Die Bodhisattvas – 1. Teil

 vorgetragen von Dimitar Mangurov am 26.01.2014 in Varna

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bodhisatvite 1

 

 

 

 

„…Diese sind’s, die gekommen sind aus  großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider  hell gemacht im Blut des Lammes.“

Offenbarung des Johannes

 

Nach der demokratischer Umwandlung in Bulgarien erzählte ein ehemaliger Offizier des Geheimdienstes im engen Kreis eine Geschichte aus der Zeit des Totalitarismus. Er war dienstlich im damaligen Leningrad (jetzt Sankt Petersburg) und beschloss unter anderem, die Eremitage zu besichtigen, genauer gesagt die in den unterirdischen Kammern gelagerten Artefakte, die den gewöhnlichen Besuchern nie gezeigt werden. Eine KGB-Majorin begleitete ihn dabei. Der Offizier bewunderte lange die zahlreichen „skythischen“ Funde bewundert, aber am meisten beeindruckte ihn ein Paar Ohrringe, die etwa drei cm lang waren und aus Hunderten, sogar Tausenden winzig kleinen Goldkörnern bestanden, die auf wundersame Weise aneinanderklebten. Die Majorin erklärte, dass heutzutage kein Handwerker in der ganzen Welt in der Lage wäre, so etwas herzustellen. Die Russen sollen im Weltall ähnliche Versuche unternommen haben, jedoch mit einem sehr bescheidenen Ergebnis. „Welches Volk hat dieses Technologiewunder vollbracht?“ – rief unser Landsmann aus. Die Antwort war mehr als überraschend: „Die alten Bulgaren.“

 

Die „Genossen“ konnten natürlich oben in den Sälen keinesfalls solche Artefakte ausstellen, die von Touristen aus der ganzen Welt besichtigt werden, denn ihnen hätten sie auch dieselbe Antwort geben müssen. Die offizielle Version lautete schließlich, dass im Jahre 681 Asparuch diesseits der Donau eine zahlenmäßig schwache Horde mongolisch aussehender Halbwilde herüberführte, die außer geschicktes Pferdereiten und Schwertschwingen nichts anderes beherrschte. Anschließend sollen sie sich im „slawischen Meer“ aufgelöst haben und nur der Name „Bulgaren“ soll von ihnen übrig geblieben sein. Nun gab es diese „unbequemen“ Ohrringe und die tausenden ähnlichen „skythischen“, „keltischen“, „gotischen“, „griechischen“ u.dgl. Artefakte, die die Wissenschaft vor eine Reihe störender Fragen des historischen, mystischen, ja sogar kosmischen Typs stellen. Wie soll der zweifellos kluge Zeitgenosse begreifen, dass die Zähmung des Pferdes, die die Bulgaren zum ersten Mal im dritten vorchristlichen Jahrtausend in den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres vollbracht haben, eine „Anreitung“ des Verstandes zum Zwecke der Ich-Entwicklung – der Hauptaufgabe des Menschen im Erdenäon – darstellte? Wie soll der hochtechnisierte Mensch erkennen, dass hinter dem geschickten Schwingen der Schwerter durch die alten Bulgaren die richtige Ausrichtung des Ich (des zweischneidigen Schwertes aus der „Offenbarung des Johannes“) steckt, die nach einem umfassenden geistigen, alle bisherigen Epochen umfassenden Plan die Evolution der ganzen Menschheit bezweckt? Dass die Herstellung der erwähnten Ohrringe ermöglicht wurde durch die konsequente Befolgung dieses Plans, dessen Umrisse erst zukünftig vor der nichts ahnenden Menschheit deutlich hervortreten werden? Ob der im fünften Jh.n.Chr. im heutigen Frankreich geborene Magnus Felix Ennodius das Vorhandensein eines solchen Plans und die Hauptrolle der Bulgaren in diesem Plan geahnt haben mag, können wir nicht mit Sicherheit behaupten, aber die Worte, die er im Jahre 486  in der Lobrede auf Theoderich aufgeschrieben hat, sind mehr als beredt: „Die Bulgaren, das ist das Volk, das alles bekam, was es sich gewünscht hatte; sie glaubten, dass die Welt ihnen offen stand; sie bezweifelten nie ihren Sieg; das ist das Volk, über das sich die Welt wunderte.“

 

Warum lebten die alten Bulgaren in der Überzeugung, dass die Welt ihretwegen geschaffen wurde? Welche ist die nie versiegende Quelle, aus der sie immer die Kraft schöpften, um auch heute die Welt mit ihren Errungenschaften in allen Lebensbereichen zum Staunen zu bringen? Können wir die Vorsehung Gottes über die Erdenmenschheit und konkreter über unser Volk wenigstens berühren, um hinter die Aufgabe zu kommen, die das Hauptwerkzeug Gottes zur Erfüllung dieser Vorsehung hat? Wir wollen es versuchen, und die bevorstehenden Jahrzehnte werden zeigen, ob wir recht hatten!

 

Vor jedem Menschen stehen drei Hauptfragen, die er zu lösen hat und von denen unsere Zukunft abhängt. Die erste ist die Frage nach Christus und dem Ich, die zweite – die Frage nach den geistigen Hierarchien und die dritte – die Frage nach der Bodhisattva-Loge und der mit ihr verbundenen Meister. Vom Titel des vorliegenden Beitrags ist ersichtlich, dass hier auf die dritte Frage eingegangen wird, ohne dass diese von den anderen zwei, mit denen sie eine Dreiheit bildet, abgesondert wird. Mit einem majestätischen Schwung lüftete Rudolf Steiner 1909 in der Anwesenheit der erstaunten Zuhörer den Vorhang vor den geistigen Höhen, die lange Zeit für den immer tiefer ins Materielle versinkenden Menschen verborgen waren. „Gefühlt und erkannt wird in den Stätten wahrer Geisteswissenschaft, dass es eines gibt, was zunächst geht durch alle Kulturen der nachatlantischen Zeit; was schon gegangen ist durch die uraltindische, die urpersische, die chaldäisch-ägyptische Kultur und so weiter, was gehen wird auch durch diejenigen Kulturen, die auf diese folgen bis zur nächsten großen Katastrophe und darüber hinaus… „es ist, wenn man es in Wirklichkeit betrachtet, nicht etwas Abstraktes, sondern etwas Konkretes, ein Wesen“, im Vergleich zu dem „alle anderen Wesen, seien es die sieben heiligen Rishi oder selbst höhere Wesenheiten die gar nicht heruntersteigen bis zu physischen Verkörperung, Sendboten sind, so können wir es bezeichnen mit einem Namen, den der Orient richtig geprägt hat“ – die Gesamtheit (der Geist) der Bodhisattvas. Die christliche Anschauung würde es als Heiligen Geist bezeichnen.“ (GA113, S.182ff.)

