Kaspar Hauser und das Mysterium von Golgatha

Anlässlich des 205. Geburtstags von Kaspar Hauser am Michaelitag (29.09.1812) erscheint die überarbeitete Fassung der Vorlesung über zwei wichtige Inkarnationen dieser herausragenden Individualität der Menschengeschichte.

 

Kaspar Hauser und das Mysterium von Golgatha

vorgetragen von Dimitar Mangurov am 27.03.2016 in Varna

Die ganze Vorlesung im PDF-Format

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Gebet: Herr Gott Jesus Christus, wir danken Dir für das große Opfer, mit dem Du uns die Möglichkeit gegeben hast, die Hierarchie der Freiheit und Liebe zu werden. Amen!

Wie bestellt findet unser heutiges Treffen am wichtigsten Tag nicht nur im ganzen Jahr, sondern auch in der ganzen Schöpfung statt. Da sich die Zahl der Menschen, die diese Videos schauen, erhöht hat, werden wir zuerst erläutern, warum heute, am 27.04., Ostersonntag ist und nicht am 01. Mai, wenn die orthodoxe Kirche Ostern feiern wird.

An der Bestimmung des Ostertages nehmen jährlich die neun Hierarchien von den Engeln bis zu den Seraphim teil und dieses Datum lässt sich im Himmel lesen. Mehrere Faktoren werden dabei berücksichtigt. Wir wissen, dass das Frühlingsäquinoktium immer noch im Zeichen der Fische – um den 21.03. – erscheint. Das ist die Tierkreissphäre – die Wirkungssphäre der ersten Hierarchie (Throne, Cherubim und Seraphim). Der nächste Faktor ist der erste Vollmond nach dem Frühlingsäquinoktium, der vor ein paar Tagen stattfand, was die Wirkungssphäre der dritten Hierarchie (Engel, Erzengel und Archai) ist. Schließlich spielt der Sonntag nach dem Vollmond eine Rolle, nämlich der heutige Tag. Das ist die Wirkungssphäre des Sohnes, d.h. der zweiten Hierarchie (Herrschaften, Mächte und Gewalten). So wird jedes Jahr der Ostertag nicht nach katholischer oder orthodoxer, sondern nach der esoterischen christlichen Tradition bestimmt, die der hohe Klerus der katholischen Kirche sehr wohl kennt.

Mit Seinem Opfer hat Christus nicht nur die Regeln auf der Erde und die Seelengliederung des Menschen gewandelt, sondern Er hat auch alle Hierarchien auf eine höhere Stufe erhoben, damit sie neue Aufgaben im Werk Gottes wahrnehmen können. Dieses Opfer hat Konsequenzen nicht für die Erde und für die ganze Schöpfung, da dadurch das Verhältnis zwischen den drei Hypostasen der Trinität – Heiliger Geist, Sohn und Vater – geändert wurde. Die Änderung der Verhältnisse der drei Hypostasen zueinander führt zu einer Änderung auf allen sinnlichen und übersinnlichen Daseinsstufen, die die Eingeweihten kennen. In der Tatsache der Auferstehung selbst besteht die Garantie, dass es die zukünftigen geistigen Jupiter, Venus und Vulkan geben wird. Das ist der Fokus aller Zyklen – des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Deshalb freue ich mich auf die heutige Vorlesung und habe mit so viel Begeisterung an diesem Thema gearbeitet.

Nachdem wir das letzte Thema abgeschlossen hatten, kam Stella Ruskova auf mich zu und meinte, ich solle über das Golgatha vortragen. Ich habe geantwortet, dass ich meine Vorlesungen nicht per Auftrag vorbereite, aber ich werde sehen, was mir so bis zum 10. 03. einfällt. Sie meinte, man wisse nie, was zu einem kommen könne und woher.  Zwei oder drei Tage nach unserem Gespräch hatte ich mich schon über das Thema entschieden und weitere zwei Tage später kam die Offenbarung, die dieser ganzen Vorlesung den Sinn gab. Genauer genommen waren es drei Offenbarungen in diesem Monat und alle drei sind im Sinne dieser Vorlesung.

Unser Thema ist wirklich sehr umfangreich, ich habe ja nach der letzten Vorlesung angekündigt, dass ich in das Leben von Kaspar Hauser eintauchen und schauen will, was daraus wird. Was kam, ist wirklich überwältigend und das wird uns zum aufregendsten Augenblick der Menschengeschichte führen.

Die letzte Vorlesung habe ich mit den Worten Steiners begonnen, die er am 03.03. 1925 – weniger als einen Monat vor seinem Wegscheiden – zum Grafen Ludwig von Polzer-Hoditz gesagt haben soll. Das war Steiners Auftrag an die Anthroposophen, der die drei wichtigen zu lösenden Aufgaben nannte: die Geheimnisse der beiden Johannessen, des Demetrius und des Kaspar Hauser) hatte ich in Prokofieffs Buch „Die geistigen Quellen Osteuropas und die zukünftigen Gralsmysterien“ gefunden. Wenn Prokofieff über Demetrius schreibt, erwähnt er Steiners Auftrag, dessen Erfüllung eine wichtige Bedeutung für die Zukunft hat. Die genauen Worte Steiners lauten: “Dann sprachen wir über die Bestrebungen römischer und westlicher Logen und mit größtem Ernst betonte Herr Doktor, dass drei Aufgaben zu lösen seien, deren Ergebnisse für die Zukunft von ganz besonderer Wichtigkeit seien:

1. Die Frage nach der beiden Johannessen

2. Wer war Demetrius?

3. Woher kam Kaspar Hauser?

Bei allen Fragen ist es besonders wichtig, dass man sich nicht auf den Tod, sondern auf die Geburt konzentriert. Woher kamen sie und mit welchen Aufgaben? Die Individualität, die hinter Kaspar Hauser steckt, ist ein Wesen, das von Anfang an inspirierend auf das Rosenkreuzertum gewirkt hat und dann am 29.09.1812 als der Sohn des Badener Großherzogs Karl und seiner Frau Stephanie de Beauharnais inkarnierte. Er hatte eine wichtige Mission für das esoterische Christentum“ (Polzer-Hoditz, 1992) Ludwig Polzer-Hoditz, In memoriam Frau Dr. Ita Wegman 1943, in: (Zeylmans van Emmichoven, 1992, S. 406-412).

Beim wörtlichen Lesen dieser Sätze sieht man, dass im Mittelpunkt des Gespräches zwischen Steiner und Graf Polzer-Hoditz die westlichen okkulten Logen und die Jesuiten gestanden haben. In diesem Zusammenhang teilte Steiner mit, wann Kaspar Hauser geboren wurde und wessen Sohn er war. Dann nannte er auch die drei Fragen und betonte die Frage nach Demetrius. Prokofieff zitiert in seinem Buch die Worte Polzer-Hoditz‘ und sagt, dass es sich unmöglich um Pseudo-Demetrius handeln kann, da er ein williges Instrument in den Händen der Jesuiten war, über das die äußere Geschichte viele Details kennt. Deshalb führt Prokofieff seine weiteren Gedanken in Richtung Demetrius und der Aufgaben aus, die eventuell durch ihn zu lösen waren – das war der Übergang zur Verstandesseele in der fünften Kulturepoche, da das russische Volk damals auf der Stufe der Empfindungsseele war.

Wenn wir heute also von jemandem behaupten, dass er sich auf der Ebene der Verstandes- bzw. Empfindungsseele befindet, müssen wir bedenken, dass er eine eingebaute kosmische Intelligenz besitzt. Eine andere Frage ist es, ob der Mensch diese Intelligenz arbeiten lässt und wie er sich entsprechend seiner karmischen Bilanz entwickelt. Wenn wir darüber Aussagen machen, auf welcher Stufe sich jemand befindet, müssen wir bedenken, dass eine Wandlung im Seelenbau aller Menschen eingetreten ist. Ob und wie sich diese Wandlung im Aspekt des Individuums, der Ethnie oder der Rasse manifestiert, ist es eine andere Frage.

Warum erwähne ich das? Weil das russische Volk zur Verstandesseele übergehen sollte. Zweifellos hatte Demetrius eine damit verbundene Aufgabe. Pseudo-Demetrius selbst wurde von den Jesuiten durch ihre okkulten Methoden der Einweihung in den Willen vorbereitet, die Steiner 1911 beleuchtet hat und die in einer Gewaltausübung auf den Willen bestehen. Damit wurde jenem Kind eingeflößt, dass es Demetrius sei. Als nach der Exekution des richtigen Demetrius – des letzen Erben Rjuriks – der Augenblick kam,  erschien Pseudo-Demetrius in Russland. Mit ihm sollte der Jesuitismus, d.h. der Katholizismus als Jesuitismus in dieses Volk eingehen, das ein immenses geistiges Potenzial für die Zukunft und die sechste Kulturepoche hat. Dieses Potenzial sollte für die Zwecke des römischen Jesuitismus eingespannt werden. So wurde Pseudo-Demetrius zum betrogenen Betrüger. Er wurde ursprünglich hinsichtlich seiner Herkunft betrogen und danach betrog er die anderen. Sein Schicksal war tragisch und nach seinem Tod ging die Entwicklung des russischen Volkes in eine völlig falsche Richtung – zum Imperialismus und Militarismus. Bis zum heutigen Tage hat Russland diesen Kurs beibehalten, der nach dem vorzeitigen Tod jenes Kindes eingeschlagen wurde. Die Offenbarung, die Mitte des Monats kam, bestätigt das, was ich in der letzten Vorlesung und früher schon behauptet habe – dass das Geschlecht der Rjuriks, der dem russischen Volk die Staatlichkeit gab, von den bulgarischen Kymeriern stammt. Die Offenbarung lautete: Mit der Ermordung des Demetrius wurde die Beziehung des russischen Volkes zu seinen bulgarischen Wurzeln abgeschnitten. Das ist der Wortlaut der Aussage der geistigen Welt. Sie bestätigt, dass mit der Ermordung dieses Kindes das ganze Rjurikgeschlecht liquidiert wurde. Danach kamen die Romanovs, die eine sehr entfernte Beziehung zu Bulgarien haben. Die wahre Wurzel wurde abgeschnitten. Ich habe das zuerst gesagt, dann wurde es mir von der geistigen Welt bestätigt. Doch in welchem Zusammenhang steht all das?

Jeder Anthroposoph, der die okkulte Geschichte des russischen Volkes betrachtet, die im Bezug auf die Zukunft äußerst interessant ist, stützt sich auf Steiners Worte, dass Normannen aus Skandinavien kamen, im weiteren Sinne das Germanentum als der Träger des Ich-Impulses, um diesen Impuls in das russische Volk einzuführen und seine Staatlichkeit zu organisieren. Es waren aber keine Normannen, sondern die authentischen Träger des Ich-Impulses selbst – die Bulgaren. Prokofieff, der auch diesen Weg geht beim Suchen der geistigen Quellen seines Volkes, konnte nicht daran heranreichen, dass die Bulgaren hier eine wesentliche Rolle gespielt haben. Alles, was mit der Zeit des bulgarischen Boris I. des Täufers (Regierungszeit 852-889) kam, wurde ihnen von den Bulgaren gegeben, was auch der letzte russische Patriarch bestätigte. Seit der Ankunft der Rjuriks zu einem früheren Zeitpunkt beginnt die parallele Entwicklung der russischen Geschichte zu der bulgarischen. Heutzutage wird viel über das bulgarische Mysterium geredet und veröffentlicht, doch allen daran interessierten Zuhörern möchte ich sagen, dass keiner derjenigen, die sich zu diesem Thema äußern, etwas vom wahren esoterischen Christentum versteht. Aus diesem Grund werden auch die wahren Wurzeln der Bulgaren verschleiert, denn durch die Verfasser wirkt Ahriman. Ich  werden keine Namen nennen, jeder soll selbst herausfinden, worum es geht, wenn so massenhaft über die Bogomilen gefachsimpelt wird, was dadurch angestrebt wird. Diejenigen, die über die Bogomilen reden, verstehen weder das Bogomilentum noch das Christentum.

