zwölfheit übergeht. Das geschieht durch die Beziehung der sieben Lebensprozesse im dreigliedrigen Menschen (Kopf – Rhythmus – Gliedmaßen) mit den zwölf Sinnen, auf die sich das Ich stützt und sich im Leben als Denken, Fühlen und Wollen erhebt.

Es gibt vier Ätherarten, die sich dem Menschen durch die Lebensprozesse anheften, welche wie gesagt durch die jeweiligen Planeten bestimmt werden. Die Sonne regiert den Lebensäther, der auf der Erde hauptsächlich als unser Planetenäther wirkt. Hier wirken auch die anderen drei Ätherarten, die aber durch die Planeten doppelt dazwischentreten – einmal durch die drei äußeren Planeten Saturn, Jupiter und Mars und ein zweites Mal durch die drei inneren Planeten Venus, Merkur und Mond. Zum Schluss erreichen alle vier Ätherarten den Menschen und bilden seinen Ätherleib für die vorliegende Inkarnation. Die Befestigung im Menschen wird dadurch ermöglicht, dass der Licht- und der Wärmeäther eine zentrifugale und der Tonäther –  eine zentripetale Tendenz besitzen. Dadurch, dass Saturn und Jupiter in der Wärme und im Licht wirken, ziehen sie den Menschen von der Erde weg, indem sie die Wahrnehmungen seiner Sinne erwecken, denn die Kräfte beider Planeten sind dem makrokosmischen Äther näher. Damit die Sonne diese Kräfte „erden“ kann, erhält sie Hilfe durch die Venus- und Marstätigkeit. Auf diese Weise wird die Materie aus der Tätigkeit des Ton- und Lebensäthers zu Wasser und Erde verdichtet, in denen der kosmische Äther vom Weltall abgetrennt zu sein scheint. Im Okkultismus wird alles Flüssige ‚Wasser‘ genannt und alles Feste – ‚Erde‘. Der entgegengesetzte Prozess des Zerfalls der Materie verläuft auf dem Mond, auf der Erde und im Menschen. Dagegen wird aus der Tätigkeit der Sonne die Materie vergeistigt, ätherisiert und geht auf den geistigen Plan über, damit in der Ätherwelt das Phantom unseres physischen Leibes entstehen und der Leib des zukünftigen Äons ausgebildet werden kann. Im Laufe der menschlichen Inkarnationen wechseln sich die Ätherarten, die in unseren Lebensprozessen befestigt sind, ab, im Laufe des Jahres wechseln sie den Charakter ihrer Tätigkeit ab. Das geschieht in Abhängigkeit von der Bewegung der Planeten, die stark den menschlichen Astralleib sowie die ganze seelisch-geistige und ätherisch-physische Tätigkeit beeinflusst. Die größte Bedeutung für uns besitzen die Bewegung der Erde um die Sonne im Jahresrhythmus und ihre Veränderungen als ein lebendiges Wesen. In ihrer Bewegung geht sie durch vier Jahreszeiten, weshalb für die Menschheit vier Hauptfeste bestehen, die mit den beiden Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden zusammenhängen. In den Urzeiten gab es jedoch drei Hauptfeste und die Menschen haben das Jahr als eine heiße, eine feuchte und eine kalte Jahreszeit erlebt. Erst seit der dritten nachatlantischen Kulturepoche begannen die Bulgaren, nach ihnen auch die Ägypter, Chaldäer und andere Völker, die Jahreszyklen als eine Vierheit zu erleben. Das liegt daran, dass der schöpferische makrokosmische Impuls der Bewegung der Sonnenkräfte, mit denen sich damals Christus auf seinem Weg zu einer irdischen Inkarnation vereinigte, aus der Sphäre der äußeren in die Sphäre der inneren Planeten überging. Damals wurde der Mars-Impuls, der in der Entwicklung der Erde führend  war, durch den Merkur-Impuls ersetzt. In der Mitte der atlantischen Zeit wirkte sich der entsprechende Wechsel auf das Lebewesen Erde und den organischen Menschen aus, nun wirkte sich die Rochade beider Planeten auf das seelisch-geistige Wesen des Menschen aus. Vorher sahen die Menschen hauptsächlich die früheren Kulturepochen, Wurzelrassen und Äonen, mit dieser Wende begann der Erdenäon als ein solcher, allmählich in das Bewusstsein einzudringen, d.h. in das innere Leben des Menschen, das mit der Entwicklung seiner Ich-Selbstbestimmung zusammenhängt. Der Prozess wurde auch durch die Erhebung des vierten Bodhisattva im Rilagebirge in die Buddastufe in Gang gesetzt – durch die Verinnerlichung in seinem Ich der ausgearbeiteten „Produkte“ von Denken, Fühlen und Wollen in den drei Mysterienzentren Europas. Auf diese Fragen bin ich in meinem Artikel „Die Bodhisattvas“ eingegangen [3]Das geschah durch den vierten Bodhisattva. Unseren drei Leibern begann sich immer spürbarer das vierte Element „anzubinden“ – das Ich. Entsprechend hat sich das Erleben des Naturzyklus in die vier großen Feste entfaltet, damit der Mensch auf die Ankunft des Erlösers vorbereitet werden konnte. Der Jahreskreislauf wurde durch die höheren Kräfte der Hierarchiewesen wegen der Ankunft Christi auf die Erde geschaffen. An seine vier Schlüsselpunkte stellten sich die vier Haupterzengel – Gabriel, Raphael, Uriel und Michael. Wie haben die Menschen des Altertums diese „Punkte“ mit ihrem damaligen Bewusstsein erlebt?

So wie der menschliche Astralleib und das Ich während wir schlafen unseren Äther- und physischen Leib verlassen, um sich mit dem Geistselbst zu vereinigen, so verlässt mit Anbruch des Frühlings in der nördlichen Halbkugel der Astralleib der Erde teilweise den Planetenleib, um sich im Makrokosmos zu erweitern und mit den Planetenintelligenzen zu vereinigen. Der Geist der Erde macht sich zusammen mit den Elementarwesen – dem Gedächtnis der Erde – und dem Astralleib auf den Weg zu den Sternen auf. Der Frühling ist eine Art Nachklang des alten Saturn, der von der Nacht des großen Pralaya kommt. Deshalb beginnt das neue Jahr astrologisch am Tag des Frühlingsäquinoktiums. Früher hat der Mensch das Erwachen der Natur mit einem weitaus stärkeren Gefühl erlebt als die heutigen intellektualisierten Menschen. Mit der Sommersonnenwende ging das Erwachen wegen der üppig vorhandenen Wärme und Licht in eine Exaltation über – ein Nachklang des Äons der alten Sonne. Zu dieser Jahreszeit ist der Geist der Erde unter den Sternen in der Welt der Vorsehung in einem Zustand der Seligkeit, ohne es gewahr zu werden, da er in einen „Schlaf“ verfallen ist, dessen Widerspiegelung die Schönheit und Vielfalt der Pflanzendecke, der Überfluss an Wärme und Licht darstellen. Ähnlich verhielt es sich mit dem Menschen, dessen Astralleib teilweise abgetrennt, „ausgeatmet“ war. Beim Menschen hängt das Ausatmen mit der Verschiebung in den Wirkungssphären des dreigliedrigen Menschen (Kopf, rhythmisches System und Gliedmaßen) zusammen. Dadurch werden der Charakter der Lebensprozesse und die Wahrnehmung der Sinne abgeändert. Diese Tendenz existiert zwar heute noch, doch der Mensch der alten Zeit hat die Veränderungen weitaus spürbarer erlebt.