 

Jede frohe Botschaft, jede Weisheit auf Erden führt zu dieser Quelle der ursprünglichen Weisheit, die die zwölf im Kreis (d.h. wie in einer Loge) angeordneten Bodhisattvas in den schwindelerregenden geistigen Höhen der Welt der Vorsehung (Buddhi) und in ihrer Gesamtheit eine besondere Wesenheit bilden, die Steiner „den Großen Lehrer“ nennt, der „ in der nachatlantischen Epoche“ oft die Menschenform angenommen hat“. Wenn wir „im Laufe unserer irdischen Entwicklung Verkörperungen der Bodhisattvas finden, nennen wir sie deshalb die großen Lehrer der Menschheit, denn in ihnen ist das Wesentliche der Bodhisattvas als Verkörperung der Weisheit.“

 

Wir müssen aber das Christus-Prinzip vom Bodhisattva-Prinzip sehr gut abgrenzen, denn die unrechtmäßige Vermischung der beiden stellt einen der größten okkulten Fehler dar. Dort – in der Welt der Vorsehung, im Zentrum der Loge – finden wir Christus, der „von allem befreit ist, was er auf Erden und nahe der Erde geworden ist“. Christus ist „die Grundlage der Menschheit, das, woraus jedes Leben stammt“ und er manifestiert „Seinen Ruhm und Seine eigene Herrlichkeit“. Die Bodhisattvas haben das Privileg, Sein Wesen zu betrachten und sich an Ihm zu ergötzen. Dieses Leben stiftende Christus-Wesen wird auf dem Erdenplan als eine Lehre widerspiegelt. Christus ist nicht einfach ein Meister, vielmehr entstehen die Lehren in den verschiedenen Kulturepochen, damit die Menschen Ihn besser begreifen. Er ist eher das Objekt, als das Subjekt der Lehren, sagte Steiner.

 

Nach diesen Ausführungen müsste selbst ein voreingenommener Esoteriker begreifen, dass die richtige Klärung der Bodhisattva-Frage, die eine der schwierigsten in der Christologie ist, und die Enthüllung des im 20. Jahrhundert in menschlicher Form inkarnierten Geistes der Bodhisattvas eine entscheidende Rolle für das geistige Leben der Menschheit spielen. Sich dieser Wahrheiten widersetzen ist eine unverzeihliche Sünde gegen den Heiligen Geist, der den Weg zum kosmischen Ich Christi versperrt, was zum allmählichen Austrocknen des Lebens für das jeweilige Individuum führt und letztendlich sich in Gottesbekämpfung verwandelt. Und das würde nur dem Antichristen in seinem Kampf gegen den ätherischen Christus dienen! Hoffentlich werden die vorliegenden Ausführungen zu einem Hilfsmittel, mit dem dieses bittere Schicksal vermieden wird. Wir wollen nun zu der detaillierten Erörterung des Bodhisattva-Mysteriums vom Anfang bis zum Golgatha übergehen, um den inneren Sinn der kolossalen Wandlung zu erspüren, die nach dem Mysterium von Golgatha eingetreten ist.

 

Von der Anthroposophie wissen wir, dass das Hauptereignis im entstandenen Kosmos, das seine Bewohner gründlich erschüttert hat, die Menschwerdung der zweiten Hypostase der Trinität ist, die ‚das Wort’ genannt wird. Auf seinem langen Weg zum Opfer auf Golgatha entdeckte das Wort zuerst seine Sternenwesenheit als „Sohn“ (im Tierkreis), dann „verdichtete“ es sich zum Geist der Weisheit auf der alten Sonne. Später offenbarte es sich „planetarisch“ als die Gemeinschaft der sechs Sonnenelohim (Formgeister) im Erdenäon. Dann trat es in die Mondensphäre als Erzengel Michael ein und an der Engelssphäre vorbei begann es, sein makrokosmisches Ich im Laufe von drei Jahren mit den drei Leibern Jesu nach dem Wunder von Epiphanie im Jordanfluss zu verbinden. Irgendwann im Panorama dieser märtyrerhaften Verkleinerungen schuf der Erlöser die Loge der zwölf Bodhisattvas und machte sie zum Hauptwerkzeug zur Durchführung Seines Willens in der Erdensphäre. Die Bildung der Bodhisattva-Loge war kein einmaliger Akt, sondern ein langwieriger Prozess, der bereits in der hyperboräischen Zeit begonnen hatte. In der vorausgegangenen polarischen Zeit – der Widerspiegelung des alten Saturn – war alles einheitlich und wir können noch  nicht von einem Bildungsprozess der Loge als selbständigen Organismus reden. Dieser Prozess begann in der Mitte der hyperboräischen Zeit (der Widerspiegelung der alten Sonne), als sich die Sonne zusammen mit Christus aus ihrer Dreieinheit mit dem Mond und der Erde absonderte. Die Planeten Mars, Jupiter und Saturn existierten bereits als selbständige Planeten, Merkur und Venus bildeten sich etwas später heraus und der Mond und die Erde wurden zu selbständigen Himmelskörpern erst während der lemurischen Zeit. Die Herausbildung des heutigen Sonnensystems verlief auf dem geistigen Plan im niederen Devachan. Damals existierte nichts „Hartes“ und die zukünftigen Bodhisattvas mussten noch als Menschen ausgebaut werden, um später die Führung der Erdenentwicklung zu übernehmen. Aber schon damals wurden sie durch den großen Sonnengeist Christus mit speziellen Aufgaben zu den Planeten hinausgeschickt. Steiner berichtet, dass das Wesen, das eines Tages Gautama Buddha werden sollte, zur Venus, d.h. zum Merkur gesandt wurde. Wohin die restlichen Bodhisattvas gesandt worden sind und was sie dort gemacht haben, wissen wir bisher nicht, aber wir können mit Sicherheit die okkulte Tatsache mitteilen, dass während der großen „Mondenkrise“ in der lemurischen Zeit die zukünftigen Bodhisattvas einen großen Akt vollbracht haben, ohne den unsere ganze Evolution schiefgegangen wäre. Sie waren die Seelen, die Iche mit der notwendigen Kraft, um den stark stagnierenden Mondenkräften zu widerstehen und auf der Erde zu bleiben, wobei sie die Kontinuität der menschlichen Inkarnationen, die nach dem Sündenfall begannen, gewährleisteten. Dank diesem Opfer erlangten sie jene Eigenschaften, die ihnen in der Mitte der atlantischen Zeit erlaubten, die Arbeit an der Loge endgültig abzuschließen und die Rolle von geistigen Führern zu übernehmen. Während der ganzen Zeit konzentrierten sich ihre Bestrebungen auf den sich immer „verdichtenden“ Christus, der die Quelle ihrer Kraft blieb. Bei seinem Drang nach unten vollbrachte Christus „unterwegs“ über die nathanische Seele drei übersinnliche Opfer, indem er am Ende der lemurischen Zeit unsere zwölf Sinne und unseren physischen Leib rettete. Am Anfang der atlantischen Zeit rettete er unsere sieben Hauptorgane und unseren Ätherleib und am Ende der atlantischen Zeit – unsere drei Geisteskräfte und unseren Astralleib. Als Ergebnis dieser Opfer wurde der Mensch zu einer Ich-Entwicklung fähig, indem er den aufrechten Gang, die Sprache und die Anfänge der Denktätigkeit lernte. Das Menschen-Ich sollte vom Erlöser selbst zur Zeitenwende auf der Erde geheilt werden. Nun konnten die Bodhisattvas schon wirken, indem sie bei unserem physischen Leib anfingen. Damit wir wenigstens teilweise den Charakter ihrer Wirkung begreifen können, müssen wir zunächst auf die Frage eingehen, was für ein Wesen der Bodhisattva ist.