Doch die Frage, wer Demetrius war, wessen Inkarnation er war, bleibt weiterbestehen. Prokofieff können wir sehr dankbar sein für alles, was er auf dem Gebiet der Christologie und der geistigen Hierarchien getan hat. Von allen Anthroposophen ist er in diese Frage am tiefsten eingedrungen. Aber man muss auch diese Ungereimtheiten erwähnen. Eine russische Anthroposophin hat sich die Mühe gemacht, Prokofieffs Bücher zu prüfen – jeder, der seine Bücher gelesen hat, weiß dass es am Ende ein riesengroßes Register gibt mit verwendeter Literatur. Ihr ist aufgefallen, dass Prokofieff an manchen Stellen den Sinn der Worte Steiners variiert, um seine These zu beweisen. Andere Anthroposophen bemängelten, dass Prokofieffs Verzeichnis verwendeter Literatur, teilweise bis zu einem Viertel des ganzen Buches umfassend, viel zu umfangreich sei. Die westlichen Anthroposophen können den Gedankenkosmos Prokofieffs nicht umfassen, über den Seja Zimmermann auf der Konferenz 2014 sagte, dass er immens ist. Prokofieff wurde gebeten, dieses Register zu kürzen – wer „Die geistigen Quellen Osteuropas und die zukünftigen Mysterien des Heiligen Gral“ gelesen hat, weiß, dass die Fußnoten fast ein Viertel des Buchs ausmachen. Man ist allein vom Lesen der Fußnoten beeindruckt. Soviel ich weiß, hat Prokofieff in seinen späteren Büchern dieses Register stark reduziert. Die wahre Ursache, warum Prokofieff gezwungen war, sich die Mühe mit dem Verzeichnis zu sparen, war dass die westlichen Anthroposophen nicht das geistige Potenzial für die Anthroposophie besitzen. Es mussten Bondarew und Prokofieff aus Russland auf die Bühne treten, um im Westen vorzuführen, was wahres geistiges Potenzial bedeutet. Wer solches besitzt, freut sich über Prokofieffs Bücher und ist tief dankbar. Eine andere interessante Behauptung Prokofieffs, die am Mittwoch dieser Woche auf eine erstaunliche Weise widerlegt wurde, wird am Ende dieser Vorlesung mitgeteilt. Doch kehren wir zu Kasper Hauser zurück.

Am 26.05.1828, den Pfingsttag, tauchte auf einer Straße in Nürnberg – einer Stadt in Bayern (nicht zufällig in Süddeutschland, alles spielt sich nicht zufällig dort ab) ein Jugendlicher von etwa fünfzehn, sechzehn Jahren auf. Er ähnelte den Kindern, die wir heutzutage Autisten nennen und konnte sich kaum auf seinen Füßen halten. Wie aus dem Nichts erschien er und keiner wusste, woher er kam. Er hatte Schwierigkeiten, sich zu bewegen. Die ersten, die ihm entgegenkamen, waren zwei Schuhmacher, die versuchten, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Aber sie sahen, dass es aussichtslos war, denn der Jugendliche beherrschte nur eine begrenzte Anzahl von Wörtern.  Sie konnten nicht herausfinden, woher er kam und wie er hieß. Der Jugendliche hielt jedoch in seinen Händen einen Brief, der an den Rittmeister Wessenig adressiert war. Die beiden führten Kaspar Hauser zum Haus vom Rittmeister. Dort wurden ihm Bier und Fleisch angeboten, was ihn anwiderte und er geriet fast in Ohnmacht. Nachdem er Brot und Wasser bekommen hatte, die er gern aufaß, wurde ihm im Stall etwas Stroh gegeben und er schlief  tief ein.

Fünf Jahre lebte Kaspar Hauser nur nach der Zeit seines Auftauchens und in diesen fünf Jahren sollte etwas Außerordentliches geschehen. Was war geschehen? Steiner betont, dass es für uns wichtig ist, zu wissen, wer Kaspar Hauser ist, und heute wird mit dem Beantworten dieser Frage, einschließlich der zusätzlichen Information vom Mittwoch, ein 200 Jahre altes Rätsel enthüllt, das viele westlichen Anthroposophen und Autoren beschäftigt hat. Heute am Ostertag wird dieses Rätsel in seinem vollen Glanz auf unerwartete Weise enthüllt. Alle, die nach Kaspar Hausers Individualität gesucht haben, wurden nämlich von Steiners Worten oder von Worten, die Steiner zugeschrieben werden, in die Irre geführt, nämlich durch die Behauptung,  dass Kaspar Hauser seit der atlantischen Zeit nicht mehr inkarniert wäre. Alle großen Individualitäten in der Welt inkarnieren sich ständig, wer wird wohl diese Persönlichkeit sein, die nie inkarniert sein soll?  Wir werden sehen, ob sie tatsächlich nie inkarniert war.

Steiner gab weitere Informationen an – dass dieser Jugendliche im Badener Geschlecht zur Welt gekommen und eigentlich der Thronfolger und der Erbe des Badener Großherzogs Karls und seiner Ehefrau Stephanie Beauharnais war. Seine Mutter war die Stieftochter Napoleons, oder besser ausgedrückt, ihr Stiefvater war Napoleon selbst. Hier beginnt die erstaunliche Beziehung zwischen Kaspar Hauser und Napoleon, die am Ende der Vorlesung auch in ihrem wahren Licht beleuchtet wird. Warum hängt Napoleon damit zusammen, warum hat er diese Tochter adoptiert, obwohl ihre Eltern noch lebten? Während der Napoleon-Kriege hat Napoleon nicht zufällig das Herzogtum Baden gegründet und Stephanies Heirat mit dem Großherzog Karl von Baden veranlasst. Am Michaelistag, den 29.09.1812, kam aus dieser Ehe das Kind Kaspar Hauser zur Welt. Warum Napoleon an dieser Sache beteiligt war, werden wir erstmal nur teilweise enthüllen. Seine Aufgabe bestand darin, die äußeren und inneren Bedingungen für die Mission Kaspar Hausers zu schaffen. Steiner machte im zweiten Vortrag aus GA 185 („Geschichtliche Symptomatologie“) eine sehr interessante Aussage zu Napoleon. Er sagte, dass er versucht habe, Napoleons Seele bei ihren Wanderungen nach dem Tod zu finden, aber sie nicht gefunden habe, sie scheine, nicht dagewesen zu sein. Im 18. Jahrhundert – zu der Zeit der Revolutionen – war Napoleons Seele in der geistigen Welt und suchte nach einem Leib, den sie nicht finden konnte, deshalb nahm sie nur geistig an den Ereignissen auf dem Erdenplan teil. Auf einmal kam dieser Seele wie aus dem Nichts ein Leib entgegen, der keine Seele für sich finden konnte. Das ist ein großes Rätsel, das in Zukunft zu enthüllen sein wird, ich persönlich habe mich in diese Richtung noch nicht bemüht. In Napoleons Fall scheint die Seele nicht an der Schaffung des Leibs gearbeitet zu haben.

Wir wissen, dass der Mensch oben beginnt, sich mithilfe der Hierarchien einen Körper zu schaffen und ca. drei Wochen nach der Empfängnis das Ich und die Seele, an dem Embryo zu arbeiten anfangen. Bei Napoleon gab es keinen Körper und auf einmal erschien ein Leib, der der Ausdruck des ganzen damals herrschenden Chaos war. Wir wissen nämlich, dass Napoleon klein war, es ist sehr interessant, seine Körperkonstruktion zu erforschen und die Kräfte, die auf ihn wirkten. Er begann als ein Leib ohne Seele zu wirken und die französische Revolution war eine Seele ohne Leib, deshalb artete sie in eine große, völlig unmotivierte Anarchie aus. Was Napoleon machte und dadurch seine Mission nicht erfüllte, waren ebenfalls unmotivierte Taten. Die Verbindung zwischen Seele und Leib besteht bereits in der geistigen Welt, danach beginnt die Verdinglichung dieser Beziehung, indem das Ich und die Seele ihren zukünftigen Leib in Abhängigkeit von der karmischen Bilanz bilden. Schließlich kommt aus dem Mutterleib der entsprechend der karmischen Bilanz geformte Kindesleib heraus und beginnt zu wachsen. Für Napoleon schien kein Leib existiert zu haben. Auf einmal erschien ein Leib, der aber das ganze Chaos zum Ausdruck brachte, das zu jener Zeit existierte. Er begann als ein seelenloser Leib zu wirken, im Unterschied zu der Französischen Revolution, die laut Steiner eine Seele ohne Leib war. Die Franzosen mögen die Revolution als ihren Nationalfeiertag begehen, doch sie war ein absolut unbegründeter Akt. Alles, was Frankreich danach im 19. Jahrhundert unternahm, war eine Reihe unbegründeter Handlungen. Napoleon folgte auch dieser Tendenz, er hat seine Mission nicht erfüllt und lauter unmotivierte Handlungen vollbracht.

Was heißt das? Was hatte Napoleon zu tun und was hat er versäumt? Warum hatte er eine so feste Beziehung zu Kaspar Hauser? Vorläufig können wir Folgendes sagen.  Ende des 16. Jahrhunderts fand jene wichtige Konferenz statt, zu der Christian Rosenkreutz die größten Lehrer der Menschheit zusammenkommen ließ. An dieser Konferenz waren auch übersinnliche Wesenheiten beteiligt, die nicht mehr inkarnieren, etwa Gautama Buddha. Bei dieser Konferenz wurde erörtert, wie die Trennung der Menschen in der fünften nachatlantischen Kulturepoche in reine Praktiker und reine Mystiker zu vermeiden war. Mit dem Einbau der kosmischen Intelligenz in uns und der Einmischung der ahrimanischen Wesenheiten vor dem Anbruch der neuen michaelischen Zeit wären die Menschen sonst durch Inkarnationen gegangen, die sie entweder zu strikten Praktikern ohne jegliche Spiritualität oder zu zerstreuten Mystikern ohne jeglichen Bezug zur Realität gemacht hätten. Das Rosenkreuzertum verlangt, dass man beide Aspekte besitzt – gleichzeitig eine mächtige Spiritualität und einen festen Bezug zur Wirklichkeit. Wer nur der Spiritualität anhängt, ohne sie mit intensiver körperlicher Arbeit zu kombinieren, riskiert den Boden unter seinen Füßen zu verlieren. Nicht zufällig ließ Beinsa Douno seine Schüler verschiedene Arbeiten im Freien verrichten, denn ohne Bewegungen der Extremitäten, gibt es keine Bewegung der Geistigkeit. Die Hauptursache der Gefahr der Trennung der Menschen in die besagten Gruppen war der Umstand, dass die Seelen nach dem Tod bei ihrem Aufstieg zur Mitternacht des Daseins auf dem Rückweg die Marssphäre passieren sollen. Damals tobten in dieser Sphäre Kriege auf dem Astralplan. Diese Kriege ähnelten laut Steiner der Situation auf der Erde vor dem Mysterium von Golgatha, als die Menschen die Beziehung zur geistigen Welt verloren hatten, es gab keine Erhebung des Ich und keine Bewusstwerdung nach dem Tod. All das machte den Tod zu einer enormen Tragödie, die in den Worten des toten Achilles zu Odysseus zum Ausdruck kommen „Lieber ein Bettler auf der Erde als ein König im Reich der Schatten“. Nach dem Durchlaufen der Sphäre des kriegerischen Mars hätten die Menschen später auf dem Erdenplan die schlimmen Folgen davon erlebt. Deshalb sollte ein Opfer vollbracht werden, das dem Christus-Opfer ähnlich war, aber auf dem Astralplan zu geschehen hatte. So schickte Christian Rosenkreutz seinen Freund und Schüler Gautama Buddha auf den Mars. Stellen Sie sich Christian Rosenkreutz’ geistige Macht vor, dessen Schüler ein Bodhisattva war, der seine Entwicklung vollendet hat und zum Buddharang aufgestiegen ist! Der Kontakt zu Christus in der Zeitenwende hat eine fundamentale Bedeutung für die zukünftige Entwicklung einer Individualität. Gautama Buddha hat sein Opfer vollbracht und die Situation auf dem Mars hat sich verbessert, die Trennung der Menschen in ausschließliche Praktiker und Mystiker wurde verhindert. Es wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass die Menschen bei ihrem Herabstieg auf die Erde eine Veranlagung zum Rosenkreuzertum haben – der rettenden okkulten Strömung in der fünften Kulturepoche, das bereits im Schoß des Bogomilentums entstanden war. Nach seinem Tod in der vorausgegangenen Inkarnation hat Napoleons Seele die bereits veredelte Marssphäre durchquert und ihre Einflüsse aufgenommen. Als er später inkarnierte, hatte er die Aufgabe, in der Atmosphäre Deutschlands, insbesondere Süddeutschlands, die von Goethe, Schiller, Herder, den Romantikern als Vorbereitung auf die Epoche Michaels beeinflusst worden war, die äußeren Bedingungen für die Inkarnation Kaspar Hausers vorzubereiten und zur friedlichen Vereinigung der europäischen Völker beizutragen.  Napoleon hat äußerlich seinen Auftrag erfüllt, indem er Stephanie adoptierte und sie mit Karl von Baden vermählte. Auf diese Weise wurden die Bedingungen für die Geburt Kaspar Hausers geschaffen. Aber die andere Aufgabe hat Napoleon nicht erfüllt, sondern er zog unter dem Einfluss des Planeten Mars mit dem Schwert los und wir wissen, was er mit seinen Kriegen bewirkte. Er hat seine Mission vergessen, die mit dem Übergang vom Mars- zum Merkurprinzip zusammenhing. Bekanntlich ist  der Erdenäon der einzige, der aus zwei Hälften besteht, einer Marshälfte und einer Merkurhälfte. Merkur wird durch das Quecksilber symbolisiert. Auf dem Erdenplan entstand das Quecksilber in der Mitte der atlantischen Zeit aus den Merkurkräften –  das war die Mitte nicht nur des irdischen Äons, sondern die Hälfte des ganzen Saturn-Vulkan-Zyklus. Damals erschien das Metall Quecksilber als eine Ätherbildung auf der Erde, um sich mit Christus zu verbinden, Der schon in die Erdensphäre eintrat und mit Seinem Lebensgeist den Erdenäther umfasste. Auf diese Weise sollten sich die Menschen allmählich durch das Quecksilber mit den ätherischen Einflüssen Christi in der Ätheraura der Erde verbinden und sich auf sein zukünftiges Erscheinen auf der Erde vorbereiten. Das Quecksilber ist das einzige flüssige Metall. Wenn aus einer kleinen Kugel Quecksilber kleine Tröpfchen getrennt werden, streben sie wieder danach, eine Quecksilber-Kugel zu bilden. Das Quecksilber steht für Plastizität, die eine integrierende Rolle spielt. In der Marshälfte des Erdenäons haben wir uns von Gott entfernt und individualisiert, in der Merkurhälfte müssen wir wie das Quecksilber zusammenkommen, d.h. zurück zur geistigen Welt gelangen.  Das ist eine geeignete Imagination zum Wesen des Quecksilbers. Je spiritueller die Menschen in Zukunft werden, so Steiner, desto fester wird das Quecksilber, bis es sich allmählich in ein Hartmetall verwandelt. Nun ist es ein flüssiges Metall, das giftig für uns ist, denn wir haben uns von Gott abgetrennt und wirken hier unten aus dem niederen Ich heraus, das wir für unser wahres Ich halten. Es ist also an der Zeit, zum Merkurprinzip überzugehen. Und gerade Napoleon hatte die Aufgabe, die Umstände, die Atmosphäre zu schaffen, damit in der michaelischen Zeit das Merkurianische seine Wirkung entfalten und der Goethesche Geist, der die westlichen okkulten Logen in Schrecken versetzte, später Früchte tragen konnte. Diese Früchte haben wir bei Steiner gesehen, die er weiterentwickelte, aber die Atmosphäre Europas, als Kaspar Hauser inkarnierte, war auf dessen Ankunft völlig unvorbereitet.