Wie hat er sie erlebt? Während der Sommersonnenwende hat er seinen Astralleib (d.h. das Bewusstsein) ausgeatmet und ist unter den Elementargeistern der Natur in eine Art Gruppentraum verfallen, der dem damals existierenden Gruppenbewusstsein eigen war. Ein solcher Mensch wird vom Horoskop seiner Geburt fest beeinflusst und ist von den Veränderungen in der Natur im Laufe des Jahres völlig abhängig. Mit Gesang, Musik und Tanz, mit besonderen Vorführungen hat der Mensch früher seine großen Fragen an die kosmischen Intelligenzen gestellt, unter denen sich sein Gruppen-Ich von den Elohim aufgehalten hat. Danach hat er auf die Antworten gehorcht, die eine Art Aufleuchten des Ich in ihm selbst waren. Bis heute lassen sich in den Rhodopen so wie an anderen Orten in Bulgarien solche Kultrituale beobachten, die das Echo vergangener Zeiten darstellen.

Mit Herbstanbruch beginnt die Natur zu verwelken und abzusterben, was beim Menschen der alten Zeiten zur Melancholie führte – ein Abglanz jener „Trauer“, die den Äon des alten Mondes durchdrungen hatte. Im Winter gab es ein besonders starkes Gespür für den Tod, das wie ein Erleben des irdischen Äons war, in dem wir zwar das Ich erhalten haben, aber in unserem Bewusstsein für die geistige Welt „gestorben“ sind. Ausgesprochen intensiv wurden die vier Seelenzustände in den Mysterienzentren von den Schülern erlebt, die sich auf die Einweihung vorbereiteten. Das Wesen dieser Einweihung bestand darin, das Seelenleben in Hinblick auf die bevorstehende Ankunft des Erlösers zu transformieren, mit Dem auch das makrokosmische Ich-bin-Prinzip kommen sollte. Wegen der Verstärkung des menschlichen Ich in den nördlichen Mysterien haben zwölf Eingeweihte zusammen mit dem dreizehnten Haupthierophanten den Anwärter umkreist und ihm aufopfernd besondere Ich-Kräfte verliehen, die nach Jahreszeiten abgestuft waren. Im Augenblick der Einweihung, als das Ich, der Astralleib sowie ein Teil des Ätherleibes außerhalb des physischen Leibes eine Ekstase erlebten, haben drei der zwölf Eingeweihten Ich-Kräfte des Frühlings zum Ich des Neophyten gerichtet; die anderen drei Dreiergruppen haben jeweils „Sommer-„, „Herbst-“ und „Winterkräfte“ auf ihn gerichtet, damit er sich bewusst in die geistigen Welten erheben und sie in der rechten Weise erleben konnte.

Dagegen ist das Ich im südlichen Mysterienweg nicht in den Makrokosmos herausgetreten, sondern es hat sich zum Unterbewussten im Menschen „zusammengezogen“. Dafür hat sich der Egoismus auf das Zwölffache erhöht, weshalb zwölf Eingeweihte den Prozess beaufsichtigt haben, um die Entstehung zwölfmal schlechterer Fähigkeiten zu verhindern als die im normalen Leben Vorhandenen.

Bei beiden Einweihungswegen – dem nördlichen und südlichen – erreichte der Neophyt den Geist, um sich auf die Zeitenwende vorzubereiten, als Christus neben allem anderen auch den Charakter der vier Feste abänderte, indem Er drei neue hinzufügte, die mit seiner Tätigkeit auf dem Erdenplan zusammenhängen. Die sieben Feste bilden einen in sich geschlossenen Zyklus der Metamorphose, in dem die Menschenseele die Kräfte zur Stärkung des Ich findet und sich jedes Jahr in der Einheit von Sein und Bewusstsein auf immer höhere Individualisierungs- bzw. Christianisierungsstufen erhebt. Dabei hilft ihm das ganze Weltall. Indem sich der Mensch entlang der Lemniskate der Metamorphosen bewegt, kommt er nicht mehr zum Ausgangspunkt zurück, sondern steigt immer eine Stufe höher auf, sowie der Ton nach dem Durchlaufen der Tonleiter immer eine Oktave höher endet. Dabei entsteht der Zyklus allmählich, ohne einen absoluten Anfang. Immerhin können wir als einen Anfang die Geburt Gottes im Winter ansehen. In der vorliegenden Vorlesung interessiert uns aber der Johannistag, deshalb werden wir unseren geistigen Blick auf dieses Fest richten.

Die heutige Tragödie des Menschen liegt größtenteils daran, dass nach dem graduellen Verlust des alten Hellsehertums und dem Übergang zu der neuen Bewusstseinsform das Erleben des Jahreskreislaufs keine Rolle mehr spielt. Lediglich Weihnachten und Ostern finden einen gewissen Widerhall in der Menschenseele, aber das geschieht nur aufgrund der Tradition und nicht aus einer realen Beziehung zu Christus heraus. Der Weihnachtsbraten, der Osterzopf und das Eierfärben stellen nur ein klägliches Abbild der alten Kulte dar. Die restlichen fünf Feste können die Christen mit nichts in Beziehung setzen – weder in ihrer Seele noch in ihrem Bewusstsein. Es entsteht der Eindruck, dass das Christentum im Absterben begriffen ist, doch eigentlich fängt sein Siegeszug erst jetzt an. Die Menschen sind jedoch nicht für das Christentum bereit, obwohl sie den sieben Hauptfesten viele nebensächliche Feste beigefügt haben, die eher einen äußeren Charakter tragen. Der Mensch bleibt zwar von den Änderungen abhängig, die die Bewegung der ätherischen Erde in Bezug auf die Planeten hervorruft, aber er reagiert nicht bewusst auf sie. Trotzdem sind diese Änderungen nicht unerheblich, sie betreffen die Verhältnisse der inneren und äußeren Wahrnehmungen der Sinne, die durch die Verschiebungen im dreigliedrigen Menschen und die Änderungen der Lebensprozesse verursacht werden, welche die Bewegung der Erde in Bezug auf die äußeren und inneren Planeten bewirken. Um Weihnachten herum steht der Erzengel Gabriel im Kosmos und wirkt in den Impulsen der Nahrungsaufnahme, also im Bereich des Stoffwechsels. Das führt zur Erweiterung der inneren Sinne. Bei Frühlingsanbruch beginnt Gabriel, seine Kräfte auf das Atmungssystem zu richten, also auf das rhythmische System, in dem die Impulse des Ostererzengels Raphael wirken. Dann bekommen die Kräfte der Nahrungsaufnahme eine heilende Wirkung, da sie die Metamorphose des Atmens durchlaufen haben. Hippokrates hatte seinerzeit gesagt: „Eure Nahrung soll eure Medizin und eure Medizin soll eure Nahrung sein“. Dem würden wir die Atmung hinzufügen, insbesondere im Frühling, wenn das rhythmische System sich auf den Weg der Erhebung zum Kopf gemacht hat, wo die heilenden Kräfte zu geistigen Kräften des Menschen werden, die in den Wahrnehmungen der Sinne und im Denken wirken. Der Höhepunkt liegt in der Johannizeit, wenn wir uns zum Impuls Uriels erheben – des Erzengels der Sommersonnenwende. Zu dieser Zeit wird die Sphäre der äußeren Sinne vom sich emporhebenden rhythmischen System mit seinen instinktiven Prozessen der Atmung und Blutzirkulation erfüllt, in denen das pflanzliche Leben überwiegt. Das Kopf-Nervensystem wird dagegen zu den inneren Sinnen „verschoben“, wo das Unbewusste, Tierische wirkt. Die im Ätherisch-Physischen der Erde wirkenden Prozesse streben danach, den Menschen zu einer Pflanze zu machen und die Prozesse im irdischen Astralleib bringen uns zu unserem tierischen Zustand zurück. Als Ergebnis aller kosmischen Einwirkungen dreht sich der Mensch in seelisch-geistiger Hinsicht mit dem Kopf nach unten und beginnt wie früher in der lemurischen Zeit, einer Pflanze ähnlich zu sein.