 

Nach seinem Tod steigt der Mensch bis zur planetenartigen Sphäre zwischen Mars und Jupiter auf, der Eingeweihte erreicht die Grenzen des höheren Devachan und kann den Buddhi-Plan betrachten. Die Bodhisattvas steigen zu der Budhi-Sphäre, wo sie in ihrer Gemeinsamkeit das Wesen „Heiliger Geist“ bilden und Christus begegnen, der ihnen aus den höheren Bewusstseinsstufen heruntersteigend entgegenkommt. Vom kosmischen Standpunkt aus ist also Christus die Sonne und die Bodhisattvas sind die zwölf Sterne, die von der Sonne Licht und Wärme, Kraft und Leben erhalten, um diese zu uns auf die Erde weiterzureichen. Als sich Christus als der „Sohn“ im Tierkreis zeigte, trug er die zwölffache Fülle der Vaterskräfte, von denen unser physischer Leib (das Vater-Prinzip) aufgebaut ist. Der Bodhisattva-Kreis wurde nach diesem Muster geschaffen als eine Körperschaft, der vom Heiligen Geist durchleuchtet ist und die zwölf Aspekte des kosmischen Christus in der Erdensphäre widerspiegelt. Der Heilige Geist schöpft Seine Kraft aus der unmittelbaren Kontemplation des Christus. Seit Mitte der atlantischen Zeit steigt diese Kraft zu den Erdenmenschen in der Form der allumfassenden Weisheit herab. Hier entsteht die Frage, um welchen Heiligen Geist es sich handelt.

 

Das dritte Gesicht der Heiligen Trinität ist das Ergebnis der Vereinigung der Liebe (des Vater-Prinzips) und der Weisheit (des Wort-Prinzips). Bis zum Golgatha-Mysterium strahlte der Heilige Geist (der gemeinsame Geist der Bodhisattvas) nur seinen eigenen Anteil am Logos herunter, d.h. nur die Weisheit. In den bewegenden Abschiedsreden des Johannes-Evangeliums, versprach der Logos den Jüngern (und der ganzen Menschheit), dass Er vom Vater einen tröstenden Geist erbitten wird – den Geist der Wahrheit, den Heiligen Geist, durch den beide „eine Stätte“ in jedem Menschen „bereiten“, der Jesus liebt. Erst als am Kreuz das Wort in seinem makrokosmischen Ich die Weisheit wieder geboren und diese sich in Liebe verwandelt hat, konnte Jesus – ein menschliches Wesen –  zum tatsächlichen Vertreter der ganzen Heiligen Trinität auf der Erde werden. Dadurch fand der Heilige Geist aus der Bodhisattva-Loge nach Pfingsten Zugang zum Ich, indem Er dem Menschen nach und nach die Geheimnisse des Golgatha-Mysteriums und damit das Mysterium der Heiligen Trinität als Liebe, Weisheit und Wahrheit enthüllte. So wurden die Bodhisattvas aus Boten des Heiligen Geistes in den vorchristlichen Zeiten, die die Weisheit des Wortes trugen, zu Nachfolgern des Erlösers und Trägern des Heiligen Geistes als Wahrheit und Erlösung. Es trat folglich eine große Wandlung in der Loge der Zwölf ein, die im ersten christlichen Bodhisattva zum Ausdruck kommt: die Boten des kosmischen Logos wurden zu Nachfolgern des Menschen Christus Jesus, denn der Logos war zum Menschen geworden und hatte Sich für immer mit der Erde verbunden, indem Er Sich ins Zentrum ihrer Entwicklung stellte. Bis zum Mysterium von Golgatha wurde der Sinn der irdischen Entwicklung den Einzuweihenden in der Loge der Zwölf enthüllt; Seit dem Golgatha-Ereignis lebt er in jedem Menschen-Ich als Christus-Impuls. Die Aufgabe der Bodhisattvas besteht darin, uns auf immer höheren Bewusstseinsstufen den Inhalt des Christus-Impulses zu offenbaren und ihn uns praktisch vorzuleben. Um zu begreifen, was uns die Bodhisattvas sagen und was sie tun, müssen wir noch tiefer in ihr Wesen eindringen.