Warum werden uns diese Offenbarungen über Inkarnationen gegeben, die zu den größten Geheimnissen gehören? Steiner durfte über die Inkarnationsketten erst nach der Weihnachtsversammlung reden, als die dunklen Mächte schweigen sollten. Vorher war es ihm nicht erlaubt, darüber zu reden. Er musste einen Impuls ausstrahlen, um über diese größten Geheimnisse reden zu dürfen. Dabei beleuchtete er hautsächlich Personen, die mit der Strömung Michaels verbunden waren, jedoch keine Individualitäten, Lazarus und Johannes ausgenommen, die mit der Zeitenwende zusammenhingen. Es scheint, als ob es ihm nicht erlaubt war, als ob das für ihn geschlossen war. Er sagte einmal: „Ich habe mir redlich Mühe gegeben, Napoleons Seele, zum Beispiel bei ihrer Weiterwanderung nach Napoleons Tod, irgendwie zu suchen – ich kann sie nicht finden, und ich glaube auch nicht, daß ich sie je finden werde, denn sie ist wohl nicht da.“ (GA 185:42).  Nein, sie ist nicht verschwunden, Napoleon ist in diesem Moment inkarniert und er wird diese Vorlesung hören.

Warum wird es also jetzt möglich, Individualitäten aus der Zeitenwende zu beleuchten, die zu den verborgensten Individualitäten gehören? Was wurde ausgestrahlt, damit das ermöglicht werden konnte? Wurde der Heilige Impuls ausgestrahlt, der das alles möglich machte? Jeder soll diese Frage für sich selbst beantworten. Napoleon hat die Arbeit an der Vorbereitung zum Eintritt des Merkurprinzips nicht getan, sondern er begann, etwas ganz anderes hervorzubringen – den Nationalismus. Er hat nämlich dem Nationalismus im heutigen Sinne den Weg geebnet, der dann seinen Höhepunkt erlebte bei Woodrow Wilson mit seinen 14 Punkten, laut denen alle Völker das Recht auf Selbstbestimmung haben, aber nur sofern sie die amerikanische Lebensweise pflegen. Alle sollen frei sein, aber es soll nur eine einzige Lebensweise auf der Erde geben – das will Ahriman. Das ist Woodrow Wilsons Ansicht, die ihren Anfang bei Napoleon hat. Deshalb ist Napoleon im geistigen Teil seiner Aufgabe gescheitert. Er hat zwar den physischen, äußeren Teil erfüllt, aber er hat die Jesuiten und die westlichen okkulten Logen dergestalt aktiviert, dass sie laut Steiner seit 1802 in ihren Spitzenorganisationen nachweislich zusammen gegen Christus und gegen seine Interessen, gegen die Menschheit wirken. Mit seiner Tätigkeit bewirkte Napoleon, dass die Jesuiten und die Logen ihre Vereinigung forcierten. So wurde er in gewisser Weise unbewusst zur Ursache der Entstehung dieses Übels. Alle Kreationen des Bösen, die wir nach dieser Zeit sehen konnten, stammen aus dieser unnatürlichen luziferisch-ahrimanischen Ehe. Über die Macht dieser Ehe und der okkulten Möglichkeiten dieser Menschen, die seitdem unheimlich gewachsen sind, können wir aus folgender Tatsache schlussfolgern: Diese Menschen haben über Kaspar Hausers Individualität gewusst, dass sie inkarnieren sollte, sie haben gewusst, wann und wo das stattfinden sollte. Diese Menschen wussten, wessen Inkarnation bevorstand und was für eine Gefahr für sie dadurch entstand. Deshalb haben sie die notwendigen Maßnahmen getroffen, um dieses Kind zu entführen, es in okkulter Gefangenschaft zu halten und dieses äußerst widerliche Experiment mit ihm durchzuführen. Was haben sie eigentlich getan?

Nachdem Kaspar in Karlsruhe, im Sitz des Badener Herzogtums – dem Schloss von Karl und Stephanie – zur Welt gekommen war, lag er zwei Wochen lang in der Wiege neben seiner Mutter. Danach wurde er von dem konkurrierenden Geschlecht der Zähringer durch die Gräfin Hochberg entführt. Hat sie das eigenhändig ausgeführt? Wahrscheinlich, denn sie war es, die Zugang zum Thronfolger hatte und nicht etwa der Pferdeknecht. Das Kind wurde in unbekannte Richtung entführt, möglicherweise ins Schloss der Gräfin Hochberg und dort wurde es bis zum Alter von zwei bis drei Jahren gehalten. Das Kind entwickelte sich normal, jedoch lebte es in völliger Isolation. Was bedeutet es, dass sich ein Kind normal entwickelt? Im ersten Jahr muss es sich aufrichten können, im zweiten Jahr zu sprechen lernen und im dritten Jahr das Denken und das Gedächtnis entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt wurde Kaspar Hauser langsam gefährlich für diejenigen, die ihn entführt hatten, denn in diesem Alter beginnt ein Kind, sich zu erinnern und kann von seinen Erlebnissen erzählen.

Es taucht die Frage auf, warum man das Kind nicht gleich getötet hat. Ginge es nach der Gräfin Hochberg, wäre das wahrscheinlich passiert, denn so wäre ihr Sohn Leopold zum Erbprinzen geworden. 1830 hat Leopold tatsächlich die Regierungsgeschäfte in Baden übernommen. Stephanie hatte u.a. fünf Kinder – drei Mädchen und zwei Jungen. Es waren nur die Jungen berechtigt, den Thron zu besteigen. Kaspars Bruder Alexander, der anderthalb Jahre später zur Welt kam, wurde ermordet, mit einem Jahr starb er auf unerklärliche Weise. Alle konkurrierenden Kinder wurden ermordet. Und 1830 hat der Sohn der Gräfin Hochberg wirklich den Thron nach Karls Tod bestiegen. Aber seine Zeit auf dem Thron war eine Katastrophe, die Gräfin Hochberg wurde wahnsinnig, alle Beteiligten haben nichts Gutes erlebt.

Als Kaspar Hauser begann, Anfänge eines Gedächtnisses an den Tag zu bringen und das Ich von seinem Leib Besitz zu ergreifen schien, wurde er in einen unterirdischen Käfig verlegt, wo er in völliger Isolation bis zu seinem 15. Lebensjahr eingesperrt war und nur mit Brot und Wasser am Leben erhalten wurde. Die Dunkelheit und die Isolation erlaubten ihm nicht, das Gefühl für Zeit und Raum zu entwickeln. Er konnte nicht sprechen, da er keinen Kontakt zu Menschen hatte. Ein Aufseher hat ihm Brot und Wasser vorgelegt und den Käfig gereinigt, während er schlief. Ein Kind lernt durch die Erziehung sprechen und erfährt alles von seinem Umfeld, Kaspar dagegen wurde in einem Zwischenzustand des Ich künstlich erhalten, bei dem das Ich nicht völlig inkarniert ist und den Leib nicht ergreifen und ausbauen kann. Kaspar Hauser erlebte furchtbare Leiden in diesem Käfig, in dem er sich nicht aufrichten konnte. Er konnte nur in totaler Finsternis gerade so sitzen und liegen. Kurze Zeit vor seiner Befreiung hat ihm ein Aufseher etwa 40 Worte beigebracht und gezeigt, wie er seinen Namen schreiben kann. Kaspar lernte einigermaßen aufrecht stehen und wurde am Pfingsttag im Jahr 1826 in Nürnberg freigelassen.

Als Kaspar Hauser im Stall des Rittmeisters erwachte, war er von dessen Uniform sehr beeindruckt. Im Polizeirevier, wohin er gebracht wurde,  schrieb er zum ersten Mal den Namen Kaspar Hauser. Warum wurde dieser Name gewählt? Diejenigen, die diesen teuflischen Plan ausgeheckt hatten, hatten an alles gedacht. Aber sie hatten nicht berücksichtigt, wie die Vorsehung sich einmischen würde. Die Mutter des Kindes wollte ihm den Namen Gaspard geben; Die Logen nannten ihn Kaspar. In den regierenden Geschlechtern gab es nie einen Herrscher mit dem Namen Kaspar. Bezweckt wurde, dass er unter den Dienern und Pferdeknechten mit seinen Fähigkeiten untergehen und sein Leben unbemerkt leben sollte. Warum wurde er nicht gleich ermordet, sondern man ist dieses Risiko eingegangen?  Die Gräfin war nur die äußere Ausführerin des Plans, in den sie nicht eingeweiht war. Die Logen wussten sehr wohl, dass ein Kind, das in seinen ersten Wochen stirbt, bald danach wieder inkarnieren wird. Dann wäre ein neuer Plan fällig gewesen. Deshalb wurde dieses Herangehen gewählt – das Kind sollte ohne das Bewusstsein von seinem Wesen und seiner Mission aufwachsen.

Der Name Kaspar führt uns zu einem der drei Könige aus der Bibel. Wir wissen, dass von den drei Königen, die aus Persien kamen, einer der Vertreter der weißen Rasse, der andere – der Vertreter der gelben Rasse und der dritte – der schwarzen Rasse war. Der Erstere verkörpert das Denken, der Zweite das Gefühl und der Letztere – den Willen. Der schwarze König Kaspar repräsentiert den Willen, der mit der Zukunft zusammenhängt. Indem Kaspar Hauser diesen Namen bekam, wurde darin verschlüsselt, dass seine Mission mit der Zukunft zusammenhängt. Das Haus Baden wurde jener Zweig genannt, der den Kaiser zustande bringen sollte. Das Wort Haus führt uns zum Berg Tabor – dem Berg der Verklärung -, als Petrus Christus fragte, ob sie sich nicht ein Haus bauen sollten. Der Name Kaspar führt also zum Erdenplan und der Nachname Hauser – zum Göttlichen Plan und zum Reich Gottes. Es sollte die Wiederbelebung der Beziehung der Menschheit zum geistigen Plan durch Kaspar Hauser abgewendet werden. Beide Richtungen sollten abgebrochen werden. Die Wiederherstellung der rechtmäßigen Beziehung der Menschen zur geistigen Welt durch Kaspar Hauser sollte unterbunden werden.