Wenn wir annehmen, dass nur die kopernikanische Ansicht unseres Planetensystems existiert, bei der die ätherisch-astralischen Bewegungen zwischen Erde und Sonne auf der Lemniskate durch den Punkt der Sonne von der äußeren zur inneren Seite und zurück bestehen, so steht der Mensch in seelisch-geistiger Hinsicht tatsächlich kopfüber. Diese „Stellung“ ist am deutlichsten bei Menschen mit einem geringfügig individualisierten Ich, etwa bei den ausgeprägten Materialisten. In geistiger Hinsicht verfallen solche Menschen in einen tiefen Schlaf. Darauf bezieht sich der Text aus dem vierten Kapitel des Markus-Evangeliums in der Übersetzung Emil Bocks: „Wer hat, dem wird gegeben, wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er denkt, dass er hat“. Wer im Sommer nicht geistig wach bleiben kann, verfällt in das Leben des Gruppenbewusstseins und verliert seinen Verstand, denn die Prozesse der Atmung und Nahrungsaufnahme haben sich ziemlich hoch in den Kopf erhoben. Im Sommer werden die materialistisch gesinnten Menschen noch größere Materialisten, da sie nicht einfach so denken, sondern unter dämonische Einflüsse in mediumistischer Art irregeführt werden. Schon im Frühling tritt mit dem Erwachen der Elementargeister der Erde nicht nur im Pflanzenreich, sondern auch im Mineralreich reges Leben ein – insbesondere im Kalkstein, den Ahriman zu einem ahrimanischen denkenden Organismus verwandeln und in diesen die menschliche Intelligenz zusammenziehen will, die in dieser Zeit aus dem menschlichen Kopfsystem in das Gliedmaßen-Stoffwechsel-System heruntersteigt. Ahriman will Denken und Stoffwechsel zu einer Einheit verschmelzen lassen, um dadurch die kosmische Astralität unter seine Kontrolle zu bringen. Dabei helfen ihm die Kräfte des Mondes, der sich beim Menschen zum Kopfsystem erhebt. Wir wissen, dass der Mond in der Nahrungsaufnahme und in der Reproduktion wirkt. Die erhöhte Nahrungsaufnahme und die erhöhte Sexualität im Frühling führen allmählich dazu, dass sich der Mensch im Sommer geistig verliert und zu einer „Pflanze“ bzw. zu einem „Tier“ wird.

Doch noch mehr strebt Ahriman danach, zusammen mit dem Geist der Erde in die astralen Höhen der Welt vorzudringen, da zu dieser Zeit der Geist der Erde vom Lebensgeist Christi emporgezogen wird, der nach der Auferstehung zur ätherischen Aura der Erde wurde. Ahriman will nicht nur das menschliche Bewusstsein zum Unbewussten zusammenziehen, sondern auch den Astralkosmos unter seine Kontrolle bringen, die kosmische Intelligenz erobern und sie in seine Intelligenz zusammenziehen. Deshalb ist der Mensch in der Johannizeit bereits von jenem feurig leuchtenden Schwefel umgeben, der wie ein Drache aus der Erde herauskriecht, um die Gabe zu rauben, die der Mensch von der kosmischen Intelligenz erhält, wenn er wach geblieben ist, also seelisch-geistig aufrecht auf der Krebs-Steinbock-Linie steht. Das ist die ptolemäische Ansicht über den Kosmos und die Erde, nach der die Erde das Zentrum der Lemniskate der ätherisch-astralischen Kräfte im Sonnensystem bildet. Das ist eine nicht nur geozentrische, sondern auch  anthropozentrische Ansicht. Wenn wir auf der Erde stehen, sieht sie für uns unbeweglich aus und die Sonne scheint sich während des Tages von Osten nach Westen und im Jahr von Süden nach Norden und wieder nach Süden zu bewegen. Das ist keine scheinbare Vorstellung, die den Standpunkt des Menschen bedient, sondern ein Ausdruck der ätherisch-astralischen Atmung der Erde, die sich als materielles Zentrum und gleichzeitig als Peripherie des Weltalls zu immer höheren geistigen Sphären erhebt. Dabei durchläuft sie eine lange Evolution, in der sie in einem platonischen Jahr (entspricht ca. 26000 Erdenjahren) den ganzen Weg durch den Tierkreis zurücklegt. Laut Beinsa Douno ist die Erde jetzt dabei, die ungünstige dreizehnte Sphäre zu verlassen und sich auf eine hellere Sphäre der geistigen Welt zu begeben[4]. Der Mensch kann sich in diese Bewegung bewusst und richtig einbringen, indem er wach bleibt. Dagegen kämpfen auch die luziferischen Mächte. In der Johannizeit benutzen sie dazu den Strom der Astralkräfte, die aus dem Kosmos herausströmen und den Ätherkräften der Erde entgegenfließen, die sich zu der Sonne erheben. Dabei erreichen die luziferischen Kräfte das menschliche Atmungssystem, durch das sie unseren Ätherleib und damit auch den Lebensgeist unter ihre Kontrolle bringen wollen. Sie hoffen, dass der Mensch zusammen mit seinem Astralleib irgendwann auch seinen Ätherleib „ausatmen“ und nur in der geistigen Welt bleiben wird, ohne zu irdischen Inkarnationen herunterzusteigen. Irgendwann wird das auch der Fall sein, doch vorläufig ist der Mensch noch nicht dazu bereit. Deshalb ist es in der Johannizeit wichtig, dass wir von Uriel die Kraft des Denkens erhalten, die Erzengel Michael im Herbst in einen Willen verwandelt, der eine „Bewegung“ im Menschen fördert – den Übergang zu einer allmählichen Änderung der Bewusstseinsform.