 

In einem gewissen Sinne ist der Bodhisattva ein kosmisches Wesen, denn schon auf dem Erdenplan arbeitet er durch sein Ich bewusst mit dem Schutzengel zusammen daran, seinen Astralleib in das Geistselbst umzuwandeln. Der gleiche Prozess wird bei der restlichen Menschheit erst auf dem zukünftigen Jupiter stattfinden. Bei dieser Arbeit erhält der Bodhisattva auch in seinem Ätherleib Inspirationen vom Erzengel des jeweiligen Volkes, in dessen Umgebung er aus der Budhi-Sphäre herabgestiegen ist. Nach Ablauf seiner Aufenthalte auf der Erde wird beim letzten Leben der Astralleib in einen Leib mit bestimmten Charakteristika verwandelt, der ‚Nirmanakaya‘ heißt – der leuchtende Leib des Geistselbst. Der Bodhisattva steigt ins Nirwana, erlangt den Buddha-Rang, entlässt den Schutzengel und von seinem Geistselbst als Ich-Prinzip ausgehend beginnt er zusammen mit einer Erzengelwesenheit an der Umwandlung seines Ätherleibes in den Lebensgeist zu wirken, ohne auf die Erde herabzusteigen. Diese Transformation wird uns erst im zukünftigen Äon der Venus möglich sein. Dann übernimmt der nächste Bodhisattva die „Tiara des Himmels“ und beginnt, seine Aufgabe zusammen mit seinem persönlichen Schutzengel zu erfüllen. Die Engel wirken in der Sphäre zwischen Erde und Mond. Rudolf Steiner nennt die Bodhisattvas „die Boten des Himmels“, denn der Mond ist ein geistiger Spiegel, durch den die Sonnenweisheit des Wortes vor dem Mysterium von Golgatha bis zu den Menschen normalerweise eindrang. Dann wurde das Wort dem Bodhisattva-Kreis durch die Geister der Weisheit – die höchsten Wesenheiten im Himmlischen Sophia, der Weisheit Gottes,- enthüllt, die die Vertreter des Prinzips des Wortes im Dasein sind. Diese Weisheit strömte in das Wesen des Heiligen Geistes zusammen (den gemeinsamen Geist der Bodhisattvas) und von dort in den nächsten Epochen über den jeweiligen Bodhisattva hinunter. Dieses „Hinunterströmen“ erfolgte unter der Beteiligung der Archai, Erzengel und Engel, die das Prinzip des Heiligen Geistes im Dasein repräsentieren. Als der Bodhisattva auf der Erde war, stand er im Kontakt mit dem Schutzengel und dem Erzengel des jeweiligen Volkes, aber er hatte keinen Zugang zum Archen. Dieser Zugang wurde nur dann möglich, wenn der Bodhisattva zum Buddha aufstieg. Das liegt daran, dass durch die Zusammenarbeit mit dem Schutzengel der Bodhisattva Impulse zur Einwirkung auf sich selbst erhielt (zur Umwandlung seines Astralleibs in ein Nirmanakaya). Durch die Impulse der Erzengel beeinflusst er wiederum das Schicksal des Volkes. Doch erst wenn der Bodhisattva zum Buddha wird, kann er unter der Einwirkung eines Archen die Entwicklung der ganzen Menschheit in einer Epoche lenken. Während er auf der Erde ist, wird die Vereinigung mit dem Archen für den Bodhisattva zu einem Ideal. Jedes Mal, wenn er zurück zur Einheit der  evolutionslenkenden Loge zurückkehrt, wird diese Beziehung zum Archen wiederhergestellt. In der Vorsehung gehört der Kreis der Zwölf  zu den Archai, Erzengeln und Engeln, deshalb nennt ihn Steiner den ‚Heiligen Geist‘. Aber diesen Kreis können wir auch den ‚Erzengelkreis‘ nennen, da sie die Hauptrolle in ihm spielen. Der Sinn seiner Existenz ist in seinem Schöpfer – dem Wort – und die Erzengel sind die Vertreter des Wort-Prinzips in der Triade der erwähnten Wesen. Die Erzengel erfahren von unten durch die Engel Unterstützung und von oben werden sie von den Archai inspiriert. Die Gemeinsamkeit der drei Hierarchien macht den kosmischen Aspekt der Loge der Zwölf aus.

 

Hier müssen wir etwas erörtern: die Loge der Zwölf ist nicht der Tierkreis selbst, in dem die höchsten Wesen – Seraphim, Cherubim und Throne – wirken, die das Vater-Prinzip im Sein repräsentieren. Vielmehr sind sie eine Widerspiegelung des Tierkreises durch die Mondenkräfte (als ein geistiger Spiegel). Aber selbst das hat sich nach dem Mysterium von Golgatha in irdischer und kosmischer Sicht geändert, denn Christus „füllte alle Lücken zwischen Mensch und Gott aus“, wie der erste christliche Bodhisattva im 20. Jh. treffend sagte. Als das Wort den Tierkreis verließ und sich durch das Tor des höchsten Geistes der Weisheit mit dem Urbild der heutigen Himmlischen Sophia verband, wurde die Sophia zur übersinnlichen Leiter, auf der der Logos zu den Archai, Erzengeln und Engeln und den von unten nach oben strebenden Bodhisattvas hinunterstieg, um aus der Fülle der Kräfte des Vaters diesen zwölffachen geistigen Organismus auszubilden, der vom Heiligen Geist erleuchtet wird und die zwölf Aspekte des kosmischen Christus zum Ausdruck bringt. Das Wissen über ihn tragen die Bodhisattvas in Form der allumfassenden Weltweisheit in die Erdentwicklung hinein. Der Tierkreis ist das hohe Ideal der Himmlischen Sophia, mit dem sie sich verbinden möchte, so wie sie es im Äon der alten Sonne beim Herabstieg des Logos getan hat. Aber damals war das nur ein einmaliger und kein endgültiger Akt. Vom Menschen hängt die endgültige Verwirklichung dieses Ideals ab. Dadurch werden wir unsere Schuld bei Sophia begleichen, ohne die der Logos nicht zum Menschen werden und die Involution in Evolution zu unserer Erlösung und der Einführung des neuen Prinzips der Freiheit und Liebe im Kosmos wenden konnte. Diese Schuld lässt sich nur begleichen, wenn wir die Aufgaben der einzelnen Bodhisattvas begreifen, die bisher auf die Erde heruntergestiegen sind und dann auf die Mission der zukünftigen Bodhisattvas schauen, die in der entfernten Zukunft liegt.

 

Zu diesem Ziel werden wir das Mittel der Anthroposophie benutzen, die laut Steiner den Bodhisattvas zum Wohl der Menschheit folgen soll.

 

Die Geisteswissenschaft lehrt uns, dass Gautama Buddha der sechste aus der Reihe der zwölf Bodhisattvas war, der den Buddha-Rang erlangt hat. Sein Vorgänger war Orpheus und über die vier Bodhisattvas vor Orpheus wissen wir fast nichts. Wenn wir uns zurück in die Vergangenheit versetzen, können wir feststellen, dass die Seelenkonstitution des Menschen einer ständigen Wandlung ausgesetzt ist. Diese Wandlung sollten wir berücksichtigen, wenn wir nach Antworten suchen wollen, denn die äußeren Ereignisse der Zivilisation sind lediglich eine Widerspiegelung dessen, was im Inneren des Ich, der Seele und in unseren Leibern vor sich geht. Eine angemessene Methode zum Eindringen in das Mysterium der sich in allen Zeitaltern entfaltenden Tätigkeit der Bodhisattvas ist deren Gegenüberstellung mit den Perioden des menschlichen Lebens.