Wir wollen sehen, wie sich die Ereignisse um Kaspar Hauser weiter entwickelt haben, denn wir müssen in die Geschichte seines bemerkenswerten Lebens eindringen und schließlich zu der Erklärung des Ganzen kommen, das so viele Menschen beschäftigt hat. Nachdem im Polizeirevier nichts geklärt werden konnte, wurde Kaspar ins Gefängnis gebracht. Dort finden wir im Gefangenwärter Hiltel den ersten der sieben Boten der Vorsehung, die Kaspar zu Hilfe geschickt wurden und die in einem gewissen Sinne die Pläne der schwarzen Logen durchkreuzt haben. Der Aufseher war ein Mensch mit reicher Lebenserfahrung, dem der Kontakt zu den Verbrechern den gesunden Verstand gab, um beurteilen zu können, wer vor ihm stand. Er besaß auch das feinere Gespür,  das viele Menschen vor 200 Jahren noch hatten. Damals funktionierten die menschlichen Sinne nämlich besser als heute. Deshalb meinte Steiner, dass Goethe in der heutigen Zeit sofort gestorben wäre – der feine Dichtergeist, der die Logen in Schrecken versetzte, hätte es in der heutigen Zeit nicht ausgehalten.

Der Gefangenwärter Hiltel hatte die Aufgabe, Kaspar Hauser auszufragen. Er war dermaßen von diesem Kind beeindruckt, dass er sofort begriff, wie viel Gütigkeit und Mitleid dieses Kind ausstrahlte. Kaspar strahlte all das aus, was wir als die Frucht des Geistes aus dem Korintherbrief des Apostels Paulus kennen – Liebe, Freude, Friede, Geduld usw. Dieses Wesen verkörperte all die Geschenke des Geistes. Hiltel nahm es zu sich nach Hause mit und war sehr beeindruckt von ihm. Bis zu seinem Tod hat er Kaspar Hausers Ruf verteidigt, denn nachdem Kaspar ermordet wurde, übergossen ihn die Logen mit allen erdenklichen Schmähungen. Er hätte Kaspar auch zu Hause behalten, wenn er selbst nicht acht Kinder zu ernähren gehabt hätte.

Später wurde Kaspar Hauser in einen Turm gesteckt, wo er in einer kleinen Kammer leben sollte. Hier können wir eine Parallele zur blinden Hellseherin Prepodovna Stojna ziehen, die in einer Kammer der Hl.-Georgs-Kirche im Dorf Zlatolist auch als körperlich minderwertig untergebracht wurde. Sie starb genau 100 Jahre nach der Ermordung des „Kindes Europas“, wie Kaspar Hauser genannt wurde. Viele Menschen wollten den schnell bekannt gewordenen Jüngling sehen, dessen Wahrnehmungsfähigkeiten viel größer waren als die Sinne der normalen Menschen. Er konnte im Dunkeln sehen und aus 100 Metern Entfernung die Holunderbeeren einzeln zählen, wenn jemand mit negativer Energie hinter ihm auftauchte, spürte er das. Das heißt also, dass alle Sinne, die mit dem Christus-Phantom zu tun haben, bei ihm entwickelt waren. Das setzt eine Beziehung zum Christus-Phantom voraus. Solche scharfen Sinne findet man bei stigmatisierten Menschen vor, etwa bei Judith von Halle. Andererseits soll Steiner gesagt haben, dass Kaspar Hauser seit der atlantischen Zeit nie inkarniert gewesen war. Wann sollte er dann die Möglichkeit gehabt haben, eine Beziehung zu Christus aufzubauen? Die Beziehung zum Christus-Impuls wird nämlich nur auf dem Erdenplan erreicht. Also muss Kaspar Hauser irgendwann eine Begegnung mit Christus erlebt haben.

Inzwischen wurde Kaspar Hauser vom zweiten von der Vorsehung geschickten Mann – den Arzt Dr. Paul Sigmund Karl Preu untersucht, der feststellte, dass Kaspar nicht irre oder schwachsinnig war, sondern keine Erziehung genossen und keinen Kontakt zu Menschen gehabt hatte. Er hat also deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Kaspar viele Jahre in Isolation und ohne Tageslicht verbracht hatte. Das wurde auch von einem weiteren Arzt bestätigt, der ebenfalls feststellte, dass Kaspar Hauser kein Schwindler ist. Später mischte sich eine andere Persönlichkeit von den Sieben ein, die durch die Vorsehung geschickt wurden – der Bürgermeister Nürnbergs Jakob Friedrich Binder. Er war so tief von Kaspar Hauser beeindruckt, dass er in der öffentlichen Bekanntmachung über Kaspar schrieb: „Die Gemeinde liebt ihn und betrachtet ihn als einen von der Vorsehung zugeführten Pfand der Liebe“.

Danach erschien der 28jährige Professor Georg Friedrich Daumer, der Kaspars Erzieher wurde und ihn in sein Haus aufnahm. Daumer war nur 12 Jahre älter als Kaspar. Je mehr er Kaspar das Lesen und Schreiben, das intellektuellen Wissen beibrachte, desto schneller verschwanden Kaspars übersinnlichen Fähigkeiten. Angebotenes Fleisch erschütterte Kaspar, auch Alkohol und Tabak konnte er nicht vertragen. Zwei Sachen haben Kaspar während Daumers Unterricht beeindruckt – als ihm das Alphabet gezeigt wurde und als er erfuhr, dass die Bäume nicht von den Menschen geschaffen sind, sondern sich aus einem Samen entwickeln. Das waren zwei Schlüsselerlebnisse und Kaspar begann mit großer Neugierde, alles aufzuholen.

Daumer war der vierte von den sieben Boten der Vorsehung, über den Steiner sagte, dass er der letzte Rosenkreuzer war. Andererseits zeigt das, was ich am Anfang Ihnen zitiert habe, dass die Individualität, die hinter Kaspar Hauser steht, von Anfang an das Rosenkreuzertum inspiriert hat. D.h. wir haben bei Kaspar und Daumer eine besondere Begegnung des ersten und des letzten Rosenkreuzers.

Lassen wir uns an den Anfang des Rosenkreuzertums erinnern, als sieben Träger der Weisheit der sieben atlantischen Rassen, vier Weisheitsträger der vier nachatlantischen Kulturepochen und einer, der eine Beziehung zur zukünftigen fünften Kulturepoche hatte, ihre Weisheit in ein Kind ergossen, das der spätere Johannes Evangelist war und in durch die Weisen in besonderer Art auf seine Mission vorbereitet worden war.  Danach begann diese ganze von Christus transformierte Weisheit, sich aus diesem Kind zu ergießen. In imaginativer Art wurde sie in die Menschheit übertragen – ihr Ergebnis sind etwa die geheimen Bilder und Symbole der Rosenkreuzer. Das ist der Anfang des Rosenkreuzertums und die Individualität Kaspar Hausers hat damals inspirierend gewirkt. War er damals auf der Erde inkarniert? Laut Steiner war er in der geistigen Welt.

Wie hat er auf Christian Rosenkreutz‘ Ätherleib gewirkt, der nach dem Tod des Kindes als ein reines Produkt übrig geblieben ist, aus dem sich nichts in den Weltäther zerstreut hat, und der danach auf alle inspirierend wirkt, die eine Beziehung zum Rosenkreuzertum und nun zur Anthroposophie und zu der Synthese beider Impulse – Michaels und des Bodhisattva – haben? Damit dieser Impuls aus der geistigen Welt inspirierend wirken konnte, muss vorher eine Beziehung zum Christus-Impuls bestanden haben, d.h. die Individualität muss ein Verhältnis zum Phantom oder genauer gesagt zum Auferstehungsleib Christi gehabt haben. Den Unterschied zwischen dem Phantom und dem Auferstehungsleib macht Prokofieff, lesen Sie seinen Artikel in der letzten Ausgabe der „Antroposofski vesti“ „Das Mysterium von Golgatha und die geistige Kommunion“. Steiners Aussage, dass Kaspar Hauser von Anfang an inspirierend auf das Rosenkreuzertum gewirkt hat, löst das Rätsel also nicht. Wir wissen, dass im 14. Jahrhundert das Kind, dass mithilfe der zwölf Träger der Weisheit eine Begegnung mit dem auferstandenen Christus erlebte und ihre Weisheit in ihm neugeboren wurde, später wieder inkarnierte und wieder eine solche Begegnung erlebte. 1459 wurde es von Mani in die Mysterien des Bösen eingeweiht. Also erlebte Christian Rosenkreutz zwei Einweihungsarten in dieser Inkarnation und dadurch konnte er selbst einweihen. Das Rätsel um Kaspar Hausers Individualität bleibt bestehen und wird immer verwickelter, wenn wir gewahr werden, dass der letzte Rosenkreuzer Daumer dem ersten Rosenkreuzer Kaspar Hauser begegnet ist.

Kaspar Hauser lebte bei Daumer und seine Entwicklung war dermaßen erfolgreich, dass 1829 die Absicht Daumers, die Biographie Kaspars aufzuschreiben, in die Öffentlichkeit gelang. Das verursachte sofort das Aufleuchten der roten Lampe bei den dunklen Mächten und sie organisieren einen Anschlag auf Kaspar Hauser. Am 17.10.1829 kam eine mit einem Messer bewaffnete maskierte Person in Daumers Haus und nur die unbewusste Schutzreaktion Kaspars verhinderte es, dass ihm der Hals durchschnitten wurde. Er trug eine Narbe auf der Stirn davon. Das, was Kaspar als Ergebnis des Überfalls spürte, waren nicht Boshaftigkeit, Hass, Rachegefühl oder dergleichen, sondern eine Riesenangst um das eigene Leben, das gerade begonnen hatte. Deshalb traute er sich bis zum Ende seines Lebens, vieles nicht mehr zu tun, um nicht zu sterben. Er hatte gleichzeitig große Angst um sein Leben und einen großen Durst nach Leben.

Ein halbes Jahr nach dem Anschlag kam Kaspar in das Haus des Freiherrn von Tucher von Simmelsdorf, der auch einer von den sieben Helfern war. Von Anfang an wurde er „Kurator des Findlings“. Freiherr von Tucher war ein gerechter und edler Mann und verteidigte Kaspar auch nach dessen Tod gegen alle bösen Verleumdungen. In seinem Haus blieb Kaspar zwei Jahre, bis ihn der Gesandte der dunklen Mächte Lord Philip Henry Stanhope fand. Dieser erschien wie die Schlange der Versuchung, um durch Versprechen und Lobhudeleien bei Kaspar Eitelkeit und Stolz aufkeimen zu lassen und ihn moralisch in Verruf zu bringen. Auf diese Weise sollte Kaspars Mission schon im Keim erstickt werden. Diese Mächte wussten, was sie machten. Zeitweise hatten sie von Tucher an ihrer Angel, aber später erkannte er den schlechten Einfluss des Lords auf Kaspars Seele und widersetzte sich entschieden den Machenschaften des Engländers. Da der Einfluss Stanhopes zu stark wurde, hat von Tucher auf die Vormundschaft verzichtet. Im November 1831 wurde der Lord Kaspars Vormund. Vom väterlich sorgenvollen Freund wurde er schnell zum distanzierten Beobachter und danach zum bösen Gegner. So verließ Kaspar das Umfeld in Nürnberg, wo er als ein „Pfand der Liebe“ angesehen wurde, und zog nach Ansbach. Dort wurde er zum Lehrer Mayer geschickt, der auch bewusst oder unbewusst den dunklen Mächten diente. Die Methode, nach der Kaspar unterrichtet wurde, hat Lehrer Mayer von Grund auf geändert. Sein Unterricht war trocken, bestand aus zu paukenden Formeln, beinhaltete alles, was die Veranlagung eines Kindes tötet und die Beziehung zum Geist unterbindet. Praktisch war er alles, was auch heutzutage meistens an den Schulen praktiziert wird. Mayer begleitete in den letzten zwei Jahren Kaspar Hauser und er hat mit seinem trockenen Unterricht praktisch jegliche Entwicklung in ihm zum Stillstand gebracht. Trotzdem beschlossen die Logen, Kaspar Hauser zu liquidieren, denn er wäre am 29.09.1833 21 Jahre alt geworden. Dann hätte niemand verhindern können, dass sein Ich von Seele und Leib Besitz ergreift. Kaspar Hauser fuhr nach Nürnberg und traf sich mit Binder und Daumer, denn er hoffte naiv zu ihnen zurückzukehren. In Ansbach gab es zum Glück noch zwei Helfer aus der Gruppe der Sieben, die Kaspars Aufenthalt dort erträglicher machen konnten. Der eine war Anselm Ritter von Feuerbach, der Kaspar schon in Nürnberg besucht hatte. Er besaß ein feuriges Temperament, war Jurist und Kriminalpsychologe und hatte durch seine kriminalistischen Methoden festgestellt, dass Kaspar kein Betrüger war. Da er aber die okkulten Gesetzmäßigkeiten der Inkarnationen nicht kannte, konnte er – obwohl er die dynastischen Motive der okkulten Gefangenschaft Kaspar Hausers durchaus begriff – nicht verstehen, warum Kaspar nicht gleich ermordet worden war. 1833 starb Feuerbach unter mysteriösen Umständen in Ansbach.

