Das Mysterium des Ich

Video-Reihe vom 19.11.2017

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Seid gegrüßt, Brüder und Schwestern in Christo,

heute, den 19.11.2017, werden wir als eine Fortsetzung jener 18 kurzen Videoclips, die vor dem Sommer entstanden sind, sechs neue Folgen aufzeichnen. In den heutigen sechs Beiträgen werden wir auf verschiedene Fragen des Daseins eingehen und dabei mit dem Mysterium des Ich beginnen.

Letztes Mal haben wir uns auch mit dem Ich befasst, aber da das Ich dasjenige Wesensglied ist, an dessen Entwicklung im ganzen irdischen Äon gearbeitet werden muss, werden wir es auch zukünftig von verschiedenen Gesichtspunkten beleuchten müssen. Es gibt ein Hauptmysterium, das dem Menschen Rätsel aufgibt – das ist das Mysterium des Ich. Heute werden wir es aus einem anderen Blickwinkel betrachten – desjenigen des Meisters Beinsa Douno. Laut ihm sind die Stufen des Daseins folgendermaßen angeordnet: Ganz unten befindet sich der Stoff, es folgen die Energie und das Licht, die eine Drei bilden. Es folgt der Gedanke – der Grenzpunkt, der diese Drei von der nächsthöheren Drei trennt, welche laut Beinsa Douno aus Liebe, Geist und Gott besteht.

Den Vertretern verschiedener spiritueller Strömungen mag diese Anordnung etwas seltsam erscheinen und ich weiß nicht, inwiefern die Mitglieder der Organisation „Weiße Bruderschaft“ über dieses Konzept ihres Meisters Bescheid wissen. Nun wollen wir versuchen zu begreifen, was er mit dieser Anordnung der Daseinsstufen gemeint hat.

Ganz unten ist der Stoff – dies ist uns bekannt, es handelt sich um das Mineralreich. Auf den nächsthöheren Stufen befinden sich jeweils die Energie und das Licht. Albert Einstein hat sich mit beiden beschäftigt und seine berühmte Formel aufgestellt – E = mc2 (Energie ist gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat). Als Einstein diese Formel aufstellte, machte er das vom Standpunkt der materialistischen Weltanschauung und ohne die geringste Vorstellung von den geistigen Urquellen dieser drei Substanzen zu haben. Die Formel klingt verständlicherweise sehr abstrakt, denn sie lässt sich – insbesondere bei der Lichtgeschwindigkeit – nicht experimentell überprüfen. Die geistigen Urquellen der drei Substanzen Stoff, Energie und Licht haben zweifellos als Korrelate jeweils das physische Prinzip, das ätherische Prinzip und das astrale Prinzip. Die nächsthöhere Stelle nimmt der Gedanke ein und hier kapitulieren sowohl Einstein als auch die gesamte heutige Wissenschaft, da sie keine Vorstellung haben, wie das Denken zustande kommt, woher es kommt und welche Substanz es darstellt. Die Geisteswissenschaft lehrt uns, dass das Denken in seinem Wesen nichts mit dem physischen Leib, ja gar mit allen drei menschlichen Leibern oder mit der menschlichen Seele zu tun hat. Das Denken als Substanz ist reiner Geist und folglich spielt das physische Gehirn nur eine Vermittlerrolle im Denkprozess. Der Ätherleib ist ebenfalls ein Vermittler des Denkens, da das Denken sich in ihm entwickelt. Der Astralleib ist der Träger des Bewusstseins, mit dessen Hilfe der Denkprozess zustande kommt. Seit Aristoteles, also seit unserem Übergang vom lebendigen Denken und dessen Erleben im Ätherleib zum abstrakten Denken im Astralleib, wurde unser Denken des Lebens entleert. Deshalb konnten sich die Anschauungen Newtons und Einsteins sowie die Ansichten der gegenwärtigen Wissenschaft herausbilden. Wenn das Denken jenes Werkzeug ist, das uns als Iche gebildet hat, und ohne das dies unmöglich gewesen wäre, und wenn wir keine Vorstellung vom Wesen des Denkens haben, ist es klar, dass die Menschheit vor den noch höher liegenden Daseinsstufen kapituliert. Das Denken ist der Grenzübergang zu diesen höheren liegenden Daseinsstufen.