Wenn davon die Rede ist, dass wir auf dem Höhepunkt des Sommers unser Denken stärken sollen, ist es am wichtigsten, wie wir das praktisch umsetzen können. Hierbei hilft uns die Johanni-Imagination. Wie bereits erwähnt, tritt der Mensch im Sommer in die Fülle seiner äußeren sinnlichen Wahrnehmungen ein und hat die größte Möglichkeit, sich selbst in diesen zu erleben, wenn er sein Bewusstsein beibehalten kann. Nicht mit dem Intellektuellen des Verstandes, das geopfert werden muss, sondern mit seinem Ich müssen wir uns an die höhere Anschauung wenden. Dann wird uns das „Objektiv-Seelische“ in der Natur geoffenbart. Die aufleuchtenden Glühwürmchen (Johanniskäfer) regen diesen Zustand an – im Dunklen sieht man mit seinen Sinnesorganen nicht den Körper des Glühwürmchens, sondern das Aufleuchten des Lichtes, das von diesem Körper kommt. Dieses Licht ist der Geist, der sich hinter dem äußerlich Materiellen zeigt. Wenn man zu einem solchen Zustand seines Ich-Bewusstseins fähig ist, wird man sehen können, wie aus dem Tierkreis höhere physische Kräfte heruntersteigen, die wie silberne Fäden in den Erdentiefen leben und die richtigen kristallinen Formen, Linien, Vielecke usw. weben, welche einem blau erscheinen. Und dann fühlt man, dass man buchstäblich aus dem blauen Untergrund des Erdbodens „wächst“, man fühlt, dass man sich in dieser Naturplastik auflöst, dass man durchzogen ist von den Kräften der Silberfäden und auf dem „kosmischen Willen“ steht. Woher kommt das Silber in der Erde? Aus der modifizierten Einmischung der Mondenkräfte in die zur Erde herunterströmende höhere physische Wirkung des Makrokosmos.

Das geschieht im Sommer und im Winter hat die Erde endgültig ihren Astralleib und ihr Ich wieder „eingeatmet“. Sie erinnert sich an die Erlebnisse in den höheren geistigen Welten auf dem Höhepunkt des Sommers, dessen Ideengedanken sie mit ihrer Aura empfangen hat. Die Erde ist im höchsten Sinne wach, während der Mond mit seinen Kräften vollständig in sie versunken ist. Der Mensch ist auch wach. Obwohl das astrale ahrimanische Feuer, das ihn in der Johannizeit umgibt, im Herbst auf seinem Höhepunkt ist, scheint sich der Mensch wieder auf die Beine in Richtung Zwillinge-Schütze zu stellen. Das geschieht, selbst wenn man im Sommer seine seelische „Aufrichtung“ aufgegeben hat, denn das rhythmische System verlässt den Kopf auf dem Weg zum Stoffwechsel, also zum Irdischen. Der Mensch erwacht, denn mit seinem Ich stützt er sich auf seine „Erde“ – den Kopf. Der Kopf bringt die Wirkung der aus dem Makrokosmos kommenden Kräfte ideell zum Ausdruck, deshalb ist er oval. Das geistige Korrelat dieser Tierkreiskräfte ist das Denken. Vom Sommerrhythmus befreit, wird das Denken individuell und die Kräfte des ganzen Kosmos verstärken es. Die Lebensprozesse nähern sich ihrem unteren Ende in der Sphäre der Mondenkräfte, die die Reproduktion steuern, deren Regent der Erzengel Gabriel ist. Der Mensch befindet sich zwischen beiden Polen der Geburt – der physischen und der geistigen. Damit beide stattfinden können, muss sich die geistige Sonne zwischen Erde und Mond stellen. An Weihnachten ist ihre physische Kraft am schwächsten, was dem Menschen erlaubt, sie geistig durch die Erde zu erleben. Und genau in der Mitternachtsstunde der Weihnachten in der Zeitenwende, im ersten Jahr der neuen Zeitrechnung wurde die nathanische Seele geboren – die geistige Kraft der Sonne. „Das Wort wurde Fleisch“, als die äußere luziferisierte Sonnenwirkung ihren niedrigsten Punkt erreicht hatte und die ahrimanischen Kräfte in der Erde gefesselt waren. Die nathanische Seele hatte keine irdischen Inkarnationen erlebt und kannte das Böse nicht. Über den salomonischen Jesus können wir annehmen, dass er einige Monate früher geboren worden war – in der michaelischen Zeit, wenn die ahrimanischen Wirkungen mit dem besagten Astralfeuer am schärfsten sind, mit dem die aus den weiten Höhen zurückkehrende Menschenseele empfangen wird. Zarathustra kannte diese Kräfte, er hatte mit seinem Ich ein individuelles Manas erreicht und konnte ihrem Druck standhalten.