Der Letzte der sieben Helfer der Vorsehung war der Pfarrer Fuhrmann, der am 20.05.1833 – dem Himmelfahrtstag – Kaspar Hauser konfirmierte. Bei seiner Konfirmation kniete Kaspar vor dem Altar und flüsterte heiße Gebete, die alle in der Kirche Anwesenden wiederholten. Seine Tränen flossen ununerbrochen, als er der Geschichte Jesu Christi lauschte. Feuerbach stellte fest, dass Kaspar aus seiner Gefangenschaft befreit wurde, ohne eine Idee von Gott und der geistigen Welt erhalten zu haben. Solche Ideen kommen nämlich aus dem Umfeld des Menschen. Je nach der Evolutionsstufe und den Voraussetzungen der früheren Leben kann der Samen dieser Idee aufkeimen. Wie man sieht, hat Fuhrmann Kaspar zum Christentum gerichtet und das hat offenbar zu einem tiefen Erlebnis und einer tiefgreifenden Veränderung in ihm geführt. Besonders bewegt war Kaspar, wenn es um die Leiden Jesu Christi geht.

Kurze Zeit später wurde der Plan von der Ermordung Kaspar Hausers in die Tat umgesetzt. Jemand hat ihn am 14.12.1833 in den Hofgarten von Ansbach gelockt, wo er an vier Stellen erstochen wurde – in der Lunge, im Magen, im Zwerchfell und im Herzen. Das waren vier lebensgefährliche Wunden. Sehen Sie, was für starke Ätherkräfte dieser Körper besessen hat, so dass Kaspar den Weg zwischen dem Park und Mayers Haus zurücklegen konnte. Mayer bezichtigte ihn der Lüge, er glaubte, dass Kaspar sich die Wunden selbst zugefügt hat, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er zwang Kaspar, zurück in den Park zu gehen, um zu zeigen, wo sich der Überfall zugetragen hat. Auf dem Rückweg musste der Verletzte schon gestützt werden, da er nicht mehr laufen konnte. Drei Tage lag Kaspar Hauser im Sterben, Fuhrmann an seiner Seite. Laut Fuhrmann flüsterte Kaspar vergebende Worte, die an Mayer und an den Mörder gerichtet waren. Daumer, der Kaspar den ‚paradiesischen Urmenschen’ nannte, teilte Kaspar Hausers Worte mit, ihm sei kein Böses zugefügt worden. Dabei wurde diesem Menschen so viel Böses angetan! Kaspar Hauser starb wie ein Engel, der für alle betete und allen vergab. Wie Steiner sagte, gab es bei seinem Tod eine besondere Erscheinung am Himmel –  auf der einen Seite die Sonne unterging und auf der anderen Seite der Mond aufging (GA 222:113). Bei der Beerdigung hielt Pfarrer Fuhrmann eine bemerkenswerte Rede.

So starb Kaspar Hauser, an dessen Grab folgende Worte stehen: „“Hier ruht KASPAR HAUSER – ein Rätsel seiner Zeit, unbekannt die Herkunft, mysteriös der Tod“. Man weiß eigentlich, aus welchem Geschlecht er stammt und warum er ermordet wurde, aber bisher war es nicht bekannt, welche Individualität hinter ihm steht. Die okkulten Logen wussten, wann und wo jemand zur Inkarnation herabstieg, der ihnen gefährlich werden konnte und sie haben Maßnahmen getroffen, um seine Mission zu verhindern. Diese Maßnahmen waren nicht sonderlich erfolgreich, aber es ist ihnen gelungen, Kaspar Hauser zu beseitigen. Heute wissen diese Logen auch, wer zur Inkarnation kommt und der einzige Schutz vor ihnen kann nur die geistige Welt liefern. Wenn der Mensch sich auf seinem Weg befindet, stehen hinter ihm starke geistige Mächte. Wenn man sich nicht auf dem richtigen Pfad befindet, geht man in die Büsche. Doch jeder hat das Recht auf seine eigene Spiritualität und seinen eigenen Weg.

Kaspar Hausers Mission wurde auf dem äußeren Plan unterbunden. Aber er wurde stark, indem er sich opferte. Hier haben sich die Dunklen geirrt. Indem er allen vergab, verwandelte Kaspar seinen Tod in eine bewusste Opferdarbringung in der Art des Christus-Opfers – ohne eine Sünde begangen zu haben. Genau das konnten jene Logen nicht voraussehen und seitdem wirkt Kaspar Hauser inspirierend auf jeden, der ihn liebt. Sehr mächtig ist diese Wirkung, denn Kaspar Hauser wurde für immer zu einem christlichen Vorbild. Dagegen haben die Logen keine Macht und das schränkt ihre Macht außerordentlich ein. Die Benennung der Inkarnationen von Persönlichkeiten dieses Kalibers ist ein schwerer Schlag gegen die Widersachermächte, denn dadurch werden mehr Menschen aktiviert, die sich auf eine solche Persönlichkeit mit der notwendigen Liebe konzentrieren und sie begreifen können. Man kann nämlich einen Menschen wahrhaftig verstehen, nur wenn man ihn liebt. Die Menschen sehen normalerweise nur die äußere Verpackung und dringen nicht zum Grund ein. Stellen Sie sich vor, was Kaspar Hauser ausgestrahlt haben muss, um eine solche Wirkung auf diejenigen ausgeübt zu haben, die ihn persönlich kannten. Deshalb begriff der letzte Rosenkreuzer Daumer sofort, dass die Möglichkeit, Kaspar zu kennen, die Mission, das Geschenk seines Lebens war. Alle, die einen persönlichen Kontakt zu Kaspar hatten, fühlten, dass dieser Kontakt ihrem Leben einen neuen Sinn gibt und es auf eine ganz andere Stufe erhebt.

Einmal hat Steiner auf die Frage Friedrich Rittelmayers – des Mitbegründers der Christengemeinschaft – nach den Ursachen für den ersten Weltkrieg, geantwortet: Es musste nicht so geschehen, aber es geschah das, was notwendig war. Das ist eine universelle Antwort, die wie ein Widerspruch klingt. Sie ist schwer zu entschlüsseln, darüber haben wir neulich diskutiert. Wenn das Ich geistig aktiviert wird, dann erscheint alles, was es durch das Böse erlebt, wie eine Notwendigkeit – nie kommt das Gute, ohne durch das Böse  gegangen zu sein. Kaspar Hauser hat sich vor seiner Inkarnation gewünscht, all dieses Böse zu erleben. Es ist kein Zufall, dass das älteste Ich – Johannes der Täufer – in seiner Inkarnation als Novalis in seinen „Fragmenten“ geschrieben hat: „Alles, was geschieht, will ich“. Wenn jemand sich also für andere opfert, dann hat er das so gewollt und wenn er Undankbarkeit für dieses Opfer erlebt, hat er nicht das Recht, den Undankbaren zu verurteilen, denn er hat ja selbst gewollt, dass alles in dieser Weise passiert. Deshalb heißt es in der Bibel „Richtet nicht“ (Matth. 7:1).

Kaspar Hauser ist wie Christus gestorben. Gottes Wille verlangte im Garten Gethsemane, dass Christus Sich diesem Willen unterordnet und über Golgatha geht. Christus hat es getan und wurde wirklich frei. Das Gute kommt nie, ohne über das Böse gegangen zu sein – ich meine das Gute im manichäischen Sinne. Nicht zufällig kann sich die Frage nach dem Guten und Bösen, die Mani bewegte, vollkommen erst in der sechsten Wurzelrasse in 6000 Jahren entfalten. Der Kern des Christentums ist nämlich gerade das, was ich eben mit Kasper Hausers Persönlichkeit veranschaulicht habe und sein Urbild befindet sich auf dem Golgatha-Hügel.

Was waren die wirklichen Aufgaben Kaspar Hausers? Hätte er nicht so gelebt und wäre er nicht so gestorben, wäre der Kontakt der Menschen zur geistigen Welt vollständig abgebrochen – das ist der Schlüsselsatz von Steiner, der auch die wahre Aufgabe Kaspar Hausers enthüllt. Das ist eine Aufgabe von enormer Wichtigkeit.

In Süddeutschland, zu dem Bulgarien nicht zufällig bereits unter Todor Zhivkov sehr gute Beziehungen pflegte, sollte Kaspar Hauser alle zum Gral strebenden Menschen vereinen und einen Gralskreis begründen. Die ganze Atmosphäre, die der Romantismus, der Geist Goethes geschaffen hatten, sollte dort kultiviert werden und Europa auf Michaels Zeitalter vorbereiten. Bayern, Süddeutschland sollten zum Stützpunkt der neuen Gralsmysterien werden, von dort aus sollten Impulse für die menschliche Entwicklung ausgestrahlt werden. Auf keinen Fall hätten die dunklen okkulten Logen zugelassen, dass Mitteleuropa ein solches geistiges Leben kultiviert und die erwartete geistige Frucht hervorbringt! Deshalb wurde Deutschland in eine ganz andere Richtung getrieben – unter Bismarck bestieg es den Weg des Militarismus, Nationalismus und der sinnlosen Erhöhung seiner Wirtschaftsmacht. Es entstanden das Zweite und danach das Dritte Reich, die die Deutschen zur Katastrophe führten.

Wenn man als Ausgangspunkt Kaspar Hausers Geburtsjahr und sein Todesjahr nimmt, erhält man erstaunliche Parallelen zu der weiteren Entwicklung. Nach einem okkulten Gesetz, auf das Steiner hingewiesen hat, erwacht bekanntlich alles, was im Dasein passiert,  33 Jahre später wieder auf eine neue Art. 100 Jahre später manifestiert sich der Impuls, der in einem Ereignis enthalten ist, in seiner vollen Kraft. Das, was wir also jetzt tun, wird in 100 Jahren in seiner vollen Macht erwachen.1923 strahle Steiner den Weihnachtsimpuls aus, das Jahr 2023 ist nicht weit, dann werden wir die wahre Macht des Weihnachtsimpulses sehen. Eine Generation beträgt nach den okkulten Gesetzen 33 Jahre, drei Generationen später kommt die wahre Macht eines Impulses zur Geltung. 1812 ist Kaspars Geburtsjahr, 33 Jahre später ergibt 1845, was mit dem Anfang des Kampfs Michaels gegen die ahrimanischen Wesenheiten zusammenfällt. Noch 33 Jahre später – 1878 – war der Anfang des michaelischen Zeitalters. 1911 trug Steiner den Zyklus „Vom Jesus zum Christus“ vor, also 3×33 Jahre nach der Geburt Kaspar Hausers, und zwar in der Zeit, als das Baby noch nicht von seiner Mutter getrennt war. Damals hat Steiner zum ersten Mal die Methode der Jesuiten enthüllt, auf den Willen zu wirken, die dazu führt, dass der Wille zu einer okkulten Waffe mit immenser Macht wird. Diese Waffe kann, so Steiner, sogar den Impulsen widerstehen, die vom Geist selbst kommen. Die Einweihung der Jesuiten trägt also einen solchen Charakter, dass sie eine Sünde direkt gegen den Geist und dadurch auch gegen Christus darstellt. Sie wissen, dass die Sünde gegen den Heiligen Geist nicht vergeben wird, doch was heißt das? Eine Sünde gegen den Geist ist es, wenn man die Wahrheit kennt und bewusst gegen sie arbeitet. Wenn man dumm ist und sich gegen die Anthroposophie auslässt, ist man zwar ein Dummkopf, aber das ist keine Sünde gegen den Geist, das ist eine Sünde gegen Christus und Michael. Aber wenn man das Wesen der Anthroposophie kennt und gegen diese handelt, dann ist das eine Sünde gegen den Geist und diese Sünde schneidet den Weg des Menschen zum neuen Christentum des Heiligen Geistes ab, das jetzt beginnt. Deshalb besteht laut Steiner die größte Sünde der Jesuiten darin, dass sie das religiöse Leben des Menschen vernichten. Das bedeutet, dass sie die Möglichkeit des Menschen auslöschen, seine persönliche Verbindung zur geistigen Welt zu erlangen und von den Geschenken des Geistes zu schöpfen, eines von denen gleich mitgeteilt wird. Heutzutage triumphiert das Böse unter dem Jesuitenpapst, der abstrakt von Liebe schwafelt. In seinen Worten scheint jedoch keine Liebe, sondern jene Einweihung durch, die gegen die Menschheit arbeitet. Aufrufe zu Liebe und guten Taten hören wir von Popsängerinnen genauso wie vom Papst. Wer dem Papst zuhört, sollte aufmerksam sein und Acht auf seine Worte geben, etwa auf seine Äußerung, dass der Urknall der biblischen Schöpfung nicht widerspreche.  Das sagt Ahriman durch den Papst. Das ist keine Offenbarung des Papstes, die seit dem Unfehlbarkeitsbeschluss von 1870 nunmehr automatisch zu einem Dogma der katholischen Kirche wird. Das bringt den Sieg des jesuitischen Geistes im Katholizismus und die volle Widersetzung jeglicher Zukunft der Menschheit zum Ausdruck! Der Katholizismus möchte, dass die Menschen in der vierten Kulturepoche verbleiben und keinen Zugang zu ihrer Bewusstseinsseele erhalten. Jene westlichen okkulten Logen wissen, dass sie die Menschen auf ihrem Weg zur Bewusstseinsseele nicht aufhalten können, aber sie möchten die Bewusstseinsseele ahrimanisieren. Ohne eine in richtiger Weise ausgebaute Bewusstseinsseele gibt es keinen individuellen Weg zum Geist, kein Christentum des Heiligen Geistes und kein Heranreifen des Menschen zu einer wahren Individualität. In der sechsten Kulturepoche werden sich die Menschen in Gruppen vereinen und der Heilige Geist wird als Manas in solchen Gruppen  herabsteigen. Der Heilige Geist arbeitet jetzt durch Individuen, später wird er in Gruppen von Individuen herabsteigen können.