In früheren Vorlesungen sind wir auf die Lemniskate des anschauenden Denkens eingegangen – das neue Organon, das Steiner gegeben hat und das den Kern der Methodologie der Anthroposophie bildet. Die eine Schlaufe der Lemniskate besteht aus These, Antithese, Synthese, es folgt das Sterben des niederen Ich in dem höheren Ich und auf der anderen Seite der Lemniskate befindet sich die geistige Drei, die Steiner ‚moralische Intuition, moralische Phantasie und moralische Technik‘ genannt hat. Gelingt es dem Menschen, durch den Punkt des Denkens in der rechtmäßigen anschauenden Art hindurch zu kommen, offenbaren sich ihm auch die Wahrheiten über die höhere Drei.

Was steht auf der fünften Stufe? Laut Beinsa Douno ist das die Liebe. Doch was ist sie, was ist die Liebe? Damit es eine Schöpfung gibt, hat der Vatergott über die Throne die Substanz der Liebe, also das uranfängliche Weltenfeuer in der höheren Astralität ausgestrahlt, das das physische Prinzip darstellt, welches im vorherigen Zyklus des Vaters ausgearbeitet wurde. In der Vorbereitung des physischen Prinzips bestand die Hauptaufgabe jenes Zyklus. Dieses Prinzip hat der Vater über die Throne manifestiert, in Form der Substanz, die das ganze Dasein als Schöpfung erschaffen hat. Im Grunde des ganzen erschaffenen Daseins liegt jene Substanz, die ein Ergebnis des Opfers des Vatergotts über die Throne ist. Das ist die Liebe. Deshalb schreibt der Apostel Johannes in seinem ersten Brief, dass Gott Liebe ist (1. Joh. 4:8). Das steht in seinem ersten Brief, doch in der Apokalypse des Johannes finden wir etwas anderes.

Auf der nächsthöheren (sechsten) Stufe befindet sich der Geist. Was ist der Geist, was stellt er dar? Der Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist sind ein Geist, der sich abwärts als die Liebe – die Substanz vom Vater, die Idee vom Heiligen Geist und das Leben vom Sohn – manifestiert. Doch der Vater, Sohn und Heilige Geist Selbst nehmen an der Schöpfung des Kosmos nicht teil, sondern Sie übergeben Ihre Prärogativen den Hierarchien, die den Kosmos erschaffen. Beinsa Douno sagte: „Geht überall in den Kosmos hin und fragt, was Liebe ist – überall werdet ihr die Antwort bekommen, dass Gott Liebe ist“.

Doch Gott ist nicht nur Liebe, es gibt einen noch umfassenderen Begriff dafür, was Gott ist – das ist der Geist. Das ist die Trinität, die vor der Schöpfung steht und auf die Schöpfung schaut, doch an der Schöpfung nicht beteiligt ist. Das ist der Geist. „Es gibt den einen Geist“, sagte Beinsa Douno, „und Gott ist in seinem Dasein Geist“. Dann kommen die Liebe, das Denken, das Licht, die Energie und der Stoff.

Wir sind zur sechsten Stufe gekommen, doch was steht noch höher? Für Beinsa Douno steht ganz oben Gott. Was ist also Gott, wenn wir wissen, dass Gott in seiner Manifestation als die Trinität Geist ist? Es gibt etwas, was oberhalb des Geistes steht und der Geist ist ebenfalls eine Manifestation von diesem Etwas. Das ist das Ich-bin-Prinzip, das an der Spitze dieser siebenstufigen Leiter steht. Das ist das Absolute, dessen wahres Wesen das Ich-bin-Prinzip darstellt. Dort ist der Urquell des ganzen Daseins, all desjenigen, was existieren kann. Diesem Urquell entspringt ein Fluss, der abwärts fließt und sich als Geist, Liebe usw. manifestierend bis zum Stoff reicht. Die Hierarchien ordnen sich diesem Fluss entlang aufwärts an, indem sie auf den Urquell des Ich-bin hinaufschauen und zu seiner Manifestation in der Schöpfung werden.