 

Nach der physischen Empfängnis bleiben wir neun Monate im Mutterleib. In der Fähigkeit der Frau, ein Kind zu empfangen, die Frucht auszutragen und ein zum selbständigen Leben bereites Lebewesen zu gebären, steckt die Tätigkeit der Himmlischen Sophia. Wenn wir den Augenblick bestimmen, in dem die ganze Menschheit physisch „empfangen“ wurde, können wir nach dem Ausgangspunkt suchen, in dem die leitende Tätigkeit der Loge der Zwölf begonnen hat. Dabei fangen wir beim ersten Bodhisattva an. Nachdem wir unser Ich von den Elohim erhalten haben, drang dieses gegen Ende der lemurischen Zeit in unseren Astralleib ein und hat ihn zusammen mit der Seele und der entscheidenden Hilfe der Götter in eine Empfindungsseele umgewandelt. Diese Seele wurde schnell durch die luziferischen Wesenheiten angegriffen. Die Folge war, dass wir begannen, uns nach Eindrücken von der Erde zu sehnen. Hätten sich die Verführer uns nicht genähert, wären wir für die materielle Welt erst gegen Mitte der atlantischen Zeit geworden geistig sehend geworden. In den früheren Etappen des atlantischen Zeitalters drang das Ich in den Ätherleib ein und begann, diesen in eine Verstandesseele umzuwandeln. Auf diese Seele hat sich die Wirkung der ahrimanischen Geister konzentriert, denn in der Verstandesseele hat der Mensch zum ersten Mal das Aufdämmern des Ich gespürt. Ahriman und seine Scharen hassen nämlich die Freiheit des Menschen am meisten, die aus der bewussten Bemühung des Ich resultiert. Die unbewusste Erbsünde in Lemurien wurde bis zu einem gewissen Grade bewusst und unsere physischen Augen haben sich für die Sicht unter dem Bauchnabel geöffnet. Deshalb bedeckten wir diese Gegend mit Feigenblättern. Bis zu diesem Zeitpunkt führten die Menschen ein halbgeistiges Dasein. Die Mitte der atlantischen Zeit stellt den von uns gesuchten Zeitpunkt dar, in dem mithilfe Ahrimans der Akt unserer irdischen „Empfängnis“ vollzogen wurde und die Bodhisattvas zu wirken begannen. Der Sinn ihrer Tätigkeit besteht darin, dass jeder von ihnen nach Abschluss seiner irdischen Arbeit in sich urbildhaft eine Fähigkeit entwickelt, die nach einer bestimmten Zeitlang zu einer allgemeinmenschlichen Fähigkeit wird. Je früher diese Fähigkeit entwickelt wird, desto später tritt sie unter der restlichen Menschheit in Erscheinung und zwar in einer Zeit, in der sich die menschliche Seelenkonstitution grundlegend von dem Zeitalter des Urbilds unterscheidet. Vielleicht erklärt das, warum Steiner nicht über die ersten Bodhisattvas berichtet, die in jenen zeitlich entfernten Epochen zu Buddhas aufgestiegen sind und unter der Menschheit erst in mehreren Jahrtausenden „gespiegelt“ sein werden. Trotzdem wollen wir im Lichte dieser Erläuterungen den ersten Bodhisattva in einem bestimmten Maß begreifen, um die geistige Logik der Tätigkeit seiner Nachfolger zu verstehen.

 

Nach der Empfängnis setzt die Arbeit der menschlichen Seele am physischen Leib des Embryos im Mutterleib ein – normalerweise zwischen dem 18. und dem 21. Tag. Das Embryo wird sichtbar größer und ist bereits physisch geformt, aber der Prozess besteht höchstenteils im Ergießen geistiger Kräfte durch die Weisheit Gottes. In einem Zustand haben wir uns nach der Mitte der atlantischen Zeit befunden, als unser physischer Leib im Unterschied zum jetzigen eine sehr plastische Bildung war,  auf die die Hierarchien der Himmlischen Sophia bestimmte Wirkungen ausübten. Zweifellos nahm der erste Bodhisattva an diesen Wirkungen teil und er ragte in die geistigen Höhen über das menschliche Gefäß empor, das ihm zur Erfüllung seiner Aufgabe diente. Wenn dieses Gefäß starb, erlebte der Bodhisattva den Tod nicht in der Art, die uns in den späteren Zeiten bekannt ist, denn sein Dasein war fast ausschließlich geistiger Natur. Das, was er als individuelle Fähigkeit entwickelt, kann auf die Gesamtmenschheit nur unter Wesen gespiegelt werden, die sich nicht mehr auf die uns bekannte Art reproduzieren und eine unsterbliche ätherisch-geistige Existenz führen. Solche Wesen werden die Bewohner während der sechsten Wurzelrasse sein, die auf dem schon jetzt keimhaft entstehenden neuen Kontinent in den Tiefen des Stillen Ozeans leben wird. Worin diese Fähigkeit besteht und wie sie gespiegelt wird, weiß nur ein wahrer christlicher Eingeweihter.

 

Auch der zweite Bodhisattva ragte über das körperliche Gefäß empor und er arbeitete an seiner Aufgabe unter veränderten Bedingungen. In der späteren atlantischen Zeit drang das Ich in den physischen Leib ein und bewirkte die Ausbildung der Bewusstseinsseele. Wir sahen unseren ganzen physischen Leib und in uns leuchteten die ersten Strahlen des Denkens auf. Der Mensch wurde zu einem individualisierten seelischen Wesen, das „Ich“ zu sich selbst sagen konnte. Trotzdem waren wir von den Göttern bis zum Ende der atlantischen Zeit völlig abhängig, so wie das Kind im Mutterleib von der Mutter abhängig ist. Die Seele arbeitet an dem Leib und ab dem 21. Tag nach der Empfängnis greift auch das Ich in die Entwicklung ein. Doch die beiden sind nicht der entscheidende Faktor, durch den der Leib bis zum Verlassen des Mutterleibes wächst, sondern das ist die Weisheit Gottes. Auf eine ähnliche Weise baute der zweite Bodhisattva durch die Kräfte der Himmlischen Sophia und durch seine eigenen Kräfte eine neue, noch nicht bekannte Fähigkeit aus, die unter den Menschen wahrscheinlich erst in der ersten Kulturepoche der sechsten Wurzelrasse gespiegelt wird. Diese Spiegelung wird sich eher auf die geistige Tätigkeit konzentrieren, während wir die Fähigkeit des ersten Bodhisattva in der zweiten Kulturepoche derselben Wurzelrasse erleben müssten, allerdings im Bezug auf die Tätigkeit des Ich.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Tätigkeit der ersten zwei Bodhisattvas zwischen Mitte und Ende der atlantischen Zeit die Arbeit an unserem physischen Leib zum Ziel hatte und dem Leben des Menschen im Mutterleib ähnelte. Der Ausgang aus der nebelumhüllten sinkenden Atlantis war dramatisch und verlief in mehreren Etappen. So kommt auch das Kind aus dem dunklen Mutterleib in dramatischen Etappen und unter Geschrei heraus, um im Hellen (unter dem Himmelsgewölbe) seine selbständige Entwicklung aufzunehmen.