„Das Wort wurde Fleisch“, damit irgendwann in der Zukunft das Fleisch wieder zu Wort werden kann, was in einem anderen Evangelium festgehalten sein wird, das ein anderer Johannes über den jetzigen Bodhisattva Beinsa Douno nach dessen Aufstieg zum Buddha schreiben wird. An Weihnachten ruht sich die geistige Frucht – die spirituelle Sonne – im Kelch der physischen Leiblichkeit aus. Deshalb ist die wahre Emanation des Festes die Jungfrau, die in Sonne gekleidete ist und auf der Mondsichel steht. Im Sommer dreht sich dieses Kelchbild wie ein wahrer Gral um und ergießt die Lebenskräfte der Sonne über Mensch und Natur. Sie beleben die Welt der Natur, aber der Mensch muss geistig aufblühen. Wie bereits erwähnt, steigen die in den Gliedmaßen als ein Reproduktionssystem wirkenden Mondenkräfte, die im Winter in der Erde sind, mit dem nahenden Sommer zum Kopf auf. Auf diese Weise können sie sich noch spiritueller zum Ausdruck bringen und das Irdische im Menschen wird zum System der Gliedmaßen verschoben, die Sonnenstrahlen ähneln. Die Beziehung zu den kristallbildenden Prozessen in den Erdentiefen, die zu dieser Zeit vor sich gehen, ist offensichtlich. Die irdisch-mondische Tätigkeit objektiviert grundsätzlich die Wirkung der kosmischen Intelligenz, deren höchsten Ausdruck wir im Menschen finden, in dem im Frühling eine Bewegung dieser objektivierten Intelligenz ihrer kosmischen Urquelle gegenüber entsteht – der kosmischen Intelligenz, die durch das Tor der Sonne in die irdische Welt einströmt. Unser irdisches Bewusstsein ist bestrebt, etwas hervorzubringen, lebendig zu werden und mit den Kräften der Natur zu verschmelzen. Dabei stützt es sich auf das durch die Mondenkräfte geschaffene Gehirn. Wenn wir aber geistig-seelisch in „aufrechter Stellung“ bleiben und unseren Blick kontemplierend nach oben richten, werden wir zahlreiche Wesen sehen, die ineinander leben. Das ist die kosmische Intelligenz, durch die das Leben verläuft, indem es sie beleuchtet. Oben webt die Intelligenz, unten auf der Erde webt der kosmische Wille. Zur Zeitenwende stieg Christus in die Erdentiefen hinunter, um den Keim der zukünftigen Vergeistigung der Erde anzulegen. Mit seiner Himmelfahrt war das Mysterium des göttlichen Weges zum Menschen zu Ende und an Pfingsten begann das Mysterium des menschlichen Weges zu Gott, das uns am Johannistag als die Erhebung des Menschen mit dem Lebensgeist Christi zur kosmischen Intelligenz gezeigt wird. Die irdische Intelligenz trifft die kosmische und dabei entsteht ein kosmischer alchemistischer Prozess, bei dem das aufsteigende Silber (die Mondenwirkung) zu Gold (der Sonnenwirkung) wird. Das Leben vereinigt sich mit der Intelligenz, die Liebe – mit der Weisheit, das Sein – mit dem Bewusstsein. Es entsteht ein kosmisches Mysterium und in den Lichtstrahlen des webenden Weltgoldes erscheint das Bild des Erzengels Uriel in Feuerrot. Es ist das Ergebnis der Vereinigung der emporstrebenden irdischen Elementargeister mit der von ihnen aufgenommenen kosmischen Intelligenz. Uriel steht vor dem geistigen Blick als der Vertreter der Weltvernunft in dieser Zeit. Seine eigene Intelligenz setzt sich aus den ineinander wirkenden Planetenkräften zusammen, die von der Wirkung der Töne im Tierkreis gestützt werden. Uriels Gestalt ist nicht fest, sondern lebendig – wie das sich ständig wandelnde Leben. Mit Sicherheit ist sein Gesicht aber ernsthaft, denn er schaut auf die menschlichen Fehler und Unvollkommenheiten, die unten in den Kristallbildungen abgelagert werden und diese beschädigen. Im Herbst werden diese Fehler als ein Ergebnis in den Kristallbildungen sichtbar. Deshalb haben die Bulgaren als einen weiten Nachklang der alten Mysterien das Sprichwort „Die Küken werden im Herbst gezählt“ – was wir im Sommer ausbrüten, darüber werden wir im Herbst verfügen.

Im Unterschied zu den Fehlern und Mängeln, steigen die menschlichen Tugenden zusammen mit den Silberstrahlen auf und werden in der Welt der Intelligenz zu einer Silberplastik, zu einem Kunstwerk, das Uriel umgibt und in dem das Moralische mit dem Naturhaften verflochten ist. Uriel besitzt flügelartige Arme. Sie sind ein ernstzunehmendes Warnzeichen, mit dem er in das Menschengeschlecht „das historische Gewissen“ hineinbringt, d.h. die Verantwortung jedes Einzelnen für seine Handlungen in Hinblick auf die Evolution des Kosmos.

Die oben vorhandene Schönheit kommt von den menschlichen Tugenden und das in den Erdentiefen Abgelagerte resultiert aus unseren Mängeln und wird in der Gestalt der Mutter Erde konsolidiert, die im Altertum mit dem Namen Demeter bezeichnet wurde. Demeter schließt die Gestalt Uriels wie ein Kreislauf ab, die sonst oben inmitten der Intelligenz auftaucht. Demeter – das sind die Kräfte der Erde, sie ist die stoffliche Mutter des ganzen Seins. In den eleusinischen bulgarischen Mysterien wurde mit dem Kult um Demeter der Brotkult eingeleitet, der zum Sinnbild des Übergangs vom Gottesreich zum menschlichen Naturreich geworden ist. Das Reich Gottes wurde in Zeus manifestiert. In der Vereinigung von Zeus und Demeter erschien vor dem imaginativen Blick des Eingeweihten die Form einer Frauengestalt mit einem an ihrer Brust saugenden Kind. Dieses Kind war das zur Verkörperung herabsteigende Ich – Christus. Heute noch erscheint ein Bild, das das Ergebnis der Vereinigung des Geistes mit der Materie, des Goldes mit dem Silber darstellt. Das ist das Bild des Sohnes zwischen ihnen und so erscheint in der Johanni-Imagination die ganze Heilige Trinität – selbstverständlich nicht dogmatisch, sondern imaginativ wahrgenommen. Der Mensch kann sich selbst in der Umarmung der obersten Trinität erleben und Johannistag annehmen als den Augenblick der Kontinuität zwischen dem Heidentum und dem christlichen Mysterium des Logos, der Fleisch wurde und der Versuchung mit dem Brot in der Wüste (einer Widerspiegelung der Versuchung Evas mit der verbotenen Frucht) standgehalten hat, um mit dem persönlichen Sieg des Ich und des Lebensgeistes über die lebenslose Materie zu triumphieren. All das muss in grandiose Musik übertragen werden, in der wir zu uns selbst die Weltgeheimnisse aussprechen können, mit denen wir am Johannistag das Abendmahl empfangen. Diese Musik ist das gemeinsame Sein des Menschen mit dem Kosmos, seine Einheit mit der Weltintelligenz und dem Weltenwillen. Aus ihr werden die Höhen und die Erdentiefen zu einem Mysterium. Beide verbindet der Mensch zu einem  Mysterium der Mitte und er ist bis zu seinen Knochen vom Willen und in seinen besten Gedanken von den Kosmosgedanken durchdrungen. Das Mysterium der Mitte ist die Erscheinung Christi vor der menschlichen Seele als Träger des Weltgeistes. Deshalb erscheint unter den Augen Uriels eine weiße Taube und unter der Taube – ein Kreuz. Das Kreuz erhebt sich auf der Mutter-Materie von unten nach oben und von oben steigt die weiße Taube herunter. Hier sehen wir den Nachklang der Taufe, ein Nachklang des Osterfestes und teilweise der Geburt Gottes. Warum gibt es diesen Nachklang?