Hier stehen wir vor dem Hauptmysterium, das überhaupt möglich ist – dem Mysterium des Ich. Was ist das Ich? Wenn die oberste Formel „ Gott ist ein Ich-bin“ lautet, müssen wir uns die Frage nach der Substanz des Ich stellen. Wir haben bereits die Form des Ich besprochen, welche die Elohim dem Menschen verliehen haben, das Ich der Hierarchien und die Art, in der sie es erlangen und zur Geltung bringen – das erfolgt immer durch ein Opfer. Ein höherer Geist – etwa ein Eloah, der eine Ich-Form und eine Ich-Substanz hat, ergießt seine Ich-Substanz nach unten zum tieferstehenden Archen. Letzterer entleert opfernd die Ich-Substanz aus seiner Form, die leer bleibt und bekommt eine Ich-Substanz vom Eloah, der über ihm steht. Die eigene Ich-Substanz gibt der Arche nach unten zum Erzengel weiter, dieser hat ebenfalls seine Form entleert, damit sich die Ich-Substanz des Archen in ihn ergießen kann.

Es folgt die Frage, woher diese Ich-Substanz kommt und woraus sie besteht, was sie darstellt. Ohne jeglichen Zweifel wird sie von jener uranfänglichen Substanz gebildet, die vom Vater kommt und  über die Throne ausgestrahlt wurde, was sich in Form der Liebe manifestierte. Die Ich-Substanz aller Wesen besteht also aus Liebe. Deshalb antworten die Wesen auf die Frage, was Gott ist, dass Gott Liebe ist, wie der Meister Beinsa Douno berechtigterweise sagte. Sie haben ihre Form erhalten, alle Wesen sind auch Form, die von einer Substanz, Idee und dem Leben des Zyklus (Vater, Sohn und Heiliger Geist) erschaffen worden ist. Doch was ist das Ich selbst, welche ist diese Substanz, die nach ihrer Kondensierung zum Geist wird? Wenn sie noch stärker kondensiert wird, ergibt sie Liebe usw. Was ist das für eine Substanz? Diese Substanz können wir mit nichts Bekanntem vergleichen, obwohl die Gewinnung unsere Ich-Substanz in einer grundsätzlich anderen Art als bei den über uns stehenden Wesenheiten geschieht – keine von ihnen ist in der Art zu einem Ich geworden, in der wir das erreichen werden. Christus ist zum systembildenden Faktor des Dreiecks Vater – Sohn – Heiliger Geist geworden und dazu muss dieser systembildende Faktor eine Substanz sein, die über diesen drei Substanzen steht, denn in jedem System muss der systembildende Faktor alle Elemente umfassen, die ein Teil von ihm sind und die er zu leiten hat. Das Ich-bin-Prinzip leitet also das ganze System, das sich abwärts als eine Schöpfung entfaltet. Daher folgt die Frage nach der Beschaffenheit der Ich-bin-Substanz. Wenn jedes Wesen, das sich als ein Ich in dieser Hierarchiereihe individualisiert, indem es die Substanz der Liebe benutzt, die die Throne ausgestrahlt haben, ist Christus dort in besonderer Weise anwesend, damit Er als Träger der uranfänglichen Ich-Substanz sich an der Individualisierung dieses Wesens beteiligen kann. Beim Akt der Individualisierung erlebt ein Wesen diese Ich-Substanz in einer individuellen Art, die sich in ihm als Liebe manifestiert. Sie manifestiert sich jedoch nur als Liebe, der Mensch erlebt durch die Liebe das Ich-bin-Prinzip selbst, das uns als vollständig in einem Geheimnis umhüllt erscheint. Die Hierarchiewesen haben sich individualisiert, als Christus der Senkrechten entlang herniederstieg und dem Prozess der Ich-Ausbildung dieser Götter immanent wurde. Als Christus aber auf die Erde herunterstieg, geschah etwas völlig Abweichendes. Hier streifen wir eine Reihe von Fragen, die bisher keine definitive Antwort bekommen haben.