 

Zu Ende ging die vierte Wurzelrasse mit ihren sieben Unterrassen, bei denen der Faktor der menschlichen Entwicklung zum größten Teil der physische Leib war. Es fing die fünfte Wurzelrasse mit ihren den sieben Kulturepochen an, bei denen wir immer tiefer in unsere Leiber eingingen. Dabei hat sich unser Seelenleben dermaßen vertieft, dass wir in uns die Kraft eines Ich aufnehmen konnten –  die einzige Kraft, die uns in die zehnte Hierarchie verwandeln und bis zum Ende der Schöpfung führen kann.

 

Der übermenschliche Avatar Manu führte die mit Hinblick auf die Zukunft fortgeschrittensten Menschen aus der versinkenden Atlantis heraus. Diese Menschen waren fähig, das Denken zu entwickeln. Diese Strömung erreichte die heutige Wüste Gobi, die damals eine blühende Gegend war und gab den Anfang der altindischen Kulturepoche.

 

Eine andere Strömung unter der Führung der beiden großen eingeweihten Adepten (Schüler des Manu im Sonnenorakel der Atlantis), die später unter den Namen Skythianos und Zarathustra bekannt wurden, besiedelte weite Gebiete in Europa und Asien. Dabei hatte Zarathustra eher Asien im Blick, während die Hauptaufgabe des Skythianos in der Teilnahme an der Ausbildung eines solchen Seelenlebens bestand, dass der Logos empfangen und Dessen Opfer begriffen werden  konnte. Die äußerst aktive Tätigkeit der beiden Adepten verlief völlig synchron mit der Loge der Zwölf und Steiner nannte sie aus diesem Grund „Bodhisattvas“. Worin die Tätigkeit des dritten Bodhisattva bestand, lässt sich gegenwärtig schwierig beleuchten. Trotzdem werden wir einen Versuch unter Anwendung der Analogie wagen.

 

Nach der Abtrennung der Nabelschnur des physischen Mutterleibes (der Himmlischen Sophia) beginnen wir, einen eigenen Leib heranzubilden, aber die Verbindung zum mütterlichen Ätherleib bleibt bis zum siebten Jahr sehr stabil. In ähnlicher Weise wurde auch der Faktor der Kulturentwicklung in der ersten nachatlantischen Kulturepoche vom physischen auf den Ätherleib verlegt. Die Weisheit der heiligen Rishi war eine vollständige Wiederholung der atlantischen Weisheit und sie wurde durch Bilder und nicht durch Begriffe weitergegeben. Wenn wir uns mit unserem heutigen Intellekt in jene Zeit versetzen würden, würde niemand etwas von unserer Sprache verstehen. Es standen noch die Verinnerlichung unseres Ich-Lebens und die Einkleidung der großen atlantischen Weisheit in Begriffe bevor. Letztere ging in veränderter Form noch bis zur Zeitenwende weiter. Damals existierten die Begriffe nicht, daher war es nicht wichtig, was der Meister sagte, sondern welche Qualität seine Seele besaß und welche Bilder sie in den Seelen der Hörer hervorrief.

 

Als ein halbkosmisches Wesen und der größte unter den Meistern, d.h. Adepten, ragte der Bodhisattva weit nach oben über sein irdisches Gefäß hinaus, ohne wirklich zu inkarnieren und den Tod zu erleben. Er war nur astralisch mit seinem Gefäß verbunden und bediente sich nicht aller Elemente seines Gehirns. Der Bodhisattva besaß keine Verstandes- und Bewusstseinsseele, aber  was seinen Ätherleib betrifft, war er trotzdem viel fortgeschrittener als die anderen. Das ermöglichte ihm, Nachrichten aus den geistigen Welten zu überbringen, Impulse für die Zukunftsentwicklung zu geben und zum Vorboten dessen zu werden, was die Menschen durch ihren Astralleib in der zweiten Kulturepoche empfinden sollten. Folglich legte der Bodhisattva während der altindischen Epoche, als er zum Buddha aufstieg, etwas in seinen Ätherleib hinein, was diesen scheinbar in einen Astralleib verwandelte. Dieses Etwas sollte zum Kulturentwicklungsfaktor der nächsten altpersischen Epoche werden. Ob das vom Bodhisattva Erreichte nur damals in Erscheinung getreten ist oder auch in einer viel späteren Zeit treten wird, ist eine Frage, die wir zumindest teilweise zu beantworten versuchen.

 