Nehmen wir den 33jährigen Zyklus, werden wir sehen, dass nach diesem Zyklus, als Steiner das Geheimnis des Phantoms und der jesuitischen Einweihung lüftete, der wahre Kampf der Widersachermächte gegen die Anthroposophie begann. Nehmen wir als Ausgangspunkt Kaspar Hausers Tod, sehen wir, was 1866 und 1899 passierte. Hitlers Machtergreifung ereignete sich 100 Jahre nach Kaspar Hausers Tod -1933. Wir sehen, dass mit seiner Ermordung der Weg zum Bösen geöffnet wurde, Deutschland ging seinem Niedergang zu und 1933 erstarb der Goethesche Geist endgültig. Alles wurde damals vernichtet. Wo ist nun Deutschland, wird es sich irgendwann an den Geist Goethes erinnern? Steiner bemühte sich, diesen Geist aufzuleben und weiterzuentwickeln. Dies gelang ihm, aber er wurde auch getroffen. Nun sehen wir das Ergebnis, das im bekannten Reim über die deutsche Kanzlerin zum Ausdruck kommt: „Бабо Меркел, где така? – На джамия, Мустафа!“ (angepasster Reim der bekannten bulgarischen Fabel „Grille und Ameise“ -„Oma Merkel, wohin des Weges? Ich gehe in die Moschee, Mustafa“).

Wenn Kaspar Hauser nicht auf diese Weise gelebt hätte und gestorben wäre, wäre die Verbindung zur geistigen Welt komplett abgebrochen. Durch seine Opferbringung bewirkte er, dass diese Verbindung für die Menschen möglich bleibt, wenn sie Liebe zu ihm empfinden und einen Geist voller Fragen an ihn besitzen. So wirkt er.

Steiner sprach auch über ein anderes okkultes Gesetz von der Widerspiegelung der Ereignisse, indem er den Anfang des Michaelzeitalters 1879 den Jahren 1841 (der Anfang des Kampfes Michaels gegen die ahrimanischen Scharen) und 1917 (die Oktoberrevolution in Russland) gegenüberstellte. Nehmen wir auch als Ausgangspunkt das Jahr 1879, so können wir feststellen, dass Kaspar Hauser 46 Jahre früher ermordet wurde (1833) und Rudolf Steiner – 46 Jahre später ebenfalls durch fremde Einmischung starb.

Es war vorgesehen, durch Kaspar Hauser die neuen Gralsmysterien zu erneuern, aber das gelang nicht. Und nun kommen wir zu der Frage, wer diese Individualität war, der eine so verantwortungsvolle Aufgabe übertragen worden war, von der in gewisser Weise die Rettung der Menschheit abhängt? Hier müssen wir uns auf die Zeitenwende richten, mit der und mit der Verbindung zum Phantom hängen alle Antworten zusammen. Wann hätte diese Individualität eine Verbindung zu Christus herstellen können?

Die neun Punkte der Gräfin Keyserlink, auf deren Inspiration von Steiner im Augenblick seiner Einäscherung wir in der Vorlesung „Der Heilige Impuls und die innere Sonne“ [1] eingingen und sie als eine Fälschung charakterisierten, sagte, dass Steiner nach Kaspar Hausers Seele gesucht und keine Inkarnation dieser Individualität gefunden habe. Karl Heyer, sagte auch, dass es jemanden gebe, der die gleiche Antwort von Steiner auf die Frage nach Kaspar Hauser erhalten habe. Laut einer anderen Aussage Steiners soll Kaspar ein versprengter Atlantier gewesen sein, da er über ein riesiges Gedächtnis verfügte. Dieses Gedächtnis begann mit seiner Intellektualisierung nachzulassen. Die Logen wollten mit diesem Experiment bewirken, dass nur das Atlantische in Kaspar wirkt und er kein Verhältnis zum Christus entwickelt, aber wir sehen, wie Kaspar durch den Pfarrer Fuhrmann die Begegnung mit Christus erlebte. Solche Angaben Steiners führen die Anthroposophen praktisch in die Irre. Peter Tradowsky, über den wir im Zusammenhang mit Judith von Halle in der Vorlesung „Die Geheimnisse von Golgatha sprachen[2], teilt in seinem Buch über Kaspar Hauser Daumers Beobachtung, dass Kaspars linke Stirnseite und sein linker Arm vibrierten, als er sich aufregte. Also müssen wir uns fragen, ob diese Individualität eine Beziehung zum Christus-Phantom hat.

Was ist das Christus-Phantom bzw. der Auferstehungskörper? Wir wollen uns daran erinnern, was das Phantom ist.  Das ist die unsichtbare Form des Menschen, die uns schon auf dem alten Saturn als reinen Weltenwillen von den Thronen geschenkt wurde.  Den Willen können wir uns vorstellen nur über die unbewussten Instinkte, z.B. wenn man sich die Finger verbrennt, zieht man seine Hand zurück, das kommt von den Geistern des Willens und wurde unserem physischen Leib zugrunde gelegt. Das ist zwar nicht das Phantom, aber das Phantom ist von derselben Substanz. Die Götter hatten vorgesehen, dass das Phantom in Lemurien die Impulse des Ich, der Ich-Substanz aufnimmt, die von den Elohim ausgestrahlt wurde. Diese Substanz sollte jeder von uns als sein Ich individualisieren. Diese Ich-Einwirkungen auf das Phantom sollten beim Menschen zwei Formen des Bewusstseins hervorbringen – Wach- und Schlafzustand. Stellen sie sich einen Kolben mit durchsichtiger Flüssigkeit vor. Fügen wir etwas Rotes hinzu, sehen wir das Rote sofort. So war es, als wir von den luziferischen Wesen verführt wurden. Das Phantom ist eigentlich unsere geistig-physische Form, nicht die mineralische, die man anfassen kann, sondern die geistig-physische, denn unser physischer Leib, der uns auf dem alten Saturn geschenkt wurde, war nicht mineralisch. Mineralisch wurde es erst im Erdenäon. Mineralisch ist das, was uns Weh tut, wenn es auf unseren Kopf fällt. Jenes ist das Physische. Es gibt einen Unterschied zwischen physisch und mineralisch. Damals haben wir den physischen Leib und die Form erhalten. Das war unsere geistig-physische Form. Die luziferische Versuchung rief in uns das Streben nach dem Irdischen, Mineralischen hervor und führte dazu, dass das reine, durchsichtige Phantom von Mineralischem erfüllt wurde. Das Phantom ist reiner Geist und Weltenwille, etwas völlig  Unsichtbares. Damals begann unser Phantom infolge dieser Attacke unterzugehen und statt zwei Arten von Bewusstsein haben wir zwei Arten von Dasein bekommen. Das eine war das geistige nachtodliche Dasein und das andere – das sinnliche Dasein, das wir auf der Erde haben. Je mehr der Sündefall und dass Streben nach dem Irdischen vorwärtsschritten, desto stärker verband sich das Ich damit und desto schlimmere Folgen hatte das für das Ich, das sich in ein niederes Ich verwandelte. Das hatte schicksalhafte Konsequenzen für das Phantom, das zur Zeit Golgathas kaum die Mineralien in seinen Grenzen aufrechterhalten konnte. Etwas noch Schlimmeres passierte – das Ankleben an das Irdische führte zu einer immer schwächeren Beziehung zum Geistigen, so dass das Ich nach dem Tod nicht aufwachen  konnte, der Eingeweihten ausgenommen. Auf diese Weise konnte das Ich nicht in richtiger Weise an dem geistigen Leben teilnehmen und sich auf das nächste Leben vorbereiten. Das Ich als Substanz war schon im Begriff als Entwicklungsfaktor zu verschwinden. Alles wurde durch die Illusion ersetzt, die ‚niederes Ich’ heißt.

Das war die Situation in der vierten Kulturepoche. Was machte Christus, als Er kam? Bei Ihm hat alles im Jordanfluss angefangen. Lassen wir uns daran erinnern, was im „Fünften Evangelium“ steht: Wenn eine Empfängnis zustande kommt, erscheint ein Embryo, an dem die Seele und das Ich zu arbeiten beginnen. Wenn der Körper geformt ist, werden wir geboren. Danach leben wir auf der Erde, sterben und gehen wieder in die geistige Welt zurück. Das ist der menschliche Kreislauf. Wir haben also eine embryonale Entwicklung im Mutterleib und danach ein Erdenleben.

Bei Christus geschah alles auf dem umgekehrten Weg. Er kam von außen und der Augenblick Seines Eintritts in den Leib Jesu bei der Jordantaufe entspricht dem Augenblick unserer Empfängnis. Das ist der Anfang Seines Eintritts in die Leiber, d.h. das Ich Christi begann an diesen Leibern zu arbeiten. Während wir ein Embryo sind, tritt unser Ich nach dem 20. Tag in dieses ein und beginnt sich einen Leib auszubilden. Das sind die Parallelen. Doch Christus stieg in einen Leib herunter, der aus drei vorher ausgebildeten Leibern bestand, die Er in Geist transformieren sollte. Die drei Jahre Christi auf der Erde entsprechen unserem Aufenthalt im Mutterleib. Christus wurde in Wirklichkeit nicht auf Erden geboren. Das schließt nicht das Wesen seiner Inkarnation aus, denn im Augenblick, in dem er im Garten Gethsemane auch mit dem physischen Leib völlig verbunden war und diesen  in einen Geistesmenschen verwandelte, wie Er schon vorher den Äther- und Astralleib in Geist verwandelt hatte, stand Er vor Seiner Geburt. So wie wir vor unserer Geburt unseren Leib völlig ausgebildet haben, hatte Christus Leiber, die andere vollständig vorbereitet hatten und die Er in reinen Geist verwandelte. Er kam, um gekreuzigt zu werden, damit das große Mysterium von Golgatha stattfinden konnte. In dem Augenblick, als Er sagte: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“, und verschied, wurde Christus geboren. Jesus starb und Christus wurde auf dem Erdenplan geboren. Die Geburt Christi auf dem Erdenplan ist in dem Moment, in dem Jesus sein Leben aushauchte.

Dann wandelte Christus im Auferstehungsleib 40 Tage lang auf der Erde und erschien den Jüngern. Was ist hier die Parallele zu uns? Wenn wir geboren werden, leben wir 50, 60, 70 oder 100 Jahre und sterben. Diese 40 Tage Christi auf Erden sind unserem  Erdenleben ähnlich. Christus wanderte mit dem Auferstehungsleib auf der Erde. Die große Frage ist, was für ein Leib das ist. Dann verschwand Er, um zehn Tage später in der Gestalt des Heiligen Geistes, als Heiliger Geist in das Ich jedes Menschen herabzusteigen. Nicht als Auferstehungsleib, sondern als Heiliger Geist, wodurch Er Zugang zu unserem Ich gefunden hat. Nur auf diese Weise konnte er nämlich unseren freien Willen nicht auslöschen. Christus lebt unbewusst in unserem Ich und jedes gute Werk, das wir verrichten, macht Er. Wir denken nur, dass wir es selbst machen. Das Böse, das wir verrichten, ist ein Werk der dunklen Wesen in uns. Es gibt kein Gutes im Menschen – egal ob er ein Inder, Mexikaner usw. ist -, was nicht von Christus kommt.