Zuerst musste der Leib für Gott erschaffen werden und das war Jesus. In der Anthroposophie werden zwei Jesusse genannt – die nathanische Seele aus dem Lukas-Evangelium und Jesus mit dem Zarathustra-Ich aus dem Matthäus-Evangelium. Bei Matthäus sind die Dinge klarer – es gibt ein Ich, еine Seele und drei Leiber und das Ich, das in diesem salomonischen Jungen von den Leibern Besitz ergreift. Was gibt es aber beim nathanischen Knaben? Dort gibt es ein Wesen, das nie auf der Erde gelebt hat und nie wieder in dieser Form auf dem irdischen Plan erscheinen wird. Dort gibt es drei Leiber, die in komplizierter Weise von Abraham abwärts gebildet wurden, dem Melchisedek das Geheimnis enthüllte. Die Hauptaufgabe des jüdischen Volkes bestand darin, die drei Leiber, genauer gesagt den physischen und den Ätherleib, vorzubereiten, während die Bedingungen im Astralleib eher von Christus über Buddha geschaffen wurden – das alles kennen wir. In diesen Leib trat ein Wesen ein, das Steiner die ‚nathanische Seele‘ nannte. Das ist die Schwesternseele Adams, die den nicht versuchten Baum des Lebens darstellt – die nicht versuchten zwei höheren Äther – den chemischen und den Lebensäther. Hier haben wir es also mit einem Ätherwesen zu tun und das ist eine Seele, die in drei Leiber eintritt. Bei der gewöhnlichen Menscheninkarnation gibt es ein Ich, das dem Gesetz der Inkarnationen unterliеgt, eine Seele, die dem Karmagesetz unterliegt, und drei Leiber, die den karmischen Ursachen aus dem vorigen Leben entsprechen. Die Seele kommt aus dem vorigen Leben und sie wird vom Ich begleitet, das eine jeweilige Entwicklung in verschiedenen Zeitaltern erfahren hat, aus der das heutige reflektierende Ich entstanden ist. Hiermit haben wir die Senkrechte nach Beinsa Dounos Konzept aufgebaut und müssen klären, was das Ich darstellt.