Die weiße Taube erscheint laut dem Evangelium bei der Taufe und laut einer Legende auch über dem Kreuz auf Golgatha, wo sie einen Kranz aus sieben Rosen trägt. Bei der Jordantaufe ist der Lebensgeist Christi in Jesus herabgestiegen, und zwar in der Hülle des Heiligen Geistes, der kosmischen Intelligenz in der Gestalt der Taube. Danach ist er über das Golgatha-Kreuz niedergestiegen, um zu zeigen, dass aus dem Weltenkreuz das ewige Leben aus den sieben „Rosen“ entstehen wird, die sich zu einer Oktave erheben. An Pfingsten ist der Heilige Geist wieder wie bei der Taufe herabgestiegen, aber diesmal über eine Menge von Menschen, die ein individuelles Ich besitzen und die Blutsverwandtschaft überwunden haben. Da ist er aber nicht in der Gestalt einer Taube, sondern als eine Feuerzunge herabgestiegen – das war das Ich – der Lebensgeist Christi im Kelch (in der Hülle) des Geistselbst des Menschen, sozusagen eine Inspiration in der Hülle der Imagination. Der Lebensgeist konnte nicht in die Ätherleiber der Jünger wie in Jesus eintreten, dieser besaß das individuelle Manas Zarathustras. Aber die erlebte Gabe des Heiligen Geistes hat in die Jünger die Begeisterung hineingebracht, an sich selbst zu arbeiten, um irgendwann zum eigenen „Jordanfluss“ und zum eigenen „Pessachfest“ zu kommen. Mit dem Johannisfest nähert sich der Mensch unmittelbarer an das, was Christus durch das Mysterium von Golgatha vollbracht hat. Während im Jordan der Mensch Gott mit Wasser taufte und der Heilige Geist über Jesus herabstieg, tauft am Johannistag Gott den Menschen mit dem Heiligen Geist. Doch nur wenn der Mensch sich dem Geistselbst gegenüber erhebt, das aus der Sphäre jenseits des Tierkreises herabsteigt. Der menschliche Aufstieg entspricht der mitternächtlichen Daseinsstunde – dem Höhepunkt seines nachtodlichen Seins. Wie hoch man dabei aufsteigt, hängt davon ab, wie vollkommen man in moralischer Hinsicht ist. Im okkulten Sinne ist dieser Tag ein Pralaya für den Menschen, ein vollständiges Eintauchen in das Göttliche, das er bei seiner Erhebung in den die Mutter-Materie durchdringenden Strom des Christus-Lebens erreicht hat. Aus der Vereinigung der Liebe (des Lebens) von unten mit der oben befindlichen Intelligenz erscheint der Sohn, um uns die Vollheit der göttlichen Trinität zu manifestieren, und zwar im Aspekt der Göttlichen Sophia. Die Johanni-Imagination ist die Imagination der Sophia und das Wesen des Festes besteht darin, dass der Mensch Sophia in sich aufnimmt. Das vollständige Erleben der Sophia durch den Menschen setzt voraus, dass ihre Erscheinung an Pfingsten mit dem von ihr am Johannistag erhaltenen Abendmahl vereinigt wird. An Pfingsten stieg der Heilige Geist über die Jünger herab, an Johannistag hat sich das ganze Erdendasein mit dem Heiligen Geist vereinigt – die Elementargeister, die Elemente, die Naturreiche und der Mensch. Die Seele steigt in die höheren Sphären der Intuition auf, sie kann die moralischen Intuitionen erleben, von denen in der „Philosophie der Freiheit“ die Rede ist, damit die ganze Schöpfung den Rückweg der Evolution zu Gott wieder besteigt. Sophia vermittelt die Erscheinung Christi in der Seele, wobei sie von der Inspiration des Pfingstfestes zum Tor hinüberleitet, das in die Welt der moralischen Intuitionen führt. In dieser Eigenschaft ist sie der von Christus versprochene Trostgeist. Durch Sophia kommen das Geistselbst und der Lebensgeist zu einer Einheit und der Mensch darf die Früchte des Baums der Erkenntnis und des Baums des Lebens kosten – in den Höhen, indem er auf diese Weise die Erbsünde überwindet. Zuerst führt Sophia den Menschen zur Individualisierung seines Denkens, zur Metamorphose der Denkart durch die Vereinigung von Glaube und Wissen. Auf der nächsten Stufe erreichen das Bewusstsein und das Leben mithilfe der Kraft Christi eine Einheit und die Bewusstseinsform erfährt eine Wandlung. Zuletzt wird das Fleisch selbst vergeistigt. Auf diese Weise erscheint vor unserem geistigen Blick Sophia als die hierarchische Manifestation der obersten Trinität in ihrem vollen Ruhm. Das können wir auf den Sophienikonen beobachten, die zuerst unter dem bulgarischen Sophienchristentum entstanden und später nach Russland verbreitet wurden.