Der Ätherleib hängt mit der Zeit zusammen. Steiner sagte in einem kurzen Vortrag, dass die Menschheit im sechsten vorchristlichen Jahrtausend das große Neujahr auf Erden gefeiert hat (vgl. Neujahrsbetrachtungen, GA 165). Um das Wesen des Erlebten zu erläutern, verglich er die Lebenszyklen der Pflanzen und der Menschen. Dem nach befindet sich unsere höhere Natur (das Ich und der Astralleib) während des Schlafes außerhalb unserer niedrigen Natur (des physischen und des Ätherleibes). Die erstere schläft und die letztere ist wach und in ihr finden Wachstumsprozesse statt. Tagsüber ist es umgekehrt – die höhere Natur kehrt zurück und beginnt im Wachzustand die schlafende niedrige Natur „aufzufressen“. Die Pflanzen schlafen im Frühling und im Sommer und wachsen, sie sind nur in der Zeitspanne zwischen Christi Geburt und Epiphanie wirklich wach, wenn die Wachstumsprozesse zum Stillstand kommen. Aber ihr Bewusstsein verbindet sich mit dem mineralischen Bewusstsein der Erde. Wir wissen von der Anthroposophie, dass im Frühling das Ich und die Seele der Erde den planetarischen Leib verlassen und sich in die Sternenwelten begeben, wo sie bei herabgedämpftem Bewusstsein im Sommer die Geheimnisse der Weltenweisheit erleben. Im Herbst kehren sie zurück, um sich zum Winteranfang wieder mit dem planetarischen Mineralreich zu vereinigen. Dabei erinnern sie sich mit wachem Bewusstsein daran, was sie bei den Sternen erlebt haben. Bei der Vereinigung mit dem Mineralreich werden die Pflanzen auch für diese Weltengeheimnisse wach. Sie können nun denken, wie sie vom Mineralreich beeinflusst im Frühling wachsen, Blätter und Blüten bekommen und später Früchte trage, um ihre Bestimmung zu erfüllen. So wie zum Neujahr das Bewusstsein der Pflanzen (d.h. ihrer Gruppen-Iche) durch das Bewusstsein der Mineralien geht, so vereinigte sich im sechsten vorchristlichen Jahrhundert  das Bewusstsein unserer Seele mit dem Bewusstsein unseres Astralleibes, damit wir die endlose Weltenweisheit im Nachdenken versunken betrachten können. Aus diesem Weltenwissen, das damals erlangt worden war, schöpften Zarathustra und alle Eingeweihten nach ihm, einschließlich der Gnostiker der Zeitenwende, bei denen die letzten Strahlen des Weltenwissens völlig erloschen. Während die Pflanzen einmal jährlich während der Heiligen Tage dem Kosmos Auge in Auge gegenüberstehen, wird sich das von der Menschheit erlebte kosmische Bewusstsein im sechsten vorchristlichen Jahrtausend 12000 Jahre später wiederholen. Steiner gibt nicht das genaue Jahr des ersten Erlebnisses an. Lässt sich das nächste Ereignis nun zeitlich bestimmen?

Wenn wir nach der Inschrift der Omurtag-Säule in Pliska urteilen, hat der genaueste Kalender der Welt, der bulgarische Zyklen-Sonnenkalender das Jahr 5505 v.Chr. als seinen Anfang. Ein genauer  Tag wird dort nicht genannt.

 

 

 

 

kalendar na prabulgarite

                                                             Der Kalender der alten Bulgaren

Angel Manev und Tanjo Tanev aus Stara Zagora waren die Einzigen, die diesen Kalender untersucht haben. Dabei haben sie sie ein interdisziplinäres Verfahren angewendet, ohne das das schwierige, aber inspirierende Thema des Bulgarischen Mysteriums nicht zu lösen ist. Was haben sie festgestellt?

Angel Manev Tanyo Tanev

       Angel Manev und Tanjo Tanev

Die Astronomen wissen, dass die Satelliten die Planeten, die Planeten –  die Sonne umrunden. Die Sonne macht gemeinsam mit beiden während 26000 Jahre eine volle Umrundung des Tierkreises. Dabei dreht sie sich um einen doppelten Stern im Sternbild Fische – den Zeta Piscium (Revati).

Von Sri Yukteswar, dem Guru des bekannten Paramahansa Yogananda, erfahren wir über eine andere Umrundung im Rahmen der vorhergehenden, die zweimal 12000 Jahre dauert, wobei die erstere von der Frühlingsgleiche abhängt und die letztere – von der Herbstgleiche. Beide Umrundungen befinden sich zu einem Zentrum in Beziehung, welches im Orient ‚das Tor zum Unsichtbaren’ genannt wird. Dort ist der sog. „Sitz Brahmas“. Wenn die Herbstgleiche in das Sternzeichen Widder eintritt, so befindet sich die Sonne diesem „Tor“ am nächsten. Dann sind unsere Verstandes-sinnlichen Fähigkeiten sind in ihrer besten Verfassung, so dass wir in die Geheimnisse der geistigen Welten eindringen können. Nach 12000 Jahren, wenn sich die Herbstgleiche im entgegengesetzten Sternzeichen Waage befindet, versinken wir am tiefsten ins Materielle und unsere geistigen Fähigkeiten sind in ihrer schlechtesten Verfassung. Dann beginnt eine aufsteigende Entwicklung, durch die nach 12000 Jahren wieder der höchstmögliche Zustand erreicht wird. Das Ende der absteigenden Hälfte der 12000 Jahre und der Anfang ihrer aufsteigenden Hälfte hängen mit dem Stern Mesarthim (Gamma arietis) aus dem Tierkreis Widder zusammen. Manev und Tanev haben astrologisch jeden einzelnen Tag des Jahres 5505 v.Chr. geprüft, indem sie nach der Sternenkonstellation gesucht haben, in der sie den ersten Tag des bulgarischen Kalenders finden konnten. Und sie haben diesen Tag tatsächlich gefunden: Das ist den 15. August! Das Sternbild an diesem Tag ist wirklich beeindruckend: alle Planeten, einschließlich der Sonne, stehen über dem Horizont, fünf von ihnen, einschließlich der Sonne,  kulminieren in der Jungfrau, der Jupiter kennzeichnet die Zeitenwende und unten geht Lilith mit stark stagnierenden Kräften auf.

Im Zeitpunkt, in dem der Mond die Trennungslinie zwischen Zeta-Revati im Sternbild Fisch bildet und sich mit Mesarthim im Sternbild Widder vereinigt,  schlägt der Gong zum Zeitenwechsel. Die beiden Forscher haben auch diesen Moment bestimmt –  9 Uhr 49 Minuten und 7 Sekunden. Aus einem persönlichen Gespräch mit Manev weiß ich, dass wir zu jenem Zeitpunkt nicht nur zu einer materialistischeren Weltanschauung übergegangen sind, sondern das auch der Augenblick unseres Herabstiegs von der geistigen zur irdischen Existenz darstellt. Kurzum war das der Tag der Schöpfung. Die alten Bulgaren haben mit Sicherheit nicht in der Art gedacht. Trotz der falschen Schlussfolgerung  ist der Beitrag der beiden Forscher Tanev und Manev unbestreitbar und er verdient Respekt. Der alte bulgarische Kalender selbst ist dem aus den apokryphen Henochbüchern bekannten Kalender sehr ähnlich. Henoch bekam diesen Kalender während der atlantischen Zeit durch den Erzengel Uriel, als er in den Himmel entrückt wurde. Ob Henoch die fünfte semitische Unterrasse symbolisiert, deren Samen die fünfte Wurzelrasse begründete, ob er der erste oder zweite atlantische Bodhisattva war oder etwas anderes, wissen wir noch nicht, aber wichtiger in diesem Fall ist die Tatsache, dass Uriel mit dem Äon des alten Saturn verbunden ist, als die Zeit entstand. Nur die ältesten Völker hatten das Privileg eines engen Kontaktes mit dem Hüter der Weisheit der Zeit.