Beim nathanischen Jesus war die Seele aus einer Äthersubstanz gebildet, während die Seele in Wirklichkeit eine astrale Bildung ist, sie besitzt auch einige der Charakteristika des Ich. Warum kommt in dieser Seele auch das Ichhafte bis zu einem gewissen Maß zur Geltung? Es gab drei Durchdringungen der nathanischen Seele durch Christus in den vorchristlichen Zeiten – jeweils am Ende der lemurischen Zeit, am Anfang und am Ende der atlantischen Zeit bzw. im höheren Devachan (in der Sonnensphäre), dem niederen Devachan und der Astralwelt. Sie wurde vom makrokosmischen Christus-Ich durchdrungen. Dabei wurden die zwölf menschlichen Sinne, die sieben Lebensfunktionen und das Seelenleben (Denken, Fühlen und Wollen) gerettet – Letzteres dauerte bis in die griechische Zeit hinein. Wegen der drei Durchdringungen legte diese Seele manche Ich-Charakteristika an den Tag. Doch sie wurde in den übersinnlichen Welten durchdrungen und nicht auf dem irdischen Plan. Daher war die nathanische Seele eine besondere Bildung. Bis zum Wunder im salomonischen Tempel, als ihr Ich durch das Zarathustra-Ich ausgewechselt wurde, wandelte ein Wesen auf der Erde, das eine nie bisher auf die Erde heruntergestiegene Seele war und daher kein Karma hatte. Ohne Karma müsste das Wesen durchsichtig sein. Nur weil bestimmte Spuren im Nirmanakaya Buddhas von seinen vorherigen Herabstiegen geblieben waren, war dieser Jesus überhaupt sichtbar. Doch er hatte keine Ich-Charakteristika, deshalb konnte er in der menschlichen Ursprache sprechen, die seine Mutter verstand. Welche ist diese Ursprache der Menschheit? Das ist die Sprache aus der Zeit vor dem menschlichen Herabstieg auf die Erde. Dieser Jesus konnte wegen des Vorhandenseins des Ätherischen nach seiner Geburt sprechen, denn die nathanische Seele ist eigentlich ein Ätherleib mit Seeleneigenschaften. Uns ist die Beziehung des Ätherleibes zum Sprechen bekannt. Nur seine Mutter – jene Maria, die ihn im Alter von 12 bis 13 zur Welt gebracht hat und dann mit etwa 25 gestorben ist – konnte ihn verstehen. Es wird vermutet, dass auch sie damals zum ersten Mal inkarniert war. Hier müssen wir uns die Frage stellen, wo diese Seele aufbewahrt wurde, welches ihr Ich ist, was für eine Seele sie war, wenn sie tatsächlich keine Inkarnationen erlebt haben sollte – auf diese Fragen kennen wir die Antwort nicht. In der Aura ihrer Mutter, in ihrem Ätherischen musste die nathanische Seele bis zum zwölften Jahr bleiben. Wir wissen, dass das Kind bei der Geburt den mütterlichen physischen Leib abwirft, doch bis zum siebten Jahr im mütterlichen Ätherleib wie in einer Aura lebt, weshalb die Trennung eines Kindes von seiner Mutter vor dem siebten Geburtstag ernsthafte Konsequenzen hat. Bis zum zwölften Jahr (wenn der Astralleib erwacht, was eigentlich um das 14. Jahr herum geschieht) lebte dieses Kind in der mütterlichen Ätherität und Astralität. Im zwölften Jahr trat in diesen Leib das Ich Zarathustras ein und begann, diese drei Leiber vorzubereiten, damit im 30. Jahr das makrokosmisch Ich Christi in sie eintreten konnte. Christus inkorporierte sich als Avatar in diese drei Leiber und begann mit ihrer Umarbeitung. Am Anfang hat Er die Samariterin getroffen, mit der Er jenes bemerkenswerte Gespräch am Jakobsbrunnen führte. Seit einiger Zeit wissen wir, dass diese Samariterin der wieder inkarnierte Josef ist, den die Söhne desselben Jakob nach Ägypten verkauft hatten. Nicht zufällig fand diese Begegnung am Jakobsbrunnen statt. Dort sagte Christus dem als die samaritische Frau wieder geborenen Josef: „Gott ist Geist und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“(Joh.4:24). Das heißt, als Ich und durch den Geist der Wahrheit, wodurch Christus denjenigen den Aposteln versprochenen Geist andeutete, den niemand kennt, da er vom väterlichen Weltengrund – nicht vom Vater! – kommen sollte (vgl. Joh.14:16-17). Der große Theologe und Anthroposoph Emil Bock hat die genaue Übersetzung dessen geliefert, was gemeint ist, wenn es um den Vatergott geht und was mit Gott gemeint ist, wenn es um den väterlichen Weltengrund geht – die manifestierte Seite des Absoluten, dessen nichtmanifestierte Seite niemand sehen oder etwas über sie erfahren kann.

Аls Christus später im Johannes-Evangelium jene sieben Ich-bin-Worte sprach („Ich bin das Brot des Lebens“ (6:35), „Ich bin das Licht der Welt“ (8:12). „Ich bin die Tür“ (10:7-9), „Ich bin der gute Hirt (10:14), „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (11:25), „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (14:6), „Ich bin der wahre Weinstock“ (15:1), hat sie der erweckte Johannes aufgeschrieben und später in seinem ersten Brief auf der Grundlage dieser Sätze gesagt, dass Gott Liebe ist. Doch in der Apokalypse, als Christus nach Pfingsten nicht mehr auf der Erde war und sich dem einige Jahrhunderte weiter in die Zukunft versetzten Johannes offenbarte, sagte Er: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Offenb. 22:13). Das ist das höchstmögliche Christus-Verständnis – das Ich-bin-Prinzip vom väterlichen Weltengrund. Gegen Ende seines Lebens hat sich also Johannes zu dieser hohen Einsicht erhoben, die am Anfang all desjenigen steht, was sich später manifestiert.