Ikona - Joanovden

Das Blaue auf der dargestellten Ikone ist die Mutter-Materie, in der an Weihnachten das göttliche Kind geboren wurde. Hier ist die Johanni-Imagination eine Art Metamorphose der Weihnachtsimagination. Links ist die Gottesmutter und rechts – der Täufer, d.h. der Mikrokosmos, der auf dem Höhepunkt des Sommers mit dem Heiligen Geist getauft wird. Sophia trägt ein rotes Gewand und sitzt auf einem goldenen Thron. Dieser Thron ist die kosmische Intelligenz, die am Johannisfest in der Gestalt Uriels dargestellt wird. Sophia ist nebst ihrem Thron von einer rosa Aura umgeben, die von oben von Christus (dem Lebensgeist) erleuchtet wird, der sich nach Golgatha mit der Erde verbunden hat. Noch höher wird die Sphäre des Vaters mit den Engelschören der kosmischen Intelligenz dargestellt. Die Komposition der Ikone trägt die vollendete Gesamtheit des Mysteriums des Gottes, der zum Menschen wurde und den Menschen erlaubte, ihn an das Kreuz der Erdenevolution zu schlagen. Deshalb erscheint auf den Sophienikonen unbedingt auch ein Kreuz – wie in der Johanni-Imagination. Das Kreuz hat eine vielschichtige Bedeutung, denn es symbolisiert neben dem Pentagramm auch den Mikrokosmos/den Menschen. In der Johanni-Imagination ist das Kreuz das Sammelbild der vier Ätherarten, aus denen die Gestalt Uriels entsteht. Das Kreuz symbolisiert den Gang der Erdenevolution, der den Menschen als ein biologisches Wesen in die aufrechte Stellung gebracht hat. Der Kreis im Zentrum ist die geistige Sonne, die sich im menschlichen Herzen befindet und die Liebe mit der Weisheit, das Leben mit dem Denken verbindet. Der Sinn dieses Lebens sind die sieben Rosenkreuzer-Rosen und über dem Kreuz des Mikrokosmos breitet die Taube – das Geistselbst – die Flügel in der Gestalt Uriels aus. Der ganze Zyklus der Jahresfeste und ihre Orientierung an den Aufgaben des Menschen kulminiert im Johannisfest. Deshalb hat das Kreuz auch einen anderen Aspekt, der aus der gegensätzlichen Stellung von Johannistag und Weihnachten zueinander entsteht. Am Michaelistag ist der Prozess der Wiederholung im Jahreskreislauf zu Ende. Mit dem Heiligen Geist und dem Feuer getauft, stellt sich der Mensch an den Platz Christi, den Er beim Mysterium von Golgatha eingenommen hat. Doch auch das Feuer, das von Ahriman kommt, ist um diese Zeit am stärksten und hier entscheidet sich, ob der Mensch Ahriman erlauben wird, die Früchte des Geistes zu rauben, die er am Johannistag erhalten hat. Dann würde der Mensch in eine Art Winterstarre verfallen und Ahriman erlauben, Sophia in ihm zu töten. Es ist ein Prozess der Harmonisierung des Atmungsrhythmus und des Rhythmus des Bluts, ein Prozess der Verwandlung des ahrimanisierten Willens im Blut in den Willen des Denkens. Wie bereits erwähnt, beginnt eine wiederholte Aufrichtung des Menschen, der vorher in seelisch-geistiger Hinsicht vielleicht umgedreht war. Das liegt daran, dass die Sphäre der äußeren Sinne sich zusammenzieht. Das rhythmische System steigt in den Bereich der inneren Sinne zu den Tiefen des Bewusstlosen hinunter. Dabei bleibt der Kopf frei und die Inspirationen des Erdengeistes und damit des ganzen Kosmos können in den Kopf eindringen. Michael, der in kosmischem Gold und irdischem Silber gekleidet ist, drückt mit der Eisenspitze seines Speers Ahriman zu Boden, der aus dem Stoffwechsel in das rhythmische System eindringen und das Blut erfassen will. Damit will er alles, was in den Mysterien des Johannes erlebt wurde, stehlen und in seine Intelligenz herunterholen. Mit seinem Feuerschwert zeigt Michael auf Sophia und scheint den Menschen zu ermahnen, die Sophia  nicht zu vergessen, wenn er im Winter in die Erdentiefen eintaucht. Zusammen mit dem Menschen kommt zur winterlichen Erde auch das Silber, das die Erde abgegeben hat, aber in Gold verwandelt. In der Kraft des zum Gold gewordenen Silbers steckt das, was durch die Erde ihre Tiefen durchwebt und durchdringt. Es belebt dort das, was das Leben für das nächste Jahr verlangt. So befruchtet die Sonne die Erde und hier erkennen wir das früher beschriebene Bild der Sonne, die sich in der  Mondsichel ausruht. Die geistige Sonne erlebt eine bestimmte Entwicklung in der Materie, die auch der Mensch im Mikrokosmos erlebt. Der Mensch steigt in die Gruft der winterlichen Erde hinunter, um an Weihnachten mit dem Heiligen Geist aufzuerstehen und in sich das Kind des Geistes (die geistige Sonne) hervorzubringen, die im nächsten Jahr den Einweihungszyklus auf einer höheren Stufe wiederholen wird. Auf diese Weise wiederholt der Mensch mit seinem Einweihungsmysterium vom 29.09. bis zum 24.12. den exoterischen Weg des Mysteriums des salomonischen Jesus wie auch das, was Christus vom Abend des Karfreitags bis zur Osterauferstehung erlebt hat. An Weihnachten erhebt sich der menschliche Geist zum Höhepunkt seiner Fähigkeiten. Aber während er im Sommer stark in die Naturprozesse, in die ätherisch-physische Urgewalt der Erde eingeflochten war, empfindet er im Herbst mit dem Verblühen und Absterben der Natur den Wunsch, zusammen mit den Elementargeistern der Erde, die den Astralleib beim Gruppenbewusstsein ausfüllen, in die Erdenmaterie einzutauchen. In diesem Fall hat Ahriman einen Sieg über den Menschen errungen. So entsteht ein Teufelskreis – das Sommerbewusstsein wird vom Winterbewusstsein bedingt und umgekehrt. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, müssen wir im Winter mit dem Ich in der dreigliedrigen Seele durch den Strom der Kräfte arbeiten, die das Denken fördern. So können wir uns auf die Begegnung mit dem Geistselbst vorbereiten, das im Sommer unser Bewusstsein vor der Winterstarre retten wird. Die Bemühungen der Arbeit an sich selbst sollten sich auf den Höhepunkt des Sommers und des Winters konzentrieren, wenn wir jeweils von Gott geboren werden und das Abendmahl mit dem Geistselbst erhalten. Während des Oster- und Michaelisfestes ist der Kampf um die Christianisierung der menschlichen Form im Gange.
Wenn der Mensch in dieser Art das Weltenkreuz der vier Feste erlebt, prägt er sein eigenes Schicksal, löst sich von den Fesseln der alten Vorbestimmung und steigt zur Freiheit auf. Auf unserem Weg durch die zahlreichen Inkarnationen bilden wir eine völlig andere Ursachen- und Folgenkette, die wir nicht erreichen, wenn wir passiv und unbewusst leben. Indem wir unsere Karmakette erleben, die in den Lauf der Sonne innerhalb des Tierkreises eingeflochten ist, nähern wir uns dem Ende unserer Erdeninkarnationen. Hier kommen wir zum Verständnis des Kreuzes der Erlösung und der Auferstehung, das von der Kreuzung der Waagerechten des Karmas und der Senkrechten des Schicksals gebildet wird. Die Senkrechte bringt das Ich-Weltenkreuz zum Ausdruck und die Waagerechte – das Weltenkreuz der Evolution, das wir in früheren Vorlesungen besprochen haben. Auf dem Golgathahügel hat Christus beide zu seinem Kreuz zusammengeführt, das Er zum Kreuz der Erlösung durch die Auferweckung des Phantoms des physischen Leibes in den Kräften seines Lebensgeistes machte. Das Kreuz, auf dem die Rosen fehlen, kennzeichnet lediglich die Kreuzigung des Menschen durch die Weltnotwendigkeit, während das Kreuz mit den Rosen eine Belebung, Auferstehung bedeutet. Die sieben Rosen, die die Taube über dem Golgatha-Kreuz trägt, symbolisieren auch die sieben Lebensprozesse im Menschen. Wenn diese vergeistigt werden, d.h. wenn der Mensch in ihnen bewusst wird, kommt er zur Begegnung mit dem Phantom des Christus Jesus als dem Gott des menschlichen Ich und dem Regenten des Karma in der Ätherwelt.