Eine andere interessante Besonderheit des bulgarischen Kalenders ist die Verwendung der Zahl 12 als Hauptzeitzyklus, und diese Zahl entspricht der Periode, in der der Weisheitsplanet Jupiter die Sonne umrundet. Wir können dem das Datum 15.08. hinzufügen, das in der christlichen Ära zum Fest der Jungfrau Sophia wurde – der irdischen Vertreterin der Weisheit Gottes.

Unter Berücksichtigung aller Tatsachen können wir feststellen, dass im Jahre 5505 v.Chr. die Menschheit das große Weltneujahr auf Erden erlebte. Damals wurde der dritte Bodhisattva zum Buddha. Er erlebte die Weltengeheimnissen der Weisheit und prägte sie seinem Ätherleib ein. Später machten die Bulgaren dieses Jahr zum Anfang ihres Kalenders. Als das Volk, das für die ganze Ich-Evolution der Menschheit verantwortliche ist, waren sie schon immer mit der Bodhisattva-Loge verbunden, da ihre Hauptaufgabe im Aufbau des Ich-Bewusstseins im Menschen besteht. Da der dritte Bodhisattva auch in diese Richtung wirkte, konnte das durch ihn im Ätherleib Ausgearbeitete während der zweiten nachatlantischen Epoche den Astralleibern der damaligen Menschen eingeprägt werden, da das Erlebnis des Astralleibes zum Kulturentwicklungsfaktor wurde.  Während die vorausgegangene Kulturepoche eine spezifische Wiederholung der polarischen Zeit und der in ihr herrschenden Einheit war, trat nun die Trennung zwischen Gut und Böse auf. Diese Trennung war eine Widerspiegelung der Trennung in der hyperboräischen Zeit zwischen Sonne und Mond (zusammen mit der Erde) – also zwischen Gut und Böse. Das vom dritten Bodhisattva Ausgearbeitete ist in Erscheinung getreten.

Wenn wir wieder den ausgewählten Schlüssel zum Begreifen des Bodhisattva-Mysteriums anwenden, können wir Folgendes feststellen. Nach dem siebten Jahr stößt das Kind die Ätherhülle der Mutter zurück und beginnt, sich einen eigenen Ätherleib auszubauen, obwohl es immer noch von der mütterlichen Ätherhülle abhängig ist. In der gleichen Abhängigkeit befanden sich die Menschen der zweiten Kulturepoche, die den Einfluss des Ätherleibes des dritten Bodhisattva empfanden, der in ihnen als Astralleib wirkte. Durch diesen Einfluss erlebten sie in ihren Astralleibern den Übergang von der Eins zur Zwei, der sich am deutlichsten im alten Zarathustra zeigte. Zarathustra lehrte über den Sonnengeist Ormuzd und den düsteren Mondengeist Angra Manyu. Er war der erste Mensch auf Erden, der durch das Ergebnis der Wirkung des dritten Bodhisattva dermaßen erleuchtet war,  dass er in seinem Astralleib das im Weltenneujahr Erlebte und das durch die heiligen Rishi der vorhergehenden Epoche in Bildern ausgesprochene Wissen über die geistigen Welten verstehen konnte. Nicht nur hat er das mit seinem Verstand begriffen, sondern er begann es in menschlichen Begriffen zu formulieren und an die Schüler in seinen Schulen weiterzugeben. Als der erhabenste Nachfolger des dritten Bodhisattva wurde Zarathustra zum menschlichen Urbild für das Erkennen des Bösen. Zarathustra fungierte als eine Brücke, über die sein Lehrer den Weg zur siebten nachatlantischen Kulturepoche wies, wenn die von ihm entwickelte Fähigkeit als die Kraft zum Erkennen des Bösen gespiegelt werden wird. Doch das wird nicht durch den Ätherleib erfolgen, der als Astralleib wirken wird, sondern durch den zum Ätherleib hinuntersteigenden Lebensgeist (durch das Buddhi-Prinzip). Das Buddhi-Prinzip befindet sich in enger Beziehung mit dem kosmischen Christus und der Loge der Zwölf. Im Jahr 6495 n.Chr. werden wir also das Weltenneujahr auf Erden wieder erleben, der Mond wird sich mit der Erde wieder verbinden. Die bereits entstandene „Rasse der Guten“ wird dann nicht nur die Kraft zum Erkennen des Bösen im zurückkehrenden Mond besitzen müssen, sondern auch die Kraft haben, das Böse zum Guten zu wenden. Das Urbild der zweiten Kraft ist Christus mit Seinem Ersten und Zweiten Golgatha und zum menschlichen Urbild muss einer der Zwölf werden.

Hier wird die Tragödie des Orients sichtbar, der Christus nicht begreift. Wenn wir uns an das von Sri Yukteswar Geschriebene halten wollen, dann müssten wir uns im besagten Jahr 6495 dem „Tor des Unbekannten“  am entferntesten befinden und die schwächsten geistigen Möglichkeiten besitzen, also völlig unvorbereitet zur Rückkehr des Mondes sein. Die erneute Verbindung mit dem Mond bedeutet praktisch den Übergang unseres Ich-Bewusstseins durch das Bewusstsein unseres Astralleibes. Dieser Prozess wird das Erlebnis hervorrufen, das Steiner ‚das Weltenneujahr auf Erden‘ nennt. Wir werden dann dem Tor zum Unbekannten am entferntesten sein, aber wir müssen vorher eine solche Ich-Kraft entwickelt haben, dass wir die Prüfung in der Art meistern, wie es der Erlöser am Kreuz vorführte –  damals war Er Seinem Vater am entferntesten. Die Rückkehr des Mondes wird ein solches Entfachen des Bösen in den Astralleibern der „bösen Rasse“ bewirken, die die Christus-Kraft nicht aufgenommen hat, dass sie den Krieg aller gegen alle entfachen wird. Nach Ende dieses Krieges wird auf dem neuen Kontinent eine aufsteigende Entwicklung und ein allmähliches Nähern zu Brahmas Sitz wieder im Laufe von 12000 Jahren einsetzen. So können sich die östliche und die westliche Weisheit in der Anthroposophie treffen, um das Bodhisattva-Mysterium besser zu begreifen, in dem der Christus-Wille ans Licht kommt bis zum Ende der physischen Existenz der Erde. Wir werden nun unsere Reise fortsetzen.

 

 

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Ein Gedanke zu „Die Bodhisattvas – 1. Teil

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