Hier streifen wir das Rätsel des Auferstehungsleibes, das uns in einer bestimmten Art zum Ich-bin-Prinzip führt. Wir wissen, dass in dem Moment, in dem Jesus auf dem Kreuz starb, Christus auf dem irdischen Plan geboren wurde. Er erschien dann 40 Tage lang den Jüngern und sprach zu ihnen über die neue Beziehung zwischen Mikro- und Makrokosmos, der Er quer durch alle Daseinsstufen Bahn gebrochen hat. 40 Tage später fuhr Er in den Himmel und das war sein Sterben,  nach dem Er in das Devachan ging. Doch das geschah nicht in der Art, in der ein Verstorbener in die Devachane  aufsteigt, indem er zuerst durch Fegefeuer, Sonnensphäre usw. geht. Christus hat vielmehr sein Devachan heruntergeholt und sich am Pfingsttag durch den Heiligen Geist mit der Erde verbunden. Die Jünger konnten Ihn nicht weiterverfolgen, nur Paulus hatte als Erster eine Begegnung mit dem auferstandenen, mit dem ätherischen Christus. Deshalb nannte Paulus sich selbst eine „unzeitige Geburt“. Der Auferstehungsleib ruft eine Menge Fragen hervor, denn das Mysterium von Golgatha –  das Mysterium des manifestierten Ich – wird sich uns zukünftig immer mehr offenbaren.

Was war der Auferstehungsleib? Das Phantom – die Form des physischen Leibes – wurde durch das Ich Christi, das makrokosmische Ich vom Absoluten durch das Buddhi-Prinzip, das das ewige Leben vom Absoluten ist, auferweckt, nicht durch das Prinzips des Sohnes, des Lebens, das im Zyklus ist. Wem gehörte dieses Phantom? Es gehörte Jesus. Wir wissen, dass das Phantom jedes Menschen, der diese Welt verlässt, von den Thronen mitgenommen wird und in einer spezifischen Art zum „alten Saturn“ zurückkehrt. Im nächsten Leben schenken die Throne ein neues Phantom dem Menschen, dem dieses Phantom ein bestimmtes Aussehen verleiht – je nach dem Karma, das er angehäuft hat und in Abhängigkeit von den karmischen Fehlern der Seele. Entsprechend seiner karmischen Schuld erhält der Mensch also seinen „Leisten“. Die nathanische Seele war jedoch nie auf der Erde inkarniert und hatte kein Karma. Wie konnte der nathanischen Seele, die Jesus ist, das entsprechende Phantom geschenkt werden? Nach welchen Regeln geschah das? Dieses Phantom müsste unvermeidlich von jenen drei Durchdringungen der nathanischen Seele in den übersinnlichen Welten betroffen worden sein. Das Urbild des physischen Prinzips ist im höheren Devachan – dort, wo die Pralaya-Grenze beginnt. Bei diesen Durchdringungen der nathanischen Seele wurde wahrscheinlich auch das geeignete Phantom für sie vorbereitet und vom Christus-Ich durchzogen. So konnten sich Christus – d.h. das Christus-Ich und das Buddhi-Prinzip – an dieses Phantom gewöhnen, das später auferweckt wurde. Als Christus die Auferstehung vollzog, hat sich dieses Phantom aus dem Grab mit dem Inhalt – dem Ich und dem Buddhi-Prinzip – erhoben. Dieses Phantom kann vervielfältigt werden. Jeder Mensch, der auf dem Erdenplan sein Ich mit dem Christus-Ich, mit dem Christus-Impuls durchzogen hat, welcher an Pfingsten über den Heiligen Geist herabgestiegen ist, kann einen Teil dieses Phantoms personalisieren, d.h. sein Phantom im gegenwärtigen Leben über das auferweckte Christus-Phantom umformatieren. Goethe hat sich zur Idee der Urpflanze erhoben, die er als ein imaginatives Bild gesehen hat. Aus dieser Urpflanze kann man mannigfaltige Pflanzen entstehen lassen, doch die Urpflanze lässt sich nirgendwo in der physischen Welt finden. So gibt es auch verschiedene Formen von Dreiecken, doch bei jedem Dreieck ergibt die Summe der Winkel 180 Grad und hinter allen Dreiecken steh ein „Urdreieck“, dessen drei Spitzen sich in ständiger Bewegung befinden und eine unendliche Zahl von Dreiecken schaffen. Solchen Phänomenen liegt immer ein Urbild zugrunde. Auch wir haben unser persönliches Urphantom bereits auf dem alten Saturn erhalten, das dann im Sonnen- und Mondenzustand der Erde eine Verbindung jeweils mit dem Äther- und Astralleib – also eine bestimmte Umarbeitung – erfahren hat. Danach hat das Phantom alle bisherigen Etappen des gegenwärtigen Äons durchlebt und den Zustand des drohenden Zerfalls zur Zeit Christi erreicht. Wegen des Sündenfalls wurde dieses Phantom dermaßen abgeschwächt, das es kaum in der Lage war, dem Menschen zu einem längeren Aufenthalt auf der Erde zu verhelfen. Welches ist dieses Phantom, das Jesus erhalten hat und woher ist es erschienen, dass es sogar vervielfältigungsfähig ist? Ist es ein Überbleibsel des alten Saturn-Zustandes oder ist es in der Zeit vor dem Sündenfall im Erdenäon gebildet worden, so dass jeder Mensch ein Ich-Abbild dieses Phantoms erhalten kann? Bisher lässt sich eine definitive Antwort auf diese Frage nicht geben, das ist eines der meistgehüteten Geheimnisse, das mit der nathanischen Seele zusammenhängt. Wir können nicht in das Mysterium Christi eindringen, ohne das Mysterium der nathanischen Seele zu berühren.