Wie ist Christus auferstanden? Wir danken wieder Vesselina Velkova, die diesen Artikel übersetzt hat, der aus einem der späteren Büchern Prokofieffs stammt. Seinem Freund Peter Selg gegenüber sprach Prokofieff von mindestens vier göttlichen Geschenken, für die er sehr dankbar war. Dabei führte er an erster Stelle die Unterscheidung zwischen dem Phantomleib und dem Auferstehungsleib an. Ich stellte mir jedoch die Frage, um welchen Leib es geht.

Als Jesus verschied und ins Grab gelegt wurde, gab es ein Erdbeben, das Grab öffnete sich, der Leib ging hinein und das Grab schloss sich. Vorher hatte die Erde die auf Golgatha vergossenen Bluttropfen in sich aufgenommen und wegen des spiritualisierten Blutes begonnen wie eine Sonne zu leuchten. Und den Leib, der zu einem reinen Geistesmenschen verwandelt wurde – also nicht das flüssige, sondern das feste Element -, hat die Erde wie eine Hostie empfangen. Folglich begann eine Spiritualisierung der Erde auf zweierlei Weise – durch das flüssige und durch das feste Element. Das gehört zwar nicht zu Prokofieffs Argumentation, ist aber jedem Anthroposophen zugänglich.  Durch das Opfer, das Christus beim Letzten Abendmahl darzubringen begann – das Eindringen Seines Ich in die festen und flüssigen Elemente und das Lösen vom Leib, was in den Worten „Nehmet, esset, das ist mein Leib …“(Matth 26:14ff.) zum Ausdruck kommt -,  ging durch Seinen Tod zu Ende und Er wurde zur Hostie für die Erde. Deshalb ist Christus in den festen und flüssigen Elementen der Erde, deshalb begann die Erde wegen des empfangenen Blutes und des vergeistigten Leibes zu leuchten. Stellen Sie sich vor, worum es geht – um die Spiritualisierung der Knochen! Die Soldaten teilten die Kleider unter sich auf, doch Sein Umhang, d.h. die Aura der Erde lässt sich nicht aufteilen. Wenn es in irgendeinem Atomkraftwerk kracht, breitet sich die Strahlung bis zum anderen Ende der Erde aus. Wir atmen, essen und trinken Christus im wörtlichen Sinne. Ohne diese Prozesse können wir nicht existieren, unser ganzes Erdenleben ist von Christus abhängig, Der tatsächlich zum Geist der Erde wurde.

Was aus dem Grab auferstanden ist, nennt Steiner das Phantom – das ist die vollständig wiederhergestellte Form, die wir von Anfang an hatten und die nach der Versuchung des Ich beschädigt wurde. Deshalb sagte Beinsa Douno im 20. Jahrhundert, dass der heutige Mensch eine Karikatur des ursprünglichen geschaffenen Menschen darstellt. Wenn man einen nach heutigen Maßstäben perfekten Körper sieht, ist das eigentlich nicht der Mensch, der ursprünglich mit einem durchsichtigen Phantom geschaffen wurde, in dem die Ich-Substanz von den Elohim wirken sollte. Das sind eher die Fetzen jenes Phantoms. Je mehr wir phantom-ähnlich werden, eine Beziehung zum Christus-Phantom aufbauen, desto mehr nähern wir uns jener Form, in der wir als Ebenbild und Bildnis Gottes geschaffen wurden.

Wie kommt die Beziehung zum Christus-Phantom zustande?  Wenn man den Christus-Impuls aufnimmt und die Botschaft des Apostels Paulus bekennt, dass Jesus Christus, der Retter, starb und auferstand usw., hat man eine Beziehung zum Christus-Phantom. Nachdem dieses Phantom einmal auferstanden ist, hat es nach dem Gesetz der spirituellen Ökonomie die Fähigkeit, sich ständig zu vervielfältigen. So wie das Quecksilber seine Tröpfchen versprüht und sie wieder anzieht, sind wir voneinander getrennt, aber wenn wir Christus aufnehmen, beginnen wir, uns vom Christus-Phantom anziehen zu lassen. Nicht vom Auferstehungsleib, sondern vom Phantom. Jeder kann ein individuelles Phantom erhalten von jenem Phantom. Auf diese Weise wird man zu einer absoluten Individualität, und gleichzeitig schafft man durch das Merkurisch-Vereinigende des Christus-Phantoms eine Bruderschaft von Individuen. Die Bedingung hierfür ist aber die richtige und zeitgemäße Einstellung zum Christus-Impuls. Dann strömen die Kräfte des Lebens in unserem Ätherleib herein. U.a. habe ich mich vorgestern furchtbar erkältet, und ich wusste nicht, ob wir diese Veranstaltung durchführen konnten. Aber nun wirkt hier etwas anderes und ich habe heute kein einziges Mal gehustet.

Was wäre aber der Auferstehungsleib? Prokofieff hält diese Differenzierung ja für seinen Beitrag. Emil Bock sprach auch vom Leib, der die Dichte eines Ätherleibes angenommen hat, jedoch weder physisch noch ätherisch ist. Doch diese Differenzierung macht der wunderbare Theologiedoktor Bock nicht so präzise wie Prokofieff. Das Phantom ist das, was aus dem Grab auferstanden ist. Danach hat sich dieses Phantom in einen Ätherleib eingekleidet und das, was den Jüngern erschien, als sie in einem anderen Bewusstsein waren, war der Auferstehungsleib, mit dem Christus 40 Tage lang auf der Erde wanderte. Diese 40 Tage waren eigentlich Sein Leben auf Erden. Also das eine ist, was die Erde als Blut und als einen bis zum Geistesmenschen spiritualisierten physischen Leib empfing, das andere ist das Phantom, das dritte ist das, womit Christus den Jüngern erschien. Diesen Unterschied, den Prokofieff als ein Geschenk Gottes empfindet, macht Steiner nicht so präzise. Danach kam Prokofieffs zweites Geschenk, als er sah, dass die Meditation des grundlegenden Steines eine Beziehung zum Auferstehungsleib hat und dass in den 19 esoterischen Lektionen der ersten Klasse der Weg vom Jesus-Bewusstsein zum Christus-Bewusstsein zurückgelegt wird. Prokofieff spricht auch darüber, dass im Inneren der Erde, wo die erste Götterhierarchie wirkt, auch das Böse agiert. Beide werden nur durch die Mitternachtsstunde des Daseins voneinander getrennt. Das Böse und die erste Hierarchie der Götter wirken im Inneren der Erde und sind nur durch die Mitternachtsstunde des Daseins getrennt. Im erwähnten Artikel behauptet Prokofieff, dass im Augenblick, in dem das Mysterium von Golgatha geschah, die Mitternachtsstunde des Daseins auf die Erde herabstieg.

Was ist die Mitternachtsstunde des Daseins?  Nach dem Tod  kommen nur die Eingeweihten zum höchsten Punkt des höheren Devachan und zur Sphäre der Bodhisattvas. Alle anderen Verstorbenen erreichen die Sphäre zwischen Mars und Jupiter, wo der kosmische Kampf der richtig entwickelten und abgefallenen Mächte stattgefunden hat. Diese Mitternachtsstunde des Daseins stieg auf Golgatha hernieder, als Christus geboren wurde. Als Er am Pfingsttag in jedes Menschen-Ich herabstieg, holte Er das Devachan herunter. Wenn wir sterben, gehen wir durch die Astralwelten, nach einem Drittel des Erdenlebens erreichen wir ohne das in der Mondensphäre verbleibende Karma die Sonnensphäre. Danach steigen wir zum Mars, Jupiter usw. auf – jeder so hoch wie er kann. Auf dem Rückweg holen wir unser Karma zurück und kommen auf die Erde um es abzubezahlen. Nach unserem Tod legen wir also den Weg zur Weltmitternacht zurück. Jeder, der in der Lage ist, dorthin zu gelangen, schaut, wie die neun Hierarchien, die Gruppenwesen des Karma und die ganze Geistigkeit im Kosmos das Karma des Kosmos schafft und synchronisiert. Das ist der mächtigste Eindruck, den eine Seele haben kann, wenn sie überhaupt dorthin gelangt. Wenn sie wieder auf die Erde kommt, möchte sie jenes Erlebnis in der Form der Weltbruderschaft, die sie dort gesehen hat, auf die Erde holen. Das nennt man Weltmittag. Steiner spricht über den kosmischen Kult, der ursprünglich mit keinen irdischen Beziehungen zusammenhing und in der gemeinsamen Tätigkeit der Hierarchien bestand. Diese Tätigkeit, die eine ausreichende Anzahl von Menschen angeschaut hat, kann bei ihnen zu einem Anreiz werden, diese Weltbruderschaft als eine Widerspiegelung in die soziale Tätigkeit auf der Erde durchzusetzen. Diese Widerspiegelung ist der Weltmittag und sie existiert in zwei Kultformen. Es gibt einen sakramentalen Kult, der in den christlichen Kirchen und der Christengemeinschaft gepflegt wird und einen entgegengesetzten Kult, den die Geheimgesellschaften wie etwa die Rosenkreuzer praktizieren.

Christus hat Sich nicht zurückgezogen und auf der rechten Seite Gottes Platz eingenommen,  sondern Er hat das Devachan, Er hat Sein Reich herunter in den Menschen geholt und begonnen im Menschen zu leben. Seitdem ist Er immer mit uns verbunden. Er hat den entgegengesetzten Weg zurückgelegt im Unterschied zum Menschen, der nach seinem Tod in die andere Richtung geht. Das war das zweite große Opfer Christi, dass Er Seine Evolution, Sein Dasein für immer an uns geknüpft hat. Von unserer Ich-Evolution hängt es ab, wie viele Leiden Er zukünftig zu ertragen hat.

Wer sind die Helfer, die Christus dabei unterstützen? Zweifellos gehört Kaspar Hauser zu ihnen. Die Leiden Christi haben überhaupt die Auferstehung und die Zukunft der Menschheit ermöglicht. Wie hat sich aber Kaspar Hauser da eingemischt? In den Evangelien gibt es sieben Sätze, die Christus vom Kreuz aus sprach. Die drei Sätze, die jedoch uns am meisten berühren, kommen im Lukas-Evangelium vor. Der eine lautet „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas, 23:34), der zweite – „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ (ebd., 23:46). Den dritten Satz sprach Christus zum reuigen Schächer – „Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ (ebd., 23:43) Kommen Sie schon dahinter?  Nach der Vorlesung  „Der Heilige Impuls und die innere Sonne“ am 31.01.2016, in der es auch um Longinus ging, kam mein Bruder zu mir und sagte: “Hast du dich schon gefragt, wer der gute Schächer ist?“ Ich habe erwidert, dass ich mir diese Frage noch nicht gestellt habe, dann meinte mein Bruder, ich solle die Frage stellen und schauen, wie die Antwort laute. Er hatte diese Frage gestellt, nicht ich.

Von den beiden Schächern, die an den Seiten Christi standen, war derjenige, dem Christus antwortete, der gute. Unten standen die irren Schaulustigen und riefen: „ Er hat anderen geholfen; er helfe sich selber, ist er Christus, der Auserwählte Gottes (Lukas, 23:35). Die Kriegsknechte riefen Christus zu: „Bist du der Juden König, so helf dir selber!“ (ebd., 23:37). Christus aber bat um Vergebung für sie („Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!“).  Das Gleiche sagte Kaspar Hauser vor seinem Tod, als er allen vergeben hat. Der Schächer zur linken Seite Christi, durch den Ahriman sprach, forderte Christus auf:“ Bist du Christus, so hilf dir selber und uns! (ebd., 23:40). Christus antwortete ihm nicht. An Seiner rechten Seite hing der andere Schächer, in dem der Samen des Glaubens lebendig war. Christus stand an seiner linken Seite. Deshalb vibrierten Kaspars linke Seite, die linke Hälfte seiner Stirn, seine linke Hand und sein linker Arm sehr intensiv, wenn er sich stark aufregte. Stellen Sie sich vor, was er im aufregendsten Augenblick der ganzen menschlichen Entwicklung erlebt hat! Der gute Schächer wandte sich an den bösen Schächer mit den Worten: “ Und wir zwar sind billig darin, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes getan!“ (ebd., 23:41). Das steht nur im Lukas-Evangelium, dem warmherzigsten von allen Evangelien. Und dann wandte sich der reuige Schächer an Christus: “Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (ebd., 23:42). Christus antwortete ihm – dem einzigen Menschen, zu dem Er vom Kreuz aus sprach: „Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ (ebd., 23:43). D.h. wenn er weiß, dass die Beziehung zur geistigen Welt existiert, wird er mit Ihm im Paradies sein, wird er eine Beziehung zu Seinem Phantom haben.