Bringen wir Leben in das Denken hinein, meistern wir die Ätherkräfte des Körpers und können Christus bei seiner Zweiten Ankunft begegnen. Unterwegs begegnen wir unvermeidlich den astralisch-ätherischen Einflüssen der Planeten und des Tierkreises, welche die Vielfalt der astrologischen Aspekte bilden, die das Schicksal beeinflussen. Es sind komplexe Einflüsse, die die physische, seelische und geistige Gesundheit des Menschen und das Leben von Denken, Fühlen und Wollen betreffen. Doch all dem muss sich das Ich entgegenstellen, das auf eine Begegnung mit dem Ich von den Elohim und dem Christus-Ich zugeht. Für den Menschen der neuen Zeit, der seine Bewusstseinsseele entwickelt, müssten all diese Einflüsse des Kosmos auf sein Schicksal nicht aus der Notwendigkeit heraus zustande kommen. Vielmehr sollte der Mensch selbst den Knoten seines Schicksals binden. Das kann er nicht erreichen, indem er gegen sein Schicksal, gegen die kosmischen Einflüsse „kämpft“, wohin ihn die illusorischen sozialen Strömungen führen, die ihn in die Falle einer noch größeren Notwendigkeit treiben. Das kann er erreichen, indem er seine ungünstigen Neigungen und seine Schwächen bekämpft. Zur Freiheit führt die geschickte Steuerung des Schicksals durch das gestärkte Ich. Die Bestandteile des Schicksals machen das Menschenwesen aus. Mit der Zeit wird das Ich so stark werden, dass es sogar den Einfluss der Planeten auf die biologischen Prozesse abändern könnte. Selbst die Reproduktionsart wird sich wandeln. Durch die Magie des Wortes wird ein Individuum ein anderes Individuum in der feinen Stofflichkeit der Erde erzeugen. Es werden alle Lebensprozesse eine Metamorphose durchlaufen und zu Seeleneigenschaften werden. Diese Zukunft ist nur unter Anwendung des paulinischen Prinzips „Nicht ich, sondern Christus in mir“ möglich. Später wird es „Nicht ich (von den Elohim), sondern Christus in mir“ heißen.

Hier kommen wir zu jenem waagerecht liegenden Kreuz in der Luft, das das Zeichen der Bulgaren sein soll. Auf dem Golgathahügel wurde Christus auf das Kreuz der Evolution gelegt. Er lag waagerecht auf der Erde und wurde gekreuzigt, anschließend wurde das Kreuz aufgerichtet. Die senkrechte Linie des Schicksals hat die waagerechte Linie des Karmas besiegt, die uns zum Tod auf dem physischen Plan führte. Auf diese Weise wurde der Weg zum nächsten Zyklus des Heiligen Geistes gebahnt, wo wir laut Steiner fünf weitere Bewusstseinsformen ausbilden werden. Ohne Golgatha hätten wir nur sieben Formen gekannt – vom alten Saturn bis zum Vulkan, die sich in der Zeit entwickeln. Mit den fünf Bewusstseinsformen im zukünftigen Zyklus werden wir die Entwicklung zur Zahl der höheren Räumlichkeit – zwölf – schließen. Während die zwölf heiligen Nächte im Jahreskreislauf für den Christen ein Tor im Raum der sinnlichen Welt bilden, reden wir hier von einer Räumlichkeit, die mit dem Kristallhimmel zu tun hat. Über sie lässt sich momentan nichts sagen.

Im Zeichen der Bulgaren haben die beiden Linien die gleiche Länge und sie kreuzen sich in der Ätherwelt, wo sich Christus jetzt befindet. Er befindet sich im Wärmeäther, der eine zentrifugale Tendenz aufweist – er zieht uns von unserem Ich zum Ich Christi, zum Weltenäther, zum Lebensgeist Christi, der vom väterlichen Weltengrund herabgestiegen ist. Zum Wärmeäther ist Christus während des Mysteriums von 1936 hinuntergestiegen. Wenn der Mensch – der Bulgare – den Christus dort findet, wird er sein Zeichen durch die Umwandlung des Bösen in Gut aufrichten. Die Bulgaren kombinieren ihre Mission der Ich-Entwicklung der Menschheit mit ihrer Funktion im allgemeinmenschlichen Organismus. Dort sind sie die Leber, in der während der Embryonalentwicklung das Blut als der materielle Ausdruck des Ich entsteht und durch die später Gifte – also das Böse – abgewandelt werden. Es steht die Begegnung mit Ahriman bevor, der durch das Blut die geistigen Früchte stehlen wird, die der Mensch im Wachzustand erlangt. Wenn wir uns ihm widersetzen, werden wir unvermeidlich unser Zeichen in der Ätherwelt aufrichten. Dadurch wird dieses Kreuz, das jetzt gleicharmig ist, da die Bulgaren „schlafen“, immer mehr dem Christus-Kreuz ähnlich werden, bei dem die Senkrechte des Ich deutlich länger ist als die Waagerechte des Karmas. Unter den heutigen Bedingungen kann man Christus in der Ätherwelt durch die Synthese der beiden esoterischen christlichen Impulse des 20. Jahrhunderts in seinem Ich finden, und zwar auf eine für jedes Individuum einmalige Art. So wird der Mensch zu einer lebendigen Johanni-Imagination werden, in der der Weltenwille und die kosmische Intelligenz sich begegnen werden, damit der Ich-Geist Christi im menschlichen Ich geboren werden kann. Wenn wir uns an das Bild des Meisters Beinsa Douno erinnern, der  im Rilagebirge sitzt und wie ein unerschütterlicher Felsen aussieht. Es gibt keine bessere Imagination der Johannizeit als diese – die Imagination des wachen Menschen, der auf dem Weltenwillen steht. Wenn wir uns an das Bild Rudolf Steiners bei der Grundsteinlegung in Dornach 1913 erinnern, als er sich bei Regen und Wind mit mächtigen Worten an die geistigen Hierarchien wendet, werden wir kein besseres Bild einer wachen Erhebung zu den geistigen Intelligenzen an Johannistag als dieses finden können.

Aus der Begegnung der Liebe und Weisheit wird sich der Mensch zu den immer höheren Offenbarungen Christi in den nächsten Epochen emporheben, um im Ich-bin-Prinzip zu Höhen aufzuwachsen, die wir uns auf der heutigen Entwicklungsstufe kaum vorzustellen vermögen. Unsere Führerin wird Sophia, die Weisheit Gottes sein, die darauf wartet, dass wir sie am Johannistag in der kraftvollen Gefühlserhebung durch die Erweiterung der äußeren Sinne suchen. Mit den Gaben der Sophia wird der Mensch würdig sein, den Namen ‚Bulgare‘ zu tragen und auf die Erfüllung jener obersten Vorsehung zugehen, die der väterliche Weltengrund schon im Kristallhimmel für ihn angelegt hat. Der Kristallhimmel wartet, dass wir irgendwann dorthin zurückkehren, aber nur als Götter. „Gott will Götter“, hatte Novalis in seinen „Fragmenten“ geschrieben. Der Johannistag ist die Selbstbestimmung der Person – sich entweder auf die Seite Christi oder Ahrimans schlagen. Es soll entweder das Zeichen des Bulgaren gewählt werden, das zur Auferstehung führt, oder der Weg des Untergangs, der im Abgrund endet.

Welchen Weg wirst du wählen?

[1] „Okkulte Klasse für die Jugend“, Sofia, 01.04.1932, „Die Bedeutung der Zahlen“

[2] Die Rede ist von Vassil Levski (1837-1873), Anführer und Ideologe des Freiheitskampfes gegen die türkische Herrschaft in Bulgarien.

[3] Vgl. „Die Bodhisattvas“

[4] « Sonntagsvorträge », Sofia, 09.06.1940, „Das Leben“

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