Einige weitere Fragen könnten uns beschäftigen: Was macht die nathanische Seele gegenwärtig, wo befindet sie sich und wie können wir über sie eine Beziehung zum ätherischen Christus herstellen? Unsere Beziehung zum ätherischen Christus kommt nämlich nur durch eine Beziehung zur nathanischen Seele zustande – zu jenem Jesus, über den Pilatus sagte: „Seht, da ist der Mensch!“ (Joh.19:5).

Diese Woche hat das Auktionshaus „Christie’s“ das Bild „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci für die fantastischen 450,3 Millionen Dollar verkauft und manche Personen mit gewissen esoterischen Kenntnissen begannen, dieses Bild zu deuten. Wie können wir auf dieses Bild des Erlösers schauen, das Leonardo eigentlich in sich selbst gesehen hat und das den Vertreter des Ich-bin-Prinzip darstellt? Der Erlöser mit den langen Haaren hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Mona Lisa, er ist fast geschlechtslos, doch darauf werden wir zwei Videos weiter eingehen. Hier wollen wir lediglich das Mysterium des Ich im Sinne Leonardos streifen, das der Maler in dieser Art verstanden hat. Zweifellos ist Leonardo, obwohl er am frühen Anfang der fünften Kulturepoche lebte, eine Individualität, die seinen Zeitgenossen weit voraus war und der Stufe unserer Zeit entspricht. Auf dem Gemälde sehen wir, dass der Erlöser in der linken Hand eine Kristallkugel hält – den zukünftigen Vulkan. Das ist alles, was in der Schöpfung vergeistigt und in reinen Geistesmenschen verwandelt sein wird, wenn die Weltsubstanz über die Throne dem Vatergott zurückgegeben sein wird. Der Erlöser hält die ganze Schöpfung in der Hand und segnet mit der rechten Hand, so dass wir wissen: All das wird durch Seine Kraft geschehen. Vorne sieht man zwei sich kreuzende Streifen, in deren Kreuzungspunkt ein Edelstein eingearbeitet ist. Wir wissen, dass zwei Weltenkreuze existieren, die die ganze Schöpfung durchdringen – das Ich-Kreuz Christi und das trinitarische Kreuz. Jede der Hypostasen hat zudem innerhalb der Schöpfung ein eigenes Kreuz. Christus selbst ist auf dem Kreuz des Heiligen Geistes herabgestiegen, um in Jesus einzugehen. Deshalb heißt es, dass Christus aus dem Heiligen Geist in den Leibern Jesu geboren wurde. Christus hat das Weltenkreuz des Ich und das trinitarische Evolutionskreuz durch sein Opfer auf Golgatha vereinigt. Er hat damals auch das Kreuz der Evolution, des ganzen Kosmos auf sich genommen. Dieses Kreuz hat Leonardo dargestellt und der Edelstein in der Mitte ist das Mysterium von Golgatha, du4ch das Christus für uns zum „Salvator mundi“, zum Erlöser der Welt wurde. Er ist der „Fluchtstab“ des Ich, der uns bei der Herausbildung unserer Ansichten und der Gestaltung unseres Lebens führen muss. Diesem Fluchtstab, den wir mit dieser ersten Vorlesung stecken, werden wir bei der Behandlung der restlichen fünf Themen folgen und dabei immer mehr ins Detail gehen.

 

 

 

 

 

 

 

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