Verstehen Sie nun auf dem Hintergrund des Geschilderten, warum Napoleon Kaspar Hausers Weg vorbereiten sollte? Lassen wir uns einmal in diesen bewegendsten Augenblick zurückversetzen, als die Drei am Vormittag gekreuzigt wurden. Man hatte ihnen die Füße gestützt, damit ihre Leiden länger dauerten.  Manchmal blieben Gekreuzigte drei Tage lang am Kreuz hängen. Da Sein Leib vom Geist verbrannt und erschöpft war, starb Christus um drei Uhr nachmittags, die anderen lebten noch. Wir wissen nicht, was ihr Verbrechen war, aber die Worte „Wir empfangen, was unsere Taten wert sind“ zeigen, dass sie nach den damaligen Gesetzen gesündigt hatten. Schon um12 Uhr mittags begann eine Finsternis,  es kam Angst auf, weil Christus im Sterben begriffen war. Im Johannes-Evangelium finden wir die Sätze „Mich dürstet“ (Joh., 19:28) und „Es ist vollbracht“ (ebd., 30:9), die im Markus- und Matthäus-Evangelium nicht vorkommen – dort heißt es „Eli eli lama sabachthani!“ Welche Sätze kommen nur im Lukas-Evangelium vor? Christus antwortet auf die Frage einer einzigen Person, die am Kreuz hängt! Um was für eine Individualität hat es sich wohl gehandelt! Die am Mittwoch empfangene Offenbarung beantwortet diese Frage. Wir werden sehen, wer diese Individualität in einem vorherigen Leben war und wie sich die Übergänge zwischen Alt- und Neutestamentarischem gestalten.

Bis zum nächsten Tag, an dem das Passah-Fest stattfinden sollte, durften keine Verbrecher am Kreuz hängen. Die beiden Schächer lebten noch, Jesus starb und Christus wurde geboren, so wie wir aus dem Mutterleib herauskommen. Es kamen Soldaten und brachen die Schienbeinknochen der Gekreuzigten. Deshalb waren Kaspar Hausers Beinknochen und Knie anders gebaut. Als Dr. Preu ihn untersuchte, stellte er fest, dass das Kniegelenk in gerader Streckung beim Sitzen auf dem Boden so fest lag, dass man kaum ein Kartenblatt unter die Kniekehle schieben konnte. Seine Knie und seine Schienbeinknochen waren anders gebaut.

Im Unterschied zu den Schächern durfte bei Christus nichts gebrochen werden, denn Er vergeistigte sogar den physischen Leib. Das Blut wurde auch spiritualisiert, das im Knochengrat produziert wird, wie Prokofieff  richtigerweise bemerkt. Wenn das Knochenmark nicht richtig funktioniert, erkrankt der Mensch an Leukämie. Hier geht es also um die Spiritualisierung von Blut und Knochen und damit das Phantom in seinem ursprünglichen Glanz auferstehen konnte, durfte kein Knochen gebrochen werden. Nachdem Longinus mit der Lanze Christus durchbohrt und somit seine welthistorische Aufgabe erfüllt hatte, flossen Blut und Wasser aus der Öffnung. Das geschah später, als Joseph von Arimathäa da war, zu dieser Zeit lebten die beiden Schächer noch. In dem Moment also, als Joseph von Arimathäa kam und den Kelch reichte, wurden die Knochen der beiden Schächer gebrochen. Damals lebten sie noch und der reuige Schächer sah den Anfang des Gralsmysteriums mit seinem wachen Bewusstsein. Selbst Johannes, der zukünftige Christian Rosenkreutz, dessen Bewusstsein hoch im Devachan war, dort, wo die Bodhisattva-Sphäre ist, in der Sphäre der Vorsehung, konnte diese physische Tatsache nicht erfassen! Ich vermute, dass die Jungfrau Sophia, die das ganze Wissen über die Ereignisse von Golgatha trägt, in jenem Augenblick auch ein höheres gnostisches Bewusstsein hatte. Ob das stimmt? Das ist eine große Frage, die wir nun stellen. Es gibt einen Schlüsselsatz, der Steiner zugeschrieben wird – dass neben Christian Rosenkreutz derjenige, der Christi Leiden am intensivsten erlebt hat, Kaspar Hauser war. Das liegt daran, dass Johannes unter dem Kreuz stand und Kaspar oben am Kreuz neben Christus hing und mit Ihm sprach.

Warum kam diese Offenbarung jetzt? Es gibt einen Vortrag von Radoslav Radev aus Plovdiv, „Das Symbol des kosmischen Kreuzes“, den er am 05.04. 2004 vor Anthroposophen gehalten hat. Obwohl er noch so jung ist, sprach er über das Kreuz mit sehr tiefem Verständnis. Zweifellos ist er eine besondere Seele. Nach dem Vortrag fragten teilnehmende Anthroposophen: „ Fällt dir nicht etwas auf? Können wir nicht den guten Schächer als den Vertreter der Menschen betrachten, die mit den hellen Mächten verbunden sind und den bösen Schächer als das Urbild derjenigen, die nicht an Christus glauben werden?“ Später schrieb Radoslav Radev, als er seinen Vortrag ins Internet stellte, dass ihm diese Bemerkung sehr gut gefallen habe, weshalb er sie in seinen Vortrag aufnehme. Als ich diesen Vortrag mit diesem Einfall las, meinte ich, dass es hier etwas gibt. Radoslav Radev hat diesen Vortrag am 05.05.2004 gehalten und zwölf Jahre später wusste ich, wer Kaspar Hauser ist. Die Antwort ließ zwölf Jahre auf sich warten, doch es ist wichtig, die richtigen Fragen zu stellen.

Longinus, der später Napoleon wurde, hat seine Aufgabe erfüllt. Der gute Schächer hing am Kreuz und hat den Anfang des Gralsmysteriums gesehen, deshalb musste er später zu einer Stütze der Gralsmysterien in Süddeutschland werden. Verstehen Sie, was dieser Mensch erlebt hat, was er mit seinem wachen Tagesbewusstsein beobachtet hat, als er gekreuzigt wurde, selbst am Kreuz litt und Christus vor seinem Tod erkannte? Alles, was Christus am Kreuz erlebte, hat derjenige, der später Kaspar Hauser wurde, von Anfang an miterlebt. Infolge dieser Beziehung zu Christus ist er der erste Mensch auf Erden, der das Prinzip „In Christo morimur“ erlebt hat. Er ist das Urbild der zukünftigen guten Rasse, so wie der andere Schächer das Urbild der bösen Rasse ist. Wessen Inkarnation mag er wohl sein?  In der Zukunft wird es bekannterweise zwei Rassen geben. Der gute Schächer ist das Urbild derjenigen, die Christus finden und weiße Gewänder anziehen, von denen in Johannes’ Apokalypse die Rede ist.

Nachdem ich das begriffen hatte, spürte ich während eines sehr bemerkenswerten und besonderen Gesprächs mit meiner Frau, dass es noch etwas anderes gibt. Ich möchte keine Details über die Art und Weise erwähnen, wie das sich zugetragen hat, aber es war sehr aufschlussreich und ereignete sich zum ersten Mal auf diese Weise.

Sie wissen, dass ich in meinem Vortrag über Skythianos auf der Konferenz „Die Seele Europas“ 2014 in Varna fünf Individualitäten beleuchtete[3] und dabei auf die drei Könige aus dem Osten einging. Nicht zufällig haben wir die drei Könige nun auch im Zusammenhang mit dem Namen  Kaspar erwähnt. Steiner hat nur eine von diesen drei Individualitäten beleuchtet, nämlich den Pythagoras – den Vertreter des Denkens. Prokofieff schrieb seinerseits, dass man leicht darauf kommen kann, dass die anderen zwei Individualitäten der Prophet Daniel, der in babylonischer Gefangenschaft unter Nebukadnezar war und Kyros der Große, der die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft befreite, sie ins Gelobte Land zurückbrachte und den Salomonischen Tempel wieder aufbaute – das Symbol der alttestamentarischen Weltanschauung. Prokofieff sagt, dass Daniel und Kyros der Große die anderen zwei Könige sind. Nachdem ich mich in die Sache ernsthaft vertieft hatte, hat sich herausgestellt, dass die vorherige Inkarnation dieses Schächers und Urbildes der guten Rasse Kyros der Große war. Kyros der Große war derjenige, der es der alttestamentarischen Vorsehung ermöglichte, sich zu erfüllen. Er war es, der später als der gute Schächer am Kreuz inkarnierte.

Hier taucht natürlich die Frage auf, warum Kyros der Große als ein Schächer inkarnierte. Es liegt daran, dass das größtmögliche Gute nur durch das Böse erreicht wird. Kyros der Große hat Babylon friedlich erobert und die Juden befreit. Interessanterweise wurde er, wie ich schon mal erwähnt habe, von der Anführerin der bulgarischen Kymeriern Thamyris ermordet. Die Individualität des persischen Großkönigs Kyros des Großen, die eine Schlüsselrolle in diesem Drama spielt, war jener gute Schächer, der später als Kaspar Hauser inkarnierte.

Hier sehen wir die fundamentale Trennung der Menschheit, die Radoslav Radev sehr gut veranschaulicht hat. Zuerst bilden wir eine Einheit, dann teilen wir uns in gute und böse Menschen ein, die dann wieder eine Einheit bilden sollen. Die Aufgabe dieser Individualität besteht darin, dass sie immer eine Rückkehr zur Vorsehung bewirkt – als Kyros der Große, als der Schächer und als Kaspar Hauser. Es ist möglich, dass es auch christliche Inkarnationen von ihm gegeben hat. Wenn die größten Individualitäten der Menschheit inkarnieren, müsste er auch inkarnieren. In Hinblick auf Steiners Worte, dass Kaspar Hauser seit der Atlantis nicht inkarniert wäre, vermute ich, dass das zu den Legenden gehört. So wie es in der „Weißen Bruderschaft“ Legenden gibt, so gibt es bezüglich dieser oder jener Worte Steiners auch Legenden und man muss von Anthroposophie verstehen, um die Spreu vom Weizen trennen zu können.

Zu der vorliegenden Vorlesung, die ich mit großem Enthusiasmus vorbereitete,  haben ihren Beitrag geleistet: mein Bruder Evgeni, meine Frau Rada, Stella Ruskova, die sich eine Vorlesung über das Golgatha gewünscht hat sowie Radoslav Radev mit seinem Vortrag. Die Beziehung zu Napoleon, die wir besprochen haben, führt zum Golgatha, denn Longinus hat Jesus nach seinem Tod durchbohrt und diejenigen angeführt, die die Beine der Gekreuzigten brachen. Auf diese Weise ist er in eine karmische Beziehung zu denjenigen eingetreten, deren Knochen gebrochen wurden. Deshalb sollte Napoleon die Bedingungen für Kaspar Hausers Wirken schaffen und dadurch auch sein Schulde ihm gegenüber abtragen. Das hat er jedoch nur auf dem äußeren Plan geschafft, die geistigen Bedingungen hat er vergessen. Ich hoffe, dass der nun wieder inkarnierte Napoleon seine Mission nicht vergessen und diesmal die richtige Wahl treffen wird.

Es sind viele Details unerwähnt geblieben. Mein besonderer Dank gilt natürlich Peter Tradowsky, aus dessen Buch „Kaspar Hauser oder das Ringen um den Geist“ ich viele Informationen über Kaspar Hausers Leben erhalten habe. Er widmete lange Jahre seines Lebens der Sammlung der wesentlichen Angaben, ohne aber zu der Lösung des Rätsels zu gelangen. Mir wurde die Lösung nicht zufällig bereits am Anfang des Monates gegeben, damit ich mich auf diese Vorlesung vorbereiten konnte. Bei meiner Beschäftigung mit Kaspar Hauser war ich allein und habe nach dem Empfang der Offenbarung vor Ergriffenheit geweint. Nur ich und die geistige Welt waren dabei, es war eine unbeschreiblich schöne Situation. Ich hoffe, dass diese Vorlesung in irgendeiner Weise Peter Tradowsky erreichen wird, damit seine Bemühungen auch belohnt werden. Ohne ihn zu kennen, habe ich eine sehr gute Einstellung zu ihm, u.a. im Zusammenhang mit seinem Einsatz für Judith von Halle. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.
[1] Vgl. Der Heilige Impuls und die innere Sonne – Teil 1
[2] Vgl. Die Geheimnisse von Golgatha
[3] Vgl. Skythianos

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